Die lthkna-�ktkon öer llabour Partp. Vorbildlicher Internationalismus der Tat. Das entschlossene und mutige Vorgehen der englischen Arbeiterpartei gegen die gefährliche China - Politik der konservativen Regierung, über das wir heute morgen berichteten, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Wie oft konnten wir in den Zeiten des Kabinetts Macdonald in unseren deutschnationalen Blättern das Lob der englischen Arbeiterpartei lesen! Da wurden die englischen Sozialisten und Gewerkschafter als Muster„na- tionaler" Gesinnung gepriesen: während die deutsche Sozial- demokratie„internationalen Illusionen" nachjage, stelle dje englische Arbeiterschaft das eigene Vaterland über alle's. Dabei vergaßen die reaktionären Zeitungsschreiber völlig, daß gerade Macdonald und seine Freunde während des Krieges in schärfster Opposition zur Kriegspolitik der eigenen Regierung gestanden hatten. Was würden nun die Rechtsblätter bei uns sagen, wenn die deutsche Sozialdemokratie in einer ähnlichen Situation wie jetzt die Labour Party einen solchen Vorstoß unter- nehmen würde? Die englische Regierung beschließt militä- rUche Maßnahmen, entsendet nach Schanghai Kriegsschiffe, Flugzeuge und ein ganzes Expeditionskorps, und in dem- selben Augenblick richtet die Arbeiterpartei ein Telegramm an den Außenminister jener Kanton-Regierung, gegen die sich diese Maßnahmen wenden, und p r o t e st i e r t darin gegen die Kriegsvorbereitungen des eigenen Landes! Welch ..Landesverrats"-Geschrei würden die Angestellten Hugen- bergs gegen«ine so vorgehende deutsche Sozialdemokratie ei heben!, Unsere englischen Genossen haben mit der Absendung ihres Telegramms an den Außenminister Tschen nur ihrer internationalen Pflicht— allerdings in vorbildlicher Weife— genügt. Sie tun das gleiche wie die fron- z ö s i s ch e n und belgischen Sozialisten, als diese sich gegen den Wahnsinn der Ruhrbesetzung wandten, und wie die deutsche Sozialdemokratie in ihrem gegenwärtigen Kampf gegen die geheimen Verbindungen der R e i ch s w e h r mit nationalistischen Verbänden und sowjetrussischen Behör- den. Wir wissen nicht, ob die Iingoe-Presse eine„Landes- verrats"-H«tze gegen die Labour Party nunmehr inszenieren wird; aber wir wissen bestimmt, daß unsere englischen Genossen sich dadurch ebensowenig beirren lassen würden, wie wir durch Schmähungen und Drohungen davon abzu- bringen sein werden, die erwähnten Reichswehrskandale zur Sprache zu bringen. Auch unter einem anderen Gesichtspunkt ist das Vorgehen der Arbeiterpartei bemerkenswert: Seit Iahren kann man in der kommunistischen Presse der ganzen Welt täglich lesen, daß Macdonald, Henderson, I. H. Thomas„Lakaien des britischen Imperialismus" sejpn. In unzähligen mehr oder weniger geistreichen Karikaturen wurde diese kom- munistische Schmähung variiert. Wie läßt sich hun diese Anklage mit dem jetzigen Vorstoß der Arbeiterpartei und des Generalrates in Einklang bringen? Die Kanton-Regierung kämpft gegen den britischen Imperialismus und genießt deshalb— und zwar nur des- halb, und nicht aus Gründen einer internationalen proleta- rischen Solidarität— die Sympathie und die Unterstützung der Sowjetregierung. Die Regierung Baldwin-Chamberlain- Churchill entsendet zum Schutze der britischen Konzessionen gegen den Vormarsch der südchinesischen Armee Kriegs- schiffe und Truppen. Und wie äußert sich die„imperialistische Gesinnung" von Macdonald, Henderson. I H. Thomas in dieser Situation? Sie richten ein demonstratives Solidari- tä'stelegramm an den Außenminister Südchinas, in dem sie von den militärischen Vorbereitungen der eigenen Regierung scharf abrücken! Seltsame„britische Imperialisten"! Wir kennen die klilcheeartige Antwort der Moskauer , Berliner und Pariser„Prawda" im voraus: Die englischen Arbeiterführer handeln lediglich„unter dem Druck der revo- lutionären Opposition in den eigenen Reihen". Aber diese klägliche Ausrede der bolschewistischen Verleumder verfängt nicht mehr: denn gerade Macdonald, Henderson und Thomas haben besonders!n den letzten Monaten oft genug bewiesen, daß sie auf die Schimpfereien der von Moskau infvirierten „Opposition " ebensosehr pfeifen, wie wir auf das Ge- kläffe der„Roten Fahne". Arbeiterprotest auch in Südafrika . Iohlmnisburg, 27. Januar. (WTB.) Der Vollzugsausschuh des sültofritanlschen Gewerkschaftskongresses hat eins Entschließung angenommen, in der das Recht aller Völker auf voll st e Freiheit anerkannt, restlose Sympathie mit den Chinesen in ihrem Kampf um Beseitigung des Joches der aus- ländischen Ausbeutung erklärt und das Vorgehen derjenigen Re- gierungen verurteilt wird,.die«ine Politik militärischer Intervention begonnen haben, in der Absicht, die Ungerechtigkeiten, unter denen die Chinesen gelitten haben, zu verewigen".
Eine Säuberungsakkion. In dem Orte Lawald« bei Loebau ist der dortige Bürgermeister Kutscht«, auf Antrag der Ge- meindevertretung, von seinem Amte zurückgetreten. Der Schritt Kutscht« ist auf«inen Antrag der sozialdemotra- tischen Gemeindevertretung des Ortes bei der Amts- hauptmannschaft Loebau zurückzuführen, der verlangt, daß Kutschkes Kassenführung einer sofortigen Prüfung unterzogen werde. Bei der Nachprüfung der Bücher stellte sich heraus, daß bei den Beträgeki für oi: Erwerbslofenfürsorge Unregelmäßigkeiten festzustellen waren. Di« fozialdemokratisch« Fraktion hat den Aus- schluß Kutschkes aus ihren Reihen beschlossen. Die gefälfchien Relchswehrminlfierium-Vokumente. Zu der Ver- öffentlichung des Iungdeutschen Ordens über die Ausdeckung gesälsch. ter G-Heimprotokolle über Sitzungen im Reichswehrministcrium mit den genannten Wehrverbänden, verbreitet dieses Amt durch die Korrespondenz Sochaczewfki eine Erklärung, wonach diese gesälsch- ten Protokolle bereits seit über Jahressrist bekannt sind. Gegen die Fäscher schwebt ein gerichtliches Strafverfahren. Der faschistische Lockspitzel Garibaldi hat das Durchreife- vifum der englischen Regierung doch noch erhalten und will noch Kuba gehen, da England. Nordamerika und die Schweiz seine Ein. reis« verboten haben. Er traf Mittwoch abend in Folkestone ein. Von dort wollte er seine Reise nack einer anderen englischen Lrnfen- stadt fortsetzen, mußte aber auf englische Anordnung In einem Falke- sioner Hotel unter polizeilicher Bewachung die Nacht verbringen, um mit dem nächsten Schiff nach Kuba abzufahren. Bei einem antifaschistischen Aorirag des Professor Salvemini in New Port kam es nach der Versammlung zu Zusammen- stoßen, wobei ein Faschist durch emen Dolchstoß in den Rücken schwer verletzt wurde. Der Täter ist unerkannt entkommen.
/llles un Opfer des Krieges. Auf der Anklagebank ein Trio: als Zentralfigur eine Basier- mannsche Gestalt, ein Typus aus dem Gorkischen„Nachtasyl". Ein intelligenter, fast durchgeistigter Kopf auf einem langen hageren Körper, der in einem Anzug steckt, wie man ihn in einer Berliner Wärmehalle oder im Asyl in der Fröbelstraße einlaufen sehen kann. Mit vertränten, starren und demütigen Augen schaut dieser ständige Bewohner der obskuren Herberge„Notnagcl" vor sich hin. Sohn eines pensionierten Lehrers, im Kriegslazarett Morphi- nist geworden, Apothekeraehilfe und Student zweier Semester in Frankfurt a. M.. dann Strasgefangener wegen Betruges und vom Vater für ewige Zeiten verstoßen, K o k a i n i st und M o r p h i n i st. von Stufe zu Stufe gesunken, wurde er schließlich Bettler mit gutem Ertrag. Alles geht aber für„Koks" und Morphium drauf, und wenn er etwas davon übrig hat, gibt er es anderen ab. Der zweite Angeklagte, der Mechaniker M.. kricgsver schüttet und Stotterer, auch rauschgiftsüchtig vom Kriegs- lazarett her, im Untersuchungsgefängnis von seiner Morphiumsucht geheilt,— wie er freudig strahlend dem Gericht erklärt. Der dritte, der Arbeiter M.. ehemals Kokainist und Kokainhändler. jetzt von beidem geheilt. Der Totbestand ist einfach und eindeutig. F. will als Drehorgelspieler neben einem Müllkasten einen Bries- Umschlag mit fünf Aerzteblanketts gesunden haben, die den Stempel und die Unterschrift eines Berliner Arztes trugen. Vier von diesen Rezcptformuloren fand man bei ihm zu Hauje. Eins davon trat er für eine Kokaineinspritzung an den Mechaniker M. ab. Dieser ließ sich vom„Pharmazeuten" eine Kokoinlösung verschreiben und schickte den augenblicklich nicht auffindbaren S. in die Apotheke, das Rezept aufzugeben. Es war aber falsch geschrieben, man schöpfte Verdacht, fragte den Arzt an und verhaftete S. So kamen alle drei auf die Anklagebank. Dem Landgerichtsdirektor Steinhaus vom Schöffengericht Berlin-Mitte war es nicht so sehr um die schwere Urkundenfälschung zu tun als darum, den Angeklagten zu Helsen . So verurteilte das Gericht den Arbeiter F. und den „Pharmazeuten" zu je vier Monaten, den Mechaniker M. zu drei Monaten Gefängnis und verlieh allen Bewährungs- f r i st. P. mußte sich ober verpflichten, im Laufe eines Monats das Gericht davon in Kenntnis zu setzen, daß er bereits eine Entziehungskur in einer Anstalt durchmache. Die Morphiumsucht zeichnet nur zu oft die eigenattigsten Schnörkel auf den Teppich des Lebens. Da stand vor einigen Tagen vor dem Richter die Frau eines der bekanntesten Spezialärzte Berlins : die Anklage lautete auf Urkundenfälschung— nicht weniger als 50 Rezepte hatte sie im Laufe zweier Monate gefälscht, alle auf den Namen ihres Mannes. Allein aus einer Apotheke in der Kommandontenstraße hatte sie sich 140» Ampullen zum Einspritzen holen lassen. Und
Kaufmann �ackbusch wieder verhaftet. „Ter erste Schuft galt dem Knaben." Die Neuköllner Tragödie hat zu einer erneuten Festnahme des Kaufmanns Paul Hackbusch geführt. Der Untersuchungsrichter beim Landgericht II erließ gegen Hockbusch einen Haftbefehl, mit dessen Ausführung gestern abend die Kriminalpolizei beauftragr wurde. Die Bomten fanden den Mann nicht in semer Wohnung in der Holzendorfsstraße zu Charlottenburg , stellten vielmehr fest, daß er sich bei seinem Bruder in Treptow aushielt. Hackbuich wurde nun sofort nach dem zuständigen Revier vorgeladen, erschien dort auch alsbald und wurde in Gewahrsam genommen. Wie er sagt, konnte er in der Holzendorfsstraße nicht mehr wohnen, weil er dort U n- annehmlichkeiten mit dem Publikum befürchtete. Aus diesem Grunde begab er sich zu seinem Bruder noch Treptow . Die Darstellung, daß er erst auf den Steuersekretär geschossen habe und dabei seinen Sohn aus Versehen getrofsen habe, bezeichnet er als umichtig. Er bekennt vielmehr, daß der erste Schuß dem Knaben galt, den er erschießen wollte. Er hat dann noch einen Schuß abgegeben, der aber den Beamten verfehlte. Hackbusch ist jetzt völlig niedergeschlagen. Er bleibt nach wie vor dabei, daß ihm das Finanzamt Unrecht getan habe. Das ist aber natürlich noch lange kein Grund für sein gewalttätiges Vorgehen. Was nach der Obduktion der Leiche des Knaben, die heute vorgenommen werden soll, mit dem Mc.nne geschehen wird, ist noch nicht bestimmt. Es wird erwogen, ob er in einer Nervenheilanstalt untergebracht werden soll. e Zur Bluttat«ms dem Finanzamt Neukölln wird uns von einem D-amten des Amtes, der Mitglied der Beamtenverttstung ist, mitgeieill: Di« Beamieuschost der Finanzämter, insbesondere die des Amtes Neukölln, muß schärfstens Protest erheben gegen die falsch« Berichterstattung der meisten Zeitungen über den Vorfall. Di« Wirkung dieftr Berichterstattung kann nur die sein, daß das Publikum seinen Unwillen über vermeintliche ungerecht« steuerliche Belastung immer mehr an den Beamten ausläßt. Die außerorixnt- lich komplizierten Steu«rverhältniss« und die durch den Beamtenabbau außerordentlich verringerte Beamten- schaft ist derart mit Arbeit überlastet, daß es nur unter Anspannung jedes einzelnen Beamien möglich ist, die Arbeit zu bewältigen. Die Beamtenschaft ist nach wie vor bemüht, u n p a r- teiisch und objektiv ohne Ansehen der Person in möglichst reibungsloser Weis« die gtttenden Steuergc setze loyal zur Durch- führung zu bringen. Sie bittet alle beteiligten Bevölkerungskreise, sie in diesem Bestreben zu unterstützen.
VleSer einer von den �ltenl Am Sonnabend, den 22. Januar, starb nach längerer Krankheit im Alter von 67 Jahren unser Genosse Hermann Kriede- mann Er ist in Prenzlau im Kr. Angermünde geboren. Schon in jungen Jahren kam er zur Partei. Der Gewerkschaft der Tabak- arbeitcr schloß er sich 1883 om Unter dem Sozialistengesetz gründete er mit Gleichgesinnten den„A r b e i t e r v e r e i n s ü r P r e n z l a u und Umgegend", der, nach dem Fall des Ausnahmegesetzes, im Jahre 1892 wieder aufgelöst wurde. Die Polizei des alten Staates beschäftigte sich öfter mit ihm. Wegen(einer politischen Gesinnung wurde er vom Unterneymertum gemaßregelt. Er ging nach Brandenburg a. d. H., 1893 siedelte er endgültig noch Berlin über, wo doch ein regeres Parteileben war. Im sechste» Wahlkreis wirkte er als Abteilungsleiter und Kassierer. Bis Krank- heit ihn niederwarf und der Tod seinem weiteren Schassen ein Ziel setzte. Seine Frau ging ihm am 1. Mai 1926 im Tode voran. Beide haben vorbildlich gewirkt und sich in der Kleinarbeit als gute Ge- nassen betätigt. Die Einäscherung findet heute abend 9 Uhr im Krematorium Gerichtstraße statt. Schwerer Zusammenstoft in Steglich. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Autobus der Linie 5 und einem Lastkraftwagen ereignete sich heute vor- mittag gegen 10 Uhr an der Ecke Rhein - und Schloßstraße zu Steglitz . Drei Fahrgäste wurden erheblich verletzt. Der Führer des Autobusses mußte seinen Wagen an der Straßenkreuzung scharf bremsen. Der Fahrer eines hinterherkommenden Lastkraftwagens tonnte fein Gefährt nicht rechtzeitig zum Stehen bringen und prallte mit großer Wucht auf den Autobus. Di« Plattform wurde völlig eingedrückt, iämtlicht Fensterscheiben zersplitterten. Der 27jährige Dr. Günter Dietze aus der Waßmannfrraße 4. der 57jährige Kauf- mann Johann Deutsch aus der Lef�vrestraße 23 zu Friedenau und
l Kokain. . Gefälschte Rezepte. als eines Tages der Apotheker, mißtrauisch geworden, beim Arzt anrief, da erhielt er von der Frau Doktor zur Antwort: es ist alles in bester Ordnung. Das Dreifache des sonst üblichen Quan- tums spritzte sie sich Tag für Tag unter die Haut. Ein Unfall hatte sie zur Morphinistin gemacht und ihr Mann, der berühmte Arzt, lebte an ihrer Sefte und merkte nichts von ihrem Treiben. In der Gerichtsoerhandlung war er übrigens in eigener Person er- schienen. Ueber seine Frau, die mit Brillanten und Nerzpelz, wie zu einer Festlichkeit geschniückt, im Bewußtsein, daß ihr nichts pas- sieren könne, auf der Anklagebank Platz nahm, verweigerte er die Aussage. Er mußte sie aber machen in bezug auf die beide» K a m in e r z o f e n, die seiner Frau bei der Beschossung des Morphiums behilflich waren. Für diese wurde die Morphium- sucht ihrer Herrin zur guten Einnahmequelle: jedes Rezept brachte ihnen 3— 5 Mark. Sie drangen förmlich darauf, daß die„Gnädige" ihnen Rezepte gebe— daß sie gefälscht waren, wußten sie— und gönnten schließlich«iiiander nicht mehr den leichten Verdienst. Die Köche verpetzte die Grete beim Herrn Doktor. Der verbot der Grete, die Rezepte zu besorgen. Run beherrschte die Köche allein das Feld. Ini Uebermut nahm sie»in Paar seidene Strümpfe fort. Ihr wurde gekündigt und Grete durste wieder zur Vertrauten ihrer Herrin aufsteigen. Da lief die Käthe schnurstracks zur Polizei und erstattete Anzeige. Die Bescherung war da! Die Käthe hatte sich gründlich verrechnet. Das Gericht zeigte wohl. Verständnis für die Frau Doktor; zwar teille es nicht die Meinung des Gerichtsarztes. daß hier§ 51 vorläge: es fällte aber ein mildes Urteil: an Stelle der eigenllich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat sollten 10 000 Mark an die Staatskasse abgeführt werden. Da hätte die Frau Doktor einfach«in Paar von ihren Ringen und den Pelz dalassen können und die Geldbuße wäre erlegt. Für die Mädchen gab es ober je einen Monat Gefängnis— wegen ihrer.Habgier" nämlich— und keine Bewährungs f r i st. Absitzen sollen sie sie! Der Apotheker, der übrigens mit der zierlichen Käthe sowas ähnliches wie ein kleines Liebesverhält- nis angeknüpft hatte, wurde freigesprochen. » Gestern abend wurde von Beamten des Sonderdezernates der Kriminalpolizei wieder einmal ein guter Fang gemacht. Fünf Kokainhändler, ein„Groß-" und vier„Kleinhändler", die schon lange von der Polizei beobachtet wurden, konnten in einem Lokal in der Tauentzienstraße endlich dingfest gemacht werden. Fünfzig Gramm Kokain, die in einer'Aluminiumflasche versteckt aufgefunden wurden, und fünfzehn zum Vertrieb fertiggemachte Päckchen wurden beschlagnahmt.
der I9jähriae Schaffner des Wagens, Willibald Scharfenberg aus der Mulackstraße 8, zogen sich erhebliche Wunden zu. Die übrigen Fahrgäste blieben zum Glück unversehrt. Die Verletzten wurden zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo ihnen Notoerbände angelegt wurden. Beide Fahrzeuge wurden so stark beschädigt, daß sie ab- geschleppt werden mußten. Die Schuldsroge tonnte noch nicht ein- wandfrei geklärt werden.
Nachzahlung für Englanügefangene. 200 000 Pfulld von England überwiesen. Rund zweihunderttausend Reichsdeutsche sind wahrend des Weltkrieges in britischer Kriegs- oder Zivjlge- f a n g e n s ch a s t gewesen, wozu auch npch das In englische Ge- fangenschast geratene deutsche Sanitätspersonal kommt. Es macht dabei keinen Unterschied, ob sie auf britischem oder auf französischem Boden in englischer Gefangenschaft gewesen sind. Nach der Haoger Landkriegsordnung dürfen Kriegsgefangene mit Arbeiten beschäftigt werden und erwerben dadurch ein gewisses L o h n g u t h o b e n. Deutschland hat für die ausländischen Staats- bürger, die in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen sind, schon längst diese Guthaben bezahlt. Nunmehr hat die britische Regierung als erste Rate der in Betracht kommenden Gesamtsumme von 16 Millionen Mark den Betrag von 200000 Pfund zur Auszahlung dieser Guthaben überwiesen. Von den zweihundert- tausend ehemals Gefangenen haben sich bis jegt nur etwa neun- zehntausend gemeldet. Alle diese ehemaligen Heimkehrer bzw. deren Erben, auch wenn sie bereit» ihr Guthoben ganz oder teilweise in Papiermark erhalten haben, werden hierdurch aufge- fordert, auf Postkarte mit deutlicher Handschrift der„Restoerwaltung für Reichsaufgaben". Berlin W. 9. Königgrätzer Str. 122, folgend- Angaben zu machen: „Betr.: englisches Guthaben. Bor- und Zuname, genaue jetzige Adresse, Geburtstag, letzter deutscher Truppen- teil zur Zeit der Gefangennahme. Nummer der englischen Ge- fangenenkompcgnie bzw. Depot oder'Lagerbezeichnung.. Erben verstorbener Heimkehrer haben außerdem eine amtliche Bescheinigung über ihre Erbberechtigung beizubringen. Jeder weitere Zusatz ist zwecklos und verzögert die Bearbeitung. Militärpässe, Entlassungsscheine, sonstige Personalpapiere oder Rückporto sind nicht beizufügen. Die Auszahlung der Guthaben erfolgt nach der Reihenfolge des Eingangs der Anträge und nur durch die P o st. Ein persönliches Abheben der Beträge kommt nicht in Frage. Wer kein Guthaben hat, erhält einen ablehnenden Bescheid, gegen den Einsprüche zwecklos sind. Heimkehrer, d>'-' der Restoerwallung für Reichsaufgaben nach dem 1. Juli 1926 die geforderten An- gaben bereits eingesandt haben, brauchen ihre Anträge nicht zu erneuern, da diese vorgemerkt sind. Da über zweihunderttausend Einzelguthaben in Frage kommen und die englische Regierung zu- nächst nur den vierten Teil des Gesamtbetrages überwiesen hat, wird die Auszahlung geraume Zeit dauern. Erinnerungsschreiben sind zwecklos und werden nicht beantwortet.
Die ersten zwölf Autoparks. W« wir erfahren, ist die Einrichtung der bewachtenAuto- Parkplätze inzwischen so weit gefördert, daß die ersten zwölf Plätze festgelegt und vom Polizeipräsidium genehmigt worden sind. Hiernach werden die neuen Autoparks der Deutschen Wachgesellschaft m. b. H. zunächst aus folgenden Plätzen und Straßen eingerichtet werden: Georgen-Kirch-Platz, Reue Friedrichstroße gegenüber dem Amtsgericht Mitte, Klostcrstraße zwischen König- und Pärochialstraße, Lustgarien am Dom(nur während der Börsenzeit). Kaiser-Franz-Joseph-Platz.' Hausvogteiplatz. Jägerstraße, zwischen Oberwallstraße und Gendarmenmarkt, Kaiserhofstraße, zwischen Mauer- und Wilhelmstraße, Pariser Platz. Leipziger Platz(südliche Umgehungsstraß«), Wittenbergplatz. Die Aklenbeseiliguag in Werder. Bedenkliche Zustände scheinen seit längerer Zeit bei der Auswertungsabteilung des Amwgerichtz Werder a. d. Havel geherrscht zu haben. Bekanntlich ist dort der Verlust zahlreicher Akten festgestellt worden: ein großer Test der Akten ist jetzt bei Bauern und Obstzüchtern wiedergefunden, denen die Aufwertungsatien von bisher noch nicht ermittelten Per- sonen des Amtsgerichts Werder ausgehändigt worden sind. Segen den iialienlschea Aaschl-mn». DaS Bureau»um Ttudmm dcZ ftaichiemuS ruft auf den 27. Januar, abends Tl, Ubr. in dir Gladthalle. Nloiterstrasie, eine Versammlung gegen den ilalienischen Faschismus ein, an der der italientschc Slbgeordnete Guido Miglioli , Pfarrer Bleier und Herr Dr. Rasenberg, M. d. ist., sprechen werden.