Gewerkschaftsbewegung
Abhalfterung kranker Arbeiter.
Die Klage einer Landesversicherungsanftalt.
Die ärztlichen Leiter der Heilstätter der Landesversicherungsanstalt Baden( Friedrichsheim, Luisenheim und Hirschhalde) stellten fest, daß in der letzten Zeit lungenkranken und sonstwie erkrankten Patienten der Heilstätten während ihrer Kurzeit das Arbeitsverhältnis gekündigt wurde. Die Kündigung schickt man ihnen in die Heilstätte. Durch diese für die Patienten fatastrophale Nachricht gerieten sie naturgemäß in die größte Aufregung und wurden derart mißgestimmt, daß sie für ihre Kur und die ärztlichen Ratschläge feinerlei Sinn mehr hätten. Die weitere Folge sei in der Regel eine wesentliche Berschlechte rung des förperlichen Zustandes dieser Kranken, womit nicht selten der ganze Seilerfolg in Frage gestellt wird. Schließlich hätten viele der gekündigten Patien ten die Kur abgebrochen. so daß die ganzen Kosten für das bisherige Heilverfahren umsonst aufgewendet
wurden.
Die ärztlichen Leiter der genannten Heilstätten teilten ihre übereinstimmenden Beobachtungen der Landesversicherungsanstalt Baden mit, die sich daraufhin mit einem Schreiben an die Handelsfammer Konstanz, mahrscheinlich auch an die übrigen badischen Handelskammern, wandte. Es heißt in dem Schreiben: " Wir müssen dieses Vorgehen mancher Arbeitgeber als wenig menschenfreundlich bezeichnen und erlauben uns daher, an die dortige Kammer die dringende Bitte zu richten, daß sie von Kündigungen an Arbeiter, die wegen Krankheit sich in unseren Heilstätten befinden, während der Kurzeit absehen und die Entlassung dieser Arbeiter wenn sie sich nicht überhaupt umgehen läßt auf einen Zeitpunkt verschieben, der nach dem Wiedereintritt des betreffenden Arbeiters in den Betrieb gelegen ist."
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Die Wirkung, auf die das Schreiben berechnet ist, wird es zweifellos verfehlen. Die Unternehmer wollen sich doch den Ent lassungsgrund gemäß§ 123 3iffer 8 GD. nicht entgehen lassen, der ja fortfallen würde, wenn die Arbeiter aus der Heilstätte als gesund entlassen sind. Im Effekt bedeutete die Entlassung kurz nach Wiederaufnahme der Arbeit
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aus irgendeinem anderen Grunde, um den fein Unternehmer in Berlegenheit kommt, denn dafür hat er ja feine Kulis für den kaum genesenen Arbeiter nicht minder eine gesundheitliche Schädigung. Doch für den Heilerfolg und die Erfolgsstatistik der Heilstätten ergäbe fich ein günstigeres Resultat, wenn die Entlassung während der Kur unterbleiben würde. Die leitenden Aerzte der Heilstätten fönnen sich natürlich nur um die Arbeiter als ihre Patienten fümmern. Was nachdem aus ihnen wird, ist nicht ihres Amtes. Unternehmerpraris fchon um sich gegriffen hat, die Arbeiter während des Heilverfahrens zu entlassen, ohne Rücksicht auf seinen 3wed und die Kosten, erst recht aber ohne die rein mensch liche Rücksicht auf den erfranften Arbeiter. Als menig men. schenfreundlich" bezeichnet die ärztliche Mahnung das Bor gehen mancher" Arbeitgeber. Die Herren Arbeitgeber werden sich gegen diesen Borwurf geziemend verwahren, indem sie geltend machen, daß ihre Betriebe doch nicht etwa dazu da sind, in Menschenfreundlichkeit zu machen, sondern dazu, um Profit zu
Immerhin zeigt das Schreiben, wie weit diese moderne
machen.
Der erfolgreichste Profitmacher Henry Ford aber, der für Wohltätigkeit" durchaus nichts übrig hat, beschafft auch den franten Arbeitern seines Betriebes entsprechende Beschäftigung, damit fie mährend ihrer Krankheit etwas verdienen und nachdem um so leichter wieder in ihre Arbeitsstelle einrüden fönnen.
gou Man sieht den Unterschied zwischen dem Berhalten des Mannes der Rationalisierung und dem seiner stümperhaften Nachahmer, die es in der zynischen Rücksichtslosigkeit gegen die Arbeiter erheblich weiter gebracht haben als auf irgendeinem anderen Ge= biete der Rationalisierung. Jeden Appell an das" gute Herz" der Unternehmer halten wir von vornherein verfehlt. Indem wir aber folche Erscheinungen feststellen, weisen wir auf die Lücken des Arbeiterschutzes hin und fordern deren Ausfüllung, zum Schuße der Arbeiter gegen die moderne Menschenfreundlichkeit" der Unternehmer.
Gemeinde- und Staatsarbeiter- Verband 1925.
Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hat vor einigen Tagen seinen Geschäftsbericht für das Jahr 1925 herausgegeben, der auf 239 Seiten einen eingehenden Ueberblick über die Entwicklung des Verbandes, die Tätigkeit des Hauptvorstandes und der örtlichen und bezirklichen Verbandsinstanzen gibi. Unverkennbar ist der, wenn auch langsame, so doch aber stetige
Aufschwung in der Mitgliederbewegung.
In ben Jahren 1922/1923 maren nur 42 Szo. 4,4 Broz. ums organisiert. Durch die Inflation und ihre Rüdwirtung auf die Gewertschaften ist ein großer Teil der sogenannten Mitläufer dem Ber. band untreu geworden. Hier ist für die Funktionäre und Mitglieder noch ein großes Feld für die gewerkschaftliche Werbe- und Auf flärungsarbeit gegeben.
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Die Wirtschaftskrise spiegelt sich in den Arbeitslofenziffern des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes längst nicht in dem Maße wider wie in den Industrieorganisationen. Zu Beginn des Jahres maren 2082 Mitglieder= 1,07 Broz. arbeitslos, zu Ende des zweiten Quartals 9590,48 Proz. und am Schluß des Jahres 3753 Mitglieder 1,87 Proz. Lohnbewegungen wurden im Berichtsjahr 728( darunter 4 Streifs) in 8027 Betrieben mit insgesamt 321 389 Befchäftigten geführt. Die durch die Lohnbewegungen erzielten Lohnerhöhungen betrugen insgesamt 839 568,22 Mart
oder durchschnittlich 2,61 Mart pro Kopf. Der Hauptteil der Lohnbewegungen fällt in das erste Halbjahr 1925, während im zweiten Halbjahr ein weiteres Heraufschrauben der Löhne unmöglich wurde und alle Kräfte für die Behauptung der erreichten Lohnhöhe eingesetzt werden mußten. Infolge der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage wurde auch in diesem Wirtschaftszweige versucht, bei Neuabschlüsse: t von Tarifen hauptsächlich in der Frage der Arbeitszeit Verschlechterungen durchzusehen. Wenn es auch der Organisation nicht gelang, ihre aufgestellten Gegenforderungen, die auf die volle Durch= führung des Achtstundentags abzielten durchzusehen, so schlechterungen überall abzuwehren. Die Zahl der Tarifver. war es ihr aber möglich, das Anfinnen der Verwaltungen auf Berträge hat sich von 254 am Schluß des Vorjahres auf 318 oder um 140 Fällen gewährt. Von den angestrengten Klagen wurden 51 mit 64 bis zum Schluß des Jahres 1925 erhöht. Rechtsschutz wurde in Erfolg, 40 ohne Erfolg und 23 durch Bergleich erledigt. 23 Klagen waren bei Jahresschluß noch unerledigt und von 3 Klagen blieb der Ausgang unbekannt. Die Kosten für den bewilligten Rechtsschutz beliefen sich auf 10 323,19 Mart.
Die Einnahmen der Hauptkaffe betrugen 3 989 068,13 Mart, die Ausgaben 3 265 121,33 Mart. Der Kassenbestand erhöhte sich von 545 028,67 Mart am Schluß des Vorjahres auf 723 946,80 Mart zu Ende 1925.
Erinnert sei hier zum Schluß noch an den im Berichtsjahre ab geschlossenen Gegenseitigkeitsvertrag mit der Reichs, gewertschaft Deutscher Kommunalbeamten, dem Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands und dem Deutschen Berkehrsbund, durch den ein weiteres Stüd Beg geebnet wurde zur Industrieorganisation der im Transport, Verkehr, in öffentlichen Betrieben und Bermaltungen Beschäftigten.
Industrieverband der Lebensmittelarbeiter.
Das Abstimmungsergebnis im Verbande der Lebens. mittel- und Getränkearbeiter liegt nunmehr vollständig vor. An der Abstimmung beteiligten sich 48 263 Mitglieder, Don denen 33 130 für die Verschmelzung, 15 002 gegen 31 S die Verschmelzung stimmten. 131 Stimmen waren ungültig.
Das Gesamtergebnis aller hier beteiligten Berbände wird das durch nicht beeinflußt. Für die Verschmelzung erflärten fich 56 681 Mitglieder, da gegen 16 514. Ungültig maren 144 Stimmen. Nach den Vereinbarungen über die Urabstimmung werden sich mit den Ergebnissen der Abstimmung die einzelnen Beiräte der Verbände beschäftigen.„ Ergibt die Abstimmung eine tragfähige Mehrheit für die Schaffung eines neuen Berbandes, so vereinigen sich die drei Einzelverbände zu einem Verband, in dem die Mitgliedschaft und Beitragsleistung sowie die gezahlten Unter stügungen in den alten Berbänden nach den Sagungen des neuen Verbandes angerechnet werden."
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Bon den 130 946 Mitgliedern der drei Berbände haben sich 73 339, d. f. 56 Broz, an der Abstimmung beteiligt und 77 Pro3. der Abstimmenden haben sich für die Vereinigung erklärt, fodaß diese aller Wahrscheinlichkeit nach zustande fommen wird. Die Beschäftigungslosigkeit in der Textilindustrie. Der Deutsche Textilarbeiterverband stellt regelmäßig Erhebungen über den Umfang der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit in der Textilindustrie an. Nach seinen Feststellungen zeigt die Zahl der Ar beitslosen und Kurzarbeiter im Monat Mai 1926 gegen den Monat April felgende Entwicklung:
Arbeitslose Kurzarbeiter
April 58 988 154 256
Mai 58.775 150-272
Die Zahl der Kurzarbeiter weist im Monat Mai einen Rudgang von 4000 auf, während sich die Zahl der Arbeitslosen auf annähernd gleicher Höhe gehalten hat. Nach den Feststellungen beträgt die Arbeitsfürzung meist 16 bis 24 Stunden wöchent lich. Für den Monat Juni macht sich wieder eine Steigerung der Arbeitslosenziffer bemerkbar.
Von den einzelnen Branchen ist die Seiden- und Kunstseiden Bis zum Beginn des vierten Quartals 1924 fant die Kurve der Mitindustrie noch am besten beschäftigt. Sie zählte noch 39,1 Proz. Bollgliederbewegung noch herab. Seitdem aber trat wieder eine allmäh beschäftigte gegen nur 19,5 Broz. in der Seilerei und nur 5 Broz. in liche Mitgliederzunahme ein. Ende 1924 zählte der Verband 190 008 beschäftigt find die Gaue Barmen, Augsburg , Stuttgart , Liegnitz und der Gardinen und Spigenindustrie. Am schlechtesten Mitglieder, En de 1925 dagegen 200 692 Mitglieder. Das bedeutet Berlin . Es folgen dann Kaffel, Dresden und Hannover . Die beste eine Zunahme von 10 684 Mitgliedern. Der Fortschritt in der Mit Beschäftigung hat Gera aufzuweisen. Der Textilarbeiterverband gliederbewegung, die innere Erstarfung des Verbandes prägt sich noch deutlicher aus in der Feststellung, daß die Anzahl der vollzieht aus seiner Erhebung die Folgerung, daß mit einer Stagnation des Arbeitsmarktes auf längere Zeit gerechnet werden muß. zahlenden Mitglieder nach der durch 52 geteilten Jahres
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beitragssumme Ende 1924 169 088 betrug, Ende 1925 aber
182 754, ein mehr von 13 666 Dollzahlenden Mitgliedern. Das Verhältnis der vollzahlenden zu den buchmäßigen Mitgliedern mit 89,17 Broz. ist als recht gut zu bezeichnen. Beachtens mert ist im Zusammenhang mit den Mitgliedsziffern auch das Ergebnis ber alljährlichen 3ählung aller Beschäftigten und die Feststellung ihrer Organisationszugehörigkeit. Von insgesamt 859 Filialen geben 856 die Zahl der in Gemeinde- und Staatsbetrieben Von diesen 290 241 Beschäftigten Beschäftigten auf 290 241 an. gehörten 191 159 oder 65,9 Proz. der Organisation an. Im Borjahre gehörten bei nur 273 188 Beschäftigten 180 212 oder 66 Proz. Der Organisation an. Bon den übrigen 99 082 Beschäftigten find 26 093 9 Proz. in anderen Verbänden freigewerkschaftlich organisiert, 15 452 5,3 Proz. in gegnerischen Verbänden( davon allein bei den Christlichen 12 402= 4,2 Proz.) und 57 537= 19,8 Prozent find noch vollständig unorganisiert.
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Neue Verhandlungen im englischen Bergarbeiterstreit? London , 7. Juli. ( BTB.) Daily News" ist der Meinung, daß der Aufschub der Beratungen der Achtstunden vorlage im Oberhaus nicht nur der Aufklärung von Mißverständnissen, sondern auch der Wiedereröffnung von Berhandlungen dienen soll. Auch der parlamentarische Korrespondent des Daily Telegraph spricht von Gerüchten, wonach die Regierung und die Bergleute feit ein oder zwei Tagen wieder in Fühlung seien.
Der Streit im Antwerpener Hafen beendet. Antwerpen , 7. Juli. ( TU.) Nach langwierigen Verhandlungen wurde am Dienstag nachmittag der Streit beigelegt. Die Hafen arbeiter werden am Donnerstag früh die Arbeit wieder aufnehmen. Am Donnerstag nachmittag tritt die Hafenkommission zusammen, um über eine Erhöhung der Löhne zu verhandeln.
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Gefperrie Gaffwirtsbetriebe. Wie uns der Zentralverband Ser Hobel, Restaurant- und Caféangestellten mitteilt, sind folgende Gastwirtsbetriebe für organisierte Arbeitnehmer gesperrt Restaurant Deutscher Hof", Inh. Krumrey, Ludauer Straße. 3um Eisbär", Inh. Jodfch, Köpenider Straße 38. Die Be triebe Fr. Paarmann, Oberbaunstraße 1 und Wrangel-, Ede Cuvrystraße. Prälaten des Ostens, Inh. Wnud, Große Frankfurter Straße 16.- Restaurant Rückert, Frankfurter Allee 1. -Löwen Böhmisch, Syring u. Jaebe, Elbinger Straße Ede Landsberger Allee. Schultheiß- Bazenhofer, Inh. Arthur Franz Kaiserstraße 47/48. Restaurant ,, Neu- Helgoland" bei Rahnsdorf , Inh. Fröhlich. Restaurant Rübezahl", Inh. Ostar Müller, Am Müggelfee. Restaurant, atfchte, Grünheide und Bater Fielig", Grünheide .
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Die Sperre über das Restaurant Woltersdorfer Mühle", Inh. Mar Behle, in Woltersdorf , wird hiermit auf gehoben. Die Differenzen find beigelegt.
Die Zahl der Arbeitslosen in England betrug am 26. Junt 1 638 000, b. f. 3 858 mehr als in der Borwoche. Die Arbeiter, die durch den Bergarbeiterstreit arbeitslos wurden, sind in diese Zählung nicht mit inbegriffen.
Der Streit der New Yorker Untergrundbahner ist am ersten Streiftage ohne Zwischenfall verlaufen. Der Verkehr ist so gut wie eingestellt.
Wirtschaft
Ein neuer Seehandlungsskandal.
Durch die Kutister- Affäre fam die Preußische Staatsbank ( See handlung) in den Besitz des berüchtigten Hanauer Lagers. Die Seehandlung bahnte eine Verwertung des Lagers durch die Jndag( Industrie- Berwertungs- A.- G. Berlin) an und hoffte stark, Rutister- Affäre erlittenen materiellen Schadens gutmachen durch diese Aktion wenigstens einen Teil des durch die zu können. Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Die Indag hat, wie die Seehandlung nun mitteilt, das Lager, das nach den Kutisterschen Angaben 9 Millionen Marf wert sein sollte und das von der Seehandlung als Gegenwert von 4½ millio nen Mart hereingenommen wurde, an einen französischen Interessenten vertauft. Der Kaufpreis wird leider nicht genannt. Tatsache ist aber, daß der französische Interessent 80 000 Reichsmart in bar bezahlte und im übrigen Wechsel ausstellte, die sich ebenso faul wie die Kutisterschen Wechsel er. wiesen. Die Indag sah sich nun gezwungen, mit dem französischen Käufer ein Arrangement zu treffen, demzufolge ihr der Rest des Lagers als Sicherheit übereignet wird. Offen bleibt die Frage, was mit dem Lager in der Zwischenzeit passierte und welcher Schaden der Seehandlung weiter durch diese Manipulationen erwachsen ist. t
Binnenschiffahrtskredite.
Das Reichsverfehrsministerium hat in einer foeben veröffent lichten Denkschrift die Regelung für den Binnenschiffahrtskredit niedergelegt. Die neue Subventionsaltion sieht Maßnahmen Breukens und des Reiches vor. Preußen wird durch Kapitalsauffüllung den Schiffshypothekenbanken die Aufnahme ihres Betriebes gewährleisten. Um für die Pfandbriefe der Schiffs= hypothekenbanken den nötigen Markt zu schaffen, erklärt sich das Reich bereit, insgesamt 6 Millionen Mart für die Stügung der Pfandbriefe zu verwenden und zwar in der Art, daß das Reich Schiffspfandbriefe zum Nennwert übernimmt. Die Pfandbriefe find zehn Jahre unfündbar und sollen vom 11. Jahre ab mit 10 Proz. des Betrages pro Jahr eingelöst werden. Den Banten selbst werden die Staatsmittel zu 5 Broz. mit der Verpflichtung zur Verfügung ge stellt, daß der Zinssatz für Schiffsdarlehen nicht über 6 bis 6% Pro3. liegen darf.
Steuerfreudigkeit.
Der Reichsminister der Finanzen hat folgende Berfügung an die Landesfinanzämter herausgegeben:" Mir ist aufgefallen, daß es in allen Landesfinanzbezirken eine Reihe von Steuerpflichtigen gibt, die noch über ein erhebliches Vermögen verfügen, aber für die jetzt im Gang befindliche Frühjahrsveranlagung fein oder doch nur ein ganz geringes Einkommen deklariert haben. Bei einem Teil diefer Pflichtigen wird auf Grund der Buchund Betriebsprüfungen noch ein wesentliches Einkommen veranlagt werden. Bei einem anderen Teil wird dagegen tatsächlich tein oder nur ein geringes Eintommen festgestellt werden, sei es nun, daß die Buch- und Betriebsprüfung die Angaben des Pflichtigen im wesentlichen bestätigt, sei es, daß sich auch ohne Buchund Betriebsführung schon heute übersehen läßt, daß ein Berlust vorhanden ist.
Es wird zu prüfen sein, ob bei den genannten Steuerpflichtigen die Besteuerung nach dem Verbrauch gemäß§ 49 EStG. geboten ist. Ich verweise in dieser Beziehung auf meine Runderlasse Dom 29. Dezember 1925- III e 7600- und vom 9. März 1926 III e 1600 Wenn in diesen Erlassen in erster Linie die Großgrundbefizer erwähnt waren, so lag das daran, daß damals bei der
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Wenn die Voraus
Herbstveranlagung fast ausschließlich Landwirte veranlagt wurden. Die Erlasse gelten selbstverständlich für alle Steuerpflichtigen, insbesondere also auch für die Inhaber großer gewerblicher Betriebe und großer Kapitalvermögen. fegungen der vorbezeichneten Erlaffe zutreffen, fann demgemäß bei Steuerpflichtigen, die endgültig veranlagt werden, die Besteuerung nach dem Verbrauch vorgenommen werden. Bei den Steuerpflich tigen, bei denen eine Buchprüfung schwebt, ist entsprechend den AnIII e 1600 weisungen des Runderlasses vom 9. März 1926 zu prüfen, ob eine vorläufige Veranlagung nach dem Verbrauch geboten ist."
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Berantwortlich für Bolitik: Craft Reuter: Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlaa, G. m. b. 5., Berlin . Drud: Borwärts- Buchbruderet
und Sonstiges: Frik Rarstadt: Anzeigen: Tb. Glode; fämtlich in Berlin . und Berlaasanftalt Vaul Singer u. Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3.
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