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Eiferne Stirnen.spils

Wie die Unternehmer ihre Ablehnung des Schiedsspruches begründen.

Roch rechtzeitig por der heutigen Entscheidung der Funktionäre. der Metallarbeiter für die Nordwestliche Gruppe in Effen, die zweifellos der Empfehlung der Führer des Deutschen Metailarbeiter verbandes folgend, die Ablehnung des Schiedsipruches ergibt, tamen die Unternehmer mit der Begründung heraus, mit der sie ihrerseits die Ablehnung des Schiedsspruches zu recht fertigen fuchen..

Während die beteiligte Arbeiterschaft alle Ursache bat, diesen, den Unternehmern gefälligen Schiedsspruch abzulehnen, bedeutet deffen Ablehnung durch die Unternehmer

ein ziemlich durchsichtiges Manöver.

Sie waren mit dem Schiedsspruch in Wirklichkeit außerordent fich zufrieden. Während sie die Kosten für die Umstellung auf das Dreischichtensystem auf etwa 120 Millionen Mark berechnet hatten, nach den Berliner Börjen- Courier" auf nicht weniger als 109 Mil­lionen Mart, beläuft sich die Belastung auf Grund des Schieds­fpruches nach bisheriger roher Schägung bei den Bereinigten Stahl­werfen auf etwa 15-16 Millionen Mart, wobei der Gewinn aus vermehrter Produktion bei dem Dreischichtensystem taum be­rücksichtigt ist.

Die Arbeitgeberseite ist der begründeten Auffaffung, daß ein solcher Verdienst den Zeitumständen angemessen ist und

der Arbeiterschaft eine gute Lebenshaltung ermöglicht, ganz abgesehen davon, daß doch anerkanntermaßen mit solchem Verdienst das Realeinkommen der Friedenszeit erheblich über­schritten ist."

Die Herrschaften, deren Gehirn dieser Hohn entsprungen ist, müßten gezwungen werden, das Leben eines ihrer Arbeiter mit 90,8 Pf. Stundenlohn in wöchentlicher Arbeitszeit von 57 Stunden und etwa drei Mehrstunden mit 25 Broz. Aufschlag auch nur einmal sechs Wochen für sich führen und dabei eine Familie ernähren. sehr bald vergehen! Der traurige Mut zu solch' frivolen Behauptungen würde ihnen

Allein die Herren Generaldirektoren würden sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, die Probe aufs Erempel ihrer Be­gründung" zu machen. Aus Geschäftskreisen, die die Lebenshal tung und die Kauffraft dieser eisenstirnigen Großverdiener aus Erfahrung einzuschäßen wissen, wurden Geschenfartitel für Generaldirettoren, Brofuristen usw. bis 1000 m. pro verbindung stehen, als zeitgemäße Werbeartikel zum Weih­die biefe Herren ihren Angehörigen zu machen pflegen, werden nachtsgeschent machen sollen. Die Weihnachtsgeschenfe, das Jahreseintommen eines Arbeiters mit 90 Bf. Stundenlohn vielfach übersteigen.

Gewiß, wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß die Unter- Stüd empfohlen, die die Firmen, welche mit ihnen in Geschäfts­nehmer nichts unversucht laffen, um die ganze Last auf die Schultern der Arbeiterschaft abzuwälzen und die Gewinne unge­fürgt in ihre Tafchen fließen zu laffen. Sie müffen nach außenhin so tun, als fei der für sie so günstige Schiedsspruch unerträglich. Bei dieser Gelegenheit wollen sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und das Ergebnis des Schiedsspruches für die Arbeiter­schaft noch weiter verschlechtern.

Um die Tender3 der ziemlich länglichen Begründung" der Unternehmer für ihre Scheinablehnung des Schiedsspruches zu Pennzeichnen, genügte schon die Anführung des einen Sages: " Die Arbeitgeber hielten insbesondere bei der Ziffer 1 an­Gefichts der gefundheitlich ausgezeichneten Verhältnisse

in den modern ausgebauten Gaszentralen diese Arbeitszeitverein barung nicht für erforderlich. Sie hatten aber geglaubt, den Ge­werkschaften, denen diese Gruppen besonders am Herzen liegen, entgegentommen zu sollen, von der festen Annahme. aus­gehend, daß die Ausführungen des von der Schlichterfammer ge­ladenen Sachverständigen( das ist ein Kapitel für sich. Red. d. B.") die Unrichtigkeit einer allgemeinen Lohn= erhöhung auch den Vertretern der Gewerkschaften in der Schlichterkammer so eindringlich und durchschlagend vor Augen ge­führt hätten, daß diese schließlich ihre Forderung auf eine allgemeine Lohnerhöhung würden fallen lassen." Eine tollere erhöhnung der Arbeiter als die Be. hauptung der Unternehmer, die gefundheitlichen Verhälf­nisse der Hüttenarbeiter feien ausgezeichnet, iſt u uns noch felten vorgekommen. Die Einrichtung der Betriebstranten­fallen forgt dafür, daß nur gesunde und nicht zu afte" Arbeiter eingestellt werden, die

tranfgewordenen und perbrauchten, Arbeiter abgeschoben merden, um die Betriebsfrankenkasse nicht zu belasten. Es gehört schon ein ausgewachsener Bynismus dazu, von einer Arbeiterschaft, Me ständig starter hige und Zugluft ausgefest ist, urch das Affordinstem fortgelegt zur Schufterei angetrieben wird und so ihre Arbeitstraft und Gefundheit vor. zeitig perbraucht, zu behaupten, fie erfreue fich ausgezeich refer gesundheitlicher Berhältnisse.

Weit die Arbeiterschaft ihren berechtigten Anspruch auf Beffete gesundheitlichere Verhältniffe, auf Scho mung ihres Leibes und Bebens verlicht, deshalb fordert sie anstatt der Zwölfftundenschicht die dreigeteilte actffündige Schicht. Die Begründung" betont dann das Recht der Arbeitgeber, pon den Arbeitern zu fordern, Sonntag abends um 6 Uhr anzu­fangen, um das 8ugeständnis" der Unternehmer herauszu ftreichen, bezüglich des Schichtanfangs am Sonntagabend".

Als besonders schwerwiegend fehen die Arbeitgeber den Teil des Schiedsspruches an, in dem der Schiedsspruch den zurzeit noch in zmeigeteilter Schicht arbeitenden Hochofenarbeitern und den Arbeitern der angeschlossenen Reparaturwerkstätten ab 1. Juni 1928 eine Berfürzung der Arbeitszeit Don 60 auf 57 Stunden zubilligt."

In demselben Atemzuge, in dem eine gute Lebenshaltung der Arbeiter" unterstellt wird, flagen die Herren, daß auch in den großen Stapelartikeln der Eisenerzeugung heute

von angemeffenem Berdienst teine Rede"

sein kann: Wieviele Millionen wollen die Krupp und Kompagnie jährlich erübrigen, um ihren Berdienft als angemeffen" gelten zu chriftlichen etwa?) hätten die geldlich und wirtschaftlich mik­laffen? Sie behaupten, auch die Gewerkschaften( die liche Lage" der eisenverarbeitenden Industrie anerkannt. Daraus soll die Arbeiterschaft die Konsequenzen ziehen:

Die Arbeitgeberschaft war der Meinung, daß sie etwa ein Drittel des Lohnausgleichs zu ihren Lasten nehmen tönne, während die beiden lekten Drittel die Arbeitnehmer tragen sollten, die, wie der Schiedsspruch selbst fagt, einen menigstens zeitweisen Ausfall an Ber : dienst für die verkürzte Arbeitszeit auf sich nehmen müssen. Statt dessen geht aber der Schiedsspruch hierüber weit hinaus und billigt den Arbeitern einen Lohnausgleich zu, der die Werte erheblich über die bedingten wirtschaftlichen Vorteile hinaus, die sie durch die Sonntagsarbeit erzielen können, belastet.

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Schließlich ist darauf hinzuweisen, daß auch der Beschluß, die Afford und Lehrlingstöhne umzurechnen bzw. neu zu regeln, nicht dazu angetan ist, den Werken irgendeine Erleichte rung zu verschaffen."

Aus all diesen Gründen lehnen die Unternehmer die Schiedse fprüche über Arbeitszeit und Löhne ab offenbar in der En wartung, daß fie für verbindlich erklärt werden.

Die Industrieta pitäne" faffen wahrlich nichts under­fucht, um die lehten Reste von Nimbus abzuftreifen. Kein Hund möchte mehr ein Stid Brot von ihnen nehmen, geschweige denn, daß sie denffähige Menschen finden, die ihre Geistesprodukte in Gestalt von Dentschriften und derartigen Begründungsmanöpern Die Brofitfuct perdirbt den noch ernst nehmen. Charatter!

Der Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes hat in seiner Sigung vom 16. Dezember eine Entschließung angenommen, in der er den im Arbeitstonflitt mit den nordmestdeutschen Großindustriellen stehenden Ar­beitern seine volle Sympathie ausspricht. Er fieht in den Stillegungsdrohungen der Eisen- und Stahlindustriellen nicht nur einen unerhörten Anschlag auf das deutsche Wirtschaftsleben, sondern auch den Berjuch, durch die in der Hand weniger Kapitalisten_ton zentrierten wirtschaftlichen Machtmittel einen Drud auf den Staat und die Algemeinheit auszuüben, um den sozialen Aufstieg und die Berbesserung der Lage der Arbeitnehmerschaft zu unterbinden.

Die Beamten, die selbst jahrelang au verlängerter Arbeits­Kampf der Arbeiterschaft um die Wiedererringung der normalen Arbeitszeit.

Kann die Einstellung der Nordwestlichen zum Achtſtundentag noch deutlicher gekennzeichnet werden als es hier in ihrer Begrün- zeit gezwungen worden sind, haben velles Verständnis für den dung" geschieht? Sie betrachten es weiter als ihr Recht, den Ar­beitern zu diesen 57 Stunden noch leberarbeits­zeit aufzuzwängen und find entrüstet, daß sie dafür 25 Broz. Buschlag zahlen sollen, während sie doch, um ein Entgegenkom­men zu zeigen, freiwillig eine Erhöhung von 12% auf 15 Broz. angeboten" hatten.

Bei Einführung des Dreischichtenwechsels haben die Unter nehmer feinen Pfennig für Mehrarbeit zu zahlen, und felbst bei 57 Stunden nicht, wenn sie teine Mehrarbeit fordern. Die Unverschämtheit, die die ganze Begründung" auszeichnet, macht sich natürlich auch in der Lohnfrage bemerkbar. Sie Sif. tieren:

Im Lohnschiedsspruch ist vor allem

die allgemeine Lohnerhöhung grundfählich abzulehnen." Sie huldigen recht profitlichen Grundfäßen", die Herren! Sie haben nach ihrer Behauptung bewiefen",

daß der Durchschnittsverdienst der Hüftenarbeiter ein durch aus angemessener und guter ist. Der Durchschnittsver dienst liegt beispielsweise für die gesamten Hüttenarbeiter der Bereinigten Stabimerte im Ottober auf 90,8 Bf. die Stunde."

Wie diefe Durchschnitts" verbienfte auf dem Bapier zustande fammen, ist bekannt. Weniger, unter welchen Arbeitsbedingungen, in welchem Arbeitstempo. Nachdem so bewiesen" ist, was zu beweisen war, tommt die Schlußfolgerung:

In der Erkenntnis der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen aller Arbeitnehmer verurteilen fie die Absicht der Arbeitgeber, die Kosten der Rationalisierung auf die Schultern der Arbeiterschaft abzuwälzen und wünschen darum den lämpfenden Arbeitern vollen Erfolg zur Durchfegung ihrer Lohnforderungen.

Die andere Einheitsfront".

Der Apparat des MTB. wurde in Bewegung gesetzt, um der staunenden Mitmelt zu verkünden, daß, nachdem sich bereits die gelben Buchdrucker und Hilfsarbeiter dem Reichsbund deutscher Arbeiter" angeschlossen haben, nunmehr auch der Vorstand der gelben Kellner einstimmig" beschlossen hat, sich mit seiner ganzen Garde ebenfalls diesem Reichsbund Deutscher Arbeiter, der unter der Führung des Landtagsabgeordneten Albert Wiedemann steht, anzuschließen, um somit die Einheitsfront der unabhängigen natio­nalen, deutschen Arbeitnehmerbewegung zu stärken".

Derartige Einheitsfronten" fehlen den Unternehmern noch. Die

andere gelbe Richtung wird natürlich auch ihre Einheitsfront"

herstellen.

Weihnachtsabend im Gastwirtsgewerbe.

Zwischen dem Arbeitgeberverband im Gastwirtsgewerbe Berlin und dem Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Café- Ange­stellten ist auch in diesem Jahr wieder vereinbart worden, daß die Betriebe möglichst um 7 Uhr abends gefchloffen werden, um den gastwirtschaftlichen Arbeitnehmern Gelegenheit zu geben; den Weihnachtsabend bei ihren Familien verbringen zu können. Soweit die Betriebe nicht geschlossen werden. ist mindestens den verheirateten Arbeitnehmern Urlaub für die Feier in ihren Familien zu gewähren.

Schiedsspruch für das Waldenburger Revier.

Waldenburg, 17. Dezember.

In den Lohnverhandlungen im niederschlesischen Rohlenrebier wurde foeben der Schiedsspruch gefällt Danach werden das Waldenburger und das Neuroder Kohlen­revier getrennt behandelt. Es tritt für beide am 1. Ja­nuar und am 1. April 1928 eine 2ohnerhöhung in Kraft. Beispielsweise werden die Handwerkerschichtlöhne ab 1. Januar u m etwa 10 Pro3. und ab 1. April um weitere 4 Proz. erhöht Die Arbeitgeber wie auch die Arbeitnehmerverbände nehmen am Sonntag zu dem Schiedsspruch Stellung, da die Nachverhand­lungen bereits für Montag nachmittag festgesetzt sind.

Es besteht damit die große Möglichkeit, daß ein Streif in dem niederschlesischen Kohlenrevier vermieden wird.

Jötten macht Schule.

Opladen , 17. Dezember. Unter dem Borsiz des staatlichen Schlichters Dr. Bragard des unteren Kreises Solingen ein Schiedsspruch gefällt, nach dem aus Barmen wurde über die Arbeitszeit in der Metallindustrie die Arbeitszeit für die weiterverarbeitende Industrie wie bisher mit 52 Stunden wöchentlich bleibt. Für die Hammer, Preß und falt einsetzenden Walzwerke wurde entsprechend dem Düsseldorfer Schiedsspruch für die Großeisenindustrie die Arbeits­zeit auf 54 Stunden festgefeßt.

Streifbeiden Flugzeugwerfen Heinfel, Warnemünde Firma Ernst Heinkel , Flugzeugwerke, Warnemünde , im Streif. Die Seit dem 7. Dezember steht die gesamte Arbeiterschaft der Firma Ernst Heinkel , Flugzeugwerke, Warnemünde , im Streik. Die Firma weigert sich, die notwendige Lohnzulage zu bewilligen. Mit 3 wei Pfennigen hat die Fima die Teuerung im April be­messen und diese Zulage ab 1. Mai gezahlt. Jegt wollte sie nur 3 Bf. bewilligen. Die Firma versucht, Streitbreder von auswärts heranzuziehen. Zuzug von Arbeitern aller Branchen nach den Heinkelwerken, Warnemünde , ist streng fernzuhalten. Parteizeitungen werden um Abdruck gebeten.)

Die Gewerkschaften Estlands .

( Die

Reval , 16. Dezember.( D.-E.) In nächster Zeit wird in Reval ein Kongreß der Arbeitergewerf­schaften stattfinden, auf dem die Frage des Anschlusses an die zweite oder dritte Internationale entschieden werden foul. Die Gewerkschaft der Metallarbeiter hat sich bereits für den Anschluß an die Amsterdamer Internationale qusgesprochen. Die Führer der Arbeiterpartei Estlands wünschen zunächst eine abwartende Stellungnahme, während die äußerste Linke, an deren Spize der Kommunist Grimpel steht, den Anschluß an Moskau fordert.

Der Saffler, Tapezierer- und Portefeuillerverband zahli auch in diesem Jahre feinen arbeitslosen Mitgliedern wieder eine Weih nachtsunterstüßung aus der Bofalfaffe. Die Unterstü na mi ce zahlt nach der Höhe der Beiträge und Dauer der Mitgliedschaft. Bedingung ist jedoch 13wöchige Mindestbeitragsleistung. An der Unterstügung nehmen alle Kollegen teil, die am 17. Dezember im Arbeitsnachweis eingetragen find. Die Auszahlung erfolgt ohne vorherige Registrierung im Bureau der Ortsverwaltung, Zimmer 28, vom 20. bis 22. Dezember vormittags von 9 bis 12 Uhr. Mitglieds ausweis und Stempelfarte ist vorzulegen.

Freie Gewerkschaftsjugend Groß- Berlin. Seute, Sonntag, Winterfonnen wensfeler der Berliner Freien Gewerkschaftsjugend am delifee bei Bernau . Jedes Mitglied der FG3. muß die Weihnachtsmesse des Octeausschusses Berlin des DGB., Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, besucht haben. Ge­öffnet täglich bis 20 Uhr. Morgen, Montag, 19% Ube, Bufammenkunft bes Gruppenleitungen im Metallarbeiter- Berbandshaus, Linienftr. 83/83. Bortrag: Die Geeschiffahrt, ihr Berben und ihre Bedeutung". Ohne Berbandsbuc und Heimausweis tein Zutritt.

Jugendgruppe bes 8bl. Morgen, Montag, 19% Uhr, finden folgende Beranstaltungen ftatt: Bezirk Cüboft- Treptow: Jugendheim Reichenberger Bezirk Norben: Jugendheim Dan siger Str. 62, Barade 7. Bunter Weihnachtsabend unter uns. Bezirk Tempelhof : Jugendheim in der Schule Germaniaftr. 4/6, Borttag: Pas gute Buch"( Lewinski). Begiet Charlottenburg: Jugendheim Rosinenste. 4. Bortrag: Ferdinand Lassalle "( Dr. Schütte).

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