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1. Beilage zum, Vorwärts" Berliner Volksblatt.

Nr. 271.

Lokales.

Dienstag, den 19. November 1895.

12. Jahrg.

Prekkommission. Die Adressen der Mitglieder der Preß- den in gewohnter Weise zur Anhörung eines Vortrages Speck hinein. Als nun die ganze Menge Speck brannte, Tommission sind folgende:

Für den 1. Wahlkreis:

Herm. Soyka, Lübbenerstr. 14 II., Joh. Timm, Alte Jakobstr. 18/19.

Für den 2. Wahlkreis:

Paul Jakob, Gneisenauftr. 82 II. bei Springer,

H. Knüpfer, Schöneberg , Golgstr. 17, Quergebäude III. Für den 3. Wahlkreis:

Franz Hoch, Admiralstr. 7 IV.,

August Pohl, Staligerstr. 118 III.

Für den 4. Wahlkreis:

( Für den Osten): W. Schulz, Weidenweg 5 III. ( Für den Südosten: Paul Böhm, Görligerstr. 53/54, Für den 5. Wahlkreis:

Jul. Wernau, Rosenthalerstr. 57.

Für den 6. Wahlkreis:

Otto Näther, Anklamerstr. 44,

Otto Schmidt, Schwedterstr. 22, Seitenflügel IV. Beschwerden betreffend den lokalen Theil des Vorwärts" find an die oben genannten Genossen zu richten.

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Die Sigungen finden an jedem auf den 1. des Monats folgenden Donnerstag statt. Borsitzender der Kommission ist Genosse Franz Hoch, Admiralstr. 7 IV.

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Der polnisch- sozialdemokratische Verein veranstaltete am Sonntag in Gründel's Festfälen eine Aufführung von Fulda's Berlorenem Paradies", die auf die überaus zahlreich erschienenen Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Der Festabend hat außerordentlich dazu beigetragen, das Solidaritätsgefühl unter den Parteigenossen polnischer Zunge zu stärken.

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fonnte. Am folgenden Sonntag Morgen übernahm es daher der Flaschen und goß statt Spiritus Petroleum in die Brats Vorsitzende der Freireligiösen Gemeinde, Herr Friderici, pfanne. Nachdem er dieses angezündet hatte, that er den erschienenen Kindern einen in früheren Jahren von Dr. Wille bekam er Angst und lief mit der Pfanne unter die Wasserleitung, gehaltenen Vortrag zur Verlesung zu bringen. In dieser Thätig- um das Feuer zu löschen. Sobald jedoch Wasser in die Pfanne feit" erblickt das Provinzial- Schulkollegium, wie es Herrn Friderici lief, schlug die Flamme dem Knaben an den Kopf und die Brust, in einem amtlichen Schreiben mitgetheilt hat, falls dieselbe fortgesetzt fetzte seine Kleider in Brand und verlegte ihn entsetzlich, ehe werden sollte, eineUnterrichtsertheilung bezw. dashalten einer Privat- die Nachbarn Hilfe leisten konnten. Nach fürchterlichen Qualen schule im Sinne des Abschnitt I der Staatsministerial- Instruktion vom ist der Knabe am Sonnabend im Krankenhause Bethanien ge 31. Dezember 1839, wozu es nach der Kabinetsordre vom 10. Juni storben. Vater und Mutter in der Fabrik; die Kinder im 1834 einer Erlaubniß der zuständigen Behörde bedürfe. Da Herr zartesten Alter sich selber und dem Zufall überlassen: das ist die Friderici diese Erlaubniß nicht besitzt, hat ihm das Provinzial- göttliche Weltordnung, wie sie sich einem großen Theile des Schulkollegium die Fortsetzung der oben bezeichneten Thätigkeit" Proletariats darbietet. Es ist ein Wunder, daß Unglücksfälle, mit dem Hinzufügen untersagt, daß für jede Zuwiderhandlung wie der geschilderte, unter solchen Zuständen nicht häufiger vora gegen dieses Verbot eine Erefutivftrafe von 100 M. festgesezt tommen. Natürlich wird sich in der wohlgesinnten Presse, soweit werden wird, an deren Stelle im Unvermögensfalle eine Haft- fie überhaupt von dem entseglichen Vorfall Notiz nimmt, wieder ftrafe von 10 Tagen tritt. Unterzeichnet ist dieser Erlaß des ein großes Heuchelgeschrei über die Unvernunft und Leichtfertig­fgl. Provinzial- Schulfollegiums: Tappen. feit in Arbeiterkreisen erheben!

Infolge deffen hat Herr Friderici am leztvergangenen Sonn­tage teine Vorlesung mehr gehalten.

ver­

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Die Sportfegeret der Gebildeten. In der Kreuz- Beitung" lefen wir: Es giebt gewisse Dinge, die eine poetische" Sprache schlechterdings nicht vertragen; trotzdem versucht sich auch an ihnen die Muse. So sprach türzlich ein Sportblatt vom ge fchloffenen Totalisator, daß die Wettmaschine" ihr trautes(!) Bellapper" nicht habe ertönen laffen können.

Ueber ein bevorstehendes Stück Fabrikinspektion bringt eine Korrespondenz, der man nachsagt, daß sie mit polizeilichen Kreisen Fühlung habe, die folgende interessante Kunde: Polizei­liche Nachkontrollen werden demnächst in den verschiedensten durch die Polizeihauptleute vorgenommen werden. Das Jahr das wir in der legten Nummer berichteten, schreibt die Bofener gewerblichen Anlagen, Fabriken, Schlossereien, Tischlereien 2c. Zu dem Stück freier Liebe in ,, befferen Kreisen", über hindurch werden solche Revisionen durch die Revier­vorsteher unter Zuziehung anderer Beamten mit Zeitung", daß es Offiziere der dortigen Garnison sein schiedenen Bielen ausgeführt: in bezug auf die Beschäftigung sollen, denen zu Liebe die Mädchen nach hier auskniffen. jugendlicher Arbeiter, die gesundheitspolizeilichen Einrichtungen Die Militärbehörde nahm Veranlassung, ein Ermittelungs­Ueber die Wirkung der Anlagen, deren Feuergefährlichkeit u. f. w. Die Kontrollen der verfahren in der Sache einzuleiten. Hauptleute haben nur den Zwed, über die Thätigkeit der Revier- diefes Schrittes auf den Hauptbetheiligten schreibt das Bosener polizeibeamten für die am Jahresschlusse zu erstattenden Berichte Blatt: Letzteres scheint nun an dem königlich preußischen Offizier Material zu sammeln. Immer gut für die in betracht kom- nicht ohne Eindruck geblieben zu sein, denn am Mittwoch erschien menden Unternehmer, wenn auf solche angeblich bevorstehende er in der Polizeidirektion und erklärte unter Vorzeigung eines, Revisionen im Voraus aufmerksam gemacht wird." von einem der Mädchen geschriebenen Briefes, daß letzteres am Donnerstag auf dem Berliner Postamt I einen postlagernden Brief von ihm erwarte, und sich dort die Gelegenheit böte, die Mädchen zu ergreifen. Diese Thatsache wurde nun den Bätern der beiden Mädchen mitgetheilt und diese ent­fandten Familienangehörige nach Berlin , wo auch im Bostamt I die Mädchen erschienen. Hier wurden sie nun von ihren An­gehörigen in Empfang genommen und mit dem nächsten Zuge nach Bosen zurück befördert. Die Mittheilung, daß sie in Bes gleitung eines Kriminalbeamten hierher gebracht wurden, beruht auf Erfindung. Seitens der Militärbehörde soll die Untersuchung gegen die Offiziere eröffnet sein. Die beiden zurückgekehrten Mädchen erfreuten sich dem genannten Blatte zufolge bis zu ihrer Entführung eines so guten Rufs, daß es unbegreiflich erscheint, daß sie Ehre und Anstand vergessen konnten.

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Und noch ein neuer grober Unfug. Die Verlagsfirma C. Teistler u. Ko., Berlin - Wilhelmshagen, schreibt uns: Die Anarchisten" von John Henry Maday, Heft 1, Die feit kurzem in unseren Verlag übergegangen sind, ver­Bezüglich der Koften, die der Stadt durch das Polizei­fielen am Sonnabend Vormittag bei einem unserer Kolporteure foften- Gesez erwachsen, bemerkt der Magistrat auf eine Anfrage vor der fgl. Universität zu Berlin in einer Anzahl von 222 Exemplaren der Stadtverordneten- Versammlung: Die Differenzen mit dem der polizeilichen Beschlagnahme. Begründet" wurde Fiskus sind durch das inzwischen ergangene Erkenntniß des Ober­dieses eigenartige Vorgehen damit, daß die Verbreitung dieses Berwaltungsgerichts dahin für die Stadt günstig beigelegt worden, bekannten Buches grober Unfug" sei! Gegen die Beschlag- daß der Betrag der hierbei dem Staate erwachsenden Ersparniß nahme wurde bei der zuständigen Behörde sofort Protest erhoben auf 147 110 M. geschätzt worden ist. Durch die abgeänderten und zu gleicher Zeit richterliche Entscheidung beantragt. Von Feststellungsbeschlüsse des Oberpräsidenten ist der Betrag für den besonderem Intereffe dürfte es noch sein, daß der beschlag- Kopf der Zivilbevölkerung auf 2,41 M. ermäßigt und sind der nehmende Geheimpolizist vor der Beschlagnahme den Kolporteur Stadtkaffe pro 1893/94 und 1894/95 zuſammen 176 766,27 durchaus zu veranlassen suchte, die Probenummern doch inner- zurückgewährt worden. halb der Universität zu vertheilen, weil, wie er vorgab, dort mit Leichtigkeit 2000 Exemplare abgesetzt werden könnten!- Ueber die Kalamität im Leitungswasser der westlichen Stadttheile Berlins theilt die Direktion der städtischen Wasser­Wenn zwei Staatserhaltende" fich zanken, erfahren werke folgendes mit:" In dem Rohwasser der Tegeler Leitung, Herr Ahlwardt will, einer Meldung der Post" aufolge, ehrliche Menschen mitunter recht interessante Dinge. Im Volt" die über Charlottenburg geführt wird und den Westen Berlins Amerita heimsuchen. Sein Manager soll Barnum heißen. des Herrn Stöcker lesen wir:" Die Berliner Neuesten mit Wasser versorgt, find am Freitag infolge bisher noch nicht Sehr sicher ist beim Selbstmorde ein unbekannter Mann zu Nachrichten" der Herren Kylmann und Genossen schreiben: erklärter Ursachen faulige Stoffe vorhanden gewesen. Obwohl " Das Volt" des Herrn Stöcker veröffentlicht eine Ergebenheits- dieser Uebelstand sofort bemerkt wurde und der betreffende Theil Werke gegangen, beffen Leiche am Sonnabend Nachmittag von adresse in Bersen, die Herrn Stöcker aus Dftpreußen" zu der Leitung fofort ausgeschaltet wurde, hat sich doch der schlechte Bootsleuten in der Nähe der Rielerstraße im Spandauer Schifffahrts. gegangen ist. Es heißt darin: Bleib fest! Du vielgeschmähter Held, Geschmack dem aus Tegel zugeführten Waffer mitgetheilt. Un- tanal aufgefunden und gelandet wurde. Der Mann hatte sich, Den uns're Ehre nicht verläßt,(?)- Ob schwer auf ihn Ber: verzüglich wurden die Reinwafferbehälter in Charlottenburg wahrscheinlich im Wasser stehend, einen tödtlichen Stich in den leumbung fällt, Wir bitten Dich für uns: Bleib fest!- außer Betrieb gesetzt und die Hauptleitungen zwischen Hals beigebracht und dann noch an beiden Handgelenken die Hoffentlich befindet sich in Ostpreußen " nicht eine Filiale der Charlottenburg und Berlin entleert. Die chemische Unter- Bulsadern durchgeschnitten. Diese Wunden hatte er fich mit zwei bekannten Stettiner" Riffen und Adressenfabrit von Flora suchung des übelriechenden und übelschmeckenden Waffers Taschenmessern beigebracht, die die trampfhaft gefchloffenen Hände Gaß." Wir wissen nicht( so antwortet das" Volt"), ob der Ver- hat das Vorhandensein von Salpetersäure und Ammoniat der Leiche noch festhielten. Hätten sie nicht hingereicht, den Tod fasser des Gedichtes das mittelparteiliche Blatt einer Aeußerung ergeben, jedoch von so geringen Quantitäten, daß eine herbeizuführen, so hätte der Lebensmüde doch durch Ertrinken würdigen wird. Jedenfalls hätten gerade bie die Gesundheit nicht absolut fterben müssen, da er, durch den starten Blutverlust erschöpft, im Berliner Gefahr vorliegt Neuesten Nachrichten" gut gethan, solche Insinuationen zu und zu irgend welchen Besorgnissen fein Grund vorhanden ist. Waffer umfallen mußte. Die Leiche scheint noch nicht lange im สิน unterlassen. Ihre Hintermänner haben wahrhaftig allen Der Uebelstand ist bereits gehoben, die Filter in Tegel find in Waffer gelegen zu haben. Nach der Kleidung zu urtheilen hat Er trug einen Grund, zu vermeiden, daß man Geschichten aus ihrem Ordnung, die Reservoirs gereinigt, und seit Sonnabend früh der Unbekannte beffergestellten Kreisen angehört. Leben auffrischt. Sollten die Herren es ganz vergessen haben, fließt wieder frisches, gutes Wasser aus den Tegeler Werken der feinen dunklen Anzug. Bei der Leiche fand man eine filbere wie ihre Bismarck Adresse zustande tam? Andere Leute Stadt zu. Sollte in dem einen oder anderen Hause in den Taschenuhr mit goldener Rette. Der Mann mag etwa 32 bis wiffen es jedenfalls noch, wie damals die Unterschriften, die frei Leitungen noch etwas unreines Wasser zurückgeblieben fein, fo 34 Jahre alt gewesen sein. willig nicht in genügender Bahl einliefen, zu Hunderten und genügt es, beim Ablaffen des Wassers den Hahn etwas länger Durch vier Revolverschüffe in den Kopf hat sich am Aberhunderten von Angestellten aus dem Adreßbuch ausgeschrieben geöffnet zu halten, um flares Wasser zu erhalten. Die äußerst Sonntag Abend um 7 Uhr der 38 jährige Klempner Franz Herm­schwierige Untersuchung, wie es möglich gewesen, daß faulige thal aus der Solmsstraße 2 getödtet. Seine Frau war Nach­Das sind ja recht interessante Arbeiten, zu denen der früher Stoffe in das Waffer gekommen find, ist noch nicht abgeschlossen, mittags mit ihrem in die Ehe mitgebrachten 19 jährigen Sohne in der Norddeutschen Allgemeinen" angestellt gewesene Baron und dürften noch mehrere Tage vergehen, ebe ein Resultat zu ausgegangen. Um 7 Uhr abends hörten Flurnachbarn in ber v. Ehrenberg unfittlichen Angedenkens und seine bisherigen Kollegen dem Wasser einen äußerst widerlichen Geschmack geben, unschädlich fallen. Eine Frau Kaiser war die erste, die in die Wohnung ermitteln ift." Daß Salpetersäure und Ammoniak in Mengen, welche Hermthal'schen Wohnung unmittelbar hinter einander vier Schüffe die Initiative gegeben haben. für die Gesundheit sein sollen, dürfte denn doch manchen Zweifeln eindrang, um nachzusehen, was vorgefallen sei. Sie fand Herm begegnen. thal blutüberströmt auf dem Sopha liegen. Er hatte sich vier Kugeln hintereinander in die rechte Schläfe gejagt und war sofort todt. Die Veranlassung zu dem Selbstmorde scheint Schwermuth zu sein, die auf eheliche Berhältnisse zurücks geführt wird.

wurden."

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für

Beugnißzwang gegen einen Spandauer Stadtverord: neten. Am Donnerstag Vormittag ist, dem Anzeiger f. d. H." zufolge, in Spandau der Stadtverordnete Münch wegen Zeugniß­Der Händler Strahl, welcher, wie gemeldet, aus dem verweigerung in Haft genommen worden. Münch hatte sich in preußischen Staatsgebiete ausgewiesen worden ist, hat dasselbe der Stadtverordneten- Bersammlung auf irgend eine amtliche nunmehr verlassen. Am vergangenen Sonntag hat er den Staub Mittheilung, die der Magistrat nach Berlin habe gelangen laffen, von seinen Pantoffeln geschüttelt und ist nach seiner galizischen berufen. Die Kenntniß von dieser Sache konnte der genannte fechs Kindern, hierorts zurücklassend. Wie verlautet, hat das Dimensionen angenommen, daß jetzt bereits ca. 30 Personen Heimath abgedampft, seine Familie, bestehend aus Frau und Die in Nowawes aufgetretene Trichinofis hat so weite Stadtverordnete, wie wenigstens angenommen wurde, nur durch die Indiskretion eines städtischen Beamten erlangt haben. Um hiesige österreichische Konsulat dem Scheidenden eine Reise frank darniederliegen. Die Krankheit ist, wie mitgetheilt, burch nun den schuldigen Beamten zu ermitteln, hatte der Magistrat unterſtügung in Höhe von 10 M. zutheil werden laffen. Somit Rollschinken, die vom Schlächtermeister Siebert in der Wilhelm­im Auftrage des Regierungspräsidenten ein Verfahren gegen wäre diese Sache erledigt. Doch schwebt noch immer ein gestraße gekauft waren, verbreitet. Unter anderen liegt eine Unbekannt" eingeleitet, in dessen Verlaufe Münch zur Ablegung heimnißvolles Dunkel über den A. Schmidt, Eigenthümer des Kaufmannsfamilie, ferner die Familie des Restaurateurs Ernst feines Zeugniffes aufgefordert wurde. Er weigerte sich zunächst, Dauses Amalienstraße 16", den Ünterzeichner des an Strahl ge: Schmidt und in Neuendorf die Familie eines Privatmannes seinen Gewährsmann zu nennen, und darauf erging gegen ihn richteten Briefes vom 5. Oktober d. Js., in welchem Strahl mit barnieder. ein richterlicher Haftbefehl, den die Polizei vollstreckt hat. Münch Ausweisung gedroht wurde. wurde nach dem Amtsgericht geführt und von neuem einem Berhör unterzogen. Danach ist er wieder auf freien Fuß gefegt

worden.

Von der Staatsanwaltschaft ist die Leiche der Frau des Tischlers Brathte aus der Pantstr. 3 beschlagnahmt. Frau Brathte unterstügte ihren Mann im Erwerb des Lebensunterhalts durch Uebernahme von Reinmache- Arbeiten. Mit einer solchen Arbeit war sie am Sonnabend früh im Gebäude des Patentamtes in der Luisenstr. 33 beschäftigt, als fie in einem Bimmer plötzlich gerufener Arzt die Todesursache nicht hat feststellen können, so muß die Leiche der erst 31 Jahre alten Frau gerichtsärztlich geöffnet werden.

Von den Garden. Wegen Mißhandlung von untergebenen sind vor kurzem zwei Unteroffiziere des Raiser Alexander Garde- Grenadier- Regiments bestraft worden. Ein ähnlicher Fall ist bekanntlich vor kurzem in Hamburg Der eine derselben, Unteroffizier Richter, hatte einen Gefreiten paffirt, wo die Bürgerschaft sich jedoch so energisch des betreffen Namens Barthold außer Dienst geschlagen und hat deshalb den Mitgliedes annahm, daß baldigst von einer Verfolgung 4 Wochen und 2 Tage Mittelarrest erhalten. Ueber den anderen, zusammenbrach und auf der Stelle todt blieb. Da ein herbei­Abstand genommen wurde. Unteroffizier Paage, find 8 Wochen Gefängniß verhängt worden, Ein merkwürdiges Verbot wird gegenwärtig viel in weil er während des Dienstes einen Grenadier nicht nur ge­Charlottenburg besprochen. Durch eine neuefte einstweilige Ber - schlagen, sondern diesem obenein noch mit der Fußspitze von fügung des Landgerichts II ist nämlich der Charlottenburger hinten gegen die Beine einen solchen Stoß versetzt hat, daß der Bürger- Beitung" bis zu der von ihr angerufenen Entscheidung Mann dadurch einen unbeilbaren Krampfaderbruch des Rammergerichts untersagt worden, den Titel Bürger- Beitung" erlitten. Die Strafe ist vom Kriegsgericht des Gardekorps ver­zu führen. Borläufig nennt sich das Blatt jeßt Bürgerfreund". hängt und vom kommandirenden General des letteren, General Warum dies Verbot ergangen ist, wird nicht berichtet. der Infanterie v. Winterfeldt, bestätigt worden.

Ein flüchtiger Raubmörder, der seinen Weg nach Berlin genommen hat, wird von den mecklenburgischen Behörden sted= brieflich verfolgt. Der Flüchtige hat im Dorfe Buchholz bei

Schwaan dem Schuhmachermeister Hildebrandt mittels eines Beiles die Schädeldecke zertrümmert und ihm dann mit einem Genickfänger einen erheblichen Schnitt am Halse beigebracht. Darauf hat er aus einer Kommode eine Summe von 5-800 m. in baarem Gelde geraubt, mit der er flüchtig geworden ist. Der Thäter, der feit vier Wochen unter falschem Namen bei dem Er­mordeten arbeitete, hat sich bei seinem Antritt durch eine auf farte legitimirt. Nach Verübung der That hat sich der Mörder, wie festgestellt ist, sofort nach Rostock begeben, auf dem dortigen Bahnhofe eine Fahrkarte nach Berlin gelöst und ist dann mit dem Nachtschnellzuge morgens 2 Uhr 53 Minuten nach Berlin gefahren.

Der Sprecher der freireligiösen Gemeinde, Herr Dr. Ein Unfall mit tödtlichem Ausgange ereignete sich dieser Bruno Wille , ist bekanntlich auf Veranlassung des Provinzial. Tage beim Königin Augufta- Regiment in Spandau . Ginige Echulfollegiums wegen Nichtbezahlung der ihm auferlegten Rekruten führten nach dem Dienst noch Uebungen an einem auf Geldstrafe in Höhe von 300 m. in Friedrichshagen internirt". dem Kafernenflur angebrachten Reck aus; dabei hängten sich drei Da er durch seine Haft verhindert ist, seine bisherigen Sonntags zu gleicher Zeit an die Reckſtange, welche die Laft aber nicht Vorträge für die Kinder der Mitglieder der freireligiösen Ge- tragen konnte und zerbrach. Alle drei fielen mit Wucht zu den Namen Friedrich Werk lautende, jedoch gestohlene Quittungs meinde weiter zu halten, diese überdies als unerlaubter Jugend- Boden; hierbei trug der Füsilier Junge so schwere Verlegungen unterricht seitens des Provinzial- Schulfollegiums verboten sind, davon, daß er am nächsten Tage im Lazareth gestorben ist. Die hat Herr Dr. Wille einen anderen Weg gefunden, zu seinen Leiche ist auf Veranlassung der Eltern nach der Heimath des Schülern zu sprechen. Derselbe hat nämlich unter dem Titel: Todten überführt worden.

Die Freie Jugend, Freireligiöse Wochenschrift für die Ein proletarisches Familienbild. Das Tischler Mice'sche Kinder des Volkes", eine periodische Druckschrift unter feiner Ghepaar aus der Stalizerstr. 78 geht jeden Tag auf Arbeit aus verantwortlichen Redaktion herausgegeben, welche vorerst acht und läßt seine vier Kinder unter der Obhut der Flurnachbarn aus der Kastanienstraße in Groß- Lichterfelde gegen seine eigene Schwer vergangen hat sich der Tischlermeister H. Hirte täglich erscheinen soll. in der Wohnung zurück. Die Kinder hatten nun wiederholt ge- Tochter. Die Frau des bereits 64 Jahre alten Mannes erzählte

Nene Maßregelungen der freireligiöfen Gemeinde. ben, wie die Mutter eine Gans sengte, indem sie sie über eine öffentlich von dessen verbotenem Umgange mit der 14jährigen Durch die Verhaftung des Dr. Bruno Wille , welche am Sonne grope in der Bratpfanne entzündete Spiritusflamme brachte. Tochter, und so kamen die Vergehungen mittelbar auch zur abend, den 9. November, erfolgte, war der Vorstand der Freis nun eines Tages der älteste Knabe, der neunjährige Oskar, Kenntniß der Behörde. Der Mann ist festgenommen und bereits religiösen Gemeinde bgreiflicherweise in eine arge Berlegenheit Sped braten wollte, glaubte er ebenfalls ein Spiritusfeuer in nach Moabit in das Untersuchungsgefängniß gebracht worden, gerathen, da ein Erfaß in der Eile nicht beschafft werden der Pfanne machen zu müssen. Er verwechselte aber die während seine Tochter sich noch auf freiem Fuße befindet,