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Nr. 202 44. Jahrg. Ausgabe A nr. 103

Bezugspreis.

Böchentlich 70 Bfennig, monatlia 8, Reichsmart poraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland , Danzia, Saare und Memelaebiet, Defterreich. Litauen . Luxemburs 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5.50 Reichsmart pro Monat.

Der Borwärts mit ber illustrier ten Sonntagsbeilage Boll und Zeit sowie den Beilagen Unterhaltung uno Bissen" Aus der Filmwelt", Frauenftimme". Der Rinder freund". Jugend- Borwärts" und Blick in die Bücherwelt" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal.

Telegramm- Adreffe:

Sozialdemokrat Berlin *

Morgenausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

10 Pfennig

Anzeigenpreise:

Die einipaltige Nonpareille. aeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5, Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Biennia ( aulaffia awei fettaedruckte Morte), jebes weitere Wort 12 Bfennia. Stellengesuche bas erfte Wort 15 Bfennig. iebes weitere Wort 10 Bfennia. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennia. Familienanzeigen für Abonnenten

Reile 40 Vfennia.

Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptaeschäft, Berlin SW 68. Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachm.

Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297.

Sonnabend, den 30. April 1927

Auf zur Maifeier!

Der 1. Mai ist der Tag der Arbeiter­klasse! An diesem Tage marschieren Millionen Arbeiter der ganzen Welt gegen die Reaktion. Sie senden sich gegen­seitig Brudergrüße über Land und Meer. Ueberall ballen sich die Kämpfer zusammen zum Aufbau der proletarischen Zukunftswelt.

Un diefem Tag offenbart sich die Kraft der Internationale. Sie beseelt die Arbeiterschaft mit neuem Geist und neuem Muf. Sie durchdringt sie mit der Gewißheit für den Sieg ihrer Sache.

Wir bekennen uns zur internationalen Solidarität! Wir geloben, unsere revolutionäre Mission nicht zu vergessen!

Kampf allen Unterdrückern, Kampf jeder Reaktion!

Der Nationalismus in allen Ländern beschwört neue Kriegsgefahren herauf. Er spielt mit dem Schicksal von Millionen Menschen. Eine Flut neuer blufiger Schrecniffe droht über alle Erdteile hereinzubrechen.

Jn Deutschland stehen Unternehmertum und Bürgerblod­regierung Arm in Arm. Sie richten eine brutale Herrschaft des Besizes auf. Reaktion droht die gesamte Arbeiterschaft zu umflammern und zu erstiden. Darum ist unser Aufmarsch eine& ampfanjage!

Gegen die internationale Kriegsgefahr, gegen Reaffion und Faschismus,

gegen den Besitbürgerblod,

gegen die Verschlechterung der Sozialgesetzgebung

für den Weltfrieden,

für die internationale Solidarität der Arbeiterklaffe, für die Berbefferung der Sozialgesetzgebung, für den Achtstundenfag,

für ausreichenden Arbeitsschutz,

für besonderen Schuh der Frauen, der Jugendlichen, für Ausbau des Arbeitsrechts und des Jugendredytsy

Es geht um unsere Zukunft!

Die Arbeiterschaft Berlins muß in unübersehbaren Zügen von gewaltiger Zahl ihre Kraft dokumentieren. Gegen unferen Maiaufmarsch muß die Stahlhelmparabe eine flägliche komödie werden. Die Wucht unserer Demonstration muß die alberne Soldatenfpicerei des Stahlhelms " erdrüden. Am Willen der Arbeiterklaffe, an ihrer geeinten Macht und an ihrer großen Zahl muß sich die Bedeutungslosigkeit der faschistischen Stahlhelm- Reaktion zeigen.

Tretet

Arbeiter, Angestellte, Beamte! Mann für Mann an. Bergeßt allen Bruderzwist! Frauen! Zeigt auch Ihr Euren Willen, mitzu fämpfen!

Jugendliche! Gedenkt der Schicksalsverbundenheit mit den erwachsenen Sameraden. Geht mit ihnen geschlossen Schulter an Schulter.

So gruppiert sich das unüberwindliche Heer der Arbeiter tlasse! Beseelt vom Kampfgeift droht es allen Feinden: Wir gehen vorwärts! Genug Eures Treibens!

Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund . Allgemeiner freier Angestelltenbund.

Ortsausschuß Berlin .

Ortstartell Berlin .

Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. Ortsausschuß Berlin .

Die Krisenfürsorge wird abgebaut!

Zehn Prozent der Krisenunterstützten dürfen hungern.

Die Methode der Mitteilung ist der brutal- reaktionären Maßregel würdig!

Amtlich wird mitgeteilt: In einem Teil der Presse wird die Be-| Tatsache verschwinden zu laffen, das man zehn Prozent fürchtung ausgesprochen, die Reichsregierung plane einen allgemeinen der Krisenunterstüßten aus der Krisenfürsorge hin­überstürzten Abbau der Krisenfürsorge für Er- ausmirft werb lose. Diese Befürchtung ist, wie von zuständiger Seite mit­geteilt wird, grundlos. Die Vorlage, die der Reichsarbeits-| minister auf Grund der in dem Gefehe über eine Krisenfürsorge enthaltenen Ermächtigung dem Reichsrat unterbreitet hat, sieht ledig­lich vor, daß von der Krisenfürsorge

fünftig bestimmte Berufe ausgenommen fein follen, in denen sich der Arbeitsmarkt günstig entwickelt hat, nämlich die Land- und Forstwirtschaft, die Gärtnerei, das Baugewerbe, das Spinnstoffgewerbe, das Berviel­fältigungsgewerbe und die Hausgehilfen.

Ferner follen von der Krisenfürforge diejenigen Arbeits­nachweisbezirte ausgenommen werden, in denen die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge und in der Krisenfürsorge zufammen feit wenigftens zwei Wochen v. H. der Eiwohner nicht mehr erreicht. Nach den statistischen Feststellungen beträgt die Zahl der Angehörigen der genannten Be­rufe, die aus der Krisenfürsorge ausscheiden müßte, nur etwa 8 v. 5. der gesamten arisenunterstühlen. In den Arbeitsnachweisbezirken, in denen wegen geringer Erwerbs­losigkeit die Krisenfürsorge einzustellen wäre, befinden sich zurzeit etwa 3.3 Bros. fämtlicher rifenunterstühlen. Bei diesen beiden Zahlen ist jedoch zu berücksichtigen, daß es fich ledig lich um diefelben Perfonen handelt.

Demnach wird die Zahl derjenigen Personen, für die die Arisenfürsorge eingestellt wird, nur einen geringen Bruchteil der Fürsorgeberechtigten ausmachen. Die Krisenfürsorge wird dadurch lediglich den veränderten Verhältnissen auf dem Ur­beitsmarkt angepaßt.

Das böse Gewissen der Regierung des Bürgerblocks läßt die Mitteilung des Abbaus der Krisenfürsorge in die Form eines Dementis fleiden.

Man versichert: es ist nicht wahr, daß wir die Krisenfür forge abbauen wollen, um hinter diesem kühnen Dementi die

Die aus der Krisenfürsorge Hinausgeworfenen fönnen hungern gehen oder fallen der Armenunterstügung anheim. Das ist die Maifeier des Bürgerblods! Es hängt Gewicht sich an Gewicht. Der Bürgerblod schreitet in seiner reaktionären Politik gegen die Arbeiter­fchaft konsequent vorwärts. Die Maidemonstration muß ein gewaltiger Protest, ein Schrei des Kampfwillens gegen die foziale Reaktion und ihre Regierung werden!

Maifeier in Ungarn verboten. Nur in den Gewerkschaftslokalen erlaubt. Budapest , 29. April. ( WTB.) Der Oberstadthauptmann( Polizei präsident) hat im Tagesbefehl der Polizei mitgeteilt, daß nach einer Verordnung am 1. Mai teinerlei Versammlungen

und Aufzüge gestattet werden. Die Arbeiterschaft kann sich in den Gewerkschaftslokalen zu Feiern einfinden, dagegen nicht unter freiem Himmel Um etwaigen Ansammlungen wirffam begegnen zu können, wird die Polizei am 1. Mai entsprechende Sicherheits­

maßnahmen treffen.

Dammsprengung am Mississippi .

Eine Notmaßnahme.

New Orleans , 29. April. ( WTB.) Die Sprengung des Miffiffippidammes in Poydras, 24 kilometer füdlich von New Orleans , erfolgte heute nachmittag. Durch die Explosion wurde. Schlamm 30 meter hoch geschleudert, das befreite Waffer braufte gewaltig. Ein Telegramm aus Didsburg meldet die Sprengung der Dämme an zwei Steffen, bei Brunswid und bei Bollingfort.( Frühere Nachrichten im lokalen Teil.)

Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3

Boftichedtonto: Berlin 37 536

Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Wallstr. 65: Diskonto- Gesellschaft. Depofitentaffe Lindenstr. 3,

Anschlag auf die Bauwirtschaft.

Privatinteressenten sabotieren den Wohnungsbau. Spekulation auf Wuchergewinne.

Bon Arthur Saternus.

Dem Wohnungsbau in Deutschland droht von den Preistreibereien der Interessenten schwerste Gefahr. Ange­wiesen auf die Hilfe der öffentlichen Hand, ist eine Wohnungs­bautätigkeit nicht durchzuführen, wenn der vom gemeinwirt­schaftlichen Arbeitgeber gewollte 3 weck der Unterstützung, die Bereitstellung billigen Wohnraums, durch Ueber preisforderungen der Baustofflieferanten zu nichte gemacht wird. In Berlin ist es barüber, wie unsere Leser missen, zwischen der Baustoffindustrie und den Vertretern der Stadt zu einem Konflikt gefommen, der vor aller Deffentlich­feit ausgetragen wird. Fabrikanten und Magistrat haben ihre Beweisgründe dargelegt. Die Sozialdemokratie hat in diesem Kampf mit einem Antrag eingegriffen, der die Bereitstellung von Mitteln zur Durchführung wirksamer Gegenmaßnahmen gegen den Bucher mit Baustoffen verlangt und dazu eine Dringlichkeitsvorlage vom Magistrat fordert. Die Rechts­Parteien, die im Reiche so tatkräftig für die Beschneidung des tommunalen Haushalts eingetreten sind, sahen darin eine Ge­fahr für den Unternehmerprofit und erreichten durch ihren Einspruch die Verzögerung der Behandlung dieser für das Boltsgange so wichtigen Angelegenheit. Dagegen wurde auf faft einstimmigem Beschluß des Stadtparlaments eine gemischte Deputation zur Beratung der Baustoffpreise eingesetzt.

Während noch Hundertausende seit Jahr und Tag auf ausreichende Wohngelegenheit warten, gehen durch diese Aus­einandersetzung Monate über Monate der Bautätigkeit verloren. Nicht als ob man deshalb den Wohnungsneubau ganz eingestellt hätte. Die bereits beschlossenen Aufträge werden ausgeführt. Aber die Durchführung des großen Bau­programms, das in nächster Zeit die Schaffung von 25 000 Wohnungen in Groß- Berlin vorsieht, muß früher oder später ins Stoden oder gar zum Stillstand kommen, wenn die Stadt nicht Millionenbeträge als nachweisliche Ueber profite menigen Interessenten schenken mill aus Mit­feln, die als notfonds zur Bekämpfung eines fozialen Notstandes gedacht und bestimmt find. Die Vorgänge, die sich in den letzten Monaten in Berlin abspielen, reichen in ihrer Bedeutung weit über die Grenzen der Reichshauptstadt hinaus. Nicht nur in und um Berlin gibt es Unternehmer, die sich nicht scheuen, getreu den Kriegspraktiken, aus der Bekämpfung öffentlichen Notstandes Sonderprofite für sich zu beanspruchen.

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Als die Stadt Berlin an die Aufstellung des Wohnungs­programms für 1927 heranging und dabei auf das große ame­ritanische Projekt zur Bebauung des Südgeländes mit rund 15 000 Wohnungen in Betracht zog, stand fie vor folgender Situation: Die Ziegeleien waren leergetauft. Die alten Bestände an Hintermauerungssteinen waren bereits in die Hände der Bauunternehmer übergegangen. Für Liefe­rungen aus der Produktion des laufenden Jahres wurden Preise gefordert, die mit 37 bis 38 Marf um 12 bis 13 Mark je Tausend höher waren als die des Vorjahres. Gine er­hebliche Berteuerung hatte das sei hier nur nebenbei er= wähnt- auch das Bauholz erfahren. Sonst aber war der Baustoffmartt nur wenig verändert. Diese lettere Tatsache zeigte aber bereits mit aller Deutlichkeit, daß für die Preis­steigerung nicht etwa höhere Erzeugungskosten die Ursache sein fonnten. Die Ziegeleien, deren Produktion durch Lohner­höhungen höchstens um 2 bis 3 Pro3. gestiegen sein konnten, mußten andere Grünbe dafür haben, wenn sie ihre Preise mit der größten Seelenruhe um rund die Hälfte herauffeßten. Mit dieser allgemeinen Fest­stellung gab man sich jedoch nicht zufrieden. Die Stadt Berlin befizt in Granfee eine eigene Ziegelei, die technisch und be­triebswirtschaftlich auf durchschnittlicher Höhe steht, also feines­falls mit niedrigsten Kosten arbeitet. Eine Nachprüfung bei diesem Werk zeitigte nun das interessante Ergebnis, daß mit 24 Mart die Produktionskosten von 1000 Hintermauerungs­steinen voll gedeckt waren, daß diese also bei gutem Ge­winn mit 28 Mart geliefert werden konnten. Stellt man demgegenüber die Forderung der Ziegeleibesitzer auf rund 38 Mart, so bedeutet das, daß der gange Berliner Wohnungs­bau allein durch die künstliche Berbeuerung der Ziegeln mit rund fünf Millionen Marf vorbelastet wird. Diese fünf Millionen Mart find Mehrausgaben auf Rosten der Allge­meinheit. Sie vermindern die zum Wohnungsneubau oder zur Mietenverbilligung verfügbaren Steuergelder. Sie find Berteuerung des Holzes, so ist bereits jetzt der öffent­lichen Finanzen, sinnloser Bucher vom Standpunkt der Biegeleibefizer aus.

Nur nebenher sei bemerkt, daß diefe fünf Millionen nicht einmal reichen, um das Gesamtmaß der städtischen Mehraus­gaben und der Ueberprofite zu erschöpfen. Rechnet man nämlich zum Wohnungsbau die übrige öffentliche Bautätigkeit hinzu, berechnet man ferner die Mehraufwendungen durch Bertreuerung des Holzes, so ist bereits jegt der öffent