VON B. TRAVEN
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Dobbs, Curfin und Howard, drei mexikanische Arbeiter, haben im Hochlande der Sierra Madre nach Gold gesucht. Es ist ihnen nach harter Arbeit gelungen, eine ansehnliche Menge Goldstaubs rusammenruscharren. Do erscheinen Bandifen auf der BildflSche, d e vorher einen Eisenbahnrug ausgeplündert und die Fahrgäste gelötet hatten.'Die Goldgräber werden angegriffen, bevor es aber zu einem Zusammensiob kommt, erhalten sie Hilfe von Militär, das sich auf der Verfolgung der Räuber befindet. Die Goldgräber suchen wieder ihr Lager auf. das sie während des Angriffes verlassen muhten und rüsten sich zur Helmkehr. Kurz vorher war aber ein anderer Goldsucher zu Ihnen gestoben, der ihnen von einer ungeheuer reichen Mine erzählt und sie zu weiterem Bleiben überreden wj I. 25. Fortsetzung. Cacaub Holte seine Packen Herbei und legte sich am Feuer nieder. Curtin sah es und kam zum Feuer. „Kannst doch auch ins Zell kommen, Meirsch. Soviel Platz für deine Ecke ist schon noch vochanden." Aber Laueaud erwiderte:„Ich schlaf« ganz gut hier. Ich schlafe überhaupt lieber am Feuer als in einem Zelt. Aber höre, willst du denn nicht mitmachen? Es ist ordentlich etwas drin, kannst du mir glauben." „Was mitmachen? Ach ja, dein Plan. Nein, ich bin froh, wenn id) hier weg bin. Ich holte es nicht mehr aus. Es bleibt keiner von uns hier. Was hier zu finden war, das haben wir herausgeholt, und ich rühre keine Hand mehr." Eurtin ging hinüber zum Zelt und kroch hinein. „Was wollte denn der Knabe von dir?" fragte Dobbs. „Sein Plan, ich habe aber abgewinkt." „Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich aus dem Burschen machen soll," sagte Howaid.„Beinahe glaube ich, er hat seine Schrauben nicht all« richtig eingedreht, da sind ein paar locker. Ich brauchte nur zu wissen, was er in den letzten sechs Monaten gemacht hat, und wo er gewesen ist, dann könnt« ich euch ganz genau sagen, od er der ewig« Goldsucher ist oder ob er buschverrückt ist. Vielleicht ist er beides." „Ewiger Goldsucher?" fragte Eurtin neugietig. „Ja, einer, der ewig sucht und sucht, ein Dutzend märchenhafte Geschichten von verschütteten und verlorengegangenen Goldminen weist, ein Dutzend Pläne und Zeichnungen in der Tasche oder im Kopfe hat, die ihm den sicheren Weg zu«iner verschollenen Min« zeioen,«in Dutzend alberne Schwätzereien von Indianern und Mestizen in seinem Hirn herumwälzt über Plätze, wo Gold oder Diamanten zu finden seien Er sucht und sucht, je unwegsamer und wilder das Gebirge, je größer die Gefahren, desto mehr ist er überzeugt, da� er dicht an den armdicken Adern sitzt. Aber er findet nie eine Linse Gold, obgleich er bestimmt weist, daß er un» mittelbar davorsteht und morgen die Ader klopft. Es ist auch ein Verrücktsein, das genau so gefährlich für seine Mitmenschen werden kann wie jedes andere Verrückissin. Und die Besessenen sind wehr zu bemitleiden als andere Wahnsinnige, weil sie immer wandern,' ruhelos und ziellos. Bald sterben sie beinahe an Hunger, bald an Durst: bald haben sie ihr Leben geaen Beralöwen, gegen Klapper- schlangen und sonstiges giftiges Tier- und Kriechzeug zu ver- teidlgen, bald gegen misttrauische Indianer: dann wieder stürzen sie wo ab, brechen sich die Knochen und liegen da, bis sie von einem Indianer oder Banditen gesunden werden, der sich die Mühe macht, sie wieder aufzupäppeln. Aber kuriert können sie nicht werden. Sie wissen immer, daß sie morgen die Mine bestimmt finden werden." „Den Eindruck macht er aber auf mich nicht," sagte Dobbs. „Da ist noch etwas anderes hinter ihm versteckt." „Möglich." aab choward zu.„Ich habe jetzt kein« Lust, darüber nachzudenken. Meinetwegen mag er sein, was er will. Ich weiß nur noch nicht, was wir mit ihm tun, falls er etwa den Versuch macken sollte, mit uns abzuwandern. Das können wir nicht ge- brauchen." „Mareen wird er natürlich die Mine selten," sagte Eurtin. „Schadet jetzt nichts mehr." erwiderte Howard.„Wir bauen sie zu. und wenn er zurückbleibt und sie wieder ausmacht, so ist das seine Sache." Am nächsten Morgen, nachdem sie ein kurzes Frühstück aehabt hatten, gingen Howard, Dobbs und Eurtin kräftia an die Arbeit. Zu ihrer Verwunderung, zeigte Locaud keine Absicht, mit ihnen zu ihrer Mine zu kriechen. Sie hatien ihn zwar nicht dazu auf- gefordert, aber sie hatten erwartet, daß er doch wohl in einer so bedeutenden Sache wie eine Ggldmine interessiert sein würde. Er fragte nicht einmal dauadr. Nachdem er seinen Kaffee ausgetrunken hatte, stand er auf und begann den Weg hinunterzugehen. Eurtin folgte ihm, weil er glaubte, Lacaud würde hinunter ins Dorf gehen, um dort zu sagen, daß es nun Zeit sei, hier das Nest durchzusuchen, weil es morgen zu spät sein würde. Lacaud wußte nicht, daß Eurtin Hinte.' ihm her sei. Er ging sarglos seiner Wege, sah sich nur aufmerksam jeden größeren Baum, jeden Stein genau an. als ob er nach irgendwelchen Merkmalen suche. Zu- weilen blieb er stehen und bückt« sich, um den Boden zu unter- suchen. Endlich kam er zu der Grassläche, wo die Tiere waren. Er ging hinüber und kam auch an die Wasserpfütze. Als er die aufmerksam betrachtet hatt«, sah er hock) und ging auf hie Fels- wand zu. Dort begann er nun herumzukriechen und zu suchen. Nun überzeugt, daß Lacaud andere Absichten habe, als den Männern Schwierigkeiten zu bereiten, kehrte Eurtin wieder zurück zu den beiden und erzählt«, was«r gesehen habe. „Es ist schon so." sagte Howard,„wie ich euch gest«rn abend gesagt habe, der ewige Goldsucher. Wir wollen uns nicht mit ihm aufhalten." Sie waren am Abbrechen der Gerüste, und Dobbs hatte sich die Hand ausgerissen. Er wurde ärgerlich und sagte:„Wozu bauen wir denn überhaupt ab? Lassen wir es stehen, und gehen wir unserer Wege." „Wir haben das doch vorher, als wir anfingen, untereinander vereinbart, daß, wenn wir etwas machen, abbauen u;id zuwerfen wollen." „Es hält uns nur auf, und ich weih auch nicht, wozu es gut ist," brummte Dobbs. „Na, Jung«, erst einmal denke ich, daß man gegen den Berg, der sich so freigebig erwiesen hat, wenigstens die eine Dankbarkeit zeigt, daß man ihn nicht schimpfiert zurückläßt, daß man die Wund«, die man ihm geschlagen hat, auch wieder schließt.' Und dem Berg die Gerüste vor der Nase stehenzulassen und ihm seinen Garten wie einen dreckigen Bauplatz zurückzulassen, das ist un- anständig. Der Berg hat e» doch wahrlich verdient, daß man sein«
Schönheit respektiert. Ich will auch lieber an diesen Platz so zurück- denken, wie ick) ihn fand, als wir kamen, denn daß ich immer diesen Schuttplatz vor Augen habe, wenn ich an diese Monate denke. Schlimm genug, daß wir nur gerade den guten Willen zeigen können, und daß der Platz noch unerträglich genug aus» sehen wird, wenn wir gegangen sind."
.Dor/ begann er nun herumzuhriechen... „Merkwürdig ist deine Ansicht von der Persönlichkeit des Berges," sagte Eurtin.„aber ich denke auch, man soll die Stube, die man sauber fand, ausfegen, wenn man sie verläßt, auch wenn niemaird dabeisteht, der einen dafür lobt." „Einen anderen Grund hat es auch noch," setzte der Alte fort, „es könnte ja sein, daß hier jemand heraufkommt, während wir noch auf dem Wege sind. Da hat er denn gleich heraus, was wir gemacht haben, und er kommt uns mit einem halben Dutzend Kerlen hinterher. Wenn das hier wieder schlicht gemocht ist, soweit wie wir es schaffen, dann sieht es aus, als ob es nur eben ein langes Camp war, wo wir alles mögliche getan haben mögen, nur nicht gerade gelbes Schwergewicht gewaschen. Na, Dobbs, pack nur kräftig mit zu: wir haben so manchen Tag umsonst ge- arbeitet, ehe der Berg seine Hand aufmachte, und dieser Tag hier sieht«ine gute und noble Arbeit, auch wenn sie nichts an bar einbringt. Wenn du dir einen Blumengarten vor deiner Haustür einrichtest, so denkst du auch nicht daran, daß er dir bares Geld einbringen soll."
Das Mittagessen, wie es die drei in den verflossenen Monaiest zu ihrer Gewohnheit gemacht hatten, war kurz und einfach. Sio kochten einen Kessel Tee und aßen dazu ein ledernes Stück Mehl- Pfannkuchen, das in der Frühe mitgcbacken wurde. Sobald der Tee getrunken war und jeder eine Pfeife zu Ende geraucht hatte, wurde wieder frisch weitergearbeitet. Das Licht des Tages mußte bis zur Minute voll ausgenutzt werden; wenn die Sonne des Morgens aufging, mußte das Frühstück beendet sein, und das Abendessen wurde begonnen, wenn die Sonne untergegangen war. Nur so war es ja möglich gewesen, daß die drei Männer soviel schaffen konnten. Die Länge des Tages war das ganze Jahr hin- durch so gut wie immer die gleiche, der gering« Unterschied wurde von ihnen kaum bemerkt. Die Regenzeit hatte ihre Arbeit auch nicht wesentlich beeinflussen können. Es kam vor, daß einige Stunden lang wahre Wolkenbrüche Heruntergossen: aber dann gab es immer genügend anderes zu tun. Außerdem hatte der Regen auch wieder seine Vorteile, weil er ihren Erdtank, den sie sich gegraben hatten, um immer genügend Wasser für das Waschen des Sandes zu haben, auffüllte und ihnen so das Heraufschleppen des Wassers erspart wurde. „Es ist doch eine elende Schufterei gewesen," meinte CurtiiL als er sich einen Augenblick hinsetzte, um zu rasten. „Schon richtig," bestätigte der Alte.„Aber wenn wir das ausrechnen, dann hat wohl noch keiner von uns einen so guten und so hohen Tagelohn gehabt, als wir ihn hier verdient haben." Auch Dobbs hatte den Spaten hingestellt, sich niedergesetzt und begann eine Pfeife zu stopfen.„Es kommt mir jetzt so in den Sinn," sagt« er langiam,„als ob wir noch gar nicht so recht zu» frieden sein können. Nicht, was unfern Verdienst anbelangt, sondern ich meine, ehe wir nicht den ganzen Zauber sicher und geborgen in einer Stadt haben und unauffällig in unsenn Hotelzimmer schön zusammen aufgeschichtet vor uns sehen, können wir nicht gut sagen. daß er uns gehört." „Das ist mir die letzten Wochen auch im Kopf herumgegangen," sagte der Alte.„Das wird eine schwierige Reise. Das wird die schwierigste Sache. Da sind Banditen, da sind Unglücksfälle auf dem Wege, da ist die Landpolizei, die neugierig ist und wissen möchte, was wir transportieren. Und findet sie den gelben Kies. so haben wir ihn entweder gestohlen od«r jemand umgebracht und es geraubt, oder wir haben es' gegraben ohne Lizenz und ohne die Taxen zu bezahlen. Das wird noch manches zu bedenken geben. Ja, denkt mal auch«in wenio darüber nach, wie wir den Psesser am. besten und sichersten verschiffen." Die beiden jüngeren Teilhaber schwiegen, dann zogen si« die Stirnen in Falten, als ob sie onaestrengt nachdähten dann stöhnten ste. weil ibnen das Denken Müh« machte, mehr Mühe»ls die schwerste Minenarbeit, und endlich taten sie einen Uesen Atemzug. standen auf und warfen die Haufen auseinander. (Forffetzung folgt.)
WAS DER TAG BRINGT.
Wie lang eine Rede sein darf. Die Parlamentsreform spickt schon lang« in den Köpfen mancher führender Reichstagsabgeordneten. Ein«, Tages unterhält man sich in den Wandelgängen wieder einmal über dies wichtige Problem. Dabei spielt die Frage eine große Rolle, wie man die langen Reden im Reichstag überflüssig machen könnte, um di« Debatten inter» essanter und lebendiger zu gestalten. Ein Abgeordneter wendet sich an den Reichstagspräsidenten Paul Löbe , er möchte sich doch einmal dazu äußern. Löbe antwortet in der ihm eigenen verbindlichen Art: „Herr Kollege, ich meine, eine gute Rede müßte sein, wie das Kleid einer Dame; lang genug, um alles erschöpfend zu decken, aber auch kurz genug, üm noch interessant zu sein." Ein schwerer Schlag. Der ehemalige deutsche Kronprinz hatte stets eine Leidenschaft für Telegraphieren. Als 1908 das erste Zeppelinsch« Luftschiff bei Echterdingen durä) ein Sturmwetter zerstört wurde, sandte er dem Grafen Zeppelin folgendes Telegramm:„Bedaure tief das schwer« Unglück, das Sie betroffen. Werde Si« morgen besuchen und hoffe, Sie werden auch diesen Schlag erhobenen Hauptes überstehen." Ein fröhlicher Chorsänger. Die katholische Kirche legt besonderen Wert auf gute Chorsänger. Besonders berühmt ist der Chor der Knaben in der Sixtinifchen Ka- pelle in Rom . Aber mich in Prag ist Vorsorge getroffen, daß das Gemüt der Frommen durch schöne Musik und weiheoollen Gesang der Kirche geneigt bleibe. Gottesdienst in der K a t h a r i n e n k i r ä) e. Es war am zweitem Weihnachtsieiertag. Alle Frommen waren in der Kirche. Der Chor war vollständig beisammen, erst brauste die Orgel durch den Raum, dann lauschte alles in Demut und Andacht der Predigt. Auf einmal, es herrschte gerade Schweigen im Hause, ertönte vom Chor eine Stimme, die dem Klange nach mehr an den bierfeuchten Baß eines Quartalssäufers als an die Stimm« eines Kastraten aus der Sixtinifchen Kapelle erinnerte. Der Sänger stimmte das Lied cm, das mit den Worten beginnt:„Ich Hab'«ine Dirne gesehen, an der Ecke sie stand." Ungefähr eine halbe Minute lang erfreu!« der Sänger die Andächtigen mit seinem Liede, so steht es in der Anklage, dann wurde er aus der Kirche verwiesen... Später hatte sich der eigenartige Sänger, der Fleischergesell« Joses Borechovsky wegen Religion s st örung zu verantworten. Der Angeklagte erklärt«, daß er so betrunken war, daß«r sich aus nichts mehr besinnen könne. Und weil ein paar Zeugen, die in der Kirche waren, das bestätigten, wurde der„Chorsänger" freigesprochen. Und da jage noch einer, daß guter Gesang nicht belohnt wird. Er kennt sie. S i n o w j e w kam 1920 vom Kongreß der Ostvölk«r nach Moskau zurück und erzählte begeistert von dem gewaltigen Ein- druck, den d«r Kongreß auf ihn gemacht. Vertreter van allen Völkern seien dagewesen: Chinesen, Inder, Türken, Afghanen, Perser irstv.......________;
Radek, der ein Skeptiker fft und das bolfchewfftffche TheatzL kennt, auf dem er selbst ein vorzüglicher Regisseur ist. hön jchmm». zelnd zu und fragt plötzlich Sinowjew : „Na, und Papuas waren keine da----?" „Papuas? Papuas?____ NÄn, Papuas waren keine da," Darauf Radek boshaft: „Na, ihr werdet halt keinen Genossen gefunden haben, der?0 dumm war und sich von euch einen Ring durch die Nase hat zieh«q lassen......*
80. Geburtstag des armlosen Künstlers C. H. Unthan.
Am 5. April wird der in der ganzen Welt bekannt« Artist C. H. Unthan 80 Jahre alt. In einem kleinen ostpreußischen Dorfe ohne Arme geboren, setzte er es sthon als kleiner Junge durä), daß ihm sein Vater eine Geig« schenkte, die er mit den Füßen zu spielen lernte. Mit beispielloser Willenskraft bildete er sich zum Geigen» künstler aus. Die großen Varietes rissen sich natürlich um dieses erstaunliche Phänomen: 50 Jahre hindurch trat Unthan m vier Welt- teilen aus. Während seiner Varietelausbahn entwickelte er sich auch zum Kunfffchützen, Kunstschwimmer, Taucher und Pistonblösct. Durch Krieg und Inflation verlor Unthan sein so mühsam erworbenes Vermögen, so daß er heute mittellos dasteht. Er ist nicht mehr im- stände, sich und seine treue Gattin durch schriftstellerische Arbeit über Wasser zu halten. Ein Aussd)uß, an dessen Spitze Oberbürger - meiste? Büß steht, wendet sich nun mit der Bitte an die Oeffenttich- keit, dem alten Willenshelden seinen Lebensabend sorgloser zu ge- stalten.— Spenden sind zu richten an:„Unthanspende", p. A. Bank» Haus Bernheim, Blum u. Co., Mtttelftt. 2— 4, Berlin NW. 7(Post, jchecktoato: Belli» 52 852)._____________ j