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Hr. 370» 44. Jahrgang

1 Vellage öes Vorwärts

Sonntag, 7. August t027

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Das ist der Höhepunkt des Sommervergnügens für die Daheim- gebliebenen: die Dampferpartie. Sie ist wirklich so etwas wie«ine Ferienreise, zwar nur im bescheidensten Maßstab, denn sie dauert ja nur einen Tag, aber diesen Tag kostet man auch gehörig aus: und wenn man Glück hat und einen Sonnentag erwischt, dann kommt man eingebrannt wie von einer richtigen Somnierreise zu- rück. Und dabei ist diese sommerliche Dampferportie nach dazu ein recht billiges Vergnügen! Für 1,Sl) bis 2 Mark kann mar» einige Stunden lang Dampfer fahren, und wer an der frischen Luft und den mitgebrachten Stullenpaketen noch nicht genug hat, der kann am Dampferbüfett auch noch allerlei andere Erfrischungen«zu volks- tümlichen" Preisen verkonsumieren: es ist ja alles da, vom Cognak bis zur Himbeerlimonade... Ja, solche Dampferpartie ist ein« herrliche Sache, und wenn man dann plötzlich im Gewerkfchaftsteil eine Notiz liest, daß fast alle die Reedereien, deren bunte Plakate an den Litfaßsäulen locken,.gesperrt" sind, dann empfindet man das fast als Schikane. Was gehn uns die Tarife an... Es ist eine alte Geschichte: Man kümmert sich am liebsten nur um die Tarife, die für das eigene Arbeitsverhältnis in Betracht kommen, und es muß den Menschen schon recht deutlich bewiesen werden, daß ihnen die Tarifverträge der anderen nichtschnuppe" sein dürfen, wenn sie der Beweisführung Gehör schenken sollen. Wo mit den Tarisen der anderen aber gleichzeitig die eigene Sicherheit verknüpft ist, da sollten wir doch aber alle etwas hellhörig werden. Und das ist hier der Fall. Denn wenn wir schon in den Prozessen gegen unglückliche Lokomotivführer feststellen konnten, welche Ge- fahr für Leib und Leben der Passagiere«ine übermäßig lange Ar- beitszeit des Transportperfonals bedeutet, um wie viel mehr noch ist das beim Schiffspersonal der Fall! Oberspree und Havel find zwar an sich recht friedliche Gewässer, aber sie sind so belebt, daß man an mancher Ecke fast Sehnsucht nach einem Der- kehrsschutzmann kriegen kann, und dabei hat das Schissspersonal unserer Spreedampser durchschnittlich eine 12- bis löstündige Ar- beitszeit, d. h. bei regelmäßiger Tourenfahrt. Es ist aber auch schon vorgekommen, daß dasselbe Schiff mit derselben Besatzung von der Reederei am gleichen Tage wieder zu einerBlondscheinsahrt" ver­wendet wurde, so daß nicht einmal von einer einigermaßen ausreichen- den Nachtruhe für das Personal die Rede sein konnte! Nur dem, der diese Verhältnisse kennt, ist es klar, was die Forderung der ununter- brochenenan Mann und Schisf gebundenen" zehnstündigen Nacht­ruhe auch für die Passagiere bedeutet. Uebrigens: der Zustand der Mannschastsräume auf den meisten Schissen ist derartig, daß die Mannschaft der Vergnügungsdampfer auf Spree und Havel es fast als ein Glück betrachten kann, wenn sie nicht mehr auf das Schlafen an Bord angewiesen ist. Selbst aus den neuesten Schiffen wird hier auf das äußerste an Raum gespart, und auf den älteren Dampfern, die nur jeden Sommer als Vergnügungsdampfer neu aufgefchminkt werden, werden die Mannschaftsräume meist nicht mit.überholt" und sind und bleiben die alten, üblen Drecklöcher. Die Kehrseite der Partie. Die Erholungsbedürftigkeit der Berliner ist schon immer«in gutes Spekulationsobjekt gewesen, und besonders die Spekulation auf das Erholungsbedürfnis des kleinen Mannes war immer«ine lohnende Sache, Denn es ist ganz unglaublich, was sich der sonst als so großschnäuzig und anspruchsvoll verschriene Berliner alles

gefallen läßt, wenn man ihm eine einigermaßen billige Befriedigung seiner Natursehnsucht verspricht. Dann nimmt er sogar ein bißchen Lebensgefahr mit in Kauf... Und in weiser Erkenntnis dieser Tat- sache kommen allsommerlich viele, viele Dampfer nach Berlin , denen es wahrhaftig nicht an ihrer Wiege gesungen wurde, daß sie mal das Vergnügungs- und Erholungsbedürfnis der Berliner befriedigen würden. Frachtdampfer allerältesten Typs, die sonst brav und treu auf Oder und Elbe fahren, werden zurSaison" neu aufgeschminkt: freilich sitzt die Schminke eben nur obenauf, und diealten Schlitten" sind eigentlich durchaus nicht zur Personenbeförderung geeignet, wie die Kajüten- und Toilettenverhältnisse beweisen! Viel schlimmer aber noch ist es, daß sich die Landungsbrücken gewisserSaisonreedereien" und mancher Wasserlokale in einem geradezu lcbensgesährtichen Zu- stand befinden, so daß sich die zuständigen Behörden einmal ernstlich darum kümmern sollten. Ein Beispiel für viele: Die vielbenutzte Anlegebrücke des RestaurantsPrinzengarten" am Müggelsee ist so verrottet, daß zwischen den einzelnen Bohlen Lücken von 30 bis 40 Zentimetern Länge und bis zu 10 Zentimetern Breite find! Welche Gefahr das bei dem üblichenSturm auf den Dampfer" bedeutet, ist ohne weiteres klar, und es ist wohl mehr dem reg- nerischen Sommer als der Sorgfalt der Behörden zu danken, daß es hier noch nicht zu ernsten Unglücksfällen gekommen ist. Auch die bauliche Ausführung noch neuer Anlegebrücken, besonders der nicht mit einem Lokal verbundenen, läßt oft recht viel zu wünschen übrig, und bei dem in Berlin üblichen Massenandrang an schönen Tagen kann es hier leicht einmal zu einer Einsturzkatastrrphe kommen. denn sehr solid gebaut sir>d diese Brücken zumeist nicht. Aber dar- über setzen sich die Reedereien leicht hinweg. Die Löhne, die dem Personal dieser Reedereien gezahlt werden, liegen natürlich winde- ftens 25 Proz. unter den Tariflöhnen, abgesehen davon, hat das Personal, wie schon berichtet, schwer unter der oft ins endlose ver- längerten Arbeitszeit zu leiden. Und noch an eines sollten die vielen, die da ihre Sommerreise aus dem Spreedampfer machen, denken: DieStimmungskapelle", das unerläßliche Inventarstück einer richtigen Dampferpartie, deren Vorhandensein auf den bunten Plakaten der Reedereien auch oft extra erwähnt wird, geht jetzt meist auf eigenes Risiko mit. d. h. sie wird nicht von der Reederei entlohnt, sondern ist auf das Absammeln angewiesen. Nun mag man gewiß in bezug auf manche dieser Dampserkapellen der Meinung Wilhelm Büschs fein: Musik wird oft nicht schön empfunden, Weil stets sie mit Geräusch verbunden". Aber die jetzt zumeist an die Stelle der Blasmusiker getretenen Schrammelmusiker bemühen sich wenigstens, das Höchstmaß beruflich produzierterStimmung" herzugeben: doch wenn nach Arbeitsschluß

S)ie Silbers�rvärrne 2�]*23 on QJncid) INachdruck verboten Autvrkflert« T5«bersed»»g an» btm Eugllsche« vo» Q«Xla Goppel Wir erfuhren, daß Sie aus dem Norden angekommen feien," begann der Journalist,und Mr. Athems hat mich hierhergeschickt, um Sie zu interviewen." Athems! Billy Athems?" Ganz recht. Er ist unser Redakteur und ich glaube, er bat mit Ihnen zusammen die Universität besucht. Er meinte, Sie könnten gewiß etwas Interessantes aus Alaska berich- ten," fuhr der Journalist fort,und Ihr Kompagnon hat mir schon von Ihrer Reise und Ihrem großen Erfolg erzählt." Mein Kompagnon?" Ja, Mr. Frobisher. Er hörte, daß ich nach Ihnen fragte und bot mir in Ihrem Namen ein Interview an." Frobisher !" wiederholte Boyd Emerson ganz oerständ- nislos. Ja, der Herr dort drüben." Der Journalist zeigte auf Fräser, der die Szene von weitem beobachtet hatte und jetzt verschmitzt das eine Auge zukniff. Ach so, Frobisher , ja, ja!" stammelte Boyd. Ein drolliger Mensch. Er hat mir erzählt, wie Sie das junge Dädchen retteten, das bei Kaloik mit ihrem Schlitten durchs Eis brach." Was sie sagen!" Das ist ja ein ganzer Roman. Ein vorzüglicher Artikel für unsere Zeitung. Er hat mir auch versprochen, daß ich mich an Ihrem hydraulischen Unternehmen beteiligen kann. Biel Geld besitze ich natürlich nicht, aber es klingt so ver- lockend, und" Wie weit sind Sie in Ihren Verhandlungen über dieses hydrauliche Unternehmen gekommen," sagte Boyd Emerson neugierig,wenn ich fragen darf." Soweit, daß ich ganz versessen darauf bin. Ich werde unter den jungen Leuten bei unserer Zeitung eine kleine Sammlung veranstalten und Ihnen noch heute abend, bevor Sie Weiterreisen, das Geld bringen." Es tut mir leid," sagte Emerson kühl,aber Herr Frobisher und ich müssen die Sache erst bereden. Ich denke, wir werden dieses hydraulische Unternehmen lieber so­zusagen in der Familie behalten." Schade! Ich hätte mich gern einem Minenunternehmer, der so vom Glück begünstigt ist, angeschlossen: wenn unser- Zins, mst femem kleinen Monatsgehalt.auskommen muß,

wird man neidisch, wenn man die Goldgräber mit ihren Säcken voll Gold zur Stadt kommen sieht. Vielleicht geben Sie mir später noch eine Chance." Vielleicht," sagte Emerson freundlich. Als der junge Mann aber fort war, ging Emerson hastig auf Fräser zu, der behaglich in einem Klubsessel saß und eine lange Zigarre mit Leibbinde rauchte. Ich verbitte mir," sagte er mit leiser Stimme,daß du mich in deine Gaunergeschichten hineinziehst! Diesmal habe ich dein Komplott noch hintertrieben, wenn du es aber noch einmal versucht, liefere ich dich der Polizei aus." Schade," sagte der Abenteurer sanft,daß dir mein hydraulisches Unternehmen nicht gefällt. Der Journalist war bereit Aktien zu zeichnen und wollte auch seinen Redakteur dazu überreden." Seinen Redakteur!" rief Emerson erschrocken,der Redakteur ist einer meiner alten Bekannten, dessen Unter- ftlltzung mir noch sehr wertvoll sein kann, wenn ich aus Chikago zurückkomme." Emerson war jetzt so böse, daß er Fräser den Rücken kehrte. Die Moral des Burschen war wirklich zu verdorben. Indessen konnte er nicht vergessen, daß er ohne seine Hilfe jetzt noch in dem Laden des Russen gesessen hätte, ohne Mög- lichkeit sein Vorhaben auszuführen, und darum schluckte er seinen Aerger hinunter. He! wann reisen wir?" rief Fräser hinter ihm her. Emerson aber antwortete nicht und ging auf sein Zimmer, wo er sich mit Hilfe der neuen Kleidungsstücke in einen zivilisierten Menschen verwandelte. Als er sich umgekleidet hatte, eilte er zuni Telegraphenamt und sandte zwei Tele- gramme nach Chikago, das eine adressierte er an seinen Schneider, das andere an eine Nummer der Lakeshore Drive, der vornehmsten Straße der Stadt. Bevor er dieses letzte Telegramm niederschrieb, überlegte er lange, zerriß mehrere Kladden, die ihm nicht gefielen und gab dem Beamten schließ- lich das Telegramm mit einer seltsamen Mischung von Be- sorgnis und Trotz. Darauf begab er sich zu einer der Haupt- danken, und zwei Stunden später kehrte er strahlend ins Hotel zurück. In der Halle stieß er auf den großen George, der mit Interesse seine Nägel betrachtete, die merkwürdig rein und glänzend waren. Sieh nur!" rief der Fischer bewundernd.Schimmern sie nicht wie die Zähne eines Hundes?" Ich habe eine Uebereinkunft mit einer Bank getroffen!" rief Boyd begeistert,sie will mir hunderttausend Dollar leihen, so daß ich nur noch die anderen hunderttausend her- beizuschaffen brauche."

das Ergebnis des Absammelns geteilt wird, dann werden die eben nochStimmung" undLaune" markierenden Gesichter oft lang und länger. Denn viele Passagiere glauben, die sechs StundenStim- mungsmusik" mit einem Groschen für die ganze Familie fürstlich abgegolten zu haben... Wenn auch gegenwärtig die Berliner Hochsaison für Dampfer- fahrten ist, so hat sich die Spreeschiffahrt doch längst aus dem Sta- dium des bloßen Sommergcfchäfts herausentwickelt. Die neueren Schiffe werden alle mit abzudichtendem Verdeck gebaut, so daß sie während des ganzen Jahres fahren können, und diese Fahrten in den Jahreszeiten, in denen früher niemand an eine Dampferpartie dachte, erfreuen sich einer stets steigenden Beliebtheit und tragen nicht wenig dazu bei, den Verdienst der Reedereien zu stabilisieren. Langwald und Schmolke, eine der drei nichtgesperrten, tariftreuen Reedereien, deren Inhaber selbst frühere Schiffsangestellte sind und mit kleinstem Kapital anfingen, haben jetzt auch einen Luxus- dampfer bauen lassen, der weit über 100 000 Mark kostet, und das hat die Reederei in wenigen Iahren geschafft, trotzdem sie mit ihren Angestellten immer Tarifverträge abschloß. Oder stünde hier statt destrotzdem" besser einweil"? Denn die Sperre, die der Verband gegen die Reedereien verhängt hat, wirkt sich doch erheblich aus, so daß eine der großer» Reedereien statt der 130 Vereinsfahrten, die sie sonst in jedem Sommer hatte, nur ungefähr 30 hat. Na, und die anderen Vereine haben doch keinesfalls auf ihre sommerliche Dampferparsie verzichtet, sie sind eben abgewandert zu den tarif- treuen Reedereien!

Zrdbaö Wlmnsee. (Stoßseufzer bei 30 Grad.) Nackend, quakend, quäkend, quiekend Macht die halbe Welt hier Weekend. Paddelnd, quaddelnd, skullend, stakend Feiern auch die Ruderer Wakend. Skatend, ratend, roochend, smokend Machen die Papas hier Wokend. Krakelnd, mäkelnd, räkelnd, häkelnd Machen auch die Mütter Wäkeend. Ruhe suchend Kuchen! fluchend Pfeif ich auf das ganze Wukend.« Mich, von Lindenhecken. ....................... Famos," sagte Bali, ohne von seinen Händen aufzu- sehen.Sind sie nicht fein! Leuchten sie nicht geradezu?" Gewiß, sehr nett. Weißt du, wenn man das erste Hunderttausend hat, ist es ein Kinderspiel das andere zu ver- schaffen. Diese Bankleute wissen, was ein Lachsgeschäft be- deutet. Der Direktor, mit dem ich sprach, sagte, wenn wir einen guten Fischplatz am Kalvikfluß hätten, sei das Geschäft so gut wie gemacht." Da hat er recht. Ich glaube das Mädchen hielt mich für einen Goldgräber. Sie nahm doppelte Bezahlung, aber hübsch war sie. Ich war so verlegen, daß ich die ganze Zeit kein Wort gesagt habe. Sie aber nahm es mir gar nicht übel, denn als ich ging, forderte sie mich auf, recht bald wiederzu- kommen und dann länger zu bleiben. Ein allerliebstes Mädchen." Nimm dich in acht," lachte Emerson.Es liegt hier offenbar in der Luft, daß jeder, der aus Alaska kommt, sich in eine Maniküre-Dame verliebt. Für Liebes- und Heirats- gefchichten aber haben wir keine Zeit, vergiß das nicht." Gott , so eine würde mich ja nie nehmen," sagte der Fischer und wurde so rot, wie ein gekochter Hummer. An diesem Abend aßen sie ein Diner, wie es sich für Männer geziemt, die lange Zeit in der Wildnis gelebt haben. Zuerst sahen sie sich nach Fräser um, aber er war Nirgends zu finden: denn der Abendteurer war durch alles, was sie auf der Reife zusammen durchgemacht mit unsichtbaren Banden an sie gebunden, und sie fanden, daß sie nicht von ihm scheiden könnten, ohne sich für die Opfer, die er für sie gebracht, er- kenntlich gezeigt zu haben. Er aber war nirgends zu finden, nicht einmal als die Zeit sich näherte, wo ihr Zug abgehen sollte. Das gefällt mir nicht," bemerkte Boyd," wenigstens hätte er uns Lebewohl sagen und eine glückliche Reise wünschen können." Wenn er da ist, ärgere ich mich über ihn, und wenn er nicht da ist, vermisse ich ihn," bemerkte George.Wahr- scheinlich ist er unterwegs, um wieder etwas auszufressen." Am Bahnhof warteten sie, und hofften bis zum letzten Augenblick, dag Fräser noch auftauchen würde. Als aber das Abfahrtssignal gegeben worden war, suchten sie ihre Plätze in ihrem Abteil auf, indem sie sich enttäuschter fühlten, als sie zugestehen wollten. Als der Zug sich in Bewegung setzte, begaben sie sich in den Rauchwagen, während sie über solch unerwartete Treulosigkeit nachsamwn. Als sie aber im Begriff waren ihre Zigarren anzuzünden, hörten sie plötzlich eine bekannte Stimme:Hallo, Ihr da!" Und dort stand Fräser und lachte über ihr Erstaunen. (Fortfetzung folgt.)