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Abendausgabe
Nr. 554
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44. Jahrgang
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Der Rinderfreund"," Jugend- Borwärts", Blid in die Bücherwelt. Kulturarbeit“ und Technik" erscheint mochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmai.
Mittwoch 23. November 1927
23.
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Straßenbahnunglück in Kassel .
Bierzehn Kinder verletzt.- Wieder auf der Bergstrecke!
Kassel , 23. November.( Eigenbericht.) Seute morgen gegen 10 Uhr ereignete sich im Be triebe der Herkules Bergbahn im Drujeltal ein schwerer Zusammenstoß zweier Motor wagen. Der eine Wagen fuhr talwärts und war unbefest, in dem anderen Wagen befanden sich Schüler und Schülerinnen höherer Schulen, die einen Aus flug unternehmen wollten. Der Führer des talwärts fahrenden Wagens hatte die Gewalt über den Wagen verLoren, er versuchte auf den durch Eisregen stark ge glätteten Schienen vergeblich, den Wagen zum Stehen zu bringen, was ihm aber nicht gelang, so daß beide Wagen zusammenprallten.
Der Zusammenprall war so heftig, daß bei beiden Wagen der Vorderberron zerstört worden ist. Sämtliche Fensterscheiben zersplitterten, auch die Site innerhalb der Wagen sind zerstört. Die Folge des Zusammenpralls raven 14 Berlekte, darunter zwei sehr schwer, ja daß an ihrem Aufkommen gezweifelt werden muß.
Der Führer schrie, als er sah, daß er den Wagen nicht mehr zum salten bringen konnte, laut um silfe. Streckenarbeiter versuchten durch Sandstrenen die
Wucht des Anpralls aufzuhalten, es war aber alles vergeblich. Die Schienen waren derart glatt, daß der Wagen mit größter Wucht auf den anderen auffuhr. An der Unfallstelle erschienen sofort Sanitäter des Roten Kreuzes und Arbeiterfamariter, die die Verletzten zum Roten Kreuz und in das Sanatorium auf Wilhelmshöhe brachten.
Straßenbahnlinie ereignet, auf der am 18. Mai d. 3. Das Unglück hat sich auf einer Nebenstrecke derselben Das Unglück hat fich auf einer Nebenstrecke derselben ebenfalls ein vollhejezter Wagen zu Tal faufte und neun Tote und gegen 20 Schwerverlegte unter seinen Trümmern begrub.
Der Straßenbahnführer, der megen fahrlässiger Tötung angeklagt murde, wurde freigesprochen, weil er feine Schuld trug, allerdings wurde in der Gerichtsverhand lung auch festgestellt, daß die geltenden und von dem Fahrer innegehaltenen Dienst vorschriften das Unglück direkt begünstigt hatten.
Offenbar hat aber die Straßenbahnverwaltung aus dem ersten Unglüd noch feine Schlußfolgerungen zugunsten der Sicherheit der Fahrgäste gezogen.
Schiele wird gestellt.
Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitenkaffe Lindenstr. 3
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Befriedigender Anfang. Das Einleitungsabkommen unterzeichnet.
Die in den letzten Tagen erfolgten Besprechungen zwischen dem Jadowifi haben zur Einigung darüber geführt, daß die Reichsaußenminifter und dem polnischen Sondergesandten Delegationsverhandlungen alsbald wieder aufgenommen werden und zwar zunächst mit dein Ziel, die beiderseitigen Kampfmaßnahmen abzubauen und die mehr oder weniger abschlußreifen Fragen so schnell wie möglich vertraglich zu regeln. Beide Parteien haben die Hoffnung, daß dieses Ziel im Laufe des Dezember erreicht Ueber die Grundsätze, die dabei gelten sollen, hat man sich soeben in gültigen Verhandlungen über den ganzen Vertrag beginnen. wird, und daß zu Beginn des kommenden Jahres die end. Berlin geeinigt und eine Niederschrift über die Borverhandlungen wie über diese Grundlinien gemeinsam unterzeichnet.
Neben diesen Besprechungen zwischen Stresemann und Jackowski ist in Berlin jetzt ein Holzabkommen zwischen Deutschand und Polen abgeschloffen worden, das die Einfuhr polnischer Rund- und Schnitthölzer erleichert. Bolen verpflichtet sich dafür zu Konzeffionen für die Einfuhr deutscher Automobile, Fahrräder und einiger anderen Erzeugnisse. Das Holzabkommen dürfte am Freitag der Sonnabend in Warschau unterzeichnet werden. Der deutsche Delegationsvorfigende soll noch am heutigen Tage vom Reichskabinett bestimmt werden.
Wie wir hören, mirb die sozialdemokratijche Stadt: Berordnetenjrattion morgen im Rathause dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung durch einen Dringlichteitsantrag Gelegenheit geben, zu der skandalösen ohumer Rede des Reichsbanfpräsidenten
Heute nachmittag Maiszolldebatte im Reichstag. - Der Bürgerblock will die Schacht Stellung zu nehmen. Da die Ausführungen Dr. Schachts
Besoldungsreform durchpeitschen.
Auf der Tagesordnung der heutigen Reichstagssigung steht die erste und zweite Beratung des Gesetzes über den deutsch - jugoslawischen Handelsvertrag.
Für die sozialdemokratische Reichstagsfraktion mird Genoffin Sender sprechen. Minister Schiele wird wegen der Erhöhung des Zolles auf Industriemais gestellt merden. Die fozialdemokratische Reichstagsfraktion wird eine bündige Erklärung von ihm fordern.
Der Aeltestenausschuß des Reichstags hat beschlossen, vom Sonnabend bis zum Mittwoch der nächsten Woche teine Plenarsizungen abzuhalten. Am Donnerstag der nächsten Woche wird die sozialbemo fratische Wirtschaftsinterpellation beraten
werden.
Die Besoldungsreform. Beratung im Hauptausschuß.- Regierung in Verlegenheit.
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In den Sizungen des Ausschusses für den Reichshaushaft am Dienstag und Mittwoch über die Besoldungsreform wurde die Beratung des Gruppenaufbaues fortgeführt und unter Zurüd stellung aller Abstimmungen die Gruppen 8 bis 5 erledigt. Die Gruppe 8 umfaßt die Assistenten im Bureaudienst, technische Assisten ten, Präparatoren, Werfführer, Lokomotivführer, Steuer- und Zollassistenten mit den Besoldungsstufen 2000 bis 2700 Mart. In Gruppe 7 sind eingestuft Sekretäre im Bureaudienst, Hausinspektoren, Kanzleivorsteher, Brückenmeister, Brandmeister, Boft- und Tele graphensekretäre usw. Die Gehaltssäge betragen 2350 bis 3400 M. Die Besoldungsgruppe 6 ist ausgestattet mit Sägen von 2400 bis 3500 Mark und umfaßt unter anderem Oberwertmeister, Schiffs fapitäne beim Kanalami, Hafenmeister, Lelegraphenwerfmeister und Telegraphenbauführer. Besoldungsgruppe 5 umfaßt Photographen, Rpferstecher, Lithographen, Revierförster, Kanzleivorsteher und
Ministerialkanzleifefretrãe.
Bei der Gruppe 8 ricf die pon den Genoffen Seppel und Steinfopf erhobene Forderung, die auf dauernden Dienstposten beschäf tigten meiblichen Angestellten in das Beamtenver hältnis zu überführen, eine zwar furje, aber lebhafte Debatte hervor. Unsere Genoffen konnten darauf hinweisen, daß der Haus haltsausschuß bei der Beratung des Haushalts für 1927 mit 3u stimmung der Reichsregierung einstimmig die folgende Entschließung angenommen hat: die Reichsregierung zu ersuchen, diejenigen weib lichen Angestellten in den Reichsministerien, die auf dauernd erforderlichen Dienstposten beschäftigt werden, in das Beamtenverhält nis zu überführen. Jetzt sei die Möglichkeit gegeben, diese platonische Entschließung durch entsprechende Beschlüsse mit Inhalt zu erfüllen. Bet der Etatsberatung sei auf die bevorstehende Besoldungsreform verwiesen worden. Ob man jezt den Ball wieder zurückwerfe und auf die kommende Beratung des Etats für 1928 vertrösten wolle?
Die sozialdemokratischen Ausführungen und Fragen waren jo schlagend, daß die Regierung nichts zu ermidern wußte und fich in Schweigen hüllte.
Der Bürgerblock hat es eilig. Zwischendurch spielte sich noch eine Geschäftsordnungs debatte von größerer Bedeutung ab. Das Finanzministe rium fprach den dringenden Wunsch aus, die Arbeiten des Ausschuffes so zu beschleunigen, daß das Besoldungsgefeh bis Sonnabend in acht Tagen auch in zweiter Lesung im Ausschuß fertiggestellt werde.
Bom Borsigenden Genossen Heimann wurde dem entgegengehalten, daß das mur möglich erscheine, wenn in der nächsten Woche feine Plenarsizungen stattfinden, so daß der Ausschuß vor und nachmittags, eventuell auch abends arbeiten könne. Da der Aeltesten raf gerade über die Arbeitseinteilung des Plenums in nächster Woche beriet, wurde der Borsigende beauftragt, dem Aeltestenrat den Wunsch des Ausschusses vorzutragen, die nächste Woche plenarftgungstrei zu lassen.
Der Aeltestenrat tam dem Wunsch des Haushaltsausschusses, trotzdem andere Beschlüsse bereits vorlagen, soweit entgegen, daß am Sonnabend dieser und in der ersten Hälfte der nächsten Woche feine Plenarjigungen stattfinden sollen. Von den Regierungs: parteien wurde bei dieser Gelegenheit der dringende Wunsch ausgesprochen, daß der Haushaltsausschuß ausnahmsweise auch am Sonntag tagen möge.
Das plößliche Streben der Regierungsparteien, die Besoldungsreform auch unter größter Belaffung aller Beteiligten so schnell wie möglich unter Dach und Fach zu bringen, ist ein neuer Beweis für die Unsicherheit, in der die Regierungsparteien bezüglich der Lebensdauer des Reichstags sich befinden. Man mill für alle Fälle wenigstens die neue Besoldungsordnung erledigt haben.
Kabinett Jasper- Hymans.
6 Klerifale, 4 Liberale.
Brüssel, 23. November. Eigenbericht.) Das neue Kabinett ist in den späten Abendstunden des Dienstag bereits gebildet werden. Es stellt eine Koalition von fonfervativen Katholiken, chriftlichen Demokraten und Liberalen dar. Die Zusammensehung ist folgende: Ministerpräsident und Kolonien Jaipar( fatholischer Konservativer); Aeußeres: Hymans( liberal); Jnneres: Senator Carnoy( fatholischer Demokrat); Finanzen: Hout art( fatholischer Konservativer) Sunst und Wiffenfchaft: Bauthier( liberal, im vorigen Kabinett Minister des Innern); Justiz: Janson( liberal); Eisenbahn und Berkehr: £ ippens( liberal); Krieg und Landesverteidigung: de Broqueville( fatholischer Konservatiper); Arbeit: Heyman( hrifilicher Demokrat); Candwirtschaft: Baels( katholit). Die neue Regierung verfügt über eine Mehrheit von 17 Stimmen.
offensichtlich in erster Linie gegen die Reichshauptstadt gemünzt maren, erscheint es erwünscht, daß die Berliner städtischen Be hörden als erste sich gegen die durch nichts gerechtfertig. ten Angriffe zur Wehr setzen.
Aus Moskau kommt die Meldung, daß der Gesandte der Repu blik Deutschösterreich, Otto Bohl, dem Vorsitzenden des Zentralexekutivkomitees der Sowjetunion sein Abberufungsschreiben über reicht hat.
Schon seit einiger Zeit waren Bressemeldungen aufgetaucht, die diese Abberufung vorausfagter, aber aus Wien tam nichts Amtliches darüber. Nun liegt die Tatsache vor: die chriftlichsozial großdeutschlandbündlerische Regierung Seipel braucht nicht länger die Répu blit durch den Sozialisten Cio Bohl in Moskau vertreten zu sehen.
Der nun scheidende Gesandte ist kein anderer als der langjährige Barifer Korrespondent des Borwärts" und der Wiener Arbeiter- Zeitung" in der Borkriegszeit. Der ersten Regierung dec Republik diente er als„ Pressechef", wie die schöne Bezeichnung eines neuzeitlichen Amts lautet, ging aber bald zur Leitung der Kriegsgefangenenrückkehr und der Fürsorge für sie nach Moskau . Batiser Freundschaft mit Lunaticharsky und anderen Bolschewifi ließ Bol für dieses Amt und dessen Fortsetzung als Gesandter besonders geeignet erscheinen.
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Paris , 23. November.( Eigenbericht.) Der Marineausschuß der Kammer verlangt eine parlamentarische Untersuchung wegen der Meutereien im Marinegefängnis von Zoulon und auf dem Panzerfreuzer Ernst Kenan". Minister Bengues weigerte sich, eine solche Untersuchung zuzulassen, worauf der Ausschuß beschloß, die Kammer über diesen Streitfall entscheiden zu lassen. Dazu erklärte der Minister, er werde im Einverständnis mit dem Ministerpräsidenten Poincaré die Ver trauensfrage stellen.
Masernepidemie in Zehlendorf .
Die Nordschule gefchloffen.
In der Zehlendorfer Nordschule, wo gestern wegen zahlreicher Majernerkrankungen mehrere Klassen geschlossen worden waren, wurde heute die Einstellung des ganzen Schul. betriebes der Nordschule angeordnet, weil sich die Erkrankungen weiler in sehr starkem Maße vermehrt haben. Die Schließung der Schule wird voraussichtlich bis zu den Weihnachtsferien dauern.