Nr. 211.
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Vorwärts
12. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Hinterkreppenpolitik.
Dienstag, den 10. September 1895. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
größen hinausgeprahlten Königstreue auf's neue beweisen, find sie nicht von besonderer Wichtigkeit. Der Werth für unser öffentliches Leben liegt vielmehr darin, daß sie die weit seltener erbrachten Beweise für Wesen und Wirken der in Preußen Deutschland grassirenden HintertreppenPolitik vervollständigen.
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Weitere Anklagen und Verhaffungen.
In letzter Zeit haben wir so mannigfache Enthüllungen über das Treiben einflußreicher Persönlichkeiten aus den Die Nummern, in denen das„ Volksblatt für Teltowherrschenden Gesellschaftskreisen gebracht, daß es nicht weiter Beeskow - Charlottenburg , Niederbarnim" u. s. w. aus dem Vor. wunder zu nehmen braucht, wenn die Getroffenen in Das gerade tritt aus diesen Briefen mit wünschens- wärts" die Artikel„ Ein dynastisch- militärisches Fest"," Sedan ihrer Angst und Wuth sich in sinnlosen Schimpfereien werther Klarheit zu tage, daß alle diese konservativen und kein Ende" und eine Notiz über die Einweihung einer auf die Sozialdemokraten überbieten und alles daran sezen Parteimänner verschiedenster Färbung, die sich als Muster Kirche entnommen hatte( Nr. 98 und 104) find wegen vermeintmöchten, um die unbequemen Vorboten der Zukunfts- patrioten, als Royalisten, als Stützen von Staat und Gesell- lichen Verstoßes gegen§ 95 und§ 185 St.-G.-B., diesmal auf gesellschaft mit Stumpf und Stiel auszurotten. schaft brüsten und feiern lassen, nicht auf die überzeugende
So hat uns auch die Veröffentlichung der Hammerstein- Kraft ihrer guten Sache, nicht auf ihre eigene Vertretung grund der Strafprozeß- Ordnung, vom Gericht beschlagnahmt. Briefe das übliche Maß von Schmähungen eingetragen; dieser Sache durch Wort und Schrift sich verlassen, sondern Ferner ist wegen des der„ Germania " und dem„ Borwärts" ent man lese nur einmal nach, wie die Kreuz- Zeitung " ihrer daß sie ihre Jutereffen am besten durch Intriguen aller Art, nommenen ersteren Artikels Genosse Rantmann, Redakteur Wuth indirekt Ausdruck zu geben sucht. Andere unserer durch schlaue Berhehungen, durch Fallenstellerei, hauptsächlich des Volksblatt", gestern verhaftet worden. Es ist das Gegner unterziehen sich der schwierigen, aber in langem durch höfische Hintertreppen- Politik zu sichern suchen. Darin derselbe Artikel, dessenthalben Genoffe Pfund verhaftet ist. Reptiliendienst ihnen nicht ungeläufigen Aufgabe, die sind sie sich alle gleich und unter einander bekämpfen sie welcher Grund für die Verhaftung angegeben ist, ist uns unThatsachen zu vertuschen und die zwingendsten Schluß- sich genau mit denselben Waffen der Intrigue, die sie gegen bekannt. folgerungen hinwegzubeuteln. So unternimmt jetzt die ihren politischen Gegner anwenden, wie ja auch die Wölfe , Nordd. Allg. Zeitung" mit feierlichster Offiziösenmiene die wenn sie im Rudel ein Stück Wild geschlagen haben, nachher hat leider einen Erfolg nicht gehabt. Selbst der Antrag, gegen Die Beschwerde gegen die Verhaftung des Genossen Pfund Mohrenwäsche an der konservativen Partei. um die Knochen unter einander auf Tod und Leben beißen. Es bereitet einen eigenen Genuß, wenn man aus dem Raution Genossen Pfund mit der Untersuchungshaft zu Briefe des Hofpredigers Stöcker erfährt, wie dieser hervor verschonen, ist von der V. Ferien- Straffammer( ihr gehören die Herren ragende Kämpe für Ordnung, Sitte und Religion einen Sönderop, Röfer, Lion, Matomasti und Assessor Henschke an) Altmeister hösischer Hintertreppen- Politik mit seinen eigenen abgelehnt. Die Beschlagnahme der Nr. 191( vom 17. August) Waffen zu schlagen sucht. Hat sich doch Fürst Bis- ist bestätigt. Hiergegen ist die Beschlagnahme des Hauptblattes mard in einer gelegentlichen Plauderei damit gebrüstet, wie der Nr. 204( Sedan und kein Ende") aufgehoben. Die vom Diesen norddeutsch allgemeinen Säuberungsversuch er seinen königlichen Herrn Wilhelm I. dahin zu bringen wisse, Amtsgericht wegen Beleidigung der Erbauer der Kirche und der fönnten wir einfach mit der Bemerkung abthun, daß die wohin er ihn haben wolle. Mit einem recht despektirlichen Veranstalter der Kircheneinweihung ausgesprochenen BeschlagVersicherungen eines solchen Reptilienblattes, das ja von der Reitbahn entnommenen Vergleich erläuterte er, wie er
Das wackere Pindterblatt erklärt, wir beabsichtigten augenscheinlich durch die Veröffentlichung dieser Briefe den Nachweis zu führen, daß die Königstreue der Konservativen ein recht schwindsüchtiges Pflänzchen sei, und versichert uns dann feierlich, an der Königstreue der Konservativen sei nicht zu zweifeln.
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Bindter II. ganz im Geifte seines erlauchten Vorgängers solche Hindernisse zu nehmen wisse. In seinem Briefe nahme des„ Kameel"-Beiblattes Nr. 204 ist zwar, da die famose Bindter's I. weiter geleitet wird, an sich gar keine Beweiskraft an Bruder Hammerstein schildert nun der urteutsche theuere Inschrift fortgemeißelt, aber ihre Existenz erwiesen ist, auf haben. Denn es ist ja sattsam bekannt, daß nach eigener Gottesmann sehr schön und anschaulich, wie er auf den gehoben. Indeß hatte die Staatsanwaltschaft Beschwerde dagegen Erklärung das Bindter Organ es als seine ehrenvollste Nachfolger Wilhelms I. aber gegen den damals mittel- erhoben, daß in diefen" Kameel"-Artikeln der Amtsrichter keinen BerAufgabe betrachtet, im Interesse der jeweilig herrschenden parteilich operirenden Fürsten Bismarck einzuwirken sucht. stoß gegen§ 95( Majestätsbeleidigung) zu erblicken vermochte. Gewalten die Wahrheit zu entstellen oder zu vertuschen. Er will ihn mit Scheiterhaufen umgeben, deren Flaminen Dieser Beschwerde der Staatsanwaltschaft hat das Gericht statte Was aber den Beweis für die Fadenscheinigkeit ihn blenden, ihn gegen den Kanzler verheten, ohne daß er gegeben und die Beschlagnahme des„ Rameel"-Beiblatts wegen der konservativen Königstrene anbetrifft, so schreit von. der Verhebung etwas merkt und was dergleichen prat- vermeintlichen Abgleitens auf die durch§ 95 des Str.-G.-B. der von allen Dächern. Es hieße Spaßen nach tische Anwendungen der Stöckermoral mehr sind.
Berlin tragen, wollten wir durch Veröffentlichung der Juwieweit Fürst Bismarck , Hofprediger Stöcker und geschützte Bahn ausgesprochen. Endlich hat das Landgericht die Hammerstein Briefe die Glaubhaftigkeit solcher allgemein im andere hösische Hintertreppenpolititer mit ihrem Intriguen- von der Staatsanwaltschaft aufgestellte, vom Amtsgericht zurückIn- und Auslande anerkannten Thatsache noch verstärken. spiel wirklich Erfolg gehabt haben, entzieht sich unserer gewiesene Ansicht, daß auch der Artikel„ Eine Kaiserrede" in Da lieferte denn doch die Geschichte der hunderttägigen Beurtheilung. Sie haben das von altersher an Höfen Nr. 206 Hauptblatt einen Verstoß gegen§ 95 des Str.-G.-B. Regierungszeit des todtkranken, aber im Geruch liberaler übliche Intriguenspiel gespielt und sind selbst von der enthalte und daß auch deshalb gegen Genossen Pfund wegen Anwandlungen stehenden Kaisers Friedrich überzeugendere Be- Brauchbarkeit ihrer Rezepte überzeugt. Majestätsbeleidigung die Untersuchungshaft und die Beschlagweise, als sie aus der Korrespondenz jenes Industrieritters der Für uns liegt der Werth der Enthüllungen in dem Lichte, nahme der Nr. 206 des Vorwärts" auszusprechen sei, gebilligt. Politik mit anderen Edelsten der Nation hervorgehen. Und das sie auf die ganze Sippe der Bismarck , Stöcker, Hammer- Beschwerde die agrarische Interessentendemagogie der jüngsten Verstein und Konsorten werfen. Es ist nothwendig, daß das eingelegt werden. Hervorgehoben mag werden, daß die Strafwegen Nichtentlassung aus der Haft wird gangenheit hat doch wohl einen laut genug schreienden deutsche Volt deutlich erfährt, wie es mit diesen Staats- prozeß Ordnung den in dem Verhaftbefehl gegen Genossen Beweis dafür geliefert, daß auch unter dem heutigen männern daran ist. Regime es nur davon abhängt, wieviel Liebesgaben dem Bielleicht unterzieht sich aber das Pindterblatt oder ein Pfund angegebenen Grund, daß die zu erwartende Höhe der lauthalfigen agrarischen Kuckuksküken in den aufgesperrten anderes gegen öffentliche Blamage ebenso abgehärtetes Reptil Strafe den Verdacht der Flucht rechtfertige, nicht kennt. Viels Rachen gestopft werden, ob es rebelliren wird oder nicht. demnächst der Aufgabe, nachzuweisen, daß Hintertreppen- mehr hat erst die Rechtsprechung es für zulässig erklärt, daß Insofern also die Hammerstein- Briefe nebenbei die politik im Reiche der Gottesfurcht und guten Sitte über- man eine staatsanwaltschaftliche oder richterliche Erwartung zur hohle Phrasenhaftigkeit der von konservativen Partei- haupt nicht praktizirt wird. Begründung eines allerdings durchaus unbegründeten Flucht
Skizzen[ Nachdruck verboten.
aus dem füdamerikanischen
Hinterlande.
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Gerechtigkeit..
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Er konnte nicht umhin, das Wort zu ergreifen, um seinem glücklichen früheren Kollegen und seiner jungen schönen Braut mit beredten Worten Glück zu wünschen. Meine Herrschaften.. hm hm.. meine Damen und Herren..
Der Peso rollte auf den Tisch und klang. Richtiges echtes Silber. Es flang wie eine kleine Glocke. Herr Winterfeld nahm ruhig die allgemeinen Glückwünsche in Man wurde heiter bei dem edeln Wein. Man hatte Empfang. Nur mit Mühe war die begeisterte Gesellschaft Nur ein Kenner von Frauenschönheit und weiblichem schon viel getoaftet und geredet. Auf Herrn Winterfeld, wieder auf ihre Sitze zu bringen. Es war heute augen- Liebreiz... hm... hm... kann schäßen hm... und auf die Damen, auf Paraguay , auf Südamerika , Argen- scheinlich der Tag der Ueberraschungen. Herr Juan Ramirez begreifen hm... welche heute die Brust unseres alltinien, auf den Fortschritt, auf die Freiheit hatte man die schlug an sein Glas und erbat sich für einen Augenblick verehrten Freundes Don German Winterfeld beseelen Gläser geleert, furz auf alles, was einem Kreolen in behaglicher Stille und Gehör. müssen, der hm die Rose von Buenos Aires , Stimmung einfällt. Herr Winterfeld hatte bescheiden aber mit Meine Herrschaften," begann er," Sie haben eben eine die wir seit kurzer Zeit in dem Schooße der Asuncener der ihm eigenen Beredtsamkeit auf die ihm gespendeten niedliche Ueberraschung von seiten unseres allverehrten Don Gesellschaft ihre prächtige hm... Blülhe enthalten gesehen Lobpreisungen geantwortet. Er hatte jedes Lob zurück- German erlebt; aber auch ich habe eine solche für Sie in haben... hm... heute ganz sein eigen nennen darf." gewiesen. Sein Verdienst wäre gering. Der Himmel hätte Vorbereitung. Sie geht zwar nicht in einem solchen Maße Herr Fernandez räusperte sich gewaltig und fuhr dann feine schwache Arbeit gesegnet, sichtlich allerdings. Aber sein die ganze Gesellschaft an: doch zweifle ich keinen Augenblick, weiter fort in seinen überschwenglichen Redensarten, Bemühen sei es, ihren Ertrag immer wieder in für die daß jeder von Ihnen wenigstens für heute ein geringes Genießt die Dame von Buenos Aires , die sympathische Mitmenschen nußbringenden Unternehmungen anzulegen. Interesse bezeigen wird, wenn er vernimmt, um was es sich Portena, überhaupt schon auf der ganzen Welt den unSein nächster Wunsch sei, sich in Paraguay nüßlich zu eigentlich bei unserem heutigen Feste handelt. bestrittenen Ruf, das Ideal der Schönheit hm... hm in machen. Die nächste Kolonie, die Kolonie Winterfeld, solle Dieses Fest, zu dem zu erscheinen und es zu verschönen ihrem ganzen hm... nur denkbaren Umfange hm eine Musterkolonie werden. Die neue Bank, deren Gründer Sie uns die Ehre gegeben haben, ist kein zufälliges, wie zu verkörpern... hm, hm, so wollte das Glück, das und Hauptaktionär er zu sein die Ehre habe und die in Sie wohl alle geglaubt haben mögen. Im Gegentheil, hm... wie immer auch in diesem Falle nächster Woche ihre Thüren öffnen werde, würde ein Muster- es ift für mich und zwei andere Personen Don German mit den anserlesensten Gaben hm inftitut werden. Er erlaube sich jetzt, dem Herrn Präsidenten in diesem Kreise ein Freudenfest. Erlauben Sie an überschütten pflegt, ihm so wohl,... hm den ersten paraguayischen Silberpeso, der die Münze ver- mir, Ihnen mitzutheilen, daß ich heute meine einzige daß es ihn begünstigte... hm in der großen Lotterie der lassen, und den er eben erhalten habe, mit seinem besten Tochter Juana mit Don German Winterfeld verlobt habe." Liebe... hm... es schenkte ihm das große Loos Glückwunsch für das weitere Wohlergehen der Republik zu Der Jubel kannte keine Grenzen. Wieder erhob sich hm in der schönsten aller schönen Portenas... So... übergeben. Allgemeines Halloh und Bravo war die Ant- alles, und stürmischer als früher. Alles redete durch- hm... vereinigt ein beneidenswerther Sterblicher hm... wort, als er geendet und dem Präsidenten, der den einander. Ein Gewirr von Stimmen, Glückwünschen, in einem kaum gesehenen Maße alle Gaben hm... der Ehrenplatz an der Tafel einnahm, das blanke Geld- Küssen, ein Knäuel von Händeschütteln und Umarmungen, neidischen Fortuna stück überreichte. Alles sprang von seinen Sißen und um- verschütteter Champagner, einige zerbrochene Gläser, und Leider konnte Herr Fernandez die langathmige Nede ringte diesen, einen alten Gaucho, der sich einen als sich nach einer langen Weile endlich alles löfte, blieb nicht zu Ende bringen. Ein Diener trat hinein und brachte goldenen Klemmer aus seiner Tasche hervorsuchte und ihn als fester Kern in der Mitte der Gesellschaft Fräulein ein dringliches Telegramm aus Buenos Aires für Herr mit einiger Mühe auf seine Nase brachte. Wie reizend Juanita zurück, die sich freudestrahlend an den Arm Herrn Winterfeld. Er eröffnete es, überflog es und steckte es Hier der Löwe, wie wenn er lebendig wäre... die Frei- German Winterfeld's schmiegte. Unter den Beladenen dann ruhig in seine Tasche. Herr Ramirez sah ihn heitsmüße auf dem Baume.... die Umschrift.... befand sich auch der Advokat Herr Dr. Francisco Fernandez. fragend an.
hut.