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Die Altfozialisten wollen teine Regierung unterstützen, die von der KPD. abhängig ist. Der Kandidat Fleißner paßt ihnen nicht. Es ist politisch töricht, eine wichtige politische Frage von einer Personenfrage abhängig zu machen.

Die Deutsche Deutsche Volkspartei lehnt eine Große Koalition mit den Linkssozialisten ab und begegnet sich in der Abneigung mit der sozial­demokratischen Landtagsfraktion.

Für die Sozialdemokratische Partei Sachsens ist die Große Koalition unmöglich. Ganz abgesehen, daß hierfür der Bariner fehlt, für die Ablehnung kommen folgende Grund­anschauungen in Betracht.

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Im Gegensatz zum Obrigkeitsstaat soll in der Republik die Staatsgewalt vom Bolte ausgehen. Das Bolf kann aber die Staatsgewalt in einer Republit nur dann ausüben, wenn es auch den Staatsapparat voll beherrscht und auf breiter Grundlage im Staat und in der Gemeinde mitwirft. Der Ministerposten macht es allein nicht. Deshalb hatte die fozialistische Regierung Sachfens unter Bud- Lipinski Sozia­listen in leitende und entscheidende Stellen Ministerial direktoren, Ministerialräte, Kreishauptleute, Amtshauptleute und Polizeipräsidenten berufen. So wurde die Personal­abteilung des Innenministeriums mit einem sozialistischen Ministerialdirektor und mit sozialistischen Referenten besetzt, um einen Ueberblick über die etwa 25 000 Beamten der inneren Berwaltung zu gewinnen. Das hatte den Zorn der höheren Beamten erregt und sie führten öffentlich Krieg gegen den Minister; sie wollten in der Personalpolitik mit bestimmen. Das Beigner- Kabinett fekte die Personalpolitik des Bud- Kabinetts fort und vollendete die infolge der Auf­lösung des Landtags liegen gebliebene Gemeindeordnung. Sie zerbrach den Einfluß der Bureaukratie und dehnte die Gelbstverwaltung der Gemeinden bis zu der Grenze aus, daß noch der Zusammenhang mit dem Staatsganzen gewahrt wurde. Die Gemeindeordnung war ein Riefenfortschritt für die Festigung und Ausbreitung der Demokratie im Staate und in der Gemeinde. Die Demokratie war auf die breiteste Grundlage gestellt als vordem.

Die im Jahre 1924 geschaffene Große Roalition hat diese Pfeiler der Demokratie gestürzt. In den Ministerien wurden die Sozialdemokraten fast restlos entfernt, das Personal­wesen wurde Deutschnationalen und Bolts parteifern übertragen. Die Beamtenbureaukratie wurde wieder reftlos hergestellt. Früher entlassene Beamte, die den wieder restlos hergestellt. Früher entlassene Beamte, die den fozialistischen Minister öffentlich bekämpft hatten, wurden wieder eingestellt und befördert. Sozialistische Amtshaupt­leute und ein Polizeipräsident wurden entlassen und durch bürgerliche erfekt. Die politischen Staatsanwälte wurden entfernt, hohe Richterstellen mit Deutschnationalen besetzt.

Die Gemeindeordnung, die noch nicht ein Jahr in Kraft war, wurde durch eine Novelle geändert, die fast völlig die früheren Rechte des Ratskollegiums gegenüber den Stadtverordneten herstellte, d. h. der Bureaukratie in den Gemeinden wieder zum entscheidenden Einfluß verhalf und die Selbstverwaltung der Gemeinden durch die Erweiterung der Staatsaufsicht einschränkte.

Die Bureau fratie des monarchistischen Staates ist auf der ganzen Linie nach dem Diftat der Deutschen Bolts­partei wieder in der Republik ! in den Sattel gehoben worden. Bon der Volkspartei, die die Militärdiktatur in Gachsen herbeigeführt hat.

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Eine neue Regierung fann nur das Vertrauen des Volkes, der arbeitenden Klaffe, wiedergewinnen, wenn sie imftande ist, die durch die Große Koalition geschaffenen Zustände zu beseitigen. Eine Große Koalition aber würde die Stabili­fierung dieser Zustände bedingen. Würde die sozialdemo­fratische Fraktion auf solche Bedingungen eingehen und in eine Regierung der Großen Koalition eintreten, ohne in der Lage zu sein, an diesen Zuständen etwas zu ändern, so würde sie die Partei und die Arbeitermassen enttäuschen und auf lange Zeit das Vertrauen der Arbeiterschaft verlieren.

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Der Rittmeister.

Bon Hans Bauer.

Das ist nun wieder so eine Sache, wo einem die Wirklichkeit zuvorgekommen ist und dargetan hat, daß sie ihrer durch die Phan­taste nicht spotten läßt. Das hätte längst erfunden werden müssen aber ehe es dies wurde, da passierte es. Nämlich, wie eine Berliner Zeitschrift berichtet, dies: Am Deutschen Theater zu Berlin ift ein ehemaliger Rittmeister, Herr v. Netto, als Schauspieler be schäftigt. Bei der Einstudierung des Neidhardt v. Gneisenau wird ihm eine fleinere Rolle, die eines Wachtmeisters, zugewiesen, der vom General Gneisenau, den Werner Krauß darstellt, laut Tertbuch verschiedentlich heruntergeputzt werden muß. Eine Weile läßt Herr v. Netto auf der Probe die Gneisenau- Kraußsche Schimpftanonade über sich ergehen. Dann wird es ihm zu viel, und er bittet den Regisseur um Suspendierung von seiner Rolle, da er, als ehe­maliger Offizier, fich unmöglich von Herrn Krauß, der nicht einmal gedient habe, als Schweinsterl titulieren laffen könne. Bums.

Was sind die schönsten Verquidungen von Schein und Sein rei Pirandello gegen diese blutfrische Zwiespältigkeit einer Seele, die Theater mit Wirklichkeit verwechselte, und die dies nur zuwege brachte, weil ihr der Theatercharakter ihrer vergangenen Wirklich feit nie zum Bewußtsein gekonimen war, und die die Theaterroile eines Beschimpften als Demütigung ihrer Person empfand, weil sie die verstrichene Wirklichkeitsrolle eines Beschimpfers als Erhöhung

empfunden hatte.

Es ist höllisch geschimpft worden auf den Kasernenhöfen- und, während des Krieges, wahrlich nicht nur auf ihnen. Es gehörte zum Handwerk der Offiziere, daß sie, gegenüber den Muschkoten, über ben rechten Wortschatz verfügten, der feineswegs im .Schweinster!" seine obere Schneidigkeitsgrenze hatte. Es ist ge­schimpft worden auf jeglichen untergebenen, und fein Rittmeister erkundigte sich vorher danach, ob dieser in Zivil dies oder jenes, ein Herr Nulpe ober ein berühmter Schauspieler sei. Die Nulpes und die berühmten Schauspieler haben sich wenig aus den Schweinsterlen und dem, was weit darüber hinausging, gemacht. Sie wußten, daß solche Titulierungen feine Sache der Erkenntnis, sondern der Machtausübung waren, daß nicht die Klugen die Dummen kennzeichneten, sondern daß die von der Staatsmacht geschüßten Epauletten sich gegen die Epaulettenlosen austobten, und daß alles eine Uniformfrage war.

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Sun, die Rittmeister haben ihre Uniformen ausgezogen, und bie meisten von ihnen damit auch allen Glanz ihres Menschen Manche siten im Kontor oder schließen Bersicherungen ab, manche handeln mit Zigaretten oder Brühwürsten, und gebantenlos wäre cs, fie ob ihres ehrlichen Gewerbes zu höhnen. Manche versuchen fich auch auf der Bühne und haben dann allen Grund, von den Größen des neuen Berufes zu lernen. Aber da vollzieht sich nun

In einem Lande mit parlamentarischer Tradition wäre es selbstverständlich, daß, wenn feine Partei eine Mehrheit der Wähler hinter sich hat, die stärkste Partei die Regie rung übernimmt, wie das Beispiel der Macdonald- Regierung in England zeigt. Wenn die Altsozialisten das Heidel­berger Programm nicht bloß als Aushängeschild benutzen wollen, dann müssen sie sich für die Republik entscheiden. Ein Bündnis der Sozialdemokratie mit einer anderen Partei oder eine Unterhandlung ist ausgeschlossen, denn es ist feine Partei da, mit der sich eine Mehrheit bilden ließe und die Verhandlung mit einer der Splitterparteien würde den Wegfall der Unterstügung anderer Parteien nach sich ziehen.

Die Demokraten sind bei der letzten Wahl fast zer­rieben worden. Bon 22 im Jahre 1919 find sie auf 5 Man dat e gesunken. Sie sind die eigentlich Schuldigen für die sächsische Krise seit 1923. Obgleich fie fachlich den Standpunkt der sozialistischen Regierung teilten, haben sie die Regierung Bud am 31. Januar 1923 dadurch ge­stürzt, daß sie für das fommunistische Miß­trauensvotum ftimmten ausschließlich aus dem egoistischen Grunde, schnell selbst zu Ministerposten zu ge langen. Sie stürzten auch die Fehlisch- Regierung und der Lohn für ihre trostlose politische Kurzsichtigkeit ist der Wahlausgang. Eine Weimarer Koalition läßt sich wirklich mit fünf Demokraten in Sachsen nicht bilden.

Die Aufwertler fommen nicht für eine Verhandlung in Betracht. Ihr Führer ist als. All deutscher nationali stischer als die Deutschnationalen. Und die Wirtschafts­partei ist nur eine Spielart der Deutschnatio nalen.

So ist fein Partner für eine sozialistische Regierung vor­handen. Sind die Altsozialisten nicht selbstlos genug bei der nächsten Wahl für Fleißner zu stimmen, so bleibt nur die Auflösung dieses Landtags oder der Bürgerblod. So schlimm und unerträglich es für die Arbeiterklasse wäre, der Tag der Abrechnung würde für den Bürgerblod und die Altsozialisten eine schwere Niederlage von Dauer sein. In dieser Lage wird von der Rechtspresse der unitarische Gedante wieder start in den Vordergrund gedrängt. Die Absichten sind durchsichtig. Die Sozialdemokratie ist stets für den unitarischen Gedanken eingetreten. Sie wollte mit der Kleinstaaterei in Deutschland aufräumen. Wenn ihr das nicht in Weimar gelang, so deshalb, weil die Fürsten 1815 die Einheit Deutschlands durch die Feftigung der Kleinſtaaten verhinderten, um ihre eigene Hausmacht zu befestigen. Dieser Fluch lastete noch bei der Schaffung der Weimarer Verfassung auf Deutschland . Es gelang nicht, die Kleinſtaaten zu beseiti gen, weil Bayern dagegen Einspruch erhob Der Anschluß Sachfens an einen anderen Staat in diesem Augenblic würde an dem Ländercharakter Deutschlands nichts ändern, sondern nur eine Größenverschiebung herbeiführen. Man führe die Aufteilung Deutschlands nach Wirtschaftsgebieten durch, wie es die Weimarer Berfassung vorsieht, dann mag auch Sachfen mit verschwinden.

Fromme Wünsche.

Herr Tänzler auf Erkundung in Amerika . Der pensionierte Synditus der Arbeitgebervereinigung Dr. Tänzler reist in Amerika und berichtet darüber im Lokal- Anzeiger". Er preift den Werksgeist", die glückliche Mentalität" der amerikanischen Arbeiter:

" In diesem Zusammenwirfen, in diesem Geiste, alles aus dem Berte herauszuholen, was die Leistung nur irgend hergibt, liegt ein großer Teil des Geheimnisses, das die a meritanische Prosperität umgibt. Es war mir von besonderem Werte, daß der Präsident der amerikanischen Gewerkschaften mir ausdrücklich versicherte, wie auch die Arbeit der amerikanischen Gewerkschaf. ten fich in diesem Geiste vollziehe. Ben ich auch immer sprach, mochte er ein Mitglied der Unions sein oder nicht, überall trat mir

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das Wunderbare: der fleine Schauspieler, eingeordnet in einen neuen Wirkungstreis, wissend um die neuen Gesetze, denen er unter. worfen ist, einverstanden mit der bescheideneren Wertung, die ar gegenüber den großen Kollegen erfährt, der fleine Schau fpieler tippt plöglich um, wenn er ein Wort aus seiner Bergangen heit, wie das vom Schweinster!" hört, das ihm zum Stichwort in seiner Lebensrolle wurde. Er stößt dann alles rund um sich bei feite: diese Wirklichkeit der Pappe und Leinwand, diese Wahrheit der Schauspielergröße des anderen, und bricht hindurch in das Un wirkliche seiner vergangenen Rafernenhofgeltung, in der er die Schweinsterle" austeilte und wo der andere sie einsteden mußte, und hält dies für die einzige Wahrhaftigkeit.

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Seltsame Verkehrung aller Vorzeichen! Gespenstischer Sput in Herzenstiefen! Phantastischer Wirbeltanz der Begriffe! Flammen geschriebenes Menetetel einer noch immer herumgeisternden Kasten gesinnung!

Herr v. Netto ist nach seinem Wunsch von seiner Rolle befreit worden und braucht sich von dem Schauspieler Werner Krauß nicht als Schweinster!" titulieren lassen. Wehe, wenn die Schauspieler D. Retto wieder zu Rittmeistern würden! Sie dächten gewiß nicht daran, uns auf so leichte Art von unseren Schweinstert"-Rollen zu entbinden.

Ein neues Borstadttheater. Nach alter Ueberlieferung spielen belamtlich im Sommer manche Theater unter dem Titel Sommer Berdienst, an diesem geheiligten Brauch gerüttelt zu haben. Er gastspiel" wertlose Stücke. Herrn Direktor Kuhnert gebührt das bringt schon im Winter, mitten in der Saison, eine alberne Komödie heraus, und zwar im Theater am Rollendorfplay Die leicht bekleidete Abele" von einem bekannten Schwant birgt. Bei dem Titel spitzt man sich auf eine teise Sache, auf das fabrikanten, der sich hinter dem Bjeudonym Walter Heim ver­lockere Erzeugnis einer leicht geschürzten Muse, auf jeden Fall auf etwas Luftiges. Leider verwirklichen fich folche Hoffnungen nicht. Die Romit des Schwants ist zum Beinen. Dem Herrn Walter Heim ist tatsächlich nichts weiter eingefallen als eine Variation der alten, tausendmal behandelten Geschichte von dem Pantoffelhelden aus der Broving, der in der Großstadt über die Stränge schlägt und deshalb zu Hause von einer Berlegenheit in die andere gejagt wird. Im ersten Bild lacht man noch. Mar Adalbert gerät in ange­fäufeltem Suftande in ein falsches Hotelzimmer, zieht sich aus und legt sich ins Bett, als plötzlich Abele eintritt, sehr leicht bekleidet, da fie aus dem anstoßenden Badezimmer fommt. Was folgt, ist un diskutabel. Der Verfasser gentert sich nicht, die ältesten Boffen mähden, ein sächselndes Flitterwochenpaar, seitenspringende Mit­glieder eines Bundes für eheliche Treue und was sich sonst im Be­ftand alberner Schwanttomit vorfindet, zu bringen. Es ist traurig, daß für Mar Adalbert feine vernünftige Aufgabe da ist. Er sagt: " chmeiß nicht, mir fullern heute die Worte fo raus" und es ift aller Chren wert, wie dieser unvergleichliche Komiter mit Wortver. brehungen und lustigen Ertempores die verfahrene Sache zu retten fucht. Aber es ist alles vergebens. Wer sich einen verlorenen bend schaffen will, der gehe ms Theater am Rollendorfplag. Dgr.

als natürliche Selbstverständlichkeit die Auffaffung entgegen, daß der Bezahlung des Lohnes auch die Hergabe der vollen Kraft des Arbeiters entsprechen müsse."

Ueber das wahre ,, Geheimnis" geht Herr Tänzler mit einem Satz hinweg:

Die Frage der hohen Löhne gewinnt daraus eine unmittel bare Beantwortung, und man braucht sich nicht das Hirn mit tief­gründiger volkswirtschaftlicher Weisheit zu zermürben, ob hohe Löhne ein Fallen der Preise verursachen, die Prosperität der Wirt­schaft ermöglicht es eben, dem Arbeiter so hohe Löhne zu zahlen, wie sie ihm auch der deutsche Arbeitgeber wünscht."

Ja, da liegt schon der Unterschied: der deutsche Arbeitgeber wünscht dem Arbeiter hohe Löhne, der amerikanische aber 3ahlt sie ihm. Dabei liegt im ersten Teil des Safes noch eine Beschönigung. Es ist gerade die Mentalität der deutschen Scharfmacher, daß sie dem Arbeiter hohe Löhne nicht ein­mal wünschen, aus Klaffenüberheblichkeit und borniertem Raftengrößenwahn.

Wirtschaftspartei.

Wenn Mittelständler unter sich find.

Die Wirtschaftspartei ist das Gammelbecken des fleinsten und kleinlichsten Berufsegoismus, die. Partei jenes furzsichtigen un politischen Mittelstandes, der nicht über die Grenze feiner engsten Interessen hinaus auf die Notwendigkeiten des Ganzen zu sehen vermag. In der Zeit der Krise hat die Wirtschaftspartei aus diesen unpolitischen Kreisen steten Zuzug erhalten. Die Sachsenwahl hat es drastisch gezeigt. Diese Partei" aber ist in Wahrheit nur ein zusammenhangloses Gebilde sich durchkreuzender fleiner Interessen. In Halle sprach der zweite Borsigende der Wirtschaftspartei Roloffer über die Aufhebung der 3wangswirt ihaft für gewerbliche Räume. Er forderte die Ge­werbetreibenden auf, dem Hausbesig, der sich um die irtschaftspartei so verdient gemacht habe, jest besonders zur Seite zu stehen, wo es um die Beseitigung der Woh­nungszwangwirtschaft gehe. Die Gewerbetreibenden aber find in diesem Falle die Leidtragenden, sie wollen nicht der Willfür der Hausbefizer ausgeliefert werden. Es erhob sich ein großer Sturm in der Bersammlung. Herr Roloffer mußte hören, wie ihm zu­gerufen wurde: 3hr seid ja alle Aasgeier." Ein nicht unberechtigtes Bild für den Kleinlichsten Egoismus, der der Wirtschaftspartei das Gepräge gibt.

Spaniens neue Tanger - Offensive.

Frankreich lehnt Zugeftändnisse ab.

Paris , 28. Dezember .( Eigener Drahtbericht.) Die französische Linkspresse protestiert lebhaft gegen den Artikel des Madrider A- B- C", den man als offiziös von Primo de Rivera inspiriert glaubt, und in welchem der spanische Diktator von neuem die Frage von Tanger aufwirft und die Einverleibung dieser Stadt in das spanische Protettorat verlangt. Der Artikel hat hier um so mehr Aufsehen erregt, als das Blatt eine gleichzeitige Erklärung Alfons XIII . veröffentlicht, die die neue Forderung des Difta­tors zu unterstützen scheint. Die Blätter weisen hier darauf hin, daß diese Frage für Frankreich endgültig geregelt ist und daß man sich fragen müsse, ob nicht der spanische Diktator unter dem Einfluß von Mussolini genau wie vor einigen Monaten diese Frage wieder aufwerfe. Er werde aber auch diesmal damit keinen

Erfolg haben.

Drummond bleibt Generalsekretär. Aus Genf werden englische Meldungen, daß der Generalsekretär des Bölkerbundes, Drummond, eine englische Botschaft erhalten werde, dementiert. Damit entfallen auch die daran gefnüpften Kombinationen, die bereits Benesch als seinen Nachfolger bezeichneten.

Der Kolonialminister im belgischen Kabinett, Becher, ist ge­storben. Becher wurde erst vor einem Monat auf seinen Bosten berufen.

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Es

Zweites Arbeiter- Sinfonie- Konzert in der Philharmonie. bleibt gewagt, nach Mozarts Jupiter- Sinfonie Arthur Honeg gers Pacific 231 " zu spielen, auch wenn eine Pause das wischen liegt. Warum soll nicht ein Konzert Gegenfäße vereinen? position handelt es sich um die Impression einer fahrenden Lokomo­In diesem Falle sind sie aber zu traß. Bei der Honeggerschen Kom­

tive, aber die Musit bleibt mehr im rein Beschreibenden stecken, als daß sie das Erlebnis des Zuges bringt. Vielleicht bietet eine Rom bination von großem Orchester mit Jazzband in formaler, Be­ziehung eine Möglichkeit der musikalischen Lösung, aber die Musik muß sich vom nur Beschreibenden und Ausmalenden lösen. Honeg­ ger , ein virtuofer Kontrapunttiter, legt am Anfang den Hauptatzent darauf, die anfahrende Lokomotive zu schildern. Die tiefen Streicher übernehmen es, die rhythmischen Stöße des Kolbens zu illustrieren, allmählich aber, besonders zum Schluß hin, wächst die Komposition noch das Erleben von etwas Dahinrasendem. Der Dirigent Iasch a darüber hinaus und vermittelt tatsächlich den Eindruck und mehr Horenstein zeigt sich als tongenialer Ausdeuter des Kompo nisten, als erafter Rhythmiker. Dieser Vorzug aber wird ihm bei Mozart und Richard Strauß verhängnisvoll. Er gibt hier zu scharfe Einfäße, läßt zu start spielen, ist zu wenig gelöst und tänzerisch. Ueberhaupt geht Horenstein in der Gegenfäßlichkeit der Tonstärke zu weit, für ihn gibt es pianissimo oder fortissimo, lebergänge gelingen ihm weniger. Deshalb wirkte Mozarts Musik merkwürdig falt und hart. Das Konzert war gut besucht, der Beifall, besonders nach Honeggers Komposition, sehr start.

―t.

Temperaturanzeigende Farben. In den Laboratorien der herzustellen, die sich bei Erwärmung verändern und die die ur­amerikanischen General Electric Company ist es gelungen, Farben Sprüngliche Tönung wieder annehmen, wenn eine Temperatur­abnahme eingesetzt hat. Die Farben enthalten doppeltes Kupfer abnahme eingesetzt hat. Die Farben enthalten doppeltes Kupfer­und Quedfilber oder doppeltes Silber- und Quecksilber­Jodid. Bei gewöhnlichen Temperaturen ist die erstgenannte etner Temperatur von etwa 70 Grad Celsius und vollkommen

Farbe leuchtendes Rot: sie wird dunkei schokoladenbraun bei

Schwarz bei der Temperatur des fochenden Waffers. Sobald die tierungen in rückläufiger Bewegung gegenüber dem ersten Vorgang und ist wieder leuchtend rot bei normaler Temperatur. Wird silber­und quecksilberhaltiges Salz benußt, so ist die Ausgangsfärbung ein Gelb, das sich bei einer Temperatur von etwa 70 Grad Celsius in ein huntles Orange- oder Ziegelrot verwandelt. Die neuen Farben eignen sich für Wellenlager und andere Maschinenteile, die leicht über, higt werden oder warmlaufen tönnen. Sehr wichtig erscheint aber auch ihre Berwendung als Weserstandsanzeiger bei Warmwasser= behältern, da ein senkrechter Farbstreifen an der Außenwand des Behälters alle Wasserstandsänderungen anzeigen fann.

Ein Wörterbuch des Flugverkehrs. Das amerikanische Flugbertebrse fomitee bat ein Wörterbuch des Flugwesens aufammengestellt, das diefer Tage von der Regierungsbruderei in Washington berausgegeben mitb. Schon feit 1928 beftebt amar ein solches Wörterbuch, es hat sich aber her­ausgestellt, daß die Entwidlung des Flugmelens eine große Zahl neuer Ausdrüde gebracht hat. Die neue Ausgabe umfaßt nicht weniger als 2000 Borte, die hier eindeutig in threm jenigen Gebrauch definiert sind.