Nr. 585 44. Jahrgang
4. Beilage des Vorwärts
Der Briefträger des Unheils.
Zu den Aufzeichnungen des Baron Giest. Bon Hermann Wendel .
Sie alle, die am Ausbruch der ungeheuren Katastrophe betellig waren, schreiben ihre Erinnerungen nieder, ob es fie nut dragt, sich vor M.t- und Nachwelt zu rechtfertigen, ob fie nur die Eitelkeit treibt, sich im Glanz einer historischen Rolle zu zeigen Der Verfasser der jüngst erschienenen Aufzeichnungen, wei Jahrzehnte im nahen Orient" ( Berlag für Kulturpolitit, Berlin 1927), General der Kavallerie Baron Wladimir Giefl, steht zwar auf dem Theaterzettel des Weltkriegs nur als Träger einer Neben rolle: ein Bote... Baron Giefl, aber verhängnisvollere Botschaft ward nie überbracht. Er war der Brief träger des Unheils, denn die befristete Note an Serbien , die er am 23. Juli 1914 in Belgrad überreichte, wurde recht eigentlich zum Fidibus des großen Weltbrandes.
Schon vordem hatte sich Giesl als t. und f. Militärattaché in Konstantinopel , Militärbevollmächtigter in Sofia und Athen und Gesandter in Cetinje draufgängerisch in manche Fragen zu mischen beliebt, die nicht gerade in sein Amt fielen. Eine ungewöhnlich bewegte Zeit war es ja, da dieser Kavallerist den Interessen der Habsburger am Gold nen Horn und auf dem Balkan diente. Die Kretawirren, der türkisch - griechische Krieg, die Reformattion in Mazedonien , die jungtürkische Revolution, die Annexionskrise, der erste und zweite Ballantrieg- all diesen Begebenheiten stand er als Augenzeuge, öfter als Mithandelnder nahe, und über das meiste schreibt er frisch und anschaulich. Besonders ein brudsvoll ist sein Bild von dem Schredensregiment Abdul Hamids, und hier wiederum werden die Armentermezeleien des Jahres 1896, die manche deutschen Türfenfreunde später zu vergessen oder zu beschönigen fuchten, schauerlich lebendig. Giest schloß Augen und Ohren nicht, als in jenen bluttriefenden Augusttagen die Polizei der Hauptstadt an die türkische Bevölkerung, namentlich aber an die Kurden, eisenbeschlagene Stöcke und Knüppel samt der We jung austeilte: Auf das gegebene Signal darf durch 48 Stunden jeder Armenier, ohne Unterschied des Alters und Geschlechts, getötet werden." Er sah die Opfer maffenhaft fallen und erhielt von einem Offizier, den er zum Einschreiten aufforderte, die bezeichnende Antwort: Herr, mische dich nicht ein, der Befehl ist so gegeben"; daß der Befehl zur Ausrottung der ganzen armenischen Nation aus dem Balais fam, bestätigt das Buch ausdrücklich. Und der, von dem der Be fehl ausging, der unheimliche Massenmörder Abdul Samid, einer der viehischsten Berbrecher der Weltgeschichte, war der Bundesgenosse, Freund und Bruder Wilhelms II., der ihn mit Herzlichkeiten überschüttete! Daß dem Hohenzollern , der großspurig seinen Schild über dreihundert Millionen Moslems hielt, aber auch
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die geschäftstüchtige Aufdringlichkeit innewohnte, die sonst von den Bölkischen" Haujierern nichtarischer Herkunft nachgesagt wird, erfuhr G.esl bei anderer Gelegenheit. Als das griechische Heer mit modernen Schnellfeuergeschüßen ausgerüstet werden sollte, suchten Deutsche und Franzosen , Krupp und Schneider- Creusot, einander die fette Be ftellung abzujagen. Da trat Wilhelm II. als Commis voyageur der Essener Firma auf den Plan und wandte in Briefen an seine Schwester, die Kronprinzessin von Griechenland , Einschüchterungsmittel an, die als Eingriffe in die staatliche Selbständigkeit des fleinen Balkanstaats in Athen bitter vermerkt wurden. Der deutsche Gesandte Graf Arco schlug- wie der Herr, so's Gescherr! gegen den König ähnliche Töne an, so daß er die Erwiderung einstecken mußte: Wenn S.e, Herr Minifter, fich eine folche Sprache mir gegenüber erlauben, dann wäre es eigentlich beffer gewesen, der deutsche Kaiser hätte uns einfach befohlen, das deutsche Material zu laufen." Derart machte sich das wilhelminische Deutschland in aller Welt beliebt. Am bedeutsamsten wäre in Giests Aufzeichnungen die Schilderung seiner Tätigkeit in Cetinje und Belgrad , wenn er unverhohlen alles sagte. Aber in übertreibender Beschei denheit gibt er sich so, als sei er in jedem Fall nur ein stummes, ausführendes Werkzeug des Ballplages gewesen, während er in Wahrheit der Entwicklung nach Kräften die Richtung geben half, und zwar stets im Sinne bedenkenlofer Kriegsheze. Schon in Cetinje während des Ballantrieges, als es für die Großmächte darum ging, Nikolas Streit macht von Stutari zurüdzufcheuchen, machte Giefl als Für sprech des Immer feste druff!" aus seinem Herzen feine Mördergrube. Mit seinem deutschen Kollegen v. Edardt stand er dabei wie Hund und Kaze, weil, wie er schreibt, der Bevollmächtigte des Reichs ,, n.cht Dreibund-, sondern aus gesprochen montenegrinische Bolitif machte", richtiger: feine Lust verspürte, mit der halsbrecherischen Politit des Ball plages durch Dick und Dünn zu gehen. Sie trieb bewußt einer Katastrophe zu, nicht zuletzt dant Giesls anfeuernden Ratschlägen, der selbst, als Montenegro vor den vereinigten Mächten zurüdwich, in Wien ein Ultimatum anregte, um den Balkanzwergstaat ,, dem Willen der Monarchie zu beugen".
Als Giefl im Dezember 1913 den Belgrader Gesandten posten übernahm, meinte v. Edardt, es sei, als schide man einen Mann, der den ganzen Tag 3igareiten rauche, in eine Bulderkammer. In der Tat flog nach turzen Monden die Pulverkammer in die Luft. Während des Attentats von Sarajewo weilte Giesl fern von Belgrad , aber da er eilig zurückkehrend in Belgrad halt machte, vernahm er aus dem Mund des deutschen Botschafters v. Tschirschfy friegshegerische Reden:„ Wenn Ihr Euch noch dies gefallen laßt, dann seid Ihr nicht wert, daß man Euch an...", samt der Drohung. Deutschland werde in diesem Fall erwägen, ob es sich nicht nach einem andern Bundesge noffen umsehen müsse! Aber Giest bedurfte folcher Aufmunterung faum, denn der l. und t. Generalstabschef fand
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Sonntag, 11. Dezember 1927
ihn in diesen Tagen sehr zum Losgehen gelaunt. 3war versucht das Buch diesen Eindruck Conrad von Hößendorfs abzuschwächen, aber es besagt genug, daß der in Sarajewo ermordete Franz Ferdinand , dieser finstere, gewalttätige, dem zwanzigsten Jahrhundert fremde Erzabsolutist Giefl als seinen Minister des Auswärtigen auserforen hatte.
Auch was über das Ultimatum gesagt wird, atmet die tüdische Verschlagenheit, die am Ballplaz zu Hause war: Bei Formulierung der einzelnen Forderungen wurde jedesmal die Frage aufgeworfen, ob die Annahme seitens Serbiens möglich sei." Ganz recht, und wenn die Annahme nicht vollständig unmöglich schien, wurde die Spitze der Forderung so zugeschliffen, daß fie abbrechen mußte. Denn in der berüchtigten Sigung des Ministerrats vom 7. Juli 1914 stimm ten, bis auf einen, alle Teilnehmer darin überein, daß ganz un annehmbare Forderungen an Serbien gestellt werden müßten, damit es bestimmt zum Krieg tommt". Der ungarische Ministerpräsident Tisza meinte mit Recht, im Min.sterrat sei die Absicht gereift ,,, den Krieg mit Serbien zu provozieren", der Gesandte in Rom , Graf Merey, sprach von dem Vorhaben des Ballplages, den friegerischen Konflitt zu forcieren", und des Grafen Berchtold rechte Hand, Graf Hoyos , stellte von den Forderungen des Ultimatums befriedigt fest, daß ,, ein Staat, der noch etwas Selbstbewußtsein und Würde habe, sie eigent l'ch unmöglich annehmen tönne". Wem will da der Baron Giefl einreden, daß man im Wiener Außenministerium an die Annahme der Note geglaubt habe? Nein, sie glaubten an den Krieg, sie wollen den Krieg, fie zerrten den Krieg an den Haaren herbei, und Giefl, Briefträger des Unheils, wußte Bescheid, als er Berchtolds infamen Bisch in Belgrad überreichte. Wenn er zweimal vierundzwanzig Stunden später, beim überhafteten Berlassen des serbischen Bodens, weit entfernt davon war. 3u ahnen, daß die Welt am Vor abend des entfeßlichsten Krieges stand", so lagen seine Fähig feiten wohl immer mehr auf der lavalleristischen, als der diplomatischen Seite.
Erschütternd aber wirft seine nach Tisch gekommene Er. fenn.nis, daß seine Sache von vornherein verloren war, da die Erfahrung, daß die einheitlich angejezte Stoßkraft des nationalen Gedankens unwiderstehlich ist", sich auch in dem weltgeschichtlichen Prozeß der Südslawen gegen die Habs burger bestätigte. Warum man in Wien troßdem die Lunte anzünden mußte? Gieft antwortet wie ein sechzehnjähriger Wehrwolf: Deutsche Sitte verlangt Wehrhaftigkeit und Berteidigung der ererbten Scholle!" und bekennt sich als unbes dingten Anhänger der alten Tradition und Berehrer der ehrwürd gen, leider untergegangenen Monarchie", obwohl der Versuch, sie gegen die eigenen Völker zusammenzuhalten, Europa ein Dugend Millionen Tote gekostet hat. Wahrlich, auf diefer eisernen Stirn steht nur die traurige Losung: Nichts gelernt und nichts vergessen! und rechtfertigt den Untergang des überlebten Systems, dessen überzeugter Diener diefer Baron, General und bevollmächtigter Minister war.
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