So bildet sich der rote Offizierstand zu einer geschlossc- nen Einheit heran, die von einem gemeinsamen K asteng eist durchdrungen ist. Die Rote Armee ist schon jetzt zum Teil als ein gewisses A m a l g a m zu betrachten, als eine Ver- bindung der alten und neuen Elemente, die die Q u i n t e s- s e n z de r napoleonischen Staats Weisheit bil- d e t e. Die Bolschewistcn sehen die enorme pplitische Bedeutung des Kommandodestandes vollkommen ein und sind bestreb:, einen monopolistischen Einfluß auf den Kommandobestand auszuüben. Sie haben sich schon seit langer Zeit das Ziel der B o l s ch e w i s i e r u n g des Offizierstandes gestellt. Schon im Jahre 1924/25 war die Zahl der kommunistischen Offiziere (nach dem Bericht Bubnows in der„Prawda" vom 10. März 1925) sehr groß. Sic betrug unter den Armeeführern 69 Proz., unter den Korpskommandeuren 85 Proz., unter den Dioisions- kommandeuren 45 Proz., unter den Regimentskommandeuren 41 Proz. Von den politischen Kommissaren gehörten 42 Proz. dem Arbeiterstande und 43 Proz. dem Bauernstande an. Jetzt sind diese Zahlen entsprechend gestiegen. Nach den letzten Angaben von 1926 fällt von der Gesamtzahl, 87 000 Kommunisten, die der Roten Armee angehören, 47 Proz. auf den Kommandobestand. Die Mehrheit des Offizierkorps de- steht somit aus Kommunisten, was unvermeidlich zu seiner Heranziehung in den politischen und inner- parteilichen Kampf führen muß. Anderseits führt die soziale Buntscheckigkeit des neuen Offizierstandes zu einer Zerrüttung der Parteiorganisation in der Roten Armee. Das trifft in gleicher Weise auch auf die breiten Massen der Rotarmisten zu: auch diese untere Schicht der Armee- Pyramide hat eine große und bedeutungsvolle Umwandlung durchgemacht. Die Bolschswisten sahen sich sehr bald ge- zwungen, den Grundsatz der Komplettierung der Roten Armee durch freiwillige„klassenbewußte und revolutionäre Ar- beiter und Dorsarme" aufzugeben. Der Militärdienst vollzieht sich jetzt nach dem Grundsatz der a l l g e m e i n e n W e h r- Pflicht. Nicht nur die„Dorfarmut", sondern auch die Mittelbauern werden zum Militärdienst herangezogen. Der im kommunistischen Programm geforderte„offene Klassen- charakter der Noten Armee, als eines Werkzeugs der prole- larischen Diktatur" wird unter diesen Umständen sehr ver- tuschr. Es wird jetzt zum Militärdienst die Mehrheit der städtischen sowie der Dorfbevölkerung, mit Ausnahme der nichtwerktäligen Elemente, die eine besondere Militärsteuer zu zahlen haben, herangezogen. Nach den offiziellen Angaben hatte die Rote Armee im Jahre 1925 folgende soziale Zu- sammensetzung: Bauern 82 Proz., Arbeiter 11 Proz., sonstige 7 Proz. Es besteht also ein krasser Unterschied zwischen der sozialen Zusammensetzung in den oberen und unteren Schich- ten der Roten Armee: sie ist im großen und ganzen eine Bauernarmee unter kommunistischer Führung. Dieser Widerspruch wird in der Zukunft zweifellos be- stimmte Folgen zeitigen. Der Leiter der politischen Organisa- tion der Roten Armee, B u b n o w, bemerkt in seinem Be- richt, daß„dieRoteArmeejetzteinfeinfühliges Instrument bilde, das die klein st e Schwan- k u n g d e r. B a u e r n s ch a f t r e g i st r i e r t". Im Jahre 1924—25 gehörten nur etwa 2 Proz., im Jahre 1927 dagegen gehören 7 Proz. der Rotarmisten der kommunistischen Partei an, abgesehen von den 14 Proz. Jungkommunisten. In den unteren Schichten kommt der krasse Widerspruch zwischen der kleinbürgerlichen Ideologie der Bauern- mehrheit und der k o m m u n i st i s ch e n Ideologie der Welt- revolution. die für die Rote Armee als offizielles Glaubens- bekenntnis dient, noch stärker zum Ausdruck. Die Bauern- schaft will weder zum junkerlich-zaristischen Regime zurück- kehren, noch in die kommunistische Utopie hineinwachsen, die ihr durch die terroristische Diktatur ausgezungen wird. Solange eine demokratische Bewegung im Lande, beson- ders unter der 2l r b e i t e r k l a s s e, nicht die Oberhand ge-
Die Jrau öes öettlers. Von Erich Grisar . An der Straßenecke, da wo der lebhaste Verkehr gegen die Häuser brandet, wo Menschen und Wagen sich stauen, liegt ein hilfloser Bettler. Cr hat nur«in Bein. Das andsre liegt wahr- scheinlich in Frankreich oder in Rußland . Vielleicht auch in einem Kohlenschacht. Neben ihm steht in zerrissenen Kleidern ein schmutziges Weib und sammelt die spärlichen Gaben, die den beiden zufallen. Es regnet. Beide frieren. Zitternd kuscheln sie sich aneinander an. Die Frau hustet. „Warum geht sie nicht nach Haufe?" sage Ich zu meinem Be- gleiter und bleibe stehen.„Sie muß doch nicht hier stehen,©ie ist dach gesund und kann arbeiten. Vielleicht hat sie auch Kinder, die ihrer Aussicht entbehren. Und dem Manne, der den ganzen Tag hier aus der Straße herumliegt, wäre auch mehr damit gedient, wenn sie ihm ein warmes Essen vorsetzte, wenn er keimkommt." „Das sagst du so," bekam ich zur Antwort.„Aber der Mann würde nicht halb soviel Almosen bekommen, wenn er allein hier jage." Zwei Männer gingen vorüber.„Das arme Weib," sagte der eine und ging weiter. ..Hast du gehört," sagte mein Begleiter,„er bedauert die Frau, nicht de» Mann." Frauen kamen vorüber. Solche in guten Kleidern und solche, denen anzusehen war, daß ihre Männer schwer arbeiteten. „Siehst du, wie sie zusammenzucken, wenn sie hier vorüber müssen? Wenn sie etwas geben, so nur, weil sie an den eigenen Mann denken, dessen gesunde Glieder sie vor solchem Schicksal be- wahren." „Du magst recht haben," sagte ich.„Aber es ist doch wohl die Gedankenlosigkelt, die hier der Frau und nicht dem Manne gibt. Und das Schlimmste dabei ist, daß eben diese Gedankenlosigkeit diese Frau dazu verurteilt, in Wind und Wetter herumzustehen und ihre Zeit zu opfern, die sie benutzen könnte, um ihr Haus in Ordnung zu ballen, sich ihrer Kinder anzunehmen und im wohltuenden Gefühl im Dienste der Gesellschaft getaner Arbeit den Abend zu erwarten." „Auch diese Frau erfüllt eine Funktion im Dienste der Gesell- schaft, denn sie gibt den satten Bürgern Gelegenheit, sich durch einen in Eile hingeworfenen Groschen von dem Unrecht, das täglich und stündlich im Namen der Gesellschaft an Zehntausenden geschieht, los- zukaufen." Wir gingen weiter. Ich dacht« über die Worte meines Ge- iährten nach.„Nun gut." sagte ich dann,„wenn die Gesellschaft sie braucht, dann sollte sie ihr wenigstens soviel zukommen lassen, daß sich die Frau mal«in paar neue Schuhe oder ein neues Umschlagtuch taufen könnte." „Und was wäre, wenn sie es wirklich kaufen könnte, wenn soviel bei ihrem Tagewerk herauskäme? Sie darf«s ja nicht tragen bei ihrem Dienst. Sic darf ihre Kleider nicht flicken, dar? sich keine neuen SÄuhe kaufen; sie muß in Lumpen gehen: denn sie lebt von dem Mitleid, das sie erregt. Das ist ja das Fluchwürdige dieser Gesell- schaft, daß sie den Armen nicht nur zwingt zu betteln, sondern ihn auch noch in den Schmutz hinabzerrt, ihn in Lumpe» zwängt: denn dem Sauberen, dem artständig Gekleideten versagt sie ihr Mitleid. Dem
Winnen wird, kann die Rote Armee leicht als Werkzeug eines bo napar'ti st ischen Staatsstreichs ausgenutzt wer- den, der in der Kommunistischen Partei allmählich heranreift. Das sinnlose Säbelrasseln, die Militarisierung der Bevölke- rung, der Heercskultris— alles das führt zur" Schaffung der psychologischen Voraussetzungen für einen solchen Staats- streich.
ftuch Jagow wollte Pension! Aber das Karnurergericht hat ih» abgewiesen. Die Verschworenen des Kapp-Putfches haben eine neu« Verschwörung veranstaltet. Diesmal nicht gegen die Ver- fassung der Republik , sondern nur gegen ihr Geld. Sie wollen alle von der Repuotik ernährt werden. Zum Danke für ihre hochverräterischen Anschläge. Herr L ü t t w i tz und Herr B i s ch o f f klagen auf rückständiges Gehalt aus der Kapp-Pntschzeit. Auch Herr Ja a o w hat sich gemeldet. Er hat den Preußischen Staat aus Weiterzahlung seiner Wartegeldbez. ge verklagt. Nachdem Iagow sich am Kapp-Puffch beteiligt hatte, und vom Reichsgericht wegen BeihUfe zum Hochverrat zu fünf Jahren Festung verurteilt worden war, hatte der damalige Innenminister Severing die Auszahlung des Wartegeldes auf Grund des Disziplinargesetzes von 1852 gesperrt. Herr Iagow aber ging hin und klagte. Indessen: seine Klage ist abgewiesen worden, und die letzte Instanz, das K a in m e r g e r i ch t, hat endgültig erkannt, daß er keine Ansprüche hat. E i n Hochverräter, der nicht vom Geld der Republik leben kann._
de ? Gcönungsblock scheitert in Thüringen . Demokratisches Mißtraue». Weimar , 4. März.(Eieener Drahtb« richt.) Der mit der Regierungsbildung beauftragte Landbiindler Baum hat, soweit die Oeffentiichkeit feststellen kann, nur mi? den Demokraten verhandelt. Scheinbar sind sich die rechts von den Demokraten stehenden Par- teien über Grundsätze und Ministerportefeuilles schon so weit einig gewesen, daß sie nur noch der Demokraten bedurften, um die alte Ordnungsmacht aufrechtzuerhalten. Die Demokraten haben am Freitag nach langen Verhanb- lungen Baum eine Antwort erteilt, die keinen Zweifel läßt über ihre aufrichtigen Bemühungen, eine Regienmg der Mitte zustandezu- bringen. In dieser schiiftlich niedergelegten Antwort heißt es u. a., daß sie nicht in der Lage wären, eine Regierung von den Nationalsozialisten bis.zu den Demokraten bilden zu helfen: eine solche Regierung würde nach ihrer Ansicht die Politik des A u s- g l e i ch s, die sie wünschen, nicht herbeiführen. Der Aeltestenausschuß des Landtags wird am Montag wahr- scheinlich einen neuen Unterhändler vorschlagen. Das sozialdemokratische„Volk" in Jena ist der Auffassung, daß nunmehr die Demokraten den Versuch unternehmen müßten, eine Regienmg zu bilden. Der Stahlhelm hat Sorgen. Die Polizei soll schützen. Die neueste Nummer des„Stahlhelm" bringt drei voll« Seiten in Fettdruck. Das will etwas bedeuten. Deshalb lesen wir die Dinge mit besonderer Aufmerksamkeit:„Gegen den roten Terror" —„Für die Freiheit der Straße!— Fort mit dem Stock- verbot!" Auffegende Ueberschnsten. Der Inhalt weniger. Denn der „Stahlhelm " druckt nur eine lang« Eingabe seines Landesver- bandes Berlin an den Polizeipräsidenten ab, in der er über roten Terror wehklagt und schließlich verlangt, der Polizei- ———■_ � Menschen, der sich trotz seiner Armut dem Bürger gleichberechtigt fühlt, hilft sie nicht. Nur dem Paria, dem Verkommenen, dem an- zusehen ist, daß er die Kraft nicht mehr hat, sich heraufzuschwingen aus der Tiefe, gönnt sie das Leben." „Dann ist dieser Frau also erst zu Helsen , wenn dieser Gesellschaft geholfen ist. Wenn wir ihr durch unsere Arbeit eine neue besser« Ordnung gegeben haben," sagte ich. „So ist es."____ � Uly IN agil», Deutschrussin, Wigman-Schülcrin, gab im B l ü t h- nersaal einen Tanzabend. Groß«, ernste, vornehme Kunst. Bewundernswert ist die Technik der Arme, Hände, Hüften. Aeußer- lich Mischung aus orientalischem und Wigman -Stil. Trotzdem so viel Eigenes, rein Persönliches, impulsiv aus dem Innern Flutendes, daß ein völlig neuer Stil sich blldet. Gipfelleistungen: Ein zarter, duftiger, sehnsüchtig verklingerrder„Maskentanz in Silber", ein „Roter Tango", dessen rein dekorativer erster Teil der Künstlerin offenbar nicht recht lag. der sich dann aber im Pathos, Elan, Sturm zu hinreißender Wirkung steigerte. Sehr fchön auch die Wirbel und retardierenden Schwünge des„Zlnscmg", die auftrumpfende Kraft tglänzende Becken- und Händeaktion) des„Heroischen Masken- tanzes", das ruhige Schreiten mit flimmernd wiegenden Hüften in den ausblühenden Rhythmen des„Melodischen Tanze»", die wächtig ausladeirden Schwünge und die Schlußatiitüd« des„Goldenen Tanzes". In allen Kompositionen eine Füllen neuer tänzerischer Motive. Jede trug ihr eigenes Gepräge. Kein einziger Beffager. Eine der interessantesten und erfreulichsten Veranstaltungen dieses Winters. I. S. Das Bild an der Wand. Im Hörsaal der staatlichen Kunst- bibliothek behandelt Bernhard Wende in einem Zyklus „Die Entstehung eines Kunstblattes". Es ist gewiß interessant, Näheres über die modernen Kunftdruckverfahren zu hören und der Vortrog hatte auch«in zahlreiches Publikum gefunden. Leider zeigte sich der Redner recht unkritisch, als es sich darum handelt«, über die Verwertung der Kunstblätter zu sprechen. Ein Kunstdruck wird in der Hauptsache Minderbemittelten dos teure Originalbild ersetzen. Es wäre also wesentlich gewesen, zwischen Bildschmuck und Wohnungskultur der Gegenwart einen Zusammen- bang klarzulegen. Das gelang dem Vortragenden nicht. Zahlreiche Kunstdrucke nach Bildern au, vergangenen Jahrhunderten, bisweilen nicht einmal geschmackvoll gerahmt, bekam man aus einer Tapete im Renaissancestil zu sehen. Welchen Sinn sollten diese Lichtbilder haben? In welchem Wohnraum eines Minderbemittelten paßt dies« Tapere, passen diese prunkvollen Rohmen? Richtig wäre gewesen, zu zeigen, wie man auch Reproduktionen nach Genrälden ver- gangener Epochen sinnvoll einem einfachen Raum eingliedern kann, wie dabei jeder Verzicht auf aufdringliche Rahmen nötig ist und eine schlichte Museumsleist« die Bildumrahmung darstellt. Besonders aber die Kunst unserer Zeit hätte in dem Vortrag und in den Lichtbildern viel stärkere Berücksichtigung verdient, da sie zu der Wohnung der Gcgenwan in einem viel natürlicheren organischen Verhältnis steht, als die alte Kunst. Gewiß wird c» immer Lieb- Heber geben, die diese auch als Wandschmuck bevorzugen. Aber vtellcich! zeugt es vou größerem Äunswefftändnis und gewiß von einem kultivierteren Geschmack, wenn man sich daraus beschränkt, Repoduktioncn solcher Bilder in Mappen zu sammeln. T« s.
Präsident solle das Etockverbot ausheben, damit die hakenkreuzkerischen Gesellen selbst die„Freiheit der Straße" herstellen könnten! Um die Sache dramatischer zu gestallen, werden einzelne Mißhandlungen von Stahlhelm-Leuten durch rote Frontkämpfer geschildert und— zu durchsichtigen Zwecken— immer Reichsbanncrleute und Kommunisten in einem Atemzuge genannt. Dies« Vermischung von„Reichsbanner" und„Rote Front- kämpfer" ist eine Unverfrorenheit, um so mehr, als in fast ollen E i n z e l schrlderungen der Stahlhelmleitung immer nur von Kam- muniften, nicht aber von Reichsbannerleuten die Red« ist. Wir brauchen nicht erst zu betonen, daß auch wir die Freiheit der Sffaße wünschen, daß wir Ueberfälle auf Andersdenkende ver- urteilen. Aber wir sehen, daß überall im Lande die Hakenkreuz- l e r und' Etahlhelmer die rupublikanisch Gesinnten anpöbeln. mißhandeln und sie dann noch dem Gericht als Landfriedens- breche? überliefern. Die Prozesse, die in den letzten Iahren immer wieder gegen Reichsbannerleute geführt wurden, während die Stahlhelmer Angreifer und— Zeugen waren, haben eine Er- bitterung wachsen lassen, die mehr als verständlich ist. Jetzt kommt noch der Stahlhelm auf die Idee, einen schwarz- weißroten Tag in dem republikanischen Berlin zu veranstallen. Er will 190 000 Mann nach Berlin „werfen", und später will er gar dort bleiben, wie Seldte angekündigt lmt. Die Veröffentlichung des Schreibens an den Berliner Polizei- Präsidenten dient nur zur Reklame für den„schwarzweißroten Tag", der nichts anderes als eine Provokation des republika- nischen Berlin darstellt. Dazu fordert der Stahlhelm auch noch die Bewaffnung mit Knüppeln, damit seine Anhänger in Berlin Hausen könnten, wie die Hitler -Garde In Weimar ! Hat man eine größere Dreistigkeit bisher gesehen? Die ganze Reklame kann aber nicht über die inneren Schwierig» ketten des Stahlhelms hinwegtäuschen. Es gärt in der Bundes- leitung schon seit langem bedenklich. Der Gegensatz zwischen dem Volksparteiler Seldte und seinem Stellvertreter, dem deutsch - nationalen Duesterberg, wird zwar immer noch verdeckt. In- zwischen aber sind die Wikingbrüder in dem„Stahlhelm" ausgc- nommen. Und diese treue Ehrhardt-Truppc arbeitet im Stillen, aber mit zäher Festigkeit daran, ihren„Chef", den O b e r p u t s ch i st c ir Ehrhardt zum Stahlhelmiührer zu machen. Selbst wen» mcm dies in der Oeffentlichkeit abstreiten sollte, bleibt es trotzdem wahr. Und wenn Ehrhardt mit dem Stahlhelm„nach Berlin gehen und dort bleiben" will, so hat das eine besondere Bedeutung. Die Stahl- helmer dllrsen sich deshalb nicht wundern, wenn sie in dem republika- nischen Berlin anders empfangen werden, als sie das in hinterwäld- lcrischen Kleinstädten gewohnt sind. tzergt Zeuge im Soöenftern- Prozeß. <<'r wehrt sich dagegen, von den Putschplänen gewußt zu haben. Amtlich wird mitgeteilt: In Artikeln der„Vossischen Zeitung" und der„Roten Fahne" vom gestrigen Tage ist die Behauptung auf- gestellt, der Reichsjustizminiftcr H e r g l sei über irgendwelche hochverräterische Pläne de« Justizrats C l a ß i n f o r- m i e r t und mit den Staatsstreichlern im Bunde gewesen. Diese Behauptungen sind von Ansang bis zu Ende frei erfunden. Der Reichsjustizminister H e r g t hat sofort Deranlasiung ge- nommen. in einem Schreiben an das Amtsgericht Berlin-Mitte den dringenden Wunsch auszusprechen, ihn in dem schweben- den Privatklageversahren Sodenstern gegen M a h r a u n, das in der Oefsentlichkest mit den erwähnte» un- wahren Behauptungen in Verbindung gebracht ist, wenn irgend* möglich eidlich als Zeugen zu vernehmen, um auf diese Weise auch an Gerichtestelle den verleumderischen Gerüchten authentisch entgegentreten zu können. Gegen die Snechiung Deutsch Südiirols Vorstellung-» in Rom zu erheben, �hat die demokratische Reichstagsfraktion den Außen- minister unter Anführung zahlreicher Unterdrückungsfälle aufge- fordert.
Um das Leethoven-Venkmal. Nachdem Magistrat und Kunst- deputation den Wettbewerb für ein Beethoven-Denkinal zuriickge- zogen und beschlossen haben, von der Errichtung eines Denkmals überhaupt abzusehen, ist aus Bildhauerkreisen eine Zwischenlösung des Problems angeregt worden. Der Vorschlag geht dahin, an Stelle eines Monumentaldentmals eine kleine Beethooen-Büst«, etwa vor der Singakademie, aufzustellen. Di« Anregung unterliegt zurzeit der Prüfung im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Michael Arzibaschew. Der in Warschau erfolgte Tod des rufst- scheu Schriftstellers Arzibaschew weckt die Erinnerung an den sen- sationellen Erfolg, den er vor zwanzig Iahren mit seinem Roman „San in" auch in Deutschland gehabt hat. Damals fanden sich in Deutschland weltfremde Literaten, die dieses Werk als eine der größten Schöpftingen der Wellliteratur betrachteten und Arzibaschew neben Gogol , Turgenjew und Dostojewski stellten. In Wirklichkeit verrauschte der Erfolg sehr bald, und Arzibaschew verfiel, trotz krampfhafter Bemühungen, sich immer wieder bemerkbar zu machen, der verdienten Vergessenheit. Im Grund« war sein« plötzliche Be- rühmtheit nur eine Begleiterscheinung der Reaktionsperiode. die nach der Rcvolutton von 1905 einsetzte. Seine Propaganda des Sichauslebens und der Befreiung des Fleisches, die den Inhalt seiner Romane bildete, entsprach durchaus de» reaktionären Wand- lungen in icnen Kreisen der bürgerlichen Gesellschaft, die aus der rauhen Wirklichkeit der Politik flüchteten und auf dem Gebiet einer zügellosen Erotik, die heut« recht antiquiert anmutet, einen gewissen Ersatz suchten. Als diese Welle verrauscht war, blieb dem Verfasser des„Sanin" nichts mehr zu tun übrig. Sein Talent reichte nicbt aus. um sich an anderen, größeren Problemen der Gegenwart zu versuche«. A. S. 741 Todesfälle durch Alkohol in New Jork. Dr. Charles Rorri», der oberste Mcdizinalbeamt« von New Park, erklärt in einem soeben veröffentlichten Bericht, daß im Jahr« 1926 741 Todesfälle infola« Alkoholvergiftung in New Jork vorgekommen sind. Das sind mehr Todesfälle, als durch Automobilunfälle in der gleichen Zeit ver- »rfacht wurden. Die größte Zahl von Todesfällen infolge Alkohol- »ergiftung, die vor der Einführung des Altoholoerbots festgestellt wurde, betrug 687 im Jahre 19l6. Norrie versichert, daß diese Zahl au« den offiziellen Berichten gewonnen ist. daß aber die eigentliche Ziffer der Toten zweifellos viel höher ist, da Privatärzte sich scheuen. als Todesursache Alkoholvergiftung anzugeben. Nach seinen Fest- stellungen ist es ganz unmöglich, in New Pork reinen Whisky zu erhallen, selbst für ärztliche Rezepte. Di« Zahl der Todesfälle durch vikoholoergifwng belief sich im ersten Jahre de» Verbot» auf 98 und ist seitdem ständig gestiegen.
vi« Zatia-Kl<n»i.Schttl« veranstaltet am 10., abend» S Uhr, eine Tan,. vorsabrung im Kltndworth-Scharwenka-Saal. Karten bei Bäte u. Bock, Wertheim und an der Abendkasse. Die Böhne der Zagend spielt am 13, dorm. 11 Uhr. im Nercede». P a I a st, Ilirechter Ttratze, Georg Büchner »«Dämon» Ted". tls eine traarige Talg« der Hungerblockode in den Jahren ISI? und 1918 wird der.Kölnischen Volkszeitung" au» Dittlich gemeldet, datz in diesem Jahre die Psarrgemewde Eisenschmidt mit über 600 Einwohnern. nicht einen einzigen Ersttommunikantcn auszuweisen bat. Die Kinder, die die in Jahren 1917 und 1918 geboren wurden, find sämtlich gestorben.