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Die wirklichen Zigarrenhersteller.

In Heffen 95 Prozent Frauen und Mädchen. F. F. Gießen , 21. November. Im Bezirk Gießen gibt es 107 Betriebe der Zigarrenindustrie mit 3400 Beschäftigten. Fünfzehn Betriebe mit 520 Be­schäftigten gehören dem Reichsverband Deutscher Sigarrenhersteller( RD3.) nicht an und beschäftigen ihre Arbeiter weiter. Alle übrigen haben ausgesperrt. Rund 95 Broz. der Beschäftigten im ganzen Bezirk find Frauen und Mädchen, die Männerarbeit ist also fast völlig ver brängt. Bei Umrechnung der Attordsäge unter Berücksichtigung der täglichen Arbeitsleistung ergaben fich

folgende Hungerlöhne:

In Fellinghausen

Für Rollerinnen Widelmacherinnen

In Wismar

Für Rollerinnen

59

.

Bidelmacherinnen Zurichterinnen

.

.

Stundenlohn 26 Pfg. 20,5

B

Wochenlohn 12,48 m. 9,84

33 23

19

2

15,84 11,04 9,12

34

16,32

#

Widelmacherinnen Surichterinnen

29

In Wieseck

Für Rollerinnen

"

22

"

13,92 10,56

"

P

"

Von diesen Löhnen gehen noch die Sozialbeiträge ab, so daß fich der wirkliche Wochenverdienst noch um eine Marf bis eineinehalbe Mart niedriger stellt. Die Differenzen zwischen den Löhnen der ein­zelnen Orte ergeben fich teils aus den verschiedenartigen Ortszu­jhlägen, teils daraus, daß die Fabrikanten tarifbrüchig werden und die Löhne nach niedrigeren Gewichts- und Faison. tlassen berechnen oder aber schlechtes Material liefern. In schreiendem Widerspruch zu diesen Hungerlöhnen stehen

die hohen Verdienste der Zigarrenfabrikanten.

Nach dem jest geltenden Tarif beträgt der Lohn für ein einfaches Fasson in Orten ohne Bezirks und Ortszuschlag( das sind die meisten im Gießener Bezirt) 8,90 mart pro 1000 31garren. Dazu kommt noch der Lohn für Sortierung, Zurichtung usw., der 30 Proz. davon ausmacht, also 2,67 Mart, so daß sich ein Gesamilohnanteil von 11,57 Mart für das Tausend ergibt. Bei einer Lohnerhöhung von 15 Broz., wie sie die Tabalarbeiter gefordert haben, würde das 1,75 Mart pro Mille ausmachen, also night einmal ein Fünftelpfennig pro Stüd. Trogdem wollen die Fabri­tanten die Zehnpfennigzigarre auf 15 Pf. und die Fünfzehnpfennigzigarre auf 20 Bf. bringen und in der Deffentlichkeit die Bigarrenarbeiter dafür verantwortlich machen, um so die Zigarrentonsumenten gegen die tämpfenden Zigarren­arbeiter zu beeinflussen. Das wird ihnen aber nicht gelingen. Die Bigarrenarbeiter haben

die öffentliche Meinung auf ihrer Seite, weil jeder denkende Mensch einsehen muß, daß sie mit ihren Hunger. Löhnen nicht egiftieren tönnen.

Der RD3. behauptet in der Bresse, daß eine Bonnerhöhung un tragbar fei, weil ohnehin nichts in der Zigarrenindustrie verdient würde. Daß diese Behauptung absolut unrichtig und mir zu leicht er tennbaren 3weden ausgeftreut wurde, ergibt sich aus der Tat fache, daß

eine Anzahl Zigarrenfabrikanten Cohnerhöhungen bewilligt haben! So hat die Firma Stein u. Co. in Kleinfrozenburg a. M. thren Arbeitern 10 bis 13 Proz. Zulage gegeben. Die Firma J. M

Kopp bafelbft bewilligte bis zu 10 Proz. Zulage. Beide Firmen find allerdings nicht im RD3. Der Inhaber der Firma Mager in Wiesed hat seinen Arbeitern erklärt, daß er 10 Broz. Zulage bemilligen würde, wenn er nicht die hohe Konventionalstrafe des RDZ. fürchtete, dem er angehöre. Die Firma mußte also unter dem Terror des RD3. aussperren, obwohl fie berett war, eine Lahnzulage zu bewilligen. Der RD3., der als Ziel der Aussperrung die Zerschlagung des Tabatarbeiterverbandes profla miert hat, wird nach Beendigung der Bewegung wohl Mühe haben, ben 3erfall feiner eigenen Deganisation zu ver

es Austritte hageln wird.

hindern. Sicher scheint nach der Stimmung vieler Unternehmer, daß Im Bezirk Gießen haben die schlimmsten Scharf. macher des RD 3. ihren Sig. Man darf sich deshalb nicht darüber wundern, wenn die Unternehmer und ihr Bezirkssyndikus ein ehemaliger Major

bei den Unorganisierten und in der Bresse Stimmung gegen die Organisation zu machen versuchen. Ja, man fann ohne Ueber­treibung fagen, die 3igarrenfabrikanten gegen gegen den Tabalarbeiterverband. So erklärte der Synditus der Bezirksgruppe Hessen - Unterfranten, wenn die Aus­Sperrung acht bis zehn Bochen bauert, dann gehe dem Tabalarbeiterverband das Geld aus. Der Herr Synditus ist im Irrtum. Die Tabafarbeiter sind auf einen langen Kampf gerüftet. Der Geschäftsführer der Firma Gg. Ph. Gail hat am Ent fassungstog den Arbeiterinnen erklärt, er hoffe, daß den Organisierten jezt ble Augen aufgehen werden, und daß sie dem Berband den Rüden fehren. Die Organisierten wiffen aber gerade jetzt, wie wichtig und unentbehrlich der Verband für sie ist, und von den Unorganisierten dieser Firma sprach ich einige, bie mir fagten: Nach der Beendigung der Aussperrung werde es über haupt feine Arbeiterin bei der Firma geben, die nidyt im Berband ift. Und zur Lohnforderung meinte einer ber Richtorganisierten: Jeht halten wir aus, wie's auch fommt. Wenn wir jett arbeiten würden ohne Cohnzulage, gehörten wir auf's Maul gehauen!"

Bei einer anderen Firma haben die Organisierten und die Nichtorganisierten acht Tage vor Ablauf der Kündigung die Arbeit bereits niedergelegt. Den bisher nichtorganisierten find also die Augen wohl aufgegangen, nur in einer etwas anderen Beise, als die Herren Fabrikanten sich das dachten.

Da alles andere nichts hilft, greift man verzweifelt zu dem Ber­fuch, Uneinigkeit und Zersplitterung in die ausgesperrte Arbeiter schaft zu tragen. Auch das wird vergeblich sein; das geht deutlich genug aus der erbitterten Stimmung unter den hristligen Arbeitern gegen die Fabritamen heropt.

Für den 18. Nopember hatte der heftische Minister für Arbeit und Wirtschaft den RD3. und die Organisationen der Tabat. arbeiter zu Verhandlungen eingeladen, die aber nicht zustande tommen tonnten, weil die Zigarrenfabrikanten in Berlin eine Sigung über die Aussperrung hatten. Run sind die Berhandlungen auf heute, den 22. November, verschoben worden. Es scheint sehr unwahrscheinlich, daß dabei etwas herauskommt, well wohl faum anzunehmen ist, daß man die Streitfragen bezirksweise regeln wird. Der Kampf geht also vorerst weiter, und er darf nicht beendigt merben, ehe sich die Fabrikanten nicht zu der so bitter notwendigen Lohnzulage verstehen.

Warenhaus- Konkurrenz.

Die Karstadt : A.- G. siedelt nach Berlin über.

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Unmittelbar nach der großen Jandorf Adm. Liek Fusion zu Beginn dieses Jahres ersteht den nunmehrigen Alleinherrschern im Kaufhauswesen der Reichshauptstadt ein neuer Wettbewerber in Gestalt der Rudolf Karstadt A.-G. Noch schneller, als man es nach dem Anlauf des Kompleges am Hermannplatz für ein Waren­haus Karstadts vermuten fonnte, zieht die Gesellschaft ihre Fäden, die bisher von Hamburg ausliefen, in Berlin zusammen. Der nächste Schritt, der nunmehr unmittelbar vor der Berwirklichung steht, ist die Berlegung der Eintaufszentrale und der Hauptverwaltung von Hamburg nach Berlin . Die Grundstüde, die dafür in Betracht tommen, befinden sich bereits feit längerer Zelt in den Händen der Gesellschaft. Es handelt sich um das Terrain nahe am leganderplas zwischen der Neuen Königstraße und der Reibelstraße, rund 16 000 Quadratmeter Grundfläche mit über 100 Meter Straßenfront zur Neuen Königstraße hin. Bon welcher Bedeutung das Projekt für die Stadt Berlin und die arbeitsuchende Bevölkerung ift, läßt sich aus folgenden Zahlen erkennen. Die Bautoften felbst werden bei vorsichtiger Schäßung. 15 Millionen Mart übersteigen, der Neubau bietet also Hunderten von Bauarbeitern auf Jahre hinaus weitere Beschäftigung. Nach der Fertigstellung werden etwa 2000 Angestellte und 10 000 Arbeiter dort regelmäßig tätig fein. Die Steuersumme, die für die Stadt selbst bei dem Betrieb abfällt, Die Steuersumme, die für die Stadt selbst bei dem Betrieb abfällt, darf man auf mindestens 10 Millionen jährlich annehmen.

Schneeftürme überall.

Es ist klar, daß die Berlegung der Hauptverwaltung nach Berlin nur im Zusammenhang mit weiteren Ausdehnungse Man plänen innerhalb der Reichshauptstadt verständlich ist. spricht schon davon, daß die Karstadt A.-G. fich bereits Grundstücke in erheblichem Umfange in Moabit und Schöneberg gesichert habe, um dort in nächster Zeit Warenhäuser erstehen zu lassen. Man sieht also: Tieß und Wertheim werden in den kommenden Jahren eine angesichts der Finanzkraft der Karstadt A.-G. nicht unerhebliche Konkurrenz in Berlin zu erwarten haben. Schon Dom Standpunkt der Angestelltenschaft aus ist dies nur mit Freuden zu begrüßen, da eine Monopolisierung im Berliner Kauf­hauswesen der Erringung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen natürlich durchaus nicht förderlich ist. Darüber hinaus aber hat die Stadt ein sehr bedeutendes Interesse an so großzügigen Bau­projeften, wie sie hier der Berwirklichung entgegengehen. Die Extension verdient zunächst in den Zeilen der herrschenden Arbeits­lofigkeit gegenüber der Intensivierung vorhandener Betriebe den Bor zug: fie schafft in erheblicherem Maße Arbeitsgelegenheit, und die Intensivierung folgt bei zunehmender Befferung der Wirtschaft von felbft nach.

Mie wir hören, besteht bei dieser Sachlage die Wahrscheinlichkeit, daß ein Uebereinkommen erzielt wird, wonach der Bau des riesigen Berwaltungsgebäudes von rund 400 000 Rubitmeter umbauten Raumes bereits im Frühling des tommenden Jahres be­gonnen und innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt wird.

Hugo Haase - Gedenffefer.

Am Sonntag abend veranstaltete die Sozialistische Ar Ein Zug bei Bitterfeld durch Schnee aufgehalten.beiterjugend bes Bezirts Kreuzberg im Jugendheim Lindenstr. 3 eine Gedenkfeier für Hugo Haase . Nach den weihe­In vielen Teilen Deutschlands fowie des Kontinents vollen Klängen Unsterbliche Opfer", mit denen die Feier eingeleitet hat der gestrige Tag und die letzte Nacht heftige Snee. wurde, und einer Sonate von Beethoven hielt A. Stein die fürme gebracht, die in vielen Fällen große Verkehrsstörungen im Gedenkrebe. Acht Jahre sind es jeßt, feit uns Hugo Haase auf der Gefolge hatten. Besonders heftig war das Schneegestöber in Höhe feines Birkens entrissen wurde. Ebenso wie Jaurès fiel er der Gegend von Leipzig . Es fiel jo flatter Schnee, daß der be- durch die Kugel eines halb 3rrsinnigen, aber auch er war ein Opfer schleunigte Personenzug Berlin - Ceipzig- München , jener Atmosphäre des Meuchelmordes, die der Krieg und die Nach der um 7,43Uhr abends in Leipzig eintreffen foll, hinter Bitter- wiffenschaftliche Erkenntnis und hohen Idealismus mit der Klarheit friegswirren gezeitigt hatten. Wie Jaurès vereinigte Haase tiefe und Nüchternheit eines wirklichen Staatsmannes. Diese Eigen feld im Schnee fteden blieb und mit zweiftündiger Ber­ipätung in Leipzig eintraf. Auch sonst unterliegt der Eisenbahn- fchaften machten ihn nach dem Tode Bebels zum Führer der deutscher Sozialdemokratie. Die Prüfungen des Krieges und der Nachkriegs­verkehr großen Störungen und Verspätungen. zeit legten ihm besonders schwere Aufgaben auf. Er suchte ihnen gerecht zu werden, getreu seiner tiefwurzelnden internationalen Ueberzeugung und den Ueberlieferungen der deutschen Sozialdemo tratie. Gerade die Jugend hat alle Veranlassung, das Leben und Birten dieses Mannes zu würdigen, in dem ein Stück Barteis geschichte verförpert ist. War er es doch, der gerade der proletari schen Jugend gegenüber den Standpunkt einnahm, daß fie erfüllt werden müsse mit dem Geist des Idealismus, der das Proletariat auf die Höhe feiner historischen Aufgaben emporhebt. Birkt bie Jugend in diesem Sinne, dann erfüllt sie die Aufgaben, die ihr Hugo Haase als einer der Vertreter der alten Garbe" der deutschen Sozial­bemokratie vorgezeichnet. Mit dem gemeinsamen Gesang Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" nahm die Feier, die auf alle Teilnehmer einen tiefen Eindruck machte, ihr Ende.

Leipzig , 22. November. Infolge des Schneefalls find hier einige jchwere Unglüds. fälle zu verzeichnen. In der Gießerstraße stieß ein Lasttraft wagen gegen einen leeren Handwagen, der auf den Bürgersteig gedrückt wurde, zwei Männer wurden dadurch schwer verletzt. In einem südlichen Stadtteil geriet ein Möbelwagen in eine Baugrube. Er brach vollständig zusammen und die Ladung wurde auf die Straße geschleudert. Durch diesen Unfall wurde der gesamte Straßenbahnverfehr zwischen dem Süden und dem Stadt innern lahmgelegt. In einer Straße im Westen erfolate ein Bu fammenstoß zwischen einem Bersonenauto und einem Motorrad­fahrer, wobei ein Mäbchen schwer verlegt wurde.

Noch mehr Zugverspätungen.

Eine Störung faft aller Hauptstrecken ist eingetreten. Infolge: dessen find die Züge heute morgen in Berlin mit zum Leil sehr erheblichen Berspätungen eingetroffen, die dadurch entstanden sind, daß auf einzelnen Strecken dort, wo die Wälder bicht bis an die Schienenftränge herangehen, fich starke Schneewehungen gebildet haben. Weiter hat das Schneetreiben in der Nacht die Sicht start getrübt, so daß die Lokomotivführer mit äußerster Borsicht zu fahren gezwungen waren. Auf dem Schlesischen Bahnhof trafen heute morgen die vom Often tommenden Züge mit Ber spätungen bis zu 30 Minuten ein. Der Stodholmer D- 3ug, der befanntlich mit der Gaßnizer Fähre übergesetzt wird, hatte eine faft einstündige Berspätung, da die Fähre in starten Sturm geriet und außerdern auch in Schweden die Gleise durch Schnee vers perrt waren. Aus Rügen wird sehr starker Schneefall gemeldet, o daß auch dort überall große Verspätungen im Berkehr eingetreten sind und die Zubringerlinien die Hauptanschlüsse nicht mehr erreicht haben. Auf tem Bahnhof Charlottenburg trafen der Umst er damer D- 3ug heute morgen mit 54 Minuten Ber. spätung, der von Paris tommende Norderpreß L 11 mit 30 minuten und der Kölner D.3ug 7 ebenfalls mit halbstündiger Berspätung ein. Zwischen Hannover und Magdeburg find ebenfalls große Schneeverwehungen gemeldet, so daß die heute nacht von Hannover tommenden Züge durchschnitt fich 30 Minuten Verspätung hatten.

Auch die auf dem Anhalter Bahnhof eintreffenden D 3üge hatten infolge der Schneeverwehungen auf den Gleifen Ver pätungen von 30 bis 45 minuten. So traf der Fraut furter D- 3ug, der auf der Strecke auf ziemlich große Schnee maffen traf, erft 45 Minuten nach der fahrplanmäßigen Zeit ein.

Es bleibt weiter falt.

Bei etwas

Berfin hat zunächst, so fagt wenigftens der amtliche Better bienft, wenig Aussicht auf größere Schneefälle, wie sie in einem großen Teil Sachfens gestern n'ebergegangen find. schwächeren östlichen Winden ist für die nächsten Tage feine wesentliche Aenderung des augenblidlichen Bitterungscharatters zu erwarten. Jin großen und ganzen soll es weiterhin talt und troden bleiben, ver einzelt find vielleicht leichte Schneefälle zu erwarten. In der letzten Nacht wurden in Berlin 9 Grab unter Rull gemessen; das ist bisher die tieffte Temperatur in diesem Jahr. In den vorangegan. benen Nächten schwankte das Thermometer zwischen-6 und-7

Grad.

Der Kälteeinbruch. der mit großer Hartnäckigkeit anhält, hat feine Ursache in einer vorherrschend östlichen Luftströmung, die sich über ganz Mitteleuropa erstreckt und einen hohen Drud über Finnland , der Ostsee und Rußland , einen tiefen Drud im Besten Europas verursacht hat. Die Folgen dieser Druckverteilung find Ansteigen der Temperaturen nach dem Westen und andererseits Ginten der Temperaturen, je weiter man nach dem Osten( Rußland ) tommt. Intereffant find deshalb ein ge 3Zahlen über die Tempe raturverteilung in Deutschfond. Am tältesten ist es in Ostpreußen , mo etmo-14 bis-17 Grab herrschen. In Sachsen zeigte die Qued filbersäule-7 Grab. Stärferer Frost ift bagagen in den Bergen. In der Rheingegend herrscht vorherrschend mlbes So wurden beispielsweise in Sarlsruhe gestern+11 Grad, in Aachen +9 Grad, in Frankfurt a. M.+8 Grad gemeffen. Des Nachts fanten die Temperaturen bisher nirgend unter 0 Grad.

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Wetter.

Selbsthilfe der Geschädigten.

Die Selbsthilfe der geschädigten Auslands, Kolonial- und Grenzlanddeutschen hatte in das Königstädtische Gymna fium gelaben. Als Rebner bes Abends hatte sie fich Genoffen Künstler, M. d. R., verschrieben. Die Selbsthilfe" hätte fich teinen befieren und verständnisvolleren Anwalt ihrer Intereſſes aussuchen fönnen. Genosse Künstler führte ungefähr aus, daß die Bürgerblodregierung vor lauter innenpolitischen Schwierigkeiten gar nicht zur Beratung des Kriegsschädenschlußgefezes tommt. Der Gesetz entwurf wird am 7. Dezember den Reichsrat beschäftigen. Nach der Geschäftsordnungslage des Reichstags ist es faum möglich, das Gefes in diesem Jahr noch dem Plenum des Reichstages zuzuführen. Die Reichsregierung matt fich start verdächtig, als ob ihr an der Be schleunigung nicht viel gelegen ist. Ja, es mumben jetzt fogar Gea rüchte laut, als ob der Gelegentwurf sogar diesem Reichstag nicht nis mit Barter Gilbert geschehen. Für die Fürstenabfindung war mehr zugeleitet werden sollte. Und zwar follte dies im Einverständ aber gemig Geld da, auch beim Reichsschulgeset zittert man nicht für das Budget. Das Reichsfinanzministerium dementierte zwar auf Anfrage des Genossen Künstler das Gerücht und ließ durch Minio fterialrat Bazarus erflären, daß die Reichsregierung zu feiner Zeit die Verschiebung des Gefeßentwurfs auch nur zur Diskussion gestellt hat. Die merkwürdige Haltung der Mehrheit des Reichstages wirkt um so befremdender, als Dr. Köhler im Bejegentwurf felber an führt, daß die Beruhigung der öffentlichen Meinung mur durch eine Beschleunigung zu erreiden fei. An praktischer Arbeit bleibt im moment nichts anderes zu tun übrig, als darauf zu bringen, daß die Beratungen im 22. Ausschuß zwar schnell, aber doch gründlich durc geführt werden, für die Zukunft aber den Parteien bie Unterstügung ber Stimmen zu gewähren, die fid wirklich und gerecht für die Intereffen der ge schädigten Auslands, Kolonial- und Grenzlanda deutschen einfegen. Die Ausführungen wurten mit lauten Beifall aufgenommen. Ein Herr aus dem Bublifum bemerkte nods bas große Unrecht, das benen geschieht, die ihre Ansprüche zu spät angemeldet haben. Genoffe Rünstler beruhigte die Bersammlung, indem er auf die Bestrebungen hinwies, die im Gange sind, um menigstens bie schuldlos Berspäteten noch zu bedenken. Plöglicher Tod der Frau Kutister.

Die Gattin Iwan Kutisters, der bekanntlich im Sommer dieses Jahres unmittelbar vor der Entscheidung seines Prozesses in der Bes rufungsinftans gestorben ist, wurde am geftrigen Montagaben's plößlich vom Herzschlag getroffen und starb na wenigen Minuten. Frau Kutister, die im 48. Lebensjahre stand, war seit längerer Zeit herzleidend und ihr Zustand hatte sich infolge der Aufregung wegen des Verfahrens gegen ihren Mann fehr verschlechtert. Eine in den letzten Tagen hinzugetretene Bron chitis hat dann das Ende beschleunigt.

Ein alfer Stämpfer. Heute ,, Dienstag, 22. November, begeht unfer Genosse Theodor Köppe, Berlin- Schöneberg, Brunhild straße, feinen 70. Geburtstag. 43 Jahre ist Genoiſe Köppe is der SPD. organisiert und fast ebenso lange in feiner Gemertschaft, dem Verband der Zimmerer. Röppe war schon in den Lassalleschen Arbeiterbildungsvereinen organisiert. Der Ju bilar war in vorbildlicher Weise für die Ziele der Arbeiterschaft in den 43 Jahren dauernd tätig. Auch heute noch ift er in der 79. Ab teilung unermüdlich tätig. Wir hoffen, daß Genosse Köppe noch lange Jahre in unseren Reihen als treuer Rämpfer bleiben wird.

Nach den Schneeberichten, die dem amtlichen Wetter. Der grobe Unfug, Eisenbahnzüge zu befchieken oder mit Steinen dienst zugegangen find, beträgt die Schneebede auf den mittelgebirgen einheitlich etwa 14 3entimeter, im Riefen zu bewerfen, will immer noch nicht aufhören. Gestern gegen 17 Uhr gebirge 15-20 Zentimeter, die Kämme weisen fogar über 40 3enti erhielt wieder ein Borortzug, der in der Richtung nach Berlin meter auf. Außer in Sachsen , wo gestern auf der Strecke Elbe - fuhr, zwischen Grünau und Adlershof einen Schuß, der Dresden - Magdeburg - Hannover ergiebige Schneefälle niedergegan eine Fensterscheibe zertrümmerte, zum Glüd, ohne einen Fahrgast a gen sind, find anderswo im allgemeinen nur vereinzelte leichte treffen. Ein Absuchen des Geländes blieb, wie in den meisten Schneefälle zu verzeichnen. Fällen, erfolglos,