Die„ Old Glory" war zu schwer.
Die Ursachen des Unglücks.
Ueber die Notsignale der„ Old Glory" wird aus New York | des Ozeans im günstigsten Falle eine Reklame für die betreffenden gemeldet, daß 31 Dampfer, die sich in jenem Gebiet befanden, sich mit| Flugzeugfirmen darstellt, eine Reklame, die außerordentlich teuer Boldampf nach der Unglücksstelle wenden. Das Flugzeug war seit vier- bezahlt wird. Von Gesezes wegen sollten nur solche Ozeanflüge zuzehn Stunden unterwegs, als es ins Meer stürzte. In seinen letzten gelassen werden, die mit absolut feetüchtigen Flugbooten unternomFunksprüchen hatte Bertaud immer die außerordentliche Schwere für das Leben der Flieger und ihrer Begleiter verbürgen. men werden, die auch im Falle eines Sturmes eine gewisse Sicherheit jeines Apparates betont, die ihm offenbar nicht erlaubt hat, dem für das Leben der Flieger und ihrer Begleiter verbürgen. Unwetter durch Auffieigen in größere Höhen auszuweichen. Seit dem daß die bisher gebräuchlichen Maschinen für einen praktischen Als Ergebnis der bisherigen Ozeanflüge kann man wohl sagen, Berlassen des amerikanischen Festlandes schwieg der Radioapparat Ozeanflugverkehr völlig ungeeignet sind. Es scheint so, als ob jeẞt der„ Old Glory", und das Nofsignal wurde automatisch von dem nicht mehr die Flieger, sondern die Konstrukteure das Wort haben zweiten Radioapparat gegeben, der für den Notfall eingebaut war. sollten. Vielleicht müssen ganz neue Wege im Flugzeugbau beAuf das Notfignal folgten kurz die örtlichen Angaben: Fünf schritten werden, die es ermöglichen, mit wesentlich geringerem Stunden öftlich von Neufundland . Das amerikanische Marineamt Energieverbrauch größere Leistungen als bisher zu erzielen. Unsere stellt fest, daß das Roffignal in einem Sturmgebiet ausgegeben daß Flugmaschinen fliegen und auf relativ furzen Strecken auch wirtschaftlich denkende Zeit kann sich damit nicht zufrieden geben, wurde. Ergänzende Berichte der Schiffe laffen erkennen, daß die Ladung und Passagiere zu befördern vermögen, sondern sie hat Flieger einen nördlicheren Kurs eingeschlagen haben als beabsichtigt das Recht, zu fordern, daß die Fliegerei technisch und organisatorisch war. Der holländische Flugzeugkonstrukteur Fokker drückt die Ueber- so gestaltet wird, daß die Gesellschaften mit Tarifen arbeiten können, zeugung aus, daß die„ Old Glory" sehr niedrig geflogen sei, als sie die es ermöglichen, auch ohne ftaatliche Subventionen den Flugin den Sturm gerief. Wenn sich Bertaud in gewisser Höhe befunden betrieb aufrecht zu erhalten. Tatsächlich wird von ernsten Flugzeughätte, wäre es ihm ein leichtes gewesen, im Gleitflug aufs Meer konstrukteuren an diesem Problem gearbeitet, und wie es scheint, niederzugehen und so Zeit zu gewinnen, in seinen Funksprüchen die auch mit Erfolg gearbeitet. Wie aus Wien gemeldet wird, ist es dem genaue örtliche Lage anzugeben. Fokker schreibt den Sturz ins rühmten„ Laube" gelungen, Schwingenflieger im Modell herzubekannten Flugzeugkonstrukteur Wels, dem Schöpfer der beMeer einem Motordefekt zu. Wenn es dem Flieger gelungen fei, ftellen, die mit außerordentlich hohem Nußeffekt arbeiten, so daß die Benzinbehälter zu leeren, was in 48 Sekunden geschehen könne, fie etwa eine 12- bis 15mal so große Leiſtung vollbringen und wenn das meer nicht zu stürmisch gewesen sei, fo fönnte fich fönnen, wie die bisherigen Flugzeuge. Die außerordentlich günstigen der Apparat noch lange auf dem Wasser halten und Hilfe abwarten. Modellflugversuche sollten Veranlassung geben, sich mit diesem Problem ernsthaft zu beschäftigen. Sollte der angegebene Wirkungsgrad zutreffen, so bedeutete das eine völlige Neugestaltung des ge=
Der Unfug der Sport- Ozeanflüge. Man muß nun, nachdem das Suchen nach der„ Old Glory" vergeblich gewesen ist, endgültig mit ihrem Verlust rechnen. Die
glückliche Ueberquerung des Nordatlantik durch Lindbergh hat ein wahres Wettfliegen über die große Wasserwüste hervorgerufen. Die allgemeine Begeisternug über diese ersten glücklich verlaufenen Flüge war durchaus verständlich. Sie entsprang der reinen Begeisterung für eine sportliche Leistung. Daß diese sportlichen Leistungen möglich waren, mußte man schon seit Jahren. Jeder Flieger, mit seinem fliegenden Benzintant, denn etwas anderes find diese Flugzeuge nicht, mußte von vornherein mit einem Mißlingen und mit dem Tode rechnen. Inzwischen haben eine Reihe von Fliegern ihre Tollkühnheit mit dem Leben bezahlt und man follte endlich daran denken, die Sportfliegerei über den Atlantik einzustellen. Wie gemeldet wird, planen die kanadische sowohl auch die australische Regierung, Dzeanflüge mit ungeeigneten Maschinen zu verbieten. Das erscheint durchaus vernünftig und anerkennenswert. Auch andere Länder, nicht zuletzt Deutschland , sollten fich auf den Standpunkt stellen, daß selbst das glückliche Ueberqueren
Munitionsexplosion in einem Keller.
Feuer in einer Gummifabrik.
In dem Heizungsfeller des Grundstücs Jäger str. 59/60 ereignete sich heute vormittag eine Munitionsexplosion, bei der zwei Arbeiter erhebliche Brandwunden erlitten. Beim Verlegen von Heizröhren, wozu ein Schweißapparat verwendet wurde, geriet ein Schrank, in dem Jagdmunition lagerte, in Brand. Plötzlich ertönte ein lauter Krach. Die Munition war explodiert und mehrere St Flammen erfaßt und erheblich men schlugen heraus. Die verlegt. Die alarmierte Feuerwehr löschte den Brand nach furzer Zeit. Die verlegten Arbeiter wurden von der Feuerwehr zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo ihnen erste Hilfe zuteil wurde.
beiden Arbeiter wurden von den
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Mit der Bekämpfung eines sehr gefährlichen Feuers waren bie Spandauer Wehren gestern nacht in den Gummiwerten von Runge, in der Lazarusstraße 19 zu Spandau , längere Zeit beschäftigt. Durch Kurzschluß wurde eine undichte Benzol leitung, die zu großen Behältern führt, in denen Gummi aufgelöst wird, in Brand gesetzt. Die Flammen griffen auf einen gefüllten Behälter über, dessen Inhalt explosivartig aufloderte. Ein in der Nähe beschäftigter Arbeiter wurde von einer hervor schießenden Stichflamme erfaßt; er trug erhebliche Brandwunden davon. Glücklicherweise gelang es ihm noch, den brennenden Raum zu verlassen. Dem tatkräftigen Eingreifen der Wehren unter Leitung des Baurates Zemfow ist es zu verdanken, daß das Fauer auf seinen Herd beschränkt werden fonnte. Der verletzte Arbeiter mußte in das Spandauer Krankenhaus übergeführt werden.
Die Kommunisten im Freidenkerverband. Fraktionsarbeit auf höhere Weisung.
Die Zellenleitung des 6. Bezirks der Kommunistischen Partei entfendet an ihre Gesinnungsgenossen im Verband für Freidenfertum und Feuerbestattung folgende Einladung:
Werte Genossen! Alle Mitglieder der Freidenkerfraktion müssen unbedingt am Donnerstag, dem 8. September, zu einer um 19 Uhr im Lokal ,, Märkischer Hof", Admiralstr. 18c, stattfindenden Fraktionsfigung aller im Freidenferverein organi sierten KPD. - Genossen anwesend sein. Erscheinen muß jeder KPD.- Genosse, da die Tagesordnung fehr wichtig ist. Mit tomm. Gruß! Zellenleitung Gruppe C, 6. Bezirk.
Diejenigen Mitglieder des Freidenferverbandes, die bisher schwer belehrbar waren, daß die sogenannte„ Opposition" zellenbildnerischen Charakter nach den Weisungen der Parteizentrale besitzt, werden durch diesen neuen Beweis vielleicht doch etwas zum Nachdenken angeregt werden.
Für unsere Genossen ergibt sich die Pflicht, mehr als bisher auf der Hut zu sein und in den Veranstaltungen des Freidenkerverbandes der schädigenden Fraktionsarbeit der Kommunisten entgegenzutreten. Tödlicher Motorradunfall. Auf der Potsdamer Chaussee wurde gestern nacht der 23jährige Motorradfahrer Walter Kliem aus der Gleditschstraße 9 zu Schöneberg von einem vorüberfahrenden Automobilisten mit schweren Verlegungen bewußtlos aufgefunden. Wenige Meter davon, an einem Chauffeebaum, lag das völlig zertrümmerte Kraftrad. Der Verunglückte wurde in das Spandauer Krankenhaus überführt, wo er kurze Zeit nach seiner Einlieferung an den Folgen eines Schädelbruchs und innerer Verletzungen star b. Die Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhaus gebracht.
„ Geprelite Chauffeure." In unserer Ausgabe Nr. 410 Dom 31. Auguft brachten wir unter dem Titel„ Geprellte Chauffeure" einen Bericht, in dem wir uns in scharfer Weise über die Geschäftsprattiken der Berliner Motorraddroschten Betriebs- Gesellschaft" äußerten. Wir erhalten nun von der Geschäftsleitung der Firma eine 3 u schrift, in der behauptet wird. daß die Firma völlig forreft ge= handelt habe. Die Zuschrift entspricht den Anforderungen des Pressegesetzes für eine Berichtigung in leiner Weise; sie„ widerlegt" Dinge, die wir gar nicht behauptet haben, und geht an dem Kern dessen vorbei, was wir fagten. Zu einem Rückzug unsererseits liegt feinerlei Anlaß vor.
amten Flugzeugweſens, die auch die Wirtschaftlichkeit des Flug
betriebes mit sich bringen würde.
Wie soeben aus dem Reichsverkehrsministerium bekannt wird, beſteht dort leider die Absicht,„ kühnen Sportlern, die eine große Tat wagen wollen, nicht in die Arme zu fallen". Eine gewisse Möglichkeit dazu würde das Ministerium durch Verweigerung der Zulassungsurkunde haben, die stets auf Grund genauester Prüfung des Flugzeugs in der Untersuchungsanstalt zu Adlershof , ausgestellt wer den muß. Das Ministerium hält es nur für seine Pflicht, dafür zu jorgen, daß nicht beim Aufstieg überbelasteter Flugzeuge dritte zu Schaden kommen.
Diese Stellungnahme ist im Hinblick auf die praktische Wertlosigkeit der sportlichen Ozeanflüge sehr zu bedauern. Fast könnte man es bei dieser Sachlage begrüßen, daß die schlechte Witterung auf dem Atlantik für die nächste Zeit Ozeanflüge von Europa nach Amerika unmöglich macht. Vielleicht bringt das Warten in der 3wischenzeit auch bei den verantwortlichen Stellen die Erkenntnis, daß Ozeanflüge auf einer ganz anderen Basis als bisher vorbereitet werden müssen.
Das Schicksal Wilhelm Filchners.
Kein Opfer der Tibetaner?
Bom deutschen Generalkonsulat in Kaltutta ist eine Depesche eingelaufen, daß nach den Auskünften der dortigen Regierungsstellen eine Ermordung des deutschen Forschungsreisenden Filchner bisher nicht bestätigt ist. Es handele sich wahrscheinlich um ein falsches Gerücht, darauf zurückzuführen, daß andere Reisegesellschaften von Kanadiern und Nordamerikanern in der Nähe der tibetanischen Grenze ausgeraubt worden sein sollen. An der weiteren Aufklärung wird gearbeitet, doch ist es infolge der großen Entfernung Tibets von Kalkutta schwierig, Nachrichten zu erhalten.
Im D- Zug ermordet.
Gestern abend gegen 10% Uhr ist im Schnellzug Paris- Boulogne in der Nähe des Bahnhofs St. Just ein Verbrechen verübt worden. In einem Abteil 1. Klasse tötete ein außerordentlich aufgeregter Passagier einen Bankbeamten durch Messerstiche und warf die Leiche zum Abteilfenster hinaus. Im Kampfe mit verschiedenen anderen Passagieren, die den Mörder fesseln wollten, verletzte er noch drei weitere Personen und entkam durch einen Sprung aus dem Zuge. Nach dem„ Matin" soll zwischen dem Getöteten und dem Mörder ein heftiger Wortwechsel stattgefunden haben, der zu einem Kampf führte.
Der Vortrag der Frau Karin Michaelis , der für heute abend um 7.30 Uhr im Programm der Funkstunde angesetzt war, muß wegen Erfrankung der Vortragenden ausfallen. Dafür spricht um 7.30 Uhr Ministerialrat Dr. Kurt Haenschel über die Internationale Pressekonferenz des Völkerbundes in Genf .
Erfinderkampf gegen Bureaukratismus.
Ein Beleidigungsprozek.
Fast hat es sich schon zu einer Art Gewohnheitsrecht bei der deutschen Justiz ausgewachsen, daß, sobald Offiziere der Reichswehr oder Reichsmarine in ein Gerichtsverfahren verwickelt sind, sich gleich zum Anfang der Vertreter der Staatsanwaltschaft erhebt, um wegen ,, Gefährdung der Staatssicherheit" den Ausschluß der Deffentlichkeit zu beantragen. So war es auch gestern, als sich der Oberingenieur Hoecken vor dem Schöffengericht in Moabit megen fortgesetzter Beleidigung aus§§ 185 und 186 des Reichs- Strafgesetzbuches zu verantworten hatte. Beleidigt waren verschiedene hohe Claußen, Kapitän 3. S. Kinzel, Korvettenkapitän AltHerren aus der Marineleitung, so Admiral 3enter, Kapitän vater und Diplomingenieur Albrecht. Der Angeklagte hatte während der Jahre 1925 und 1926 für die Reichsmarine an einer Erfindung gearbeitet, die mit dem ja auch bei der deutschen Seemacht Verhandlung diese Erfindung in ihren technischen Einzelheiten nicht üblichen Schießen zusammenhängt. Obwohl nun bei der ganzen mit einem Worte erwähnt zu werden brauchte, genügte dieser die Staatssicherheit gefährdende" Umstand dem Staatsanwalt, seinen Antrag vorzubringen. Er kam diesmal an die falsche Adresse. Der Verteidiger, Genosse Kurt Rosenfeld , wies mit schlagenden Gründen nach, daß von einer Gefährdung der Staatssicherheit überhaupt nicht die Rede sein könne und daß er bei einer Annahme des Lage sein würde. Auch das Schöffengericht konnte sich dem nicht Antrags die Rechtsgültigkeit der Verhandlung anzuzweifeln in der verschließen, so daß der Vorsitzende als Beschluß die vorläufige" Zulassung der Deffentlichkeit verkündete.
Der Fall selbst liegt in furzen Zügen so: Als der Angeklagte bei der Ablieferung des Apparates den vertraglich festgesetzten Termin nicht einhalten fonnte, setzte man ihn im Reichsmarineamt
kurzerhand vor die Tür. Als er kurz darauf mitteilte, daß er
den Entwurf eines Apparates fertiggestellt habe, der praktischer und man ihm mit, daß man es ablehne ,,, aus persönlichen und sachlichen Gründen von seinem Entwurf Kenntnis zu nehmen". Dies brachte den Ingenieur in Harnisch, und er schrieb Briefe an Herrn Geßler, den Admiral 3enker und andere Vertreter des Reichswehrministeriums, die in der Form ohne Zweifel über das zulässige Maß hinausgingen, in der Sache aber sicherlich manches Richtige enthielten. Er meinte, dem Korvettenkapitän Altvater pflichtwidriges Verhalten und mangelnde Objektivität vorwerfen zu dürfen, weil dieser eben aus persönlichen Gründen von seinem Entwurf feine Kenntnis nehmen wollte. Hatte doch Hoecken einige Monate zuvor in einer Beschwerde gegen Altvater Recht bekommen. Das Reichsmarineamt ging noch weiter: Es brachte dem auf die Straße gesetzten, mit seiner Familie hungernden Ingenieur die Reichs= anwaltschaft auf den Hals und beschuldigte ihn des versuchten Verrats militärischer Geheimnisse. Selbst die Reichsanwaltschaft was doch wahrhaftig viel sagen will hat inzwischen Hoecken aus der Haft entlassen müssen. Durch ein Straßenmädchen wurde der Angeklagte auf Veranlassung des Marineamts auf seine Ausgaben hin beobachtet!
billiger sein würde als die bisher vorgelegten Entwürfe, teilte
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Die Berteidigung beantragte, als Zeugen den Untersuchungsrichter im Strafverfahren gegen Hoecken und den Chef der Marineleitung Zenter zu laden. Das Gericht lehnte ab. Auch verzichtete es auf den größten Teil der Beweisaufnahme. Der Staatsanwalt
sprach fur 3, aber unsachlich. Er machte es sich sehr einfach, indem er nach einem oberflächlichen Plädoyer den Antrag auf zwei Monate Gefängnis stellte. Der Verteidiger beleuchtete die Angelegenheit ausführlich. Er wies nach, daß es in der Tat Pflicht der Marinebehörde gewesen wäre, auf Grund der Bestimmungen und auf Grund jeder Ueberlieferung den Entwurf Hoedens unter allen Umständen zu prüfen. Persönliche Gründe hätten in solchem Falle überhaupt nicht mitzusprechen. Außerdem stehe dem Angeklagten unzweifelhaft der Schutz des§ 193 zu: Wenn jemals berechtigte Interessen zu wahren gewesen wären, so in diesem Falle, wo ein Mann, dessen wissenschaftliche Bedeutung selbst der Zeuge Altvater anerkannt hätte, nach seiner jubjektiven Ueberzeugung zu Unrecht auf die Straße gesetzt werde und nun für sein Woh! und Wehe und um das tägliche Brot von Frau und Kindern gekämpft hätte. Formale Beleidigungen lägen vor, das sei aber auch alles!
Das Gericht verurteilte den Angeklagten aus§§ 185 und 186 zu 3000 Mark Geldstrafe. Nach der Urteilsbegründung war die Marineleifung auf der ganzen Linie im Recht. Außerdent hatte man es nicht für nötig gefunden, auf den§ 193, der von der Wahrung berechtigter Interessen spricht, auch nur mit einer Silbe einzugehen.
Ein seltsamer Todesfall.
Der gefesselte Steuerpraktikant.
Unter seltsamen Umständen wurde gestern abend ein junger Mann in dem Hause Alt- Moabit 137 tot aufgefunden. Der 25 Jahre alte Steuerpraftifant Hans Kurt Apian- Bennewiß, der Sohn eines Apothekenbesigers in Annaberg im Erzgebirge , 30g im Juli d. J. als Untermieter zu einer alten Dame, die früher Generalstabsoffiziere auf das Dolmetschereramen vorbereitete.
Bennewitz war im Auswärtigen Amt beschäftigt und wollte sich der Laufbahn der Konsulatssekretäre widmen. Wie er seiner Wirtin erzählte, stand seine Untersuchung auf Tropendienstfähigkeit bevor. Mensch. Am Dienstag abend kam er zur gewohnten Zeit nach Hause Bennewiß war ein lebenslustiger, heiterer und hoffnungsfroher und war vergnügt wie immer. In seinem ganzen Wesen war keine Spur einer Beränderung zu merken. Am Mittwoch morgen um 7% Uhr wollte die Wirtin ihm wie immer den Kaffee bringen. Auf ihr Klopfen erhielt sie jedoch keine Antwort. Sie dachte, daß der junge Mann mit dem Ankleiden noch nicht fertig sei und ihr Klopfen überhört habe und stellte deshalb das Tablett vor die Tür. Später fand sie es noch da stehen und nahm jezt an, daß Bennewitz sich verschlafen und in der Eile ohne Kaffee weggegangen sei und abgeschlossen habe. Erst am Abend, als er zur gewohnten Zeit nicht heimkehrte, schöpfte sie Verdacht. Jezt sah sie genauer zu und fand nun, daß der Schlüssel von innen in dem Schlosse stedte. Sie be nachrichtigte die Polizei. Beamte des Reviers fonnten die Tür mit dem alten Schloß leicht öffnen und fanden den jungen Mann fof im Bette liegen. Sie alarmierten die Reservemordkommission, die Kommissare Johannes Müller und Rassom , die mit mehreren Beamten und dem Gerichtsarzt Dr. Weimann bald erschienen. Der Tote lag auf dem Bauch mit dem Gesicht tief in das Kopffiffen gedrückt. Das Deckbett war vollständig über ihn weggezogen. Zu ihrer Ueberraschung fanden die Beamten eine seltsame Feffelung Der rechte Arm war ausgestreckt mit einem breiten Leibriemen über die Brust an den Körper angeschnallt. Aehnlich war die rechte Hand
an den Oberschenkel angeschnallt. Der linke Arm dagegen war vollständig frei. Eine weitere Untersuchung ergab, daß Bennewig einmal einen Schulterbruch gehabt hat und deshalb eine orthopädische Schulterſtüße trug. Spuren äußerer Gewalt wurden von dem Gerichtsarzt am ganzen Körper nicht gefunden. Die Todesursache konnte der Arzt nicht feststellen, wahrscheinlich aber ist der
junge Mann in dem Kopfkissen erstickt. Ob dabei eine andere Per
sen ihre Hand im Spiel gehabt hat, läßt sich nicht ohne weiteres laffung. Die sonderbare Fesselung erklärt sich vielleicht ganz harmbejahen oder verneinen. Für einen Selbstmord fehlt jede Veranlassung. Die sonderbare Fesselung erklärt sich vielleicht ganz harm( os. Bennewig mag sie wohl jeden Abend vorgenommen haben, um seine Schulter vor einer etwaigen neuen Berlegung während des Schlafes zu schüßen. Die Leiche wurde nach genauer Aufnahme des Refundes beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die festgestellt werden konnte, hatte Bennewig in Berlin feine AngeObduktion wird wohl nähere Aufklärung bringen. Soweit bisher hörigen, sein Vater wurde benachrichtigt. Mitteilungen, die noch zur Aufklärung beitragen können, an die Kommissare Johannes Müller und Rassow im Zimmer 179 des Polizeipräsidiums.
Er wollte ein Feuerchen" machen! Durch einen häßlichen Brandgeruch wurden heute morgen um 3% Uhr die Angehörigen eines 38 Jahre alten Schlossers Reinhold O. aus der Berliner Straße in Lichterfelde aus dem Schlaf geweckt. Sie sahen nach und fanden den Mann in der Küche schwer betrunken an einem kleinen Feuerchen". Wie er sagte, war ihm bei der Heimkehr von seiner Bierreise sehr falt gewesen. Da hatte er in der Küche Holzspäne, Zeitungspapier und Lumpen zusammengesucht, auf dem Fußboden aufgehäuft und angesteckt, um sich„ ein bißchen zu wärmen". Die Angehörigen konnten das Feuer leicht löschen, bevor es Schaden angerichtet hatte.