kann nur geleistet werden in der vollkommen ausgebauten Familienftirsorge unter weiser Einschaltung von Speziolfürsorge. An der anschließenden Aussprache beteiligten sich Dr. Löwen- stein. Verlin, Henriette Fürth , Frankfurt , Schmidt, Verlin Dr. Kantorowicz, Kiel , Dr. Henriques, Berlin , Rufs München , Hedwig W a ch e n he i m, Berlin , Henni Lehmann Weimar und L e i ß e, Breslau . In ihrem Schlußwort betonte Genossin Dr. Spindler noch einmal dos Zusammenwirken von Familien- und Speziolfürsorge und die Notwendigkeit der gesund- heitlichen Ausbildung der Fürsorgerinnen. Stadtrat Friedländer . Berlin , sprach über„Fürsorge für schulentlassene Jugendliche unter besonderer Be- rücksichtigung der jugendlichen Erwerbslosen Seinen Ausführungen lagen Leitsätze zugrunde, in denen zunächst daraus verwiesen wird, daß mit der Schulentlassung die meisten Möglichkeiten einer allgemeinen vorbeugenden Jugendfürsorge endigen, während nur ein Teil der Jugendlichen in der Jugend- bewegung neue Gemeinschaft und Bindung findet. Besonders schwer ist die Gesährdung der Jugendlichen durch Arbeitslosigkeit, durch die nicht nur die berufliche Förderung entbehrt, sondern auch die geistig-seelische und körperliche Entwicklunq bedroht wird. Di« Hilfsmaßnahmen für jugendliche Erwerbslose müssen daher die Gesichtspunkte der Berufsberatung und des Arbeits- Marktes mit denen der S o z i a l p ä d a g o g i k eng verbinden. Träger der Einrichtungen für die jugendlichen Erwerbslosen müssen Arbeits- oder Jugendamt sein. Zweckmäßig wird eine Berbindung zwischen kommunaler Selbstverwaltung mit den Gewerkschaften und der Jugendbewegung sein. Für die berufliche Ausbildung empfehlen sich Werkstätten, für die soziale Fürsorg« Jugend Heime mit Gemeinschaftsleben. Eine Erweiterung der Berufs� schulpflicht für Erwerbslose unterliegt bei der heutigen Gestalt der Berussschulen ersten Bedenken. N o t st a n d s ar b e I t e n für Jugendliche sollen einen ausreichenden Lohn sichern, Pflicht arbeiten sind zu vermeiden. Die Lermittluna von Jugendlichen in die Landarbeit, zumal ohne ausreichende Prüfung der Arbeits stellen, kann nicht bedingungslos gebilligt werden. Zu v«r- werfen ist auch die Ausgestaltung der Kurie und Einrichtungen im Sinne einer Arbeitedienstpflicht. Der Redner gab zum Schluß einen Ausblick in die Zukunft. Das Iugendproblem bleibe auch weiterhin wichtig, besonders wenn nach 1932 die Zahl I Schulentlassenen wieder steigt. An der anschließenden Aussprache beteiligen sich Direktor H ü f f m e i e r. Hamburg , Toni P f ü l s s, München , Böttcher, Kiel , Rufs, München und Henriette Fürth , Frankfurt . Dann fand eine Entschließung einstimmig Annahme, in der die Anhänger im Lande aufgefordert werden, ihr ganz besonderes Augenmerk auf das am 1. Oktober in Kraft tretende Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten zu richten: „Von der Ausführung dieses Reichsgesetzes in den Ländern und Gemeinden hängt e» ab, ob das Gesetz den gewollten Fort- schritt für die Bevölkerung bedeutet. Die Aussührungebestim> mungen der Länder und Gemeinden müssen von einem wahrhaft sozialen und fortschrittlichen Geist getragen sein. Im Gegensatz zum alten System ist dafür zu sorgen, daß die Sicherung der Bolksgesundheit durchgeführt wird, wobei die Er- fassung aller Geschlechtskranken jedoch lediglich in gesundheitlicher und sozialfürsorgerischer Weise unter Vermeidung jedes unnötigen Zwanges und jeder gesellschaftlichen Schädigung geschehen muß. Der Begriff minderbemittelt ist möglichst weltgehend auszulegen, um den Anspruch auf kostenlose Behandlung bis zur Heilung möglichst auszudehnen. Die Reichskonferenz fordert die Genossen und Genossinnen auf, dafür zu sorgen, daß in der be- nölkerunqepolitisch, sozial und kulturell so überaus wichtigen Frage der Ueberwindung der Geschlechtskrankheiten und der Prostitution neue besser« Weg« gegangen werden." Zwei weiteren Entschließungen, die gesetzliche Regelung des Urlaubs für Jugendliche und die Regelung der Fürsorge für jugendliche Wanderer verlangen, wurde grundsätzlich zugc- stimmt.— Am Schluß der Tagung wies Genossin I u ch o c z noch einmal auf die ernste und zielbewußte Arbeit hin, di« die Arbeiter- wohlfahrt auf allen Gebieten der Wohlfahrtspflege leistet, so daß sie in kurzer Zeit zu einem Machtfaktor geworden ist.
Trotzt! mit Ausschluß beüroht. Wegen eines Borstoßes zugunsten Tinowjcws und Raders. Moskau , Zl. Mai(MTB.). Die ordenMche Vollver- sammlung der kommunistischen J nloenatio aale hat ihre Tagung nunmehr beendet, Sie nahm eine Reihe von Entschließungen an. die sich auf Fragen einer nahenden Kriegsgefahr, der chinesische Revolution und der Tätigkeit der Opposition erstrecken. In einer Enlschliehung zum Aus- treten Trohki». des Kandidaten für da« Exekutivkomitee, in der Vollsitzung und des Serben w u j o w i k s ch. des Mitgliedes des Exekutivkomitees, wird festgestellt, daß ihre grundsätzliche Einstellung und ihr Verhallen mit ihrer Stellung im Exekutivkomitee unvereinbar seien, sveide hatten sich für Sinowjew und Radek eingesetzt und die offizielle bolschewistische Politik schwer ange- orlsscn. Red. d..V.') Jegliche Fortsetzung Ihre» fraktionellen Kampfes wird ihnen strengsten» untersagt, und das Präfl- dwm des Exekutivkomitees bevollmächtigt, sie im Falle einer Fort- sehung des Kampfes auszuschliehea. weiter wird die Kommunistische Partei aufgefordert, entschiedene Maß- nahmen zum Schutze der Partei vor dem fraktionellen fiamps Trohkis und Singwjews zu ergreisen. Die Vollversammlung veröffentlicht einen A n f r u f. in dem die werktätigen und unterdrückten Völker der ganzen Welt zur Verteidigung der chinesischen Revolution und zur Unterstützung der Sowjetunion ausgesordert werden und hingewiesen wird, daß der Bruch zwischen England und der Sowjetunion ein Zeichen größter Kriegsgesohr sei. Zerfall der Opposition oder Ttiunaungsmachc? Moskau . 30. Mai<OE.). Die Sowjetblätter veröffentlichen Briefe von Mitgliedern der Kommunistischen Partei, die bisher der von Sinowjew geführten innerparteilichen Opposition angehört haben. In allen diesen Briefen wird erklärt, daß die gegenwärtige Lage ein Weiterschreiten auf dem oppositionellen Wege verbiete und daß Sinowjews neue st e Angriffe gegen die Parteileitung daher aufs schärfste mißbilligt werden müßten. Unter den Kommunisten, die ihren Austritt aus den Reihen der Opposition erklären, befinden sich mehrere, die wichtige Parteiämter verwaltet haben. Einer von diesen, der Leningrader Kommunist Pantelesew, schließt seinen in der„Prawda" veröffentlichten Brief mit einem Aufruf an all« Oppositionellen, seinem Beispiel zu folgen und.zur Leninschen Linie zurückzukehren."
Englische Note in Kairo überreicht. Acghptische Regierung gegen britische Forderungen. London . 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Unter dem Vorsitz Königs Fuads trat das ägyptische Kabinett am Dienstag zur Beratung der britischen Rote zusammen. In offiziellen britischen
Vor den Berliner Funktionären sprach gestern der aus feiner Heimat verjagte italienijche Genosse Modigliani . Nach kurzen Einführungsworten, in denen in unserem Gast der italienisch« Sozialismus und das italienische Proletariat begrüßt worden, nahm Modigliani das Wort. Er führte in sranzösischsr Rede, die von der Genosiin Wurm übersetzt wurde, u. a. aus: In einem Vortrag von anderthalb Stunden könne man natürlich das Problem des Fa- schismus nicht bis auf das letzte ausschöpfen. Und er will nicht gefühlsmäßig sprechen, sondern a l s M a r x i st das Verbrechen beutteilen und aufklären. Bon größter Wichtigkeit sei es für alle Völker, zu wissen, w i e der Faschismus zu bekämpfen sei. Wie konnte sich der Faschismus in Italien durchsetzen, wie konnte das starke italienische Proletariat unterdrückt werden? Die Lösung sei einfach. Wohl habe die italienische Arbeiter bewegung eine starke Ausdehnung gehabt, sie sei aber sehr jung und unerfahren, verglichen mit dem Proletariat Frankreichs , Englands und Deutschlands . Erst Ende des Jahrhunderts, 18S0 etwa, sei in Italien ein Kapitalismus aufgekommen, und dann«rst habe unverzüglich die proletarische Bewegung eingesetzt, ober als der Fa lchismus hereinbrach, habe das italienische Proletariat noch nicht die Reif« der geschichtlichen Erfahrung besessen. Damals hatte die Bourgeoisie begonnen, die Gefahr einzusehen, die ihr von Genossen� schasten, Gewerkschaften und der Partei drohte. Das Proletariat ober unterschätzte, nachdem es 1913 bei den ersten nach gleichem Stimmrecht erfolgten Wahlen, kurz nach dem Tripoliskrieg, siegreich gewesen war, die Wider standstraft des Bürgertums. Aber auch im Kriege habe die italienische sozialistische Partei ihren Mann gestanden, sie habe entschlossen gegen den Krieg ge- kämpft, den nur eine kleine, aber terroristische Gruppe wollte. Nach dem Kriege habe die Sozialistische Partei zuerst eine Bedeutung gewonnen, die— man müsse den Mut haben es zu sagen— die ReiseihrerOrganisation weit überschritt. Bei jeder Wahl hatten die Sozialisten gesiegt und da erkannt« da» Bürgertum endgültig die große Gefahr. Das Proletariat aber versäumte es da- mals, sich der politischen Macht zu oersichern. Di« Bourgeoisie tat dies ihrerseits. So wurde der Faschismus geboren. Mitte 1919 machte man den letzen versuch, mit der Besetzung der Fabriken. wer war der Anreger? INtissoliai! (Pfui Teufel! aus der Dersammlung.) Und was war die Folg«? Die Arbeiter wurden au» den Fabriken, die Bauern von den Gütern verjagt. Und da» schlimmste war. daß das Bürgertum von den Kommunisten indirekt unterstützt wurde. Möttau schickte stupide Befehle, die für Italien keinen Kinn hotten. Sie machten einen geschlossenen widerstand unmöglich und särdertea den Sieg des Faschismus.» Aber im heroischen Kampfe widerstand die italienische Arbeiterschaft zwei Jahre. Alle Sonntage ergingen sich damals die Schwarzhemden in Gewalttaten. In den Dörfern wurde alles zerstört, was die Konsumgenossenschaften errichtet hatten. Aber wenn auch ohne Erfahrung, heldenmütig wehrten sich die Arbeiter und keinen Bauern. 3090 Tote, nicht zu zählen die heimlich Erschlagenen, per- wundeten und vertriebenen, mußten wir beklagen. Denn die Entwaffnung galt nicht für die Faschisten. Das Kriegsminist« rium schützte sie und wer gegen sie kämpfte, endete im Gefängnis, im Lazarett oder auf dem Friedhof. Di« Schrecken dieser zwei Jahre überstiegen alles menschliche Ermessen. Frauen wurden geschändet, Kinder angesichts ihrer Mütter aus den Fenstern geworfen! Aber niemand glaube, daß das italienische Proletariat sich nicht bis zum letzten verteidigt hat. Mussolini , dieser Scharlatan, der schon immer auf feiten de» Sieger» stand und nicht der Schöpser, sondern der Ausnützer des bürgerlichen Sieges ist, ist der Hauptschuldig« an allen Verbrechen seit 1920. Da» Bürgertum hatte die stupideste Illusion, daß, wenn es Verbrechern eine Macht gebe und soäter sagte:„Run Schluß!" alle» gut sein würde. Aber der Faschismus denkt Nicht daran. Katholiken und Demokraten sind aus der Re- gierung verjagt und seitdem 1924, unter unerhörten Vergewaltigun- gen, ohne Pressefreiheit, ohne Versammlungsfreiheit die Faschisten die Mehrheit im Parlament errungen hallen, glaubten sie den Sozialismus besiegt. Aber al» di« Wahlen vorbei waren, da erhob sich die s o z I a l i st i s ch e Fraktion im Parlament und Malleotti erhob sich als Anwalt der Unterdrückten gsgen schamlose Vergewaltigung. Damals sprach«r sich s t l b st s e i n Todesurteil. Und als seine Ermordung beschlossen war, ließ der Faschismus alle Masken fallen. Heute hält sich der Faschismus nicht durch Herrschaft im Staat, durch Militär und Polizei, sondern durch eine eigene Miliz von 300 000 Be- w a f f n e t e n. Die Macht des Königtums ist dahin. Der König erscheint nurnochaus den Briefmarken,«in« schranken- lose Diktatur herrscht, die durch fünf Faschisten über Tod. Ler- bannung und Freiheit entscheiden läßt. Gewiß ist die Macht des Faschismus augenblicklich un- geheuer groß und schwer niederzukämpfen. Aber schon fetzt macht sich in den Betrieben eine geheime Propaganda geltend, das Proletariat Italiens will die Freiheit feiner Gewerkschaften zurückgewinnen. Trotzdem Mussolini , der einstmals Antiklerikale, sich selbst mit dem Papst zu verbinden sucht, bauen Arbeiter und Kleinbauern wieder tue Oroanisationen auf. Notwendig sei ein Wieder- .r stehen"des proletarischen Klassenbewußtsein« auf der ganzen Linie. Daneben aber sei auch not eine Wieder- belebung der bourgeoisen Industrie. Faschisten und Junker ind in allen Länden, dasselbe, und wenn einige wenige Unerfahrene >as Land regieren, dann kann selbst die Bourgeoisie auf ■> i e Dauer nicht mit. Natürlich wird das Proletariat immer eine eigenen Wege im Kampf gegen Faschismus und Bürgertum gehen. Für olle Völker ist die Frage in hohem Maße wichtig, wie
weit der Faschismus auf andere Länder übergreift. Der Fa- schismus ist trotz seines nationalen Müntelchens eine internationale kapitalistische Angelegenheit, die besonders in jungkavitalistischen Ländern an Einfluß gewinne. Das sehe man an den Balkanstaatcn. Aber auch in England mache man jetzt den Versuch, die Arbeiterschaft durch das A n t i- aewerklchaftsgesetz zu unterdrücken. Sollten in Deutsch . l a n d ähnlich« Bestrebungen sich geltend machen, so würde, davon sei er überzeugt, das deutsche Proletariat gesä>lossen Widerstand leisten. Modigliani appelliert an das internationale Proletariat, zu er- kennen, daß der Faschismus keine fernliegende italiensche Sache sei, der Kampf gegen Faschismus ist unser, ist euer Kampf, ruft er aus. Aller Freiheit ist bedroht von Wirtschaftskrisen und Kriegs- gefahr, denn immer ist eine Diltotvr auf miUtärisdfe Paraden und Kriegsdrohungs r angewiessn, wie Mussolinis Verhalten gegenüber Jugoslawien zeigt. Deshalb im Geist der Solidarität aus zum internationalen widerstand! Der Krieg ist eine Illusion, der Friede ist der Sozialismus, deshalb auch die Feindschaft des Faschismus gegen den Frieden, weil im Frieden die Sozialdemokratie weichst. Wenn wir den Faschismus international niederschlagen, dann bereiten wir am besten den end- gültigen Sieg des Sozialismus vor. Modiglionis Ausführungen fanden stürmische Zustim- mu ng. Mit dem Gelübde, fest zusammenzustehen im Kampf gegen den Faschismus, und einem Hoch auf die internationale Sozial. demotratie wurde die Versammlung vom Genossen Litte ge- schlössen. Tapferes Bekenntnis vanüervelües. Abwehr faschistischer Angriffe. Brüssel . 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die belgische reaktio- näve Press« betreibt seit einiger Zeit eine skrupellos« persönlich« Hetze gegen den Außenminister VandervelVe. Dies« Hetze kam am Dienstag in einer Interpellation des klerikalen Faschistenfreundes, Abgeordneten S e n z o t, zum Ausbruch Senzot warf Vandervelde vor, er beleidig« durch sein« Erklärungen und Handlungen den italienischen Außenminister Mussolini und ge- fährde damit di« Freundschaft Belgien » mst Italien . Vandervelde habe am 1. Mai auf einer Demonstration gesprochen, wo auch«in italienischer Flüchtling da» faschistische Regime geißelt«. Dagegen habe er sich als Außenminister von einer Beranstaltung in Brüssel zu Ehren italienischer Kriegsinvaliden ferngehalten. Endlich habe Vandervelde in einer deutschen Zeitung einen Artikel über die China - Politik veröffentlicht und darin erklärt, Belgien werde sich mit keinem Mann an einer etwaigen militärischen Aktion gegen China beteiligen. Dies habe England besonders verstimmen müssen. vandervelde treibe als Außenminister die Politik de» internakio- nalen Sozialismus und schädige damit die Interessen Belgien ». Vandervelde antwortete auf die Interpellation sofort. Er sagte, er bedaurc, nicht mit der gleichen Freiheit sprechen zu können wie sein Ankläger und stellte dann fest, daß sein« Politik in allen Punkten die oolleZustimmung der Gesamtregierung habe. Was seine persönliche Haltung betrifft, so schädig« nicht sie die Interessen Belgiens , fondern die reaktionär« perfon- l i ch e H e tz e, die ohne Rücksicht aus die außenpolitischen Interessen Belgiens aus innenpolitischen Zwecken Kapital schlagen will.„Man wirft mir vor. daß ich keine persönlichen Beziehungen zu Muffoltnl unterhalten will. Mussolini und ich waren früher Kampfgenosse«. Seitdem aber hol sich ein Abgrund zwischen uns ausgetan, der per- sönliche Beziehungen zwischen un» unmöglich macht. Wer da» nicht begreisen will, der begreift eben nicht, daß man dadurch, daß man Minister wird, noch nicht seine persönliche Heber- zeugung ändert. In bezug auf di« Maifeier fragte Vandervelde , seit wann ein Minister nicht an Feiern seiner Partei teilnehmen dürfe. Der italienische Redner auf dieser Feier habe sich jedes per- persönlichen Angriffs auf Mussolini enthalten: ,Jch habe," so fuhr er fort,„für das italienische Volk und insbesondere für die unglücklichen italienischen Kriegsopfer die wärmsten Sympathien. Ich habe deshalb auch den Besuch der italienischen Kriegsbeschädigten durchaus gefördert, aber nahm nicht persönlich an der Veranstaltung teil, weil ich nicht übersehen tonnte, ob die Führer dieser Kriegsbeschädigten nicht bekannte faschistische Polftifer waren. Was China anbetrifft, so wiederholte ich in dem ausländischen Zeitungsartikel nur das, was ich schon früher in der Kammer erklärt habe. Die Großmächte erwarteten auch von Belgien keine militärische Beteiligung in China . Ich habe nicht, wie wir vorgeworfen wird, den belgischen Staatsangehörigen in China verboten, in dortige Frsiwilligenkorps einzutreten, dazu hätte ich auch gar keine Handhabe gehabt, ich machte sie lediglich darauf auf- merksam, daß sie das auf eigene Gefahr täten. Zwischen meinen Pflichten als belgischer Außenminister und internationaler Sozialist besteht tetneriei Widerspruch, denn Belgien ist in der Verteidigung seiner Interessen osfenfichtlich konform mit senen, die zur Wahrung des Friedens dienen." Vandervelde schloß:„Wenn Sie der Ansicht sind, daß das Amt des Außenministers mit der Eigenschaft als Sozialist u n v e r e i n> bar ist, dann bitte ich Sie, es nur zu sagen, wir werden es uns nicht zweimal sagen lassen: ebenso, wenn sie von uns verlangen, das Asylrecht ausländischer Flüchtlinge anzulasten, dann würden wir keinen Augenblick länger in der Regierung bleiben!" Anschließend sprach Ministerprästdent I a s p a r, der Lander- velde in jeder Beziehung unterstützte.
Streifen tritt man Zeitungsmeldungen entgegen, wonach die Note an Aegypten ein Ultimatum darstelle. Man bezeichnet die Note als eine„in freundschaftliche, aber entschiedene Worte gekleidet« Warnung" an Aegypten . Was über den I n h a l t der Note bekannt geworden ist, beweist, daß sie praktisch aus eine Sicherung dervölligenbritischenKontrolleder ägyptischen Armee für alle Zukunft hinauskommt. Insbesondere verlangt die Note, daß auch in Zukunft lediglich ein britischer Offizier zum Sirdar ernannt werden darf und die ägyptische Re- gierung für die finanziellen Kosten des Sirdar und seines Stabes aufkommen muß. Sowohl dieser Sirdar, als auch der britisch« Teneraltruppeninspektor muß Mitglied des ober Pen ägyp» tischen Armeerotes bleiben und ihre Machtbefugnisse dürfen weder verletzt noch«ingeschränkt werden. Die gesamte ägyptische Press« unterstützt, soweit st« nicht unter britischem Einfluß steht, die ägyptisch« Regierung in Ihrer Auffassung. daß die britischen Forderungen unannehmbar seien und mit der von Großbritannien feierlich zugesicherten Unabhängigkeit Aegyptens im Widerspruch stehen.
Ergebnis üer bulgarischen Terrorwahlen. Trotz der Gewalt 100 Oppositionelle gewählt. Sofia , 3t. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Die bulgarischen Parlamentswahlen gingen, wie sich nachträglich immer mehr heraus- stellt, unter beispiellosem Massenterror vor sich, wie ihn die bulgarische Geschichte bisher noch nicht gekannt hat. Polizei, Militär und unverantwortliche Elemente wurden schrankenlos auf die Opposition losgelassen. Taufende wurden verhastet, blutig ge-- schlagen und mißhandelt. Sein wunder, daß die eigentliche Regle- rnngspartei unter diesen Umständen von 273 Mandaten 173»er- oberte". In der Hauptstadl Sofia erlitt die Regierung jedoch eine schwere R l e d e r l a g e. da ihr von ll Mandate» nur vier zufielen. Die Opposition gewann nach dem vorläufig amtlichen Ergebnis insgesamt SS kammersitze. 73 davon errang der„Eiserne Wahlblock" der verbündeten Bauern. Sleinhandwerter und So- zialisten. Diese brachten es ans 10 Sitze. In de» mazedonischen Bezirken wurden ll neutrale Kandidaten gewählt, von denen zwei zu den Sozialisten zu zählen sind, so daß tatsächlich 12 Sozial. demokrate» in das Parlament einziehen.