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Morgenausgabe

Nr. 601

A 305

44. Jahrgang

Böchentlich 10 Stennig, monatlic 3. Reichsmart. im voraus zahlbar. Unter Streifband im In- und Aus lanb 5.50 Reichsmart pro Monat

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Der Borwärts mit bet tüuftries ten Sonntagsbeilage Bolf und Beit Jowie den Beilagen Unterhaltung unb Biffen Aus der Filmwelt Stadtbeilage" Frauenstimme,

Der Rinberfreund"." Jugend- Bor wärts" Blid in bie Bücherwelt, Kulturarbeit und

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Berliner Boltsblatt

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21. Dezember 1927 Groß- Berlin 10 Pt. Auswärts 15 Pf.

De etnipaltige Nonpareillezetbe 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart Ricine Anzeigen" das fettge druckte Wort 25 Pfennig( zufäffig gwel fettgedruckte Borte), jebes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Bfennig, jebes weitere Bort 10 Bfennig Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familianzeigen für Abonnenten Belle 40 Pfennig. Anzeigen annahine im Hauptgeschäft Linden firaße 3. mochentagl. von 8 bis 17 Uhr.

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Die Schiedssprüche verbindlich!

Entscheidung im Tarifftreit in der Großeisenindustrie.

Im Reichsarbeitsministerium fanden gestern im Lohu und Tarifftreit der Großeisenindustrie Rheinland­Westfalen Verhandlungen statt. Eine Annäherung zwischen den Parteien konnte nicht erzielt werden. Der Reichsarbeitsminister hat darauf die beiden Schieds. sprüche vom 15. Dezember 1927 von Amts wegen für verbindlich erklärt.

hältnissen nicht Rechnung trägt und daß es unverständlich sei, daß bis zur Stunde fich die zuständigen Stellen noch nicht entschieden hätten, eine allgemeine Beihilfe auszuschütten.

Trog dringendem Ersuchen lehnten auch diesmal die Bertreter der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft ab, irgend etwas zu tun. Der stellvertretende Generaldirektor Geheim rat Dr. Weihrau dh betonte ganz besonders, daß, nachdem auch das Reich und die Deutsche Reichs poft nichts getan haben, Nach eingehenden Berhandlungen gaben die Organisationsvertreter

Raum ohne Bolf.

Ein Beitrag zum Siedlungsproblem.

Bon H. Tempel, Leer , M. d. R..

Junker und Bauern find Brüder." Straßauf, straßab predigt der Landbund uneniwegt dies Evangelium der Inter­effensolidarität zwischen Rapital und Arbeit auf dem platien Lande. Er findet Gläubige in Massen. Jede Wahl beweist es. Auch heute noch.

Wer die Schicksalsgenossenschaft zwischen den Großen und den Kleinen auf dem Lande in Reintultur beobachten möchte, der durchstreife einmal die Junkerparadiese im gea fegneten Ostelbien. Bielleicht Mecklenburg- Schwerin . Etwa auf der Linie Schwerin- Crimiz- Goldberg- Karom­Waren.

Aussprache zwischen Kapital und Arbeit. auch die Reichsbahn in dieser Richtung nichts unternehmen tönnte. auf

Englische Industrielle laden die Gewerkschaften zu Bes folgende Erklärung ab: sprechungen ein.

London , 20. Dezember.( Eigenbericht.)

Der Generaltat der britischen Gewerkschaften befaßte sich am Dienstag mit dem von einer Gruppe einflußreicher britischer Indu­ftrieller gemachten Borschlag einer gemeinsamen Aussprache zwischen Kapital und Arbeit" in Großbritannien . Der Generalrat beschloß, die Einladung der Industriellen zu einer ge­meinsamen vorurteilslofen Aussprache der wirtschaftlichen Probleme, Denen sich England gegenübersieht," anzunehmen. Es wurde ein unter dem Vorsitz des Präsidenten der britischen Gewerkschaften ftehendes Romitee gebildet, das die Tagesordnung entwerfen foll.

Troz der immerhin meniger scharfmacherischen Haltung der enge lischen Unternehmer im Bergleich zu ihren deutschen Kollegen- fann man dem Erfolg einer solchen Aussprache doch steptisch ent­gegenjehen

Keine Weihnachtsbeihilfe bei der Reichsbahn.

Eine Erflärung der Zarifgewerkschaften.

Auf Verlangen der vertragschließenden Eisenbahnergewerf. fhaften fand gestern nochmals eine Verhandlung über die Ge währung einer Weihnachtsbeihilfe statt. Die Dr ganisationsvertreter wiesen noch einmal eingehend darauf hin, daß aie jest abgeschloffene Ortslohnzulagenregelung bei weitem den Ber­

Nachdem die Berhandlungen über die Neuregelung von Orts­lohnzulagen jetzt beendet sind und die allgemeine Auswirkung diefer Neuregelung zu übersehen ist, muß leider festgestellt werden, daß ein erheblicher Teil Lohnempfänger vollkommen leer ausgegangen ist und die vorgenommenen örtlichen Er­höhungen im Verhältnis zu der allgemeinen wirtschaftlichen Lage hinter den berechtigten Ansprüchen erheblich zurüd geblieben find. Mit Bedauern stellen wir fest, daß die östlichen Reichsbahn direktionsbezirke in bezug auf Ortslohnzulagen fehr stiefmütter ich behandelt worden sind. Insbesondere ist auf das lebhafteste zu bedauern, daß bei der Hauptverwaltung das soziale Berständnis für die Notlage der Lohnempfänger im oberschlesischen In duftriebezirk vollständig fehlt.

Unsere Forderung nach Gewährung einer allgemeinen Beihilfe an sämtliche Reichsbahnlohnempfänger erfährt dadurch nur noch mehr Berechtigung. Die Ablehnung der Zahlung einer allgemeinen Weihnachtsbeihilfe ist daher um so unverständlicher als feststeht, bag troß der Gewährung von erhöhten. Ortslohnzulagen an einen Teil der Lohnempfänger der wirtlichen Notlage nicht

Rechnung getragen ist.

Die Organisationen betonen noch einmal gegenüber der Haupt verwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft, daß sie nach wie Dor eine allgemeine Lohnerhöhung für dringend erforderlich halten. Sie behalten sich vor, dieser berechtig­ten Forderung zu gegebener Zeit mit Nachdrud Geltung zu ver­schaffen."

Preußen macht rasche Arbeit!

Die Gutsbezirke werden sofort aufgelöst!

Auf dem ganzen, etwa 100 Kilometer langen Wegfindeter- 3 Bauerndorfer. Sonst nur Gutshöfe, Gutsarbeiterfaten und alle paar Stunden ein­mal ein ärmliches Landstädtchen. Oder er wandere von Waren über Teterom- Lage- Teffin nach Rostoc. Das gleiche Bild:

ein Bauerndorf!

100 Rilometer Weg Dabei durchweg bester Boden. Die Herren auf iz und o nahmen sich nur die guten Böden. Die leichten durfte der Bruder Bauer behalten. Bowie um Ludwigsluft herum - der Boden mager ist, sitzt der Bauer am dichtesten. Bon dieser Scholle haben ihn die Barone nicht vertrieben. Dort gibt es teine Herrenhäuser.

Um nichts anders ist es im Bereich der schlesischen Lati­fundien, in den Gefilden der Fürsten von Haßfeld, Biron von Kurland und Grafen Malhan. In den niederschlesischen reijen rechts der Ober, den Gebieten an der neuen polni ichen Grenze, hat sich die Bevölkerung von 1871 bis 1919 auf den Quadratkilometer im Durchschnitt um 20 Röpfe ver mindert. Das heißt, fie ist in diesem Zeitraum von etwa 110 auf nicht ganz 90 gefunten. In den riesigen Gutsbezirken dieser bedrohten Grenzstreifen wohnen auf dem Quadrat filometer im Durchschnitt 18 Menschen! Das dürfte der Be­pölferungsdichte Sibiriens entsprechen. Trotz guten Bodens auch hier. Dabei hat das Reich als Ganzes in dem gleichen Zeitraum einen Bevölkerungszuwachs von 51 pro Quadrat­filometer zu verzeichnen. Einer allgemeinen Zunahme von 51 steht also hier ein Verlust von 20 gegenüber. Eine Diffe­renz mithin von 70 Köpfen auf die genannte Einheit. Das Ergebnis eines halben Jahrhunderts junkerlicher Bauern­freundschaft.

Aber nicht nur im Osten Deutschlands dehnen sich diese menschenleeren Räume in unendlicher Weite. Auch der Westen fennt sie. Dedland, Moor und Heiden , mit denen weber Junker noch Bauern etwas anzufangen wußten. Da ist das Gebiet, das der neue Hunte- Ems- Kanal im mittleren Oldenburg und im nördlichen Münsterland durchschneidet. Breußen, das das Teilstück des Campe- Dörpen- Kanals baut, ist dabei, eines der größten Bodenkulturwerfe seiner Geschichte durchzuführen. Tausende und aber Laufende von Hettaren wertvollen Hochmoores werden hier erschlossen. Bagger und Dampfpflüge bringen Leben in das Land, das seit Jahrtausenden schläft. An die Moore und Heiden des Emslandes an der holländischen Grenze entlang von Papenburg bis Bentheim , unermeßliche Flächen, warten auf Menschen, auf Bauern.

Nachdem adlich am 12. Dezember das Gesetz über die Auf-| lärt. Die Befugnisse des Landtags wurden für die Zeit, bis lösung der Gutsbezirke verabschiedet worden ist, setzt die preußische der neugewählte Landtag zusammentritt, dem Landes ausschuß, Regierung alles daran, um die Durchführung zu beschleuder von dem auf Grund der Wahl vom 8. Juli 1923 gewählten nigen. Der preußische Innenminister hat eine Anweisung Sandtag feinerzeit bestellt worden war, übertragen. Gegen diese an die Oberpräsidenten erlassen, die diese beauftragt, die umfassenden Regierungsbefanntmachung wendet sich heute, ebenfalls Borarbeiten schon jetzt in Angriff zu nehmen. Die Einwohner der in einer amtlichen Bekanntmachung in der Landeszeitung für beide Gutsbezirke sollen bei den im Frühjahr zu erwartenden Kommunal Medlenburg, der Präsident des Mecklenburg- Strelitzschen Landtags, mabien bereits kmstande sein, zum ersten Male das Wahlrecht aus Dr. Foth. Er weist darauf hin, daß das Urteil des Staatsgerichts­zuüben. Die Landräte haben schon jett Borschläge für die Auf- hofes es ausdrücklich dem Lande überlaffe, die Folgerungen aus loluna der in ihren Streifen befindlichen Gutsbezirke zu machen, feinem Spruch selbst zu ziehen. Das berufene Organ des Landes damit die Vertreter der Gemeinden und der Gutsbezirke sofort nach hierzu fei nach§ 21 des Landesgrundgesetzes lediglich der bis auf Infrafitreten des Gesetzes angehört werben tönnen. Spätestens bis weiteres bestehende Landtag, der allein befugt sei, über Mitte März fallen die Kreisausschüsse thre Beschlüsse faffen; die feine Auflösung zu beschließen. Der Präsident betont weiter, daß Tiäne über die Umgemeindung find dann den Behörden vorzulegen. auch die Einsetzung des früheren Landesausschusses keine verfaffungsumher: Die Regierungspräsidenten fellen schon jetzt persönliche mäßige Grundlage habe, weil deffen Gültigkeit am 8. Juli 1927 en d Borstläge der Land- äte über die Aufhebung der Gutsbezirte ent- gültig und unwiderruflich erlosch en fet. Zum Schluß erklärt gerennehmen und Besprechungen abhalten, damit die formelle Er der Präsident, daß die bereits erfolgte Einberufung des Landtags für Donnerstag, den 22, Dezember, aufrechterhalten bleibt.

ledigung nachher möglichst rasch vor sich gehen tann.

Auf diese Weise werden die Einwohner der annähernd 13 000 preußischen Gutsbezirte, die bisher der kommunalen Selbst­bestimmung beraubt waren, noch rechtzeitig das Wahlrecht erhalten. Da die intereierten Gut- besiker ebenso wie manche Gemeinden bei der Nevorappierung sicherlich Schwierigkeiten maten werden, ist es doppelt zu begrüßen, daß die Regierung die Durchführung des Gefeßes bereits vorbereiten fakt. noch ehe die Ausführungs­beftimmungen ausgearbeitet sind. Es tommt auf schnelle fachliche Arbeit an, damit die staatsbürgerlichen Rette den Einwohnern der Gutsbezirle nicht länger vorenthalten bleiben.

Folgen des Staatsgerichtshofurteils. Konflikt zwischen Ministerium und Landtag in Mecklenburg Strelig.

Neustrelit, 20. Dezember. Das Mecklenburg- Streligsche Minifterium batte geftern in einer Bekanntmachung nach dem Urtell des Staatsgerichtshofes bie am 3. Juli 1927 erfolgte Bandtagswahl für ungültig er.

Putschiffen für Demokratie.

Reftod, 20. Dezember.

Der frühere Landtagsabgeordnete Hildebrandt aus Parchim , Führer der Nationalsozialisten in Mecklenburg Schwerin , erflärte heute vormittag, daß nach dem nunmehr erfolgten Urteilsspruch des Staatsgerichtshofes über die Verfassungswidrigkeit der Wahlrechtsänderungen in Helfen. Hamburg und Mecklenburg­der Wahlrechtsänderungen in Hessen . Hamburg und Mecklenburg­Strelitz die mecklenburg - schwerinschen Nationalsozialisten die Klage gegen Medienburg- Schwerin beim Staatsgerichtshof einreichen

würden.

Die Schweriner Regierung steht gegenüber diesem Borgehen des putschiftlichen Nationalsozialisten auf dem Standpunkt, daß nicht der Staatsgerichtshof des Reiches, sondern der von Schwerin zu ständig fet. Die Demofratische" Erkenntnis des Herrn Hildebrandt

rühit daher, daß seine Partei bei der letzten Wahl 228 Stimmen zu wenig für ein Mandat erhalten hat und infolgedessen der Raution Dan 3000 m. verlustig ging.

-

Und derweilen warten die Bauern auf Land. In Fries­ land fanden wir land fanden wir hart am Rande des gewaltigen Bour. tanger Moores ein großes Bauerndorf, das im ganzen Jahr drei Trauungen erlebt hatte. Bierzigjährig liefen die Söhne und Töchter der Bauern ledig in den Höfen der Eltern fein Land zu bekommen! Aehnlich in Niedersachsen , in Hessen , in Württemberg .

eine

Land ohne Volt! Volt ohne Land! Eine Groteske und

Tragödie in eins.

Man muß das Land ohne Menschen vor sich sehen, wenn man über das Problem der Siedlung spricht. Erst dann be. tommen die toten Zahlen über Umfang und Tempo der Arbeit Farbe und Leben.

Reich und Länder haben während der letzten Jahre troß ihrer Armut das Füllhorn ihrer Millionen über jene Räume ausgeschüttet, um ihre Bevölkerung zu verdichten. Das Reich bewilligte 1926 und 1927 je 50 Millionen Ankaufskredite. Für das kommende Jahr ist der gleiche Betrag vorgesehen. Aus den Ueberschüssen der Reichsgetreidestelle sind einmalig 15 Millionen zur Verfügung gestellt worden. Für Flücht­lingssiedler wurden Zuschüsse von 7 Millionen und die Bürgschaft für eine Kreditanteihe von 70 Millionen gewährt. Preußen hat dazu aus seinen Mitteln während der letzten Jahre je 20 Millionen ausgeworfen. In diesem Zusammen hang sei auch die Bezuschussung von etwa 19 000 Land­arbeiterwohnungsbauten und 22 000 ländlichen Eigenheimen aus den Beträgen der produktiven Erwerbslosenfürsorge er. wähnt. Das Reich plant weiter, Krebite zur Hergabe erst ftelliger Snpothefen für etwa 6000 Landarbeiterwohnungen aufzunehmen. Dazu kommen die finanziellen Aufwendungen