Einzelbild herunterladen
 

Nr. 452+ 43. Jahrg.» bió end

Ausgabe A nr. 231

:: Bezugspreis.

Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 3. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuaband file Deutschland, Danzia, Gaar- und Memelaebiet. Desterreich, Litauen , Luxemburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat.

24 gralectaid Sa

( 40) 12 alled fed

Morgenausgabe

tions of this 23

Bol nebom pigijena

800 19

26 Jan( 10 Pfennig

90 stads sal ma

Vorwärts

Der Borwärts mit der illuſtrier neda ten Sonntagsbeilage Boll und Beit fowie den Beilagen Unterhaltung 1997 und Wissen"," Aus der Filmwelt", Frauenftimme", Der Rinder­

freund" Jugend- Borwärts" und d tod Blid in die Bücherwelt" erscheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal,

Telegramm- Abreffe:

Sozialdemokrat Berlin "

Berliner Volksblatt

Anzeigenpreise:

Die einfpaltige Nonpareille. Beile 80 Pfennig. Reklamezeile 5, Reichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 25 Biennia ( zulässig zwei fettgedruckte Worte). fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten

Beile 40 Pfennia.

Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von Uhr früh bis 5 Uhr nachm.

แก รม โอน Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297.

Sonnabend, den 25. September 1926

Instal

Krise in Warschau .

and the

Das Budget angenommen, aber Mißtrauensvotum gegen zwei Minister. Barihan, 24 Sept., 12% Uhr nachts.( Eig. Drahfber.) Der| genommenen Mißtrauensvotums mit der ganzen Regie­Angriff der Rechtsparteien gegen die Regierung zur Herabfehung der rung zurüdzutreten beabsichtige. Das Kabinett tagt Haushaltsvorlage ist mit überwiegender Mehrheit zurüdge- zurzeit, um einen formellen Beschluß zu fassen. wiefen worden. Für den Antrag auf Streichung von 34 Millio­ani 3 Die Haltung der Sozialisten. nen Sloty bei einer Gesamtfumme von 484 Millionen ftimmten nur die Chrifflich- Demokraten, die Minderheiten und die Nationale Ar- Warschau, 24. September. ( Eigener Drahtbericht.) Im Ver­beiterpartei. Wie es heißt, hat das in den Nachmittagsftunden ent- lauf der Budgetberatung am Freitag ergriff namens der polnischen flandene Gerücht, Pilfubfti habe seinen Urlaub unterbrochen und sozialistischen Partei der Abgeordnete Moraczewski das treffe jeden Augenblic in Warschau ein, auf die Annahme der Re- Wort. Er erklärte, es sei hier nicht der Plaz, die Bilanz über die gierungsvorlage in startem Maße gewirkt.(!) Tätigkeit der Regierung vor diesem Sejm zu ziehen. Das Bolt Im Verlaufe der Abstimmung wurde ein sozialdemo- werde die Bilanz bei den Neuwahlen selbst aufstellen. Von der Re­werde die Bilanz bei den Neuwahlen selbst aufstellen. Von der Re­frafischer Antrag auf Erhöhung der Beamtengehälter a b- gierung sei bisher nichts geschehen, um die Teuerung, die gelehnt, während ein weiterer fozialdemokratischer Antrag auf fortwährend wächst, zu bekämpfen. Die Lage der Arbeiter und Einberufung eine Enquetetommission zur Feststellung der Beamten sei fatastrophal, da die Gehälter trotz der Teuerung nicht Produktionstoffen angenommen wurde. 9/5 erhöht wurden. Der Wert der polnischen Baluta fei um 75 Broz. gefallen. d mind

#la

Die Regierung hat jedoch feinen vollen Sieg errungen. Die von der Rechten eingebrachten Mißtrauensanfrage gegen den Innenminister und den Unterrichtsminister sind mit großer Mehrheit angenommen worden. Berfaffungsgemäß müßten nur die beiden zurücktreten. Es ist nicht ausgeschloffen, daß die Regierung auf die Mißtrauensanträge gegen belde Minister mit der Gesamtdemission reagieren wird. Augenblicklich findet ein ministerrat ftatt. piljubiti mird Sonnabend früh in Warschau erwartet.

1 Die Regierung will zurücktreten.d Warschau , 24. September. ( WTB.) Ministerpräsident Bartel erklärte in den Wandelgängen, daß er infolge des im Sejm gegen den Innenminister und den Unterrichtsminister an­

Die Zustimmung des Reichskabinetts. Freie Bahn für deutsch - französische Verhandlungen. Das Reichskabinett hat gestern, wie in dem größten Teil unserer Abendausgabe bereits mitgeteilt wurde, Herrn Strese­mann und der deutschen Delegation seinen Dank ausge­sprochen. Es hat die eingeleiteten Verhandlungen in der Frage eines deutsch - französischen Ausgleichs ,, e instimmig und grundfäßlich" gebilligt und zu ihrer Weiterfüh­rung einen Ausschuß gebildet, der dem Kabinett demnächst Bericht erstatten soll.

Der Ausschuß besteht aus dem Außenminister Strese mann, dem Wirtschaftsminister Curtius und dem Finanz­minister Reinhold. D

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags soll nach der Rückkehr der deutschen Delegation in der nächsten Woche ein­

berufen werden.

Die Bank Bolsti lasse sich von einer falschen Bolitik leiten und vertrete nur die privaten Interessen ihrer Aktionäre. Auch der amerikanische Sachverständige Kemmerer habe nichts geholfen. Das buttiver angelegt werden sollen. Die polnische sozialdemokratische Geld, das für seine Arbeit ausgegeben worden wäre, hätte pro­Partei bringe der Regierung kein Vertrauen entgegen, aber sie werde troßdem nicht gegen denjenigen stimmen, der den Maiumsturz geschaffen hat( gemeint ist Pilfubfti. D. Reb.) Die Bartei werbe für die Haushaltsvorlage eintreten, ohne daß damit der Regierung das Bertrauen ausgesprochen würde.

Es ist anzunehmen, daß sich nach der Entwicklung der Lage am Freitag für die Haushaltsvorlage der Regierung doch noch die er forderliche Mehrheit finden wird.

fondere die unsere iſt eifrig bestrebt, in das Feuerchen zu blasen, indem sie immer wieder die Kriegsschuldfrage in den Bordergrund schiebt. Das offizielle Aufrollen dieser Frage hat sich schon wiederholt als ein zuverlässiges Mittel bewährt, Deutschland diplomatische Niederlagen zu bereiten. Kein Wunder also, daß sich die deutschnationale Presse auf dieses Thema versteift.

Große Hoffnung setzen die Ruheftörer Europas auf die Rede, die der französische Ministerpräsident, Herr Boin caré, am nächsten Montag halten wird. Man wünscht, er möge es Stresemann für Dinge, die er gar nicht gesagt haben will, tüchtig geben, damit auf diese Weise wieder auseinandergeredet wird, was in Genf und Thoiry zusammengeredet worden ist.

Indes fann fein Redeturnier etwas daran ändern, daß die Kabinette ihr grundsätzliches Einverständnis erklärt haben und daß die Berhandlungen demnächst beginnen sich dessen bewußt sein müssen, was von ihrem Ergebnis für werden. Die Männer, die sie zu führen berufen sind, werden Europa abhängt.

Dem franzöfifchen Geschäftsträger in Berlin wurde von dem Beschluß des Kabinetts offiziell Mitteilung gemacht. Nachdem nun beide Kabinette ihre Einwilligung gegeben haben, ist die Bahn für weitere Berhandlungen frei. Ein Ergebnis wird freilich erst nach Monaten zu erwarten sein, Erweiterung der Koalition in Preußen? da nicht wenige fachliche und stimmungsmäßige Schwierig­feiten zu überwinden sind.

Unter den sachlichen Schwierigkeiten steht im Border­grunde das Problem, wie es möglich ist, mit einemmal zu gunsten Frankreichs größere Zahlungen aus dem Dawes Blan zu mobilisieren, ohne daß die deutsche Währung ge­fährdet wird. Zu seiner Lösung ist auch die Zustimmung der anderen an den Zahlungen interessierten Mächte notwendig. Stimmungsmäßige Schwierigkeiten zu erzeugen, sind

Eine volksparteiliche Anregung. Wie der Reichsdienst der deutschen Bresse " erfährt, ist die Deutsche Bolkspartei an das Zentrum im Landtag heran­getreten zwecks Aussprache über die Möglichkeit einer Regie­rungserweiterung in Preußen. Die Volkspartei wünscht eine Klärung dieser Frage noch vor ihrem Kölner Parteitag.

dir

viele Leute an der Arbeit. Zu diesem Kapitel gehören die d Schieber frei Enthüller bestraft.

Meldungen über phantastische Milliarden­iummen, die angeblich von Deutschland an Frankreich ver­sprochen worden sind. Das Bekanntwerden der nüchternen Wahrheit muß dann eines Tages in Frankreich eine Ent­täuschung hervorrufen.

Zu diesem Rapitel gehört auch die vielbesprochene Rede Stresemanns vor der Genfer deutschen Kolonie. Die Mit glieder der deutschen Delegation, die diese Rede mitangehört haben, versichern, daß sie in gänzlich entstellfer Form an die Auslandspresse weitergegeben worden ist. Als Urheber des verfälschenden Berichts und damit des ganzen Alamauts vermutet man in Genf einen rechtsradikalen deutschen Journalisten. Für Herrn Stresemann er. gibt sich aus diesem Zwischenfall die Lehre, daß ein Außen­minister nicht zuviel Reden halten und immer einen Steno graphen mit fich haben soll.

Natürlich nimmt sich die Rechtspreffe auf beiden Seiten mit besonderer Liebe dieses Zwischenfalls an, und insbe­

-

Ungarische Justiz.

Budapest , 24. September. ( Eigener Drahtbericht.) Im Laufe eines Prozesses, in welchem leitende Persönlichkeiten des Ackerbau minifteriums in eine Bestechungsaffäre verwidelt waren, brachte das sozialdemokratische Blatt Népszava " einen Artikel über die Ver­handlungen, welche Ministerpräsident Graf Bethlen mit den Hauptangeklagten Etüdt auf der Polizei über seinen Sohn Graf Andreas Bethlen gepflogen hatte, der auch an dieser Ausfuhr. angelegenheit beteiligt war. Mit Ermächtigung des Ministerpräsi­denten wurde ein Prozeß gegen den Genossen Ladislaus Strém als Verfasser des Artikels wegen Verleumdung eingeleitet. Das Gericht verurteilte ihn zu zehn Monaten Gefängnis und 30 millionen Kronen( 1800 Mark) Geldstrafe, mit der Begründung, daß er die Wahrheit seiner Behauptung nicht beweisen fonnte. In der Berufungsverhandlung erhöhte die zweite Instanz die Strafe auf ein Jahr Gefängnis und 36 Millionen Rronen( 2160 mart) Geldstrafe.ettono schleute town or odd p

Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65: Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3.

din

Wege zum Einheitsstaat.

Zur Führertagung des Republikanischen Reichs­bundes.

Jede starte freiheitliche Bewegung in der Geschichte des deutschen Volkes hat sich für den nationalen Ein­heitsstaat eingesetzt. Mit dem Sieg der fürstlichen Freiheit über die faiserliche Reichsgewalt begann die Epoche des tiefsten deutschen Verfalls. Zu der Zeit, wo deutsche Fürsten ihre Souveränität wie einen Rocher de bronze" statuieren fonnten, war Deutschland als einheitliches Volk, als einheitliche politische Macht aus der geschichtlichen Ent­micklung ausgelöscht. Von den Hohenzollern bis zum tleinsten Botentaten hat sich kein deutscher Fürst geniert, mit dem französischen Erbfeind oder mit jeder anderen auswär­tigen Macht zusammen gegen die Reichsgewalt zu rebellieren. Der nationalen Freiheitsbewegung von 1813 schwebte darum als erstes Ziel die deutsche Einheit vor. Nie­mand hat so sehr wie der große Jakobiner, Freiherr v. Stein, die Charakterlosigkeit und Erbärmlichkeit der deutschen Fürsten gegeißelt. Die Bewegung von 1848 hat noch viel stärker im schwarzrotgoldenen Zeichen des nationalen Einheitswillens gestanden. Weder damals, noch 1871 ist ein einheitliches, innerlich geschlossenes Reich erstanden. In der dynastischen 3ersplitterung haben die tiefsten Wurzeln nationaler Schwäche in politischer Unfähigkeit ge­

legen.

Zusammenbruchs nicht die Kraft gehabt, den Einheitsstaat Die Revolution von 1918 hat angesichts des beispiellosen durchzusetzen. Die Weimarer Verfassung ist in ihrer heutigen Form ein Rompromiß zwischen der Zukunft und der Ber­gangenheit. Trotzdem find die größten Schwierigkeiten, die Dynastien, beseitigt. Die Berwaltung des Reiches hat sich auf das gesamte Verkehrswesen und auf die Finanzen aus­gedehnt: Der Reichstag ist heute die einzige politische Kraft­quelle, von der letzten Endes alle richtunggebenden Entschei­bungen der Entwicklung nach außen und im Innern ausge­sezt sind. Das lächerliche Schauspiel auswärtiger Ge­sandter deutscher Bundesstaaten hat aufgehört. Die baye­rischen Bartikularisten sehen mit vollem Recht in der bloßen Umbenennung der Bundesstaaten in Länder schon eine Be­stätigung dafür, daß die Entwicklung dahin gehen wird, die staatliche Hoheit der Länder im alten Sinne zu beseitigen und sie zu Reichsprovinzen zu entwideln. Mit dem Fortfall der Dynastien ist die Bahn für eine organische Entwicklung freigeworden. Daß sie nur zum Einheitsstaat führen kann, fann nur der verkennen, der politisch blind ist.

Der stärkste Impuls geht wie immer für diese Entwicklung von den wirtschaftlichen Tatsachen aus. Die heutige Berwaltungsorganisation Deutschlands in der unteren und mittleren Instanz beruht in fast allen Ländern auf Ver­hältnissen, die, soweit nicht ihr rein dynastischer Ursprung flar zutage liegt, sich aus der wirtschaftlichen Struktur Deutsch­ lands vor über hundert Jahren ergeben haben. Kreise und Regierungsbezirke find in ihrer heutigen Ausdehnung ent­standen zu einer Zeit, als Deutschland noch fast reines Agrarland war. Damals war die Postkutsche das Ver­fehrsmittel. Seitdem haben sich alle wirtschaftlichen und tech­bezirken geändert. Zwergtreise haben ebenso wie Zwerg­nischen Voraussetzungen für den Aufbau von Verwaltungs­länder jeden Sinn verloren. Noch wichtiger ist die Tatsache, daß die wirtschaftliche Entwicklung ganz andere 3usam­menhänge gefchaffen hat. Einzelne Industriezentren er­ftreden sich nicht nur über verschiedene Regierungsbezirke und provinzen, sondern auch über verschiedene Länder. Es ent­Wesermünde, Frankfurt a. M., im Ruhrgebiet , stehen Verwaltungsanomalien, wie im Bezirk Hamburg , in Thüringen usw., deren Unsinnigkeit so sehr auf der Hand liegt, daß auf die Erkenntnis der Unmöglichkeit dieser Berwaltungsbezirke schließlich doch ihre Beseitigung trotz aller Hand liegt, daß auf die Erkenntnis der Unmöglichkeit dieser verfassungsrechtlichen und politischen Schwierigkeiten folgen muß. Alle großen, die Entwicklung unserer sozialen und wirt­schaftlichen Verhältnisse entscheidend beeinflussenden Organi­fationen gruppieren sich heute bereits nicht mehr nach den zufälligen Grenzen eines veralteten Verwaltungs­mechanismus, sondern nach der organischen Gliederung Deutschlands in Wirtschaftsbezirke. Der stärkste Antrieb zum Einheitsstaat, zur Neugliederung der Länder nach fachlichen Gesichtspunkten geht deshalb von den Wirtschaftskreisen, von der Arbeiterschaft und von der Industrie aus.

Die Motive und Ziele dieser Bewegung, die immer stärker wird, sind dabei durchaus nicht immer die gleichen. Die Industrie, die Kreise der sogenannten Wirtschaft" gehen von dem fachlich durchaus berechtigten Gedanten aus, daß die Verwaltungsfosten ein Teil unserer gesamten Pro­duktionskosten sind, und daß sie deshalb soweit als möglich gefentt werden müssen. Die Uebersetzung mit Instanzen, die bei der jetzigen innerdeutschen Länderverfassung under­meidlich ist, erscheint als ein wichtiger Untoftenfattor. Auf dem Wege über die berühmte Bertnappung ber Mittel" hoffen diese Kreise einen starten wirtschaftlichen und finanziellen Drud ausüben zu können, der die heute noch