Donnerstag
8. Dezember 1927
Unterhaltung und Wissen
Man hat ihn gefränft.
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massenhaft im Straßenhandel abgesetzt werden. Die Gärtner gehen anstatt dessen darauf aus, zu versuchen, die bekannten Pflanzen immer früher zur Blüte zu bringen, was ihnen ja Dank der wissenschaftlichen Forschung in den letzten Jahrzehnten auch gelungen ist. Neben dem Winterschlaf, aus dem die Pflanzen durch Wärme erweckt werden können, gibt es auch noch einen tieferen Schlaf, der dem leichteren vorangeht. Um die Pflanzen aus jenem aufrütteln zu können, muß man sie mit Aetherdämpfen behandeln oder durch Warmwasserbäder, durch Blausäure ader Radium reizen, bevor sie der üblichen Treibmethode unterworfen werden. Das ist natürlich alles mit kosten verbunden, und nicht jeder fann, es sich leisten, zu Weihnachten einen Blumenflor ins Haus zu bringen. Was aber jeder tann, lehren meine Schlüsselblumen, und wer sich rechtzeitig im Herbst Primeln, Gänseblümchen , Frühlingsenzian und anderes in Töpfe pflanzt, wird die gleiche Freude wie an blühendem Flieder haben. Auch Baumzweige tann man jetzt ins Zimmer bringen; die meisten Bäume haben ihre fefte Winterruhe längst hinter sich, und es ist durchaus nicht nötig, Tannenzweige als Erfaßgrün" in die Blumenvasen zu steden.
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bibanisho Beilage des Vorwärts
will. Dieser Harem besteht in der Regel aus sechs Weibchen, die er Tag und Nacht bewacht und beobachtet. Er schickt seine Frauen des Abends auf Bäume zum Schlafen, und sie liegen hier in Betten, die aus Zweigen und Laub bereitet sind. Aber das Männchen selbst schläft auf dem Boden mit dem Rücken gegen einen Baum und die Augen sozusagen immer nach oben gerichtet, wo seine Frauen ruhen. Wenn der männliche Gorilla wütend wird, dann stößt er ein Gebrüll aus, das das furchtbarste aller Töne im Urwald ist. Man fann es in ruhigen Nächten tilometerweit hören. Das Gebrüll eines Löwen ist lange nicht so schrecklich. Aber wie man sich an alles gewöhnt, so beachten auch die Bewohner der Dörfer in den Gorillagebieten sein schauriges Brüllen nicht. Selbst die Kinder achten gar nicht darauf, während einer meiner Träger, der diese Ferne seine Ladung abwarf und davonlief. Laute noch nie gehört hatte, bei dem Schrei eines Gorillas aus der
Der Gorilla ist normalerweise Pflanzenfresser. Er greift den Menschen an und tötet ihn. Er frißt auch von seinem Fleisch, aber das ist nur Ausnahme, und er wird niemals zu seinem Opfer zurüdfehren, um die Beute zu holen. Seine Lieblingsnahrung ist Zuckerrohr. Er ist eine schreckliche Bestie mit riesigen Armen und unglaub lich träftigen Fingern, aber seltsamerweise sind seine Daumen nichts feft paden fann, und das ist eine Eigenschaft, für die schon sehr schwach. Sie sind von der Hand so weit abgespreizt, daß er fo mancher Gorillajäger der Natur dankbar gewesen ist. Die Gorillalagd ist in Kamerun eine Lieblingsbeschäftigung der Eingeborenen. In manden Dörfern des Mamfe- Gebietes ist jeder fräftige Mann ein Gorillajäger, da das Fleisch dieser Tiere für sehr schmackhaft gilt. Aber es ist immer ein gefährlicher Sport, wegen der außer ordentlichen Stärke und Behendigkeit des Tieres und feiner fofortigen Bereitschaft, den Menschen anzugreifen.
Sie sind Kommunist, Genosse? Sehr angenehm. Rauchen Sie doch bitte... Hier... Ich heiße Lipuchin, bin seit 22. Februar 1918 Mitglied der Kommunistischen Partei der SowjetunionBolschewit Parteifarte Nr. 50 399. Legtes befleidetes Amt: Mitglied der Leitung des Saizsyndikats... Ich reise nach Moskau . Sie auch? Schön, also fahren wir zusammen. Gehen wir doch auf die Plattform hinaus, ich möchte mich über verschiedene Dinge offen aussprechen... So! Hier ist es wenigstens nicht schwül, und niemand belauscht uns. Ist das eine finstere Nacht! Nach dem Kalender haben wir Jahresende, und wirklich hol's der Teufel mir ist zu Mute, als befände auch ich mich am äußersten Ende... Höre: ich begreife, unter uns gesagt, nicht, wohin die Karre geht. Gehen denn unsere Parteiführer es nicht, wie die gärende Maffe der Parteilosen hochkommt und alle fetten Posten fapert? Wir, die Leute von der Barter, werden unterdrückt und weggedrängt. Lache nicht! Du lebst in Moskau und deshalb merfst du nichts. Schautest du nur ein einziges Mal das Treiben in der Provinz! Zum Beispiel ich: Gehöre seit dem 22. Februar 1918 zur Partei, war vier Jahre in der Leitung des Salzfyndikats, früher- BureauBureauchef im Verpflegungsamt der 29. Division immer an der Front, und in unserer lokalen Verwaltung ununterbrochen Mitglied des Ortsausschusses. Auf einmal bauz! pardauz! die Sparsamkeitstampagne! Gut. Ich habe nichts dagegen. Einschränkung der Verwaltungsfosten; ich sehne es nicht ab. Man fann ja einige Maschinenschreiber, Boten, ein paar Fachleute abbauen. Meinetwegen. Ich hatte regelmäßig selbst an den Eizungen der Abbauausschüsse Unser gefährlicher Better aus dem Tierreich. zu niedrig. In dem Mamfe- Gebiet von Kamerun , mit dem ich genau teilgenommen und bin immer gesund davongekommen. Unversehens du wirst es kaum glauben werden auch die sieben verantwortlichen Posten angegriffen und zwei davon gestrichen. Bosten, auf denen Kommunisten saßen. Darunter auch meiner. Die Partei lojen blieben im Amt. Da siehst du, wie es in der Provinz zugeht! Weiter... Höre nur, was sich weiter begab.
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Ich wurde zur Verfügung des Gouvernementsausschusses gestellt, fuche ihn auf und werde dort gefragt: Welches Geschäft ver: stehen sie?" Ich zeige meine Parteifarte.„ Ja," sagen sie,„ Das ist eine Parteifarte, aber was fönnen Sie leisten?"
Ich halte es nicht aus und schreie: ,, Nichts!" Frechheit, einen alten verdienten Kommunisten zu fragen, was er zu leisten vermag!.. Die ganze Revolutionszeit hindurch hat man auf verantwortlichem Bosten gestanden. Blöglich... Kurz, sie empfahlen mir im Gouvernementsausschuß, meine alte Berufstätig, feit wieder aufzunehmen- ich war vor dem Oftoberumsturz Buch halter. Was?" entgegne ich ,,, als Buchhalter? Thr seid mohl übergefpnappt! Wollt ihr etwa, das irgendein parteilofer Strolch in der Kanzlei über mich gebietet?!"
In zwei Säßen stob ich davon und fahre jeßt nach Moskau . Ich werde zu Stalin gehen, zu Bucharin und in die Prawda" zu Scholehz; es müssen sofort außerordentliche Maßnahmen gegen ben Sudelbrei der Parteilofen ergriffen werden, der alle fetten Pfründen zu überschwemmen droht.
Da hast du die Zustände bei uns in der Provinz. Ein ordent ficher Mensch follte aus der Partei ausscheiben, dann fährt er heffer." ( Aus dent totodit" überfekt von S. Liedtke.)
Frühling im Winter.
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Bon Dr. W. Wächter.
Aus Paris wurde anfangs November deutschen Zeitungen ge meldet, daß in der Normandie Erdbeeren und Himbeeren blühten, Daß also der Sommer infolge der milden Witterung wieder eingezogen sei. Man braucht nicht erst in die Normandie zu fahren, um den scheinbaren Saltomortale der Natur beobachten zu können. Vor mir auf meinem Schreibtisch steht ein großer Strauß selbstgepflückter Schlüsselblumen und Maßliebchen anfangs Dezember, und draußen liegt Schnee und die Bäume prangen im Schmucke des Rauhreifs. In einer Dorfschenke in den bayerischen Borbergen standen noch vor acht Tagen große Sträuße Margariten, roter Licht. nelfen, prachtvollem Weiß- und Rotklee und selbst die kleinen Frühlingsenziane erfreuten das Auge durch ihre lichtblaue Farbe. Die Blumen waren furz vor einem starken Schneefall gepflückt worden und hielten sich ganz prächtig im Zimmer. Meine Schlüsselblumen wuchsen, auf einer etwa 700 Meter hochgelegenen, gegen Süden fich erstreckenden Wiese, von der die warmen Sonnenstrahlen eine 30 Zentimeter hohe Schneefchicht weggeschmolzen hatten.
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Man hört bisweilen gegen die Verwendung getriebener Pflanzen den Einwand erheben, es sei gegen die Natur, die Kinder Floras frühzeitig aus ihrem Schlaf zu wecken, aber wiederum find es meine Schlüsselblumen, die unter den natürlichsten" Be dingungen von der Welt zur Blüte gekommen sind, nur durch das Tauwetter und die Sonnenstrahlen, die uns sehren, daß auch das frühzeitige Erwachen aus dem Schlummer ebenso natürlich ist mie das lange Schlafen.
Der Gorilla steht nach der Anschauung vieler Anthropologen unter den Menschenaffen dem Menschen am nächsten, aber in seinem Wesen ist er von einer Wildheit, die uns diesen Vetter nicht gerade sympathisch macht. Er ist das gefährlichste Tier unter all den wilden Bestien des tropischen Afrifa, wie Dr. Dnce Sharp in einem Aufsatz hervorhebt. Dieser Gelehrte, der sich lange Zeit mit dem Studium dieses noch so wenig bekannten Tieres beschäftigt hat, hält den Gerilla für den furchtbarsten Feind des Menschen. Er ist wohl ansichtig wird," schreibt er.„ Ein Löme wird im allgemeinen davondie einzige Bestie, die sofort den Menschen angreift, wenn sie seiner rennen, aber ein Gorilla ergreift sofort die Offensive, vielleicht, weil er noch etwas von der entfernten Verwandtschaft ahnt und im Menschen einen Nebenbuhler riedt, der in seinen Harem eindringen
Man hat die Zahl der Gorillas, die sich in dem breiden tropi schen Gürtel Afrikas von Nigeria bis Uganda befinden, auf etwa 10 000 Stück geschätzt. Aber diese Schäzung ist wahrscheinlich viel
bekannt bin, habe ich eine ungefähre Zählung der Gorillas por= genommen, und in dieser Gegend, die nicht mehr als 50 Quadratfilometer groß ist, traf ich gegen 230 Tiere. Die Gorillas bewohnen die Urwälder und Gebirge in kleinen Familiengruppen. Ein ausgewachsenes Männchen hat eine etwa acht bis zehntöpfige Familie. Es scheint, daß sie jahrelang in demselben Gebiet bleiben: daher fönnen die eingeborenen Jäger den Aufenthalt einer solchen Gorillafamilie innerhalb von wenigen Stunden feststellen. Ein männlicher Gorilla, der sieben Fuß groß wird, ist ein riesiges Tier, das einen ganz mächtigen Körper auf seinen Armen über den Boden schwingt; die Weibchen sind bedeutend fleiner, zwischen 4 und 4% Fuß groß und nicht so schwer. Man weiß bisher nur wenig über diesen menschlichen Verwandten, weil bisher nur wenige Weiße Gelegenheit hatten, feine Lebensweise aus nächster Nähe zu studieren."
Ungezogene Kinder.
Bon Dr. R. Weigel.
The Minder feid fchon wieder ungezogen!" fo ruft die Mutter warnend ins Zimmer, und ble ungezogenen Kinder!" das ist das erste, was den heimfehrenden Mann an der Schwelle seiner Wohnung empfängt! Wer hätte das nicht früher oder später einmal erlebt? Wer hätte es nicht erlebt, wie Bater und Mutter ratlos hin und herschwanken, wie sie mit Ermahnung und Güte, dann wieder mit Ernst und Strenge, mit Bersprechungen oder Schlägen gegen die Ungezogenheit der Kinder zu Felde ziehen, aber nur wenig ausrichten, wie sie froh sind, wenn sie vor den Kindern einmal Rube haben", ja wie sie die Kinder oft geradezu als Last empfinden? Berdrängen Harmonie des Alltags und jedes gegenseitige Verstehen, die unser in tinderreichen Familien nicht oft Mißmut, Zant und Streit jebe Leben doch warm und reich machen sollten?
Man könnte behaupten, daß es einer der Prüfsteine für das Erziehungswerk der Eltern ist, ob sie der Ungezogenheiten ihrer aber die Erziehung! Die Gründe fönnen manigfach sein: Krant Kinder Herr zu werden vermögen oder nicht. Wie oft versagt hier heit der Eltern, Mangel an Energie, an Erkenntnis kindlichen Wesens und findlicher Eigenart, Durchkreuzung von ErziehungsmaßWesens und findlicher Eigenart, Durchfreuzung von Erziehungsmaß nahmen durch Großeltern oder andere Verwandte, Zwiespalt zwischen nahmen durch Großeltern oder andere Berwandte, Zwiespalt zwischen väterlicher und mütterlicher Erziehungsweise, gedankenlofes Haften an überlieferten Erziehungsgrundfäßen, wie sie in der eigenen Jugend gehandhabt wurden, vor allem aber: Schematisierung. Daß diefe der Todfeind wahrer Erziehung ist, zeigt sich nirgends so wie hier! Wer die verschiedenartigen Ungezogenheiten bei jedem Kinde nur mit Schlägen oder nur mit Ueberredung bekämpfen will, wird für fein Allerweltsrezept nur Mißerfolge ernten! Es genügt auch nicht, ständigen, mit dem dieser oder jener Ungezogenheit zu begegnen ist: da Vater und Mutter fich über das jeweilige Strafmittel verfann dieses beseitigen! erst die Erkenntnis der Quelle, aus der das Uebel entspringt,
Erziehung ist der Kulturberuf der Frau. Sie, die ja meist in engerer täglicher Berührung mit dem Kinde lebt als der Mann, muß es.als ihre Aufgabe betrachten, in das Innere ihres Kindes hinein
| daher nur aufs Geratewohl entscheiden fann, mer gang verfennt, dah bie Natur eines gefunden Stindes eine gewiffe Führung und An lehnung an den elterlichen Willen verlangt der wird sich einen launenhaften Tyrannen erziehen. Leider ist hier mit der späteren Erkenntnis der gemachten Erziehungsfehler nicht viel gewonnen, und eine intensive erziehliche Einwirkung, sei es auf gütlichem Wege oder | ,, hart auf hart!", bleibt bei einem Didtopf meist ohne Ergebnis oder führt zu Berbissenheit. Durch eigenen Schaden flug werden lassen das heilt Dictöpfe noch am ehesten. Erst wenn das Kind selbst die ,, Nase angerannt hat", wird es mehr und mehr von seiner Art lassen. Die Erziehung, die Frau Regel Amrain in Gottfried Kellers gleich namiger Novelle ihrem Friz angedeihen läßt, könnte hier wie über. haupt im Gebiet der Ungezogenheiten mancher Mutter als Richt schnur dienen!
Eine ganze Reihe von Ungezogenheiten hängt damit zusammen, einfach hinwegsehen, sobald diese ihnen nicht gelegen kommen, ja daß die Kinder sich über die von den Eltern gegebenen Anordnungen Be mit gutem Vorbedacht umgehen oder ihnen zuwiderhandeln. Sind die Eltern hier nicht auf der Hut, fo wachsen ihnen die Kinder bald über den Kopf. Es gilt daher, schon dem Versuche richtig zu begegnen und nicht etwa aus Bequemlichkeit ein Auge zuzudrücken, vielmehr ohne große Worte auf vorbehaltlose Durchführung des Befehls zu bringen. Hier ist Gewöhnung von flein auf das Wichtigste, Gewöhnung an Gehorsam als etwas Selbstverständliches! Eine wohltuende Ergänzung findet diese Gewöhnung in dem guten Beispiel, das die Eltern geben müssen und das für jede Seite der Er ziehung etwas Bezwingendes in sich birgi! Das bedeutsame Wort erzogen wären" sollte zu denken geben! Goethes: Man tönnt' erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern
Leichter zu bekämpfen sind äußere Verstöße der Kinder gegen die Umgangsformen. Vor allem nehme man diese nicht tragisch! Liegen doch hier häufig nur Unüberlegtheit und Unbedachtsamkeit zugrunde. Man bedenke auch, daß diese Dinge für ein Kind noch. etwas Hohles, Leeres sind, was noch des Inhalts entbehrt, und wenn
zulauschen, als stiller Hüter hinter ihm zu gehen und aus der Er- Maßlosigkeiten und starte Ausdrücke aus seinem Munde kommen, fenntnis seiner Eigenart und der Quellen seiner Unarten den richtigen fo vergegenwärtige man sich, daß ein Kind alles unbedingt empfindet, Erziehungsweg zu finden. daß Abstufungen, Bedingheiten, Ronzeffionen in seiner Anschauung und seinem Urteil noch keine Rolle spielen. Aufklärende Belehrung fann hier viel Gutes wirken, zumal wenn im Charakter des Kindes ein natürlicher Herzenstatt ruht.
Es ist durchaus teine Ausnahmeerscheinung, daß im Spät. herbst die Frühlingsblumen wieder auftauchen; man fann solche Freude in jedem Herbst erleben, wenn nicht gar zu arger Frost das Wasser im Boden gefrieren und die Blätter steif werden läßt. Es sind selbstverständlich nur die sogenannten ausdauernden frautigen Pflanzen, die ihren Winterschlaf so frühzeitig aufgeben. Einjährige Pflanzen, deren Entwicklungsgang vom Samen bis zur Frucht sich in einem Sommer abspielt, tommen hier nicht in Betracht. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, wenigstens was das Wachstum anbetrifft. Jedermann fennt das sogenannte Wintergetreide, das im Herbst ausgefät wird und die Aecker mit frischem Grün überzieht. Die jungen Pflänzchen überwintern unter der warmen Schneedecke, stellen ihr Wachstum ein und entwickeln fich im Frühjahr weiter. Auch in der freien Natur wird man hier und da Pflanzen finden, die sich wie das Getreide verhalten, aber zur Blüte wird man sie nicht bringen können. Bekanntlich machen alle ausdauernden Pflanzen eine kürzere oder längere Winterruhe durch; sie befizen irgendwelche sogenannten Speicherorgane, in denen die Nahrung aufgespeichert wird für die Zeit, in der die Pflanzen, noch blattlos, feine neue Nahrung produzieren können. Ist die Winterruhe beendet, so bedarf es nur des nötigen Wassers und der genügenden Wärme, um die Lebenstätigkeit wieder anzufachen. Das Erwachen" der Natur ist also feineswegs an den Kalender gebunden, und das missen unsere Gärtner schon lange. Sie treiben“ gewisse Pflanzen, und jeder fennt ja die Hyazinthen und den blühenden Flieder im Winter. Merkwürdigerweise wird von dem blumenliebenden Publikum von Ein schwieriges Problem ist der Didtopf, der aus Laumender Möglichkeit, auch schon im Dezember und Januar frisches Grünhaftigkeit ungezogene! Meift ist er das Produkt elterlicher Erund Frühlingsblumen zu bewundern, äußerst wenig Gebrauch geziehungsfehler. Wer dem kleinen Kinde heute gewährt, was er ihm macht, und auch die Gärtner nutzen diese Möglichkeit lange nicht genug aus. Man sieht in den Blumenläden nirgends Töpfe mit blühenden Schlüsselblumen, obwohl im Frühjahr Primelsträuße
Da gibt es Kinder, deren Ungezogenheiten in einem angeborenen Temperament, in angeborener Ausgelassenheit ihre Quelle haben! Das Verkehrteste wäre, derartigen Kraftüberschuß", der häufig der Borbote einer starken Individualität ist, mit Härte und Gewalt be tämpfen zu wollen. Hier gilt es vielmehr, Tag für Tag eine Gelegenheit zum Austollen zu schaffen; doch soll das Kind sich dabei stets unter Beobachtung fühlen. Banken und Schelten verfängt bei derartigen Kindern nur selten. Ueberhaupt: Täglich mit Schelten Hermann und Dorothea " die einsichtige Mutter zum Bater. Man und Ladeln hemmst du dem Armen allen Mut in der Brust" sagt in tommt viel ehr zum Ziel, wenn man unaufdringlich, aber systematisch das Empfinden für die einzuhaltenden Grenzen wedt, für die erwachsenden Folgen, für das, was erlaubt und was unerlaubt ist und warum es so sein muß. Damit erzielt man am sichersten den Abbau derartiger Ungezogenheiten.
gestern verboten hat, wer es in Essen und Trinken, in seiner Beschäftigung fortwährend vor die eigene Wahl stellt, obgleich das eine Kind Borteile und Nachteile noch gar nicht abschäßen und sich
Schließlich der Ausbund aller Ungezogenheiten, der Flegel, der Schrecken der Eltern und Lehrer! Doch merkwürdig! Ich habe gerade an einem Flegel noch niemals irgendeine sympathische Seite vermißt. Der eine war anstellig und hilfsbereit und übertraf darin manchen Musterknaben, der zweite ein vielversprechender Praktikus, der dritte in verfänglichen Situationen die Offenheit und Ehrlichkeit
felbst, der vierte mitleidig und gebefreudig! So ging es weiter, und aus jedem der Flegel, die ich kannte, ist etwas Tüchtiges geworden. Verhüllen die Unarten der Kinder nicht oft nur die Reime späterer Kräfte und späterer vielseitiger Selbstentfaltung? Hat Goethe nicht doch recht, wenn er die Unarten der Kinder mit den Stengelblättern einer Pflanze vergleicht, die nach und nach von selbst abfallen, und wenn er z. B. an Jakobi schreibt: Bon Deinem Georg habe ich immer das Beste gehofft und war unzufrieden mit Euch, daß Ihr immer unzufrieden mit dem Kinde waret. Ein Blatt, das groß werden soll, ist voller Runzeln und Knittern, ehe es sich entwickelt; wenn man nicht Geduld hat und es gleich glatt haben will wie ein Weidenblatt, dann ist es übel!"