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BERLIN Dienstag,

28. Februar

Der Abend

Erscheint täglich außer Sonntags.

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Notschrei einer Mutter!

Wilhelms Lindentunnel verschwindet inter den Kulissen des Putsches

PER

-

Die heute von uns veröffentlichten Wikinger - Briefe geben ein aufschlußreiches Bild aus dem seelischen" Innen­leben Ehrhardts und seiner Leute, wenn das Wort Seele nicht eine Blasphemie angesichts dieses Roheitsgrades dar­stellt. Eine gramgebeugte Mutter, die ihre Söhne für die Butsch- und Attentatspläne der D. C. geopfert hat, wendet sich an den Chef um eine Hilfeleistung Stellung eines Verteidigers, die in allen politischen Parteien selbstver­ständliche Pflicht der Organisation ist. Herzlos und taltichnäuzig wird sie von Ehrhardt abge= wiesen, der trotz seiner Vermählung mit der Prinzessin Hohenlohe für solche Zwede tein Geld zu befizen behauptet. Ernst v. Salomon, um den es sich hier handelt, war einer der Helfer beim Rathenau­Morde und an dem versuchten Fememord in Bad Nauheim beteiligt. Ehrhardts einzige Sorge geht dahin, daß v. Salo­mon nicht etwa einen Berteidiger erhält, der die Hinter­gründe der D. C. und der Morde im Interesse seines Klienten vor Gericht aufdeckt!

Der Brief einer enttäuschten Mutter.

Frankfurt a. M., 10. Februar 1927.

Herrn Kapitän Ehrhardt!

Durch Herrn Liedig.

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Bon dem berühmten" Linden Tunnel, der vor dem| auf Wilhelms II. Kommandowort Nicht drüber weg, sondern Kriege auf Befehl Seiner Majestät" gebaut werden mußte und noch während des Krieges in Betrieb genommen wurde, wird jetzt der westiiche 3 weig unter dem Opernplatz als überflüssig wieder zugeschüttet. Das stolze Wert", das

unten durch!" entstanden war und den nach Berlin fommenden Fremden als ein Denkmal unserer Zeiten Schande" galt, hat eine runde Million Mart gefoftet, was nach damaligen Begriffen eine ganz nette Stange Gold war.in

Die 35 Toten von Moriago.

Das Maffenunglück im italienischen Kino.

11 hay silled

Magdeburg .

Otto- v.- Gueride- Str. 58 bei Baldamus.

Sehr geehrter Herr Kapitän!

Als eine Frau, die von der Politit sich immer fernhielt, die aber ihre drei Söhne einen nach dem anderen gehen ließ, weil ihr Herz ihnen befahl, sich dem Dienst für das Vaterland zu widmen, wende ich mich heute an Sie,

um mir Gewißheit zu verschaffen, ob die Sache, für die mein Sohn Ernst sein Lebensglüd opferte, dieses Opfer wert gwesen ist. ,, Die Treue ist das Marf der Ehre" schreiben Sie in einem Flugblatt, welches die Ziele der durch Ihren Namen gedeckten Be= strebungen erläutert. Mein Sohn Ernst, mit glühender Hingabe strebungen erläutert. einst der Idee der Brigade Ehrhardt zugetan, fist seit fünf Jahren im Zuchthaus. Sie wissen felbst und aus eigener Er­fahrung zu gut, welch furchtbares Leiden in diesen Worten Fünf Jahre Zuchthaus" liegt. Mein Sohn ist Idealist, ihm hat sich hinter den Zuchthausmauern die Welt mit einem seiner früheren Kameraden verklärt, und er sieht manches in einem Scheine, der mir, als einer Frau, die in den letzten Jahren mit den Augen der Wirklichkeit sah, doch stark verblaßt erscheint. Der Bund, dem sich mein Sohn Ernft damals verschrieb, und der die

fönenden Worte von Kameradschaft und Teeue

so por sich herirug, ist heute drauf und dran, meinem Sohn das Lezte zu zerstören, was ihn noch aufrechterhält. Ich möchte Ihnen

Die Kinobrandkatastrophe von Moriago an der Piave peija Mafalda", haben auch hier die Aufsichtsbehörden des nur einiges zu bedenken geben: ift nach den vorliegenden Meldungen viel entfehlicher, als Muffolinischen Ordnungsstaates volltommen verjagt. man anfangs annahm.

In dem kleinen italienischen Dertchen befand sich nur dieses eine kino, das in einer Weise angelegt war, die zu den schwersten Borwürfen gegen die Aufsichtsbehörden berechtigt: man mußte eine Treppe hochsteigen, unten befand sich ein Heu­speicher, alles, felbft der Vorführungsraum, war aus Holz, und im Лu ffand

das ganze Gebäude in Flammen. Besonders unglaublich ist es, daß sich die einzige Tür des Raumes nach innen öffnete und so bei dem furchtbaren Drängen die fläch. tenden Besucher förmlich eingetertert waren. Nach langem Mühen glüdte es einigen beherzten Männern, eines der ver­gitterten Fenster zu zerstören, worauf ein Teil des Publikums Gus dem Fenffer sprang, um mit mehr oder minder schweren Ber­lehungen fich ins Freie zu reffen.

Die Toten, 35 an der Zahl, find völlig verkohlt und verstümmelt; mehr als 50 Berlehte find zu verzeichnen. Ganz Moriaga frauert; ist doch fast teine Famille von dem entfehlichen Unglüd ver­fhent geblieben! Bis zum Morgen dauerte der Brand, und ver­zweifelte Mütter, die ihre Kinder fuchten, mußten mit Gewalt ver­hindert werden, in die Flammen zu stürzen. In den frühen Morgenstunden fiel das Gebäude zusammen, und nun erft fonnte die Feuerwehr den Brand endgültig löschen.

Wie bei der furchtbaren Schiffstatastrophe der Princt.

Neue Schiffsfatastrophe.

Kopenhagen , 28. Februar.

Wie aus Reifjavif gemeldet wird, ist der isländische Dampfer Jon Forseti an der isländischen Küfte gestrandet. In­folge der gewaltigen Brandung war eine Rettungsaktion ausge­fchloffen. Die Hälfte der Besatzung wurde vom Seegang über Bord gespült, wobei 13 Mann ertranten. Nach vielem Bemühen gelang es, neun Mann zu reffen. Drei Leute befinden sich noch an Bord und fönnen vermutlich nicht geborgen werden.

Kampf der Werkzeugmacher.

Die Unternehmer beraten noch.

Die Lage im Streit der Berliner Werkzeugmacher hat sich bisher nicht wesentlich verändert. Es sind heute noch etwa 100 Werkzeugmacher aus einigen Svezial betrieben in die Bewegung einbezogen worden, so daß surzeit etwa 1100 Werkzeugmacher im Kampfe stehen.

Ueber die Beschlüsse der Unternehmer vom Ver band Berliner Metallindustrieller, die heute vormittag zu dem Streik Stellung nehmen, ist ebenfalls noch nichts bekannt geworden. Ob die Bewegung einen größeren Umfang annehmen wird, hängt ganz von der Haltung der Unternehmer ab.

mein Sohn hat niemals von Ihnen oder Ihrem Bund oder einem seiner früheren Kameraden auch nur ein Lebenszeichen, ge­schweige denn eine filfe erfahren.

Auf die Bitte seiner Braut, eine geringe Summe für eine un= umgängliche Zahnbehandlung zur Verfügung zu stellen, erhielt sie von Ihrem Bureau in München die Antwort,

daß für solche Zwede kein Geld da jei. Das war das einzige Mal, daß der Bund sich überhaupt

äußerte.

Ich weiß sehr wohl, als Gattin eines der bedeutendsten Krimi­nalisten, inwieweit mein Sohn schuldig ist, der keine Geheimnisse vor seiner Mutter hatte;

ich kenne aber auch die fieferen Gründe und die Persenen, welche die eigentliche Schuld, die fitiliche, vor ihrem Gewiffen zu sor­antworten und zu tragen haben.

Seit einem halben Jahre schwebt gegen meinen Sohn Ernst ein neues Berfahren in einer Angelegenheit, welche Sie kennen. ( Nauheimer Mordversuch. Red. d. B.) Die Erledigung des Ver­fahrens, der Erfolg eines Prozesses, hängt von den Möglichkeiten der Gestellung eines guten Anwaltes ab. Cines Anwaltes, der nicht nur die Sache meines Sohnes so nebenher führte, der nicht nur am Berhandlungstag feine Klischeeplädoyers führte, sondern der feelisch Anteil nimmt am Schifal meines Sohnes, um den es sich hier handelt, der meinen Sohn besuchte, furz, der inneren Anteil an feinem Klienten hat. Ein solcher Anwalt, toftet Geld, das ich aus meinen Privatmitteln nicht auftreiben fann. So habe ich mich vor geraumer Zeit einmal an Herrn v. Fichte in Kassel gewandt, der mir aber mit höflichen nichtsfagenden Worten atwortete. Heute schreibe