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Der Halzarbeiterverband 1925. Aufstieg und Krise.

Der Jahresbericht 1925 des Deutschen Holzarbeiterverbandes zeugt von einer beachtlichen inneren Festigung der Organi

sation. Es kann schon vorweg bemerkt werden, daß der Aufschwung der Organisation wahrscheinlich ein beispielloser geworden wäre, wenn nicht die ungeheure Krise ihn geradezu gewaltsam zum Still

stand gebracht hätte.

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Das Jahr 1925 begann mit einer guten Ronjunktur, die fich im Laufe der ersten fünf Monate zur Hochkonjunktur steigerte. Zu Beginn des Jahres waren 17 421= 6,23 Broz. der Mitglieder arbeitslos und 8855= 3,13 Pro3. Kurzarbeiter. Ende Mai waren nur noch 8708= 2,88 Broz. arbeitslos und 3289= 1,09 Proz. Kurzarbeiter. Dieser Rüdgang der Arbeitslosigteit und die schon im Jahre 1924 erfolgte finanzielle Festigung des Verbandes gestattete es, die in der Inflation außer Kraft ge. setzten Unterstügungseinrichtungen wieder einzu. führen, und zwar ab 1. Januuar die Arbeitslosen, Reise, Um zugs-, Sterbe- und Notfallunterstützung und ab 1. April die Krantenunterstügung. Im Laufe des Jahres wurden diese Unter­stützungen noch weiter ausgebaut und auch die Bildungsmög. lich feiten neu aufgebaut.

2 975 371,04 m. ausgegeben. Dieses ist eine ganz gewaltige Leistung des Verbandes, besonders, wenn man berücksichtigt, daß die In­flation die Verbandstaffen geleert hatte und schon das erste Jahr der Stabilisierung ziemlich erhebliche Summen für Lohnkämpfe er­fordert hatte.

Die reinen Einnahmen der Verbandskasse betrugen 9 480 266. Die Rassenverhältnisse verdienen ebenfalls Beachtung. gegen 5 573 807 M. im Vorjahre, die Ausgaben 8333 138 W. gegen 4 357 410 m. An Unterstützungen bei Streifs und Aus perrungen wurden gezahlt 2515 088,68 m., an Arbeitslosenunter­ftügung 1553 260,58 m. und an Krantenunterstügung 506 540,95 m. Diese imponierenden Leistungen des Verbandes haben ohne Zweifel mit dazu beigetragen, daß trotz der Krise der Mitglieder­bestand so st a bil geblieben ist. Zusammenfassend kann jedenfalls gefagt werden, daß der Holzarbeiterverband im vergangenen Jahre Erstaunliches geleistet hat und daß man wohl annehmen kann, daß er das Jahr 1926 ohne innere Schwächung überstehen wird.

Die KPD. für die Gewerkschaftsspalter.

Jung behandelte in einstündigen Ausführungen das Thema: Brauchen wir Gewerkschaften?" An Hand von drastischen Bei spielen zeigte er den Anwesenden, daß dem heutigen restlos organi­fierten Unternehmertum nur eine einige, geschlossene und starte Arbeitnehmerorganisation entgegentreten fönne. Diese Organisation sei der Deutsche Textilarbeiterverband und es liege im Interesse eines jeden Kollegen, durch Eintritt dafür Sorge zu tragen, daß die Seine fachlichen Ausführungen fanden den ungeteilten Beifall der Lebenshaltung des Textilarbeiters in Zukunft eine bessere werde. Bersammlung.

Die englische Regierung gegen die Bergarbeiter.

daß die Entschlüsse der Delegiertenkonferenz eine Verlängerung des London , 8. Oktober. ( TU.) Die Regierung ist der Auffassung, Kohlenkonfliktes um zwei Monate bedeuten und hat sofort nach dem Beschluß die notwendigen neuen Vorkehrungen eingeleitet. In besondere Schuhmaßnahmen für die Gruben und für die Uebereinstimmung mit der neuen Entwicklung wird die Regierung bereits an der Arbeit befindlichen Bergarbeiter und schließlich für alle Arbeitswilligen treffen. Da die Bergarbeitergewerf­fchaft etwa 65 Broz., in einigen Bezirken jogar 80 Broz., der gegen wärtig in den Gruben tätigen Notstandsarbeiter fontrolliert, müßte Deshalb wird die Gegenaktion unter der Verantwortlichkeit der Re­ihre Zurückziehung zu einem Ersaufen der Gruben führen. gierung zum Schuße der Industrieanlagen, vor allem in den meist gefährdeten Bezirken in Südwales , Lancashire und Yorkshire bringend.

Scharfmacherei der Konservativen.

Die praktische Auswirkung der Beschlüsse der Delegiertentonfe­renz läßt sich naturgemäß noch nicht übersehen, da sowohl der Präsi­dent Herbert Smith und Coot sich gegen die Zurück­ziehung aller Notstandsarbeiter ausgesprochen hatten. Der Generalsekretär der Gewerkschaft der technischen Arbeiter der Auf Wunsch von zwei Betriebsratsmitgliedern hatte die Ber- Notstandsorganisationen in Glasgow betonte gestern abend, daß liner Ortsverwaltung des Deutschen Textilarbeiterverbandes am die Entscheidung der Delegiertenkonferenz für seine Gewerkschaft 29. September eine Versammlung der Arbeiterschaft der Firma teine große praftische Bedeutung habe, da die Mit­Faibisch einberufen. Bei Faibisch dominierte bisher die so- glieder der Gewerkschaft auch nach dem Beschluß an ihrer Arbeits­Konform mit diesem Auf- und Ausbau ging auch die Mit genannte" Opposition" unter Führung eines gewissen Forststelle verblieben. Die Entscheidung der Delegiertenkonferenz wurde gliederbewegung. Ende 1924 zählte die Organisation 284 742 mit reuter, der einen eigenen Laden aufgemacht hat, aber damit dem Ministerpräsidenten gestern abend nach Scarborough längst bankrott ist. Ueber diese Versammlung, in der die Oppo- übermittelt, und der Arbeitsminister Sir Artur Steel glieder, am Schluß des ersten Quartals 301 474, am Schluß des fition" samt dem von der Zentrale der KPD. geschickten Reichstags Maitland befaßte sich bis in die späte Nacht mit der neuen Lage. zweiten Quartals 308 435 Mitglieder. Dann aber sezte mit un­abgeordneten Schlecht eine gründliche Abfuhr erhielten, ver- Wie verlautet, wird als Folge des gestrigen Beschlusses auch eine erwarteter Schärfe die Wirtschaftskrise ein, die den veröffentlicht die KPD. einen von Anfang bis Ende verlogenen Bericht, Sicherstellung großer Kohlenmengen in Amerika und auf dem Konti­heizungsvollen Aufstieg während des ersten Halbjahres zunächst zum um auch jetzt noch ihre schützende Hand über die Gewerkschaftsspalter nent geplant bei gleichzeitiger Rationierung des englischen Ver­Stillstand, dann sogar zum Rückgang brachte. Die Zahl der ar- zu halten. Sie erzählt unter anderem den haarsträubenden Unsinn, brauches. beitslosen Mitglieder stieg auf 73 933 25,07 Proz. bis Ende Gruhl hätte erklärt, daß jeder, der Zwischenrufe in einer Ver­Dezember, die der Kurzarbeiter auf 65 380= 22,17 Broz. Tausende sammlung mache, ausgeschlossen würde. Ueber die Versammlung von Berufsangehörigen verließen den Beruf und versuchten ander­erhielten wir folgenden Bericht: weitig Beschäftigung zu finden, so daß am Jahresschluß nur noch 297 511 Mitglieder vorhanden waren. Immerhin bedeutet dies noch gegenüber Ende 1924 ein Mehr an Mitgliedern von 12 769. Daß die Holzindustrie von der Wirtschaftskrise bedeutend schwerer getroffen wird als im Durchschnitt alle anderen Indu­strien, zeigt eine Tabelle des Berichts, die den Zahlen der Arbeits­lofen im Holzarbeiterverband die der gesamten übrigen deutschen Gewerkschaften gegenüberstellt. Nach dieser Statistik meldeten die übrigen Gewerkschaften am Jahresschluß 19,4 Proz. ihrer Mitglieder als erwerbslos, der Holzarbeiterverband dagegen 25,1 Proz. Wie schon eingangs erwähnt, war das verflossene Jahr ein ausgesprochenes Rampfiahr. Die Bestrebungen der Unter­nehmer gingen dahin, die Tarifverträge durch Wertsverein. barungen zu ersetzen. Die Holzindustrie", das Organ des Ar­beitgeberverbandes der deutschen Holzindustrie, bezeichnete den Ab­schluß von Reichs- und Landestarifverträgen als Wahnsinn". Doch trotz aller Widerstände, Generalaussperrungen und rücksichts­lofer Ausnutzung der Konjunktur gelangten die Unternehmer nicht zum Ziel. Der Organisation war es zwar nicht möglich, die im Herbst 1924 abgelehnte Erneuerung des Reichsmantelvertrages zu erzwingen; fie fonnte aber in die dafür abgeschlossenen Landes. verträge die normativen Vertragsbestimmungen der von den Unternehmern abgelehnten Vorlage zum Reichsmanteltarif hinein­bringen. Am Schluß des Berichtsjahres bestanden im Reiche ins­gesamt 250 Tarifverträge für 21 854 Betriebe mit 313 495 Ar­beitern( wobei im Vertragsgebiet etwa 100 000 Arbeitslose mit gezählt find). Im Vorjahre waren es zwar fünf Berträge mehr, die sich aber nur auf 18 012 Betriebe mit 283 355 Beschäftigten erstreckten.

Durch die Einführung der Landestarifverträge erfuhr auch die Lohnregelung eine grundsägliche Aenderung, da die Mithilfe der Zentralvorstände ausgeschaltet wurde. Die Generalaussperrung zeigte aber den Unternehmern sehr deutlich, daß die zentrale Lohn regelung der bezirklichen vorzuziehen ist, was dann auch zur Schaffung des zentralen Lohnamtes und des Haupt. tarifamtes führte.

In der freien Aussprache nahm als erster Forstreuter, der Leiter der dortigen Tertiloppofition", das Wort. Er erkannte die Ausführungen des Referenten als vollkommen richtig an, betonte gleichfalls die Notwendigkeit starter Organisationen, um dann aber anschließend in der gehässigsten Weise gegen diese und ihre Ver­treter Stellung zu nehmen. Man merkte es ihm so recht an, daß Fiasko erlitten hat, darum zum Schluß seiner Ausführun er mit der Gründung einer sogenannten Industriegruppe fläglich gen auch die Bitte, die übriggebliebenen Reste seines Grüppchens geschlossen dem Deutschen Tertilarbeiterverband zuzuführen. Als nächsten Redner hatte man sich den Reichstagsabgeordneten Schlecht verschrieben, der ebenfalls die Ausführungen des Refe: renten als durchaus richtig bezeichnen mußte, um darauf, genau wie sein Vorredner, die Gewerkschaften in der unflätigsten Weise zu beschimpfen. Er erntete bei dem größten Teil der Versammlung aber nur ein mitleidiges Lächeln.

cinzelnen Redner ein, bewies ihnen die Haltlosigkeit ihrer An­In seinem Schlußwort ging Jung auf die Ausführungen der griffe auf die Gewerkschaften, und forderte zum Schluß nochmals auf, alles Persönliche beiseite zu lassen, restlos sich dem Deut. fchen Tegtilarbeiterverband anzuschließen.

Um die Verbindlichkeit des Banken- Schiedsspruchs. Wie der Allgemeine Verband der deutschen Bankangestellten mitteilt, findet am Dienstag, der 12. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Reichsarbeitsministerium eine Besprechung über die vom Reichs verband der Bankleitungen beantragte Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 27. September 1926 statt. Der Schiedsspruch wurde bekanntlich von den Arbeitnehmerverbänden abgelehnt.

Die österreichischen Staatsbeamten vor dem Streik.

Da infolge der nicht sonderlich günstigen Ronjunttur im ersten Jahr nach der Inflation und wegen des relativ noch ungünstigen Wien , 8. Oftober.( TU.) Die Morgenblätter stellen fest, daß Standes der Finanzen der Organisation der Reallohn sehr niedrig fast gar keine Aussicht mehr bestehe, den Streit der Bundesbeamten geblieben war, war das Jahr 1925 reich an Bewegungen zur zu vermeiden. Die Streifmaßnahmen werden morgen mittag Erhöhung der Löhne. Bewegungen ohne Arbeitseinstellung zwölf Uhr beginnen. Der Streit wird sich zunächst nur im wurden insgesamt 1608 mit 366 212 Personen geführt. An 405 Fernfprech, Telegraphen- und Postdienst sowie im Streits waren 85 442 Personen beteiligt. Insgesamt wurden Bolldienst bemerkbar machen. Am Montag wird der Streit auch für die Lohnkämpfe einschließlich 71 289,80 m. Verhandlungskosten dann in den übrigen staatlichen Dienststellen in Erscheinung treten.

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London, 8. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Der gestern in Scarborough zusammengetretene Parteitag der Ron= [ ervativen Partei steht im Zeichen des Angriffes auf die Gewerkschaften. Nicht weniger als 12 der eingereichten Resolutionen beschäftigen sich mit der Einschränkung der bisherigen rechtlichen Stellung der Gewerkschaften. Der Kongreß nahm in seiner ersten Sigung eine Resolution an, in der es heißt, daß der gegenwärtige Stand der Gewerkschaftsbewe­ſtellt." Weiter wird die Regierung aufgefordert, alle Streifs gung eine Bedrohung der Sicherheit der Nation" dar­für ungefeßlich zu erklären, die ohne eine geheime u r- abstimmung begonnen werden. Der einzelne Arbeiter soll nach dieser Entschließung gegen jegliche Maßregelung und Einschüchterung von den Gewerkschaften wegen seiner politischen Ueberzeugung ge­feßlich geschützt werden. Die dritte Forderung geht dahin, daß Streit posten in größeren Gruppen nicht auftreten dürfen und die Bücher der Gewertschaften einer öffentlichen Kontrolle unterworfen werden.

Baldwin ist mit dabei . London, 8.

Oktober.( Eigener Drahtbericht.) In einer Rede, die Ministerpräsident Baldwin in Scarborough hielt, kündigte er die Absicht der Regierung an, einen Abände rungsantrag zum Gesetz über die Gewerkschaften einzubringen. jüngsten Ereignisse würden es, wie er erflärte, notwendig machen, das Gesetz über die Gewertschaften zu überprüfen.

Gehen die Sicherheitsleute aus den Gruben ?

London, 8. Oftober.( WTB.) Den Blättern zufolge ist es nid: wahrscheinlich, daß der gestrige Beschluß der Bergarbeiterdelegierten betreffend Zurückziehung der Sicherheitsleute auf den Bergwerken tatsächlich durchgeführt werden wird, da die Gewerkschaft de Sicherheitsleute dem Bergarbeiterverband nicht angehört und schon früher den Beschluß gefaßt hat, ohne Rücksicht auf Be­ichlüsse des Bergarbeiterverbandes auf dem Posten zu bleiben.

Die Kohlenpreise in England .

London, 8. Oftober.( EP.) Der Kohlenpreis in London ist auf 85 Schilling pro Tonne erhöht worden gegen 45 Schil= ling vor dem Streit. Es besteht in der Bevölkerung eine starte Bewegung zugunsten einer behördlichen Festsetzung von Höchst= preisen.

Eine TU.- Meldung zufolge lehnt die Regierung es ab, Höchſt­preise für Kohle festzusehen.

Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S. . Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage.

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