Nr. 488 44.Jahrgang
1800 Kilometer in knapp 11 Stunden.
Das dreimotorige Junkers- Großflugzeug D 1230, das unter Führung der Piloten Loose und Starte Freitag früh 6.25 Uhr in Lissabon gestartet war, ist am geftrigen Freitag nachmittag bereits um 15.10 Uhr in Horta ( Azoren ) glatt gelandet. Die deutsche Ozeanmaschine hat die erste Atlantiketappe Lissabon - Azoren bedeutend schneller bewältigt, als allgemein- und wohl auch und wohl auch von den Fliegern felbft vorher angenommen wurde. Die Euftlinie Lissabon- Horta beträgt fast genau 1800 kilo. meter, zu deren Bewältigung das Junkers- Flugzeug nur 10% Stunden benötigt hat. Rein rechnerisch würde sich demnach eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 165 Stundenfilometern ergeben, doch ist anzunehmen, daß die Maschine natürlich nicht genau die Luftlinie innegehalten, sondern einen Flugweg von annähernd 2000 kilometern hinter sich gebracht hat, so daß fie tatsächlich eine Geschwindigkeit von etwa 180 kilometer in der Stunde erreicht haben würde.
Die erste Nachricht über das Erreichen der am weitesten östlich gelegenen Azoreninjel Sao Miguel traf bereits gegen 5 Uhr nachmittags in Deutschland ein, denn die Funkstation Norddeich erhielt folgenden Funkspruch von Horta :„ 4 Uhr 6 Min. erhalten joeben Nachricht von Ponta Delgada , daß D 1230 Wellenbrecher von Bonta Delgada passiert." Ponta Delgada liegt an der Südwestecke von Sao Miguel , etwa 250 Kilometer südöstlich von Horta , der Hauptstadt der Azoreninsel Fayal . Bereits gegen 5 1hr wurde in Horta bekannt, daß das deutsche Flugzeug an der Südküste der Azoreninjel Bico mit Kurs auf Horta gesichtet worden sei. Auf diese Nachricht hin, die sich schnell verbreitete, strömte eine zahlreiche Menschenmenge zum Hafen von Horta , wo man dann bald nach 5 Uhr das Junkers Flugzeug am füdöstlichen Horizont sichtete. Die Maschine näherte sich schnell und landete unter ungeheurem Jubel der Be nölferung um 15,10 1hr glatt und sicher. Die Insassen sowohl wie das Flugzeug selbst befinden sich in bester Verfassung. Meldungen über die Absichten der Flieger hinsichtlich ihres Weiterfluges liegen zurzeit noch nicht vor. Die Wetterlage auf dem nunmehr in Frage kommenden Teil des Atlantischen Ozeans ist so, daß die meteorologischen Boraussetzungen auf dem Kurs Azoren - Bermudas im Augenblick ungünstig, dagegen zwischen den Azoren und Neufundland bzw. Halifar ( Reuschottland) ziemlich günstig sind.
Wie uns berichtet wird, wurde die Besagung der D 1230" bei der Landung mit startem Händeflatschen begrüßt. Es waren auch Ausländer vertreten. Die Frau des englischen Konsuls und die Damen des amerikanischen Amtsvorstehers baten die Piloten, sie der Passagierin vorzustellen. Alle Flieger sind jetzt in der deut schen Kolonie untergebracht. Die in Horta anwesenden Monteure find an Bord gegangen, um die Maschine zu überholen.
In den Kreisen den hier ftationierten Flugleitung ist. man der Ansicht, daß der Weiterilug der D 1230" nach Neufund= Land, falls die Betterlage es gestattet, bereits morgen erfolgt. Die Schauspielerin Frau Dillenz gedenkt auf jeden Fall weiter mitzufliegen.
Ankunft und Weiterflug des D 1220.
Amfterdam, 14. Oftober.
Das deutsche Flugzeug D 1220 traf heute 13.35 1hr im hiesigen Flughafen Schellinkmoude ein und feste furz darauf im Gleitflug glatt auf das Wasser auf. 15 Minuten später lag das Flugzeug bereits fest veranfert. Zurzeit ist man damit beschäftigt, die Tanks des Flugzeugs mit Benzin aufzufüllen. Insgesamt werden noch 800 Liter Benzin zu dem bereits vorhandenen Borrat eingenommen merden. Wie der Pilot erklärte, beabsichtigen die Flieger morgen früh 6 Uhr, falls die Wetterverhältnisse günstig sind, erneut zu
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Und rechts hinter den Gebäuden siedet in blendenden Funken das Meer mit seiner dunklen Bläue. Und die Stadt und die bergigen Fernen find deutlich und nah. Die Das feurige Luft flingt mit goldenen Saiten... furrt. Das find Bienen, die wie Sterne herumfliegen, und Fliegen, die laut furren, als menn sie mit Kinderflappern spielen würden. Und ungewollt, von selber breiteten sich in Gljebs Seele Berge Flügel in weitem Schwunge aus. Ja, das ist es und Meer und das Werk und die Stadt und die Fernen, die weit in den Horizont fliehen.. ganz Rußland mir... All' diese Riesen, die Berge, das Werf, die Fernen, fie fingen alle in ihrem Innern das Lied von der gewaltigen Bittern denn unsere Hände nicht in der Vorahnung der hartnädig- schweren Riesenarbeit? Bebt denn das Herz nicht unter dem Andrange des Blutes?... Ja, das ist das Arbeiterrußland, das sind wir, das ist der neue Planet, von dem die ganze Menschheit seit Jahrhunderten träumt. Das ist der Anfang. Das ist der erste Seufzer vor dem ersten Schlag. Das ist. Das wird sein. Das erdröhnt
Arbeit.
Dom Donner..
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Dascha stand auf der Treppe, die mit Basen geschmückt war, wartete auf ihn und atmete in tiefen Zügen. wie das Was für eine gute Luft hier ist, Gljeb... wie das Meer ist sie... Njurta wohnt im zweiten Stod." Und wieder ging sie ihm einige Stufen voran, bewegte fich fo, als ob sie nach Hause ginge, und war hier wie zu Hause.
Bon der Veranda aus sah Gljeb unten zwischen den Sträuchern und abgezehrten Bäumen, die vom Frühling dampften, noch andere Kinder. Sie schlichen herum wie die Riegen im Werte, zanften miteinander und weinten. In kleinen Häufchen zusammengedrängt saßen sie da und wühlten in der Erde. Gruben rasch und gierig. sich umschauend, wie Diebe. Sie gruben, gruben und rissen dann einander die Beute aus den Händen. Der Stärkere und Geschicktere rannte dann mit seiner Beute zur Seite, nagte gierig. faute und verschluckte sich mit seinem eigenen Speichel. Und dort, beim Zaun wühlten die Kinder im Dünger.
Gljeb preßte die Zähne fest aufeinander und schlug mit der Hand auf das Treppengeländer.
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Jubelnder Empfang.
starten. Das Ziel des morgigen Etappenfluges steht noch nicht genau fest, da es entsprechend der Wetterlage erst morgen auf dem Fluge festgesetzt werden soll. Es steht jedoch fest, daß das Flugzeug in südwestlicher Richtung abfliegen wird. Die Flieger wollen versuchen, den Hafen von Lissabon direkt zu erreichen. Sollte dies wegen der Betterlage nicht möglich sein, so wird beabsichtigt, einen spanischen Hafen, Vigo oder Ferrol , anzufliegen.
Die Ursachen des Schleizer Unglücks.
Bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt. Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt " in Adlershof hatte zu gestern die Berliner Presse zu einer Besichtigung ihrer Werkanlagen eingeladen. Im Berlauf der Besichtigungen fam es auch zu einer Aussprache über das Schleizer Flugunglück, dem, mie erinnerlich, auch der deutsche Botschafter in den Bereinigten Staaten Freiherr v. Malzahn zum Opfer gefallen war.
In der Versuchsanstalt ist das Schleizer Flugzeugunglüc genau untersucht worden. Die einzelnen Bruchstücke wurden von Schleiz nach Berlin transportiert und in den Laboratorien genau geprüft. Die Untersuchung zur Aufklärung des Unglückes hat ergeben, daß der Absturz des Flugzeuges auf den Bruch eines wichtigen Beschlages zur Befestigung des linken Tragflügels zurückzuführen ist. Der aus hochwertigem Stahl hergestellte Beschlag besitzt nach den vom Flugzeugwerk angestellten und von der DVL. geprüften Berechnungen genügende Festigkeit bei Annahme von ruhender Belastung. Das Flugzeug hat mit diesem Beschlag in regelmäßigem Luftverkehr eine Strede von mehreren zehn= tausend Kilometern ohne geringste Beanstandungen durchflogen. Die Bruchkante des Beschlages zeigt in regelmäßigen Abständen Schichtungen, die den Beweis dafür liefern, daß dieser Bruch ganz allmählich, vielleicht im Laufe von Monaten sich immer mehr erweitert hat und schließlich zum Abreißen des oberen Teiles des aus vierfachem Stahlblech bestehenden Beschlages geführt hat, während der Bolzen, der den Beschlag der Strebe mit der Schelle am Tragdeck verbindet, unversehrt geblieben ist. Immerhin lassen Rillen an diesem Stahlbolzen deutlich erkennen, daß die Stahlbleche, durch die er führte, gearbeitet", d. h. sich fortgesetzt infolge der Schwingungserscheinungen bewegt haben. Aus der Tatsache, daß die Anfänge dieses Bruches bereits längere Zeit zurückliegen müssen, laffen jich jedoch keinerlei Vorwürfe gegen das mit der Beaufsichtigung der Maschine betraute Personal erheben. with die Stellung der Gesellschaft innerhalb der Luftfahrt. Im Rahmen der Besichtigung erläuterte der Direktor D. v. De
Die Deutsche Bersuchsanstalt für Luftfahrt hat die Aufgabe, die Prüfung des gesamten Luftfahrtmaterials im Auftrage des Reichs perfehrsministeriums vorzunehmen. Neben dieser eigentlichen Aufgabe ist dieser Gesellschaft die Forschung auf jämtlichen mit der Luftfahrt zusammenhängenden Gebieten übertragen. Leider ist die Rechtsgrundlage der Gesellschaft immer noch nicht geflärt. Im Augenblick übt die DVL. ihre Tätigkeit auf Grund einer Verstän digung der Industrie mit dem Reichsverkehrsministerium aus. Ein Gang durch die Werfanlagen zeigte, wie vielseitig ein Betrieb eingerichtet fein muß, der fast alle, Teile des Flugzeuges durchzuprüfen hat. Jedes neue Flugzeugmuster wird einer Musterprüfung unterzogen. In der Anstalt wird, soweit das durch den oberflächlichen Rundgang festgestellt werden fonnte, mirflich praktische Arbeit für den Flugzeugbau geleistet. Doch scheint wie auf dem ganzen Gebiet der Flugtechnik auch diese Anstalt noch sehr in den Kinderschuhen zu stecken. Die letzten Unglüdsfälle werden auch den Leitern dieser Anstalt den Bemeis gegeben haben, daß die Prüfung der Flugzeuge in den wissenschaftlichen Abteilungen dieser Gesellschaft noch viel öfter und umfangreicher erfolgen muß.
Ferner wurde auch die Verlegung des Flugplatzes nach Brizz be= sprochen. Wenn auch zugegeben werden soll, daß es unbedingt notwendig ist, daß die Anstalt für Berlin erhalten bleibt, so sei doch gesagt, daß bei genügender Zusammenarbeit der städtischen Stellen mit den Herren der Versuchsanstalt ein gleich günstiges Terrain wie
Hunger trepieren, Daschka, erschießen sollte man euch alle für solch eine Arbeit.
Dascha blizzte ihn verwundert mit ihren Augen an, sah herunter und lächelte. Das ist nicht
,, Ach so, du meinst die Erdarbeiten?
so schrecklich, es ist manchmal noch ärger. Wenn man nicht aufpassen würde, dann stürben sie alle mie die Fliegen. Kinderheime sind wohl da, aber wir haben nichts zum Essen. Und wenn man dem Bersonal seinen Willen ließe, so würde es den Kleinen die Kehle durchbeißen. Obwohl einige unter es den Kleinen die Kehle durchbeißen. Obwohl einige unter ihnen auch sehr brav sind... unsere Schule." ,, Und Njurfa- ihr geht es auch fo... unserer Njurfa auch?..."
Dascha erwiderte ruhig Gljebs Blick.
,, Womit ist denn Njurka besser als die anderen? Es war auch mit Njurfa oft genug schwer. Wenn wir Frauen hier nicht wären, so hätten die Läuse und die ansteckenden Krankheiten die Kinder schon längst aufgefressen. Und der hunger hätte sie ins Grab gebracht."
"
Willst wohl sagen, daß du mit dem Weibergetue und ähnlichen Sachen Njurka gerettet haft?"
,, Ja, Genosse Gljeb, eben: durch ähnliche Sachen nichts anderes.
Als sie den Berg hinauf gegangen waren, hatten sie die Kinder auf der Veranda gesehen; als sie anfamen, waren die Kinder und die Pflegerinnen verschwunden. Wahrschein lich waren sie fortgelaufen, um zu melden, daß Gäste kommen.
Im Saale ist Sonne . und die Luft ist dicht und heiß, und es riecht nach Schlaf. Betten stehen in zwei Reihen. und es riecht nach Schlaf. mit rosa und weißen, zerrissenen, geflicten Decken. Und die Kinder in grauen Kittelchen oder einfach in Fehen. Welke Gefichter, die Augen in tiefen, blauen Höhlen. Pflegerinnen gehen im Zimmer ein und aus. An den Wänden fleine Bildchen: gemeinsame Arbeit der Kinder.
Die Pflegerinnen gehen vorbei und bleiben ehrerbietig stehen. ,, Guten Tag, Genossin Tschumalowa! Die Verwalterin kommt gleich."
Dascha ist hier nicht so in sich verschlossen wie sonst hier ist sie ganz Hausfrau.
Njurta, ich bin hier!
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Ein Mädchen in einem Rittelchen( flein , fleiner als alle anderen) stößt die Kinder und läuft mit Geschrei und Lachen ihnen entgegen. Und die Kinder quietschen und rennen alle barfuß hinter ihr her, und ihre Augen sind wie Häschen. ,, Tante Dascha ist gekommen!... Tante Dascha ist
Diese kleinen, armen Hündchen werden hier alle vorgekommen!.
"
Sonnabend, 15. Oktober 1927
Brizz gefunden werden wird. Der Verlegung nach Briz stehen ge= michtige Gründe entgegen, das sollte auch die Bersuchsanstalt er= fennen. Das Brizer Gelände ist zu Siedlungs= zwecken vorgesehen und muß als solches unbedingt erhalten bleiben.
Rätselhafter Leichenfund in einer Laube.
Selbstmord oder Verbrechen?
Der ungeklärte Tod einer Frau rief gestern die Mordkommission der Kriminalpolizei nach der Laubenfolonie Schiller= höhe" an der Seestraße, wo in einer dem früheren Postboten Gustav Seewitz gehörenden Laube die Ehefrau des Seewig tot auj
gefunden wurde.
Gegen 11 Uhr vormittags war der frühere Postbote, der 44 Jahre alte Gustav Seewiß, auf dem 46. Polizeirevier erschienen und hatte dort mitgeteilt, daß er in der ihm gehörenden Laube Nr. 465 soeben seine Ehefrau erhängt aufge= funden habe. Die Beamten begaben sich mit dem Manne nach dem Gelände. Frau Seewiß, die 40 Jahre zählte, lag in ge= frümmter Haltung auf dem Boden dicht an der Tür. Um ihren Hais hatte sie einen starken Strick und neben der Leiche lag ein Messer. Der ganze Befund erschien so zweifelhaft, daß man die Mordkommission alarmierte. Die Kriminalfommissare Johannes Müller und Rassom mit ihren Beamten sowie der Gerichtsarzt Dr. Weimann erschienen bald an dem Fundort. Die Besichtigung der Leiche durch den Gerichtsarzt ergab, daß Hautabschürfungen an den Händen und den Knien sich zeigten, die den Anschein haben, als ob die Leiche geschleift worden ist. Beim Eintreffen der Beamten war die Leichenstarre bereits eingetreten. Die Nachfor schungen ergaben nun. daß das Seewißsche Ehepaar, das jeit 1913 verheiratet ist, feine glüdliche Che geführt hat. Bon den vier Kindern, die dem Bunde entsproffen, find noch zwei am Leben. Weiter wurde festgestellt, daß Frau Seewiß vor zwei Tagen die Hilfe einer weisen Frau" in Anspruch genommen hat und seitdem große Schmerzen litt. Wie der Ehemann angibt, ging er auf Berlangen der Frau am Donnerstag vormittag gegen 10 ihr zu einem Arzt, um schmerzstillende Tabletten für die Leidende zu holen. Bei seiner Rückkehr fand er die Laube perschlossen und nahm zunächst an, daß seine Frau ausgegangen sei. Nachdem er eine Weile bei Nachbarn gemartet hatte, schloß er doch auf und fand nun, wie er behauptet, die Frau erhängt und tot auf. Er gibt die Möglichkeit zu, daß er in der ersten Aufregung den Strid durchschnitten habe. Die Berschiebung der Leiche erklärt er damit, daß er die Lage des Körpers beim Deffnen der Tür geändert habe. Da nach ärztlichem Gutachten sehr wohl ein Erhängen non fremder Hand in Frage femmen fann, so murde S. bis zur völligen Klärung in Haft genommen. Er bestreitet jedes Berschulden. Besonders verdächtig erscheint, daß die Leichenstarre schon während seiner einstündigen Abmesenheit eingetreten sein foll. Die Hautabschürfungen mögen vielleicht von der letzten che lichen Schlägerei herrühren.
Ein raffinierter Zuckerschwindler.
Eine neue Art Schwindel betreibt seit einiger Zeit ein nody unbekannter Mann von etwa 25-27 Jahren. Er sucht Bäcker meister auf und gibt sich für den Vertreter einer Würzburger Zuckerfabrit aus, die auch in Berlin eine Niederlage unterhält. Den Meistern bietet er Buder zu einem Preise an, der verhältnismäßig. billig ist. So erhölt er dann leicht Bestellungen, die er sich schriftlich geben läßt. Mit ihnen begibt er sich zu Großhandlungen, die Zucker vertreiben. Diese beziehen den Zucker von der Favrik und liefern ihn zu der vorh r bestimmt vereinbarten Zeit an die Bäckereien. Dabei sucht sich der angebliche Vertreter stets die Zeit aus, in der der Meister ganz sicher nicht im Betriebe, sondern zu Hause ist. Wenn nun der Kutsche mit dem Zucker komunt, so ist der angeb liche Vertreter der Fabrit zur Stelle, läßt die Ware abtragen und schickt den Kutscher mit der Weisung nach der Wohnung des Meisters, dort den Betrag der Rechnung einzuziehen. Sobald er abgefahren ift, wendet sich der„ Bertreter" mit eine gefälschten Rechnung an die im Betrieb Anwesenden und läßt sich den Zucker nach dem früher vereinbarten Preise bezahlen. Unterdessen sucht der Kutscher vergeblich nach dem Meister, weil ihm eine falsche Wohming angegeben wurde. Enttäuscht kommt er zurück und jetzt erfährt man,
,, Njurka! Da ist sie, der kleine Teufel. nicht zu erkennen ist sie, fremd, aber doch ist etwas Nahes, Verwandtes in ihr. Wie im Fluge ist sie bei der Mutter, schlägt wie ein Bögelchen um sich und schreit und lacht und tanzt.
..Mutter, Mutter!... Mein Mütterchen!" Auch Dascha lacht, hebt sie auf ihre Hände. dreht sich mit ihr herum, füßt sie und schreit mie Njurta: ,, Njurotschka! Mein Mädelchen!
Wieder die alte Dascha, dieselbe, die sie einst war. als fie ihn mit Njurta erwartete, wenn er von der Schlosserei fam. Dieselbe Zärtlichkeit, dieselben Liebkosungen, dieselben Tränen in den Augen und die singende Stimme mit dem nervösen Zittern.
,, Das ist dein Vater, Njurotschta. Das ist er... er innerst du dich an den Bater?..."
Und Njurka schlug die Augen auf. es schien, als ob sie plöglich verwelfe. Sie sah Glieb mit scheuer Neugierde an.
Er lachte, streckte ihr die Hand entgegen und fühlt, wie etwas seinen Hals zusammenschnürte, wie mit einem Strick. ,, Nun füsse mich, Njurotschka... wie groß du bist!.. Ganz wie die Mutter... so groß." Sie schraf zurück und ihr Blick bohrte sich wieder hartnädig in die Mutter hinein.
Das ist Bater, Njurotschka."
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,, Nein, das ist nicht Bater, das ist ein Rotarmift." Ich bin dein Bater und bin auch Rotarmist. Nein, dieser Vater ist nicht Bater. Bater sieht wie ein Vater und nicht wie ein Onfel...."
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Daschas Augen lachten durch Tränen und ein Lachen riß am Strid, der Gljebs Hals zusammengeschnürt hatte. ,, Also gut, fürs erstemal bin ich nicht dein Bater. Aber du bist doch mein Töchterchen. Wollen wir Kameraden sein. Ich bringe dir nächstes Mal 3ucker mit, und wenn ich ihn aus dem Berg ausgraben müßte, fo werde ich ihn dir doch mitbringen. Womit ist denn dein Mütterchen beffer als ich? Du bist hier sie ist dort." ,, Mutter ist hier am Tage ist sie hier und auch nicht am Tage ist sie hier. Und Vater ist nicht da, ich weiß nicht, wo Vater ist. Bater schlägt sich mit den Bourgeois." ..ha, das hast du gut gedrechselt!... laß dich abküssen." Die Kinder schrien laut und zappelten, glogten Gljeb an, lachten und warteten hungrig auf Daschas Hände und Daschas Worte. Mädchen, wie Knaben geschoren, streckten im milden Durcheinander Dascha ihre Hände mit lockigen Veilchenbündeln entgegen, und jedes wollte unbedingt als erstes die Blümchen in ihre Hände legen.
( Fortsetzung folgt.)