Nr. 14 44.Jahrgang
1. Beilage des Vorwärts
Märkische Rolande.
Roland zu Potzlow Um
Roland der Ries, am Rathaus zu Bremen ," ist wohl die befaunteste Rolandsfigur in Deutschland . Die räumliche Ausbreitung Dieser Standbilder beschränkt sich auf das Gebiet des sächsischen und thüringischen Rechts: Thüringen , West- und Ostfalen , Niederfachsen. Sehr bedeutend ist auch die Zahl der teils noch vorhandenen, teils geschichtlich nachweisbaren Rolande in den KoloniMationsgebieten des nordöstlichen Deutschland , zu denen auch die Mart Brandenburg gehört. Die ältesten Nachrichten über Rolandsfäulen reichen nicht über das Jahr 1340 zurück.
Rolandsfäulen.
Die Rolandsfäulen find ursprünglich Marftzeichen gewefen. Die früher vielfach verbreitete Annahme, daß der Roland das Wahrzeichen für die hohe Gerichtsbarkeit sei, trifft nicht zu; denn Rolandsfäulen befinden oder befanden sich an zahlreichen Orten, die die hohe Gerichtsbarkeit nie besessen hatten. Umgefehrt hat bei der überwältigenden Mehrzahl dieser Gerichtsstätten ein Roland nie bestanden. Auch ein Kennzeichen des Stadtrechts, ein Zeichen der städtischen Freiheiten schlechthin, können die Rolande nicht gewesen fein; denn sieben Rolandsbilder befinden sich in Marktflecken oder Dörfern, die ehemals Märkte gewesen sind. Bei manchen Rolanden tritt die Erscheinung als ein bloßer Träger für die Marktzeichen ( Fahne, Kreuz, Schwert, Hand) klar zutage. Man darf daher an nehmen, daß die Rolandssäulen aus einer Umformung der alten Stadt- oder Marktkreuze hervorgegangen find, die sich frühestens um die Wende des 13. zum 14. Jahrhundert vollzogen hat. Die in jener Zeit einsetzende Verfeinerung des Kunstfinns mag dazu beigetragen haben. Als man die wahre Bedeutung des Marktkreuzes nicht mehr verstand, mußte ein Kreuz als Träger von Fahne, Schwert, Handschuh, Schild als ungereimt erscheinen. Angemessener war es, eine männliche Figur als Träger dieser Abzeichen zu wählen. Daß in jener Reit hierfür mür ein Ritter in Frage kommen fonnte, ſteht außer Zweifel. Er mußte, gleich dem alten MarktPreuz, von übergroßer Gestalt sein, durch seine Größe und MassigFeit wirken. Bei ihm traten Schwert und Schild mehr und mehr f in den Bordergrund, auch die Handschuhe, da sie zur Ausrüstung des Ritters gehörten, während Fahne und Kreuz nur noch eine nebensächliche Rolle spielten oder ganz verschwanden. Karl der Große lebte lange in der Erinnerung als Gesetzgeber fort. Er galt als der Urgesezaeber, auf den alles weltliche Recht, und so auch das Stadt- und Marktrecht, zurückgeführt wurde. Unter den Helden im Gefolge Karls stand feiner höher als sein sagenhafter Neffe, der für unüberwindlich gehaltene Roland. Er wurde durch die karo
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lingische Heldensfage nicht nur in Frankreich , sondern auch in Deutsch land im Mittelalter volkstümlich. Da lag es denn nahe, in einem gewaltigen Ritterstandbild, wie es an die Stelle der Marktkreuze getreten war, Held Roland verkörpert zu sehen.
Der Brandenburger Roland.
Nach dem alten brandenburgischen Stadtbuch ist der Roland von Brandenburg an der Havel im Jahre 1402 an Stelle einer alten verfallenen Rolandsfigur errichtet worden. Dieser urkundlich beglaubigte Roland ist nicht mehr vorhanden; der jezige, aus Sandstein bestehende, wurde 1474 aufgestellt, wie die eingemeißelte
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fannten, war er verlegen und ernst. Ich war eine feine Dame, die er faum anzusehen wagte. Aber da war ich mit
Sonntag, 9. Januar 1927
Jahreszahl fund tut. Die hagere barhäuptige Gestalt steht straff: aufgerichtet; der gebeugte rechte Arm hält das blanke Schwert aufrecht empor, die linke Hand umfaßt den vorn am Wehrgurt befestigten Dolch. Der ganze Körper ist mit einer ritterlichen Rüftung bekleidet, die vollständig der Zeit um 1474 entspricht. Auf dem Haupte wächst ein fappenförmiger Busch von Hauslauch oder Donnerbart( Sempervivum tectorum). 1556 und 1709 find Ausbefferungen vorgenommen worden. 1716 wurde der Roland auf Veranlassung Friedrich Wilhelms I. vom Marktplatz auf seine jenige Stelle an der Tür des Neustädtischen Rathauses gesezt, um den Marktplatz für militärische Uebungen frei zu machen. Hierbei wurde es mit dauerhaftiger Ajcherfarbe überstrichen und der Kürazz mit Gold ausstaffiret". Die etwa fünfeinhalb Meter hohe Figur steht auf einem etwa einen halben Meter hohen einfachen Sockel. Der Brandenburger Roland gehört mit seiner mächtigen Erschei nung zu den kulturgeschichtlich wichtigeren Rolandsstandbildern. Er hat eine auffallende Aehnlichkeit mit der Abbildung des Magde burger Rolands, der 1459 errichtet und 1631 zugrunde gegangen ist. Nachbildungen des Brandenburger Rolands befinden sich vor dem Märkischen Museum in Berlin und vor einem Haus in der Brandenburgischen Straße in Wilmersdorf , nicht weit vom Kurfürsten damm .
Die Rolande in Perleberg und Potlow.
Der Roland von Perleberg ist ebenfalls eine stattliche Figur von etwa 5,40 Meter Höhe, die auf einem achteckigen Unterfaz steht. Figur und Unterfaz find aus Sandstein. Der Roland ist als Ritter dargestellt, dessen rechte Hand mit dem erhobenen Schwert vor der Brust liegt, während die linke den an das linke Bein gelehnten Schild mit dem märkischen Adler hält. Die Jahreszahl 1546 meist wahrscheinlich auf die Errichtung hin. Der Roland steht jezt an der nordöstlichen Ecke des Marktes. Das Schwert wurde 1863, die Nase 1871 abgehauen; beide Teile sind jedoch wieder ergänzt worden. Pohlow ist ein udermärkisches Dorf, südlich von Prenzlau , am Westufer der Ueckerseen. Der hier befindliche Roland besteht aus Holz. Der Rumpf ist aus einem viereckigen Pfahl gearbeitet, der Kopf meist teinerlei Gesichtszüge auf. Der rechte Arm hat wahr. Scheinlich das Schwert gehalten, während der linke am Körper herab hängt. Durch Fäulnis ist der Pfahl im Lauf der Zeit immer fürzer geworden, so daß der linke Arm nur noch etwa 30 Zentimeter vont steinernen Roland geraubt und durch einen hölzernen ersetzt haben. Erdboden entfernt ist. Nach der Sage sollen die Prenzlauer den Wahrscheinlich wird zwischen der deutschen Stadt Prenzlau und dem. mendischen Dorf Pozlow eine Fehde geherrscht haben, in deren Berlauf der Roland vernichtet wurde. Der jezige Pfahl ist etwa amei Meter hoch, die Arme sind gut einen Meter lang.
Verschwundene Rolande.
Bon einem Teil der märkischen Rolande werden nur noch Refte in den Museen aufbewahrt, andere find völlig verschwunden; nur noch alte Schriften und Dokumente fünden von ihnen. Im Udermärkischen Museum in Prenzlau befinden sich die Reste des Prenzlauer Rolands, nämlich der Kopf, zwei Oberschenkel, ein Ober- und Unterarm sowie das Schwert von 2,08 Meter Länge. Dieser Roland, der dem Brandenburger nicht unähnlich war, wurde 1496, an Stelle eines älteren aus Holz, auf dem Markt errichtet. Auf der Schwertflinge befinden sich die Inschriften, deren eine über das Ende des Rolands Aufschluß gibt. Sie lautet:„ Die Statue des Rolandt, meldje anno 1496 auf dem Marckte zu Prenzlow errichtet worden. ist von einem sehr hefftigen Sturm- Winde den 21. Januari 1737 ( nachdem Selbige 241 Jahr gestanden) umgeworffen." Aus dem Rumpf wurde ein kleiner Steinobelist errichtet, der den Standplaz des Rolands bezeichnete. Er mußte jedoch später dem Kriegerdenkmal weichen und wurde an seine jezige Stelle auf dem Martt gefeht. Auch von dem Roland in Zehden ( Neumark ) ist nur noch ein Rest vorhanden, ein 1,60 Meter hoher hölzerner Rumpf, über dessen Alter sich nichts ermitteln ließ. Nach einer Beschreibung von 1751 war der Behdener Roland zu dieser Zeit noch aufgestellt, jetzt wird der Rumpf im Märkischen Museum in Berlin aufbewahrt. Der Roland von Königsberg( Neumark ) war ebenfalls aus Holz; jetzt find von ihm weder Reste noch Abbildungen vorhanden. Aus welchem Grunde manche Orte ihre Rolandssäulen aus Holz errichteten, hat sich bisher nicht ermitteln lassen. Die Annahme des Chro nisten von 1751, daß diese Orte teine Mittel hatten, um dauer:
Die Wunder der klara van Haag. ihm brinnen bei der Mutter, und als er ihr gegenüberſtand, fragen kann. Wein Berſtand lagt mir, daß dies Angebot
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Bon Johannes Buchholz.
18. Rapitel.
Hedwig schreibt an Frau van Haag.
Branstedgaard, den 24. März.
Meine liebe gute gnädige Frau! Ja, Sie haben nie aufgehört, meine Gnädige zu sein. Hunderte von Malen ertappe ich mich, wie ich mich stets frage, was die Gnädige nun wohl zu diesem oder jenem jagen würde, das ich im Begriff stehe zu tun. Bisher bin ich so einigermaßen fertig geworden mit dem Rat, den Sie mir so oft einprägten: Tue, was du willst! Ich kann immer Ihre Stimem diesen Sah aussprechen hören, und es ist ja auch nötig, daß ich die rechte Betonung in meinen Ohren höre. Nicht: Tue, was du willst! sondern: Tue, was du willst! Wie gesagt: Bisher habe ich einen Willen gehabt ich bin ihm gefolgt, und ich freue mich darüber und bin Ihnen dankbar. Aber jetzt stehe ist vor etwas, das vielleicht größere Bedeutung für mein Leben haben wird, das zu wählen oder zu fliehen mir jedoch der Wille fehlt., Ein Mann will mich heiraten.
Nun muß ich gleich sagen, daß es das pierte- oder fünfte mal ist, daß ein Mann das will, aber die anderen Male habe ich gewußt, was ich nicht wollte.
Liebe gnädige Frau, Sie müssen mir in dieser Sache helfen. Sie wissen alles und können alles. Er hat eine Meierei, ist gut und bran in jeder Beziehung, gesund und stark, dazu reinlich und appetitlich wie frische
Butter.
Sind das nicht gute Eigenschaften? Ja. Soviel fenne ich schon die Menschen, daß ich selbst ja sagen fann. Ich bin ja nun ein Mädchen, das viele Stellungen und viele Menschen hinter sich hat. Was habe ich nicht alles bei Frau van Haag gelernt! Ach, fie strichen mir ja über die Augen, daß ich fehend wurde.
Ich habe auch viele Bücher gelesen. Auguftinus Trillingsbät wie er ja leider heißt hat auch Bücher gelesen, nämlich, als er die Hochschule besuchte. Aber jetzt, da er ein freier Mann ist, kann keine Macht ihn zwingen, ein Buch in die Hand zu nehmen.
Ich will Sie nicht damit ermüden, zu erzählen, wie wir uns trafen. Es war letzten Sommer in Kopenhagen . Er mar dort, um seine Mutter aus dem Krankenhaus heimzuholen( bei ihr bin ich jetzt). Aber ich will Ihnen einen fleinen Bug von ihm erzählen. In den ersten Tagen, als mir uns
begann er plötzlich wie wahnsinnig zu lachen, und als er sich eine Weile damit beluftigt hatteja, da meinte er so, daß die Tränen ihm über den Rockfragen rannen. Gleichzeitig pflückte er an meinem Aermel und meinem Haar.
Das war ja eine recht lächerliche Borstellung, aber ich gab ihm einen Ruß den ersten. Mir schien, daß ich ihn in diesem Augenblick gern hätte.
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Trotzdem ich dagegen anfämpfe, soviel ich fann, habe ich nämlich in mir einen unermeßlichen Drang, geliebt zu werden.
Auguftinus Lachen und Weinen brachte mich dazu, zwei ausgezeichnete Menschen, das Künstlerpaar Uhde, zu verlaffen, in deren Haus ich wie eine Tochter gewesen war, und auf den Branstedgaard zu ziehen, mit der starken Aussicht, Holländerfrau zu werden, wenn ich nicht ernsthaften Wider stand leiste.
Warum soll ich auch Widerstand leisten?
Ja, ich möchte fragen, ob es notwendig ist, daß man sich auf seine Hochzeit freut. Das tue ich nämlich nich..
Ich kann zwar lachen, aber froh bin ich nicht gewesen, feit ich ein fleines Kind war. Ja, einmal wäre ich fast froh gewesen. Das war in Ihrem Hause, Frau von Haag. Es war an jenem Abend, als wir wie zwei Badfische um die Kirche rannten und Johan Fors drinnen spielen hörten. Ich weinte und lachte aus Berliebtheit die ganze Nacht gefähr wie mein guter Augustinus Trillingsbät.
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Ich hatte übrigens zwei Briefe von Johan Fors. Aber ich denke nie an ihn, und namentlich bin ich nicht mehr in ihn verliebt. Dann wäre dieser Brief nicht entstanden. Ich antwortete auch nicht ein Wort. Er ist jetzt in Paris . Nein und wenn er über die Straße ginge ich würde mich nicht nach ihm umdrehen, ich glaube dagegen, daß ich mich fester an den Arm des Holländers hängen würde. Denn wenn ich jemand froh mache, fühle ich selbst Freude dabei.. Der gute Jungejezt ist er hereingekommen und figt hinter mir. Er sizt ganz still. Ich weiß, daß er mich ansieht, aber er magt nicht, mich mit einem Mud zu stören. Er findet, daß ich zu fein bin, er liebt das Feine; deshalb will er lieber Holländer werden als den. Hof übernehmen. Gleich als ich tam, schenkte er mir ein Fahrrad, und jetzt zu Weihnachten fam er und sagte: Sieh, hier habe id) mir einen Fahrradfatalog über Klaviere verschafft. Bitte, such dir das beste
davon aus.
Glauben Sie nicht, daß ich ihn ausschließlich als lächerlich und töricht gut darstellen möchte. Nein, zeitweise übertreffen er und seine Mutter fast alle anderen an feinem Auftreten. So fragen fie mich nie aus nach meiner Familie und noch meniger nach meinen Geldverhältnissen.
Schreiben Sie mir nun, was in dieser Sache recht und richtig ist. Vergessen Sie nicht, daß ich nur Sie habe, die ich des Schicksals recht gut lautet. Aber etwas in mir macht mich unsicher. Ich liege jede Nacht wach und es endet stets damit, daß ich an Sie und die herrliche Zeit im Zollamt von Knarreby denke. Dann weine ich und hoffe, daß Sie mir helfen können und wollen. Sie haben doch nicht einen Menschen vergessen, der stets die Erinnerung an Sie in seinem Herzen trägt? Nämlich Thre
Hedwig."
Frau van Haag bedachte sich einige Tage, dann antmortete fie.
einfachen Worte mit ihren großen, merkwürdigen Buchstaben Liebe kleine Hedwig! schrieb sie, und als sie die drei auf dem Papier stehen sah, warf sie sich über den Briefbogen
und verdarb ihn vollkommen mit ihren Tränen. Aber dann
schämte sie sich und nahm einen neuen Bogen. Es war ihr gerade darum zu tun, daß der Brief tränenfrei blieb. Sie follte ja die Ratgeberin sein- die Trösterin!
,, Liebe kleine Hedwig!
Ach, ich freute mich mit deinem Brief, obwohl sein Inhalt nicht gerade lustig war, aber ich habe den Kopf stets nach der Seite gewandt, und dorthin gelauscht, wo ich dich glaubte- ob nicht doch ein fleiner Ruf von dir fommen sollte. Jezt fam er und hallo! hier bin ich, mein kleines Fräulein, meine Tochter von Gottes Gnaden, einmal in einer furzen, aber unvergeßlichen Zeit!
Es ist richtig. Du bist ein moderner Mensch. Du suchst den Spezialisten auf. Hast du Magenschmerzen, so gehst du zum Magenprofeffor, und hast du eine unglückliche Liebe, so fommst du zu mir, die gerade in dieser Materie die Erfahrung eines Bierteljahrhunderts besitzt.
Aber, menn ich dir helfen soll, muß ich sehen. Obwohl du wirklich lebendig mit deiner Feder zeichneft, muß ich doch dich selbst zu mir her haben und deinen Buls fühlen. Und du sollst gleich kommen. Es ist ernst. Soviel kann ich dir allein schon nach deiner Handschrift sagen.
Du wirst gerade rechtzeitig kommen, um Abschied von mir zu nehmen, wenn du dich beeilst, denn ich bin eine ge brechliche alte Frau geworden.
Wenn wir einander helfen fönnten, wir beide; ich fann wieder jung werden, wenn ich deine warme starke Hand in der meinen drücke. Ich denke, für dich weiß ich Rat. Komm, mis haben vieles zu besprechen. Deine Gnädige, deine Freundin Klara van Haag, geb. Steen." ( Fortjeßung folgt.)