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Nr. 527* 44. Jahrgang

Beilage des Vorwärts

Tragödie dreier Jugendlichen.

Gemeinsamer Selbstmord. - Politische Motive?

Die furchbare Tragödie dreier Jugendlichen macht wieder von Polizei und ein Arzt, die herbeigerufen wurden, und Frau Hank fi reden. Im Hause Grünauer Str. 29 in Köpenid haben verschafften sich Einlaß und fanden Midling quer vor der dreijunge Leute aus Gründen, die bisher nicht geflärt werden Tür liegen. Bei Wuthe konnte der Arzt nur noch den Tod feststellen, die beiden anderen wiefen nur noch schwache Lebens­fonnten, gemeinjam Selbstmord verübt. Zwei von zeichen auf und wurden nach dem Köpenicker Kranten­ihnen sind der Tat zum Opfer gefallen, der dritte liegt hoffnungslos haus gebracht. Dort ist auch michling im Laufe der danieder. Ueber die Vorgänge bei der Tat konnte folgendes feft- nacht gestorben. Saat liegt fast hoffnungslos und gestellt werden: vernehmungsunfähig danieder.

Im Hause Grünauer Str. 29 wohnt im 4. Stod eine Witwe Ha af mit ihrem 25 Jahre alten Sohn Albert, der als Kon= torist bei der russischen Handelsdelegation in Ber­ lin angestellt ist. Haaf war befreundet mit seinem fommunistischen Parteigenossen Willy Wuthe aus der Glienicker Str. 26, einem Arbeiter von 24 Jahren, und dem 22jährigen Maurer Herbert Michling aus der Flemmingstr. 30 zu Köpenick . Diese drei jungen Männer nahmen gestern an den Demonstrationen teil, die von den Kommunisten aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der Sowjetunion veranstaltet wurden. Gegen 6 Uhr tehrte Haaf in die Wohnung zurück und Wuthe und Michling begleiteten ihn dort­hin. Alle drei setzten sich an den Kaffeetisch, wie es schien, in sehr heiterer und angeregter Stimmung. Zwischendurch machte Haaf Andeutungen, daß sie nicht länger leben wollten. Er fragte feine Mutter, was sie wohl tun würde, wenn sie jest aus dem Leben schieden. Die Frau nahm das nicht ernst und gab eine entsprechende Antwort. Nach einer Weile erhoben sich alle drei und gingen in ein nach dem Hofe gelegenes einfenftriges Zimmer, das Frau Haat und ihrem Sohne als Schlafftube dient. Die jungen Männer drückten die Tür hinter sich zu, ohne sie abzu­schließen. Frau Haaf und ein junger Neffe, Friz Schäfer, aus der Grünauer Str. 64, der zu Besuch war, hörten, wie die drei sangen: Weh, daß wir scheiden müssen", dachten aber auch jetzt noch nicht an etwas Arges.

Plötzlich hörten sie zwei Schüffe. Frau Haat öffnete jetzt die Zimmertür und fah Wuthe vor dem einen Bett und ihren Sohn zwischen den beiden Tischen auf dem Fußboden liegen. Mich­ling beugte fich gerade über Haat, um ihm die Waffe, eine Pistole, aus der Hand zu nehmen. Er drängte Frau Haat aus dem Zimmer hinaus, drückte die Tür wieder zu und riegelte ab. Gleich darauf fiel ein dritter Schuß.

Zur Klärung der rätselhaften Tragödie wurde auch die Mord= fommission des Polizeipräsidiums alarmiert, und Kriminalrat Gennat , der Leiter der Mordinspektion, begab sich an den Tatort. Die Feststellungen hier ergaben, daß ohne Zweifel alle drei sich selbst durch Kopfnahschüsse getötet bzw. zu töten versucht haben. Das geht auch nach ärztlichem Gutachten aus der Art der Schüsse und nach der kriminalpolizeilichen Feststellung ebenso aus der Lage der ab­geschossenen Patronenhülsen hervor. Die Selbstladepistole, aus der alle drei Schüsse abgegeben wurden, lag neben Michling.

Die Angehörigen der drei jungen Selbstmörder wissen über die Ursachen, die zu dieser Tragödie geführt haben, nichts zu sagen. miethling hatte fünstlerische Neigungen, seine Eltern, denen der Umgang mit kommunistischen Parteigenossen nicht gefiel, wollten ihn studieren lassen. Diesem Plan hat der Selbstmord ein Ende gemacht. Wilheim Wuthe aus der Glienicker Straße in Köpenid war im Kabel­werf von Bogel beschäftigt. Er und sein Bruder gehörten der Kom­munistischen Partei an, die Eltern sind parteilos; mit der Mutter hatte Wilhelm wiederholt Auseinandersetzungen religiöser Natur.

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Die Angehörigen sind übereinstimmend der Meinung, daß poli­fische Gründe die jungen Leute in den Tod getrieben haben. Nur Had besaß eine Braut, deren Eltern im Kämmereihain in Köpenick ein Laubenhäuschen befizen. Seit zwei bis drei Wochen waren die drei Freunde sehr häufig zusammen; als die Braut sich bei Hack über Vernachlässigung beklagte, entschuldigte er sich damit, daß er viel mit Parteisachen zu tun habe.

Die Mieter wehren sich.

Gefahr in Verzug! Vor dem Abbau des Mieterschutzes.

Zu einer großen öffentlichen Rundgebung im Konzerthaus Clou hatte der Verband Berlin des Reichsbundes Deutscher Mieter und der Gau Berlin des Bundes Deutscher Mietervereine, Sig Dresden, gemeinsam mit dem AD GB. und dem Af 2- Bund am Sonntag früh eingeladen. Leider maren die Mieter der Aufforderung zum Bejuch nicht so zahlreich gefolgt, wie man das bisher gewohnt war. Das Intereffe der bürger­lichen Parteien für die Mieter scheint gleich Null zu sein, denn es waren feine Vertreter der bürgerlichen Parteien anwesend. Hoffentlich haben diese und andere Tatsachen die Mieter bis zur Wahl nicht vergessen.

Die Hauptvorträge wurden vom Bundesvorsitzenden des Reichs: bundes, Friz Dzient und dem Synditus Rechtsanwalt Gözel gehalten. Genosse Dzient marnte eindringlich vor der Gleichgültigkeit, die sich in Mieterfreisen zeige. Die Reichs­regierung beabsichtige, die Inflationsverluste der Hypothe fengläubiger im Gesamtbetrage von 50 bis 60 Milliarden Goldmark im Laufe der nächsten Jahre dem Hausbesig in die Hände zu spielen. Unter dem Schein der Werterhal: tungssteuer für den Hausbesiz hinsichtlich des Eigenkapitals und der Gebäudeentschuldungssteuer, hinsichtlich des Hypothekenkapitals solle die Haus 3inssteuer völlig abgebaut werden. Diese Pläne seien nur durchführbar, um den Preis einer unglaublichen Mieterhöhung; die Reichsregierugn be­absichtige, die Altbaumieten nach und nach so stark zu steigern, daß fie den Neubaumieten gleichfämen. Die Neubaumieten aber fönne die minderbemittelte Bevölkerung überhaupt nicht bezahlen. Diese mieter- und volksfeindliche Politik der gegenwärtigen Reichsregie rung muß aufs Entschiedenste bekämpft werden.

Der zweite Referent, Dr. Goegel, wies darauf hin, daß nicht einmal der Reichsrat sich bereitgefunden habe, den von der Reichsregierung vorgeschlagenen Abbau der Mieterschuggefege zu billigen, so daß die Regierung ge­nötigt ist, eine Doppelvorlage an den Reichstag zu bringen. Der Redner charakterisierte die Vorschläge der Reichsregierung mit ihrem faum verhüllten freien Kündigungsrecht als eine Spekulation auf die Unerfahrenheit und Ungewandtheit der Mieter.

Der Kommunist Höllein, der seine Sprachgewalt frei strömen fieß, vergallopierte sich so gründlich, daß es ihm fast die Sprache perschlug. Als er nach einer Kennzeichnung der schauderhaften Wohnverhältnisse in Hannover ausrief: Und das passiert unter einem Reichspräsidenten Hindenburg", da diente ihm schlagfertig ein Zwischenruf: Ihr Kommunisten habt ihn ja selber wählen helfen!"

Für die Sozialdemokratische Partei sprach sodann Landgerichtsrat Genosse Ruben. Er betonte das enge 3u sammenarbeiten der Partei mit dem Reichs bund Deutscher Mieter. Auch die kommenden Kämpfe im Woh nungsausschuß des Reichstags wir die Sozialdemokratie auf ihrem Blaze sehen, nämlich an der Spize aller derer, die willens find, die Mieter energisch zu schüßen. Der Redner warnte vor einer lediglich auf Augenblickerfolg berechneten Demonstrationstaftik und stellte ihr gegenüber die Notwendigkeit, auf dem Boden der Geseze stehend für neue beffere Miet, Wohn- und Siedlungs gefeße zu fämpfen. Das fönne aber mit Erfolg nur dann geschehen, wenn man den Reichstag in seiner jegigen Zusammen fegung niemals wiederkehren läßt. Die Vorausseßung aber, daß bessere Mieterschutzgesetze fommen, ist, daß die Sozialdemo: Pratie in einer überragenden Stärte in den Reichstag einzieht. Die ruhigen und überlegenen Aus­führungen des Redners gingen offenbar einer Anzahl radaulustiger Elemente gegen den Strich, und sie störten unausgesetzt.

Wieder zwei ränberische Ueberfälle.

Jugendliche Straßenräuber verübten in der Nacht zum Sonn­fag wieder an zwei Stellen Ueberfälle. Gegen 2 Uhr morgens murde ein Ingenieur August 5. aus Reinickendorf , als er durch die Barfusstraße heimging, von mehreren jungen Burschen angefallen. Die Wegelagerer schlugen ihn tres feiner Gegenwehr zu Boden, mißhandelten ihn und raubten ihm die Brieftasche mit 230 2s auf die Hilferufe des Angefallenen Baffanten und

In einer einstimmig angenommenen Entschließung wird Ein­spruch gegen den Entwurf der Reichsregierung zum Mieterschutz gesetz erhoben.

Unsere Werbewoche.

Ein erfreulicher Beginn am Sonntag.

Am geftrigen Sonntag hat die Werbewoche unserer Partei mit voller Kraft eingesetzt. Alle Veranstaltungen des gestrigen Tages haben gezeigt, daß wir auf einen schönen Erfolg dieser acht Kampf­tage rechnen können und daß die Partei sicher beträchtlichen neuen Zuwachs erhalten wird.

Trotz des ungünstigen Wetters war die Rundgebung im Freien, stattfand, außerordentlich gut besucht. Außer den drei stattlichen die gestern um 15 Uhr im Humboldthain an der Nedelbahn Zügen, die unter Borantritt von Reichsbannermusik mit roten und schwarzroigoldenen Fahnen und mit Werbeplakaten für die Partei heranmarschiert waren, hatten sich auch zahlreiche Einzelbefucher ein­gefunden, die hören wollten von dem, was die Sozialdemokratie er­ftrebt. Der Meinetesche Arbeitermännerchor eröffnete mit einem wohlgelungenen Vortrag des Empor zum Licht" die Rundgebung. Die Arbeiterjugend folgte mit dem fampf­freudigen Sprech chor Wir kommen". Dann sprachen die Ge­nossen Reichstagsabgeordneten Sollmann und Landtagsabge= ordneter Heilmann. Genoffe Sollmann wies auf das Kampfjahr Symbole der Geldjad und das Henkerbeil find. Wir wollen, daß 1928 hin, bei dem wir den Bürgerblock bezwingen müssen, deffen dieser franke, altersschwache Reichstag möglichst bald aufgelöst wird und daß wir zu Neuwahlen tommen, in denen sich der Wille des Boltes fundgibt. Die Republik von heute, in der adlige Junker im Reichskabinett fizzen und ein kaiserlicher Feldmarschall Reichs­präfident ist, läßt noch viel zu wünschen übrig. Bir aber wollen das ändern! Genoffe Heilmann zog eine Parallele zwischen den Jahrestagen der Revolution von Moskau und der Revolution vom 9. November in Deutschland . Er zeigte, daß der Bolschewismus tro aller radikalen Redensarten das versprochene Glüd nicht gebracht habe, daß aber auf dem Wege der Demofratie es möglich sein werde, den Sozialismus zu verwirklichen. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie und dem gemeinsamen Gefang der Internationale schloß die Kundgebung. Bei dem Abmarsch der Kolonnen ver­fuchten kommunistische Störenfriede, in gewohnter Weise ein­zugreifen. Es gelang ihnen aber nicht, da unsere Genossen die Ruhe bewahrten und auch die Polizei sich ihrer Aufgabe gewachsen zeigte. In Baumschulen weg im Saal des Lichtspielhauses in der Baumschulenstraße sprach Genosse Dr. Hilferding . Seine wirt schaftspolitischen Ausführungen, sein Vergleich der sozialistischen Weltanschauung mit der heutigen Gesellschaftsform war überzeugend, auch für den Arbeiter, der die tiefen Zusammenhänge des Klassen. fampfes bisher wohl am eigenen Leibe gespürt hatte, aber noch nicht zur Erkenntnis feiner politischen Macht gekommen war. Seiner politi­fchen Macht, die zunächst darin besteht, die proletarischen Kräfte in einer festen Organisation zu sammeln. Ueber die Notwendigkeit eines solchen Zusammenschlusses führte Genosse Hilferding aus: Der nicht in der Partei und Gewerkschaft Organisierte ist nur paffiver Staatsbürger. Zusammenschluß der einzelnen Kräfte bringt Er­höhung des Staatsbürgers zum aktiven Staatsbürger. Freiheit be: deutet Berantwortung. Verantwortung verlangt Wissen. In der Organisation wird ihm dieses Wissen vermittelt. Und darum ist Organisation für die arbeitende klasse wichtig Chne sie kann der Umwandlungsprozeß der kapitalistischen Wirtschaft nie erreicht werden. Die Ausführungen des Genossen Hilferding fanden den lebhaften Beifall der gesamten Versammlung.

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Schupobeamte herbeieilten, ergriffen die Burschen die Flucht und enttamen.

Auf einen Schneidermeister hatte es eine andere Ratte ab gesehen, die scheinbar harmlos in einem Lokal in der Mendels johnstraße laß. Hier trant auch der Meister noch einen Schlußichoppen und wollte dann gegen 3 Uhr früh den Heim meg antreten. Als er das Lokal perließ, folgten ihm die Burschen und fielen über ihn her, riffen ihn zu Boden und bearbeiteten Geficht und Kopf des Daliegenden mit den Fäuften. Sie raubten

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Montag, den 7. November 1927

ihm die Aktentasche, die außer geschäftlicher Bapieren auch das Bortemonnaie des Meisters enthielt und rannten davon. Glüd: licherweise gelang es, einen der Strolche, einen 27 Jahre alten Willi Berndt aus der Linienstraße, festzunehmen. Berndt gibt den Ueberfall zu und wurde der Kriminalpolizei eingeliefert. Diese wird ihn dem Untersuchungsrid ter vorführen.

Mordversuch an einem Autoführer.

War Scharfe der Täter?

Ein Revolveranschlag wurde in der Nacht zu Sonntag auf einen Kraftwagenführer verübt. Der 26 Jahre alte Chauffeur Alfred Hartmann hielt mit seiner Droschke an dem Standplatz an der zweiten Heerstraßenbrücke, als ihn gegen 21 Uhr ein junger Manit zu einer Fahrt nach Staaten annahm.

Etwa einen Kilometer von dem Orte entfernt, ließ der Fahre gast plößlich halten, stieg aus und fragte den Führer, mieniel der Fahrpreis ausmache. Hartmann beugte sich nach der Uhr herüber, um abzulesen. In demselben Augenblick riß der Fahrgast einen Revolver aus der Tasche und gab auf den Chauffeur einen Schuß aus nächster Nähe ab, der Hartmann an der linken alsfeite traf. Dann flüchtete der Mann querfeldein und entfam in der Dunkelheit. Troz seiner schweren Verlegung fehrte Hartmann mit dem Wagen um und fonnte ihn bis in die Wilhelmstraße zu Spandau bringen. Mit letzter Kraft schaltete er die Gänge aus und brach dann blutüberströmt und be­wußtlos auf seinem Siz zusammen. Bassanten und Schupobeamte, brachten ihn nach dem Spandauer Krankenhaus. Während weniger die auf ihn aufmerksam geworden waren, nahmen sich seiner an und minuten kehrte dem Verletzten das Bewußtsein zurück und er fonnte eine Beschreibung des Mannes geben, der den mörderischen Anschlag verübt hatte. Auffallenderweise stimmt dieje Beschreibung genau mit der des flüchtigen und eifrig gesuchten Revolverhelden Scharfe überein, auf dessen Schuldkonto die bereits gemeldete Schießerei in der Templiner Straße fommt. Auf die Ergreifung Scharfes ist jetzt eine Belohnung von 500 Mart ausgesetzt, die lediglich für Angaben aus dem Publitum bestimmt ist. Ein besonderes Kennzeichen des Revolverhelden ist eine 3-4 Zenfi­meter lange Narbe, die vom rechten Ohrlappen in der Richtung nach dem Kinn verläuft. Mitteilungen sind an Kriminalkommiffor Braschwiz. Dienststelle B. 5, Hausanruf 432, im Zimmer 93 des Polizeipräsidiums zu machen.

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Kurz vor Redaktionsschluß wird bekannt, daß es der Mord­fommiffion gelungen ist, auch den zweiten Mann, den 22 Jahre alten Schmied, Artisten und Reisenden Otto Scharfe zu ermitteln und in einer Wohnung des Hauses Wolliner Straße 14 feft­zunehmen. Die Beamten mußten die Wohnung, in der er sich ver­borgen hielt, mit Gewalt aufbrechen. Scharfe ließ sich dann ohne Widerstand festnehmen. Seine Beteiligung an der Schießerei gab er sofort zu. Gefeffelt wurde er mit einer kraftdroschte nach dem Polizeipräsidium gebracht. Auch hier bekannte er bei dem vor­läufigen furzen Berhör seine Beteiligung, will aber nicht der Haupt­täter sein, schiebt vielmehr den größten Teil der Schuld auf den bereits vor ihm verhafteten Schlabbach.

Schweres Autounglück in Westend.

3wei Zote, ein Schwerverletter.

Ein entsetzliches Autounglück ereignete sich am Sonntag nor mittag an der Ecke der Bundes- und Bayern- Allee in West end. Der 63jährige Pfarrer Armand Suinde Boulenard, der in der Linden- Afee 41 zu Westend wohnt, bestieg dort zusammen mit seiner 41jährigen Frau Elisabeth eine Kraftdroschte, um sich zur Vormittagspredigt nach der Notkirche in der Tannenberg- Allee zu begeben. An der Kreuzung der Bayern - und Bundes- Allee nahte von rechts plöglich ein Privatauto. Beide Führer zogen zwar die Bremsen scharf an, fonnten aber einen Zu fammenstoß nicht mehr verhindern. Die Folgen waren geradezu entheglich. Die Kraftdroschte wurde gegen einen Gas­fandelaber geschleudert und völlig zertrümmert. Die beiden Insassen, Pfarrer de Boulenard und Frau wurden in weitem Bogen auf das Straßenpflaster geschleudert. Sie wurden auf der Stelle getötet. Der 43jährige Chauffeur Otto Bendoleit aus der Birkenstraße 44 mußte schwer verlegt in das Paulinenstift gebracht werden. Das Privatauto murde nur leicht beschädigt. Die Feuerwehr nahm die Aufräumungsarbeiten vor und schaffte die Leichen in das Charlottenburger Schauhaus. des Kriminalkommissars Brandt vom Polizeiamt Charlottenburg nach den Beobachtungen von Augenzeugen und den Feststellungen trifft Bendoleit allein die Schuld; er war zu schnell ge­nehmung sofort wieder entlassen. fahren. Der Chauffeur Grallmann wurde deshalb nach seiner Ver­

Zusammenstöße mit Kommunisten.

15 Personen festgenommen.

Die Kommunisten feierten gestern das zehnjährige Bestehen der Sowjetunion mit einer Rundgebung im Lustgarten. Die Demonstranten versammelten sich in den einzelnen Bezirken und marschierten zum Lustgarten. Die Beteili­gung an der Rundgebung war ersichtlich schwächer als bei früheren Aufmärschen. In einigen Stadtteilen fam es beim Abmarsch zu Zusammenstößen. Insgesamt wurden 15 Personen wegen groben Unfugs, Beamtenbeleidigung und Bider it and es festgenommen und der Abteilung I A zugeführt. Bier von ihnen werden sich voraussichtlich wegen Landfriedensbruchs zu verantworten haben. Um 15.30 Uhr sollte bei der Rückkehr des 6. Bezirks der KPD auf dem Oranienplatz ein Demonstrant aus dem zug festgenommen werden, der unterwegs einen Beamten des Be gleitkommandos vor die Brust gestoßen hatte. Die Kommunisten schlugen mit Fahnenstangen, Stöden und Schirmen auf die Beamten ein. Dabei wurden einige Beamte mehr oder weniger schwer verlegt. Der fommandierende Polizeihauptmann wurde DON einer großen Uebermacht in den Eingang des Kaufhauses Maaßen gezerrt und erheblich mißhandelt. Ein Polizeibeamter gab einen Schuß in die Luft ab, weil er hart bedrängt und geschlagen wurde. Sein Tschalo wurde von Messerstichen durchbohrt. Schließlich gelang es den Beamten, die Menge zurüdzudrängen und den Blak zu fäubern. Um 16.30 Uhr fand die Schlußkundgebung der KLD. mit etwa 600 Teilnehmern auf dem Brunnenplaß stait. Un­mittelbar nach Beendigung zog ein Zug unserer Partei, der etwa 200 Mann starf war, von der Badstraße durch die Pant­straße. Die Kommunisten traten diesem Zug in fleinen Trupps entgegen, so daß eine Sperrung der Pankbrüde und des Brunnen. plazes erforderlich wurde. Die Rommunisten versuchten, die Rund­gebung der Sozialdemokraten, die an der Ede Martin- Opig- Straße und Üferstraße stattfand, zu sprengen, so daß die angrenzenden Straßen geräumt werden mußten. Hierbei wurde ein Polizei beamter von mehreren Kommunisten tätlich angegriffen, so daß er von seiner Pistole Gebrauch machen mußte. Der 20jährige Arbeiter Alfred Andres aus der Hochstädterstraße murde durch einen Bruststreiffchuz leicht verlegt. Weitere Schüffe wurden nicht abgegeben,