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Voaaecstag 5. November 1927

Unterhaltung unö �Vissen

öeilase öes vorwärts

das Vunöer. Humoreske von teha teha. Di» alte Hebamme Theres« Kraus« bekam beinah, einen Schlag «mfall. Sie war gerade dabei, der Kindsmutter Liesl Kreideweiß Zu sagen, daß es ein Junge ist, als auf einmal der klein« Kerl die Hebamme scharf ansah und sagte: Na, nu man etwas zarter. Erst hast du mir den Schädel gedrückt, wie wenn er von Eisen wSr meinst du, ich will mit einem Lffengesicht rumlaufen? Jetzt klatschst du mir auf meine Sitz gelegenhcit, als ob du Echinkenklopfen mit Mir machst. Geht man so mit arme Leut um?"' Mfo tatsächlich die alte Theres«, die doch schon so manche Geburt hinter sich hotte, fiel fast vom Stuhl vor Schreck. Aber um Gotteswillen," stöhnte sie,was ist denn das?" Gell, da staunst«, alte Dom«? Ich bin schon über alles auf geklärt, also ein Wunderkind. Nun Hab dich nicht so, wasch mich erst mal ab. Wo ist denn Mutti?" Ich reiß aus das geht nicht mlt rechten Dingen zu," jammerte die Hebamme,das ist Hexerei." Quatsch nich, Krausen komm wasch mich und putz mir die Augen erst au», weißte, da» war doch ein anstrengender Rutsch." Die alte Krausen wagt fast nicht, den Säugling anzurühren, der lustig Mit den Reinen strampelt. Aber schließlich raffte sie sich doch auf, legte den kleinen Menschen in die Badewanne, woraus der sofort schrie:Wie du mich anpackst. Du mußt mich mit dem linken Arm unter die Schulter fassen, mit dem rechten an mein Popochen und dann langsam in» Bad... Au, au, na hör mal. dos Wasser hat doch sicher mehr als ZS Grad Celsius, ich bin doch kein Borstenvieh. Dann ist dos auch im Zimmer für mich zu kalt. 18 20 Grad brauch ich unbedingt." Das letzte sagte der junge Mann in der Wanne so laut, daß nun auch dl« Mutter munter wurde, die bisher ganz erschöpft da- gelegen und Nichts beobachtet hotte. Wer spricht denn da, Krausen?" frug Frau Kreideweiß. Ach du heilige Veronika, das Kind red't schon wie ein Alter. Das... na hören Sie nur." Aber was machst du denn? In meine Augen darf doch kein Wasier laufen, dos kann doch Entzündungen geben. Du bist mal eine putzig« Rudel." Die Kindesmutter bekam«s nun auch mit der Angst: .Im alle» in der Welt, wo» ist denn da» für ein Wesen?" Di« Hebamme Krause hob den Kopf des Jungen hoch, fo daß sie ihn sehen konnte. Ader auch der klein« Säugling sah nun sein« Mutter. So, du bist meine Mama? No für dein Alter bist du ganz annehmbar. Hunger habe ich, sobald ich hier heran» bin, will ich trinken. Du nimmst mich doch an die Brust? Weißte, mit den Flaschen fang mal nich' an, oerstehste?" Na. was sogen se nu?" fragte die Hedamme.Dos geht doch nicht mit rechten DinM LU?" Frau Kreideweiß war vor Schreck jchon beinahe ohnmächtig geworden, sowas, sowas. Bt« glaubte zu träuwen. Rur ganz langsam kam si« wieder zu sich, da log der kleine Mann schon im Badetuch und redete altklug: Du mußt mit der Hand auf dem Badetuch rerden, nicht mlt dem Tuch auf meiner Haut, Ich bin von zarten Eltern. Mein Bot«r ist Dachdecker. So nun Augen, Ohren und Nase nochmals waschen. Weg mlt den Lappen, für die Augen nimm» man Watte. Gehst du mit den Fingern au» meinem Mund wenn ich gähne hätte, könnst du was erleben." So-» nun log er da, wie ein rosiges Schweinchen. Er bekam fein Hemdchen, dann wurde er eingepackt, immerzu hatte er zu nörgeln: Nlch' so fest, ich will doch strampeln. Hör doch: Nicht so sest, sonst gibt es Uedsrhitzung. So nu' zu Mutti, ich Hab' Hunger." Als dl« Krausen da» Paketchen der jungen Mutter INS Bett legte, schrie die üuf: Um Gotteswillen, was soll ich denn mit dem Menschen?" Der Junge sah fein« Mutter ernst an. �Du bist gut. Was du mit mir sollst? Weihte nu mach man keen« Zicken. Ich soll mich wohl auf der SSugllngsberatungsstell» deschweren?" Du bist gar kein Kind, du bist, ach Gott, ach Gott ...* Du mußt das ja wissen, was lch bin. Also nu mach kein« Faxen, gib mir die Brust. Mensch, was freu Ich mir..." Schließlich siegle die Mutterliebe doch über da, Entsetzen, Frau Kreideweiß nahm da» Plappermaul und legte ihn an. Ach, wie knusprig," schmunzelte da» Paketchen. Mit schmatzendem Behagen fiel der klein« Kerl darüber her, nicht ohne der Mutter noch einige Anweisungen zu geben, wie sie sich und ihm das Trinken erleichtere. Schon nach«inigen Minuten erklärt« er:Schluß. Mutter lst leer. Na, da« wird besser. In einigen Tagen wird es schon mehr werden. Sag mal, Mutti, wie geht» UN» denn sonst so. Warum läßt sich Vater nicht sehen?" Vater ist aus Arbeit," haucht« die Mutter. So, auf Arbeit. Na ja,«r ist Dachdecker, da schein' ich ja in eine arme Familie gekommen zu sein." Er stieß mal auf und fuhr fort:Ausgerechnet Dachdecker, wo wir im Winter nicht« zu beißen haben. Da bin ich mit meinen Eltern aber mal fein reingefallen." Die Mutter seufzt«. Sind noch mehr Kinder vor mir da?" .La. du bist da, fünfte." Gott , wie unvorsichtig hätt' ich da» gewußt hätt' ich das gewußt, ich war' geblieben, wo ich war." Wik haben nicht auf dich gewartet." sagte die Mutter. Jedenfalls darf ein Dachdecker nicht oter Kinder haben. Was verdient denn Vater? .Lehn Mark am Tag wenn er Arbeit hat." Mit sieben Esser ist das viel zu wenig ich mächt am liebsten wieder abkratzen." L Gott, wenn da« Bater hört was bist du bloß für ein «lud? Red' doch nicht l- von deinem Vater." Wenn der Mann so wenig nachdenkt, daß er zu vieren noch da» fünfte Kind in die Welt fetzt, kann er mich dauern. Ich kann ihn nicht begreifen." Aber Kind, es ist doch dein Vater, dankbar mußt du«ein." Quatsch, daran hat«r damals du welßt doch nicht gedacht. ausgerechnet mich zu erzeugen. Warum soll ich ihm dankbar sein? Nid' keinen Stuß, Mamachen. Nun deck dich zu. sonst«rkältst du dich. Ich gedenke«Inen langen Schlaf zu tun." Mit diesen Worten legte Liest Kreideweiß da» Schwatzmäulchen zur Seite e» fiel mit einem lebhaften Knall aus dem Bett

da wachte Liest auf und ihr Mann jagte:Du stöhnst was, hast du Sorgen?" Sich," sagt« sie,Robert, was hob' ich einen Traum gehabt." Sie erzählte ihm die Geschichte, worauf er sie beruhigt«: Den Gefallen wollen wir dem Kerlchen nicht tun, er soll ungeboren bleiben."

Wort bleibt Wort!

jetzt üarjste nicht auhr drillen Schwarzrot- Mostrich, jvnöern öet heißt jetzt Schwarzrot- K i ch t- liaienl"

Die humorlsten unter öen pflanzen. Von EduordOppel. So hat man dt« Kakteen genannt. Nicht deshalb, weil sie den Humor so weit treiben, daß man sie in batamschcn Gärten mit Draht- schutzgittern umgeben muß, damit sie nicht ausarten. Aber das sonst schwächer« Geschlecht soll hier die rärler« Neigung haben, sich von den eigenartigsten Vertretern der jtncheligen Kaktusgelelllchaft nicht meist trennen NU können, fo daß»»»»rzleht. d» es doch nicht Tag und Nacht im Sorten sein kann, st» au« Lieb«. Mit nach Hause zu nrhmeii. Wie Mir elit Mätker NMstcherte,- find': die Stacheldräbt« (jeder Draht, der gegen menschliche Hch wachen verwandt wird. stacheltl) unbedingt notwendig. Daraus sieht man gewiß, daß die Kattien einmal eine besondere Betrachtung verdienen. Lebenskllnstler möchte ich sie nennen. In ihrer Heimat findet man sie auf dürren steinigen, lSNdigett Ebenen, auf öden felsigen Hochlandftrecken und In den Ritzen zerklüfteten Gesteins, an dem kaum ein bißchen Dnmmerd« haftet. Ha, Manche Ärtin(der Gattung Cereus und Schipfalisf klettern wie Orchideen auf hohe Bäume und wurzeln in der zwischen der Bsrke hastenden spärlichen Erde. Die Kakteen gehören zu der großen Verwandtschaft der Nopal- gewächse, die durch eine vom gewöhnlichen Bau der übrigen Pflanzen abweichende Form überrafchen. Ihne GevatterDickblätter" haben schon ein seltsames Aussehen, aber die rechten Nopalgewächse ent- wickeln überhaupt keine Blätter, sondern lassen ihre Stengel slelschtg und dick werden, versehen si« mit Millionen von Spaltöffnungen und übertragen ihnen die Funktionen, die sonst dem Laub«, dem Blatl- wert zufallen. Reichveräftelte Nopalgewächse mit kurzen Zweigen sehen manchen Dickblättern nicht unahnuch, und wenn einzelne Glieder oder Zweigs zu breiten Scheiben werden, denn hält sie der Laie ohne weiteres für Blätter. So bei der Gattung FeigenkaktUs(Oputitia). Viele Gärtner bezeichnen übrigens Dickblatt und Nopalgewächse mit dem gemeinsamen Namen Sukkulenten oder Jettpflanzen. Im botanischen Sinne umfassen die Nopalgewächse neben den blattlosen baumartigeln ostindischen Wolsmilcharten die Opuntien und Kakteen, die Eereus-, Melocactus-, Echinoeactus- und Mamilaria- arten, die von Chile und Südbrastlicn über Peru , Kolumbien , die Antillen und Guatemala verbreitet, insbesondere aber auf der Hoch- ebene Mexikos in einer erstaunlichen Mannigfaltigkeit der Formen entwickelt sind. Immer bewohnen sie Gegenden, die nahezu Drei- viertel des Jahres hindurch des Regens vollständig entbehren, die überhaupt zu den trockensten der Erde gehören. Dielen Verhältnissen des Standorts entspricht denn auch die ganze Organisation der Nopale. An Stelle der Loubblatter sind trockene Schuppen und Haare ausgebidet, vielfach sind die Laub- blätter In Stacheln umgewandelt, di« in großer Anzahl von de» dicken Stengelgliedern abstehen und diese vor den Angriffen der durstenden Tiere schützen. Di« Haut der zu säulen-, scheiden- oder kugeiartiaen Massen auswachsende» Stämme ist an ihrer Außenwand fast knorpelig oerdickt, und häufig wird durch Einlagerung von oxaisaurem Kall(bis zu 85 Proz.) ein förmlicher Panzer um di« tieferliegenden grünen Gewebe ausgebildet(Kerner) In besonders entwickelten Ge- weben sammeln die Nopalgewächse Wasservorrat und können dann der größten Trockenheit länger« Zeit widerstehen. Das Wassergewebe zeigt bei den verschiedenen Arten eine große Mannigfaltigkeit in der Form, im Ausbau und in der Anlage. Wir wissen ja nachgerade, daß der Natur alles und jedes Schematisieren verhaßt Ist. Die Einrichtungen, die den kostbaren Wasservorrat vor Ver- dunstungen schützen, müssen bei diesen Pflanzen besonders reichlich vorhanden fein. Die pflanzlichen Bewohner der Steppen und Wüsten, die auch die größte Dürre des Bodens überstehen, ja frisch und last- strotzend ihre Organ« dem Lichte zurecken, enthalten ausfallend große Mengen von im Wasser gelösten Salzen, Ehlormognesium, Kochsalz und derlei, und diese Salze gehören neben harzigen und gummi- halttgen Säst«» zu den Stoffen, die das Wasser mit Energie fest- halten. Dazu schützen vor ollem die Kakteen der neuen Welt und die Euphorbien des südlichen Asien und Afrika ihr grüne» Gewebe In hervorragender Weise gegen tierische Angrisse. Dornen und wider- liche Angelborsten sind ausgezeichnet« Schutzmittel. Die Kakteen sind die Lieblinge zahlreicher Pflanzenfreunde. Nicht nur dl« Eigenart der Gewächse, auch die großen wunderbaren Blüten haben es ihnen angetan. Wer möchte nicht einmal den Herr- licheii Wüstenflor der Kakteen in ihrer Heimat seden? Alexander von Humboldt war es, der uns die botanischen Herrlichkeiten der südamerikanischen Aequatorialzone erschloß und unserer Phantasie darüber ein Gemälde von wunderbarer Wirkung schuf. Eine der prachtvollsten Blüten entwickelt die berühmt«Königin der Nacht"(Eereus granäilivrus). Die Blumenblätter der nächtlichen Königin sind schraubartig angeordnet, d. h. sie sind in klemen verft-

kalen Abständen entlang einer Schraubenlinie so gruppiert, daß die kleinsten zu unterst, d'e größten zu oberst stehen, nichl unähnlich den Blättern des Hüllkelche» in dem Köpfchen eines Korbblütlers Auch darin liegt etwas Eigenartiges, denn diese schraubenförmige Anord- nung ist wenigstens in so auffälliger Form eine Seltenbeit. Dazu kommt die wunderbare Farbengebung. Außen ist die Blume von silbrigem Schimmer, innen trägt sie eine goldgeznckte Krone. In der Dämmerung tut sie sich auf. um Mitternacht entsaltet sie ihre strahlende Pracht in vollem Glänze, und am Morgen ist sie ver­blüht... Die silberleuchtende äußere Blumenhälste ist von hoher Be- deutung für die Lebensfunktion dieser Pflanze. Wäre die Blüte nur scharlachrot, so hätte sie lbren Zweck von vornherein verfehlt. Sie würde von den am Abend fliegenden Faltern und Schwärmern, Eulen und Spannern gor nicht beachtet werden, denn die scharlachrote ist wie die violette, blau« und purpurrote Farbe in der Dunkelheit un­sichtbar. Nachtblüher haben darum weiß oder blaßgelb gekärbte Blüten, wie Nachtkerze, Geißblatt, mehrere Nachtschattengewächse und vornehmlich die großblumige» merikanischen Kakteen, zu denen unsere Königin ja zählt. Der SilbcrblUtentranz lockt die Nachtfalter an, die das Wert der Befruchtung vermitteln. Der feine Duft, den die reizvolle Blume ausströmt, wiirde kaum genüge», um Insekten anzv- ziehen. Die Königin der Nacht unterscheidet sich darin von anderen Nachtschwärmertnnen. die durch berauschende Duftentfaltung ihre Liebhaber locken ohne ihr verschleiertes Antlitz zu zeigen!' Runö um öie Welt in einem Tag! Der Weltflug der beiden amerikanischen Flieger und die Schnelligkeit, mit der sie den Ozean überquer: haben, stellt uns so recht die ungeheuren Fortschritte vor Augen, die die Flngtunst in den letzten Iahren gemacht hat. Man hat im Spaß an solche Leistungen allerkei Zukunftsbilder geknüpft und von der jungen Dame erzählt, die am Vormittag schnell einmal nach New Port fliegt, um die dortigen Ausverkäufe mitzumachen, und zu Mittag wieder In Berlin sein will. Aber diese Witze haben einen ernsten Hintergrund, und man kann die Möglichkeit, die Welt an einem Tage zu umfliegen, durchaus in dem Bereich einer nicht mehr fernen Wahrscheinlichkeit ziehen. Dies tut der bekannte englische Flieger Sir 2lllan Cobham in den Betrachtungen, die er in einer englischen Wochenschrift ver- öftentlicht.Ich glaube, daß es Möglich sein wird, in einem Tage um die Welt zu fliegen," schreibt er,denn olles, was dazu nötig ist, besteht darin, daß man 1000 englische Meilen In einer Stunde zurücklegen kann Wenn man zu der Erdumdrehung entgegengesetzt fliegt, und um Mittag von Singapore am Aequator westlich fliegt, wirb die Sonne die ganze Zeit direkt über uns sein, und wir werden überall Mittag finde». Das alte Wort, daß man zu gleicher Zeit nicht an zwei Orten sein kann, wird dadurch hinfällig. Wir sind zur Mittagszeit südlich von Ceylon, und obwoyl es ein« Stunde dauert, bi» wir nach Ostasriko kommen, sind wir doch in Nitvbi wieder zu Mittag. Wenn wir dann über den südlichen Atlantischen Ozean nach Brasilien fliegen, so wären wir in drei Erdteilen zur selben Zeit gewesen. Setzen wir unsere Reise rund um den Aequator fort, so würden wir den Stillen Ozean überfliegen, bis wir zu Mittag des folgenden Tages wieder in SigNapvrc eintreffen. Unternimmt man einen Rundflug über Nordamerika , Asien und Europa , so braucht man niele tausend Kilometer weniger zurück­zulegen.. Da wird inq» neue Jeberrgjchutzgeit. erleben. �Bei einer ffieschwinCigkett: omz..1000 Meilen in der Stunde fliegt in cm von Loydon nach New Port nur-drei Stunden, und könnte daher,, wenn man das Frühstück in London nimmt, den Lunch in New Port. ge­nießen. Aber man würde dort nichts zum Lunch bekommen, sondern müßte sich wieder mit einem Frühstück begnügen, denn nach New Porter Zeit trifft man um 7 Uhr früh ein. also früher al» man von London fortgeflagen ist. Heutzutage kann man nach weniger als SO Jahren praktischer Fliegerei etwa 300 englische Meilen in der Stunde zurücklegen. Ich sehe keinen Grund, warum man nichl diele Schnelligkeit verdoppeln und verdreifachen sollte, wenn man in größeren Höhen fliegt. Wie jedermann weiß, wird die Lust immer dünner, in je größerer Höhe man auffteigt, und der Luft- oder Windwiderstand wird immer geringer. Wir besitzen bereits Maschinen, die 1000 Meilen in der Stunde fliegen könnten, voraus- gefetzt, daß wir ihr« volle Kraft in einer Höhe von 12 englischen Meilen entwickeln würden. Man braucht ebensoviel Kraft, um eine Maschine ln einer Aeschwtndigkxit von 228 Meilen in der Stunde über dem Meeresspiegel fortzubewegen, wie bei einer Geschwindig- teit von 1000 Meilen ln der Stunde in einer Höhe von 12 Meilen. Dazu wird frellich«ine genaue Erforschung der höchsten Luftschichten notwendig sein. Ich habe mich bereits öfters der günstigen Luft- strömungen in höheren Schichten bedient, um große Schnelligkeiten zu erzielen. Bisher ist über die Luftströmungen von 20 000 und 60 000 Fuß nur wenig bekannt, und es ist wohl möglich, daß in solchen Höhen beständig Winde in einer bestimmten Richtung blasen, die die Schnelligkeit des Fluges stark erhöhen würden. Wir würden in solchen Höhen wohl auch in der Lag« sein, Regen und Sturm, Schnee und Nebel zu vermeiden und immer in klarer Atmosphäre zu fliegen. Freilich kann der Mensch wegen des geringen Luftdrucks in solchen Höhen nicht leben, aber man wird dann in hermetisch ver- schlossenen Kabinen sich befinden, denen beständig warme Luft zu- gepumpt wird, um den normalen Lustdruck zu erzielen. Solche Kabinen lassen sich ohne besondere Gewichtserhöhung herstellen. Wenn der Flieger der Zukunft mit einer Geschwindigkeit von 1000 Meilen in der Stunde in solchen Höhen dahinsaust, dann wird man in der Kabine wenig oder gar keinen Lärm oernehmen, sondern wird in vollkommener Stille und Behaglichkeit über Länder und Meere dahinrasen."__ Reue» vom Durst. Der Prager Pharniakologe Pros. Star- ken stein hat neuerdings die Frage der Durststillung einer ein­gehende» experimentellen Betrachtung unterzogen und ist dabei zu interessanten Ergebnissen gelangt. Er fand bel normalen und durch Schwitzen durstig gemachten Menschen, daß für die Löschung des Durstes die Zusammensetzung der getrunkenen Flüssigkeit von großer Bedeutung ist. Die er frischende Wirkung eines Getränkes, die z. B. beim Quellwasser aus seiner Temperatur und seinem Gehalt an Kohlensäure beruht Säure reizt die Geschmacksneroen, Macht eine Flüssigkeit noch keineswegs geeignet für eine dauernde DurststillUNg. Wenn das getrunkene Wasser Nicht In den Geweben sestgehalte» werden kann und schnell wieder ausgeschieden wird nach dem Genuß, so ist praktisch keine Durststillung erreicht. Beobachtungen solcher Art kennt man von Bergarbeltern und Hochtouristen, die mit Gletscher- wasser ihren Durst nicht vollkommen stillen konnten. Trinkt man aber schwach salzhaltiges Wasser, so ist die Wasserspeicherung im Organismus bedeutend. Salzhaltiges Wasser schmeckt bekanntlich nicht besonder» augenehm, und erst durch Ansäuern mit Kohlen- säure bekommt es den erfrischenden Geschmack der natürlichen Salz- wässer(Selters). Prof. Starkenstein konnte nun nachweise», daß solches saures, salzhaltiges Wasser ebensogut Im Organismus fest- gebunden wird, wie einfach salzhaltiges, während salzfreies Wasier durch Kohlensäure angefeuert, noch schneller ausgeschieden wird nach dem Trinken, als gewöhnliches Wasser. Auf Grund dieser Befunde erklärt sich die Bevorzugung der natürlichen Mineralquellen und auch der künstlichen Brausepulver vor den künstlichenSodawässern", die durch Einleiten von Kohlen- säure wie einfaches Quellwasser hergestellt werden. Letztere wirken daher nur erfrischend und vorübergehend durststillend.