1 Unterhaltung unö �Vissen Jtz*.
Des Orients erste Kinderrepublik.
Von Erich Sottgeireu.
Die arabischen Dörfer kleben anden Bergen Galilea» wie Bogel - uester: man steht sie nur aus der Nähe. Es war für ei» paar von ihnen ein« kleine Resolution, als dann plötzlich dieses S o a r D e l a» d i m mitten in» Land gesetzt wurde mit seinen roten Dächern,«uro- päischen Bauformen, sauberen Ställen, Gemüsegärten, Blumen, fett- samen Bewohnern.... Das waren Kinder. Waisen. Ei» grauenhafter Tod hat ihnen in der lltraine die Eltern genommen: Da» Judenpogrom. Der Heimatlosen neues Heim auf palästinensischem Boden wurde darauf- hin mit Geld erbaut, da» aus Südafrika kam. Was machen st« hier. Eine Republik . Ein« Sinderrepubük. Sicher ist es die erste und einzige im Orient, der von chrer Existenz noch gar nicht weiter Notiz genominen hat, was ihr nur gut tut: Die Ferne jeder großen Stadt und di«. Besonderheit der ganze» Jnsti- tution verhindert eine Reklame, die noch nie genützt hat: ma» kennt sowas von zu Haus«. Hier haben sie also nur die Araber. In Reu« gier presien sie die braunen Gesichter an den Zaun, und einmal sind auf Kamelen die Würdigste» der Fellachen selbst gekommen, um zu fragen, ob sie ihre Kinder nicht hier gleich miterziehen lassen könnten. Der Dorschlag kann unmöglich Erfüllung finde«. Koar D«lad im würde, mit anderen Menschen besetzt, seines Inhalt» vollkommen be- raubt werden, seines Inhalt», für den die gewählte Form von S Pugatfchosf, einem berühmten russischen Pädagoge», gegosieu wurde. Die Form sieht f» an»: Hundert Kinver wohnen hier, lernen hier, arbeiten hier in allen Zweigen der Landwirtschast, di« dem Werk eingegliedert ist— es gibt sich das alles aber nicht so zufällig und von ungefähr, denn Palästina oder wenigsten» die Emek-Land- schuft soll den Kindern die Heimat werden, die sie nicht niehr hoben: ein internationales, pazifistisches Erziehungsideal ist national basiert, vermutlich richtig basiert... und ganz«utsprechend Ningt di« Der« fassung, au» der ein paar Sätze herausgegriffen seien: 1. Kvar Velabim ist ein Dorf von Kindern. Jungen und Mädchen, die hier ein gemeinsames Leben der Arbeit und der Kultur führen. Die Bürger des Dorfes gründen alle ihre Handlungen auf die Basis sozialer Gerechtigkeit und vollkommener Gleichberechti- gung.— 2. Di« Bewohner de« Dorfes setzen sich zum Ziel da« Ge- deihen von Kvar Pelodim durch gewissenhafte und intensive Arbeit.—- 3. Pflichten und Rechte der Bürger: ,) Jeder der Einwohner von Kvar Peladim ist verantwortlich für da«, wa« im Dorf geschieht. Er hat mitzuarbeiten. b> Bollkommene Kenntnis der Landwirt- schaft, auch ihre Theorie, wird gelehrt und muß gelernt werden. c) Jeder mutz sorgfältig über das allgemein« Vermögen wachen. <5) Jeder Bürger ist verpflichtet, an dem elementaren Unterricht teil- zunehmen, der die Voraussetzungen schafft zum Aufbau eine« kustu- rellen Lebens. Das heißt, daß auch die Schule eise grotze Rolls spielt: sie ist
nicht mechanisch, schematisch, sondern, um die jeweiligen jahreszei»- liehen Interessensphären kreisend, an da» Ratur» und Bauernleben angegliedert— wie es die modern« Pädagogik erfordert. Datz ma» den Schulzwang in die Verfassung aufnimmt, gewinnt insofern eine gewiss« symbolisch«, auch kurjose Bedeutung, al» heute in Palästina dar Schulunterricht noch gar nicht obligatorisch ist— nicht anzunehmen, datz von den Zehntoufenden von jüdischen Familien, die in den letzten Jahren hier eingewandert sind, auch nur eine einzig« ih« Kinder wcht in die Schule schickt... Do» ganze Dorf wählt alle drei Monate eine Art Exekutivkomitee mft steben Mitgliedern. Diese» Komitee führt di« inneren Geschäft«. So wacht der eine Junge über die»öffentliche Ordnung", der andere über die.Dolksgesuirdheft".«in Mädchen über die.Dolkswohlfahrt", ein andere» über die Verwaltung der Finanzen. Die»Regierung" organisiert fernerhin die Arbeit, die ja w genügendem Matze oer- schafft wird von einer Domäne, welch» tausend Dunam umfaßt— da» find neunhunderttausend Quadratmeter— und die hundert Kinder und auch noch ein paar Erwachsene ernähren soll. Wenn drei Monate abgelaufen find, mutz der Rat der Sieben öffentlich Rechnung oblegen, auf di« Kritik der anderen antworten, sich über« Haupt verantworten. Verantwortung. Selbstverantwortung— das ist das Wesentliche. Die Kinder haben zum Beispiel auch«in Gericht. Pugatschoff ist Präsident, aber Klage, Gegenrede. Verteidigung ist Sache der Kinder, denn es geht so immer nur um die eigene Sache; es zeigt sich da, datz die Kinder dann, wenn sie sich als Glieder eines Lollekti- vum» fühlen, durchaus nicht grausam sind(noch nie wurde eine »Strafe" von diesem Gericht verhängt): sie haben ja mit Macht und Grausamkeit keine Minderwertigkeitsgefühle zu verdrängen. Gebt Kindern Autonomie nur in der Schule— es ist ein« probte- matische Sache! Hier, wo sie alles haben, selbst Sorgen, wenn auch nicht di« allerernstesten, hier, wo sich von morgens bis abends alle» in Totalität des gleichen Werkes fügt, ist es eine gute und richtig«— wenn auch keine neue: schlietzlich hat schon zu Beginn des neun- zehnten Jahrhundert» Thomas Arnold, ein Engländer, die Methode des Schulstaats gefordert, und schlietzlich«st der seitdem in Amerika . England, Deutschland und Sowjetrutzland auch öfter» verwirklicht worden, kaum allerding» jemals im Orient. Dafür wurzeln die Kinder von Kvar Peladim nun vollkommen im Heut« Sie geben sogar ein« vierzehntägig erscheinende eigene Zeitung heraus, fünf Jungen und Mädchen redigieren ste selbst. Begabte illvltrieren. Di« neun'ehn ersten Nummern fanden vier- undsechzig Mitarbeiter. Die Blätter sind von einer rührende» Naivttät und, ohne an«iner einzigen Stelle weichlich oder kitschig zu sein, von der stillen Trotze guter Herzen. Es gibt keine schönere Zeitung. Ts gibt kein» schönere Republik .
Erinnerung. Don Hans Kranck. (Schluß.) Dez Soldat lehnte fein Gewehr neben der Tür an die Innen- feit« des Kapellengitters und trat vor in« kniende Frau hm Die sah ihn nicht. Der Soldat rief die Kniende halblaut an. Sie blickt« vei�tändmslos auf. Der Soldat machte mft dem Kopf zur offenen Tür hin nicht mitzzuoerftehend« Bewegungen. Di« Frau schüttelt« verneinend ihr schwerzumwolktes Haupt. Der Soldat bedeutet« ihr: Er müsse das Buch auf dem Betpult umwenden. Eine Seite weiter. Solange hätte sie die Sankt Michael»Kap«0« zu verlassen! nachher könne sie von neuem vor dem Betpult niederknien. Könne den ganzen Tag lang beten. Wenn es dann noch nicht genug gebetet fei, seinetwegen auch die ganz« Nacht lang. Bis zum nächsten Margen 8 Uhr, wenn wieder das Buch eine Lette weftergewetidet werden müsse. Heute aber habe er den Befehl dazu erhalten. Der- vünftig fein und solang«— zwei, drei Minuten nur!— di« Sankt Michaels-Kapell« zu verlasse«!.�lm-wenden?" rief di« Frau. Hob ihre gefalteten Hände himmelan. Ließ sie gelobend niederfallen. Mitten auf d» nach mühsamem Suchen von ihr gefunden« Seit«. Dorthin, wo geschrieben stand:»Ralph Mulvany. geboren am ?0, Juli 1889 zu Wye. Bezirk Canterbury : gefallen am 20. Oktober 1914 zu Langemark in Belgien ." Da die stumme Antwort der knienden Frau keine Mtzdeutung zuließ, packt« der Soldat sie beim Arm, und zerrt« die mit allen Kräften widerstrebende aus der Sankt Michaels-Kapell«. Dann ver- richtet« er seinen Dienst. Nicht völlig nach der Borschrift Weil die Turmuhr schon geschlagen hafte, ging er nicht aus die Schwell« zurück, mn zu präsentieren. Er begab sich vielmehr unoermittelt zu dem Gedenkbuch mft den sechstausendsünshundertundeinundzivanzig Namen. Wandt« die aufgeschlagen« Seite um. Schrieb die Nummer der neuen Seit« auf ein schwarzgeränderte» Dienstblatt, da» dem Ad- gesandten des Kent-Regimentes mit dem silberbeschlagenen Kom- mandostad zugleich allmvrgendlich ausgehändigt wurde. Berlietz die Sankt Michaels-Lopelle. Vergaß auch nicht, die Gittertür zu oer- schließen, den Schlüssel abzuziehen und einzustecken. Als der Soldat wenige Schritte durch das Dunket des Seiten- schiffe» der Kathedrale gegangen war. stieß sein Fuß an ein Hinder- nis. Ein Schrecklaut entfuhr ihm. Auf den Steinfliefen lag ein Mensch. Eine Frau. Er bückte sich nieder. Cs war die aus der Sankt Micha«ls-Kopelle Hinausgeworfen«. Der Soldat lief zum Satriftan und berichtete ihm da» Borge- fallen«.»Tot?" fragte der Airchendiener. Da, habe er nicht fest- gestellt, antwortet« der Soldat betroffen. Doch glaub« er es wohl. Der Satriftan eilt« m die Kapelle. Segen seine ursprünglich« Ab- ficht folgt« ihm der Soldat. Aber di« Frau atmete. Der Soldat straffte sich, händigte dem Domdiener den Kapellen- fchlüssei au» und überließ ihm die Fürsorge für die Zusammen, gebrochen«. Sobald die schwarzgekleidete Frau wieder zum Bewußtsein ge- kommen war, wollt« fi»— mn eine« Namen» willen— zu dem Buch mft den mehr al« sechstausend Namen zurückkehren. Aber der Satriftan war weder durch gute Worte noch durch Geld zu be- wegen, da» Gitter von neuem auszuschließen. So mutzt« die Ab- gewiesen«»och am 20. Oktober von Canterbury nach Wye zurück- wandern., Al» der Soldat dem Kommandeur de» Sent-Regftnents rapportiert«. datz der ihm erteilte Befehl ausgeführt und das Buch in der Sank» Michoets-Kapelle ordnungsgemäß eine Seite wettergewendet fei, schrie der ihn an:»Lügeil" und bewies die Unwahrheft des Rapporte» durch di« Seitevnummer auf dem Melde blatt des vorher- gehenden Tage». Dem Soldaten blieb nur übng, den Zqiischenfall am Betpult zu gestehen. Der Kommandeur legte Gala an. Begab sich in di« Sankt i Richaels-Kapelle. Senkt« vor dem Buch mit den sechstausendfünf- ' hundertundeinundzwanzig Namen der Gefallenen des Kent- Regiment», zur Sühne für da« an ihm begangene Unrecht, den Degen. Wandt« höchst eigenhändig sein« Blätter um. Bis endlich die recht« Seite zutage lag. Dann begab sich der Kommandeur zu dem Erzbsschof. Und es wurde vereinbart, datz— zur ungestörten Durchführung de» Erin nerungsdienstes der täglichen Blatt wendung j— künftighm das Gitter der Sankt Michaels-Kapell«— außer den Dienern der Kirche— nur noch den legitimierten Abgesandten des i Keift-Regiments sich öffnen soll«; datz indessen den Angehörigen der ' Gefallenen, bannt sie den berechtigten Bedürfnissen ihre» Herzens Genüge tu» könnten, vor dem Gitter der Sankt Michaels-Kapelle ausreichend« Selegenheft geschaffen werden müsse, beguem und säuberlich zum Gebet niederzuknien. So ist denn fett Iahren schon die Urnwendung der Blätter des Gsdentbuche» in der Sankt Michaels-Kapelle zu Canterbury nach jener Weis«, von welcher zahlreiche Zeitungen mit Ergriffenheit berichteten. Morgen für Morgen ohne Störung verlaufen, wird weiterhin— nun längst nicht mehr um der Tönung de« licht- empfindlichen Pergament», sondern um der Erinnerung willen ohne Störung ihren Fortgang nehmen. Jene kümmerlich gekleidet« Frau, welche den sinnvollen Er- innerungsdienst am Morgen des 20. Oktober 1919 gefährdete, weil ste nicht cm ein kostbar«» Buch, sondern nur an einen Menschen dachte, jene Mutter, die sich nicht an die sechstausendsünshundertund- einundzwanzig Gefallenen de» Kent-Regdnent erinnerte, sondern nur an den Sechstausendfünfhundertundeinundzwanzigsten, der ihr Sohn war, hat ihr Dergehen nicht wiederholen können. Sie ist am Abend des 20. Oktober 1919, eine halbe Stund« Weges vor Wy«, im Strahengraben gestorben._ Tuberkulose- und Krebssterblichkeit. Ia ihren Beziehungen zur sozial« Lage. Dou Dr. ltantorowitsch. Di« von einigen Hyaienitern(Grotjahn, Prinzing, Telety u. a.) schon früher hervoraehabene und von Dr. Georg Wolff neuerding» itatisiisch bewiesene Tatsach«, datz mtt der zunehmenden Industriali - fierung und der damit vorbandenen Erhöhung de» durchschnittlichen Wohlsrandes di« Tuberkulofesterblichkeit sinkt, wird von vielen Theo- retikern der Medizin damit erklärt, datz die dichtwohnende Industrie- bevölkerung mtt Tuberkulose durchseucht und deshalb gegen häufiger« Erkrankung immunisiert wird. Zum Teil ist das richtig. Aber nur zum Teil; denn ander« aenau« Untersuchungen haben z B. ergeben. daß innerhalb der Großstädte, in Berlin , in London , in Paris , die Tubei-kulo'esterdlichkett in den Quartieren der dicht wohnenden Bevölkerung erheblich größer ist. als i» de» wohlhabende»
Bezirken. Dies« letzte Tatsache zeigt also, daß der Durchseuchung»- faktor al» biologischer Schutz gegenüber dem Wohlstandsfaktor stark zurücktritt. Dr. Georg Wolff ist es vor kurzem gelungen, durch s«hr sorg. fällig« m athematiscl,-statistische Berechnungen, über deren Ergebnisse er in der„Klinischen Wochenschrift" berichtet, die Abhängigkei: zwischen Wohnungsüberfüllung und Tuberkulosesterblich. kell im oben angedeuteten Sinne nachzuweisen: hingegen fand Dr. Wolff, datz zwischen Krebs st erblichteit und Wohnungsüber- jüllung nur eine unerhebliche Abhängigkeft besteht. Es ergab sich sogar mehrmals: je überfüllt«? die Wohnungen, um so gennger die Krebssterblichkeit oder umgekehrt. Verfolgen wir diese Erkenntnis logisch weiter, so mutz ein« Abhängigkeit auch zwischen Krebs und Tuberkulose vorhanden sein. Und diese besteht in der Tat insofern, als mit der silikenden Tuberkulosesterblichkeft di« Krebssterblichkeit steigt. Diese lepte Abhängigkeit ist wohl darauf zurückzuführen, datz der Krebs meist bei Menschen in höherem Alter vorkommt. Dank der erfolgreichen Bekämpfung der Tuberkulose ist es gelungen, die Lebensdauer de» Menschen wesentlich zu verlängern: es ist daher an- zunehmen, datz die Steigerung der Krebssterblichkeit durch die Ver» änderung der mittleren Lebensdauer zu erklären ist. da hierdurch ein I miner orötzerer Teil der Lebenden in dos»Krebsalter" gelangt. Durch die Wolffsch« Arbelt ist also die Bedeutung der Verseuchung al» primäre Ursache für die Abnahm« der Tuberkulosesterblichkeit verneint, hingegen die hohe Bedeutung der sozialen Lag« in den Vordergrund gerückt werden. Dadurch hat sich Dr. Wolfs nicht nur um die Medizin, sondern auch um die Sozialpolitik orotze Verdienste erworben. Für die Krebssterblichkeit lieh sich freilich«in ähnlicher Einfluß der sozialen Lage nicht nachweisen.
Merkwürdige Gieueru. Boa Ernst Edgar Ztelmtrde«. Zwar ist z» allen Zetten. was die Erfindung von Steuern an- belangt, allerhand geleistet worden, die Türke« aber darf den zweifelhaften Ruhm für sich tn Anspruch nehmen, auf der Such« nach neuen Einnahmequellen auf eine ebenso ungewöhnliche, wie geschmacklose Idee oersallen zu sein: die Besteuerung der Gesund- Heft! Demnach müssen alle türkischen Staatsbürger, welche sich einer guten Gesundheit erfreuen, eine Sondersteuer entrichten. Wa» ist dagegen Mussolini mft seiner neueingeführten Junggesellen- steuerl— Schon im alten römischen Reich entsafteten die Herrfcher eine blühende Phantasie, wenn es sich um die Erfindung neuer Steuert« handefte. Kasser Vespasian(ö— 79 n. Chr.) besteuert« sogar die Kloaken. At» sein ältester Sohn Titus ihm deswegen Vorwürfe macht«, wies er ihn, indem er ihm einige au» der Abgab« herstammende Geldstücke hinhiell, mit dem berühmt gewordenen Ausspruch zurück:»X'on ölet*(Es riecht nicht). Um dem Unmut über neue Steuern Ausdruck zu verleihen, pflegt man zu sagen. nur noch da» Einatmen der Lust sei steuerfrei. Dabei wissen di« wenigsten Menschen, daß es schon einmal eine Lusssteuer gegeben hat. Michael FV» der Tapblagonier, der vormalig« Kammerdiener Romanos III den er im Bade erdrosselt hatte, war der Erfrnder dieser merkwürdigen Abgab«: Für das Vergnügen, in seinem Reiche atmen zu dürfen, mutzten sein« Untertonen ein.reatixs! ,erum" entrichten.— Eine Kopfsteuer hat es bereit» bei den Franken gegeben. In Schweden hieß sie Nasensteuer und sie soll der Dnlingasag« nach vom Göttervater Odin selbst eingeführt worden sein. Vermutlich handcft es sich dabei um eine Tempelsteuer, b. h. einen Beitrag zum Unterhaft der Opfer.— Am Ende de» 13. Jahr» Hunderts erhoben di« Herzöge von Bayern infolg« der ständig zu- nehmenden Hofhalwngskoften und der vielen Kriege sog. Rod- steuern vom Ertrag de» Getveide« und auf den Besitz von Biel ». Für an Pferd od« einen Zugochse» wurden 23k für ei» Stink 15
und für ein Stück Schmolvieh 5 Pf. erhoben. Der Kleru, lehnt» sich gegen diese Steuer auf und drohte mft Bann und Interdikt Auch Adel und Städte erlangten manchmal durch Drohung Be- freiung vou ihr. 1274 legte Rudolf I. den Städten sogar sin: die Kosten eines Reichstages«in« Hoffteuer auf.— Eine merkwürdig« Steuer, di« in Mecklenburg erst seft der Revolution verschwunden ist, mai di« aus dem 13. Jahrhundert stammende Prinzessinnen» steuer. Sie wurde zuletzt anläßlich der Vermählung der ehemalige» Kronprinzessin Cäcille in Höhe von A Ps. von jedem Haushaltung»- vorstand erhoben. Bi» zum Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in den oer- chiedenen Kleinstaaten dfe verschiedenartigsten Steuern, wie Jung» ronensteuer, Jnnggesellenstener, Heiratssteuer, Sterbesteuer, Schatz- steuer, Larossensteuer. Perückensteuer und Laxiersteuer, die dadurch ausgebracht wurde, datz jeder Einwohner jährlich eine bestimnfte Menge Absührsalz aus den betreffenden fürstlichen Apotheken kaufen mutzte. Landgraf Friedrich II. von Hessen -Kassel. der durch den Verkauf seiner Landeskiuder für fremden Heeresdienst zu trauriger Berühmtheit gelangt ist, führt« zur Unterhaftung seiner Maitressen den sog. Ealzheller ein.~ In Bayern mutzte unter Maximilian Joseph III. für die Erlaubnis zur Heirat«ine Abgab« entrichtet werden. Diese Heiratslizenzeu brachten jedes Jahr etwa ISO 000 Gulden ein. Natürlich gab es auch in auherdeutlchen Ländern.zahlreich« Steuerkuriosa. so in England«ine Hoarpudersieuer, die bis in die neuere Zell hinein erhoben worden ist, eine Lichssteuer und-in« Fenstersteiler, die erst 1851 ausgehoben wurde.(Ju den'Nieder- landen besteht sie heut« noch.) Eine der merkwürdigsten Steuern gelangte 1ö44 in England zur Einführung, dort mutzte jede Familie wöchentlich ein« Mahlzeit ausfallen lasse» und hen Betrag dafür an die Staatskasse abliefern. Natürlich war«ine solche Steuer nur i» Zeiten großer Not möglich, wie sie damals in England herrschte..
Die Macht der Kleinen. All« paar Lahre hat der Mensch da» plötzlich« und scheinbar unerklärliche Massenauftreten kleinster Schädlinge aiizu- kämpfen. I» der Regel sst er gegen die ungeheuren Scharen solcher � kleiner Insekten, die über seine Wälder und Felder hersallen, ziem- lich machtlos; er mutz zusehen, wie grotze Werte vernichtet werden. bi» den kleinen Schädlingen die Nahrung ausgeht oder deren natür- lich« Feinde sich so vermehrt haben, daß die Schädlinge wieder auf ein erträgliche« Matz herabgemindert iverdsn. Fast immer ist die Massenentw'ckelung solchex Schädlinge darauf zurückzuführen, datz die Kulluren �einseitig" sind, datz z. B. weite Strecken nur mir Fichten bewachsen sind, Fichtenschädlinge finden in«iner solchen Gegccw natürllch geradezu ein Dorado. haben Nahrung in Hüll« und Fülle und vermehren sich entsprechend in einem solchen Umfang«, datz für die izichtenwaldungen über kurz oder lang eine Katastropd« hereinbrtckü. Ein solcher Fall hat sich z. B. vor einiger Zell im Waldgebiet des Reich: amingiales zugetragen, in dem sich im Verlauf von fünf Jahren di« Lortenkäser in solchen Matzen entwickelt yabeir. datz eine Riesenkatastrophe eingetreten ist. Man hatte 700 000 Fest. nifter schlagbare» Fichtenholz über das zuläfstge tlbtriebsoller hinaus stehen lasten. In diesen zahlreichen allen Stämmen fand der sog. Buchdrucker, unser häufigster Borkenkäfer, die denkbar günstigsten Lebensbedingungen. Da niemand etwas zur Bekämpfung der unter der Rinde lebenden Käfer tat. oermebrten sie sich in dem alten Waldbestand ungeheuerlich. Äusgedehifte Fichentbeständ« wurden dann von ihnen in ku»zer Zeit zum Absterben gebracht. In einem van den Käsern befallenen Bestand von 90 000 Festtneter Hotz zähft« man auf einem«mziaen Baumstamm nicht weniger als 80000 Käfer, Käferlcnwe» und Puppen. Di« befallenen Beftänd" mutzten natürlich abgeholzt und die Stämme schleimigst aMranspor-