Einzelbild herunterladen
 

Nr. 144. Jahrg.sgs of sh Morgenausgabe

Ausgabe A nr. 131eea

Bezugspreis.

Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 6. Reichsmart noraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland , Danzia, Saar- und Memelaebiet. Desterreich. Litauen , Luxemburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat.

Der Borwärts" mit der illuftrier ten Sonntagsbeilage Bolt und Zeit" fowie den Beilagen Unterhaltung uno Biffen". Aus der Filmwelt", Frauenftimme" Der Rinder freund" Jugend- Borwärts" und Blid in die Bücherwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal

Telegramm- Adresse:

aried and pubic

Ko na ichin prapto 1-16 allesa

Vorwärts

end and ghun

Sozialdemokrat Berlin " ar bithion

Berliner Volksblaff

Berliner

15 Pfennig

Anzeigenpreise:

Die einfpeltige Nonpareille. zeile 80 Bfennig. Rellamezeile 5 Reichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Bort 25 Biennia ( aulaffia amei fettgebrudte Worte), iebes meitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche bas erste Wort 15 Pfennig. jebes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buch ftaben zählen für amei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten

Seile 40 Bfennia.

Anzeigen für die nächste Summer milffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftzake 8, abgegeben werden. Geöffnet von 81 Ubr frith bis 5 Uhr nachm

Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3

old

Fernsprecher: Dönhoff 292-297. 18. Sonnabend, den 1. Januar 1927

Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3

-

Bokichedlente: Berlin 87 538. Bentfonts: Bant ber Arbeiter, Angeftenten und Beamten, Ballite. 5; Distonts- Gesellschaft. Desafitentafe Lindenstr. 3.

Ausblick auf 1927.

Bon Hermann Müller Franken.

Das Zentrum will die 1927 fälligen sozialpolitischen Gesetze, das Gefeß über die Erwerbslosenversicherung, das Arbeitszeitgefeß usw. mit Zustimmung der So­zialdemokratie machen. Das Zentrum weiß, daß die Sozial­demokratie bereit ist, die sozialpolitische Gesetzgebung in der Art fortzuführen, für die sich auch die chriftlichen Gewert­schaften erklärt haben.

Wir treten in das Jahr 1927 unter einer in Demission| Zentrum hat viele fatholische Arbeiter unter seinen Wählern.| Sturzes mit der Reichstagsauflösung ihr Glüd pro­befindlichen Reichsregierung. Seit 1925 begann das deutsche Bolt so das neue Jahr. Lezte Ursache der jetzigen Krife mar, daß die Reichsregierung über feine feste Mehrheit im Reichstag verfügte. Nach links hin war 1926 feine Mehrheit zu bilden und nach rechts hin war feine Politik zu machen, wenigstens feine auswärtige. Eine neue Minderheits­regierung, die fich auf die Sozialdemokratie stüßte, wäre nur dann zu bilden, wenn die Deutsche Volkspartei jetzt bereit wäre, die Politik einer solchen Regierung dauernd zu stützen, ohne in ihr vertreten zu sein.

In der deutschen Republik ist das parlamentarische System nicht so einfach zu handhaben wie einstmals in Eng land. Denn auch England hat heute drei Parteien. Die Re­gierung Macdonald war eine Minderheitsregierung. Mir hat ein Führer der Rechten neulich gesagt, daß das parlamenta rische System in Deutschland nur dann zweckmäßig funktio­nieren würde, wenn man an Stelle der zwei Parteien des englischen Systems zwei Kombinationen von Bar teien sehen würde. Das heißt auf Deutsch etwa: Bier Jahre Weimarer Koalition gefolgt von vier Jahren des Dreibundes Bestarp- Scholz- Emminger. Aber selbst das ist für Deutsch­ land Theorie. Denn beide Rombinationen haben keine Mehr­heit. So geht es also auch nicht, weil die Frau Wählerin und der Herr Wähler es 1924 nicht so wollten. Mit der Kom­bination We starp und Genossen ist ferner, wie gerade die Jahre 1925 und 1926 gelehrt haben, teine auswärtige Politit zu machen. Das Zentrum aber, das die Rechte zur Mehrheit braucht, ist Anhänger einer Politik der Befriedung und der Verständigung. Sein Schwerpunkt liegt im Westen Seine Politik muß die baldige Räumung der Rheinlande zum Ziel haben.

Beigert sich aber das Zentrum, der Rechten die Krücken zu liefern, was dann? Aus dem deutschnationalen Blätter walde wird für diesen Fall mit der Bildung einer Minder heitsregierung der Rechten oder mit einer Beamten regierung gedroht. Zu dem legtgenannten Experiment wird es wohl faum fommen. Unter dem parlamentarischen System hat eine Beamtenregierung feine Autorität in den Parteien. Deshalb werden gegen eine Beamtenregierung leicht Mehrheiten für Agitationsanträge gebildet. Politische Phantasten denken sich als Führer einer Beamtenregierung gerne einen start en Mann, der die staatlichen Notwendig feiten mit dem Artikel 48 durchsehen soll. Der Artikel 48 schafft fein Budget. Eine budgetlose Regierung bringt aber legten Endes die deutsche Währung in Gefahr. Mit dem Artifel 48 sind auch die Rheinlande nicht zu befreien. Oder bildet sich jemand ein, daß ein Diktator die Rheinlandräumung erzielen würde?

Was aber soll der Sinn der Bildung einer Minderheits­regierung der Rechten sein? Soll sie es einfach darauf an­fommen lassen, ob sie gestürzt wird? Soll sie im Falle des

bieren? Abgesehen von der Sozialdemokratie will feine Partei die Auflösung. Die Deutschnationalen haben eine heillose Angst vor ihr, weil sie die betrogenen Rentner und Sparer fürchten. Die Deutsche Volkspartei würde die Hälfte ihrer Mandate verlieren. Trotzdem ist eine Reichstagsauf­Lösung nicht unmöglich, weil in Deutschland keine Dummheit unmöglich ist, wenn die Rechtsparteien die Politik führen. Es gibt in Deutschland Rechtspolitiker, die sich einbilden, daß breite Schichten des deutschen Volkes sich von nationalistischen Phrasen umnebeln lassen, wenn der Reichspräsident von Hindenburg einer Rechtsregierung einen Appell an die Wähler ermöglicht. Die Sozialdemokratie hätte einen solchen Wahlkampf nicht zu scheuen. Mit dem blöden Geschrei über angeblichen Landesverrat der größten deutschen Partei werden die Rechtsparteien feine politischen Geschäfte machen. Die Sozialdemokratie würde mit gutem Gewissen in den Wahl­fampf ziehen. Sie hat vor und während der Krise unzwei­deutig zu erkennen gegeben, daß sie in dem Staat, den sie in Weimar mitgeschaffen hat, bereit ist, verantwort liche Mitarbeit zu leisten, und daß sie daran nur durch die Politit der Deutschen Volkspartei gehindert wurde, die das deutsche Volk der sozial- und wirtschaftspolitischen Reaktion ausliefern will. So wird das Jahr 1927 die Sozial­demokratie bereit finden, mit ihren Gegnern abzurechnen. Die Arbeiter, Angestellten, Beamten und die Schichten der neu Enteigneten werden ihr folgen, mann immer sie zum Kampfe für die Verteidigung ihrer Interessen aufrufen wird. piliad aR

did to verilen eines daben, als bie Delft Die Gewerkschaften an der Jahreswende

Von Theodor Leipart .

=

1. März betrug die Zahl der unterstüßten Erwerbslosen 2 056 800; von je 100 Gewerkschaftsmitgliedern waren 28 bis 29 vollerwerbslos, weitere 22 waren Kurzarbeiter. Am 1. No­vember war die Zahl der unterstützten Erwerbslosen auf 1308 000 gefunken, in etwa gleichem Maßstab sentten sich) die Zahlen der Erwerbslosen und der Kurzarbeiter in den Steigen der Arbeitslosigkeit ein, so daß am 1. Dezember wieder 1369 014 unterstützte Erwerbslose gezählt wurden. Bon je 100 Gewerkschaftsmitgliedern waren noch immer 14,5 vollerwerbslos und 8,1 furzarbeitend.

Bom November an trat ein erneutes

Wird fich 1927 insofern etwas ändern, Deutsch­nationalen bereit sind, Stresemann zu folgen und die Politik mitzumachen, die seit 1919 von der Sozialdemokratie und dem Zentrum vertreten wurde? Die Deutschnationalen tun fo, aber nur deshalb, meil sie aus innerpolitischen Gründen an Das Jahr 1926 endet mit einer weiteren Bersch är| 1926, um von da eine langsame Besserung zu zeigen. Am die Macht wollen. Sie würden dulden, daß Stresemann den fung der Gegenfäße. Die Lage der Wirtschaft zeigt Zug in derselben Richtung weiterfährt, aber sie würden ihm zwar manche Anzeichen der Besserung, aber die Krise des von Zeit zu Zeit immer wieder Sand in die Maschine Arbeitsmarktes blieb und wird noch länger andauern. Man schmeißen. Weil ihre öfflichen Wortführer von der fommen- fann sagen, daß die Krisis der deutschen Wirtschaft schon mit den großen Auseinanderjeßungander Beichsel Ablauf des ersten Bierteljahres 1926 ihren Höhepunkt erreicht fafeln, glaubt im Ausland niemand, daß fie innerlich den hatte. Bon da ab iſt eine zunächst langsame, später schneller guten Willen haben, die Politik der Befriedung Europas im Januar, Februar bzw. März mit rund 2100, 2000 bzw. fortzusetzen. Das entmachtete Deutschland fann aber seine 1900 das Doppelte der Borkriegszahlen erreichten, fanten auswärtige Politik nicht auf Heuchelei gründen. Die O ft schnell, um im September bis November unter 500 monatlich, politit tann von der Westpofitit weniger d. h. auf etwa die Hälfte der Borkriegszeit, zurückzugehen. An denn je getrennt werden, seit wir im Bölkerbunde Wechselprotesten brachte der Januar mehr als 32 000 mit Das Jahr endet also damit, daß immer noch fast find. Der Böllerbund würde niemals eine Politit der Ver. 48 Millionen Mart, der Februar 20 000 mit 26,5 Millionen der vierte Teil der Arbeiter entweder ar gewaltigung Bolens dulden, von der deutschnationale Phan Mart. Im Oktober ist die Zahl bis auf 4000 mit 5,2 Millio beitslos oder nicht voll beschäftigt ist, während tasten träumen. Nun ist eine solche Politif der Bergewaltinen Mart gesunken. Die Warenausfuhr hob sich vom April die Wirtschaft selbst wesentlich gebessert erscheint. Aus der ab in jedem Monat. Die Steigerung der Pro Reinigungskrise" der Wirtschaft ist die Rationalisie= gung praktisch überhaupt nicht möglich, aber wieviel Glas buttion ist ersichtlich aus der Statistik der Wagengestellung rungstrife" des Arbeitsmarties geworden. Un­würde Herr Stresemann brauchen, um die Fensterscheiben durch die Reichsbahn: im Januar arbeitstäglich 105 000, im zweifelhaft hat die Rationalisierung der Betriebe große Fort­wieder einzusetzen, die die Deutschnationalen einzuwerfen ge- Oftober 152 000. Ferner aus der vom Statistischen Reichsamt fchritte gemacht, sowohl was die Ausnutzung der technischen willt sind? errechneten Kurve der Produktion wichtiger Grundstoffe", Entwicklung, wie die Verbesserung der Betriebsorganisation Troz alledem bieten sich die Deutschnationalen eifriger die in den letzten Monaten über die Grundziffer für 1913 anbetrifft. Die Gewerkschaften haben von allem Anfang an denn je zur Teilnahme an der Regierung an. Eine Mehr hinausstieg. Das Geldwesen zeigt gleiche Erholung. Kredit die Notwendigkeit der Rationalisierung anerkannt. Aber sie heitsregierung unter Einbezug der Deutschnationalen kann entwicklung, 3inssäte, Kursniveau der Aktien deuten gleicher- haben nie einen Zweifel daran gelassen, daß sie ihr einen jedoch auch 1927 nur gebildet werden, wenn das Zentrum maßen auf eine überraschende Konfolidierung der Wirtschaft. anderen Sinn unterlegen. als das Unternehmertum es bisher mitmacht oder zum mindesten Krücken leiht. Ein Vorgang, Nicht zuletzt auch die Warenpreisentwicklung, sowohl in der getan hat. Der Zweck einer wahrhaft gefunden Rationalisie­Industrie wie besonders in der Landwirtschaft.rung der Wirtschaft kann nicht sein, durch vermehrte Anwen wie wir ihn zur Zeit der ersten Luther- Regierung schon ein Uebertriebener Optimismus wäre trotzdem nicht am dung der technischen Fortschritte, durch Normalisierung und mal erlebt haben. Nach dem Willen der Rechten und auch Blaze. Die Entwidfung ist ohne Zweifel durch eine Reihe vor. Vereinfachung der Produktion, durch privategoistische Kartell­des Herrn Reichspräsidenten soll sich dieser Vorgang jegt übergehender Zufälligkeiten günstig beeinflußt worden, die politit immer mehr wertvolle menschliche Arbeitskraft aus der wiederholen. Die Herren von rechts würden dann am liebsten nicht als Beweis dafür gelten tönnen, daß die Wirtschafts- Produktion auszuschalten und viele Hunderttausende und das deutsche Volt zusammenregieren, bis 1928 die Wähler trife schon endgültig überwunden ist. Aber niemand fann be- Millionen fonsumunfähig zu machen. So aber zeigt sich uns. ihnen endlich die Quittung ausstellen fönnten. streiten, daß für die Privatwirtschaft die Entwicklung der der bisherige ,, Erfolg" der Rationalisierung. Bei steigen­Krise sehr viel weniger schmerzvoll und sehr viel furzfristiger der Probuftionstapazität sinkt die Zahl der war, als im Anfang angenommen werden mußte. Die Krife benötigten Arbeiter. Dieser Konflikt kann nur ge ift nicht die große Reinigungsfrise" geworden, die das löft werden durch Bertürzung der Arbeitszeit und Brinatfapital fürchtete und die von der Gesamtwirtschaft aus gefehen notwendig war.

Wird das Zentrum 1927 bereit sein, dem Grafen Westarp in den Saitel zu helfen, etwa mit der Begründung, daß wir Doch irgendwie regiert werden müßten", wie einmal Herr Luther gesagt hat? Das Zentrum hat nicht nur, weil fein politischer Schwerpunft im Rheinland liegt, tein Interesse an der Heraufführung einer Regierung der Realtion. Das

"

Anders die rise des Arbeitsmartte s. Bohl erreicht auch dieser seine tiefste Depression im Februar/ März

ebung der Rauftraft der Massen, um den Leistungsertrag modernster Technik zu konsumieren. Die fozialpolitische und fulturelle Forderung nach Berbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen wird damit zugleich