Nr. 2S» 4S. Zahrgang s!» Gonntag, 15. Januar 1925
Die von der Schwerindustris angekündigte Erhöhung der Eisen- preise ist in Krast getreten. Alle Erhöhungen sind noch nicht bekannt. Deutlich ergibt sich aber schon das Bild einer durchschnittlich etwa fünsprozentigen Eisenverteuerung. Bor kurzen, waren bekanntlich schon die Roheisenpreise herausgesetzt worden, nachdem der Kampf zwischen dem Roheisenverband und dem Rochlmg-Konzern als Außenseiter beendet worden war. Merkwürdig war die Methode, die Verteuerung bekannt- zugeben. Erst sollte es scheinen, als hmidele es sich nur um eine etwa zweiprozentig« Preis ausbesserung. Es wurde nämlich mitgeteilt, daß die Preis« für Stab- und Formeisen um je 3 M. pro Tonne erhöht worden seien. Gleichzeitig sind aber die Preise für Süddeutschland um weitere 2 M. und der Zuschlag für Siemens-Martin-Qualität um 3 M. je Tonne erhöht worden. Schließlich sind auch noch gewisie Rabatte fortgefallen. Der Band- eisenpreis wurde um 4 M. je Tonne, der Aufschlag für Siemens- Qualität um volle 1,50 M. je Tonne erhöht. Die Walzdrahtpreise wurden um S M. je Tonne herausgesetzt. Berücksichtigt man, daß etwa die Hälfte dieser Eisenerzeugnisie in Siemens-Martin-Qualität und etwa 60 Proz. auf der Grundlage der süddeutschen Preise ab- gesetzt werden, so ergibt sich für Stabeisen. Formeisen und Band- eisen etwa die folgend« Verteuerung der Grundpreise: für die Traue bisher setzt Preise rhijhft. in Proz. Formeiseu... 129.90 M. 135,25 M.-f 4.1 Proz. Stabeisen... 132,90, 138,60, 4-4,3 ,. Bandeisen... 151.65, 160.60.-f 5,9„ Hinzu kommt eine weitere Verteuerung durch Verringerung von Rabatten. Der erste lvorlbruch. Daß die Schwerindustrie die Preiserhöhung unbeträchtlich er- frfjeinen lasten wollte, ist nur zu begreislich: denn es kann auch ihr nicht verborgen geblieben sein, daß sie durch die Festsetzung der neuen Preise Verpflichtungen verletzt hat, die sie ihren Abnehmern und den Reichsbehörden gegenüber bei Abschluß der Internationalen Rohstahl gemeinschast übernommen bat. In dem Vertrag darüber heißt es, daß der Unterschied zwischen Auslands- und Inlandsesfektivpreisen verringert und möglichst bald ganz zum Verschwinden gebracht werden soll. Tatsächlich ist seit Mm 1926 der Unterschied zwischen Inlands- und Auslandspreisen vergrößert worden, und die neue Preiserhöhung steigert diesen Unterschied auf ein Maß. dos bisher in der Geschichte der deutschen Eisenpreise unerhört war. Diese Zusage der Schwerindustrie aber ermöglichte es überhaupt erst der Reichsregierung, ihre Zustimmung zum Abschluß der Internationalen Rohstahlgemeinschaft. der sogenannt»„eisernen Internationale" des Unternehmertums zu geben. Sie erfolgte damals nicht in der Form eines bindenden Ver- träges, sondern in der Form eines sogeiwnnten«g e v t I e m« u' s egreemevt". d. h. einer freien Vereinbarung, deren Erfüllung f-.aichtlich nicht klagbar ist. Die eisenverarbeitende Iichustric und das Reichswirtfchaftsministeriuw hielten die Vertreter der Schwerindustrie kür„g e n r 1« m« v", mit denen man solche Verträge abschließen kann, ohne Gefahr zu laufen, daß sie sich nachher nicht mehr daran kehren. Es hat sich gezeigt, daß sie sich täuschte». Mit den Führern der deutschen Schwerindustrie kann man solche Abkomnwn nicht schließen. Räch der Eisenpreiserhöhung haben sie das Recht per» loren. als x-vtlewen behandelt zu werdcn. In England hotte ihr Verholten den gesellschaftlichen Boykott zur Folge. Der zweite wortbrvch. Nicht genug mit dieser einen Verletzung der Verträge vom Mai l926. haben die Eisenherren die Vertrag« iwch in einem anderen Punkte verletzt. Damals gaben die Führer der Schwerindustrie die Zusage, daß„die Preispolitik für Eisen in Süddeutfchland so ge- handhabt werden soll, daß etwa das Aorkriegsverhättnis zwischen den süddeutschen und den norddeutschen Elsenpreisen eingehalten wird". In der Borkriegszeit betrug nach der Angabe von R e i ch e r t. dem deutschnationolen Reichstagsabgeordneten und Geschäftsführer des Vereins der Eisen- und Stahlindustriellen, diese Spanne rund 7,50 M. gleich IVi Proz. Roch den neuen Preisfestsetzungen beträgt sie nur noch 4 M. gleich knapp 3 Proz. Die Führer der deutschen Schwer- indusirie find„ehrenwerte Männer" und lassen mit sich reden. wenn es sich darum Handell, übernommene Verpflichtungen wie einen „Fetzen Papier" zu behandeln. Dos geaasführte Reich. Bon jeher war die Schwerindustrie der verzärtelte Erstgeboren« der deutschen Wirtschastepolitik. Di« Handelspolitik de» Reichs- wirtschoftsminisiers ermöglichte ihr durch die Verschleppung des deutsch -franchsifchen Handelsvertrages und durch die Beibehaltung der unsinnig hohen Eisenzöll« den Abschluß der Internattonalen
Rohstahlgemeinschaft. Bei den kurzlich«, Verhandlungen über die Durchführung der Arbeits zeitverordnung kam der Reichs- arbeitsmimster der Schwerindustrie entgegen, so daß eine Eisen- Preiserhöhung überflüssig war. Die Antwort daraus ist die Ver- letzung des unter der Schutzherrschost des Reichs wirtschoftsminisiers zwischen der e isenerzeugenden und eisenverarbeitenden Industrie ab- geschlostenen Vertrages, ist die Begründung der Preiserhöhung mit den Maßnahmen des A r b e I t s m i n> st e r s l E u r t i u s Und Brauns haben nacheinander dem Moloch der Schwerindustrie die Interessen der eisenverarbeitenden Industrie und die Interessen Arbeiterschost geopfert mit dem Ergebnis, daß dieselbe Schwer- industrie sie jetzt offen brüskiert. Di« Würde und die Autorität der Reichsregierung stehen hier aus dem Spiel. Will man wirklich mit ei, rem resigniert«» „Da kann man nichts machen" die Waffen vor den wortbrüchigen Führern dieser Industrie strecken? Wir haben neulich gezeigt, daß die Reichsregierung Waffen gegen die Schwerindustrie hat. Die Eifenpreiserhöhung entzieht den Eisen zollen ihre Daseinsberechtigung, sie macht den im Dezember gesöllien Schiedsspruch in den Augen aller rechtlich denkenden Menschen un- gültig. Wird die Reichsregierung handeln? Sie hat dem Reichs- wirtschcsttsrat untersagt, sick» im Rahmen seines Gutachtens über die Zollsenkungsaktion auch mit den Ersenzöllen zu befassen. Muß sie nicht jetzt nachträglich noch ein Sondergutachten über die Eisen.zölle anfordern und der deutschen Handelspolitik diesen Klotz von, Bein nehmen, der mit seinem schweren Eisen- gewicht bisher ihren Fortgang gehemmt hat? Falsches Spiel mik Treuhändern. Herr v. Räumer, Mitglied der Reichstagsfraknon der Deutschen Volkspariei und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der eisenverarbeitenden Industrie<Avi) hat seit Iahren an der Per- ständigung zwischen eisenerzeugender und eisenverarbeitender Indu- strie gearbeitet. Die Internationale Rohstahlgemeinschast war nicht zuletzt sein Werk. Er glaubte an die Aufrichtigkeit der Schwerindustrie. Er glaubte so fest an diese, daß er in dem Kamvf um die Arbeitszeit in der Schwerindustrie einer der eifrigsten Sach- walter der Unternehmcrinteressen der Schwerindustrie wurde und ihm das gewiß zweiselhaste Verdienst zukommt, für das Zustande- kommen des den Arbeitgebern günftigen Schiedsspruches in dieser Frag« mit in erster Linie veroittwortlich zu sein. Seine Haltung spiegelte getreu die wenig erfreuliche Haltung der eisen verarbeitenden Industrie in diesem Kamps« überhaupt. Sein« Hilfe l)aben die Montonhenen akzeptiert, um den Preis ihn und die verarbeitende Industrie ober betrogen. Es gefleht ihnen recht, Herrn von Raumer und der eisenverarbeitenden Industrie. Hoffentlich lernen sie daraus, Vertragstreue und Loyalität der Montanherren richtig einzuschätzen. Die Arbeiterschaft hatte die Eiseaverarbeit«? gewarnt. Als vor dreiviertel Iahren der Verein Deutscher Maschinenbau- anstalten seine große Berliner Tagung abhielt, veröfsimtlichten wir einen Artikel:„Die falsche Front des Maschinenbaues*. Wir zeigten, wie dieser große und wirtschaftspolitisch sonst klug beratene und gesdjickt geleitete Verbanb der Schwerindustrie ins Retz gegangen war. wie feine Leitung über der Interessensolidarttät der Arbeitgeber das wirklich wichtige«gene wirtfchaftspolitifche Interesse vernachlässigte. Zu einer Umstellung sst es noch immer nicht zu spät. Die Untreue der Schwerindustrie und ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Interessen der gesamten übrigen Volk»- Wirtschaft, die Unverfrorenheit, mit der sie die Dienste der essen» verarbeitenden Industrie in Anspruch nahm, um ihr jetzt mit einem Fußtritt zu danken, sollten den Herren«in« Lehre sein. Ver- nünftige Wirtschaftspolitik läßt sich in Deutsch - land nur mit der Arbeiterschaft machen: Demi die verarbeitende Industrie das einsieht und den Kampf gegen die Schwerindustrie jetzt mit allen Mitteln wieder aufnimmt, so wird st« die Arbeitesschoft an ihrer Seite finden, vorausgesetzt, daß sie selbst auch den Weg zu den sozialpolitischen Auffassungen findet, die nun eiirnwl in Wahrheit mit einer solchen Wirtschaftspolitik un- löslich verbunden sind. Der Verband rheinisch-westsalischer Eisengroßhändler(der von den Eisenkonzernen abhängig« Werkshandel) hm beschlossen, die E i s« n p r«i se für das rheinisch-westsälisch« In du» st riegebiet vorläufig nicht zu erhöhen. Die Preis- fteigerung tritt also für das übrige Deutschland , wo der Werkshandel ausschlaggebend ist, in Kraft, für Rheinland und Westfalen aber, wo die Konkurrenz belgischen und englischen Essens durch de» freien Handel droht, nicht.— Das bedeutet den offenen Kampf zwischen den Eisenkonzernen und dem freien Handel.
2lM) 000 Berliner suchen Arbeit. Time 0300 ArbeUslose.- Vi« Metallindustrie wieder bester Zum 14. Januar sst eine Vermehrung der in Berlin Arbeit- suchenden um 9300 aus 206 348 ersolgt. Am 15. Januar vorigen Jahres betrug die Zahl der Erwerbslosen in Berlin 283310. Rur knapp 80000 Menschen hat das glänzende Konjunkturjahr 1927 end- giilfig neue Arbeit gegeben. Di« Höchstziffer der vorjährigen Er- wcrblosigkeit wurde am 22. Januar mit 284 600 erreicht. Es liegen Anzeichen dafür vor, daß die diesjährig« Erwerblosigkeit zur gleichen Zeit ihren Höchstpunkt erreicht. Die Zunahme in der vergangenen Woche stammte hauptsächlich aus dcrMöbel-und Nahrun gs- mltteltndu strie, aus dem Baugewerbe und aus der kaufinännischen und technischen Angesielltcnschaft, also in der Hauptsache noch aus Saison- und Weihnachtsgcwerbe. Dogegen nimmt die Kleiderkonsektion, das Spinnftoffgewerbe, zum Teil das Bau- gewerbe für Innenarbeiten wieder Kräste atif, und in der Metallindustrie wächst die Bermitilungstäfigkeit, hört die Freistellung von Arbeitskrästen auf. Die Entwicklung zeigt im Vergleich zum Vorjahr folgendes Bild der Ab- und Zunahme der Erwerbslosigkeit:
Rekordumsah im Konsum. Zum ersten Male weit über fünf Millionen Mark Monotsumsah. Der Dezember gill als derjenige Monat, der wegen der Wefhnachtseintäuse auch für die Berliner KGB die höchsten Monatsumsätz« bringt. Der letzt« Dezembermonot bracht« aber, eine besonder» stocke Umsatzsteigerung, die erneut den Beweis für die stark im Wachse» begriffene Anziehungsknaft der Derbraucherorgani- fatwn erbringt. Es wurde«in Gesamtumsatz von 549 Millionen Mark erzielt: gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 1.21 MU- floue» Marl oder 2W Vroz. Damit sst zum erstenmal auch die Fünfin illionenumiatzgrenz« überschritten. Der Ausstieg seit 1924 ist erftciinltch. Eo wurden erreicht:
die 1. Million..,», »2. 0.•••» ,3. 0«»«» , 4. .9. 0»«»»
Dezember 1911 Oktober 1915 Oktober 1023 Dezember 1926 Dezember 1927
Daß diele Steigerung n,cht nur auf«ine Dermchrung der Mitgliederzahl zurückzuführen ist. sondern auf die stärkere Ausnutzung knr aciwfsenlchcfi'sichen Einrichtungen durch die Mitglieder. zeigt«ne Berechnung der DurchschnittsumiStze je Mit» glied: Im Dezember 192« entfielen auf jedes Mitglied durchschnittlich 29,09 M.. im Dezember 1927 bingegen 37,6.9 M.l Der Mitgliederzugang blieb im Dezember etwas hinter den Aufnahmeziffern der beiden Vormonate zurück, überstieg aber beträchtlich die Ergebwsse der weiter zurückliegenden Monate. 2438 ftan«Haltungen{tuten neu In die Genossenschaft ein. wodurch sich der Mitgliederbestand aus 142949 hob. Di« Sparkasse der KGB erfuhr wieder eine Erhöhung der Spareinloge« um mehr als eine halbe Million Mark. Gegen
1 124 588 M Einzahlungen erfolgten nur 584 726 M. Auszahlungen. Der Einlagel>eftand erhöhte sich so auf 19 561 643 M. 414 4 S p a r kanten,«in« bisher noch nie erreichte Zisser, wurden nett eingerichtet._ Die Generalversammlung de» Chemietruste in Frankfurt hat gestern ihre gesamt« Tagesordnung, darunter die Ausnahme einer Anleihe von 250 Millionen Mark, in z w o n z i g M> n u t e n erledigt. Herr v. Duisberg sagt«, daß sich die I. S.-Fattienindustri« in allen Geschäftszweigen„gut entwickelt und daß sich die Kunstseiden- betrieb« stark ausdehnen. Das war alles. Die 250 Millionen, die auch das Ausland kaufen kann, sind nötig zur Finanzierung des stark gestiegenen Geschäftes und zum Ausbau neuer Produktionen, und zwar insbesondere der Kohleverslüsfiaung. Die in Leuna von Lieseranten erschwindelten Millionen sind natürlich längst bezahlt, weil in den Generalkosten der früheren Abschlüsse schon oerrechnet. Bei dieser Anleih» wird überdies ein interessantes Experiment gemocht. Erstens bekommen die Schuldverschreibun- gen ein« veränderlich« Verzinsung. Sie betrögt mindestens sechs Prozent, soll sich aber aus die Hälft« der Dividende erhöhen, wenn diese mehr ol, 12 Prozent baträg!. Außerdem haben dt« Zeichner bis 1941 dos Recht, für die Hälfte der Obllgatipnslchitld Stamm- oktien der I. G.-Forb«n einzutauschen, wobei der für die Aktien zu zahlend« Prei» von 1928 bi, 1941 zwischen 200 und 100 Prozent gestaffelt wird. Um genügend Stammaktien für dies« Wandelanleihe zur Versügung zu haben, merden die schon setzt be- stehenden 160 Millionen noch nicht begebenen Vorzugsaktien in Stammaktien umgewandelt. Das im Besitz der Derwoltung befindliche Aktienpaket wurde von Duisberg auf rund 100 Millionen angegeben.— Man muß die Eleganz bewundern, mit der hier die riesigsten Geschäste in Bruchteilen einer Stund« erledigt werden. Allerdings, die berühmte Demokratie der Aktio- näre ist, besonders im Ehemietrust, längst flöten gegangen. Di« Oeffentlichteit gar ist vollständig Nebenfach«.
1926 Woche zum 24. 10. „.. 31.10. „.. 7.U. „. 14.11. .„. 21.11. ... 26.11. „ w„ 6. 12. „.. 13.12. ..... 19.12. .„ 25.12. „ 31.12. .. 8. 1. . 15. 1.
1927
— 2 800 — 3 000 — 3000 — 1 400 + 3 600 4- 4 900 + 4 200 4- 7 000 4-11 400 4- 2 600 4- 7 200 4- 8 700 -fi 4 200
1927 Woche zum 22. 10. ...... 29.10. 5.11. ..„ 12.11. . 19.11. „ 26.11, .... 3. 12. .. 10.12. . 17.12. „ 25.12. „ 31.12. .. 7. 1. . 14. 1.
1928
— 320 — 150 — 700 4- 1050 4- 5000 4- 5 800 +18 400 — 7 200 + 9 300 + 8 800 +14 000 + 4 600 + 9 300 Was kommen wird, ist ungewiß. Sicher wird aus das Frühjahr zu die Arbeit wieder stark zunehmen. Wahrscheinlich aber ist muh, daß das Niveau der Beschäftigung, nach anfänglich schnellerem Ansteigen, tnedriger bleiben wird, als im vsrgongencn Jahr. Dazu hat Schachts Politik bei Staat und Kommunen als Auftraggeber viel zu viel Unheil ongerichiet, Per Baumarkt wird schwach sein und die Landwirtschaft muß durch ritte Kreditkrise hindurch. Aus der Arbeiterschaft wird wieder eine große Verantwortung liegen: sie muß schärfer zusammenhälten und sich energischer gewerkschaftlich organisieren als je. Das erreichte Lebens- Niveau muß für alle um jeden Preis verteidigt werden. Darüberhinaus muß für«ine weiter« Verbeise- rung, besonders auch in Berlin , gekämpft werden. Nur die un* entwegt erstrebte und erkämpfte verbesserte Lebensführung der Massen sst und bleibt das Aufwärts auch für die Iirdusirie, wögen unstn* Unternehmer dafür auch noch so wenig Verständnis haben. Es waren 206 348 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getragen gegen 197 073 der Vorwoche. Darunter befanden sich 139309(131 471) männliche und 67 040(65 602) weiblich« Personen. Unterstützung bezogen 139 765(131 513), davon Arbeitslosen Unterstützung 80 249(74 2501 männlich«, und 35982 (34650) weibliche, zusammen 116231(108900). Krisen unter- stützung 17173(16510) männliche und 6362(6103) weibliche, zusammen 23 534(33 6X3) Personen. Außerdem wurden noch 35501 (25 668) Personen durch die Erwerbslosen Hilfe der Stadt Berlin unterstützt. Bei Notstands arbeiten wurden 1228(1058) Personen beschäftigt. Der Vrivatdtstonl liegt jetzt mit 37/» unter 6 Prozent. Damit wäre«ine Senkung des Reichsbrntkdiskonts möglich. Der Großhandrisindex. Die auf den Stichiag des 11. Januar berechnete Großhandelsindexzisser des Statistischen Reichsamts be- trägt gegenüber dem 4. Januar für Agrarstosf« 133,3(134,4). für Kolonialwaren 129,4(130.2), industrielle Rohstoffe und Halbworen 134,3(134,3), für industrielle Fertigwaren 155,8(155,8). Der Gesamt index ftelll sich demnach auf 139,0 gegen 139,4. Die Gcsamtindexzifser ist gegenüber der Vorwoche um 0,3 Proz. zurückgegangen. Ltrompreisseukung eine» ösjenllicheu Elektrizitätswerke». Nicht überall in Deutschland werden die Preise erhöht. Dt« ü f f e n t- l i ch e n Vereinigtcn Ctekirizitätswerke Westfalen setzten ab 1. Ja- nuor die Kilowattstunde Lichtstrom von 42 aus 40, Kraftstrom von 22 aus 20 Pfennig herunter. Bei einem Kleinabnehmertaris soll sich je nach Zahl der abgenommenen Kilowattstunden der Preis von 40 auf 26 Pfennig ermäßigen. Die Vereinigten Elektrizi- tätswerke Westfalen haben allerdings ein sehr gutes Jahr hinter sich: der Stromabsag ist um 35, der Gas- und Wasserabsatz um 24 Proz. gestiegen. Es besteht auch ein großes Ausbauprogromm für 66,5 Millionen Mark. Anders als die Privatwirtschaft aber wird nicht die Konsequenz in einer Preiserhöhung, sondern in einer Preisermäßigung gesucht. 3« 43 Jahren der höchste Umsatz. Die W a nd e r e r- W e r k e A.-G- in Schönau bei Chemnitz , betannt durch ihre Automobil« und Fahrräder, können bei Abschluß des Gsschästsiahrcs 1926/27 auf den höchsten Umsatz seit Bestehen der Gesellschaft. also sefi 42 Iahren, hinweisen. Eine feste Ziffer nennt der Geschäftsbericht vorsichugerweife nicht, doch muß der vorjährts« Umsatz von 22,0 Millionen ganz erheblich übcrtrosfen fein, da bereit« im Februar nach Ablauf der ersten fünf Monate des Geschäfts- jahres fast 12,0 Mill. M. umgesetzt waren. Der Ausschwung der Wanderer-Wcrke datiert aber nicht erst von gestern. Auch in den Iahren 1024 bis 1926. die für die Fahrzeugindustrle in Deutschland sehr schwierig waren, konnte die Gesellschaft, die stch lehr früh auf neue Arbeitsmechoden und Ftießfabrikation umgestellt hatte, ihre Aktionär« mit 12 Proz. Dividende«rsreven, die auch jetzt wieder zur Verteilung kommt. Der für 1926/27 ausgewiesen« Reingewinn halt sick trotz der Aekordumsätze mit 1,83 Mill. M. auf der Höhe des Vorzahres. da für Neubauten und Raiionali- sterungspnecke über 3.1 Millionen im Lauf« des Jahres in die An- jagen gesteckt wurden. Durch die Begebung von 2,7 Millionen Dar- ratsaktien hat fich die Gesellschaft trog der«ms der Konjunktur sich ergebenden finanziellen Ansprüche lehr flüssig aehalten. D i« Belegschaften erhöhten sich von 4500 auf 5300 Mann. Bester«nd bester entwickeln sich die Kurs« der deutschen Anleihen in New Park. Trotz Herrn Schachts kreditschädi- aenden Reden, denn die Ell« der amerikanischen Finanzier» mißt den inneren Wert deutscher Gemeinde- und Staatsanleihen forgsältiaer und besser als der eigentlich dazu berufene Präsident der Reichsbank. Seit dem 1. Dezember sind Gemeinde- und öffentliche Werks- anleihen, soweit sie Ü�prozentig sind, von 95,33 aus 96,63 Prozent gestiegen, soweit sie 7prozentig sind, liegt eine durchschnittliche St«'- gerung von 100,34 auf 101,25 Proz. vor. Dabei ist auch hier wieder die Beobachtung zu machen, daß die Amerikaner deutiche öffentliche Anleihen immer noch höher einschätzen, als die der densschen Privatwirtschaft,