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BERLIN Montag,

27. Februar

Der Abend

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Nr. 98 B 49

45. Jahrgang.

66 Anzeigenpreis: Die einfvaltige Nonpareillezcile

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Speckgeschäfte der Reichswehr !

Phoebus- Lohmann, arbeitet". Die letzten Stunden des Reichstags.

Der große Skandal im Reichswehrministerium, der sich an die Namen Phöbus- Filmgesellschaft und Kapitän Lohmann knüpft, ist eben erst beigelegt, und schon kommt die Nachricht von einem neuen Millionenskandal, in dem wieder die von Kapitän Lohmann geleitete Seetransportabteilung des Reichs­wehrministeriums auf das schlimmste bloßgestellt wird. Neben ihrer Beteiligung an der Baterländischen Filmgesellschaft" hat die geschäftstüchtige Geetransportabteilung noch eine ganze Reihe anderer kaufmännischer und industrieller Geschäfte gemacht, an scheinend zu feinem anderen 3wed, als dabei tüchtig Geld zu ver dienen. In der Praris liefen die Dinge allerdings immer ganz anders, als es sich die Marineoffiziere vorgestellt hatten. Anstatt auch nur die geringsten Erträgnisse abzumerfen, verbrauchten die Unternehmungen dank der fachmännischen" Leitung der Kapitäne und dank der eifrigen Mitarbeit mehr oder weniger sauberer Geschäftstumpane Hunderttausende und Millionen aus den Mitteln, die der Reichstag dem Reichswehrministerium zu ganz anderen Zweden bewilligt hatte. In der neuen

Spedaffäre des Reichswehrminifteriums handelte es fich darum, daß zunächst einer Bichkommiffionsfirma in Berlin ein paar hunderttausend Mart Reichswehrgelder in die Hand gedrückt wurden, mit der Anweisung, mun tüchtia zu ver­dienen und die Geetransportabteilung am Gewinne zu beteiligen. Natürlich ging die Geschichte schief, die Hunderttausende verleiteten den Inhaber zu gewagten Spekulationen und zu hohen Ausgaben, so daß die Seetransportabteilung eines schönen Tages den Entschluß faßte, um nicht alles verloren zu geben, lieber den Betrieb in eigene Regie zu übernehmen. Es murde also mit einem an sich recht ge. ringen Kapital eine Attiengesellschaft gegründet, die offiziell nicht auf den Nanien des Wehrministeriums lief, sondern von Stroh­männern gehalten wurde.

Diese Gesellschaft, die nach dänischem Muster eine Schweine großschlächterei aufbauen sollte, um den so gewonnenen Sped( englisch bacon, sprich behen) nach dem größten europäischen Markt, also nach England, zu exportieren, erhielt den Namen Berliner Bacon Compagny. Auf einem gepachteten Terrain in Wittenberg wurde nun frisch darauf los gebaut: eine große Baconfabrik und daneben noch fleine Wurstfabrik. Weit über eine Million Mart hat man aus den Mitteln des Reichswehrministeriums in dieses Geschäft hineingesteckt. Aber als dos Wert mun fertig war, und die ersten Schlachtungen vor= genommen wurden, zeigte es sich, daß von Gewinnen gar nicht die Rede sein konnte, und daß man, wenn nicht dauernd neue Gelder zur Förderung des Englanderportes gegeben würden, das gesamte bisher ausgegebene

Geld einfach ohne den geringsten Nutzen vertan märe. Die Seetransportabteilung" hat in diesem Augenblick freilich fich nicht mehr die Mühe geben brauchen, nach einem Ausweg aus der so verfahrenen Situation zu suchen. Denn mittlerweile war schon der große Phobus Krach gefommen, und danach blieb

Neuer Wahlsieg in Braunschweig .

Berichte auf der 2. Seite.

Zu den großen Empfangsfeierlichkeiten für den asiatisch en Emir gehörte auch eine Truppenübung auf dem Döberitzer Felde. Dabei hat man auch ,, Nebelpatronen" gebraucht, um eine kriegsmäßige Einnebelung zu markieren. Durch diese Nebelpatronen wurde jedoch die Heide in Brand gesetzt, so daß ein Teil der mano­vrierenden Truppen gemeinsam mit Arbeitern erst den Brand eindämmen und löschen mußten.

Berliner Werkzeugmacher im Streif

Neue Aussperrungsgefahr für 250 000 Arbeiter und Arbeiterinnen.

gruppe bar. Wie werden die Werzengmacher bezahlt?

Der Durchschnittsstundenverdienst in Groß- Berlin beträgt im Attord 1,26 M. Das ist für die Arbeit der Werkzeugmacher hier in Berlin teine ausreichende Bezahlung.

Heute früh find 1000 Werkzeugmacher im Einverständnis mit| der Berliner Metallindustrie die best qualifizierte Arbeiters dem Deutschen Metallarbeiterverband nicht zur Arbeit ge­gangen, sondern in den Streit eingetreten. Außer in einem Teil der Spezialbetriebe werden vor allem Betriebe von Siemens, mig u. Geneft und Corenz von den Werkzeugmachern bestreift. bliebig ihr nichts anderes zu tun übrig, als die Geschäfte in irgendeiner Formabzustoßen.

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Schiele will fanieren.

kennzeichnend für das Verhalten des Berbandes Berliner Die zeitlich lange Borgeschichte diefes Kampfes ist überaus Metallindustrieller, der in lohnpolitischer Beziehung auch im Ge famtverband der Metallindustriellen die erste Geige fpielt. In der Berliner Metallindustrie besteht kein Zarifvertrag mehr, weil besonders der BBMI. Gegner eines Tarifabschlusses ift, zwar nicht prinzipiell", aber doch tatsächlich.

wenigstens einen Cohntarifvertrag abzuschließen.

Für die Berliner Bacon Compagny hat sie denn auch binnen furzem einen neuen Interessenten gefunden, nämlich Herrn Schiele, der sich bereit erklärte, die pleite Firma zu übernehmen und sie als die Zentralftelle seiner geplanten großen Sanierungs- bandes ist nun seit über einem Jahre bemüht gewefen, Die Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterver­aktion auf dem Biehmarkt auszubauen. Nach dem Not. programm Schieles stehen ja 30 Millionen für diesen 3wed zur Verfügung, während weitere 30 Millionen als Fonds für die Behebung der gegenwärtigen außerordentliche Notstände der Land­wirtschaft" gegeben werden sollen, aus denen noch weitere Summen für die geplante Stükung der Viehpreise gegeben werden können. Mit diesen Mitteln, die also aus den Steuern des gesamten Boltes ftammen, will Schiele

dem englischen Arbeiter einen möglichst billigen Sped fiefern der deutsche Arbeiter aber, dessen Steuern das ganze Geschäft erst ermöglichen, soll sein Schweinefleisch höher bezahlen müssen! Freilich find diese famojen Pläne noch längst nicht unter Dach und Fach, denn der sterbende Reichstag muß dazu erst noch feine Einwilligung geben.( Fortsetzung auf der 2. Seite.)

Die führenden Unternehmer erklärten jeboch, die Ver hältnisse in der Berliner Metallindustrie seien so ber schiedenartig, daß es nicht möglich oder doch nicht wünschenswert sei, einen einheitlichen Lohntarif fest. zusehen.

Kurz, der Verband der Berliner Metallindustriellen ist nicht prinzipieller Gegner von Tarifverträgen, allein er will feinen einheitlichen Lohnt arif abschließen und Gruppenlohu­tarife erst recht nicht.

Nach der Inflationszeit erklärten die Unternehmerverbände, der gelernte, qualifizierte Arbeiter müsse mit seinem Lohneinkommen herausgehoben werden. Nun, die Werkzeugmacher stellen in

Seit Monaten verhandelt der Metallarbeiterverband über die arbeit und Festsetzung der Stundenlöhne von 1,10 m. bis Forderung der Werkzeugmacher auf Abschaffung der Afford 1,50 M. Der Schlichtungsausschuß hat sich ebenfalls mit diesem Lohnstreit beschäftigt und, da die Unternehmer nicht das geringfte Entgegenkommen zeigten, dem Metallarbeiterverband emp­fohlen, in den einzelnen Betrieben über die Forderungen zu verhandeln. Die Forderungen wurden denn auch in den einzelnen Betrieben geltend gemacht mit dem Erfolg, daß

wie auf Kommando nicht ein einziger Betrieb irgend ein Zugeständnis machte!

Nach diefem fruchtlofen Ergebnis der Verhandlungen in den einzelnen Betrieben brachte der Metallarbeiterverband den Streit wieder vor den Schlichtungsausschus. Der Schlichtungsausschus Schiedsspruch fann nicht gefällt werden, da die Unternehmer aber mußte erklären, daß hier seine Kunst zu Ende ift. Ein feinen Gruppentarif mollen. Es blieb also den Werkzeug machern fein anderer Weg als der der Arbeitseinstellung. Sie haben den Streit vor vier Wochen mit großer Mehrheit be fchloffen und dennoch mit der Arbeitseinstellung bis heute gewartet, um den Kampf in Mitteldeutschland nicht zu komplizieren.

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Sollte es nicht in letzter Stunde gelingen, den Streif auf fried. lichem Wege beizulegen mogu nach allem fo gut wie feine Aussicht ist, dann droht den Berliner Metallarbeitern ein Riesenkampf von außergewöhnlichem Umfang und außergewöhnlicher Schärfe.