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geführt. 1923 wurde die Bettragspflicht der Unternehmer und Ar-| Kontrolle zu tommen. Als eines dieser Mittel erschien uns not beiter angeordnet, und der Restbetrag, der für Unterstügung notwendig die Offenlegung der Steuerlisten. Diese wendig wäre, aus Reichsmitteln angefordert. Schließlich ist 1927 Kontrolle wird von allen bürgerlichen Parteien bekämpft und mit das Gesetz über die Arbeitslosenfürsorge dem Reichstag hoher Entrüstung wandte man sich gegen die eingeführte Buch­unterbreitet, dessen Verabschiedung noch bevorsteht. prüfung, deren Nugen sich ergibt aus den hohen Beträgen, die nach­träglich der Steuerkaffe zufließen. Der Steuerbetrug findet bei den bürgerlichen Parteien eine liebevolle Nachsicht.

In diesem Zeitraum ist es der Sozialdemokratischen Partei ge­lungen, die Unterstützungsfähe nicht unerheblich zu erhöhen und die Dauer der Unterstützung von anfänglich 13 Wochen auf 52 Wochen zu steigern.

Es gelang uns ferner, in dem Krisenfürsorgegejez auch über diese Zeit hinaus den durch die Arbeitslosigkeit schwer Ge schädigten einen Anspruch auf weitere Unterstügung zu sichern. Be­merkenswert ist, daß bei diesem sehr wichtigen sozialpolitischen Gesetz die Kommunisten mit den Deutschnationalen und Völkischen gemeinsam dagegen stimmten.

Im langen zähen Kampfe ist das Arbeitszeitnotgesetz gegen den Widerspruch der Gewerkschaften und der Partei im Reichstag verab­schiedet. Das Gesetz entfernt sich weit von dem, was übereinstimmend alle Gewerkschaftsorganisationen gefordert haben. Es gewährt Aus­nahmen, von dem nur noch ganz nebenher betonten achtstündigen Arbeitstag in solchem Umfang, daß bei einer ungünstigen Auslegung durch die Verwaltungsbehörde der Zehnstundentag zur Norm wer­den fann, und selbst ein 3wölfftundentag nicht aus­geschlossen ist. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich eifrig bemüht, dieses überaus reaktionäre Gesez, das in seiner ganzen Ten­denz gegen die Arbeiterintereffen gerichtet ist, zu verbessern und die Wirkung abzuschwächen. Das ist nicht gelungen gegenüber der geschloffenen Front des Regierungsblods. Die praf tische Wirkung dieses Gesetzes wird sehr davon abhängig sein, unter melchem Einfluß die Verwaltungsbehörde bas Gesez handhabt

Zu den politischen Aktionen, die der Bürgerblock gegen die Interessen der Arbeiterklasse zur Ausführung brachte, gehört auch

die Rückkehr zu dem alten System der Schutzzollpolitit. Start beeinflußt von der agrarischen Strömung, die Preise für landwirtschaftliche Produkte hinaufzutreiben. In der Auseinander­setzung über die sogenannte Pleine 3ollvorlage 1925 ge= lang es uns nur, bis zum 31. Juli 1926 den autonomen 3olltarif für Getreide, Futtergerste und Mais herabzusehen, und ein be­stimmtes Kontingent Gefrierfleisch zollfrei einzuführen. Nach Ablauf diefer Frist find dann diese Zollsäge wieder erhöht, wenn auch nicht vollständig bis zu der Grenze des autonomen Zolltarifs. Die Wir tung dieses neuen Zolltarifs, bei dem auch eine Reihe von Industrie­erzeugniffen eine nicht unerhebliche Herauffehung erfuhren, war die, daß im steigendem Maße die Einnahmen aus den Zöllen erhöht wurden, und damit die Belastung des Konsums der minderbemittelten Bolfsschichten am schwersten zur Auswirkung fam.

Gegenwärlig stehen wir unter einem neuen Ansturm der Agrarier, ihr Ziel ist, unter der Führung des Ministers Schiele den Getreidezoll auf fechs Mart, den Zuderzoll von 10 auf 15 Mart zu erhöhen, die Zollfreiheit für Gefrierfleisch aufzu­heben und anschliefend hieran für Fleisch, Bieh, Milch und Fett eine abermalige Erhöhung der Zollsätze durchzusetzen.

In dem abgeschlossenen Zeitraum der Berichterstattung sind eine große Anzahl von Handelsverträgen zur Verabschiedung getommen. Die Handelsverträge befriedigen mit wenigen Aus nahmen feineswegs. Ihre Schwäche besteht vor allem darin, daß sie nur furzfristig laufen und damit schon andauernd eine Unsicherheit in den auswärtigen Handel hineintragen. Für zwei Bertragsstaaten, Bolen und Frankreich , fehlt der Abschluß, obwohl wir gerade hier wünschen müßten, daß recht bald eine Berständigung herbeigeführt wird. Der kurzfristige vorläufige Abschluß mit Frant reich nötigte die sozialdemokratische Frattion zu einem ablehnen den Botum. Zunächst weil in diesem Vertrag der Mehlzoll erhöht wurde, eine Maßnahme die jeder Begründung entbehrt, und zum andern mußte der Regierung anhegelegt werden, doch nun endlich zu einem etwas dauernden Ergebnis ihrer Berhandlung mit der französischen Regierung zu fommen,

Die Steuerpolifit und die Steuerreform hat im Reichstag zur langen Debatten und grundsäglichen Auseinandersetzungen gegen fiber den bürgerlichen Parteien geführt.

Grundsäglich hält die sozialdemokratische Fraktion an der Auf­rechterhaltung der zentralen Verwaltung jowohl in der Ber­

anlagung wie in der Kontrolle des Steueraufkommens. Desgleichen scheint es uns notwendig die Steuerhoheit des Reiches nicht anzutaften. Unsere Bestrebungen gingen darauf hinaus, unter tritischer Betrachtung der lagen Handhabung bei der Einschäzung der höheren Einkommen und der Bermögen zu einer schärferen

Unamuno: Ein ganzer Mann".

Neues Theater am 300.

Der Spanier Miguel Unamuno wird von dem Diktator de Rivera und dem jubilierenben König Alfons verfolgt. Außerhalb feines Landes muß er schreiben und dichten und jener Demokratie dienen, die in der Pyrenäen - Monarchie heute so unbeliebt ist. Bei den Freunden des Fortschritts und der Bernunft gilt der Philosophie­Brofessor und Bolemiker als ein Märtyrer. Wir nehmen ihn ans Herz und reihen ihn von vornherein in die fleine Gemeinschaft der großen Männer, die groß sind, weil ihr Leiden groß ist. Das Drama Unamunos, das in deutscher Sprache aufgeführt wird, bereichert die Kenntnis über den wertvollen Mann nicht. Unamuno ist ein Sohn jeines Landes, das in Dingen des Theaters eine primitive Symbolit und Psychologie noch von ganzem Herzen liebt und es sich gerührt mit ansteht, wenn eine unglückliche Frau mitten auf der erleuchteten Bühne und in den Armen ihres vor Schmerz brüllenden Gatten hinstirbt. Dieser Gatte soll nach dem Sinn, den Unamuno in sein Drama legt, ein ganzer Mann sein.

Es ist ein spanischer Selfmademan auf jeden Fall, der fich dom megitanischen Efeltreiber zum madrilenischen Millionär emporarbeitete. Allerdings sagte man ihm deshalb nach, daß er seine erste geldgefegnete Gattin umgebracht hat. Dieser Herr Alexander rettet mit seinem Vermögen den Bater jener unglüdseligen Frau, die hernach für ihn hinstirbt, vor dem infamierenden Gefängnis. Natürlich kann Julia das Gefühl nicht ilberwinden, daß sie von dem Millionär Alegander nur gekauft wurde. Und Alexander entdeckt erst, da ihm Julia entschwunden ist, wie heftig er sie liebte. Dann allerdings fann er nur mit dem die Kehle durchschneidenden Rasiermesser bezeugen, wie gewaltig ihn die Liebe zu Julia ergriffen hatte. All diese Empfindungen und Regungen, Worte, Sentenzen und Aphorismen gleiten auf der schmalen Grenze des Protestes, wo bann Gelächter in dem Augenblick droht, da Tränen gefordert werden. Das Drama Unamunos ruht eben auf sozialen Boraussetzungen, die uns nicht ganz einleuchten. Es ist, soweit die Berbeutschung und Bearbeitung den Eindruck gestattet, ein überlebtes Theaterstück. Mr. H.

Was man mit einem Ozeanflug verdienen kann. Der erfolgreiche Flug Lindbergs über den Dzean hat ihm nicht nur den Preis von 25 000 Dollar gebracht, der als Belohnung dafür ausgelegt war, sondern noch einen recht beträchtlichen Millionen Dollar- Segen, da die Begeisterung des amerikanischen Bolles pon geschäftstüchtigen Leuten ausgenugt werden soll. Schnell berühmt und schnell vergessen, das ist der Wahlspruch Ameritas und nach diesem Spruch müssen sich die Geschäftsleute richten. 3wei der be­deutendsten amerikanischen Filmgesellschaften, der Metro- Goldwyn Film und der ebenso bedeutende Paramount - Film, haben dem fühnen Ozeanflieger gewaltige Bermögen angeboten, wenn er in einem Film mitwirken will, in dem der Flug Amerifa- Europa

haben die bürgerlichen Parteien die Frage des Mieterschuhes bee handelt.

Es braucht kaum befont zu werden, daß die sozialdemokratijche Fraffion fich rüdhalflos für den weitestgehenden Mieterschutz ausgesprochen hat.

In bezug auf die Hauszinssteuer vertrat die Fraktion den Die sozialdemokratische Fraktion hat sich auch ablehnend Standpuntt, daß das gesamte Auffommen für den Wohnungsbau verhalten zu den Vorschlägen, die den Gemeinden wieder ein 3 u verwendet werden sollte. Sie drang mit diesem Antrag nicht durch schlagsrecht zu den veranlagten Einfommensteuerbeträgen ge= und auch nicht mit dem Eventualantrag, nur bis zu 20 Proz. der währen wollte, denn es schien uns die Gefahr zu bestehen, daß Hauszinssteuer für den Finanzbedarf der Länder zu verwenden. dann auch die steuerfreien Einkommen von der Gemeinde Bon der Wirtschaftspartei liegt jetzt der Antrag vor, das Gesetz über zu einem Zuschlag benutzt würden und damit die alten Ungerechtigden Mieterschutz und das Reichsmietengesetz sowie auch das feiten des ehemaligen Steuersystems wieder aufleben. Unferen Wohnungsmangelgesetz am 1. Juli 1927 außer Kraft zu freie Grenze nach und nach von 60 auf 100 m. monatlich zu erhöhen, aufgehoben. Diese Stellungnahme der Wirtschaftspartei fennzeichnet Bemühungen ist es gelungen, bei der Einkommensteuer die steuer- sehen. Damit würden die Wohnungsämter, Mieteinigungsämter und weiter für finderreiche Familien eine über das ehemalige Maß flar ihre Absicht. Es würde bei einer Aufhebung dieser Gesetze nicht hinausgehende Vergünstigung zu schaffen. nur die Arbeiterklasse, sondern auch alle Mittelstandskreise, deren Interessen diese Partei angeblich vertreten will, schwer geschädigt werden.

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Das Kapitel des Finanzausgleichs wird noch gut in aller Er innerung sein. Hier spielten start die politischen Einflüffe der Bayerischen Wolfspartei bei der Gestaltung des Ge­feges mit. Der Abschluß führte dazu, daß die leberweisungen zu gunsten der süddeutschen Staaten erhöht wurden, besonders bei der Biersteuer ein erheblicher Betrag 38 Millionen über das vorauf­gegangene Maß hinaus den süddeutschen Staaten gewährt wurde, so daß infolge diejer einseitigen Begünstigung ein starker Gegensatz zu den preußischen Intereffen sich herausbildete, der sowohl im Reichstag wie im Preußischen Landtag ein Nachspiel hatte. In­folge diefes Steuerausgleichsgejeges fam der Etat sehr start in Unordnung, und es fonnte nur ein Ausgleich herbeigeführt werden, indem ein Ueberschuß von 200 Millionen vom Jahre vorher und der Rest des vorhandenen Betriebsfonds von 190 millionen Mart in Einnahme gestellt wurde. Außerdem nahm der Bürger­block bei den sozialpolitischen Anforderungen, die bereits im Haus haltsausschuß genehmigt waren, eine nicht unwesentliche Kürzung vor. Auf dem Gebiet der Sozialversicherung haben wir einige nicht unbeachtliche Besserungen zu fonstatieren. In der Invalidenversiche rung gelang es uns, die Witwenrente, die bisher nur gewährt wurde, wenn die Witwe nach ärztlichem Ermessen nicht mehr amei Drittel ihrer Erwerbsfähigteit besaß, doch in dem Fall zu sichern, menn die Witwe das 65. Lebensjahr erreicht hat, natürlich unter Aufrechterhaltung eines früheren Bezugs der Rente unter ben er­wähnten Voraussetzungen.

Wir sind langfam in der Erhöhung der Renten wieder auf das Niveau der Rentengewährung vor dem Kriege gekommen und

werden darüber hinausgehen in den nächsten Jahren. Erfreulicherweise ist auch eine engere Verbindung mit der Un­gestelltenversicherung herbeigeführt, so daß die erworbenen Ansprüche aus der Invalidenversicherung bei Gewährung einer Rente, die aus der Angestelltenversicherung fließt, mit in Anrechnung tommt. In den Anträgen, die dem Parteitag unterbreitet sind, wird vielfach eine Herabsehung der Altersgrenze von 65 auf 60 Jahre für die Alters: rente gefordert. Ich bitte, diese Anträge der Fraktion zur Erwägung Standpunkt, daß wir sorgen müssen, daß die Invalidenrenten erhöht zu überweisen, grundsäglich stellt sich zunächst die Fraktion auf den werden und daß wir je nach der Gestaltung auch der Finanzlage der Bersicherungsträger dann zu der Forderung übergehen, das Alter für den Bezug der Rente herabzusetzen.

Einen verhältnismäßig guten Abschluß fönnen wir in der Gestaltung des Arbeitsgerichtsgesetzes fonstatieren. Es ist ein nicht unerheblicher Fortschritt in der Ausdehnung der Zuständigkeit dieser Gerichte herbeigeführt, und zwar insofern, als zu den bisherigen Arbeitergruppen die Landarbeiter, Eisenbahner und Bureau­angestellten hinzukommen. Dazu tommt eine mehr einheitliche Ge­ftaltung dieser Gerichte, die der bisherigen Zersplitterung ein Ende bereiten.

Wiederholt haben wir im Reichstag bei Erörterung des großen Umfangs der Arbeitslosigkeit auf die besondere Notlage der An­gestellten hingewiesen. Helteren Angestellten ist es fast zur Un­möglichkeit geworden, wieder eine neue Anstellung zu erlangen, und bei der großen Umwälzung, die sich vollzog, sind gerade diese Kreise der Angestellten sehr start aus dem Angestelltenverhältnis hinaus zu gewähren gegen unmittelbare Entlassung durch eine Verlängerung gedrängt. Es wurde unsererseits versucht, wenigstens eine Sicherung der Kündigungsfristen. Der Reichstag hat dann auch den Beschluß gefaßt, daß abgestuft nach den Dienstjahren die Kündigungsfrist bis zu 6 Monaten laufen muß.

Immer vom Standpunkt der Hausbesigerinteressen ausgehend,

eine Rolle spielt. Man erzählt sich, daß Direktor Louis Mayer von der Metro- Goldwyn- Film- Co., ihn die Kleinigkeit von 300 000 Dollar geboten haben soll, während der Paramount - Film es ihm anheimgestellt hat, die Summe zu bestimmen, selbst wenn sie 500 000 Dollar betragen sollte. Man fann diese Summen phantastisch hoch finden, aber sicherlich wissen die geschäftstüchtigen Leiter der beiden großen Filmgesellschaften, daß sie die Mitwirfung Lindberghs nicht zu hoch bezahlen, denn ein derartiger Film ist von vornherein des größten Erfolges in der ganzen Welt sicher und bedeutet ein Geschäft von mehreren Millionen Dollar Reingewinn. Mit diesen ungeheurent von mehreren Millionen Dollar Reingewinn. Mit diesen ungeheuren Aufwendungen fann fein anderes Geschäft mit, da es nicht die großen Einnahmemöglichkeiten hat. Trogdem aber hat das Mufit Bor- Barieté Lindbergh für jedes Auftreten während weniger Minuten 1000 Dollar geboten, und das Rory- Theater fogar 5000 Dollar pro Abend. Ein großer amerikanischer Berlag will ihm für eine Beschreibung seiner Fahrt 50 000 Dollar zahlen und ein englischer Unternehmer für jeden Bortrag, den er in England über seine Reise hält, 100 000 Dollar. Ein wahrer Millionensegen foll fich also über den glücklichen Flieger ergießen, wenn er es versteht, das Glück beim Schopfe zu faffen.

hat.

Erstaunlich ist es, was Lindbergh bisher schon geschenkt erhalten Begeisterte Amerifaner haben es sich angelegen sein laffen, ihin telegraphisch die größten Rostbarkeiten, wie prächtige Billen, Automobile, Schmudgegenstände und Beteiligung an Attiengesell. schaften als Geschenk zu übermitteln. Dabei darf man nicht vergessen, dah Lindbergh heut der Schwarm der jungen Mädchen ist, und daß sich die Zahl der Liebesbriefe und der Heiratsanträge in dem Haufe der amerikanischen Botschaft zu Paris zu Bergen türmen.

Der Vater der deutschen Bühne. Der Leipziger Professor Johann Christoph Gottscheb, dessen Namen in der deutschen Theatergeschichte als Bortämpfer des modernen Theaters unvergessen bleiben wird, hat Karl Theophil Döbbelin entbedt und zum Theaterbirettor ge­macht. Döbbelin, ein Mitglied der Truppe der berühmten Neu­mit dem Gelde eine Studienreise durch Europa machen. Gottsched berin", war in den Besiz mehrerer tausend Taler gelangt und wollte aber, den fanatischer Haß gegen das damalige Harlekintheater er­füllte, verstand es, dem jungen Schauspieler zu beweisen, daß es seine Pflicht fei, mit dem Gelde eine Schauspielertruppe anzuwerben, um Driginaltragödien" aufzuführen. So wurde Karl Theophil Döbbe­ lin im Jahre 1756 Führer einer Truppe. Nach 12 Jahren 21. März 1768 gelang es ihm, in Berlin festen Fuß zu faffen. Die Zeitungen hatten wiederholt darauf aufmertfam gemacht, daß an diesem Abend die Döbbelinsche Truppe im Schuchschen Theater in der Behrenstraße ein Stüd erstmalig aufführte, zu dem man bie- für damalige Begriffe unglaublich lange Brobezeit von vier Wochen benötigt habe. Das Stück hieß: Minna von Barnhelm " oder Die Soldatenbraut" und stammte von G. E. Lessing .

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Die Aufführung war ein voller Erfolg bei Döbbelin , der bei den Wiederholungen glänzend besuchte Häufer erzielte. Gleichwohl ver­möchte der Herr Brinzipal nicht, sich Lessings Liebe zu erwerben, da diefer sah, daß der künstlerische Blebejer" wie Leffing Dobbelin nur folche Stücke aufführte, die für die Stadt eine Gen. sation bedeuteten. Und Döbbelin war tatsächlich ein Geschäftsmacher, dem es vor allem darauf anfam, die Konjunktur zu nutzen. Lessing

nannte

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Unsere Stellungnahme zu wichtigen kulturpolitischen Aufgaben ergab sich bei der Behandlung des Schund- und Schmuz­gejeges. Es ist feine Ruhmestat des demokratischen Ministers küla, die er im Ministerium Marg vollbrachte. Wir verfennen nicht, daß in der Literatur Minderwertiges in reichem Maße in die Erscheinung tritt. Bir haben gegen die Bekämpfung einer seichten, nicht selten auf niedere Leidenschaften spekulierenden Darstellung nichts einzuwenden und halten einen Schutz der Jugend gegen diese weniger literarisch als geschäftlich nubringenden Erzeugnisse für wohl angebracht. Aber hier muß Erziehung den Sinn für das Schöne und Erhabene wecken, mit der Fürsorge des politischen 3enjors würden wir nichts erreichen.

In einigen Anträgen an den Barteitag wird von den Genossen gefordert, daß wir gegen den Wehretat ftimmen. Da wir bei der Gesamtabstimmung über den Etat in diesem Jahre den Etat ab­lehnten, wäre die Frage nicht aktuell. Betonen will ich, daß eine besondere Abstimmung über den Wehretat nicht stattfindet, daß wir aber unser Mißtrauen gegenüber dem Reichswehrminister Geßler deutlich zum Ausdruck gebracht haben. Ausdrücklich will ich be tonen: Es wird sich ganz nach der politischen Konstellation richten, ob wir den Etat ablehnen oder annehmen, ebensomenig fönnen wir jede Position des Wehretats ablehnen, denn in unserem Programm wird ausdrücklich gefordert, daß die Reichswehr als Stüße des repu­blikanischen Staatswesens ausgebildet werden soll.

Der Redner geht dann im einzelnen auf unsere Forderungen zur Reform des heutigen Militarismus ein und begründet die Stellungnahme, die im Reichstag zum Ausdruck gekommen ist.

Kurz vor der jetzt erfolgten Bertagung des Reichstages ist noch die Berlängerung des Schutzgesetzes für die Republik zur Ber­abschiedung gekommen. Die Erledigung dieser Frage gestaltete sich zu einer Kraftprobe für den Bürgerblod, denn ohne die Zustimmung der Deutschnationalen war die Verlängerung nicht zu erreichen. Die Deutschnationalen haben die Unterordnung einem Davonlaufen den Vorzug gegeben.

Treu ihrer politischen Einstellung hielten sie die Teilnahme am Ministerium feft unter Preisgabe ihrer monarchijchen Einstellung.

Das Widerspruchsvolle ihrer Haltung fand im Reichstage gerade von unserer Seite eine scharfe Kritif, aber es zeigt uns zugleich, daß es den Deutschnationalen wertvoller erscheint, in der Regierung zu bleiben, als im Reichstag in der Opposition mit ihrer deutschnatio= nalen Phraseologie zu hantieren. Aber was sie im Reichstag auf geben müssen, holen sie unbefümmert um diese Borgänge im Parla ment reichlich außen in ihrer Agitation nach.

So schließt mein Bericht über die parlamentarische Tätigkeit mit der Versicherung, daß auch bei den kommenden politischen Kämpfen gegen den Bürgerblod mit der gleichen Entschieden­heit wie bisher die Fraktion die Intereffen der minderbemittelten Boltsschichten wahrnehmen wird.

Es wird unfere Aufgabe sein, jeden Versuch, an dem festen Gefüge der republikanischen Staatsform zu rütteln, mit aller Ent­schiedenheit zurückzuweisen, das wirtschaftliche Aufkommen zu unter­flaffe aufzubürden, auf fozialpolitischem und kulturellem Gebiet wollen ftügen unter Ablehnung der Bestrebung, die Laften der Arbeiter­wir dem Fortschritt dienen und international in alter Treue der Sache des Friedens und der Versöhnung der Bölfer unsere Kräfte widmen. Wenn wir fo einig und gefchloffen den Kampf führen, dann können wir hoffnungsvoll in die Zukunft blicken!

schrieb an seinen Bruder: ,, Döbbelin ist ein Narr, das habe ich immer geglaubt. Wenn das deutsche Theater durch ihn hochkommen soll, so helfe ihm Gott ." so helfe ihm Gott ." Und dennoch! Das deutsche Theater ist durch Döbbelin manchen Schritt weitergekommen.

Als Friedrich Wilhelm II. , der sich gern als Theatermacen an­sprechen ließ, zur Herrschaft gekommen war, wandte sich Döbbelin an ihn mit der Bitte um Unterftügung. Die Bitte hatte Erfolg. Fried­ rich Wilhelm II. machte Döbbelin zum Direktor des Schauspielhauses ami Gendarmenmarkt und zahlte 12 000 Zaler jährliche Subvention. Bis zum Jahre 1788 führte Döbbelin die Geschäfte des föniglichen Nationaltheaters", die er dann an eine durch fönigliche Verfügung eingefegte Generaldirektion abtreten mußte. 2m 10. Dezember 1793 starb Theophil Döbbelin , der Bater der deutschen Bühne", in Berlin . R. M.

E. 2. Doe hat den Ozeanflug vorausgefagt. Dzeanflüge find nicht erst seit Edener und Lindbergh modern. So unwahrscheinlich es flingt, es ist doch Tatsache, daß man schon im Jahre 1838 in der New York Sun" bie fenfationelle Nachricht lejen fonnte, daß der lentbare Luftballon Bictoria 75 Stunden nach seinem Aufstieg in England auf der Insel Sullivan gelandet fei. Die Zeitung wußte fogar piele Einzelheiten über den Ballon, die Paffagiere, das Reise­wetter und sonstige Abenteuer bei dem Ozeanflug zu berichten; niemand zweifelte an der Wahrheit der Erzählung, die damals in den Bereinigten Staaten große Begeisterung erweckte. Aber am Morgen nach der Beröffentlichung erfuhr man, daß der wunderbare Deanflug mir im Gehirn von Edgar Allen Poe stattgefunden hatte. Alle Zeitungen waren einer ungeheuren Mystifikation zum Opfer gefallen. Für den Dichter hatte die Falschmeldung immerhin die erfreuliche Wirkung, daß sein Name mit einem Schlag in ganz Amerita bekannt wurde. Boe hat durch diesen frei erfundenen Ozeanflug bewiesen, daß er einen sicheren Instinkt für die Probleme der Zukunft besaß, und er fann als eine Art dichterischer Prophet gelten, der das lenfbare Luftschiff und die Ueberfliegeing des Atlantischen Ozeans vorausgefagt hat.

Die Arbeilsschule in Sowjefrußland. Im Zentralinstitut für Erziehung schen Gesellschaft zum Studium Dfteuropas eine vom Volksbildungskom­und Unterricht in der Potsdamer Straße wurde Dienstag bon der Deut miffariat und ber Gesellschaft für fulturelle Berbindung der Sowjetunion mit dem Auslande in Mostau zur Verfügung gestellte Ausstellung Die Arbeitsschule in Sowjetrußland" feierlich eröffnet. Sie ist bis 10. Juni bet freiem Eintritt geöffnet.

Die Frühjahrsausstellung der Akademie der Künfte am Barifer Blak muß Sonntag, nachmittags 6 Ubr, geschlossen werden. Am Himmelfahrtstage ist die Ausstellung ben 10-5 Uhr geöffnet.

Schauspieler- Nachtvorstellung im Capitol. Das Deutsche Lichtspiel- Syn­bitat hat für die Wohlfabrislaffen der Bühnengenossenschaft Sonnabend. abends 11, Uhr, eine Aufführung des Films, Die Beber" im Capitol zur Berfügung gestellt. Karten Keithstr. 11 und im Capitol.

Ein Cleberabend des ukrainischen Folfschores findet Freitag 8 Uhr im Bechsteinsaal, Lintstr. 42, statt. Der auf der Welttournee befindliche Bolfschor, der unter Leitung von Prof. Betro Jewfiersti steht und aus 35 Damen und Herren besteht, bringt eine Reihe ufraintscher Volkslieder.

Das Staatliche Kupferstichkabinett eröffnet am 27. eine Ausstellungt Niederländische Landschaftszeichnungen des 16. und 17. Jahrhunderts.