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Mittwoch

7. Juli 1926

Unterhaltung und Wissen

Hans Hinkebein.

Novelle von May Dortu.

Obacht! Hier kommt man ans gefährliche Eck vorbei. Vorbei tommt man am Villenviertel. Dieses Wohnungsquartier der Reichen ist dem Hans tiefst verhaßt. Hier kann ihn fein Kind und kein Hund leiden. Hier riecht man seine freie Seele, hier liebt man nur Stlavenseelen. Unterwürfigkeit, sagt das Herrenquartier; Hans aber fagt: Der Deubel foll euch-

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Dor

Oho, die Kastanienbäume, schon find die Zweigespizzen ange­schwollen, und klebrig sind sie, das Märzenblut brennt den Bäumen in den Abern. Die Bäume, die Kastanien,' ne ganze Reihe den Billen nur nicht an das andere denken, an die Kinder, na! heut sind ja teine da, man tommt ohne Zoll durch, und die Sonne scheint, die Sonne mit dem gelben Tuch um das liebe alte junge Gesichtchen da, vom Billengarten her, schrecklich:

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Hans Hinkebein,

Laß' s Saufen fein.

Und ein Knabengelächter, ein biffiges Jungenlachen, drei, vier, fünf wieviel find's? Man sieht sie nicht, aber schon wieder: Hans Hinkebein,

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Laß' s Saufen sein.

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Bas tun? Hingehen? Das Haus anzünden? Die scharfe Art auf dem Wagen zudt und zudt im Sad. Die Art flüstert: Hans! Nur aus dem Sad laß mich raus, dann mach ich's selber. Aber Hans schlucktja! Er schluckt die Verführung herunter er denkt an das Rittchen drei Monate- und der Hurenrichter hatte gesagt: Hans, das nächſtemal gibt's' n Jahr., nur nich. D! die Kastanien­bäume, und' n Klaiber,' n fliederblauen Baumläufer. Und' n Fint, der schon singt. Und dann war Hans mit seinem Wägelchen auf der Bergstraße. Schon im Gebirge drin. Und dann ist man an Ort und Stelle. Art! jetzt tanze du. Art! jetzt springe und singe du. Schnell ist das Bägelchen voll, nun heim! Erst' ne Peiff' Tobat. Hast du welchen? Ach was. Da hängt ja braunes Eichenlaub. Buih Deubel, wie das schmeckt. Efelhaft. Aber' s raucht. Und' s perbeißt den Hunger.

Schön ist's im Wald. Die Sonne steht nun auf Nachmittag. Das goldene Sonnenhaar flimmert durch den Eichenwald. Hoch droben steht das schwarze Gezweige gegen einen seidenblauen Himmel. Die Böglein. Aha! die Kohlmeisen, die munteren Freunde. Aha! der Grünfpecht, dieser nordische Papagei. Aber auch die schwarzen Toten­pögel: Grab! Grab! Grab!

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Mit der Nase' n bißchen auf'n Boden fuchen, vielleicht find't man' n Goldstück Jeffas! Ida könnt der Affe trinken, trinken, trinfen. D! die Buben. Die Gottlosen. Die Hunde. Die Reichen. Die Quäler. Wieder muß man da vorbei. Hans schluckt und fchludt. Heil aber das auch? Wirklich! Jungfernfuß! Der erste Seidelbaft. Die zarte Blütenfamilie an schlanker Silbergerte. Seidel­beft, lilarot, Duft wie Hyazinthen. Und da noch eener, un. da, und da wirklich!' s gibt' n Sträußchen, das, tommt an die Mütze und dann heim der Magen fagt's, der Magen, der Magen.

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Heut abend gibt's Kartoffeln;' n Häringsschwanz is auch noch da. Fein! Das soll schmeden, so speist kein Fürst. Heimwärts.

Lustig geht's bergab.

Ha, nun geht die jüngferische Sonne schlafen, hinter die rosigen

Ruth, die Gefangene.

FREIHEIT- GIE

In der schönen Reisezeit

Sigt Ruth Fischer tief im Leid, Weil die Moskauer Despoten Ach, das Reisen ihr verboten. Da sie trotzdem fortgeloffen Hat der Bannfluch sie betroffen, Und das Herz voll tiefer Trauer Hütet Ruth das Vogelbauer.

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Borhänge tritt fie, jetzt entkleidet fie fich, und Hans ſieht das meiße Die Moral: Dreh' der Komintern Eigenmächtig nicht den-- Rücken!

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Jungfrauenfleisch seiner Rife. Ach, lang, lang ift's her. Boll an Die vierzig Jahre.

Nu schläft sie, die Sonne.

Hans deckt sie noch'n bißchen zu, mit blauen Wolfenfedern. Und Hans gibt der schlafenden Sonnenjungfer' n Kuß. Im Traume errötet fie leise. O die hohe Wolfe, zartrofig wie Pfirsichblüte.

Da hinten aber kommt es hinter den schwarzen Bergen hervor, der Glazkopf, der Bismard, der Mond. Dieser scheußliche Herren­schädel: der Mond, der Neider, der Schleicher, der Horcher, der dem Hans seine Liebe zur Sonne mißgönnt. Jawohl! Auch der Wind jagt's: Der Mond is'n Efel. Die Gicht hat er. Er kann nich laufen. Auf'n Krankenwagen rollt er über die Nachtbrücke hin.

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Aber die anderen, ja! das is was, die Sterne, die Freunde, die Lieben, die Mädchen. Schon singen sie. Schon tanzen fie. Wie der Reigen fich schwingt und schwingt- wohl gelungen! muß gelingen, wird gelingen, wird immer gelingen denn Frau Venus ist Vor­tänzerin, ha! Frau Venus, das goldene Geschmeide her und die weißen Brüste. Da trinken dürfen.-D, die Rite lang, lang ist's her. Und dennoch Weiblichkeit! ah, jetzt' n Schnaps haben vergessen, träumen,! sehen, fühlen, erleben. Immer bleibt das Herz jung, in feiner Liebe zum Weibe, in seiner Liebe zur Natur, in seinem Haß gegen das Böse.

Das Böse? Jawohl! Hier is es schon. Hans, kehr du um. Hans, fahr nicht da an den Billen vorbei, schon bellen die Hunde, schon hörst du übermütige Knabenstimmen. Hans! Hans!' s gibt' n Unglüd.

Aber schon ist man drin; mitten mang die Billen. O! die Sterne, die Sterne, wie sie tanzen, und das grüne Silber der Straßenlaterne, Gas? Elektrisch?

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Da, die Knabengruppe fünf, sechs, acht? Da stehen fie lauernd vor dem eisernen Gittertor, vor der Säulenvilla. Ha, und ihre Augen funkeln Haß, Verachtung, Hochmut, das sind die Eltern­augen: Abkehr vom armen Manne, Dünfel, Ueberhobensein, bessere. Menschen Die anderen? Säufer, Hurer, Faulenzer, Bieh, Knechte, Sklaven; gebt ihnen die Rute, schlagt ihnen das Fell

bunt

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Ha! Hans, Hans, Hans.

Hans, was geht in deinem Herzen vor?

Hans! laufe,' s gibt Unglück.

Da:

Rauhes Bachen- und dann:

Hans Hinkebein,

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Auf der Jagd nach Karl Marx .

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Kanzlei Seiner Majestät des Kaisers von Rußland "( die politische Im Jahre 1871 erhielt die berüchtigte III. Abteilung der Ueberwachungsabteilung des Polizeidepartements, furz auch Ochrana " genannt), wie aus den einschlägigen Atten zu ersehen ist, durch einen ihrer Auslandsagenten die Mitteilung, daß Karl Marg die Absicht habe, unter fremdem Namen von London nach Rußland zu reisen. Diese Mitteilung fie ging vermutlich von dem Agenten A. Balaschewitsch- Botozkij aus, der sich damals in London aufhielt und Zutritt zu Karl Marr hatte wurde in Petersburg mit großer Beunruhigung aufgenommen. Es wurden fofort entsprechende Maßnahmen ergriffen, da der Einfluß der 1. Internationale Anfang der siebziger Jahre in Europa bekannt­lich groß war, und der Name ihres Führers bei den damaligen Regierungsmännern aller europäischen Staaten feine angenehmen Gefühle auslöfte. Die III. Abteilung" erließ sofort an alle Gen­darmerieverwaltungen der Grenzzone folgendes geheime Rund­

schreiben:

Nr. 1338. 10. August 1871.

Geheim!

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Der Vorsitzende der deutschen Sektion der Internationalen Bereinigung und eines ihrer tätigsten Mitglieder der Literat Karl Marg, beabsichtigt mit englischem Baß unter dem Namen Wallace mit böswilliger Absicht nach Rußland zu gelangen. Ich ersuche Euer Hochwohlgeboren ergebenst, das Erscheinen des Marr Wallace innerhalb unserer Landesgrenzen aufs strengste zu überwachen, sowie im Falle seiner Aufgreifung die III. Abteilung der Kanzlei Seiner Majestät des Kaifers telegra phisch zu verständigen und die Anordnungen derselben abzu.

warten.

J. B. des Abteilungschefs

gez. Geheimer Rat Gribowskij. Außer diesem Zirkular, das an den Chef des Gendarmerie forps Oberst Shitkom und an die Chefs der Gendarmeriebezirks­verwaltungen von Beßarabien , Podolien, Wolhynien , Kowno und Warschau hinausging, wurde an den Chef der Gendarmeriever waltung von Odessa, Oberst Knopp, bereits am 24. Juli 1871 ein dementsprechendes dringendes Telegramm gerichtet.

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das

Diesem Oberst Knopp blühte schließlich ein ganzes Jahr nach Empfang des Telegramms im Mai 1872 ungeheure Glück, sich ein paar Tage in der Meinung und in dem erhebenden Gefühl zu miegen, den gefährlichen Revolutionär Karl Stubenarrests über ihn verhängt zu haben. Den Vorgang der Ber­haftung schildert Knopp selbst in einem Schreiben an den Chef des Gendarmeriekorps, das ebenfalls in den Aften enthalten ist, fol­gendermaßen:

Laß' s Saufen sein. Und' ne Handvoll Dred fliegt von den Marr in Odessa ausfindig gemacht" und zwei Tage strengen Stnaben her, das fribbelt dem Hans in Ohren und Nacken. Schon wieder:

Hans Hinkebein, Laß' s

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Weiter fam der Spötter nicht, ein Blitz flog ihm vor die Stirne, ein Donnerfeil, die Art! die Art! Das Kind ist tot. Dreizehn Jahre war der Knabe alt. Die filberne Art biß in das zarte weiße Gehirn, spaltete Stirnhaut und Schädel,

Let ist das Kind des Rechtsanwalts Sejam( Schluß folgt)

Mit dem Dampfer aus Konstantinopel traf am 18. Mai dieses Jahres Julius Alexander Maria Marr, gebürtig aus der Stadt Leipzig , ein, der im Jahre 1865 die englische Untertanschaft ange­nommen hat und, wie er angibt, in der Stadt Nottingham wohn haft ist, woselbst sein Vater ein Handelshaus hat. Sein Paß ist von Lord Grenville ausgestellt und am 1./13. April dieses Jahres von unserem Konsul visiert.

Die Depesche Eurer Erlaucht vom 24. Juli vorigen Jahres in

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Beilage des Vorwärts

Betracht ziehend, in der mir vorgeschrieben wurde, einen gewissen Marr, der aus Konstantinopel eintreffen sollte, zu verhaften, habe ich, um Ihren Befehl genau auszuführen, da mir feine besonderen Merkmale, ja nicht einmal der Vorname des Marg bekannt ist, und da ein Mißverständnis möglich wäre, zumal bei seiner Durch­suchung nichts Berdächtiges gefunden wurde, ihn feiner förmlichen Verhaftung unterzogen, sondern ihm durch Vermittlung des Stadt­hauptmanns der in diesem Betreff eine Vorschrift des örtlichen Generalgouverneurs hatte vorgeschlagen, entweder bis zur Auf­flärung der durch seinen Familiennamen entstandenen Zweifel auf dem Dampfer zu verbleiben, oder aber an Land zu gehen und nach eigener Wahl in einem beliebigen Gasthof abzusteigen, sich jedoch zu verpflichten, sein Zimmer vor Erlaubniserteilung nicht zu ver­lassen. Es wurde ihm hierbei die Möglichkeit gewährt, jene Per­sonen bei sich zu empfangen, zu denen er in geschäftlichen Be­ziehungen zu stehen vorgab. Der Paß des Marr verblieb beim Stadthauptmann, während vor seinem Zimmer ein Polizist postiert wurde."

Durch Telegrammaustausch mit Petersburg wurde der Irrtum aufgeklärt und der falsche" Marg auf freien Fuß gesetzt. Der diensteifrige Knopp rapportierte darauf seinem Borgesezten:

Nach dem heute erfolgten Empfang des Telegramms von Eurer Erlaucht wurde Marr sofort von der weiteren polizeilichen Beaufsichtigung befreit. Ueber die ihm bereiteten Schwierigkeiten beschwerte er sich brieflich bei seinem hiesigen Konsul, der übri gens dieser Beschwerde feine besondere Beach­tung schenkte und nach entgegengenommener mündlicher Er­flärung die Anordnungen der Ortsverwaltung bil­ligte."

Da er sich jedoch die verlockende Ehre nicht entgehen lassen wollte, den Revolutionär Marg doch noch zu fangen, fügte der ehrgeizige Knopp seinem Schreiben den folgenden Absatz hinzu:

" Indem ich dies Eurer Erlaucht melde, nehme ich mir die Ehre, Sie höflichst zu bitten, wenn besondere Merkmale oder ge­nauere Angaben zur Feststellung der Person jenes Marg vorliegen, der nach der Ankunft in Rußland zu verhaften ist, mir diese zur Bermeidung möglicher Mißverständnisse mitteilen zu wollen.

Auf Erlauchts" Veranlassung sandte man Knopp schließlich auch noch, seiner Bitte entsprechend, ein Lichtbild von Karl Marr. Selbstverständlich ist es dem ruhmfüchtigen Gendarmerieobert von Odessa troy all seinen weiteren Bemühungen nicht gelungen, den" echten" Marg zu schnappen". Ob er trotzdem in Anerken­nung seines vaterländischen Diensteifers zum General befördert oder doch wenigstens mit einem Orden ausgezeichnet wurde ist aus den Akten leider nicht zu ersehen. Hans Ruoff .

Betel und Kautabak,

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Die besonders in Amerika weit verbreitete Sitte des Kauens scheint auch bei uns mehr und mehr Verbreitung zu finden. Bisher begnügte man sich mit dem Briemen", neuerdings bricht sich aber auch das Kauen Schwerlöslicher Bonbons Bahn. Am verbreitetsten ist in Asien und Amerika das Betel kauen; in Asien wird es schon seit Jahrhunderten leidenschaftlich betrieben. Hergestellt wird ber Betel aus zerkleinerten Teilen der Arekanuß, die in die Blätter des Betelpfeffers gemidelt und mit gebranntem Ralf gestrichen werden. Diese fleinen Klumpen wurden dann von den Frauen zu­bereitet und in teilweise recht kostbaren Gefäßen für die Männer aufgehoben. Bei der Arbeit, auf der Jagd und bei gemeinsamen Zusammenfünften bildete der Betel einen großen Teil ihres törpers lichen Wohlbehagens, ja, einzelne asiatische Bölterschaften, wie die Negritos und die Weddahs, brachten Betel ihren Göttern zum Opfer und hielten starkes Betelbauen für ein den Gottheiten wohlgefälliges Wert.

Wie groß die Leidenschaft des Betelfauens bei den asiatischen Völkerschaften war, tann man schon daraus ermessen, daß nach einer Ende vorigen Jahrhunderts erschienenen Statistik in einem Jahre 200 Millionen Kilo Aretanüsse für die Her­stellung von Betel gebraucht wurden. In Amerifa freilich ist die Leidenschaft nicht weniger verbreitet. Auch dort ist die Betelbauerei uralte Sitte, sie wird aber auch von den Eingewanderten nicht vers schmäht, denn diese gewöhnen sich bald an die eigentümliche Passion. Wenn man der Ursache dieser Manie nachgeht, so fann man an nehmen, daß zweierlei dabei eine Rolle spielt. Erstens verschafft die der Arekanuß anhaftende Gerbsäure dem Kauenden einen an­in einen guten Geruch". genehmen Gaumentizel, und sodann kommt der Kauende dadurch

Im Gegensatz zum Beteltauen ist das Tab af tauen eine europäische Erfindung. Es wird bei uns heute noch stärker als man allgemein annimmt, ausgeübt. Das Heer der leidenschaftlichen Tabakkauer ist nicht gering, und manch einer glaubt, ohne ben Priem" im Munde nicht leben zu können. Zur Herstellung dieses beliebten Kaumittels ist am besten der schwerste Virginia - Tabat ge­eignet. Die Tabakblätter merden ausgelaugt, mit verschiedenen Soßen getränkt und dadurch einem Beizverfahren unterzogen. In Nordamerika , wohin das Tabaktauen von Europa aus verpflanzt wurde, konnten schwere Krankheitssymptome, die durch das Rauen hervorgerufen wurden, festgestellt werden, so u. a. hochygradige Ber dauungsstörungen und seelische Erschütterungen.

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A. J.

Das Rätsel der Schwere". Auf die Frage Warum fällt der Stein auf die Erde " gibt der Laie wohl meist die selbstverständliche Antwort: weil der Stein schwer ist. Die Physik führt hier den Bes griff der Anziehungskraft ein. Der Stein bewegt sich zur Erde, weil er von der Erde angezogen wird. Was aber die Anziehungs­traft ist, das ist noch recht rätfelhaft. Der Physiker Hartsough an der Universität Columbia hat Versuche unternommen, die das Wesen der Erdanziehung aufhellen sollen. Er ging von dem Gedanken aus, daß auch der Mond auf die Gegenstände eine Anziehung aus­üben müsse und daß die Mondanziehung um so stärker sei, je näher sich der Mond bei der Erde befinde. Steht der Mond im Zenith, so muß alse das Gewicht eines Gegenstandes am geringsten sein. Hartfough hat nun ein außerordentlich feines Meßinstrument fon struiert, mit dem tatsächlich Gewichtsschwankungen je nach der Stellung des Mondes festgestellt werden fonnten. Das Ueber­raschende aber war, daß das Gewicht eines Gegenstandes nicht am geringsten war, als der Mond im Zenith stand, sondern kurze Zeit danach. Es scheint somit aus diesem Bersuche hervorzugehen, daß fich die Anziehungskraft ähnlich wie der Schall und das Licht­im Raume fortpflanzt. Die Untersuchungen hierüber find noch nicht beendet, man darf hier aber noch auf manche wertvolle Entdeckung rechnen, die das Rätsel der Anziehungskraft einer Lösung nahe­bringen werden.

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Warum macht schwarze Kleidung schlank? Dem aufmerksamen Beobachter wird es nicht entgehen, daß wohlbeleibte Damen in einem schwarzen oder dunklen Kleide bedeutend schlanker erscheinen als in einem weißen. In derselben Weise lassen weiße Handschuhe die Hände und helle Schuhe die Füße größer erscheinen, als wenn fie dunkel bekleidet sind. Diese eigentümliche Tatsache beruht auf den optischen Fehlern des Auges, die zusammen die sogenannte Irradiation bewirken. Diese besteht darin, daß im Bewußtsein helle Flächen größer erscheinen als gleichgroße dunkle. Diese durch un­genaue Ronstruktion" des Auges hervorgerufene Irradiation bewirft nämlich, daß im Bild auf der Reghaut das Licht des hellen Gegen­standes etwas über die dunkle Umgebung hinausgreift. Dadurch er­scheint der helle Gegenstand auf Kosten seiner dunkleren Umgebung etwas vergrößert. Wer also seine etwas übermäßige Körperfülle ein wenig verbergen will, meide unbedingt zu helle Kleidung. Sie macht ihn in unseren Augen nur noch stärfer!