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Dienstag

6. Juli 1926

Unterhaltung und Wissen

Hans Hinkebein.

Novelle von Mar Dortu.

Wenn einer im Jahre 1862 geboren ist, dann er im Jahre 1924 rund 62 Jahre alt sein. Jawohl! Die Rechnung ftimmt ganz genau. Hans Hinkebein ist 62 Jahre alt.

Wer ist Er? Je nun, Hans Hinkebein ist eben Hans Hintebein, denn er hinkt. Und die ganze Stadt nennt den alten Hinter: Hans Hinlebein. Aber beileibe nicht, menn er dabei ist, sonst schwillt an feiner grauen Stirne eine blaue Zornader an, und dann wehe! Hans Hinkebein ist jähzornig. Wie der Sturm fann er brausen. Brausen kann er wie der Gießbach in der Wutausklaman.

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Hans Hinkebein ist ein alter Fabritarbeiter, ein Hüttenarbeiter. Beim letzten Abbau mard auch er abgebaut. Er ist unbeweibt. Ein alter Riese ist er, allerdings ein hinfender Riefe.

Diese Hinferei fam so. Beim Berladen von Stahlschienen fiel dem Hans eine Stahlschiene auf den Fuß, und zerquetschte Fleisch, Sehnen und Knochen. Den Fuß abschneiden?, sagte Hans, der Fuß bleibt dran. Der Arzt aber: Dann bekommen sie einen hintenden Klumpfuß. Hans: Der Teufel hat auch einen. Der Arzt: Gut, wenn Sie Verwandtschaft zu ihm fühlen mir recht, ich kann den Fuß ja auch fitzen lassen.

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Das alles war vor etwa vierzig Jahren. Lang, lang ist's her. Aber Hans erinnert das alles, als wenn's gestern gewesen wäre; denn damals, nach dem Krankenhaus, da fing's an:

Hans Hans Hintebein.

Und vor lauter Verzweiflung hatte Hans fich bem Suff ergeben, erft dem ftillen Suff, dann dem öffentlichen Suff, und dann ward für ihn das fliegende Bort geprägt:

Hans Hintebein,

Laß' s Saufen fein.

Ein gefährliches

Ein böses Wort. Ein heimtüdisches Wort. Bort. Dreimal hatte Hans Hintebein wegen dieses gefährlichen Bortes bereits im Rahn gefeffen, er hatte zugeschlagen. Das leigte. mal faß man drei Monate in einem Rutsch ab. Brrr!

Hans? Schaut ihm einmal ins Geficht. Ein schwarzes Stoppel­feld unten, eine graue Fabritmauer die Stirne. Die Naje ein flumpiger Wafferturm, der rot angestrichen ist. Die Lippen hart. Die Wangen eingefallen wie verschüttete Brummen. Aber das Auge, das Auge, das Auge ha, diefes Auge! Wohl, ein Säuferglanz liegt um das Auge her, aber das ist nicht das Bemerkenswerte; bemerkenswert, ja! höchst hedeutungsvoll ist: Was aus dem Auge herausleuchtet; mehr noch: Bedeutungsvoll ist, was aus dem Auge herausbrennt. Eine Flamure, eine Flamme, eine Flamme.

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Der Hans Hinklebein hat' ne Seele,' ne brennende Seele. Er ist cin echter Mensch, ein ganzer Mensch, ein wilder Mensch, ein guter Das alles fagt uns sein Mensch, ein fchöpferischer Mensch feelenbrennendes Auge.

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Hans Hintebein ein schöpferischer Mensch? Er ist so' n Etüd von' n Dichter. Und er fäuft?? Na, saufen denn die Dichter nicht alle? Jeder Dichter lebt doch im Rausche. Dichter berauschen sich an der Schönheit des Geins. Und wenn Hans Hinkebein früher wohl trant, um feine Galle zu beruhigen, dann tranf er zu anderer Beit, um in Stimmung zu fommen, um zu erleben, um Gefühle und Gedanken als schöne Stumdenwelt aufzubauen.

Ja, ein hartes Schicksal, das Schicksal mit dem Klumpefuß. Darüber hatte er auch die Rite verloren. Die damalige Mariame Rupfermühl, längst aber verheiratete Frau Mariane Drehbaum. Reich ist sie geworden. Und herrisch. Der Mann is' n Großhändler in Explosivstoffen für Bergwerksbedarf. Für die Eisensteingruben. Ja, und einft hatte der Hans bem Maidchen Rife errötend nach geschaut, bevor das mit dem Fuße fam. Und als das mit dem Fuß da war, da hatte der Hans dem Maidchen Rife erbleichend nach geschaut. Denn er fühlte, fie mag dich nicht mehr, der Teufelsfuß Na, und die Rite war in Dienst gekommen, bei dem alten Groß rater Drehbaum; und der junge Drehbaum hatte ihr' n biden Bauch gemacht; und da er ein Feigling war, hatte er fie geheiratet-; nicht aus Liebe, nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil er fich vor dem Geschwätz der Leute fürchtete!

Und die Rife ist bei dieser Heiraterei tiefst unglüdlich geworden; fie hat sich gerächt; sie hat die Hofen angezogen, sie ist ein Tyrann geworden, ein Tyrann mit Schnurrbart und Hand auf den Schlüsseln; Der Herr Großerplosivstoffhändler Alois Drehbaum ist nur' n Schatten feiner hand- unb trantfesten Frau.

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Jawohl, auch die Frau Mariane Drehbaum trinft. Da haben wir' s ja! So argumentiert Hans Hinfebein, fie trinkt aus Ber­zweiflung, weil sie mir nicht gefriegt hat.

Ja, der Abbau, das war bös. Da fonnte man dann nicht mehr in den Schwarzen Affen" gehen und sein Edschöpfchen Wacholder trinten. Num hieß es: nüchtern sein. Nun hieß es: Hans Hinkebein, zieh du den Beibriemen strammer an. Jawohl, es tam bis zum Hungern. Das mar, als hans mal die Erwerbslofenunterstützung cuf einen einzigen Hieb verfoff. Er hatte ja teine Schuld,! Die Buben mit ihrem:

Hans Hinlebein, Laß's Saufen fein.

Da soll doch gleich der Deubel dreinschlagen. Die Buben! Buben! Diese Lästerzungen. Und immer die reichen Buben. armen Buben mudten sich nicht, die tannten Hansens Fauft. achteten den Hans Hinfebein, meil sie ihn fürchteten. Aber die reichen Menschen; D!' ne Bosheit is das mit die die haben weder Gott noch Menschenfurcht.

Die Die

Die

-O

Hans Hintebein, mas tochst du heute? Kartoffeln? Hans Hinke bein, mach Feuer.' s is fein Holz da. Hans Hintebein, nimms Bägelchen, und dann hinauf in den Bergwald, Holz holen, Holz stehlen; Selbsthilfe. Auf in den Staatsforst. Hans Hinkebein, der Staat, das ist die Form her um das Volt. Hans Hinkebein, der Staat: das bist du selbst.

Auf geht's.

Uebers hoppelige Basaltpflaster der alten Gebirgsstadt hin rollt Das Mägelchen, davor bas Kraftpferd, der Hans. Sein einer Fuß! Rozbliz, wie' n belgischer Pferdefuß. Gin belgischer Riefengaul, leider hinft er. Un fo'n Hintegaul vor'm Wagen, der nicht größer ist als ' ne Ziege.

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Hin geht die Fahrt über den Marktplays. Der alte Dom errötet, als er den Hans fieht, denn der Dom liebt den Hans, eine Liebe auf Gegenseitigkeit fage, mir teiner, daß der Stein fein Herz habe. O ja, da ist Berwandtschaft zwischen dem Seelenfunken des Hans Hinlebein und dem sehnenden Feuerfunten im Geftein des Doms. So etwas aber fühlt nur der Hans, der Träumer, der Seher, der Boet. Der Boet mit der grauen Fabrifftirne.( Borth folgt)

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Ein Kreuzworträtsel.

DEM DEUTSCHEN VOLKE

Wo findet sich der Mann, der es- auflöst?!

Das Totenschiff.

Die Geschichte eines amerikanischen Seemanns.

Das Hohelied und der Todesfang der Heizer und Kohlen trimmer im heißen Bauch des Schiffes, es wird gesungen von B. Traven in seinem Iotenschiff". Wer das Buch in die Hand nimmt, der liest es in atemloser Spannung durch bis zum Schluß. Das Schicksal eines Decarbeiters, der in Antwerpen an Land geht, um sich auszuleben und die Abfahrt seines Schiffes dabei versäumt. Der seine Raften Tustaloosa ist fort, deſſen Schiffbauer auch Menschen seien und nicht nur Hände". Mit dem Schiff zugleich den revolutionären Gedanken gehabt hatte, daß die Mannschaft find Papiere und Heuer davon, und nun beginnt die Tragikomödie feines heimlichen Abschiebens in der Nacht von einer Grenze zur anderen mit Hilfe der Obrigkeit. Von Belgien nach Holland , überall will man fich der Scherereien des lästigen Ausländers so entledigen, wie manche Dorfgemeinden die Leiche eines Bagabunden ins Nachbargebiet hinüberpraktizieren. Die Stärke Travens liegt darin, wir sie aus der Gedankenwelt des Seemanns miterleben müffen. wie er immer diese wechselnden Schicksale so miterleben läßt, daß Rach dem belgisch - holländischen Fangballipielen fährt er nach Paris , schwarz natürlich, macht er mit einem französischen Gefängnis Be tanntschaft. Er strebt dann nach Spanien zu und erlebt die unwahr fcheinlichsten Abenteuer in einem französischen Fort, wechselt nach Spanien herüber, und lebt in Barcelona von dem Abkochen gehen" auf den verschiedenen Schiffen. Hier begegnet ihm das Totenschiff Geeleuten. Und wie die Mannschaft, so jah auch das Schiff aus. Doritte" mit seinen verlumpten, abgeriffenen und verschwärten Ihm, der ohne Papiere nirgends anfam, wurde von der Voritte Arbeit angeboten, die er, abergläubisch wie in einer Art 3mang, annnimmt. Einmal auf dem Schiff, das aus aller Herren Länder Matrosen ohne Papiere an sich fettete und sie zu einer Art Fremden­legion" zusammenschweißte, war er ihm wie die anderen verfallen. Eine dreckige, verlaufte Hölle, ein Schmuggelschiff, das Patronen flariert. Ein abscheulicher Fraß, stinkiges Trinkwasser, ein hartes als schwäbisches Pflaumenmuß und Gewehre als Corned Beef de Holzlager und Arbeit bis zum Umfallen als Kohlenschlepper, Aschen­zieher und Meßbon zugleich. Wären nicht manchmal als Blendladung Bananen, Tomaten und Datteln , die Besagung würde am Eßefel verrecken. In der Hölle des Schiffsleibes, in qualmiger, öliger, unerträglich heißer Luft halten sie durch, die Ausgelöschten, Paß­lofen, Heimatlofen. So tief tann tein Mensch sinken, als daß er nicht immer noch tiefer finten fönnte, so schweres fann fein Mensch erdulden, als daß er nicht noch schwereres ertragen tönnte. Hier ist es, wo der Geist des Menschen, der ihn über das Tier erhebt, ihn tief unter das Tier erniedrigt. Lafttiere laffen sich flaglos zu Tode peitschen, ehe sie überlastet aufstehen, doch der Mensch flammert fich an die Hoffnung. Und er arbeitet wie die anderen, versäuft feinen fleinen Borschuß auf die angeftandene Heuer wie die anderen, und von Tag zu Tag, von Woche zu Woche fühlt er Dred und Drud weniger. Und er bleibt mit seinem Kameraden Stanislaw auf dem Totenfchiff wie die anderen, selbst wo fich Gelegenheit zur Flucht bietet, eben megen dieser Heuer, die er doch nicht bekommt. Das Elend der Staatenlosigkeit, der fehlenden Papiere, flammert sie fest an dies Totenschiff, von dem sie wissen, das es über kurz oder lang für immer im Meer verschwinden wird und muß, zum Besten der Schiffsgesellschaft und zum Schaden der Versicherung. Doch Yoritte sollte nicht das Totenschiff von ihm und dem Polen werden, sondern die Empreß of Madagascar", die Kaiferin von Madagastar". Ein scheinbar gesundes englisches Schiff, das im Datar- Hafen am Aequator altes Eisen lädt. Sie fährt Leichen, die Kaiferin, ihre Mannschaften sprechen Dorikkisch, wie die auf der Dorikke, das ist ein aus allen Sprachen zusammengemischtes Schiffsenglisch. Oben Eeide, unten meide" ist das Schiff, das schon zweimal zu fentern versuchte, weil der Kasten statt zwölf Knoten nur vier Knoten hergab. Sie muß runter vom Wasser, um die Versicherung einzubringen. Meide, in die Nähe zu gehen!" Sie fangen an, ihr offenes Toten­Schiff in Lumpen zu lieben.

Es fährt so manches Schifflein da draußen freuz und quer; doch feines tann so verrufen sein,

daß nicht manch anderes schlimmer mär'."

Wie die beiden Kohlentrimmer durch den Hafen trotten, werden te überfallen und bewußtlos auf die Kaiserin" bracht, we fie Heizerdienste tun müssen. Das Effen ist gut, die beit gering, fie hielten sich eine Lufe flar, um beim Knirschen sofort rauf und raus zu tommen. Der Krach ließ nicht lange auf fich marten, die Raiferin" fuhr abseits von der Route auf eine Riffspalte. Der größie Teil der Mannschaft erjoff im Quartier. Die Rettungsboote zerschlagen

Beilage des Vorwärts

am Felsgestein, die beiden retten sich allein zurüd af das Toten­schiff, bis auch dies durch den Anprall der Bogen zum Spielball des Meeres wird. Auf einer Schiffswand treiben fie, in Fieber­delirien; die Voritte erscheint ihnen als lodende Fata Morgana, hatte angemustert für große Fahrt, für ganz große Fahrt. Aber Stanislaw springt auf sie zu und versinkt für immer im Meer.., Er wie fonnte er nur mustern? Er hatte doch kein Seefahrtsbuch Eie würden ihn gleich wieder runterfeuern. Aber er fan nicht hoch. Der große Kapitän hatte ihn gemustert, und treu hatte er ihn gemustert, auch ohne Papiere. Komm, Stanislam Koslomiti, sagte der große Kapitän, fomm, ich mustere dich treu und ehrlich für große Fahrt. Laß nur die Papiere. Brauchit feine bei mir. Fährst Kannst du lesen, was über der Tür steht? Und Stanislam fagte: auf treuem und ehrlichem Schiff. Geh' zum Quartier, Stanislam. Ja, Rap'n. Wer hier eingeht, ist ledig aller Qualen." der Herausgabe diess Buches, das drucktechnisch eine wahre Freude Die Büchergilde Gutenberg, Berlin , hat sich mit macht, ein großes Berdienst erworben. Hier schenkte uns B. Traven, wie in seinen Baumwollpflückern", eine Dichtung aus der Welt des vor seiner Deflafsierung stehenden Arbeiters, die zum Heldengefang Sozialisten, seine Weltbetrachtung ist anarcho- syndikalistisch, ist staats. murde. Er sieht die Welt nicht mit den Augen des wissenschaftlichen feindlich, und doch wie er die Welt des Arbeiters ficht, ift von schönsten Sinne des Wortes. einer hinreißenden Stärke, ist Arbeiterdichtung im besten und Bruno Schönfant.

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Süß- und Sauerkirsche.

afien wildwachsend vorkommt. Die Süßkirsche soll von einer Pflanze abstammen, die in Klein Dort dürfte der Kirschbaum auch zuerst fultiviert worden sein. Wie es scheint, war er aber auch fchon im vierten Jahrhundert der vorchriftlichen Zeitrechnung in Griechenland heimisch, und von dort dürfte der Kirschbaum auch schon frühzeitig nach dem Süden Italiens eingeführt worden sein. Nun schrieb zwar Plinius der Aeltere einmal: Ehe Lucius Lucullus den Mithridates befiegt hatte, muchsen in Italien feine Kirschbäume. Bontusgebiet nach Italien , und er hat fich in weniger als 120 Jahren Im Jahre 680 nach Roms Erbauung brachte er der ersten aus dem bis Britannien verbreitet," aber dies mar zweifellos ein Irrtum. Aus anderen Quellen ist bekannt, daß der Kirschbaum längst in Italien heimisch war, ehe Lucius Lucullus im dritten mithridatischen Krieg feinen Sieg über Mithridates erfocht. Doch ist es immerhin möglich, daß in einigen Gegenden Italiens der von Griechenland ein­geführte Baum schlecht gepflegt wurde, so daß der von Lucullus eingeführte Kirschbaum zunächst als ein ganz anderer Baum ange­sehen wurde. Im alten Rom soll auch einmal der Berjuch unter­nommen worden sein, ternlose Kirschen zu züchten, doch mußte dieser Verfuch mißlingen. Von Rom aus brang der Baum weiter nach dem Norden vor, und namentlich in den Rheingegenden soll sehr früh eine ziemlich ergiebige Kirschenfultur entstanden sein. Die Kirsche gehörte auch zu den Obstbäumen, die Karl der Große an­zubauen befahl. Die Sauerkirsche scheint nicht von der gleichen Pflanze abzustammen wie die Süßtiriche. Die Urheimat der Sauer­tirsche weist auf einiige Gebiete in Transfautafien hin, mo noch heute ein wilder Kirschbaum mit fäuerlich schmeckenden Früchten wild wächst. Die Sauerkirsche dürfte denselben Weg gemacht haben wie die Süßkirsche. Sie tam von Asien nach Griechenland , wurde von dort aus weiter nach Rom verpflanzt und verbreitete sich von dort aus in die mehr nördlich gelegenen Länder Europas . Aus dem lateinischen Wort cerasus wurde in Frankreich cerise, in England cherry und in Deutschland Kirsche.

Wie hoch ist das Luftreich? Die vielfachen Bersuche, sich in große Höhen über die Erdoberfläche hinauszubegeben, sind aus­nahmslos gescheitert. Höchstens 12 Kilometer sind die äußerste Grenze, bis zu der sich der Mensch vorübergehend in das Luftreich zu erheben vermag. Die beiden Berliner Gelehrten Berson und Süring erreichten die Höhe von 10 800 Metere, aber im Zustande der Bewußtlosigkeit. Ron zwei englischen Luftschiffern, die 11 200 Meter hoch gelangten, starb der eine und der andere tam mit erfrorenen Gliedern zurüd. Auch die Befteigung der höchsten Berg­gipfel der Erde fand ihre Hauptschwierigkeit in der für die Atmung zu dünnen Luftschicht. Das Luftreich selbst ist jedoch noch bedeutend höher. Das läßt sich durch barometrische Höhenmessung feststellen, die nicht nur zur Messung von Bergeshöhen, sondern auch der Steig­höhe von Ballons und Flugzeugen verwendet wird. Man hat dadurch noch in einer Höhe von 50 000 Metern einen verhältnismäßig starken Luftdrud festgestellt und ist zu der Annahme gelangt, daß das Luftreich eine Höhe von annähernd 250 Kilometern erreicht. Bei einem Ferngeschüß von 100 Rilometer Schußmeite muß das Geschoßz 30 000 Meter hoch fliegen, also eine nicht geringe Strece luftbünnen Raumes durchmeffen.