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3. Seilage öes vorwärts
Sonntag, 7. November 1926
proöuttionswilltür im Pflanzenbau.
Weltwirtschaftliche Umschau.
Fällt eknmal durch di« Ungunst der Verhältnisse die Ernte für einen wichtigen Rohstoff oder Nahrungsmittel s ch l c ch t aus. so hat die verbrauchende Bevölkerung darunter zu leiden. Durch gut« Ernten in anderen Jahren sollte, ginge es nach der Natur, dafür«nt- schädigt werden. Tatsächlich zeigt sich das bei den Schwankungen der Preise: bei schlechter Ernte steigen diese ins Unerträgliche, bei reichen Ernten aber sinken sie. Im vergangenen und im laufenden Erntejahr hatten wir gute Ernten an Getreide, Zucker und Baumwolle und demzufolge am Weltmarkt erhebliche Preis- rückgäng«. Zwar waren die Produzenten bestrebt, di« Preise durch zollpolitische Maßnahmen günstig zu beeinflussen, was ihnen z. B. in bezug auf Getreide in Deutschland , das auf Getreideeinfuhr angewiesen ist. weitgehend gelang. Jndesien können die Produzenten rn Ländern wie Kanada , di« Vereinigten Staaten usw., die kein« wesent- liche Getreideeinfuhr haben, mit Zöllen nichts erreichen. Seit einiger Zeit geht jedoch parallel mit den mächtigen Ten» denzen zur Kartellierung in der Industrie ein« Bewegung, die dahin zielt, auch innerhalb der Landwirtschast eine organislerke Produktionseinschränkung durchzuführen. Diese Bewegung hat infolg« der guten Ernten des laufenden Jahres viel an Stoßkraft gewonnen. Träger dieser Be- wegung ist für Getreide K a n a d a, für Zucker Kuba (bzw. die Ver- einigten Staaten, di« in Kuba sowohl politisch wie wirtschaftlich die Herrschaft ausüben), für Baumwolle dieVereinigtenStaaten, für Gummi England. Es werden Großorganisationen der Produzenten geschaffen, nicht allein zum Zweck der Produktions- emschränkung, sondern wie z. B. in Kanada für die gemeinsame Verwertung des Getreides. Indessen bleibt der Haupt- zweck die organisiert« Beeinflussung des Absadmorktes und dadurch dl« Steigerung der Preise. Man pflegt dies fo auszudrücken, daß„die Produktion dem Verbrauch angepaßt wird". Wir müssen uns aber darüber klar sein, daß der Verbrauch kein« starre Größe ist, sondern eben von den Preisen abhängt. Wenn der Weltverbrauch an Getreide, Zucker, Baumwolle usw. nicht ausreicht, um di« gesamte Ernte aufzunehmen, so bedeutet dies nur so viel, daß feine kauffähige Nachfrage da ist, die die ganze erzeugte Menge zu den bestehenden Preisen aus- zunehmen vermag. An sich ist aber der Bedarf vorhanden; wir sind von der Grenze der Aufnahmefähigkeit noch sehr weit entfernt. Man begründet di« erwähnten organisatorischen Maßnahmen mit dem Zweck, die saisonmäßigen Schwankungen auszuschalten und ein« Stabilisierung der Preis« herbeizuführen, jedoch steckt auch hinter diesen löblichen Absichten nichts anderes als der Wunsch nach Preiserhöhung. Es ist nicht zu verwundern, wenn auch die Rohstoffproduzenten denselben Weg betreten wie die Industrie- Unternehmungen. Doch wird sich bald herausstellen, daß diese Wirt- schastspolitik in eine S a ck g a s s« fiihren oder aber nur die Ver- schärfung des Wirffchostskrieges heraufbeschwören muß. Eine neue R y h st o s s Politik, die den Interessen der Produzenten Rechnung trägt, aber auch die Verbraucherländer und di« Derbranchermassen berücksich- tigt, muff e i n g e l« ite t werden, wenn die hier geschilderten Organisationen nicht zu einer allgemeinen Plag« werden sollen. Erst«in« neue Rohstoffpolitik könnt« auch die wirNiche Stabilisierung der Preise unter Ausschaltung der periodischen und saisonmäßigen Schwankungen sichern. Es ist uns an dieser Stelle Hicht möglich, die Grundzüge dieser neuen Rohstoffpolitik auseinanderzusetzen. Es sei nur darauf �hingewiesen, daß es Aufgabe der Arbeitnehmer und ihrer Organisationen ist, die Initiativ« zur Regelung der Roh st off- frage zu ergreifen, zumal diese ohne weitgehend« gemeinwirt- schaftlich« Maßnahmen nicht möglich ist. Im folgenden be- richten wir über die jüngsten Bewegungen der Produzenten zur Be- einflussung des Wsatzmarktes, deren Intensität in letzter Zeit sehr zu- genommen hat. Der Plan eines Weltgekreidemonopols. Die Weltgetreideernte fft im lausenden Jahr nicht wesentlich schlechter als im vergangenen, das«in Rekordjahr war. Für Weizen ist sogar gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um 0,8 Proz., und eine Steigerung über den Durchschnitt der fünf letzten Ernten um 11.4 Proz. zu erwarten. Die Roggen- ernte dürft« zwar um 12.2 Proz. hinter der des Vorjahres, aber um 26,4 Proz. über dem Durchschnitt der fünf letzten Jahre liegen. Für G« r st e ergibt sich ein« Abnahm« um 5,9 Proz. bzw. ein« Zu- nahm« um 14 Proz., für Haser eine Senkung um 6,4 bzw. ein« Steigerung um 13,1 Proz. Di« Entwicklung der Weltmarktpreise ist heute ausschließlich durch die Erhöhung der Frachtraten infolge des englischen Streiks bedingt und läßt deshalb kein« Schlüsse auf die spätere Preisentwicklung zu. Der größte Weizenproduzent der Welt ist heut« Kanada , wo bereits seit zwei Jahren mehr als di« Hälft« des Weizens durch drei Großeinkaufsgesellschaften, die in einer Zentral« zusammengefaßt sind, aus den Markt gebracht wird. Dies« Organisationen vermochten im vergangenen Erntejahr Getreide aus dem Verkehr zu ziehen>md brachten erst in den letzten Monaten große Mengen auf den Markt. Daß sich di« Getreidepreise trotz der ziemlich großen Vorrät« in den Sommermonaten halten konnten, wurde damals von der Fachpress« allein dem Vorhandensein dieser mächtigen Getreidekartelle zugeschrieben. Trotz des großen Erfolges des kanadischen Weizenmonopols, der im laufenden Jahr bereits 60 Proz. der kanadischen Ernte aus den Markt bringen dürft«, sind desien Leiter der Meinung, daß ein durchschlagender Er- folg erst gesichert sein würde, wenn auch in den übrigen getreide- ausführenden Ländern ähnlich« Kartelle entständen, die zwecks Be- «influsiung der Preis« miteinander in Verbindung treten würden. So wird von Kanada aus eine international« Bewegung in die Wege geleitet zu dem Zweck, die Produzenten der Vereinigten Staaten (die Vereinigten Staaten kommen allerdings für die Getreide- ausfuhr nur noch kurze Zeit in Betracht und werden wahrscheinlich in absehbarer Zeit zu einem Getreideeinsuhrland werden). Australiens , Argentiniens und Indiens zur Gründung von ähnlichen Großkartellen zu bewegen; ja man möchte auch S o w j« t r u ß la n d, wo das nationale Kartell durch das Aussuhrmonopol bereits gegeben ist, in die später zu schaffende international« Organisation hineinbeziehen. Di-s« Pläne müssen angesichts der Tatsache, daß das Riesenkartell in Kanada allein durch propagandistische Mittel in kurzer Zeit zustande- kommen konnte, durchaus ernst genommen werden. Die Wellzuckerkonferenz. Die kubanische Regierung hat unlängst ihre Absicht bekanntgegeben, die Einberufung einer Weltzuckerkonseren, »anzuregen. Den Hauptgeqenstand dieser Konferenz wird jedenfalls die Einschränkung der Produktion bilden. Die Weltzucker- «rzeugung— Rüben- und Rohrzucker zusammen— wird In der Kampagne 1926/27 auf 24277 000 Tonnen geschätzt gegenüber 24 375 000 in der letzten Kampagne. Auf die europäische Rüben- zuckerproduktion entfallen davon 7 340 000 Tonnen, 131 000 weniger als im Lorjahr. Der größte Rückgang entjällt auf die Produktion
in der Tstkjechoslowakei und in Schweden , 288 000 Tonnen bzw. 17Z000, während die deutsche Produktion etwa um 200 000 Tonnen höher als im Vorjahr steht. Der Weltverbrauch betrug aber bei den gegenwärtigen Preisen nur etwa 20 Millionen Tonnen, und so ist in diesem Sinne eine Ueberproduktion vorhanden. Dem soll nun durch Einschränkung der Produktion entgegengewirkt werden. Kuba , das ein Drittel der Weltproduktion an Rohzucker erzeugt, er- zielte im Jahre 1925/26 eine Produktion von 5 200 000 Tonnen und die laufende Ernte hätte noch darüber hinausgehen sollen. Nun wurde kürzlich durch eine Verordnung des Präsidenten eine Pro- d u k t i o n s e i n s ch r ä n t u n g, die die Erzeugung um 500 000 Tonnen vermindern soll, angeordnet. Da aber die meisten Fabriken bereits feste Verträge mit den Farmern hatten, mußten für dieses Jahr noch Ausnahmen gemacht werden; die getroffenen Maß- nahmen sind daher in diesem Jahr noch nicht wirksam. Kürzlich hat ein Wirbelsturm 220 000 Tonnen Zucker vernichtet, eine Menge, die nicht groß genug ist, um die Preise nachhallig zu beeinflussen. Wenn der Preisrückgang für Rohzucker den Verbrauchern trotzdem nur in geringem Ausmaß zugute kam, so deshalb, weil in den meisten Ländern die Zuckerraffinerien Kartelle ge- bildet haben, mit deren Hilfe sie die Preise in die Höhe treiben. Erst kürzlich hat der Präsident eines großen englischen Zuckerkonzerns trotz der reichen Ernte eine wesentliche Erhöhung der Zuckerpreise angekündigt. Nun sind aber auch die Produzenten von Zuckerrüben bzw. Zuckerrohr bestrebt, durch Einschränkung der Produktion bessere Preise zu erzielen. Die EinschrSnkung der Pmnmvollproduktlon. Bekanntlich ist die diesjährige Baumwollernte außcrordent- lich gut ausgefallen. Die letzten Schätzungen berichten bereits von einer Ernte von 17)4 Millionen Ballen, eine Ziffer, die über alle bisherigen weit hinausgeht. Demzufolge fielen auch die Preis« unter das Vorkriegsniveau und erreichten einen Stand, wobei der Wert einer Ernte von 17)4 Millionen Pollen 1 Milliarde Dollar beträgt, während vor drei Jahren eine Ernte von nur 10 Millionen Pollen einen Wert von 1,6 Milliarden Dollar vertrat. Zur Erzielung von Preissteigerungen sollen 4 Millionen Ballen aus dem Berk eh r gezogen werden, und außerdem wird für die nächsten Jahre eine organisierte Einschränkung der Produktion vorbereitet. Die Regierung gibt den Farmern Vorschüsse bis zu 80 Proz. des Wertes auf ihre Vorräte, damit sie diese statt sie zu verkaufen in Lagerhäusern unterbringen. Allerdings stößt die Einlagerung infolge Mangels an Lagerräumen auf große Schwierigkeiten. Die Vorschüsse werden aber nur unter der Be- dingung gewährt, daß sich die Farmer zu einer 25prozentigen Ein- schränkung ihrer Produktion verpflichten; in den Südstaaten f o r- d e r n sogar die Banken, bei denen die Farmer verschuldet sind, eine 50prozentige Einschränkung der Produktion. Die bisherigen Regierungsmaßnahmen waren vor den Kongreßwahlen vielfach von politischen Rücksichten geleitet. Der Ausfall der Wahlen zugunsten der Demokraten wird aber die gegenwärtige republikanisch« Regierung dazu veranlassen, ihre Stellung durch weitere Zugeständ- niste an die Farmer zu befestigen. Eine neue EinschrSnkung der Gutmttiproduffion. Di« Weltproduktion an Gummi betrug im abgelaufenen Erntejahr 600 000 Tonnen, im kommenden wird sie höchstens 625 000 ausmachen. Der Weltverbrauch konnte mit dieser Produktion nicht Schritt halten. Im Wirtschaftsjahr 1925/26 be- trug er 525 000 Tonnen. Bekanntlich setzte in diesem Jahr eine gewaltige Preiserhöhung für Gummi ein, die erst in den Sommer- monaten von einem Preisrückgang abgelöst wurde, wobei die Preise aber immer noch auf ansehnlicher Höhe blieben. Allerdings hängt der Gummiverbrauch außer von den Preisen auch von der Ver- breitung der Automobile ab.(Die Zahl der Automobile in der Welt betrug 1925 24)4 Millionen— davon 20 Millionen in den Vereinigten Staaten —, jetzt sogar 27 bzw. 22 Millionen.) Das von England auf den Malaiischen Inseln und auf Ceylon durch- gesetzt« System der Produktionseinschränkung durch Aussuhr- abgaben, das sogenannte Stephensonsystem, führte in der Tat zur beabsichtigten Preissteigerung. Dieses System wurde jetzt am 1. November durch eine andere Methode der Produktionseinschrän- kung abgelöst. War die Absicht der früheren Produktionsein- schränkung, einen Gummipreis von 1 Schilling 6 Pence pro Pfund Gummi zu erreichen, so wird jetzt als Grundpreis 1,9 Schilling an- gesehen. Beim eintretenden Preisrückgang kann die Produktion bis auf 60 Proz. der Ausgangs.(Standard-) Produktion gesenkt werden— bisher war die unter« Grenze nicht festgesetzt— aber unter keinen Umständen darf die Produktion die zur Grundlage genommene Stadardproduktion überschreiten.(Die Standard- Produktion ist aber um ein Viertel niedriger angenommen als die gegenwärtige.) Auf diese Weise soll der Preissenkung ein Riegel vorgeschoben werden. * Die geschilderten Beispiele aus den wichtigsten Produktions- gebieten zeigen die starken kapitalistischen Einflüsse aus den Pflanzen- bau und die Versuche, im Jnteresse des Profits eine private Zwangswirtschaft internationalen Umfangs zu organisieren. Die internationale Wirtschaftspolitik der Arbeiterschaft wird da.stn gerichtet sein müssen, anstatt dieser Profitwirtschaft eine plan- mäßige Produktion und Verteilung der pflanzlichen Lebens- mittel und Rohstoffe für den Bedarf zu erkämpfen. A. H.
�Deutscber Normenausschuß/ (sin Wendepunkt in der Geschichte der Normung. Der Normenausschuß der deutschen Industrie hielt am Sonn- abend, den 6. d. M., seine diesjährige Generaloersammlung im Jngenieurhaus in Berlin ab. Diese Tagung bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte der Normungsbestrebungen in Deutsch - land. Die Arbeiten des Normungsausschusses umfassen heute nicht mehr wie in den ersten Jahren seiner Tätigkeit nur die I n d u st r i e, sondern auch Handel und Banken, Handwerk und Land- Wirtschaft und neuerdinge auch die Hauswirtschaft. Auch äußerlich hat der Normenausschuß dieser Erweiterung seines Tätig- keitsgebietes Rechnung getragen, indem er seinen bisherigen Namen „Normenausschuß der Deutschen Industrie" abänderte in„Deutscher Normenausschuß". Immer mehr wird die Gemeinschaftsarbeit zum Besten der Gesellschaft von den Mitgliedern des Normenausschusses betont, und man kann dem Vorsitzenden Dr. Ing. e. h. Neuhaus beipflichten, wenn er erklärte, daß das, was der Normenausschuß schaffe, nicht für ihn, nicht für die Technik usw., sondern für das deutsche Volk und damit für die gesamte Menschheit geschaffen werde. Das ist international im besten Sinne gedacht. Der Redner wandte sich wiederum gegen die Irreführung der öffentlichen Mei- nuna durch die Behauptung, daß die planlose Erzeugung von Wirt- schastsaütern«ine größere Menge persönlicher Werte einschließe. Er richtete an alle Kreise des Volke» die Bitte, den Arbetten des Normenausschüsse» die größte Aufmerksamteft zu schenken.
Darauf sprach Professor Gropius, der Direktor des Bau- Hauses in Dessau , über„Normung und Wohnungsnot". Er forderte, daß Wohnhäuser als Vorratserzeugnisse hergestellt werden, die man vom Lager beziehen könne. Er zeigte an Bildern, wie durch solche Arbeitsverfahren die Bauzeit verkürzt, Bau- kosten und Zinsen gespart werden und wie man durch Steigerung der Bauleistung nicht nur die Herabsetzung der Mieten, sondern auch eine erfolgreiche Bekämpfung der Wohnungsnot erreichen könne. Neunzig Prozent des beut- schen Volkes haben in bezug auf die Wohnung das gleiche Bedürfnis. So ist denn die Normung eines der Hilfsmittel, dieses Bedürfnis zu beseitigen, und der Widerstand, der sich hiergegen bemerkbar macht, kann nur aus falsche Vorstellungen oder aber"auch rücksichts- lose Gewinnsucht zurückgeführt werden. Sehr interessant waren die Ausführungen des Vortragenden über die Schaffung von Wohn- h a u s g r u p p e n, die sich auf einen einheitlichen Grundriß aufbauten, bei denen aber die einzelnen Häuser irgendwie gegenein- ander versetzt sind und bei denen durch Baumschmuck und gärtnerische Anlagen eine geradezu verblüffende Vielgestaltigkeit des Straßcnbildes trotz der Normung erreicht worden ist. Sehr unterrichtend waren die Mitteilungen über die Verbilligung der Bauten durch die Verwendung von Normteilen. So kosten zum Beispiel eine nicht genormte Tür 40 M., die genormte Tür aber kann zum Preise von 24,50 M., also um 15,50 M. billiger, d. h. mit einer Ersparnis von 39 Proz. geliefert werden. Genormte Fenster werden um 35 bzw. 23 Proz. billiger abgegeben. Der Vortragende oerlangte, daß man Bauversuchsplätz« einrichte, auf denen die gesamten Fragen der Normung und Typung im Zusammenhang mit dem praktischen Bau sowohl in handwerklicher als auch in industrieller Methode ständig erprobt werden. Frau Dr. Mari« ElilsaKeth Lüders sprach mit Temperament und Wirkung über die geradezu katastrophalen Zustände aus dem Gebiet der Hauswirtschaft. Ei« sagt« den Architekten manch« bitter« Wahrheit über die unzweckmäßige Gestaltung der Wohnhäuser, durch die sozialhygienssche und sittlich« Gefahr heraufbeschworen wird. Sie wies auf die unzweckmäßige Geslaftung der meisten Hauswirtschaft- lichen Geräte hin. Die Rednerin zeigte den Zusammen- hang der Hauswirtschaft mitderVolks-undWeltwirtschast. Sie wies aber auch darauf hin, daß die im vereinfochten Haushalt als Betriebsleiterin arbeitend« Hausfrau unendliche geistige und I i t t- lich« Wert« gewinnen könne. Di« Vereinfachung der Haushalts- führung ermöglich« erst der Hausfrau,«hr« staatsbürgerlichen Pflichten und Recht« einwandfrei auszuüben. Ungezählt« Haus- frauen arbeiten heut« mit einem ungeheuren Kraftaufwand und kleinsten Nutzeffekt. Das muß endlich anders werden, sonst „versinkt unser« Kultur im Scheuereimer und Menschentum verfängt sich im Staubtu ch". Professor Dr. H o f f m a n n behandelt« die Normung und Krankenhaus pflege. Er wies insbesondere auf die Normung der Krantenhausmöbel hin. Es wird in Zukunft nicht mehr hundert verschieden« Krankenbetten, sondern nur«ine» geben. Der hier be- stehend« Fachausschuß hat darüber hinaus Kranken-Bettwäsche.-Leib- wüsche,-Bekleidung, Krankenpflegeartikel, Desinfektionsmittel und Apparat«, sowie ärztlich« Gerät«, Krankenautos und vieles andere in seinen Tätigkeitsbereich einbezogen. Auch hier dürften di« nächsten Jahre wesenllich« Vereinfachungen und damit auch große Ver- bcsserungen, di« sich volkswirtschaftlich auswirken werden, bringen. _ W. M. Geringer Rückgang öer /trbeitsuchenöen. An» dem Jericht de» Landesarbeitsamls Perlin. Auf dem Berliner Arbeitsina rtt haben sich bemerkenswert« Aenderungen in der letzten Woche nicht gezeigt. Es über- wiegen, trotz Verlangsamung des Tempos, wenn auch nur in geringem Umfange, die Besserungserscheinungen. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit hat angehalten und be- trägt wiederum rund 3000 Personen, so daß sich die Zahl der Ar- beftsuchenden gegenwärtig auf 230 679 Personen beläuft. Auf dem Stelleimiarkt für Angestellte macht sich neuerdings zwar ein erhöhter Abruf von Aushilfskräften für das Weihnachtsgeschäft be- merkbar, was auch bei den Handelshilfsarbeitern in Erscheinung tritt. Trotzdem überwiegen bei den Angestellten die Bewerber- zugänge, zu denen nicht unwesentlich Entlassungen von Behörden- angestellten beigetragen haben, die seinerzeit zu vorübergehenden Arbeitsleistungen eingestellt waren. Auch die noch immer nicht ab- geschlossenen Personaleinschräntungen, vornehmlich bei Groß- danken, beeinflussen diese Entwicklung recht stark. Da die äugen- blickliche Entlastung, soweit zu übersehen ist, nur Saisoncharakter trägt, lassen sich Rückschlüsse auf eine durchgreifende Besserung durch- aus nicht ziehen, zumal auch die Entwicklung des Arbeitsmarktes im allgemeinen in Verbindung mit der vorgeschrittenen Jahreszeit aus- Ichlaggebende günstige Momente nicht erkennen läßt. Die Not- standsattion der Stadtgemeinde Berlin gewinnt deshalb als ausgleichender Faktor auf dem Arbeitsmarkt und im' Wirtschaftsleben erhöhte Bedeutung. Die Beschäftigung von über 8800 Arbeitsuchenden bei Notstandsmaßnahmen greift ohne weiteres auch auf andere Zweige belebend über; die volle Aus- Wirkung dürfte sich jedoch erst nach Erfüllung des ganzen Notstands- Programms bemerkbar machen. Es waren 230 679 Personen bei den Arbeiksnachweisen eingetragen gegen 233 689 der Vorwoche. Darunter befanden sich 147 964 (150 347) männliche und 82 715(83 342) weibliche Personen. Unter- stützung bezogen 104 712(106 365) männliche und 54 017(55 049) weibliche, insgesamt 158 729(161 414) Personen. Außerdem wurden noch 35 072(35 806) Personen durch die Erwerbslosen Hilfe der Stadtgemeinde Berlin unterstützt und 8824(8504) Personen bei Notstandsarbeiten beschäftigt. Konzentration der Edelflahlerzeugung. Seit einiger Zeit sind die Verhandlungen über einen Zusammenschluß in der Edel- stahlindustrie wieder aufgenommen worden. Für die Kon- zentration kommen folgende Firmen in Frage: Stahlwerk Bischofs- Duisburg(Gruppe Rheinische Stahlwerke), K r e- sie l d e r Stahlwert A.-G. in Krefeld (Thyssen-Klöckner-Gruppe), Stahlwerk Brünninghaus in Werdohl (Konzern Deutsch - Luxemburg ). Cdelstahlwerk des Bochumer Vereins in Bochum (Gelsenkirchen ) und die Bergische Stahlindustrie in Remscheid ,. die vor kurzem in den Konzern der Vereinigten Stahlwerke über- gegangen ist. Stabilisierung der Lira? Die römische„Agenzia Eco- n o m i c a" meldet, daß in amerikanischen finanziellen Kreisen die Meinung besteht, Italien werde in kurzer Zeit dem Beispiel Belgiens folgen und mit Hilfe de» Kredite, die es auf dem internationalen Geldmarkt findet, seine Währung st a b i l i s i e r e n. Dieselbe Quelle berichtet, in Rom erfahren zu haben, daß Besprechungen zur Aufnahme eines Kredits und Schaffung eines Fonds für die Sta- bilisierung der Lira bereits Im Gange sind. Zugleich fügt sie hinzu. daß sie. da es sich um«in Vorgehen handele,' das die peinlichste Verschwiegenheit erforderlich mache, bisher noch keine offi- zielle Bestätigung dafür erhalten habe. Zweifellos muß und wird man sa einmal eine Etabilisation erreichen, um schwere Schädigun- gen der italienischen Wirtschaft zu vermeiden und der Industrie zu gestatten, auf festen Preisen aufzubauen statt auf solchen, die den täglichen Schwankungen der Währung unter- warfen sind.