der weg zum flnsthluß. Ein Aufsatz Paul Lobes. Vor einigen Wochen hat ein Artikel des Genoffen Dr. Olto Bauer, den er in der Monatsschrift der deutsch - österreichischen Sozialdemokratie über die Anschlußfrage ge- schrieben hat, großes Auffehen erregt, zumal er so ausgelegt wurde, als ob Bauer für absehbare Zeit die Wiedervereini- gung Deutschösterreichs mit dem Deutschen Reiche für unmög- lich hielte. Bauer hat dann in der Wiener „Arbeiter-Zeitung " seine Auffassung nochmals dargelegt, und wir haben diesen zweiten Artikel seinerzeit abgedruckt. Man erinnert sich: Bauer meint, der Anschluß könne erst zur Tatsache werden, wenn die franko-italienische Gegnerschaft der heute Herrschen- den weggeräumt sei. Jetzt nimmt Roichstagspräsident Ge- nasse Lobe in„Oesterreich-Deutschland", der Zeitschrift des Oesterreichisch-Deutfchen Volksbundes, dessen Vorsitzender Löde ist, zu Bauers Ausführungen Stellung. Wir entnehmen dem Löbeschen Artikel folgende Darlegungen: Man kann über den Weg zum Anschluß streiten oder sich ganz offenbar irren, und doch das Ziel fest im Auge behalten. Die Geschichte hat zu oft bewiesen, daß sie sich auch von den logisch ge- rechneten Wegen abzuweichen erlaubt. Bauer hat in seinem ersten Artikel mehr getan, als seine Prognose für die zukünftige Entwicklung zu stellen. Er hat auch bestimmt« Lehrsätze aufgestellt, wie„Es wird nicht das Reich Hindenburgs und des Vürgerblocks sein, in das war kommen werden". Dieser Satz kann zu Mißverständnissen reichlich Anlaß geben, ebenso wie Bauers geringschätzige Bemer- kungen zur Frage der Rechtsangleichung. Aber er hat gegen die irrtümliche Auslegung, als ob ihn der Anschluß unter unerwünschten politischen Konstellationen In einem der beiden Länder nicht be- sonders erstrebenswert erschiene, Verwahrung eingelegt, indem er aus seinen Satz verwies:„Wenn h e u t e der Anschluß möglich wäre. so würden wir ihn vollziehen, ohne danach zu fragen, wie das Deutsche Strafgesetzbuch aussieht; die säkulare(dauernd«) Ent- scheidung über die staatliche Zugehörigkeit wird man überhaupt nicht von dem augenblicklichen Zustand der Rechtsordnung abhängig machen." Löbe fügt hinzu, daß diese Entscheidung auch nicht von irgendeiner anderen politischen Konstellation abhängig gemacht werden könne. Wenn in Norddeutschland geschrieben würde, daß das Reich Dr. Seipels in den deutschen Einheitsstaat nicht Aufnahme fände, so würde in Deutschösterreich der falsche Eindruck erweckt, als wollten die preußischen Konservativen oder die Protestanten oder die Sozialdemokraten erst ein„homogeneres" Oesterreich abwarten oder gestalten, ehe es zum Anschluß reif sei. Das aber, so sagt Löbe, ist der Hauptirrtum, gegen den jeder Anschlußfreund sich wenden muß. Wenn Deutschland und Deutschösterreich durch die Trennung in vielen Dingen auseinandergewachsen sind, so werden sie zusammenwachsen, wenn ein einheitliches staatliches Ge- bilde sie umschließt; gegenseitige Befruchtung und«ine politisch reichere Gestaltung als Gesamtheit werd: die Folge sein. Nur wenn die Deutschen hüben und drüben über politisch« Erscheinungen hin- wegsehen, die ihnen nach ihrer Gesinnung unsympathisch sind, ist der großdeutsche Gedanke möglich, alles ander« heißt Fortwuchern unserer alten Zersplitterung, unserer parkt kularistischen, konfessio- uellen und politischen Sondergebilde. Heber den Weg, auf dem der Anschluß eines Tages zur Tat wird, mag jeder seinen eigenen Gedanken und Hoffnungen nach- hängen— vielleicht behält am Ende k-iner recht. Aber bereit zu sein, ihn jeden Tag zu vollziehen, keinen Weg auszuschlagen, der zum Ziele führen kann, alles zu tun, was den Tag der Erfüllung vorbereitet, die Grenzmauern zu unterwühlen, solange sie nicht gestürzt werden können, die Einheit des deutschen Volkes trotz seiner gewaltsam ausrecht erhaltenen Zweiteilung zu betonen und zu be- tätigen— da, ist die Aufgab« der Anschlußfreund«, in welchem polltischen Lager sie sonst immer mich stehen mögen. Diesen Ausführungen wollen wir nur noch hinzufügen, daß bei genügendem Eifer auf beiden Seiten— der gute Wille i st vorhanden— die Vereinigung viel früher tatfächlich als staatsrechtlich geschaffen fein wird. deutsthnationale Sozialpolitik. Ein Borstoff gegen die Sozialverstcheruag. In den verschiedensten Formen führen die Unternehmer einen systematischen Kampf gegen die Sozialversicherung. Sie finden dabei weitestgehende Unterstützung bei den bürgerlichen Parteien, insbesondere bei den Deutschnationalen. Kurz vor Ver- tagung des Reichstags unternahmen die Deutschnationalen einen V o r st o ß gegen jenen Zweig der Sozialversicherung, der den Unter- nehmern aus den verschiedensten Gründen am verhaßtesten ist: gegen die Knappschaftsversicherung. Dank der Wachsamkeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ist der hier geplante Ueber- rumpelungsoerjuch gescheitert. Damit ist jedoch die Entscheidung nur vertagt. Es ist deshalb wichtig, die eigentlichen Beweggründe dieser Treibereien aufzudecken. Seit Bestehen des vor einigen Jahre» geschaffenen Reichsknopp- schaftsgesetzes, das die Krankenversicherung, Invalidenversicherung und Pensionsversichcrung für die Arbeitnehmer des Bergbaues regelt, kämpfen die Unternehmer um einen Abbau der L e i st u n- g e n. Bersuche, die sie nach dieser Richtung bei der vor einiger Zeit erfolgten Aenderung des Gesetzes unternahmen, sind gescheitert: die sozialdemokratische Reichstagsfraktion erreichte sogar einige Der- b e s s e r u n g e n. Die wichtigste von ihnen besteht darin, daß die Arbeitnehmer in den Selbstoerwaltungsorganen den aus- schloggebenden Einfluß bekommen haben. Ein Grund mehr für die Unternehmer, ihren Kampf fortzusetzen. Durch einen äußerlich harmlosen Vorgang soll die Aufrollung der ganzen Frage erzwungen werden. Unter Führung des Berg- Werksdirektors Leopold und des Angestelltenführers Lambach hat die deutschnationale Reichstagsfraktion eine Aenderung des Ge- setzes vorgeschlagen, die den mit kaufmännischen und Verwaltungs- arbeiten beschäftigten A n g e st e l l t e n das Recht geben will, zwi- schen der Mitgliedschaft bei der Angestelltenpensionskaffe der Reichs- knappschaft und der reichsgesetzlichen Angestelltenoerstcherung zu wählen. Die gleichen DeutschnationaleFi, die hier ihr Herz für die Angestellten entdeckt haben, stimmten im Jahre 1326 den sozialdemokratischen Antrag auf Einführung des Alters- ruhegeldes für die kaufmännischen Angestellten nieder. In Wirklichkeit machen sich die Deutschnationalen auch keine Sorgen nm� die Angestellten. Für sie ist hier nur der Anknüpfungspunkt gegeben,' gegen die Knappschaftsversicherung im ganzer» vorzugehen. Die Miß- ftimmung einzelner Teile der Angestellten gegen die höheren Bei- träge in der Knappschaft soll ausgenutzt und geschürt werden. Durch den Uebergang von Versicherten zur Angestelltenversicherung soll die finanzielle Grundlage der Knappschaft erschüt- tert, die Gefahrengemeinschaft gesprengt werden und damit wäre die ganze Frage wieder aufgerollt. Auf diese raffinierte Art soll die Bahn frei werden für den A b- bau der Leistungen und der Selbstverwaltung. Wir haben heute in der Knappschastsversicherung die kürzeste Warie- zeit und die höchsten Leistungen. In der Angestelltenversicherung be- Der gelbe Stahlhelm. Er schnorrt bei den Unternehmern. - Neue nationale Maske. — Ein Bettelbrief. Es steht schlecht um die„netionalm" Verbände. Mit- gliederschwund und schlechter Eingang der Beiträge lassen sich durch keine noch so pomphaften Paradeaufmärsche verbergen. Es erregte schon Aufsehen, daß der Stahlhelm bei seiner Parade am 7. und 8. Mai in Berlin seine Versuche, sich bei der Arbeiterschaft anzubiedern, wenigstens in der Botschaft des Likörfabrikanten Seite an sein Volk auffallend betonte. Da war von der ehrlichen Austragung natürlicher Interessengegensätze...„mit gesetzlich erlaubten und moralisch bedingten Kampfmitteln" die Rede. Die Ar- beiterschaft hat bekanntlich aus diese Anbiederungs» versuche mit Nichtachtung reagiert. Abgesehen von ein paar Rempeleien aufgeputschter Kommunisten, die dem Stahl- helmtag zu einer gänzlich überflüssigen Beachtung verholfen, hat man sich um die Herrschaften nicht gekümmert. Jetzt stellt sich immer deutlicher heraus, daß die Stahl- Helmleitungen dem Zusammenbruch ihrer Organisationen nur noch mit dem Mittel der Geldsammlung bei den Unternehmern und mit einer geistigen„Umstellung" auf deren Bedürfnisse entgegenwirken können. Vom Gau Nord- Westdeutschland geht folgendes Schreiben—„Abdruck verboten!"— an die Arbeitgeber: Sehr geehrter Herr Direktor? Die Unterzeichneten haben es übernommen, sich für«ine Angelegenheit einzusetzen, deren Tragweite für die weitere Entwicklung des Staates in wirtschaftsfriedlichem und stoatsbejahendem Sinne von großer Bedeutung ist. Der deutsche Arbeiter ist selten in der Lage, sich außerberuflich mit den wichtigsten wirtschaftliche» und wirtschaftspolitischen Tage»- und Lebensfragen zu beschäftigen. Diese Tatsache hat dazu geführt, daß politisch« Demagogen die Unkenntnis der Arbeiterschaft benutzt haben, um ihr eine einseitige politische Denkweise aufzuzwingen und die im Sinne marxistischer Staatstheorie fortschreitende Zersetzung der Staatsautorität zu fördern. Was weih der Arbeiter heute von den Röten der In- dustrie und damit von dem Ursprung seiner eigenen Röte, von Stenerbelastung, Dawesplan, was von Bant- und Kreditwesen, was weiß er von den Nöten der Landwirtschaft, von Schutzzoll und Frei- Handel, was von Staatsfornien und Derfaffungen anderer Länder. was über die Anschlußfrage Oesterreichs an Deutschland , was sagt er zu den Werksgemeinschastsgedanten und zur Frag« des roten Gewerkschaftsmonopols usw.?... Der Zeitpunkt der Aufzeigung gänzlich neuer Wege für den Stahlhelm ist gerode in Leipzig besonders günstig, um nach einigen unliebsamen Vorfällen, welch« ihre restlose Erledigung fanden, werbend an neue Kreise heranzutreten und sie mit den Zielen unserer Bewegung vertraut zu machen.... Der Lundesführer hat anläßlich des großen Berliner Aufmarsches in seiner der Oeffentlich kcit bekanntgegebenen Stahlhelmbotschaft besonders betont, daß er nicht die einseitige politische Erziehung der Stahlhelmmitglieder im Interesse irgendeiner politischen Partei wünscht, sondern die oll- mähliche Schulung im Sinne einer vcrmlnfligen Slaal». und Mrkschafls- politik. Sie soll ihren Niederschlag in der Durchdringung von Par» l a m e n t« n, Gemeindeverwaltungen und sonstigen Selbstverwal» tungskärpern finden. Dieser Erziehungswille des Führers für eine Mast« von Millionen, die sich größtenteils aus dem Arbeiterstand« rekrutieren, findet seinen Ursprung in dem Wunsch« und Streben der eigenen Mitglieder, von den wichtigsten Vorgängen in Politik und Wirtschaft unterrichtet zu werden. Damit ist eine eingetreten. grundsätzliche Reuorienlieruug im Stahlhelm Galten die ersten Jahre nach dem Kriege der Sammlung aller Gleichgesinnten, erblickte der Stahlhelm später seine Aufgabe darin, den Wehrgedanken zu pflegen, so tritt er heute unter Beibehaltung seines Charakters als Wchrverband in ein neues Stadium, in die Zeit der Schulung seiner Mitglieder in staats- und wirtschafts- politischer Beziehung. Der Führer des Bundes und damit die Unterzeichner sind sich darüber klar, daß sie bei einem Teil der bürgerlichen Kreise ans Unverständnis und Kopfschütteln stoßen werden. Sie wenden sich deshalb nur an Persönlichkeiten, von denen sie glauben, annehmen zu dürfen, daß sie von der Wichtigkeit und Tragweite der neuen Bewegung überzeugt sind, und bitten um Unterstützung soweit als möglich. Diese llulerstühuag. welche nur finanzieller Art sein kann, sosern nicht Persönlichkelten ihre betriebs- und volkswirtschaftlichen Kenntnisse in Form von Referaten freundlichst zur Verfügung stellen wollen, ist dringend erforderlich, da die im Zusammenhang mit der geplanten allgemeinen Schulung bezweckte Ausbildung ein- zelner Diskussionsredner und Führer mit Kosten ver- Kunden ist und auch die gleichzeitige Herausgabe einer geplanten Schulungstorrespondenz in Form..Wirtschaftspolitischer Stahlhelm- briefe" mit Kosten verbunden ist. Auch gilt es, den, stark zusammen- geschrumpften Wohlfahrtefonds de» Stahlhelms, aus dem unbemittelten Kameraden und deren Familien bisher Beträge zur Verfügung gestellt werden tonnten, neue Mittel zufließen zu lassen. Helsen Sie uns daher in unserer schweren, aber planvollen Arbeit und weisen Sie den demnächst bei Ihnen vorsprechenden Kameraden nicht ab, sondern zeichnen Sie einen gewiffen Betrag zur Unterstützung unserer Tätigkeit. Der Detrag wird nicht in bar erhoben, sondern e» wird gebeten, denselben auf das bestehende „Stahlhelmkonto" bei der Bankfirma Lieberoth, Brühl , in einigen Tagen einzuzahlen. Hierbei stellen wir Ihnen anheim, ob Sie einen Einmaligen Betrag zur Verfügung stellen wollen oder durch Einzeich- nung in die Liste der„Förderer der staats- und wirt- schaftspolitischen Ziele des Stahlhelms" einen monatlichen Betrag aussetzen wollen, welcher vierteljährlich zu zahlen wäre. Die Unterzeichner Hütten dann die Gewähr, einen Haue- h o l t s p l a n aufstellen und auf weitere Sicht disponieren zu können.... Zur Dermetdung von Mißbrauch des vorliegenden Schreibens durch unberufene Hände ist es geboten, dasselbe zu ver- Nichten. Mit deutschem Gruß und Frontheil! gez. Kaden, Generalmajor a. D., Gauführer von Nordwestsachsen. gez. W ö r n« r, Professor an der Handelshochschule. gez. D o l k m a n n, Or. rer. pol., Verlogsbuchhändler." Ein ganzer Abgrund von Korruption, den man bisher nur ahnen tonnte, tut sich hier auf. Die treudeutschen Helden vom Stahlhelm, denen seit der Arbeit der Rechts- regierung die Felle fortschwimmen, bieten sich jetzt nach Art der„nationalgesinnten Arbeiterführer" gegen Geld an, um die arbeitsfeindliche Propaganda zu betreiben. Man ver- gleiche die Schmähungen, die ihre politischen Beschützer auf das Reichsbanner täglich loslassen. In der Tat, eine Welt trennt diese Bewegung von den Söldlingen des Kapitals, die jetzt nur noch die national« Maske brauchen, um die Gelder gewisser Unternehmerkreise leichter zum Fließen zu bringen, und ihnen dafür ihre Dienste anbieten. Mit Abscheu werden sich nicht nur die Arbeiter, sondern auch diejenigen Unternehmer abwenden, die ein gewisses Ge- fühl für politische Reinlichkeit bewahrt haben. ttägt beispielsweise die Wartezeit 120 Beitragsmonat«, in der Knapp» schast 36 Beitragsmonate. Der durchschnittliche Ruhegeldsatz betrug in der Angestelltenpensionskasse der Knappschaft im zweiten Halbjahr 1326 monatlich 187,30 Mk., in der Angestelltenversicherung am 31. Dezember 1326 nur 54,43 Mk. monatlich. Das sind nicht die einzigen Vorzüge der Knappschaftsversiche- rung. Bon größter Bedeutung ist auch der ausschlaggebende Sin- fluß der Arbeitnehmer in der Selbstverwaltung. Das alles sind Wegweiser für den Ausbau der anderen Zweig« un- screr Sozialversicherung. Bei einer künftigen Neuordnung und Der- einheitlichung der gesamten Sozialversicherung, wie sie die Reichs- verfaffung verheißt, muß das Beste aus all ihren jetzigen Teilen zu ihrem Neubau genommen werden. Weil das selbswerständlich ist, kämpfen die Unternehmer für den Abbau. Das ist der tiefere Sinn ihres Kampfes. Die Entscheidung über den neuesten Angriff ist noch nicht gefallen, sondern vertagt. Eine besondere Note erhall er diesmal durch das offizielle Bündnis des Bergwerkdirettors Leopold mit dem deutschnationalen Angestelltenführer Lambach. Aber auch diese Einheitsfront wird sich nicht als stark genug erweisen. Was wirü mit Sacco und vanzetti ? Amerikanische Foltermethode— bayerische Sympathie dafür. Ueber Sacco und Banzetti lausen teils unklar«, teils alarmierende Meldungen ein. Nach einer WTB.-Meldung aus Boston soll die Hinrichtung„provisorisch" auf den 4. August fest- gesetzt sein, aber Gouverneur Füller werde erst in einigen Tagen seine Entscheidung bekanntgeben. Nach einer Pariser Meldung der TU. hat die vom Gouverneur«ingesetzte Kommission ihren Bericht— und zwar z u u n g u n st e n von Sacco und Banzetti— fertiggestellt. Die sechsjährige Hinrichtungsfolter, gegen die selbst die primitiv- barbarischen Follerungsmethoden des Mittelollere verblassen,«rregt in der ganzen gesitteten Welt Entrüstung. Ueberall finden Kund- gebungen statt, auch in Amerika selber. Dagegen hat sich ausgerechnet die Münchener Polizeidirektion veranlaßt gesehen, ein« Protest- kundgebung, deren Referat der Dichter Oskar Mario Gras über- nommen hatte, zu verbieten. Daß die bayerische Regierung das Zittern bekommt, wenn an das Rechtsgesühl des Polles appelliert wird, ist allerdings nach den Taten der bayerischen Justiz begreiflich. Das mecklenburgische Justizministerium vertritt die Auffassung, daß die Derhastung des Freikorp. führer» Roßbach zu Recht besteht und die ihm zur Last g.'lcgten Mordtaten keines- wcgs unter die Reichsam ne st i« fallen. Roßbach hat übrigens wegen dieser Mordtaien dauernd unter Berfok- gung g e sl ä n d e n, sich ober bisher seiner Verhaftung durch die Flucht immer wieder entzogen. die �brüstungskrife. London . 29. Juli. Aus Washington wird gemeldet, ddß die neuen britischen Bor - schlage in Genf unannehmbar seien. Heute abend werde in London ein Kabinetterot einberufen. Die Minister wurden zum Teil von den Bahnhöfen vor Antritt ihrer Weekendfahrt durch Boten zurückgeholt. Wenn die Vermittlungsvorschlägc Japans nach London und Washington nicht vorbehaltlose Annahme finde» sollten, würde man mit dem Abbruch der Konserenz zu rechnen haben. Sämtliche Minister sind, ungeachtet der Vertagung des Unterhauses bis 8. November, in London geblieben, damit jederzeit auf Wunsch der englischen Delegation in Genf eine vollständige Kabinettesitzung abgehalten werden kann. pilsuöfkis Pech. Starke Teuervng in Polen . Lei den jüngst vorgenommenen Gemeindewahlen in Polen sind die Freunde de» halbdiktatorischen Regimes Prlsudski unter dem itzarteinamen„Lager der Sanierung" vorgegangen, haben jedoch ziemlichen Mißerfolg erlitten. Ueber ihre Aussichten für die Parla- mentswahlen zu Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres läßt sich noch nichts jagen. Der scharfe Kampfruf der polnijchen Sozialisten gegen Pilsudski ist unseren Lesern bereits bekannt. Nun scheinen aber die„Saniercr" von schwerem Pech oerfolgt zu sein, denn ihr eigenes Organ, das Warschauer Blatt„Glos Prawda" (Stimme der Wahrheit) macht in«rnstester Weise auf die ganz außerordentlich starte Teuerung ollen täglichen Be- dorfs in den letzten Wochen aufmerksam. Für ein« solche Sanierung dürften sich die Völker Polens bestens bedanken, zumal das Sanlerungsregime sich mtt den Großgrtrndbesitzern verbündet hat, um der Rechtsopposition, den Nationaldemokraten, Stimmen und vor allem Wahlgelder zu entziehen; bei solchem Bündnis wird man aber schwerlich die Verbündeten zu billigerer Hergabe„ihrer" Pro- dukte oeranlassen können. Kommt auch noch Ausschaltung des iparlaments. Beeinträchtigung der Pressefreiheit und für die Minder- heitsvölker keine Erweiterung ihrer Recht« dazu, so dürste die Be- geisterung für dieses Regime am Wahltag sich in sehr negativem Sinne äußern. Zwei Tote ans Unglückszeche Raöboö. Hamm . 23. Juli. Ein schweres Unglück ereignete sich heute während der Mittogslchicht auf der bei Hamm gelegenen Zeche R a d b o d. Als man beim Kvblenabbau auf der dritten Sohle war, ging plötzlich das Flöz zu Bruch. Zwei Bergleute wurden unter dem Gestein begraben. Trotz der sofort aufgenommenen Rettung?. arbeiten konnten beide nur al» Leichen geborgen werden.
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