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Donnerstag

10. März 1927

Unterhaltung und Wissen

Die chinesische Hydra.

Bon Arthur Holitscher .

( Schluß.)

Bon den zweiundzwanzig Provinzen Chinas ist allein das nord­westliche Schansi vom Bürgerkrieg verschont geblieben; auch in anderer Beziehung ist Schansi eine Musterproving, blühend und tul hurellen Einrichtungen und Neuerungen zugänglich. Manche Pro­vinzen, im Zentrum Chinas gelegen, abseits von den großen Wasser. wegen und daher fast außer der Welt liegend, in Geheimnis un durchdringlich gehüllt, find, wie spärliche Runde schauernd berichtet, durch Kämpfe, Maffaters fortwährend bis zum Untergang erschüttert und vernichtet.

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Ich erwähnte bereits, daß das Militär in China eine ver. achtete Menschentlasse darstellt. Groß war meine Ueberraschung daher, als ich in der kleinen, eine halbe Tagereise von Schanghai entfernten Provinzstadt Sootschau eine Straßenszene beobachten konnte, die mir einen ganz neuen Begriff von dem Verhältnis des Bolkes zu den militärischen Machthabern vermittelte. Auf dem Wege durch eine fleine Bazarstraße wurde ich mit meinem Begleiter durch einen Zug aufgehalten, der uns vom anderen Ende der Straße entgegenfam. Es war wie ein wüfter parodistischer Wildwestfilm. Abenteuerlich aufgetafeltes Reitervolt auf wohlgenährten Rössern, junge Burschen mit Rauhreiterhüten, Lederhosen und merikani­ichen Steigbügeln ritten vor einer Sänfte, hinter der wieder allerlei wildes und buntes Reitervolt, aber auch einige regulär uniformierte dhinesische Ravalleristen flirrend dahertrotteten. In der Sänfte, auf die hinten eine zusammengerollte Matratze gebunden war, faß ein miltärischer Würdenträger. Wir hatten uns an die Mauer gebrüdt, um nicht unter die Hufe zu geraten. Der Würdenträger schoß auf uns einen raschen scharfen Blid im Vorüberwanten ab. Es war cin blasser, vornehmer Chinese mit lang herunterhängendem Schnurr. bart. Er hielt die Hände vor sich gefaltet, und seine Lippen waterf eng zusammengepreßt. Wo er vorüberfam, die ganze Straße ent lang, stürzten aus ihren Läden die Kaufleute hervor und knieten vor den Schwellen ihrer Läden auf dem schmutzigen, feuchten Straßenpflaster nieder: Kotau vor einem Mächtigen der Erde!

Als ich dieses Erlebnis in Schanghai und Beking jungen Stu­denten und Professoren erzählte, wollten sie es mir nicht glauben, da es dem chinesischen Charakter so völlig entgegengesetzt wäre... ( Mögen sie mich haffen[ verachten], solange sie mich fürchten!")

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Beilage des Vorwärts

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Sehen Sie, Kollege, so einen Zeitungsschreiber kriegen wie in jedem Fall: medie Hat er die unwahrheit geschrieben, ist es versuchter Landesverrat, hat er die Wahrheit geschrieben, ist es vollendeter Landesverrat." meboM

dem Bündel nach und bleibt liegen. Unsere drei Kontrollsoldaten steigen, von weiteren zwei assistiert, aus dem Zug, springen die Böschung hinunter und pacen den Menschen, der soeben seinem ihm den Kopf in den Sand, zwei paden seine Beine, halten ihn fest, Kleiderbündel nachgeflogen ist. Einer packt ihn beim Halse, drückt ihm den Kopf in den Gand, zwei paden seine Beine, halten ihn feft, und min liegt der Mensch auf dem Bauch mit dem Gesicht nach unten im Sande da. Einer von den Soldaten hat einen derben

BWährend der Neujahrswoche stand eine Nachricht in den 3ei- nüppel in der Hand, den er, wie wir an den Fenstern- die tungen Betings: die Zentralregierung hatte auf die Eisenbahnfahr­farten einen Ausschlag für kulturelle Zwecke und Bildungsorgani fationen, Schulen und Hospitäler verordnet es waren in der Tat einige Millionen eingegangen, die dann von einem General , dessen Namen ich vergessen habe, mit eleganter Handbewegung für Kriegs. zwecke in die eigene Tasche weggeschnappt worden seien. Es ist mit­hin in der Tat vollkommen gleichgültig, ob es englische, französische, japanische oder amerikanische Usurpatoren sind oder einheimische uniformierte Räuber, die den Chinesen ausplündern. Die Generale werden auch auf den Likin, den Inland zoll, auch auf die Salz. fteuern usw. die Hand legen, wenn feine ausländische Kontrolle sie daran verhindert. Bielleicht sind sogar die Unterstützungen", die den chinesischen Generalen von den Mächten zuteil werden, nicht allein Zuwendungen, die die allmähliche Bermürbung des Bandes bezmeden, sondern auch Befänftigungsgelder, damit fein Mißbrauch von dieser Seite mit den Zöllen und vertragsmäßigen Abgaben geschehe!

Auf alle Fälle tämpft das revolutionäre Intellektuellentum mit dem revolutionären Profetariat Chinas gleichzeitig an der Beseiti gung der unerhörten Bedrängnis des Volkes durch die fremben. Mächte und die dem eigenen Bolte entstammenden Räuber.

In der Woche nach Neujahr hat der Flugsand aus der Wüste Gobi die nördlichen und öftlichen Schützengräben um die Stadt ver­weht und zugedeckt.

In der bitterkalten Woche, die den Februar beendet, fahre ich von Peking nach Tientsin, um mich nach Dairen einzufchiffen. In Beting herrscht Ruhe, ringsum im Land Ruhe. Friedlich geht jeder feinem Gewerbe nach. Aber schon zwei Stunden hinter Beting ist zu sehen, wie das Militär seinem Gewerbe nachgeht. Wir können nur langsam fahren, denn es sind große Züge, Laftzüge unterwegs. Die Fengiustang- Armee wird in die Kampffront gebracht, denn Tschangtjolin rückt vom Often mächtig und mit großem Heeraufwand vor. Aber auch die Fengiusiang- Leute, die zweite Boltsarmee, ist gut ausgerüstet. Sie haben zwar nur eine Felb geschütze, Mörser und Maschinengewehre, aber Mannschaften und Offiziere sehen frisch und tampfluftig aus, sie führen in den offenen Frachtwagen Pferde, Kamele mit und Automobile, neu und von guter Konstruktion. Eine Stunde hinter Peking heben Soldaten Schüßengräben aus. Wieder hat sich dieser furchtbare Sanditurm erhoben, der das Land in eine undurchdringbare Wolke von Gelb­grau hüllt. Allmählich verschwindet die Außenwelt um unseren 3ug vollkommen.

Jeßt, nach Aufnahme der Geschäftsverbindungen, nach Neujahr, ist die Frequenz der Eisenbahn wieder sehr start geworden. In unferem Zuge ist jeder Platz besetzt.( Gott sei Dant, ich werde das Räuspern und Spuden nur noch ein paar Stunden lang hören. Hoffentlich spuden sie in der Mandschurei und in Japan nicht so wild und ausgiebig wie hierzulande.) Aufmerksam und eindringlich werden die Fahrkarten tontrolliert, sogar zweimal hintereinander. Jedesmal gehen hinter dem Schaffner drei Soldaten den Zug ent­lang, ein Offizier und zwei geringere Chargen mit dem Gewehr auf dem Rüden und schweren Revolvern in ihren breiten Leder­taschen. Jedes Billett wird von vier Augenpaaren beguckt, adyt Händen umgedreht, wahrscheinlich gegen das Licht gehalten. In meinem Wagen stimmt alles.

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Auf einmal die Kontrolle ist eben vorüber hält unser Bug mitten auf freiem Felde. Sollte der Krieg hier und in diesem Augenblic beginnen? Es wäre unangenehm, denn, wie verlautet, ist die Kriegführung der Chinesen seit dem letzten Zusammenstoß aus einem reinen Stellungs- und Davonlaufkrieg zu wirklichen Feuer­aktionen gediehen. Es handelt sich indes um feine Attion außerhalb unferes rollenden Zuges, sondern im Zug felbft scheint etwas passiert zu sein. Man merkt das sofort, denn aus dem Nachbarwagen fliegt auf einmal ein großes Bündel die Böschung hinab. Wir ftehen alle an den Fenstern und schauen zu, was nun geschehen mird. Dem Bündel folgt ein Mensch in großem Bogen. Offenbar burch einen Fußtritt befördert, fliegt er die Böschung hinunter

anderen auf chinesisch, ich auf deutsch Hintern des liegenden Menschen niederfaufen läßt, und zwar mit zählen, 25mal auf den solcher Wucht, daß man das Knaden durch die gefchloffenen Doppel scheiben hereinhört. Offenbar ist da einer schwarz gefahren und wird dafür braun und blau geprügelt. Behandlung überleben? Regungslos liegt er da. Beim 24. Stock­Armer Hund. Wird er diese streich wird man unruhig: werden es 50 sein, dann bleibt er liegen! Aber auch so, nach diesen 25, müßte es ein Wunder Gottes fein, wenn er ohne gebrochenes Rückgrat oder Steißbein davontäme. Nach dem 25. Streich gibt der Offizier dem Lokomotivführer ein Beichen. Die vier Soldaten laffen ihr Opfer los, steigen rasch in den Bug, der sich, in den Gelenken fnirschend, in Bewegung setzt. halbtot hielten, trabbelt in die Höhe, faßt sein Kleiderbündel unter Der Mensch, der eben seine Strafe bekommen hat und den wir für den Arm, grinst noch einmal zum Zug zurüd und läuft, land­einwärts, als ob nichts passiert wäre, mit raschen Schritten davon. Harter Kerl. Hartes Land. Leb' wohl, China .

Die Geburt des Jazz.

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Der foeben erscheinenden Abhandlung von Paul Bern­hard: Jazz, eine mufitalische Seitfrage"( Delphin- Berlag, München ) entnehmen wir mit Genehmigung des Verlages folgenden Abschnitt über die Einführung des Jazz und die Herkunft seines Namens.

lächelnd gegen die Anstürme des Bacchus verteidigte. So bildete Brown auf dem Fundament des unantastbaren Grundrhythmus, der ihn vor dem Absturz ins Nichts bewahrte, eine neue Musik, bis zur Erftafe geladen mit rhythmischen und melodisch- harmonischen Improvisationen und bis zur Starrheit eingespannt in die Fesseln eines Motors. Bald verbreitete sich sein Name. Erft entstanden Rachahmer in der 31. Avenue, dann überall in Chicago , rurze Seit darauf spielte man à la Jasbo" in allen Städten Amer.tas. Mit den amerikanischen Truppen kam der Jazz", die neue Mufit. ganz in Bergessenheit geriet. Man mag der Form, in der das nach Europa und über die ganze Erde, wobei der brave Reger brave Genie Brown aufgetreten ist, spotten. Aber man darf nicht leugnen, daß der Neger Jasbo die im angelsächsischen Bolk schlummernden peralteten und steril gewordenen Mufit- und Tanzvorstellungen durch seine Phantasie mit einer Wirkung befruchtet hat, die in aller Geschichte der Künste nicht erlebt wurde. Freilich ist solche nahmefähig und begierig nach neuem Samen und fruchtbar durch Auswirtung nicht möglich, wenn nicht der Boden bereit liegt, auf­die verwesende Masse des Alten. Aber diese Ertenntnis schmälert nicht das Berdienst Jasbo Browns als Begründers der ameri­fanischen Mufit, und ein Mann, dessen Name zum erstenmal alle Zivilisierten der Erde in gemeinsamer Triebrichtung zu Lust und italienische Clown, dessen Züge, von der Hand Watteaus fest­Tanz vereint, gehört der Geschichte. Er verdiente, und wäre er mur ein armer outcast", ein Denkmal wie Gilles, der berühmte gehalten, im Louvre durch die Jahrhunderte lächeln.

Erst in den Jahren 1915 und 1916 entwickelte sich in der Tanz- und Volksmufit die Form, die wir heute mit Jazz" bes zeichnen. Wenige Jahre vorher hatten die Matrosenschenken Argentiniens einen Tanz an die partettierten Säle der amerikanisch­europäischen Geselligkeit verschenkt. den herrlichen Tango, geboren aus der tragisch- stolzen Ueberlieferung spanischer Haltung und durchglüht von der Flamme und Melancholie faftilischen Blutes. Er fam noch in die von Wohlhabenheit, Dünkel und Kastentum strogende, todgeweihte Welt der Jahre 1910 bis 1914, voll Ber­achtung gemieben von Hof und Uniform, geliebt von allen tänzerisch Begabten als aristokratischer Frembling in der Verschwisterung noch mit Walzer und Française. Aber mit ihm begann die gewerbliche Berknüpfung. Die gemessenen Berschlingungen der tanzenden Baare erheischten neue Kleiderformen. Neue Linien im Fall und Gleiten der Röde traten hervor. Die Mode bemächtigte sich mit brennenden Händen der Aufgabe. Sie schuf Tangofleider und frisuren, eine Tangofarbe für die Bekleidungsstoffe beider Ge­schlechter. Die Tanzluft entflammte in der Bracht und dem Reich­tum der Toiletten, fie belebte unzählige verwaiste Säle bei Tag und Nacht. Das Gewerbe der Wirte und Kellner, Verleger und Musiker, Tanzlehrer und Kokotten, Kleider, Schuhmacher und Friseure und der unabsehbaren Kette ihrer Lieferanten blühte auf. Alle Intereffenten griffen ineinander und gipfelten in der Erkennt. nis: Das Tanzfieber darf nicht erlahmen.

wie die gesamte Zivilisation den Idealen und Bedürfniſſen der Baare erbeiſ Wie die gesamte Zivilisation den Idealen und Bedürfnissen der Großstadt entspringt, so sind auch die neuen Tänze auf dem organi­fierten und geregelten Tumult der Großstadt entstanden. Sie haben sich in ihrer Produktion dem Tempo und dem Abwechslungs­bedürfnis der Großstadtbewohner angepaßt und unterliegen in ihren Einzelheiten ebenso der Mode und ihren Wandlungen wie die Bekleidung der Frau. Denn der neue Tanz hat neben seinen wichtigen Halt in feinen gewerblichen Auswirkungen. Angesichts musikalischen und psychologischen Fundamenten einen sehr ge­der Tatsache, daß die Jazzband nahezu allein herrscht auf allen Tanzplägen der zivilisierten Erde, muß daran erinnert werden, daß dieser Siegeslauf burch die Länder seinen Ausgang nicht früher genommen ha: als 1915. Der Ursprung des neuen Tanzes mar bisher in Dunkelheit gehüllt. Er hat, wie von jeher die echten Volkslieder und Tänze, annonym feine Wanderung angetreten. Erst nach endlosen, mit wilder Leidenschaftlichkeit in den Zeitungen Ameritas ausgefochtenen Meinungstämpfen konnte man sich auf Wort und Inhalt einigen. Die Debatte gilt als beschlossen und die Lösung der Frage nach der eraften Entstehung des Jazz in der Wissensdurst des Forschers wie die Neugier der Millionen Tänzer und Hörer, die mit richtigem Instinkt diese Frage zu einer wichtigen nationalen erhoben hatten, kann befriedigt werden. Das Ergebnis der Nachforschungen, die sich auf die ungeheuere Zeit spanne von zehn Jahren erstrecken mußten, ist folgendes. In der 31. Avenue zu Chikago hatte der Wirt des Café Schiller , Mr. Sam Have, zur Unterhaltung seiner Gäste im Jahre 1915 einen Neger angestellt mit Namen Jasbo Brown. Dieser Bursche blies zur Begleitung von Klavier und Banjo bekannte Melodien, Negerlieder und Tänze, indem er verschiedene Instru­mente wie Horn, Sarophon, Klarinette, Oboe, Flöte beim Vortrag ständig wechselte und so auf neue Weise als Einzelner eine große langvarietät darbot. Dabei hatte es aber nicht sein Bewenden, denn Dionysos fegnete Nigger Brown nicht nur mit himmlischen, sondern auch mit seinen irdischen Gaben. Er bediente fich dazu der stets zahlreicher werdenden Gäste des Café, Schiller , die den guten Jasbo zum Dank für seine überraschenden und beluftigenden Inspirationen immer verschwenderischer mit Coctails bewirteten. War Jasbo genügend enthusiasmiert geworden, das heißt wörtlich des Gottes voll, vergaß er die Schranten, die die leidige Konven tion auf Grund der Vor- Jasboschen Musikepoche errichtet hatte. Er wurde souverän, sein Genie erhob sich, und er variierte und paraphrafterte feine Songs durch wagemutige Figurationen, bisher groteske Lach, Wein- und Schimpf- Rezitative, die um so tollkühner unerlauschte, in feiner Harmonielehre begründete Dissonanzen. und halsbrecherischer wurden, je mehr sich die Hörer- und Tänzer schaft mitgerissen fühlte. Dieser wilde harmonische Expressionismus hatte aber feine feste musikalische Basis in der dem Nigger Jasbo Brown eingeborenen unerschütterlichen Rhythmit, die er jovial

Warum funkeln die Sterne? Die Sterne erscheinen unserem Auge nicht in ewiger Ruhe, sondern mir erblicken sie häufig in einem zitternden Zustande, wie wenn sie ihren Ort verließen und schnell Farbe, wirten sie oft verändert, und es entsteht auf diese Weise das wieber zurüctehrten. Auch in ihrer Lichtstärke, ja fogar in ihrer Funkeln oder Flackern der Sterne, das bei den Firsternen lebhafter ist als bei den Planeten. In der Nähe des Horizontes funkeln die Sterne mehr, als wenn sie sich in größeren Höhen befinden, und am deutlichsten ist das Gefunfel, wenn in den oberen Regionen der Atmosphäre lebhafte Winde wehen und Wolfen rasch über das sonst flare Firmament ziehen. Die Ursache dieser Erscheinung, über die fich schon mancher den Kopf zerbrochen hat, wird von Welhelm Naegler in einem Aufsatz von Reclams Universum" erflärt. Das Funkeln entsteht durch die ungleiche Brechung, die das Licht in warmer und falter sowie in feuchter und trodener Luft erleidet. Infolge dieser Strahlenbrechung, die die von den Gestirnen kommenden Licht­strahlen beim Durchgang durch die Atmosphäre erfahren, erscheint jeder Stern am Himmel höher, als er wirklich ist. Da in der Nähe des Horizonts häufig Luftströmungen auftreten, durch die ein Wechsel der Luftschichten von verschiebener Dichte entsteht, so ist hier das Funkeln lebhafter. Auch durch Dünste und Nebelbläschen, die die Luft bei ihrer Bewegung an einer Stelle verbrängen, wird eine stärkere Ablenkung des Lichtstrahls und damit ein lebhafteres Funkeln verursacht. Seit altersher will man in dem starken Funkeln der Sterne ein Borzeichen naffer Witterung fehen, und die wissenschaftliche Beobachtung hat die Richtigkeit dieser Bauernregel erwiesen. Mit dem Eintritt oder dem Herannahen von Regenwetter sowie mit der Zunahme des Luftbrudes und der Temperatur wird das Sternen­Funfeln tritt nicht nur an den Regentagen felbft deutlicher hervor, gefunkel verstärkt; es ist im Winter stärker als im Sommer. Das sondern schon ein bis zwei Tage früher, und nimmt unmittelbar nach dem Aufhören des Regens wieder ab. Das Auftreten heftiger Binde und Herannahen einer Barometer- Depreffion erhöht ebenfalls die Intensität des Funkelns.