@eö«nfc und in« Derrottung des Weges verantwortlich machen wollt««.» Um(o mehr ist es jetzt an der Zeit, datz d i e Stadt s, ch Rechte am Ufergelände des Wannsees sichert, um so, vielleicht durch eine Abrundung des städtischen Freibades Wonnsee, den Berlinern mehr Erholung und Freude verschaffen.
Gattenmordprozeß Bsrchardt. Das Llrteil: 3'/? Jahr Gefängnis. Das Schwurgericht verurteilte Dienstag nacht nach Z>- ständiger Beratung den Kaufmann Bruno Borchardt wegen Totschlag» an seiner Ehefrau zu 3 Jahren 6 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 9M Monaten Untersuchungshaft. — 3n der Urteilsbegründung � führte der Vorsitzende au», dah das Gericht sowohl au» dem ganzen Verhalten de» Angeklagten zu der lleberzeugung gelangt sei. dah er mit vollem Bewuhtse>n gehandelt babe. Ein elgemümlicher Mensch, dieser Kaufmann Borchardt! Er scheint tatsächlich zu den Männern zu gehören, die sich von den Frauen um den Finger wickeln lassen und die, von ihrer Liebe geblendet, an die Untreue der Geliebten trotz offenkundiger Beweis« nicht glauben. Während seine Frau noch wie vor ihrem.Gewerbe" nachgeht, glaubt er, dah sie in einer Bar beschäftigt fei und hott sie des Abends von der Friedrichstrahe ab. Sein Freund schreibt ihm ins Gefängnis:»Sieh dich vor, überlege dir reichlich, ob du heiraten sollst." Die R. schwört ihm aber, dah sie ihm treu ist: „Meine Eltern," sagt sie,.sollen in lZinnover am Tgphus sterben, wenn nicht alles Quatsch ist." Seinem Freunde schreibt er:.Als meine Frau diesen Schwur leistete, Hab« ich aufgejauchzt: nun wird alles wieder gut. Wir bauten wieder Aukunftspläne." Trotzdem friht an ihm Mißtrauen und Eisersucht: in einem anderen Briese an seinen Freund heiht es: ,.Ein Tor war ich, ich wollte durch die beschleunigte Trauung da» Schicksal aushalten." Diese Briefe zittert« der Sachveritändige Dr. Stürmer und bracht« auf diese Weise die Persönlichkeit de» Angeklagten dem Gericht näher. Dr. Stürmer, der sich die große Mühe gemacht hat,«ine große Reihe Borchardtscher Briefe durch- zustudieren, behauptet«, daß dieser Mensch, der nach Bildungsgrad und cherzensanlage die Kreise, in denen er verkehrt«, um vieles überragte, an seiner Braut und später an seiner Frau mit wirk- licher Liebe gehangen Hobe. Der erblich belastet« Psychopath und Alkoholiker mußte sich unvermeidlich in einen Affekt hineinrennen. So sei es zur Katastrophe gekommen. Bon einer krankhaften Stö- runq der Geistestätigkeit könne jedoch keine Red« sein, und der 8 St dürste somit keine Anwendung finden. Sowohl der Direktor der Frrenanstalt Dalldorf, Dr. Bar tz. als auch der Direktor der Irren- anstatt fierzberge, Dr. Falckenberg, schloffen sich dem Gut- achten Dr. Stürmers an; sie charakterisierten den Angeklagten als hysterischen, leicht beeinflußbaren Psychopathen und wollten für ihn ein« verminderte Zurechnungs- fähigkeit gelten laffen. Anders Profeffor Strauch. Er war der Ansicht, daß die heiße Liebe, die Borchardt für seine Frau -empfand, die Eifersucht, mit der er monatelang kämpste, in Der- bindung mit dem übermäßigen Alkoholgenuß am sroglichen Tage einen derart starken Affekt beim Angeklagten auszulösen imstande gewesen sei. daß er nicht entscheiden mag, ob der 8 LI in Anwen- dung zu bringen sei oder nicht:«r wolle dies dein Gericht über- lassen. Und schließlich der letzK Gutachter, Dr. L« vi-Lenz. Er bat längere Zeit den Angeklagten behandelt, kennt auch seinen Kreis sehr gut. Er gab gewissermaßen den Schlüssel zur Lösung des Rätsels der eigentümlichen Beziehungen zwischen Borchardt und seiner Frau; in diesen Kreisen, sagte er. bedeutet die physische Untreue sehr wenig, um so mehr aber die psychische Untreue: so sei der Assekt des Angeklagten zu verstehen. Er könne nur von Ihm lagen, daß er Im Alkobolrausch Ding« zu tun imstande gewesen sei, die er bei normalem Bewußtsein nicht getan hätte. Er sei deshalb überzeugt, daß freie WUlcnsbestimmung des Angeklagten bei der Tat ausgeschloffen gewtffen sei; deshalb sei ihm der 8 VI zu- zubilligen. Die Gutachten der �chußsachverständigen, der Pro- iefforen Brüning und Bock, warön für den Angeklagten eben- falls günstig. Der S t a a t s a n w*a l t stellte sich in seinem Plädoyer auf den Standpunkt, daß Borchardt bereits nnt der Absicht, seine Frau zu töten, Berndts Wohnung aufgesucht und sein« Tat in vollem Be- wußtsein ausgeführt habe. Er beantragte deshalb unter Zubilligung mildernder Umstände fünf Jahre Gefängnis. Rechtsanwalt Frey widersprach diesem Antrage: Es könne keinem Zweifel unter- liegen, sagte er, daß der Angeklagte seine Tat in einem Zustande begangen habe, der eine freie Willensbestimmung ausschlöffe. Er sei� deshalb, s reizusprechen. Auch Rechtsanwalt Dr. Diamant plädierte für F r e i s p r u ch. Er bestritt, daß der Angeklagte über.
� 3ement £Rx>xaan von Fjodor Gladkow . „Eine eilige und wichtige Angelegenheit? Was für eine Angelegenheit? Welche?..." Und aus der Menschenmasse heraus schrie man:„Und auch ich habe ein eilige... wichtige..." Der Sekretär sah ihn an und lächelte strahlend. Und hörte ihn nicht mehr, hörte die anderen.(Sljeb reckte sich und seine Augen wurden wie Schuks Augen Er hob seine Faust und ging mit großen Schritten zur Tür, die Reihenfolge der Wartenden zerreißend. Im Vorzimmer stieß er den zottigen Wächter von der Tür und trat in das Arbeitszimmer des Vor- sitzenden des Exekutivkomitees. Er trat ein und glühte im blendenden Sonnendunste auf. Feurige.Garben spritzten rote Flammenwellen in die Augen, durch das Fenster sah man das breite Bahnnetz im Lichte glühen, und in der Ferne glänzten durchsichtig die Mauern. „Was wollen Sie, Genosse? Warum dringen Sie hier ein, wenn ich niemanden empfange?... Ich bin beschäftigt." Gljeb sah durch den Sonnenvorhang nicht, wer sprach, aber er wußte sofort, daß der. dessen Stimme er jetzt hör�e, kein Dutzendmensch war, er hörte den harten, metallenen Klang seiner Stimme. Gljeb trat aus dem Sonnenstaub heraus, und alle» erschien ihm gewöhnlich und bekannt: der Schreibtisch, der wie ein umgeworfener Schrank aussah, und der Mann der, mit schwarzem Leder bekleidet, sich mit seiner Brust gegen den Tisch stemmte und dunkel war, wie aus Bronze. Und ein anderer Mann, in Tscherkessentracht. mit Dolch und Revolver im Gürtel, stand neben dem Tisch und stützte sich mit der Hand auf den Stuhl. Seine Finger tlam- Merten sich so fest an die Stuhllehne, daß sie ganz weiß waren, und die Stuhllehne zitterte mit den Fingern im Takt, und sein ganzes Gesicht bebte: bebte um den Mund, um die Augen, auf dey Backenknochen. Die Augen traten aus den Höhlen, und feine Rase war eine Tscherkessennase. Er ist einer von diesen Helden die in cher„Teufelsarmee" waren: diese Kerle haben im Kriege Wunder verrichtet, und auf ihren Säbeln trocknete nie das Blut. Glseb legte nach Soldatenart feine Hand an den Helm und setzte sich auf den Stuhl vor dem Tisch, dem Vorsitzenden
»teirt«, am 9. November dem Tag der Ausrufung der veulschen Republik, de» Legion» einer neuen staatlichen Enkwicklung. zeigen die Bepublitaner. besonder, unsere parteigeuossea die Zahaen der Republik und der Partei! Fahnen heraus!
Haupt die Absicht gehabt habe, sein« Frau zu töten: er sei zu Berndt gegangen, um sich mit ihm über dessen Beziehungen zu seiner Frau auseinanderzusetzen.
Oer Herzog von Ratibor freigesprochen. Die Fahrlässigkeit ist nicht festzustellen. Im Prozeß gegen den herzog von Rotlbor verkündete der Bor - sitzende, candgerichisdirektor P ritsch, nach mehr al» zweistündiger Beratung, folgende» Urteil: „3m Barnen de» Volkes wird für Recht erkannt! Der An- geNagle. Herzog vatl Ratibor . wird von der Anklage der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Die kosten de» Verfahren» falle« der Staatskasse zur Lost." Bei der Urteilsverkündung kam es im Zuhörerraum zu Beifalls- und Mißfallenskundgebungen, die der Vorsitzend« energisch rügte und für die er im Wiederholungssalle mit der Räumung des Saales drohte.— In der Urteilsbegründung führte der Borsitzende aus:„Dem Angekloaten ist fahrlässige Tötung zur Last gelegt worden. Das Gericht ist zu der Fessstellung gekommen, daß der Tot des Kutschers h y t r e k durch den Schuß des An- geklagten veranlaßt worden ist. Das Gericht hatte die Frage zu prüfen, ob die Tötung auf Fahrlässigkeit de» Angeklagten zurück- zuführen war oder nicht. Tatsache ist gewesen, daß der Gegenstand, auf den der Angeklagte geschossen hat, nicht da» Wildschwein sondern der Kutscher Hytrek gewesen ist. Da» Gericht hat ferner festgestellt, daß eine Verwechslung oorgekommen ist. Zuungunsten de» Angeklagten sprach, daß er ein alter erfahrener Jäger gewesen ist, daß er das Gewehr auf den Zielstock ausgelegt hatte und ruhig prüfen konnte und Zeit hatte, das Ziel durch das Fern- rohr anzusprechen. Gegen Fahrläfsigkett spricht der Umstand, daß der Angeklagte nicht ohne weiteres damit rechnen mußte, daß jemand auf dem Wege ihm in die Schußlinie kommen könnte. Die tatsächliche Feststellung der Fahrlässigkeit ist nicht möglich gewesen. und der Angeklagte mußte deshalb freigesprochen werden." Der Herzog wurde nach der erfolgten Freisprechung von seinen Freunden und den Forstbeamten, die im Zuhörerraum in großer Zahl Platz genommen hatten, lebhaft begrüßt. Ob gegen das Urteil von der Staatsanwolsschast Berufung eingelegt werden wird, steht noch nicht fest. Nach unserer Information wird Oberstaatsanwalt Bri«schwitz, der die Anklage vertreten hat, stch mit seiner vor- gesetzten BeHorde, dem Generalstaatsanwatt In Breslau , in Ber- bindung setzen. Bon der Entscheidung des Generalstaatsanwalts wird es abhängen, ob dos Verfahren zum zweitenmal aufgerollt werden wird.
Feuer in der Charlottenstraste. Mehrere Löschzüge der Feuerwehr wurden gestern abend um 20 Uhr nach der Charlotten st rohe ö gerufen. In der Licht. pausapparate- und Maschinenfabrik von Otto Philipp war aus näch unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen, das an leichtbrennboren Materialien reiche Nahrung fand. Uebcr eine mechanische Leiter und da« Treppenhaus wurde das Feuer mit mehreren Schlauchleitung� angegriffen. Nach fast dreistündiger Tätigkeil rückten die Löschzüge gegen 23 Uhr wieder ob. Die Polizei mußte Absperrungen vornehmen, da sich eine große Schar Neugieriger eingefunden hatte. * In einem Zimmer des Jagdschlosses Glienicke bei Klein-Gliemcke brach gestern nachmittag au- bisher noch unbekannter Ursache Feuer aus. Nur durch das sckinell« und tatkräf- tige Eingreifen der Glienicker Feuerwehr, die nach kurzer Zeit an der Brandstolle eintraf, tonnte größeres Un> heil vermieden werden. Die Feuerwehr Wanm'ee. die auf den Alarm herbeieilte, konnte, ohne eingreifen zu müssen, wieder abrücken. Gin Institut für Verkrhrswissenschaft. Der anfangs September vom Magistrat gefaßte Beschluß, der Handelshochschule zur Einrichtung verkehrswissenschaftlicher Vorlesungen einen laufenden Beiiraq von jährlich 45 000 Mark und zur Errichtung eines besonderen Forschungsinstituts kostenlos Räum« zur Verfügung zu stellen, hat diesen seit langem gehegten Plan so ge-
des Exekutivkomitees gegenüber. Beide, der Borsitzende und er— sahen einander schweigend und hartnäckig an. Die- Stirne des Vorsitzenden des Exekutivkomitees bäumte sich wie ein Spaten über seinen Zlugen. Er sah den Mann in der Tscherkessentracht nicht an und vergaß auch sofort Gljeb. Und sprach deutlich und dumpf in den Tisch hinein, in seine dunklen Hände, die an den Gelenken mit schwarzen Haaren bewachsen waren. „Denk daran, Bortschij: wenn du im Laufe eines Monats die Kampagne zur Einbringung der Ergänzungsnorm der Zwangsumlage nicht durchführst und die Rückstellung des Saatkredits durch die Bauern im September durchfallen läßt, dann kommst du an die Wand. Als Vorsitzender des Exekutiv - komitees deines Gemeindebezirtes bist du für alles verantwort- lich. Merke es dir." Bortschij wollte etwas sagen, rollte die Augen und biß seine Zähne fest zusammen:„Genosse Badjin... ich bin auch Kommunist... ich protestiere.. Seine Stimme war fest, überschlug sich aber heiser. Und der Vorsitzende des Exekutivkomitees dämpfte seinen Eifer mst kalten, dumpfen Worten. „Ja. ich werde dich eben als Kommunisten an die Wand stellen, wenn du die Aufgabe nicht erfüllen wirft. Ihr stiftet Verwirrung im Dorf und unterwerft euch den Kulaken. „Genosse Badjin, du mußt mich anhören... Die Rück- gäbe des Saatkornes laß für nächstes Jahr... Du mußt die Lage kennen... Die Zwangsumlage ist feit Herbst schon vier- mal eingetrieben worden... die Bauernarmut wird vor Hunger krepieren... Und wir vermehren durch solche Maß- nahmen nur selber die Banden der Weißgrünen... Man wird uns bis zum letzten Manne erschlagen... uns zer» stückeln. „Gut, soll man aus euch Frikassee machen—- aber deine Aufgabe mußt du pünktlich auf die Minute erfüllen.. „Genosse Badjin... Bitte, stelle diese Sache quf die Tagesordnung... Ich werde dem Plenum beweisen...* Badjin richtete stch auf, die Falten seines Lederrockes glänzten. „DortschijiV. Er stand auf und wandte feinen Kopf langsam dem Kosaken zu. „Vorsitzender des Bezirkserekutivkomltees Bortschij.. Und er lächelte, und es schien, als ob die Knochen von diesem Lächeln krachen würden.
fördert, daß voraussichtlich schon mit»««!««»«« Sommerseme st er? 1928 die Vorlesungen über dieses Gebiet aufgenommen werden können. Dazu sollen neben der Heran- Ziehung der bereit« vorhandenen Lehrkräfte drei neu« ordent- liche Professuren geschaffen werden, die mit einem Volks- Wirtschaftler, einem Betriebswirtschaftler und einem Fachmann auf dem Gebiete des fremden- vertehrs zu besetzen sind. Die Aufgaben des Instituts umfassen. solaende Gebiete: volkswirtschaftliche Verkehrssragen einschlieblich der Verkehrswege. Verkehrspolitik und-statistik. Betriebswirsschost der Verkehrsunternehmungen. Fremdenverkehr und Gaststättenwesen, Rechtsfragen des Verkehrs. Technik des Welthandelsoerkehrs und Verkehrsgeographie._ Vefkehrszählungen im Westen. �6000 Fahrzeuge täglich In der Potsdamer Straße . Die Ergebnisse der Verkehrszählungen, die in der Potsdamer Straße zwischen Bülowstraße und Potsdamer Brücke vor.-einiger Zeit veranstaltet worden sind, und die auch den Kreuzungsverkehr berücksichtigen, werden jetzt bekannt. Gleichzeitig ist der Verkehr in der Bülowstraße zwischen Rolleirdorsplatz und Potsdamer Straße gezählt worden. In der 1 4 st u n d I g e n Z ä h l z e i t, von 7 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, haben i n's gesamt 16000 Fahr- zeuge die Potsdamer Straße , 11250 die Bülowstraßo passiert. Das sind insgesamt 27250 Fohrzeug«. Wah- rend die Fahrtrichtung zur Potsdamer Drücke von 8408 Fahrzeugen benutzt wurde, fuhren von der Potsdamer Brücke aus nur 7500. Den H'a u p t o n t e i l des Berkehrs in beiden Richtungen können die Kraftfahrzeuge für stch buchen. Bon den 18 durch die Potsdamer Straße verkehrenden Linien passierten In beiden Rich- tungen zirka 2400 Straßenbahnwagen die Potsdamer Straße . Der stärkste Verkehr ist in der Citynchwng morgens von 7 bis 9 Uhr und abends von 5 bis 7 Uhr: alle 45 Sekunden fährt eine Straßenbahn vorbei. In umgekehrter Rich- tung weisen die Morgenstunden von 9 bi» 10 Uhr und die Abend- stunden von 4 bi» 7 Uhr die größte Belebung auf. Radfahrer wurden insgesamt 4900 gezähtt, die sich zu gleichen Teilen auf beide Richtungen verteilen. Bon den 16 000 gezählten Fahrzeugen sind etwa S000Sraft- fahrzcuge. Die größte Verkehrsdichte ist bei ihnen in beiden Richtungen von 5 bis 6 Uhr festzustellen. In der Fahrtrichtung zur City steigt der Automobil- und Motorradverkehr vormittags lang. sam, aber ständig an, so daß mittag» um 1— 2 Uhr pro M i n u t s 6�'Fahrzeuge zur Potsdamer Drücke fahren. Für zwei Stunden läßt der Verkehr nach, um von 4 Uhr ab wieder zu steigen imd dann ab 7 Uhr mit einer kleinen Aufwärtsentwicklung in der achten Stunde nach und nach abzuebben. In der Fahrtrichtung nach den Dororten spielt sich der Vorgang des anschwellenden Ber- kehr? fast ebenso ab. Morgens zwischen 7 und 8 Uhr 110 Fahr- zeuge, morgens zwischen 10 und 11 Uhr 264, 11 bis 12 Uhr 272, 12 bis 3 Uhr je 245, dann wieder ansteigend bis 5 Uhr auf 342, um dann ebenfalls nach und nach abzuschwächen. In beiden Fahrt- richtungen herrscht für sämtliche Fahrzeuge zusammen der stärkste Verkehr zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags. Auf diese Stunde ent- fallen 10 Proz. des gesamten Tagesverkehrs. An zweiter Stelle steht die Zeit von 4 bis 5 llhr mit 9,3 Proz, an dritter die von 6 bi» 7 Uhr mtt 8,9 Proz. Der schwächste Verkehr ist morgens von 7 bis 9 Ul�r mit je 4,8 Proz.
Vetter Goebbels redet! Wie wir schon gestern morgen ankündigten, hat der National- sozialist Dr. Goebbels im Orpheum geredet. Wie gosbbelt man? Ein Berichterstatter der.Deutschen Ze'tung" würde sagen: „Goebbel hat g e m a u s che l t. Er redet nämlich viel mit den Händen." So gehässig sind wir natürlich nicht, sondern verraten das genau« Rezept: Man schlägt sich ans Herz, man kloppt in dis Hände, man rauft sich das Haar, ma» blickt beschwörend zum Himmel, der nicht da ist, man scheint zu beten, und man redet Unfug. Unfug reden ist- d°e Hauptsache. Z. B.: die Sozialdemokraten habeb Herrn Goebbels in den letzten Iahren Haffen gelernt. Aber lieber, kleiner Better Goebbels. Da irren Sie sich doch vom Scheitel bis zur Sohle! Wir finden Sie ja Im Gegenteil riesig spaßig und komisch. Sie sind doch ei» Kabarettist allermindestens dritten Ranges. Bor soviel Kunst muß man sich doch beugen!" In jedem zweiten Satz brauchte Herr Goebbels das Wort Proletariat. Im Zuschauerraum entdeckte man dieses Proletariat in Gestalt von beleibten Hausbesitzern, die grunzend.Deusschland, erwache" schrien, und Damen, die wie im Theater, mit Lorgnon und Opörnglas den Schauspieler beäugten. Jugendliche ausgenommen, die ja auch noch zur Vernunft kommen und Phrase und Tat zu unterscheiden lernen werden, sah man von der wirtlichen Arbeiterschaft nicht». Li« hat sich um die Goebbelei nicht gekümmert.
Bortschij trat einen Schritt zurück, reckte sich. In die Augen traten feuchte Tropfen, und ein Feuer erglühte in ihnen, und seine Stimme überschlug sich heiser. „Genosse Badjin, die Kampagnen werden durchge- führt... Ich werde alles tun... aber es wird zu einer Metzelei kommen, Genosse Badjin.. „Weine nickt, wirst Hilfe bekommen, ich schicke dir Sal- tanow, den Ehef der Bezirksmiliz." Und er setzte sich. Er sagte kein Wort mehr, vergaß den Vorsitzenden des Bezirksexekutivkomitees Bortschij. Und Bortschij, der Held der„Teufelsarmee", sah gezähmt und ge- knickt Badjin immer wieder an, als ob er versuchen wollte. den Kampf noch einmal aufzunehmen, und ging dann rasch, mit schleppenden Schritten aus dem Zimmer. Badjin stützte sich wieder unter der Schwere seiner Stirne auf seine haari- gen Hände. „Was wünschen Sie, Genosse? Sprechen Sie kurz." „Es ist genau so schwer für einen arbeitenden Menschen zu Ihnen, dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees, zu kommen, wie einen Schützengraben zu-nehmen." „Was wünschen Sie? Sprechen Sie konkret." Sie bissen sich mit den Zähnen ineinander: einander fremd, fühlten sie die Kraft des Kampfes voraus. Dis steinerne, kalte Unbewc�lichkeit des Borsitzenden erdrückte Gljeb. und er zerschlug eigenwillig und wirr die Stille der geschäftlich- administrativen Ordnung mit schimpfenden Worten. ,Lhren zottigen Alten da draußen werde ich nächstes Mil an den Füßen packen und aus dem Fenster sckmeißen. Solche Generalsmanieren stehen uns schlecht zu Gesicht." Leidenschaftslos, mit einer unwiderstehlichen Macht und Drohung in den Augen, sagte Badjin. nickt zu Gljeb, son- dern in die Tiefe seines Bauches:„Genosse, für diese Bs- schimnfungen werde ick Sie sofort verhaften lassen." Und erhob sich. Er. stützte sich mit den Händen auf den Tisch, und der Tisch krackte und bog sich unter seinen Fäusten. Und kaum hatte der Vorsitzende diese Worte gesagt, als Gljebs Gesicht sich ganz verzerrte, dröhnend schob er den Stuhl weg und bückte stch zu Badjin. Mit beiden Händen drückte er seine Schultern zusammen und brüllte über das ganze Zimmer:„Genosse Vorsitzender, mit Ihnen spricht ein Ar- beiter des Werke«! Seien Sie so liebenswürdig und setzen Sie sich! Sie haben kein Recht, Arbeiter aus Ihrem Bureau zu verjagen.� (Fortsetzung folgt.)