Ein politisch zunerläifige Kerntruppe für die Rechtss parteten bildet höchftens der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband( DHB.). Wer die Politif dieser antisemitifchen Organisation aufmerksam verfolgt, findet auf Schritt und Tritt die Tatsache bestätigt, wie in systematischer Weise Dolfisch nationalistische Erziehungsarbeit im Sinne der Rechtsparteien geleistet wird. Daher ist es auch nicht erstaunlich, wenn die Zeitschrift des DHB. verfündet, daß die nationalen" sogenannten Wehrverbände, der Stahlhelm, der Berwolf, der Junddeutsche Orden unaufgefordert wader für den DHB. gearbeitet und gestimmt haben. Auch die völlischen Gufsbefizer und der Bommersche Landbund haben mit Hilfe ihrer Forst- und Gutsbeamten dem DHB. jede Unterstügung zuteu merden lassen. Aber selbst diese Biertelmillion Stimmen fönnen die Rechtsparteien nicht aus fchließlich für fich buchen. Die übrigen Hauptausschußper bände den Rechtsparteien zuzählen zu wollen, übersteigt be reits das erlaubte Maß von Naivität. Vorsitzender der zweitgrößten Organisation des Hauptausschusses, des Gewertschaftsbundes der Angestellten( Gd2.) ist der demo fratiche Reichstagsabgeordnete Schneider. Bon den übrigen Berbänden des Hauptausschusses und den 17 Frauenberufsverbänden läßt sich ebensowenig sagen, daß sie den Rechtsparteien zuzuzählen sind.
Beurteilt man diese Wahlen, wie es allein zulässig ist, nach der gewerffchaftlichen Gruppierung der Angestellten, dann ist sie ein Beweis für einen beispiellosen Fortschritt des freigewerkschaftlichen Gedantens innerhalb der deutschen Angestelltenbewegung. Man kann diesen Fortschritt nur voll ermessen, wenn man zum Bergleich die Berhältnisse der Borfriegszeit heranzieht. Damals, 1913, eine noch in den Kinderschuhen steckende freigewerkschaftliche Angestelltenbewegung, ihre größte Organifation der Zentralverband der Handlungsgehilfen mit rund 25 000 Mitgliedern. Demgegenüber die alten bürgerlichen Angestelltenorganisationen mit einem hoch entwickelten Berwaltungsapparat und gestützt durch ihre Erfaßtrantentassen; von diefen alten Angestelltenverbänden hatten drei bereits in der Borkriegszeit über 100 000 Mitglieder, der Deutsch nationale Handlungsgehilfenverband fast 150 000. In der Fachkriegszeit kam die große Ümgruppierung innerhalb der deutschen Angestelltenbewegung und ein gewaltiger Aufschwung der freien Angestelltenverbände. Ihre Mitgliederzahl hatte sich berzehnfacht. Als die ersten Wahlen in der Nachkriegszeit stattfanden. hatte der AfA- Bund am Ende des Jahres 1921 rund 655 000 Mitglieder. Bei diesen ersten Wahlen erhielt der AfA- Bund 125 000 Stim
Der Nobel- Friedenspreis.
Geine diesjährigen Träger: Quidde und Buisson .
In der Vorkriegszeit ist ein Nobel Friedenspreis nach Deutschland gefallen. Die Ehre, von dem norwegischen Barlamentsausschuß für Werte des Friedens ausgezeichnet zu mer den, wurde niemals einem Staatsmann, aber auch niemals einem Untertan des faiserlichen Deutschland zuteil. Unter der Herrschaft des fäbelraffelnden Kaisers und der Weltpolitik treibenden Bourgeoisie gewann der deutsche Pazifismus nicht die Ausdehnung, um ihn einer internationalen Anerkennung mert erscheinen zu lassen. Die deutsche Republik wird bereits zum zweitenmal durch den Friedenspreis ausgezeichnet. Im vorigen Jahr erhielt ihn Streje mann, gemeinschaftlich mit Briand und Chamberlain, für die Bolitit von Locarno . In diesem Jahr erhält ihn zur Hälfte der fast fiebzigjährige Vorsitzende der Deutschen Friedensgesellschaft, Prof, Ludwig Quibde. Die andere Hälfte erhält ein Franzose, Ferdinand Buisson , Ehrenpräsident der Liga für Menschen der Liga für Men
rechte.
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Quidde wurde 1858 in Bremen als Kaufmannsfohn geboren. Er studierte Geschichte und wurde Mitarbeiter bei ben Reichstags aften. Seit 1893 trat er in der demokratischen Bewegung hervor. In seiner Schrift ,, Caligula " erkannten deutsche Richter vor schriftsgemäß eine wahre Kennzeichnung Wilhelms II, zumal Caligula "( Soldatenstiefelchen) der Beiname eines militärtollen römischen Kaisers ist; dafür mukte Quidde 1896 drei Monate brummen. 1907 in die bayerische zweite Kammer gewählt, wurde er nach der Novemberrevolution zweiter Bizepräsident des provisorischen Ratio nairates in Bayern . 1919 gehörte er auch der Nationalver fammlung an. 1894 hat Quidde die Münchener Friedensgefell fchaft gegründet. Seit langen Jahren steht er als Vorstand der deutschen Friedensgesellschaft und des deutschen Friedenstartells an der Spize des deutschen Pazifismus.
Handlungen fanden fegt in Genf mehrere Tage Jong Hinter verschlossenen Türen statt. Ein großer Teil der Regierungen war zu feige, ihren Angriff gegen die Wirksamkeit des Völkerbundes öffentlich zu unternehmen. Das Ergebnis des Vorstoßes ist trotzdem nicht so gewesen, wie sie es sich dachten. Man hat sich auf ein Kompromiß geeinigt: Die Zahl der ordentlichen Ratstagungen soll zwar in der Regel auf zwei vermindert werden, die dritte soll aber fakultativ bleiben. Praktisch- politisch. In Zukunft foll nicht ohne weiteres im Dezember eine Tagung stattfinden, sondern die Hauptmächte werden sich mit dem jeweiligen Ratsvorsitzenden über die Einberufung einer vierten Tagung ins Benehmen setzen. Der bisherige 3wang zur Berständigung wird gelodert. Die Regierungen müssen nur noch zweimal statt, wie bisher dreimal, jährlich zu Ratssigungen zusammentreten. Der Einfluß der großen Regierungen auf die Tätigkeit des Bundes wird verstärkt.
Daß die großen Ratsmächte es nicht gemagt haben, die Ratstagungen auf jeden Fall zu vermindern, fommt daher, daß gerade die Verhandlungen dieser Tage eine Nützlichkeit der Genfer Beratungen für die Sicherung des allgemeinen Friedens unwiderleglid zeigten. Der Ostkonflikt hatte gerade Die jebigen jeßt eine bedrohliche Schärfe angenommen. Genfer Berhandlungen zeigen, wie schwierig und wie notwendig es ist, zu einer Berständigung zu fommen. Hätte die jezige Tagung nicht auf Grund der Geschäftsordnung stattfinden müssen, so hätte sehr wahrscheinlich keine der Großmächte die Initiative zu den Verständigungsversuchen ergriffen. Statt einer Entspannung, die jetzt schon durch die Genfer Zusammenfunft eingetreten ist, hätten sich die Konflikte im Often, mit unabsehbaren Konsequenzen, zugefpikt
Die Bollversammlung im nächsten Herbst wird über die beabsichtigte reaftionäre Reform des Bölferbundes entscheiden. Sie wird Gelegenheit haben, die Gründe und Gegengründe öffentlich zu erörtern und den Regierungen der großen Ratsmächte zum Bewußtsein zu bringen, daß fie der nötigung, alle Bierteljahr einmal praktische Friedensverständigung zu treiben, nicht ausweichen dürfen.
In Frankreich und England sind die Führer des bürgerlichen Pazifismus" schon vor Jahrzehnten in politisch wichtige Stellungen berufen worden. Quidde hat die besten Jahrzehnte feines Lebens in der Opposition zu den herrschenden Mächten verbracht. Wie vielen Tausend sozialistischen Kämpfern um neue foziale, wirtschaftliche und demokratische Ideale, wird diesem Kämpfer um das Ideal des internationalen Friedens im hohen Alter die Genugtuung zuteil, daß das Ideal zum Gegenstand realer Bolitik wurde. Neben dieser Durchpeitschung des Mieterschutzgesetzes inneren Genugtuung ist der Friedenspreis der Nobel- Stiftung für Quidde eine äußerliche Anerkennung dafür, feiner Zeit und seiner Klaffe um Jahrzehnte vorangeeilt zu sein.
Berdächtige Eile des Rechtsblods.
Der Wohnungsausschuß des Reichtages hat die Beratung des Mietengefeßes zurüdgestellt und beschlossen, am Montag in die zweite Beratung des Mieterfchuggefeßes Die Regierungsparteien haben durchbliden laffen, daß unter Aufhebung der Geschäftsordnung die Durchberatung des Mieterschutzgesetzes bis Weihnachten erzwungen werden foll.
men. Inzwifchen ist sein Mitgliederstand durch die Rüd Selbstbeschränkung des Völkerbundes. einzutreten.
Die Ratssitzungen follen vermindert werden.
Das Besoldungsgesetz.
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Dienstag Behandlung
im Reichstagsplenum.
schläge der Inflationsperiode auf 430 000 zurüdgegangen, und dennoch erhielt er bei der diesmaligen Wahl weit über eine Biertelmillion Stimmen. also über doppelt soviel als 1921. Hier zeigt sich eine starke innerDer Völkerbundsrat hat in mehrtägigen vertrau organisatorische Feftigung und ein neuer Aufstieg der freien lichen Berhandlungen den englischen Antrag beraten, die ingestelltenbewegung. Das erfreulichste an dieser Wahl ist Zahl der jährlichen Ratstegungen von vieraufbreiber das starke Bordringen der freien Angestelltenverbände auf abzulegen. Dieser Antrag flang verhältnismäßig harmdem flachen Lande. Hier übersteigt die Zahl der abgegebenen los. In Wahrheit handelt es sich um weit startere Einschrän- Abschluß der Ausschußberatung. Stimmen bei weitem bie 3ahl der überhaupt vorhandenen fung der Bölferbundstätigkeit. Der Rat hielt bisher außer Mitglieder. vielfach sind sogar in Wahlkreisen Stimmen ab- halb der Vollversammlung im September überhaupt nur gegeben worden, mo teine Mitglieder vorhanden maren. brei Tagungen, im Dezember, im Mära, im Juni, also alle Berüdfichtigt man ferner. daß bei dieser Wahl die Ausübung Bierteljahr eine Tagung ab. Es gab also außerhalb der Bolldes Wahlrechts von der Erreichung des 21. Lebensjahres ab bersammlung bisher nur drei politisch wichtige Tagungen. hing, daß große Teile der Af Mitglieder wegen Zugehörig und deren Zahl wollte Chamberlain um ein volles Drittel, feit zur Snappschaft oder infolge anderer ausreichender Ber auf zweijährlich, vermindern. Man begründete diese forgung nicht wahlberechtigt waren, to zeugt das Wahl- Verminderung vor allem damit, daß gewöhnlich drei Monate ergebnis für eine starte Anziehungskraft der freien Ange- nach der Bollversammlung, im Dezember, nicht schon wieder stelltenverbände. das Bedürfnis nach einer Zusammenkunft der Staatsmänner vorhanden sei. So hatte auch die deutsche Delega die fleineren Staaten an den bisher üblichen drei Tagungen tion den englischen Antrag unterstüßt, während namentlich festhalten wollten.
Englische Kriegsdienstverweigerung Abg. Genosse Artur Bonfonby überreichte dem Ministerpräsidenten Baldwin eine pon annähernd 150 000 Personen unterzeichneten Betition, in der sie ertlären, in Zukunit feinerlei Kriegs- oder Kriegshilfsdienst leisten zu wollen.
Ueberzüchtete Ideologie. „ Schloß Wetterstein im Theater in der Königgräger Straße Bebelinb hat das Schauspiel Schloß Wetterstein" geschrieben, als er schon auf der Höhe feines Ruhmes stand, mit Theorien Doll gepadt. Seine Absicht ist, die inneren Notwendigkeiten, auf denen Ehe und Familie beruhen", zu behandeln.„ Schloß Wetterstein " ist affo, wenn man will, ein Tendenzbroma. Die literarische Aesthetik vertritt heute nicht mehr unbedingt den Standpunkt, daß Tendenzftüde Kunstwerte zweiten Ranges find. Die flammende Ausein amberlegung mit einer drängenden Zeitfrage steht heute mindestens so hoch im Murs pie bas tenhenglofe Dichtwert.
Aber die Che gift jetzt nicht mehr als so aktuelles Broblem, daß der dichterische Aufwand, den Bebefind hier betreibt, gerechtfertigt erschiene. Seine Anschauungen über das Recht auf das eigene Ich bei belden Ehegatten, über die Ehe als Staatsnotwendigkeit, über die Untreue, mit der ihm eigenen Efstaje ausgesprochen, stimmen gewiß nachdentlich. Es gibt feine Folterkammer von Ehe. Man liebt sich oder man trennt sich! Die meisten gefimden Menschen werden glückliche Paare." Selbstverständlich hat der Mann ein unpergleichlich größeres Recht auf Untreue als die Frau. Das steht unumstößich fest. Auf keinen Fall hat er aber doch wohl ein größeres Recht auf Untreue als der Geliebte seiner Frau." Die Figuren des Schausplets, die diefe Probleme gestalten, haben gigantische Ausmaße. Da ist Leonore, die den Mörder ihres geliebten Mannes heiratet. Da ist ihre Tochter Effie, ebenso triebhaft finnlich wie Lulu, aber mit freudigerem und bewußterem Liebeswillen. Da find die brei Männer Rüdiger von Wetterstein, Luckner und Tschamper, an denen fich die Ehetheorie ermeisen jall. Am leichtesten gehen wir mit den messerscharf geschliffenen Ansichten Wettersteins mit, der mit eiserner Energie der Bitme feines Opfers gegenübertritt und sie mit bewunderungswürdiger Birtuofität erobert. Bom zweiten Att an zer:
Hatter bas Schauspiel ins Phantastische und Absonderliche. Es ist nicht flar, wieso fich der gewaltige Weiberheid Buckner am Ziele feiner Wünsche erschießt. Und ans Mystische grenzt der dritte Att, in dem die Familie Betterftein, der Baron, Leonore und Effie, in einem abenteuerlichen Freudenhaus gelandet fft. Der Millionär Ischamper, per fich am tiefften feelischen Schmerz feiner Frau aufreizt, der geschlechtliche Befriedigung nur noch in ben Intesqualen feiner weib. lichen Opfer findet, hat nichts Birkliches mehr.
Der Regiffeur Barnowiti tann im ersten, folgerichtigsten Att teinen Kentaft mit den Zuschauern herstellen. Wahrscheinlich, um auf die stürmisch vorwärtsdrängenden Ereignisse in den nächsten Aften hini berzuleiten, läßt er die Schauspieler im Ellzugstempo, ohne seelische Untellnchyme, fprechen und verbreitet dadurch eine Kühle, die dem Ganzen nicht zuträglich ist. Die tragende Rolle der Effie hat er Wedefinds Enchter Pamela anvertraut. Sie führt thre Rolle virtuos mit einer von Aft zu Att steigernden Wirkung
Der Rat hat nicht gewagt, über diese Frage von öffentlichem Interesse öffentlich zu verhandeln. Die Ber
durch. Das Lezte, Ueberzeugende jedoch fehlt. Sie spielt Dämonie um jeden Breis, schmeißt mit den Augen, hält nach jeden dritten Saß lauernd den Mund offen. Im letzten und schwersten Aft, in der grausamen Szene mit Ifchamper, fällt jedoch jede Stünftelei von ihr ab. Da ist fie die in Liebessehnsucht sich verzehrende, franfenlos weibliche Bedefindsche Effie. Für den Millionär Tschamper hat sich Barnowsky Friz Kortner ausgeborgt. Mit guten Gründen. Seine gespannte und dumpfe Energie, seine Brutalität sind von angsterregender Unheimlichkeit. Die bedenkeniche Realistik in der Darftellung des abnormen Triebs Lichampers ist gewagt, steigert aber die beängstigende Wirkung der Rolle Baul Bildt als Rüdiger von Wetterstein ist im ersten Aft mehr eine nüchtern fachliche als eiserne Billensnatur, versöhnt aber später in der Berförperung der Ber brochenheit eines verlorenen Menschen. Agnes Straub scheint ein mundes Nervenbündel und wird mit dieser Auffassung ihrer Rolle nur teilweise gerecht. In gedämpfterem, weniger von mißtänenbem Schreien durchfeztem Spiel würde fie um vieles gewinnen. Friz Rampers erheitert durch seine urwüchige, im Grunde gutmütige Derbheit, mit der er die Rolle des Luckner ausstattet.
Ernst Degner.
Andersen- Nerö am Vortragspult.
In lang ausgesponnenen Berahmgen hatte der Ausschuß für den Reichshaushalt in den letzten Tagen das Beamtenbespl= dungsgelet so weit gefördert, daß heute mittag die Beratung im Ausschuß als abgeschlo sien erflärt werden konnte.
Die Verhandlung im Plenum soll am Dienstag beginnen. Am nächsten Montag wird der Haushaltungsausschuß im Anschluß an das Besoldungsgefeß noch über einen fommunistischen Antrag betreffend ben Abschluß neuer Tarifverträge für die Ar
bahn und der Reichspoft beraten. beiter des Reiches, der Länder und Gemeinden, der Reichs
Der Kapitän des Kreuzers ,, Berlin , Solbe, wurde telegraphisch von der Auslandsreise zurückgerufen, um dem Wehrministerium über den Besuch des Brinzen Heinrich auf seinem Schiff Bericht zu erstatten.
| Verständnis auf der noch ganz in feudalistischen Zuständen eingefponnenen Insel Bornholm , und wie er zuerst in München durch den vortrefflichen Georg Hirth Förderung empfing. Ja, Deutschland sei noch immer, so meint er, der geistige Herd der Welt, und mit seiner Erifteng sei das Wohl und Wehe, zum mindesten Westeuropas , perfnüpft. Die eigene Entmidlung, die der Dichter in Belle, der Eroberer und anderen Büchern wiedergegeben hat, beleuchtete er fomit unter einem hohen fulturellen Gesichtspunkt. Warme Menschlichkeit brach alsdann aus der Kleinen Erzählung Annemaries erste Reise, die er als Begleiter einer alten frebstranfen Bäuerin aus dem fargen Heideland nach dem fernen Kopenhagen mitgemacht hat. Hier ist Lebensgier und Todesnähe zu einer munderfamen Einheit zusammengeflochten. Ms amüsanter Blauderer ermies er sich in der Geschichte Berlin ", während ein Märchen, das die Ermedung des Proletariats behandelt, ihn als einen echten Boltserzähler im Sinne Tolstois zeigte. Der Ansturm der Autographensammler nach Schluß der Vorlesung bewies die große Liebe für diesen Dichter des Proletariats. Paul Gutmann.
Ein Plagiatprozek. Dr. Kemmerich, der Verfasser eines Buches mit dem vielverheißenden Titel„ Die Brücke zum Jenseits", wurde von den Erben des Münchener Professors Gruber beschuldigt, die thm zur Verfügung gestellten Manuskripte Grubers plagiatorisdy
die Weiterverbreitung seines Werkes verboten. Das jetzt ergangene Urteil verjagt weiter den Bertrieb des Buches, soweit es die Seiten 288 und 304-314 umfaßt. Die sonstige Benutzung der Gruberschen Manuskripte, besonders soweit sie schon veröffentlicht sind, wird freigegeben und Kemmerich im übrigen zugegeben, daß fein Plagiat borliege.
Dänemarts größter proletarischer Dichter liest vor. Ueberfülltermißbraucht zu haben. Durch eine einstweilige Verfügung wurde Saal. Festlich gekleidete Menge. Die Automobile ftauen sich auf der Straße. Ach nein, in dem bescheidenen Bürgersaal des Berliner Rathauses sind etwas über hundert Mitglieder der Bolfsbühne versammelt, meist Proletarier, wie ihr Lieblingsdichter seibst, dem sie mit andachtsvoller Anteilnahme lauschen. Aus einem von Arbeit und Denken tief, gefurchten Bauerntopf leuchten ein paar grundgescheite, grundgütige Augen. Das erste Gefühl des Hörers ist, von diesem Mann geht ein Strom von Wärme aus. Er spricht zuerst über Dänemark und Deutschland , über seine eigene Stellung zu dem größeren Adoptiv. Freil. Städtische Cher:„ Nachtigall geuerbogel.
vaterland. Bor tausend Jahren, so fagi er, war Dänemark so groß wie heute. Nicht nur, daß niemals eine feindselige Stimmung gegen den großen Nachbar vorhanden war, nein, alle befruchtenden Ane regungen in Kunst, Philofophie, Dichtung, ja fogar Bolitik und Landwirtschaft tamen aus Deutschland . Das Jahr 1864 war der furcht. barste Einschnitt in Dänemarts neuerer Geschichte. Die Niederlage war für das winzige Band ein verhältnismäßig ebenso fchwerer Schlag wie für Deutschland der verlorene Weltfrieg. Die Schatten dieses Ereignisses verdunkelten auch des Dichters Kindheit. Aber Danemark erholte sich; benn, wie Andersen- Nero sagt, der Besiegte ist im Grunde immer der Sieger. Ein wahrer Boltsführer, GrundtDig, gab den Dänen einen neuen dealismus. Er prägte den Satz: Bas nach außen verloren ist, muß nach innen gewonnen werden!" So fchuf er die vorbildliche dänische Boltsschule.
Andersen- Nero erzählte von seiner harten Proletarierkindheit in dein verarmten Land, von seinen Kämpfen um Bildung und soziales
Erflaufführungen der Woche. Miffw. Schiller Theater: Robert Guiscard . Bo3& ed." Donners. Schauspielhaus:„ Benthefilea.
Museumsvorträge. Sonntag, 10 Uhr, fprechen im Alten Museum Tros. Neugebauer über Meisterwerfe antifer Sleinfunft( Samm lung Gans) un Raiser- Friedrich- Mufenm Dr. Boß über Spaniide Malerei und im Museum für Bötterkunde Dr. Arideberg über„ Die stefile& ultur". Rarten zu 50 Pfennig.
Dr. Manfred Georg fbricht über Verlag und Bertrieb einer modernes Tageszeitung" Montag, 18, 1hr, im Berner- Siemen3 Realgymnafium, Hohenstaufenstr. 47.
Eine Ausstellung: Einblid in die Sowjetunion veranstaltet die Se 'ell schaft der Freunde bes neuen Rußlands im Europaba u 8 am Anhalter Babnho. Die Ausstellung zeigt Stultur ud Wirtschaft, Boltsiumit, Theat ro modelle, Borzell me, Raturichase u. a. m. und ist vom 10. bis 30. Dezember täglich von 10 bis 20 11hr geöffnet.
Jm Archieffur- Museum der Technischen Hochschule zu Charlottenburg findet eine Ausstellung der Arbeiten von Broj . Heinrich Teffen op bom 10. Dezember bis 29. Januar ftatt. Geöffnet wochentags 10-3 Uhr, Sonn tags geöffnet von 10-1 Uhr nur am 11. Dezember und 22. Januar. intritt frei.