Abend ausgabe
Nr. 36944. Jahrgang Ausgabe B Nr. 182
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10 Pfennig
Sonnabend
6. August 1927
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In der vergangenen Nacht furz vor 12 Uhr erfolgten in der Untergrundbahn vier Explosionen, durch die die Bahnsteige zertrümmert und in mehreren Häuserblocks, die an den Broadway und das Geschäftsviertel grenzen, die Fensterscheiben zertrümmert wurden. Unter den Gästen in wohlbekannten Hotels entstand infolge der Explosionen große Erregung.
Zu den kurz vor Mitternacht erfolgten Bombenegploflonen in vier New Yorker Untergrundbahnhöfen gibt die New Yorker Polizeibehörde folgendes bekannt: Die Explosionen ereigneten fich fämtlich im Stadtzentrum zwischen der 23. und 33. Straße. Die Explosion an der 28. Straße war fo heftig, daß am Broadway die Fenster in sechs Häuser blods zertrümmert und in den nahegelegenen großen Hotels viele Personen aus den Stühlen geworfen wurden. Auf den Untergrundbahnhöfen wurden mehrere Personen verleht. Einige von ihnen haben schwere Verlegungen davongetragen. In den wegen der Explosionsgaje angehaltenen 3ügen brach eine Panit aus.
dienst vorbereitet. Dennoch mußten sie nachgeben. Die Gewerkschaft der Untergrundbahner hat einen vollen Sieg er rungen und auch ohne Streit ihre Anerkennung erzwungen. Schon damals tauchten Meldungen über geplante Gewaltatte der Streifenden auf. Aber selbst wenn damals wirklich einzelne Toren an Gewaltatte gedacht haben sollten in der wahnwißigen Vorstellung, damit einen Gemertschaftskampf durchzuführen: so hirnverbrannt fann selbst ein Anarchist nicht sein, daß er nach dem Siege Bomben wirft. Somit ist es tlar, daß mit den Bombenwürfen auf der New Vorter Untergrundbahn Stimmung gegen die fiegreichen Gewerkschaften und gegen die Anarchisten gemacht werden soll. Sonderbar ist an den durch WTB. von der New Yorker Polizei verbreiteten Nachrichten, daß sie keinerlei Vermutungen über die Täter enthalten; nicht weniger aufschlußreich ist auch die Stilisierung der Meldung über die Explosion in Philadelphia , die gerade rechtzeitig nach New York kam, ehe noch dort sich die Aufregung gelegt hatte"...
Diese Bomben platten in dem vornehmen Besitviertel" von Philadelphia , in dem Bantenviertel von New York , um alle Befiginstinkte gegen die Humanität wachzurufen; Die Explosionen auf den Untergrundbahnhöfen ereigneten sich fie explodieren, um das Mitleid mit den unschuldigen Besitzlosen in der Furcht der Besitzenden zu ersticken.
auf der Broadway Linie, 28. Straße, und Fourth- AvenueLinie, 23., 28. und 33. Straße. Nach den bisherigen Berichten wurden durch die Broadway- Explosionen sieben Personen verlegt. Nicht nur der Untergrundbahnverkehr wurde unterbrochen, sondern auch der Straßenbahnvertehr. Der Broadway war in der Nähe der Explosionsstelle mit Glassplittern und mit Waren bedeckt, die durch die Gewalt des Luftdrucks aus den Ladenfenstern herausgeschleudert worden waren. Die Polizei nahm Absperrunge n vor, um Plünderungen der in Mitleiden schaft gezogenen Läden und Banten zu verhüten.
Die Kirche im vornehmen Wohnviertel".
New York , 6. August. ( WTB.) Che sich die Aufregung über die Explosionen auf der Untergrundbahn gelegt hatte, traf hier aus Philadelphia die Mel. dung von einer neuen furchtbaren Explosion ein. Dort hat ein unbekannter Täter eine Bombe in eine Kirche geworfen. Die Explosion rief in dem vornehmen Bohnviertel Philadelphias , in dem die Kirche gelegen ist, große Be stürzung hervor.
Diese Bombenexplosionen sollen die anarchistische Rache für die unmenschliche Bernichtung der beiden Unglücklichen Sacco und Vanzetti darstellen. Sie platen in der New Yorker Untergrundbahn, um eine Mitschuld der streifenden Arbeiterschaft anzudeuten. Vor wenigen Tagen erst stand eine mächtige Auseinandersetzung zwischen der Direktion und den Arbeitern und Angestellten der New Yorker Untergrundbahnen bevor. Die Gesellschaften hatten einen umfangreichen Streitbrecher
Reichsfreudigkeit.
,, Staatsbürgerliche" Hehe gegen die Preußenregierung. Die Hugenberg- Bresse regt sich über die Flaggennotverordnung der preußischen Regierung auf. Man tennt die Töne, fein Wort
darüber.
Die Hugenberg- Bresse fann für sich in Anspruch nehmen, daß fie das Verbrechen der Preußenregierung am flarsten und schärfsten formuliert hat: Preußen will die Hissung der Reichs. flagge erzwingen."
Das ist das Verbrechen. Preußen will dem Reiche geben, was des Reiches ist. Preußen will Reich und Verfassung ehren. Welch Maß von Reichsfreudigkeit herrscht bei der Presse, die sich darüber aufregt!
Es ist die Bresse der stärksten Regierungspartei des Reiches, dte gegen die Reichsfreudigkeit und gegen die Liebe zur Verfassung protestiert. Man muß daraus schließen, daß die Deutschnationale Bolts partei ihre Aufgabe darin erblickt, in der Reichsregierung gegen das Reich und seine Verfassung zu wirken.
Preußen will die hissung der Reichsflagge erzwingen." Die Presse der Reichsregierung protestiert dagegen. Soll man den Schluß ziehen, daß die Reichsregierung des Bürgerblocs eine Regierung gegen das Reich ist?
Verstärkter Schuh für Schwarzrotgold. Gegen schwarzweißgroten Unfug in den Badeorten.
Der preußische Minister des Innern hat heute- wie der Soz. Pressedienst" erfährt, an die Regierungspräst denten und Polizeibehörden, in deren Bezirke Bäder an der Ost oder Nordsee liegen, einen Erlaß zur Flaggenfrage herausgegeben. Dann wendet sich der Minister gegen die Mißstände, die sich während der Sommermonate an der Ost- und Nordsee hinsichtlich der Flaggenfrage gezeigt haben, um die Behörden aufzufordern, gegen diese unerträglichen Zustände mit allen Mitteln vorzugehen. In dem Erlaß wird u. a. betont, daß es dem Ansehen des Staates unermeßlichen Schaden zufüge, wenn Badegäste ihre verfassungstreue Gesinnung durch, Hiffen der schwarzrotgol denen Fahne zeigen, aber von Andersdenkenden deswegen be.
Protest der freien Gewerkschaften.
Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund hat foeben der amerikanischen Botschaft in Berlin nachstehendes Protesttelegramm zugesandt:
,, Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, als die Vertretung von 4 Millionen gewerkschaftlich organisierter deutscher Arbeiter und Arbeiterinnen, erhebt im letzten Augenblick Protest gegen die nunmehr endgültig geplante Hinrichtung von Sacco und Vanzetti. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund erhebt diesen Protest nicht nur aus grundsätzlicher Gegnerschaft gegen die Todesstrafen, sondern auch in der Ueberzeugung, daß den beiden Berurteilten tein Verbrechen nachgewiesen ist, das eine derartig barbarische Strafe rechtfertigt. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund schließt sich vielmehr der in fast der ganzen Welt vertretenen Auffaffung an, daß die Verurteilten unschuldig sind und die Verurteilung nur wegen ihrer Gesinnung erfolgte. Ihre Hinrich tung wäre die Bollendung des Justizmordes.
Die Sozialdemokratische Partei hat bereits in Riel eine Nachprüfung des Urteils gegen Sacco und Banzetti gefordert. Die einmütige Kundgebung des Parteitages verlangte im Namen der Menschlichkeit, daß jede Möglichkeit eines Justizmordes vermieden wird. Diefe Rundgebung ist dem Botschafter der Bereinigten Staaten in Berlin übermittelt worden.
broht, beschimpft und Belästigungen ausgefeßt
werden.
Ursachen und Folgen des Scheiterns der Marinekonferenz.
Sieben Wochen spielten die Drähte zwischen Genf , London , Tokio und Washington , besuchten Botschafter die Außenminister, fonferierten die Staatschefs mit den Refforts, verhandelten ein Dugend Admiräle und Diplomaten. Nach fieben Wochen ist die Marinekonferenz in Genf zusammengebrochen.
Sie war nicht einmal als eine ,, Abrüstungskonferenz" im eigentlichen Sinne zusammenberufen. Coolidge hatte die fünf Seemächte zu einer Konferenz über die Begrenung, allenfalls die Beschränkung der Seerüstungen geladen. Es war nie von ihm daran gedacht worden, daß Amerifa etwa völlig abrüsten solle. Der amerikanische Imperialismus braucht seine Flotte, um gegen Meriko, gegen Mittelamerika gerüftet zu sein, um die Herrschaft über die Philippinen und die übrigen abhängigen Gebiete, wenn nötig, gewaltsam aufrechtzuerhalten. Es hatte sich für Coolidge nur darum gehandelt, zu einer Verminderung der Rüstungsausgaben zu kommen. Die Parole Sparsamteit" und Weltfriede" sollte bei den Präsidentschaftswahlen 1928 ihre Zugkraft entfalten. Coolidge wollte den gleichen geschichtlichen Erfolg für seine Partei buchen, den sein Borgänger Harding in der Washingtoner Konferenz 1921/22 gehabt hat.
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Damals hatten die Vereinigten Staaten ihre Gleichberechtigung zur See erzwungen. Sie hatten vorher so stark aufgerüstet, daß fie England nötigten, den Ein- MächteStandard anzunehmen. Vertraglich wurde die Gleich heit Englands und der Bereinigten Staaten in großen Schlachtschiffen und schweren Kreuzern festgesetzt; die Zahl der Großkampfschiffe, ihre Tonnage und ihre Bestückung wurden begrenzt. England und die Vereinigten Staaten einigten fich; fie setzten ihre Großkampfflotten auf 5: 5 fest. Japan wurde an die 3iffer 3,5 gebunden und damit für die Zukunft am maritimen Wettbewerbe ge= hinder t; Italien und Frankreich wurden auf die Ziffer 1,7 festgelegt. So wurden einige Dutzend Schlachtschiffe als altes Gisen verkauft oder als Schießscheiben zusammengeschoffen, die Bauprogramme aufgegeben und für zehn Jahre Bauferien beschlossen. Neben der einseitigen deutschen Entwaffnung war die Washingtoner Konferenz der einzige Erfolg, den die internationale Abrüstung genauer Rüstungsbeschränkung das Wettrüsten zur See in anderer Beziehung weiterjemals erzielt hat. Aber dieser Teilerfolg hatte zugleich das Ergebnis, daß ging. Kleine Kreuzer unter 10 000 Tonnen wurden ungehindert weitergebaut, die Zerstörerflottillen verstärkt, um die Wette die Anzahl und die Maße der Unterseeboote gesteigert. Coolidge sah sich einer immer stärkeren Rüstungspropaganda gegenübergestellt. Der Imperialismus und die Rüstungsindustrie drückten vereint im Kongreß immer neue Bauprogramme durch. Unter dem Druck friedlich gesinnter Teile der öffentlichen Meinung legte der Präfident mehrfach fein Beto gegen die Aufrüstung ein. Auf die Dauer glaubte er sein nationales Sparsamteitsprogramm, mäßige Rüstung, aber nur dadurch durchzuführen, daß er einen internationalen Vertrag abschloß, der auch für die Hilfskampfschiffe Höchstgrenzen einführte; nur auf internationalem Wege schien der Ansturm des Nationalismus Die Ausdehnung des Grundsatzes der Gleichberechtigung mit England auf alle Geestreitfräfte hätte zugleich die nationale Eitelkeit der Ameritaner zufriedengestellt.
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Der Minister des Innern weist deshalb die betreffenden Bewenigstens für eine Reihe von Jahren zu bändigen möglich. hörden an, zum Schuße der schwarzrotgoldenen Fahnen Landjäger oder Schußpolizei verstärkt in die Bäder zu entfenden, damit durch Patrouillen am Strand während des Tages sowie der Nacht gegen die Uebeltäter, die die schwarzrotgoldenen Fahnen herabreißen und vernichten, vorgegangen werden kann.
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Propaganda für die Rheinbesehung. Guilleaumant möchte gern im Rheinland bleiben. Paris , 6. Auguft.( Eigenbericht.) Der rechtsstehende ,, Avenir" veröffentlicht heute in großer Aufmachung einen angeblichen Geheimbericht" des Führers der fran zösischen Rheinlandarmee, Guilleaumant an den Kriegsminister Painlevé und den Außenminister Briand . Die Urheberschaft dieses Berichts bleibt vorläufig noch dahingestellt. Jedenfalls wird die deutsche Reichsregierung beschuldigt, im Rheinland den Revanchetrieg mit allen Mitteln vorzubereiten. Mit der militärischen Ausbildung von Jugendverbänden, der Beschaffung von Flugzentralen an der Grenze des besetzten Gebietes, der starten Entwicklung der sogenannten ,, Reitervereine" soll eine geheime Armee" in den Rheinlanden geschaffen werden, die in der Lage wäre, eventuell rasch und wirksam gegen Frankreich ein zugreifen. Der Bericht schließt mit dem Hinweis, daß die Gegenwart der alliierten Besagungsarmee im Rheinland glücklicherweise dazu diene, die Entwicklung dieses Planes zu verhindern.
Reval , 5. Auguft.( Eftl. Tel.- Agentur.) In der vergangenen Nacht wurde ein aus Rußland tommender Agent der Kommunistischen Internationale, dessen gefeßwidrige Tätigkeit die Polizei längere Zeit beobachtet hatte, in Reval auf der Straße erfcholfen, als er bei seiner Verhaftung bewaffneten Widerstand leistete. Auch ein Polizeioffizier
wurde verwundet.
Coolidges Konferenz erhielt ihren ersten, und wie es sich nun gezeigt hat, tödlichen Stoß dadurch, daß Frantreich und Italien es ablehnten, die Konferenz mit bevollmächtigten Delegierten zu beschicken. Frankreich lehnte ab, angeblich, um nicht illoyal gegen die vom Völkerbund vorbereitete Abrüstungskonferenz zu erscheinen; tatsächlich, um das Recht der Aufrüstung zur See England gegenüber erst dann aus der Hand zu geben, wenn England dafür auf die Forderung der Abrüstung Frankreichs zu Lande verzichtet. Gegenüber Poincaré setzte Briand nur mühselig die Entsendung eines Beobachters durch. Nachdem Frankreich das Odium der Ablehnung auf sich genommen hatte, beteiligte sich auch Mussolini nur mit einem Beobachter, um zu jabotieren. So blieb die Konferenz auf England, Japan und die Vereinigten Staaten begrenzt. Weder in London noch in Washington waren die Regierungen weitsichtig genug, um die dadurch entstandenen Schwierigfeiten zu sehen.
Auf der Konferenz selbst war Japans Stellung ganz eindeutig- nicht für Abrüstung aber für Rüftungsbegrenzung. Durch die wiederholten Erdbeben wirtschaftlich erschüttert, von schweren ökonomischen Krisen heimgesucht, ist Japan für Jahre zur See wettbewerbsunfähig mit den Ver einigten Staaten . Es hat ein tiefbegründetes Interesse daran, einen maritimen Wettkampf mit der amerikanischen Finanzkraft durch internationalen Vertrag zu vermeiden. Deshalb hat es immer wieder vermittelt. Die beiden anderen Mächte sind an der Kreuzerfrage gescheitert. Amerika hat verhältnismäßig wenig Flottenstüßpunkte; es braucht größere Kreuzer. England hat mehr Häfen und Delstationen, deshalb kann es sich mit kleineren Kreuzern begnügen. Der Herrschaftsbereich der Vereinigten Staaten ist verhältnismäßig begrenzt, der Englands über die ganze Erde zerstreut: Deshalb beanspruchte England mehr Kreuzer, um seinen