tionspolitik mit den Sozialdemokraten getrieben hat und sie| in Preußen noch immer treibt. Das Agrarierblatt fagt es: Ohne diese lange politische Gemeinschaft des 3en. trums mit der Sozialdemokratie wäre es gewiß auch nicht soweit gefommen, daß bei dem Boltsentscheid über die Fürsten abfindung rund die Hälfte der Zentrumswähler gegen Bartei und Kirche an die Spitze der Sozialdemokraten und Kommunisten trat. Und solange diese politische Gemeinschaft auch nur in Preußen besteht, wird diese Gefahr im Zentrum, und nicht nur in seiner Arbeiterschaft, weiter wirken und weiter wachsen. Denn gerade die sittlichen Grundlagen einer Partei vertragen es am wenigsten, daß sie dauernd mit den ausgesprochensten Gegnern ihrer Weltanschauung in politischem Bündnis bleibt. Eine flügere Taftit der Sozialdemokratie aber, die den Unterschied der Welt anschauung möglichst verschleiert, muß die Gefahr natürlich noch außerordentlich vergrößern.
Der Deutschen Tageszeitung" ist natürlich lieber, wenn die Industriellen und Großagrarier des Zentrums von ihren Klassengenossen bei der Deutschnationalen Partei Scharfmacher lernen, als wenn die Arbeiter des Zentrums von den Sozialdemokraten lernen, wie man am besten Arbeiterintereffen
vertritt.
daß die Sozialdemokratie die proletarischen und halbproleta| den monarchischen Gedanken bei den letzten Wahlen ihre Stimme Die deutsch rischen Elemente aus anderen Parteien mehr und mehr auf dem deutschnationalen Kandidaten gegeben hätten. saugt. Dieser Prozeß ist noch lange nicht abgeschlossen. Er nationalen Minister, die für den berüchtigten§ 23 des Gesetzes gehat zuerst mit elementarer Macht die Industriearbeiterschaft stimmt haben, hätten sich dadurch in eine unwürdige Abhängigkeit begeben. Wie Dr. Marr pfeife, so müßten heute die erfaßt, er hat später die Angestellten und die Beamten ergriffen, und er hat sich zum Schreck des Reichslandbundes deutschnationalen Minister tanzen. Das zeige auch schließlich auch auf das arbeitende Landvolk, Landarbeiter das Dawes Gutachten, Locarno , die Zurückstellung der Kriegsschuld. frage, der Stahlhelmtag und nicht zuletzt der Kaiserparagraph. Die und Bauern, ausgedehnt. Folgen einer derartigen Politit seien bittere Enttäuschung in der Wählerschaft und eine Flucht aus der Partei. Man fönne vorläufig wenigstens in der deutschnationalen Partei bleiben, aber, müsse dort in Zukunft den konservativen Einfluß ernergischer geltend machen.
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Abgeschlossen ist er noch auf keinem dieser Gebiete. wäre er es, dann hätte ja die Sozialdemokratie schon längst im Reichstag die Mehrheit. Aufzuhalten ist er jedoch nach unserer Ueberzeugung auch nicht. Die bürgerlichen Parteien werden sich nach dem Kieler Parteitag erst recht mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß die Sozialdemokratie noch immer eine wachsende Macht ist. Bon ihrer Klugheit und von ihrem Gewissen werden sie sich die Antwort auf die Frage holen müssen, wie sie sich zu dieser wachsenden Nacht stellen wollen.
Sie haben das Recht, die Dinge anders zu sehen als wir. Sie haben aber auch die Pflicht, daran zu denken, daß es in der Politik zuletzt nicht um die Parteien geht, sondern um das Wohl des Boltes und die 3 ukunft der Mensch heit. Auch der Sozialdemokratie geht es nicht nur um Size im Parlament, sondern um Ziele von höchster materieller und
Zum Parteitag.
Die abgelehnte Resolution Aufhäuser. Die vom Parteitag mit 255 gegen 83 Stimmen abgelehnte Resolution Aufhäuser lautet:
,, Die Bildung der Bürgerblockregierung im Reiche offenbart die Berschärfung der Klassengegensäge in der Deutschen Republik. Die bisherigen Bersuche, im Reiche durch Koalitionen mit bürgerlichen Parteien die Interessen der Arbeiterklasse in der Republik zu ver treten, haben zu feinem Erfolg geführt.
Im Ernst konnte das Zentrum niemals darüber im fittlicher Bedeutung für die Allgemeinheit. Im Hinblick auftreten, haben zu feinem Erfolg geführt.
Zweifel sein, daß die Sozialdemokratie auch die katholischen Arbeiter für sich zu gewinnen wünscht. Andere Parteien mögen sich und müssen sich damit begnügen, daß fie zu den parlamentarischen Körperschaften auf die Dauer nur Minderheiten entsenden können, die sich mit anderen Parteien in die Regierungsmacht oder in die Aufgaben der Opposition teilen. Die Sozialdemokratie aber kann, ohne sich selber aufzugeben, nicht auf den Gedanken verzichten, daß sie eines Tages für sich allein die Mehrheit bilden wird. Sie fann also nicht anerkennen, daß es Wählerinnen und Wähler aus dem schaf= fenden Volke gibt, auf deren Gewinnung sie von vornherein verzichten fönnte. Sie ist davon überzeugt, daß ihr nicht nur die Arbeiter wieder zuströmen werden, die vorübergehend der tommunistischen Irreführung unterlegen sind, sondern daß es ihr auch gelingen wird, die gewaltigen Massen arbeitender Menschen, die heute noch den Anhang bürgerlicher Parteien bilden, zu sich herüberzuziehen.
Num mag schon etwas Richtiges daran sein, daß teine bürgerliche Partei mit der Sozialdemokratie ein taktisches Bündnis schließen kann, ohne daß sich dabei zwischen den Arbeitern jenseits und diesseits der Parteigrenzen eine gewisse Gesinnungsgemeinschaft herausbildet. Die Frage ist nur, ob die bürgerlichen Parteien besser für die Erhaltung ihres Anhanges sorgen, wenn sie sich gegen die große deutsche Arbeiterpartei, die Sozialdemokratie, vereinigen und damit aus eigenem Willen zwei Klassenfronten bilden, zwischen denen dann der Mann und die Frau aus dem arbeitenden Bolle zu entscheiden haben. Alle Erfahrung zeigt, daß die Politik der Sammlung gegen die Sozialdemokratie zu schweren Mißerfolgen der Bürgerlichen bei den Wahlen und zu immer größeren Siegen der Sozialdemokratie geführt hat.
Koalition mit der Sozialdemokratie oder Sammlung gegen die Sozialdemokratie? Diese Frage wird im bürgerlichen Lager noch oft aufgeworfen werden, man wird aber dauf fie niemals eine andere Antwort finden als das seufzende Bekenntnis: Wie man's macht, ist's perfehrt!"
In anderen Formen hat dieses Problem für die bürgerlichen Parteien auch schon vor dem Kriege bestanden. Da stritt man darüber, ob die Erfüllung berechtigter Fonderungen" der Sozialdemokratie oder Zusammenschluß gegen den Umsturz" das beste Mittel sei, den Aufstieg der soziali stischen Arbeiterbewegung aufzuhalten. Aber feines von beiden erwies sich als probat. Beide zeigten sich als unbrauchbar, weil es eben in der Natur der Sache liegt,
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Bon Erna Büsing.
diese Ziele werden die Parteien den Weg zu wählen haben, den ihnen der Kieler Parteitag frei gehalten hat.
Nationalsozialisten und Republik .
Der Staatsgerichtshof bestätigt das Verbot des ,, Westdeutschen Beobachters".
Am 26. März wurde die in Köln erscheinende Zeitung West deutscher Beobachter", Kampfblatt der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, auf die Dauer von drei Monaten durch den Oberpräsidenten der Rheinprovinz verboten, weil die Nr. 12 vom 20. März in einem Artikel Demokratische Freiheit" eine grobe Beschimpfung der verfassungsmäßig festgestellten republikanischen Staatsform enthielt. Die Beschimpfung wurde insbesondere in folgendem Satz erblickt:
Bir hassen die Zuhälter des Novemberstaates, aber be dauern die Beamtenschaft, die dazu verurteilt ist, diesen auf Meineid und hochverrat aufgebauten Staat gegen die Interessen des Gesamtvolles vertreten zu müssen." Staatsgerichtshof zum Schuße der Republit eingelegt, über die am Gegen das Verbot hatte das Blatt Beschwerde beim 4. Mai d. I. verhandelt worden ist. Wie der Amtliche Preußische Bressedienst mitteilt, wurde die Beschwerde als unbegründet verworfen. In der Begründung der Entscheidung mal wöchentlich erscheine und deshalb bis auf sechs Monate verwurde ausgeführt, daß die Zeitung Westdeutscher Beobachter" einboten werden könne. Bei der groben Beschimpfung der verfaffungsmäßigen Staatsform mußte die Dauer des Verbots auf drei Monate als angemessen bezeichnet werden; der Staatsgerichtshof hatte zu einer Abkürzung des Verbots keinen Anlaß.
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Flucht aus der deutschnationalen Partei.
Quittung für die Umfallpolitik.
Köln , 28. Mai. ( Eigener Drahtbericht.) Innerhalb der deutsch nationalen Partei des Kölner Bezirks macht sich nunmehr auch die Opposition gegen die Berliner Bartelleitung wegen ihrer Stellungnahme zum Republitschutzgesetz immer stärker bemerkbar. Wie die Rheinische Tageszeitung", das offizielle Parteiorgan der Deutschnationalen, mitteilt, ist in einer besonderen Verfammlung der fonservativ Gesinnten innerhalb der deutschynationalen Partei schwer über die berechtigte Enttäuschung geflagt worden, die die Annahme des Republitschußgefeßes besonders bei den Wählern gefunden hat, die in unerschütterlichem Glauben an
gewachsen ist, ein höchst gefährlicher Bursche. Das ist er ebenfalls in der Freiheit, denn nur ein alter Löwe ist ein Menschenfresser". Er ist nicht mehr schnell genug, um die Gazelle einzuholen, er ist nicht mehr fräftig genug, um ein Hausrind über die Umzäunung Bor einigen Tagen ist in einem Zirfus ein Dompteur von hinwegzuschleppen, folglich geht er in die armseligen Eingeborenen Löwen angefallen und lebensgefährlich verlegt worden. Es ist be dörfer und holt sich einen Menschen, den er womöglich im Schlafe merkenswert, daß die Uebeltäter gerade der Löwengruppe angehören, überrascht. Bei Ueberfällen auf den Dompteur kommt mitunter ein die sich vor zwei Monaten, Zeitungsberichten zur Folge, von einem Tier aus der Gruppe dem Dompteur zu Hilfe. Diese Lebensrettung Storch angeblich hat in die Flucht schlagen lassen. Raubtierbisse, durch den Löwen hat aber einen etwas bitteren Beigeschmack. Sie auch die Schläge mit der Brante sind, selbst wenn feine schweren ist weiter nichts als die erwachte Rauflust des Raubtieres. Verlegungen vorliegen, immer sehr gefährlich, weil sie im weitaus Dressur. Doch muß erst einmal das Publikum für die zahme Dressur Augenblicklich wirbt man in erhöhtem Maße für die zahme größten Falle Blutvergiftungen nach sich ziehen. Karl Hagenbeck , der die Dressurhalle und die Dompteurschule in erzogen werden. Heute ist es leider vielfach so, daß der große TierStellingen schuf, Wilhelm Hagenbed, der den Rundfäfig erfand, und freund faum Anerkennung findet, während man dem Menschen zuRichard Sawade als Mann der Tat haben die Tierdressur auf eine jubelt, der den wilden Mann spielt und feine Tiere halbverrückt neue Stufe gestellt. Bordem ging der Lierbändiger mit allen mög: Wildwestmanieren heraustehren muß, flagt:„ Meine Tiere sehen macht. Wie mancher Dompteur, der auf Befehl des Herrn Direktors lichen Abwehrmitteln versehen in den Menageriemagen, drückte die Tiere in eine Ecke, ließ sie über eine Barriere und durch Feuerreifen mich während der Vorstellung immer vorwurfsvoll an, sie fönnen springen und beendigt war die Vorstellung. Der Dompteur von es einfach nicht begreifen, warum ich mich so unsinnig gebärde." Anno dazumal war die verkörperte Gewalt, vielleicht sogar die reine Eine Gefahrenübersteigerung bringt auch das Benehmen der DirekBrutalität. Dann famen die großen Tierfreunde unb prebigten, durch toren, die nicht den tüchtigsten und erfahrensten, sondern den bil Liebe und Berstehen kommt man weiter, der Mensch muß vom Tierigsten Mann in den Raubtierkäfig stellen. Skrupellos nußen sie lernen, um Tierlehrer werden zu können. lleber den Tierpfleger wirtschaftliche Not, Mut und Unverständnis aus. Hinzukommt das geht der Weg zum Tierbändiger. Und diese neuen Ideen durchliefen auf Sensation eingestellte liebe Publikum, das zu leichtsinnigen Handden Weg alles Neuen: von der Lächerlichkeit zur Sensation, von der lungen verleitet. Und wenn in einem solchen Falle die Sache schief Sensation zur Gewohnheit. Die Menageriearbeit ist abgetane Sache. geht, dann kommt den Tierfreund die Wut an, weil man menschliche man läßt sie nur noch als Kuriosität gelten. Es erwuchs eine völlig Schuld den Bestien zuschiebt. andere Dompteur- Autorität. Jezt gibt es fein Raubtier mehr, zu dem der Mensch nicht in ein freundschaftliches Berhältnis tam. Hiervon ist nicht einmal der schwarze Panther ausgeschlossen, der doch durch die Abenteurerliteratur in solch bösen Ruf geriet. Wenn man fleinere Raubtiere felten sieht, so tommt es daher, daß sie sich infolge ihrer Schmächtigkeit für den Rundkäfig nicht eignen, in dem das Publikum große Tiere sehen will. Oft wird erzählt, die Domp teure trügen ledergepolsterte Anzüge. Das ist nicht der Fall, der moderne Dompteur trägt Gesellschafts- oder Straßenanzug, Uniform oder Cowboytracht, und Logare geht jogar mit entblößtem Oberförper unter Löwen und Tiger, ohne sich zu verwittern. Man weiß jeht das Gewohnheitstier zu schäzen und hält von der Aneinander gewöhnung unendlich viel. So läßt der 64jährige Schilling Eisbären, graue Bären, Kragenbären, Tigerdoggen usw. miteinander spielen, um sie dem Publifum in ihrer natürlichen Drolligkeit zu zeigen, und Berta Haupt führt gemeinsam Pferd, Löwe und Hund vor, die miteinander großgeworden sind. Der Hund war die Amme des Löwen . Doch muß hier eingeschaltet werden, daß die mit Hundemilch genährten, in der Gefangenschaft geborenen Löwen niemals etwas von ihrer Wildheit einbüßen. Man hält den wildeingefangenen Lömen für besser. Sein Instinkt flößt ihm vor dem Menschen einen gewissen Respekt ein. Der in der Gefangenschaft geborene Löwe ist von frühester Jugend an Schauobjeft, ihm imponieren Menschen nicht, und felbst der gewiegteffe Dompteur läßt sich ihm gegenüber leicht eine ungeschickte Bertraulichkeit zuschulden tommen. Der Löwe ist tolpatschig im Vergleich zum Tiger, im Angriff aber ist der Löwe furchtbar. Zur Zeit der Brunft ist so gut wie gar nicht mit ihm zu arbeiten. Ueberhaupt ist der Löwe, wenn die Mähne schön voll wallt und er so recht in seiner männlichen Schönheit hinein
Wie man im Urwald einkauft.
Händler, der in irgendeiner europäischen Siedlung seinen Laden Der Eingeborene, der aus dem Urwald fommt, um bei dem aufgeschlagen hat oder auch mit seinem Backen herumzieht, zu erstehen, was sein Herz begehrt, muß natürlich ganz anders behandelt werden als der gebildete Mitteleuropäer, der in einem Warenhaus feine Einkäufe erledigt. Da heißt es für den Verkäufer viel Gebulb zu haben und sich in die Sinnesart seines dunkelfarbigen Kunden zu versehen.
Bon seinen langjährigen Händlererfahrungen in Nordaustralien und der Südsee plaudert der Reiseschriftsteller Jack Mc. Laren in einem Londoner Blatt. Die schwierigste Aufgabe für den Händler ist es," schreibt er, das im Urwald noch allgemein übliche Tauschgeschäft durch die Verwendung von Geld zu ersetzen. Aber auch wenn der Wilde sich an die Münze gewöhnt hat und ihren Wert erkennt. bleibt seine Unfähigkeit im Rechnen hinderlich. Ein Eingeborener 3. B., der ein englisches Pfund ausgeben will, wird es sich zunächst beim Händler in einzelne Schillinge umwechseln; dann hebt er einen Schilling empor und sagt:„ alito". Hat er das bekommen, dann hebt er einen anderen Schilling hoch und sagt:„ Tabak", und so geht es weiter; er bezahlt für jeden Gegenstand, den er ersteht, mit einer besonderen Münze und weiß so immer ganz genau, wieviel er noch übrig behält. Für den Händler ist das aber eine recht langwierige und schwierige Art des Geschäftes. Er muß stets eine große Menge einzelner Schillinge mit sich führen, da die Eingeborenen die glänzen den Geldstücke fich häufig aufheben. Als ich einen Laden am Golf
ist die Bertretung der proletarischen Klassenintereffen gegenüber der Die Aufgabe der Sozialdemokratie in der Deutschen Republik Klassenherrschaft des Rapitalismus, der Kampf für soziale Forde. rungen und für den Sozialismus. Gegenüber dieser Aufgabe tritt der Kampf für die Erhaltung der Republik , mit der sich die Bourgeoisie abgefunden hat, an Bedeutung zurüd.
Die Rampffront in der deutschen Republik bildet sich nicht mehr unter der Parole: hie republikanisch hie monarchistisch, sondern hie sozialistisch- hie tapitalistisch.
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Angesichts dieser Ronstellation muß die Taktik der Sozialdemo tratie sein: Opposition statt Koalition.
Der Parteitag beschließt diese Opposition ohne Rücksicht auf bürgerliche Parteien im Geiste des proletarischen Klassentampjes mit allen geeigneten parlamentarischen und außerparlamentarischen Aufhäuser, Tony Sender, Gg. Dietrich, Rosenfeld , Seydewizz."
Mitteln zu führen.
Kundgebungen in Schleswig- Holstein .
Hamburg , den 28. Mai( Eigener Drahtbericht). In ganz fratischen Partei statt, die überall einen starten Besuch aufSchleswig- Holstein fanden aus Anlaß der Beendigung des Parteitages große Kundgebungen der Sozialdemo wiesen und einen prächtigen Verlauf nahmen. Eine Riefenver sammlung wurde in der großen Ausstellungshalle in Altona veranstaltet, in der Parteivorsitzender Bels, Karl Renner - Wien und Genugtuung Ausdruck über den Berlauf des Barteitages, der der Adele Schreiber sprachen. Mels gab seiner großen Freude und ftät fste und eindrucksvollste gewesen sei, den er je erlebt habe. Gewißheit, Sieger zu sein über die Bertrauenstrife, die jahrelang Die Delegierten hätten diesen Parteitag verlassen mit der Karl Renner bezeichnete den über der Partei gelegen habe. Kieler Parteitag als einen Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und rief die deutschen Genossen auf, alle Kraft zusammenzufassen, um die Hebel und das Steuer des Staates in die Hand der Arbeiterklasse zu bringen. Anfnüpfend an die große Bewunderung, die man den Leistungen der Wiener Genossen zolle, erklärte Renner, daß die deutsche Sozial demokratie zehnmal so viel Breitner, Glöckel und Deutsch , zehninal soviel tüchtige Männer habe, als die österreichische. Aber die deutsche Arbeiterfíaffe habe bisher nicht den Willen gehabt, das zu erkennen. Das müsse anders werden. Die deutsche Sozialdemokratie leidet darunter, das sie sich nicht selbst dazu bekenne: Ja, mir haben ganz tüchtige Kerle. Was in Preußen von Braun und Severing geschaffen, sei ein viel größeres Bert, als man es in Defter reich aufzuweisen habe, sei eine Großtat, nicht nur für Deutsch . land, sondern für ganz Europa .
von Papua aufgeschlagen hatte, waren mir einmal die Schillinge ausgegangen und da blieb mir nichts anderes übrig, als mir selbst Münzen herzustellen: ich verfertigte also aus alten Zinnbüchsen freis. runde Scheiben und versah sie mit einem Handstempel mit ein X. Diefer Ausweg bewährte sich, zumal die Eingeborenen für dieſe Scheiben nur in meinem Laden etwas faufen konnten. Aber zuletzt mußte ich doch mit dem Geldmachen aufhören, denn mir fiel auf, daß ich mehr Scheiben zurückbetam, als ich herausgegeben hatte, und mußte entdecken, daß mir jemand den Stempel gestohlen hatte und seinerseits Münzen machte. Sehr lästig ist sodann die Angegenug Gelb haben, den Händler immer wieder nach dem Preis zu wohnheit der Eingeborenen, bei einem Gegenstand, für den sie nicht fragen, wohl ein dugendmal am Tage. Der Wilde hofft im Stillen, daß der Händler den genannten Breis vergessen und billiger werden wird. Da er vom Schreiben nichts versteht, so besagt die am Laden daß es bei dem Verkäufer eben so ist. Ich machte mir bisweilen den angebrachte Breistafel für ihn auch nicht das geringste, und er denkt, Scherz, mit den Preisen bei allzu vielem Nachfragen immer höher hinaufzugehen, erregte aber damit so viel Wut, daß ich es dann mieder sein ließ. Die größte Sehnsucht der Südsee- Insulaner geht nach einem Grammophon, aber Blatten von Liedern und Streich orchester werden nicht verlangt. Auch Platten mit Jazz wollen die Wilden nicht haben. Die Jazzmusit tlingt ihnen zu verwandt und ist für sie nichts Neues; aber Platten, die Musikstücke von Blas orchestern mit vielen Trommeln enthalten, erregen ihr Entzücken, und je lauter sie tlingen, desto besser. Der Eingeborene fauft ge. wöhnlich nur eine einzige Blatte mit dem Grammophon. Diese läßt er dann immer wieder spielen, Tag und Nacht, bis sie schließ lich feinen Laut mehr von sich gibt. Dann fauft er sich eine andere Platte und spielt diese wieder vollkommen ab.
Kammerspiele.( Georg Kaifer Die Papiermühle") Georg Kaiser hat auf einen Kritifer einen besonderen Zorn. Er wird schon wissen, warum. Deshalb stellt er diesen Herrn als einen märchenhaften Narren hin. Herr Otto Wallburg , der diesen närrischen Kritifer spielt, trumpft nun noch emfiger und freudiger auf, um das mißratene Menscheneremplar mit allerhand Komik und Karikatur auszustatten. So entsteht denn diese Journaille, die ein Genie fein möchte. Sie entsteht mit Aufgeblasenheit, mit Ehemanns. hörnern und gibt kein Titelchen von ihrer Blödheit auf. Georg Kaiser läßt den ganzen Schwant in Frankreich spielen. Die Fran zosen haben auch bei ihm Bate gestanden. Die Schauspieler schleppen die Komödie, die manchmal wirklich etwas schleppt, athletisch durch die drei Akte. Es ist nicht mehr die Rede, daß Georg Kaiser revolu tioniert, er endet sogar, rosig und titschig, alle Berwicklungen mit einer Umarmung, bei der Männlein und Weiblein Worte sprechen, die der holden sechzigjährigen Lieblingsfrau des deutschen Bürgers, der unsterblichen Courts- Mahler, alle Ehre gemacht hätten. Obwohl es sogenannte Sommersaison ist, wird unter Leitung von Berthold Biertel pompos und aufgepulvert gespielt. Neben dem Komiter Wallburg, der durch sein Embonpoint wirkt und infolge der notwendigen Entfettungstur beim Kabarett der Komifer kontraftbrüchig geworden sein soll, wirkt der jugendliche Komifer Heinz Rühmann , ein entzückendes Originaltalent für Schnöfelei. Und ' man lacht. M. H.