?!r. SS3» 44. Jahrgang Mittwoch, 23. November 4927 �——— nr»«—»■■.».mi...i.�yi—— 1�—— p�p—>«>!>«»!!».................|| j»,,-.■ I0IHIMI H..... I..... IIIIB
Bau der Verlängerung der Strecke Stadion— Zuhieben.
Die fünf kleinen„w's". Die Grundpfeiler der Nationalisierung. 3m Rahmen des von der Industrie- und Handelskammer zu Berlin in Verbindung mit der Gesellschaft von Freunden der Hon- delshochschule Berlin in der Handelshochschule veranstalteten Bor- tragszyklus sprach gestern Heinrich G r ü n f e l d, der Vorsitzende der Hauptgemeinschait des deutschen Einzelhandels, über..Rationali- sterung des Einzelhandels". Der Bortrag war von allgemeinem Interesse. Der Vortragende wies einleitend darauf hin, daß dos„Schlag- wort" von der Rationalisierung noch sehr lange energisch durch die Verbände des Einzelhandels wird tönen müssen, che diese zum Tatwort für die vielen tausend kleinen und mittleren Betriebe werden kann, für die die Rationalisierung an den verschiedensten Stellen geschäftlicher Vorgänge dringend notwendig wird, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, besser noch zu steigern. Ab- weichend von Industrie und Technik muß der Gedanke der kauf- männischen H a n d e l s rat i o n a l i s i e r u n g sich aus- wirken als„das Streben nach wirtschaftlicher Wirkungserhöhunq durch planmäßige Beobach- tung". Die Erfolgserhöhung kann noch Ansicht des Vortragenden sich nur indirekt und ollmählich durch die Wirkungs- «rhähung erreichen lassen. Im kleinsten wie ini größten Laden. cichäfr ergeben sich drei gesonderte Arbeitsgebiete: Einkauf. Vertäut sowie Buch- undKassenführung. die allerdings sehr eng ineinandergreifen. Vor dem Vertauf muß als Auf- takt die Werbetätigkeit einsetzen, die in den meisten Ee- schäften stark vernachlässigt ist. aber für den Wiederausbau noch jlrieg. Zazangswirtschast. Inflation für jeden einzelnen zur Not- viendigkeit wird. Auch auf die Ablenkung von vielen früheren Verkaufsgebieten durch U mjt« llu n g der Psyche der Be- v ö l k e r u n g aus Sport. Reisen, Radio nsw.. muß der Einzel- Händler aufmerksam bleibeii. Abzuwägen sind für die Reklame Unkosten und voraussichtliche Wirkung bei gegen die Vorkriegszeit sehr verteuerten Inseraten. Portogebühren, je noch der Art der zu bearbeitenden Kausschicht. Auch Beleuchtung, Schaufsnster und Ladenausstattung gehören zu den zu rationalisierenden Werbemitteln.
�Zement. JRcmao doh Ffodor©lobfo». Ein Slcuier Gimmel, und hoch über dem Koos, wie em «rtes Reifaebilde— Wolken, und durch sie hmdnrch schimmert wieder die Bläue des Himmels. Und die dunstigen, welligen Kernen und die Stille, die tiefer und unermchstcher sind als die Fernen. Es schien, als ob der Schoß der Erde diese Stille einatme. �...... Und rechts und links lunges. durchsichtiges, mit goldenem Staub bedecktes Gras und dazwischen glühen wie Feuerchen aoldene Butterblumen— klein und jung wie Küchlein. Sie bewegen sich und laufen ihr von weitem entgegen, so hübsch sind sie und ihr verwandt. Und kaum hatte Dascha diese Blumen bemerkt, so war ihr Herz voller Zärtlichkeit. Sie verlor den Atem, das Herz --ja in der Brust, sie schrie auf und überströmte von Tränen. ie beruhigte sieh aber sofort— wurde still, konnte aber nicht -stehen— die Kräfte versagten ihr. Und sie sah die ganze t die Dutterblumen an und lauschte, ohne zu denken der lc der Erde. Und sie tonnte nicht begreifen: klang die Stille wie em er Faden in ihrem Ohr oder sang eme Lerche. Sie sah urchsichtigen Flaum der Wollen— ferne Saiten flim- 1 in ihnen. Vielleicht singen die Wolken, pielclicht die flammenden Butterblumen.... m Galopp und mit Pferdehufgetrampel tauchten hinter juaeln Rotarmisten, mit überm Rücken gehängten Ge- auf Ihnen voran jagte in wildem Lauf ein braun- d'ger Mann in schwarzem Leder. Dascha fuhr zusammen Die Rotarmisten schrien alle durcheinander, lachten übers «an,e Gesicht und winkten mit den Händen. Dascha schrie auf und lief Badjin entgegen. Er hiell mit einem Ruck das Pferd an und sprang aus dem Sattel. Mst beiden Händen faßte sie Dadjins Hand, meinte und � �Viic Rotarmisten umringten sie, schrien alle um die Wette, «s mar nicht zu verstehen, was. Einer der Reit« sah sie lange schweigend an(er hatte I
2m Verkauf beruht die Rationalisierung der Form nach in der wesentlichen Verbesserung der Fachausbildung der Verkäufer, in entwickelterem Kundendienst und in einer bequemen, nicht auf- dringlichen Abfertigung. Das Wicbtigste bildet naturgemäß ein für die>eweilige Kundschust passend zusammengestelltes Warensortiment. das zur richtigen Zeit, in den erwünschten Preislagen und aus- reichenden Mengen zur Verfügung stehen soll. Voraussetzung hier- für ist gut rationalisierter Einkauf. Die j ü n f kleinen„w's": was. wieviel, wo. wann und wie kaufe ich ein, sind hier die Grundpfeiler der Rationali- slerung. deren Außerachtlassung leicht zum großen„W" fWeb) des Geschäftes werden kann. Zum Was gehört die genaue Kennt- nis dessen, wonach über den Vorrat hinaus Nachfrage herrscht, was z. B. durch die schriftliche Meldung jedes Nichtkaufes in Erfahrung zu bringen ist. Auch die unteren und oberen Preisgrenzen sind zu ermitteln. Der Vortragende weist auf dos Buch des Bostoner Kaufhausbesttzers Filene hin. der für jeden Artikel Beschränkung auf drei Preislagen empfiehlt: inwieweit Markenartikel geführt werden sollen, ist planmäßig abzuwägen. Dos„Wieviel erfordert genaue Statistik über den wirklickien Verbrauch, natürlich unter Berücksichtigung ollgemeiner oder besonderer Koniunkturschwankungen. Das„Wo" ergibt sich aus den beiden ersten Fragen, ob allein oder im Konzern(auch genossen. schaftlich) beim Fabrikanten oder Grosiisten, ob im eigenen Haus« oder durch Reisen in die Fabrikorte, zu Messen usw.: das„Wann" hat eine besonders scharfe Kontrolle des Zu- und Abganges vom Lager, der Bestände und Restaufträge, zur Voraussetzung. Das „W i a" ist schließlich die persönliche Kunst des Ein- käu fers, dessen Ziel fein soll, alle erlaubten Barteile heraus- zuholen, ohne dem Lieferanten die Freude an der Fortsetzung der Verbindung zu nehmen. Das richtige Verhältnis zwischen Einkausiund Verkauf, das Streben noch möglichst häufigein Umschlag, fordert praktische, schnelle und übersichtliche Lagerbuch- sührung, für die Karten und Formulare am besten je nach der Eigenart des Geschäftes besonders zu schaffen sind. Der Waren- eingang und das Auszeichnen können vielfach zur Beschleumgung und Uebersichtlichkeit rationell verbessert werden, wobei moderne Rechen-, Etikettier- und Buchungsmaschinen beachtlich sind. Die Ueberwachung der Unkosten, die heute besonders wichtig geworden ist, erfordert eigene genaue Aufstellungen, möglichst für
starke Backentnochen, einen großen Mund und Augen, die tief unter der Stirne lagen), kroch dann schweigend langsam vom Pferd und legte seine Hand auf ihre Schulter. „Genossini... Hier hast du ein Pferd.... Setz dich. ... Komm, ich helfe dir...." Dascha lachte, griff nach der Hand des Rotarmisten, schüttelte sie ebenso wie Badjins Hand. „Danke, Genosse.... Ich wußte gar nicht, wie gut ihr alle seid.... Meinetwegen habt ihr«in ganzes Regiment in Bewegung gesetzt... und Genosse Badjin ist ganz außer Atem... Die Rotarmisten standen, die Pferde rieben sich anem- ander, und mit erstaunten und lachenden Augen sahen die Männer Dascha an. Und der Großmäulige hob sie auf den Sattel, verzog sein Gesicht in ein Lächeln— bis zu den Ohren, zog schweigend den Steigbügel eines anderen Rotarmisten herunter und schwang sich mit einem Schwung auf dessen Pferd. Badjin ritt neben Dascha, stützte sie besorgt auf den holprigen Wegen, sah. ob die Zügel, der Sattel, der Zaum in Ordnung waren. Dascha sah seine besorgte Fürsorge und lächeste ihn mit freundlichem Lächeln an. „Was wir mit dir? Erzähle... „Ach nichts, Genosse Badjin.... Sie haben sich dort wichtig gemacht und mich dann laufen lassen.... Mit Frauenzimmern werden sie sich doch nicht einlassen?... Haben mich durchgeprügelt... das ist olles...." Und lachte wieder. Und Badlin schaute sie forschend, mit wissenden Augen an und lächeue weich(so ein Lächeln hatte noch niemand beim Vorsitzenden des Exekutivkomitees gesehen). Und bis zur Siedlung ritt er ganz neben ihr und sah immer voller Sorge nach dem Sattel und ob Dascha auch fest und gut sitze. Vor dem Bezirksexekutiokomltee, auf dem Platze vor der Kirche stand eine lange Reihe von Wagen, die ausgespannten Pferde schlugen mit ihren Schweifen um sich, und die Kühe und Schafe drehten ihre Köpfe mit den Hörnern hin und her. Kosaken drängten sich wie auf einem Jahrmarkt. Weiber schrien und riefen. Kleine Jungen, mit und ohne Pelzmützen. jagten nach Heujckirecken und spielten Huckenack. Und irgend« wo. ganz nah, nicht im Hofe des Exekutivkomitees und nicht in der Menschenansammlung— weinte und schrie heiser«ine trunkene Stimme: Küchlein, du aufgeblasenes, Racktes. barfüßiges...
gleichartige Geschäfte nach gleichen Grundlagen. Diese Vertrauens- voll den Verbänden zur Verfügung zu stellen, um durch Austausch der Erfahrungen eigene Fehlerquellen kennenzulernen, wird«in Hauptgebiet rationeller Verbandsarbeit werden müsseiu
Die Methode des Herrn Gpleitstößer. Warnung für HeiratÄostige. Der Heiratsschwindler Splettstößer hatte sich seine cigene Methode herausgearbeitet. Als guter Psychologe wußte er. daß die verwundbarste Stelle vieler Frauen und Mädchen„Mitleid" heißt. Auf diesem Instrument spielte er meisterhaft imd unfehlbar. Wie niedergeschlagen der arme Mtwer sein konnte! Dann sein krankes Kind, und er gerade ohne Geld. Das Kind stirbt. Wieder braucht er Geld: es muß ja beerdigt werden. Auch das kostet Geld. Und immer wieder erhält er es. Wer weiß, wozu er nicht olles Geld braucht. Und sie geben mit Freuden. Bav muß «r«ine Reise machen, bald«inen Apparat einlösen, usw. usw. Und stet, erhält er von den. och so liebenden und liebesbedürftigen Haus- angestellten ihre Ersparnisse, so lange nur ein Pfennig übrig bleibt. Und hatten st« seK-st mehr kein Geld, so borgen sie sich welches ans. Da war z. B. ein«, sie mag schon ihre 46 Jahre alt gewesen sein. Ihr erzählt- er, er habe eine eigene Wohnung am Stuttgarier Platz. Seine Schwiegereltern seien aus Polen gekommen, um das tote Kind abzuholen. Ihr Geld bestünde in polinscher Währung. Er habe zwar 500 Mark auf der Sparkasse, müsse ober erst die Erbschaftssteuer bezahlen, um sie zu erhalten. Herr Splettstößer besaß zwar kein Geld, aber«ine reg« Phantasie. Die Sech?und- vierzigjahrige besaß 1000 Mark,— ihr« einzigen Ersparnisse,-.sie gab alles hin. Wieder eine andere, eine Achtund, zwanzigjährige. Cr lernte sie im Autobus keimen, als er in freundlicher Wesse ihr Fahrgeld dem Schaffner hinreichte. Er stellte sich als Einkäufer bei Rheingold vor und mqchle einen so gu!«n Cindnick auf sie. Sie dachte an ihre sorgenschwere Zukunft, führte ihn bei ihrer Mutter und ihren Berwandien ein, er nahm ihr Geld ab zum Möbel- kauf und unier anderen Vorwänden und verschmähte selbst nicht, ihr« Verwandten zu bestehlen.— Wieder eine andere, eine 32jährige Hausanzest-llt«. Diese lernte er bei eincni Einkauf kenne». Der Wicwer init dem kranken und dann loten Kind« errefli« ganz gewaltig dos Herz der Einsamen. Als er ihre Ersparnisse aber um einig« hundert Mark erleichtert und sie auhervein noch bestohlen hatte, erstattete sie Strafanzeige. Rahm ih» aber wieder in Gnaden auf. als er aus der Umersuchungshoft entlassen war und ihr «rklärie, das Vergehen ihr gegenüber sei das einzige, das er auf dem Kerbholz Hab«. Und w>«i>er verstand et, ihr das Geld abzunehmen. Ja, sie versorgte ihn sogar mir 110 Mark, die er angeblich brauchte, um seine Strafakten aus Moabit heraus- zubekommelu Die Acrniste konnte ja nicht wissen, daß ihr Herz- allerliebster, der ihr aus 7 SO Mark zu stehen kam. bereits siebenmal, darunter auch«tlich« Mal« wegen Heiratsschwindel, vorbestraft war. Ein gemeingefährlicher Schwindler, dieser Splctt- ftößer! Er ist der Sohn ehrbarer Eltern, ehemaliger Sekunda»er. dann Mechaniker und Kriegsfreiwilliger. Der Krieg wurde sein Verderb. Denn mit dem Jahre 1818 beginnen fein, Straftaten. Und seitdem hat er dreimal Se l b st m o rd o er suche begangen, mußte sich die Internierung im Irren haus gefallen lassen und steht nun vor dem Schöffengfri- Ehorlottenburg als endgültig entgleister, seelisch völlig niedergebrocheuer Mensch. Dr. Hirsch schildert seine erbliche Belastung, seine psychopathische Minderwectigteit, konnte aber den§ S1 für ihn nicht gelten lassen. So half ihm auch nicht der Erzengel Michael , der ihm. wie er dem Vorsitzenden geschrieben hatte, im Gefängnis im Traum erschienen war. und ihm empföhle»« hatte, fleißig die Bibel zu lesen, damit er mit einer leichten Strafe davonkäme. Er erhielt 2 Mi Jahre Gefängnis.
35 Mill. Fahrgäste auf Ttadt- uud Borortbahuev. Wie die Reichsbohndirektion Berlin mitteilt, sind oul den Ber - liner Stadt-. Ring- und Lorortbohnen im Oktober 34S06 000 Personen befördert worden. Gegenüber dem Vormonat, der nur 33379 000 Reisende auswies, ist also eine Steigerung von 1527000 Fahrgästen oder 4,6 Proz. eingetreten.
Die Stimme reichte nicht aus. Sie stöhnte, keuchte und sang trotzdem, schrie heiser immer wieder dieselben Worte wie besessen. Bortschij saß im Tscherkessenrock, mit einem Dolch im Gürtel, vor einem Tisch, rollte seine asiatischen Augen und kratzte sorgfältig mit seiner Feder über ein Papier. Er hob den Kops, wart Dascha einen Blick zu, und sein Gesicht, das Gesicht eines Kriegers der„Teufelsarmee", zuckte nicht mit einem Muskel. Er brüllte nur wie ein Stier:„Aha, dein Glück, daß der Tod dich diesmal nicht gepackt hat...." Badjin ging mit schweren Schritren. wie bei sich stn Exekutivkomitee, zum Tisch und war wieder kalt und verschlossen. „Genosse Bortschij, laß Saltanow herrufen." Bortschij ging elastisch, mit weiblicher Grazie, zur Tür. „Genosse Salianow. der Borsitzende des Exekutivkomitees verlangt nach dir." Und kehrte mit derselben Grazie auf seinen Platz zurück. Und als Saltanow hereinkam und vor dem Tisch stehen- blieb, sagte Badjin kalt, zwischen den Zähnen, ihn aufmerksam und finster ansehend:„Genosse Saltanow, du wirst deiner Aufgabe enthoben und bist verhaftet. Morgen wirst du zusammen mit Bortschij in die Stadt kommen. Dort werde ich die Sache sofort dem Revolutionstribunal übergeben." Saltanow legte feine Hand an die Mütze, stand stramm, sah Badjin mit lachenden, weit ausgerissenen Augen an und ging zwei Schritte nach rückwärts. „Ich habe alle Anordnungen, die ich vom Gouvernements- exekutivkomitee erhalten habe, genau und streng durchgeführt." Badjin drehte sich weg und sah schweigend Bortschijs Mütze an. „Genosse Bortschij. liquidiere diese ganze Musik so, daß du diese Tatsache zu unseren Gunsten ausnutzt. Die feindlich« Stimmung muß mit der Wurzel ausgerottet werden. Wen» du aus der Stadt zurückkommst, so rüttele mit einem Schlage alle Schichten, von unten angefangen, auf. Komm auf de» Platz." Und als sie zu dritt, Badjin, Bortschij und Dascha, zu den Wagenreihen gingen, sahen die Kosaken in ihren Pelzmützen, die Bauern und Bäuerinnen sie mit tiefeingefallenen, wie blinden Augen an. Die Wagen standen hier ganze Tage und Nächte, und ganze Tage und Nächte drängten sich die Bauern um sie, ohne wegzugchen, und saßen nachts um die Kessel herum wie Zigeuner . (Fortfetzmtg folgt.)