Morgenausgabe
r. 217
A 110
45.Jahrgang
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Mittwoch
9. Mai 1928
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Kommunisten und Femehelden.
Die Beziehungen zwischen dem Bund Oberland und den Kommunisten.
Eine Abrechnung.
Bon Carl Gevering.
Nachdem der von den Kommunisten versuchte schmäh liche Schacher, mit der Begnadigung der Fememörder auch die Amnestierung einiger ihrer Führer zu erkaufen, feinen Erfolg gehabt hat, haben ihre Angriffe gegen die Sozial demokratische Partei und deren Reichstagsfraktion geradezu groteste Formen angenommen. In Versammlungen und Zeitungsartikeln, in Flugblättern und zuletzt gar noch in ihrem Wahlaufruf werden führende Sozialdemokraten befchuldigt, von den Untaten der Fememörder gewußt und deren Verbrechen mindestens durch Stillschweigen gedeckt zu haben.
Ich erfreue mich dabei der besonderen Aufmerksamkeit der fommunistischen Parole- Schmiede. Nach ihren Behauptungen habe ich nicht nur das zwiespältige Treiben einiger Reichswehrdienststellen, sondern auch das Auftreten der Freilorps und Arbeitsgemeinschaften mit Einschluß aller begangenen Verbrechen gebedt. Wo immer ich in den letzten Bochen in Wahlversammlungen tätig war, im Süden oder an der Wassertante, in Mitteldeutschland oder im Westen -überall wurde ich in Zeitungsartikeln oder Flugblättern von den Kommunisten mit diesen oder ähnlichen Be hauptungen begrüßt. Nur in den Bersammlungen selbst wagte niemand, den Wählern diefe albernen Märchen zu erzählen. Ich hätte sie ja auch zu leicht mit dem einen Hinweis abtun tönnen, daß man mir seit 1921 auf der Mordliste der Femehelden ja selbst einen ständigen bevorzugten Blaß eingeräumt hatte. Aber an die fommunistischen Beitungs-, Aufruf- und Flugblattleser tomme ich nicht so leicht heran wie an die kommunistischen Besucher meiner Berjammlungen, und da mit den fommunistischen Berleumdungen weniger ich als Person als pielmehr die Partei getroffen werden soll, halte ich die folgenden Erinnerungen zur Abwehr im Wahlkampf nicht für ganz überflüssig.
Ich habe mein Amt als preußischer Minister des Innern mit der Auflösung aller sogenannten Selbstschuh= organisationen begonnen, und als ich mir deswegen die ersten Krititen an meiner Amtsführung eintrug, habe ich am 29. April 1920 in der Preußischen Landesversammlung geantwortet:
Ich hoffe zuversichtlich, daß die Erkenntnis in recht naher Zett Allgemeingut auch in diesem hohen Hause sein wird, daß wir nicht früher zu geordneten 3uständen in unserem politischen Leben und in unserem wirtschaftlichen Leben gelangen werden, bis wieder nur diejenigen Waffen tragen, die von Amts wegen dazu berufen sind."
Diesem Grundsatz bin ich treu geblieben, und um ihn zur Anerkennung und Beachtung zu bringen, habe ich meine ganze Kraft eingesetzt. Auf seiner Durchführung beruhte die innere Konsolidierung Preußens; nur so war es möglich, in des Reiches Krisenjahren Preußen und damit auch das Reich vor schwersten Erschütterungen zu bewahren. Daß es nicht immer leicht war seine Anerkennung zu erzwingen, bedarf feiner besonderen Betonung. Gegen mich standen sofort nicht nur die Mitglieder der sogenannten Arbeiter mehren, die in den Auflösungsverfügungen eine Begünstigung gegenrevolutionärer Bestrebungen witterten, sondern auch die Bünde der ehemaligen Frontfoldaten, deren Führer auf die Fortjekung ihres Lands tnechtslebens verzichten mußten, schließlich aber auch Dienststellen der Reichswehr , von denen die Kommunisten behaupten, daß sie sich meines besonderen Schutzes erfreut hätten. Schon am 18. Mai 1920 beschwerte sich die 1. Westfälische Reichswehrbrigade 7 beim Wehrtreistommando in Münster darüber, daß ich Spizeldienste in der Reichswehr verrichten ließe und bat das Reichswehrministerium. die Reichswehr gegen einen derartigen Mißbrauch der Dienstgemalt eines Regierungsmitgliedes( wört lich)" in Schutz zu nehmen. Mein Berbrechen bestand darin, baß ich Berichte eines verfassungstreuen Offizierstellvertreters entgegengenommen hatte, die die Beteiligung von aktiven Soldaten an einem gegenrevolutionären Frontbund zum Gegenstand hatten und daß ich die erste Tagung dieses Frontbundes in Paderborn überwachen ließ!
Für die Behauptungen der Kommunisten wird mit besonderer Borliebe Oberschlesien herangezogen; aber auch damit haben sie fein Glüd. Gegen die Treibereien des illegalen Selbstschutzes und der sogenannten Freikorps in Oberschlesien habe ich mich und haben sich die fozialdemokra
tischen Abgeordneten im Preußischen Landtag viel entschiedener gewandt als die Kommunisten. Auch in diesem Falle offenbart sich die ganze glorreiche Haltung der kom munisten: im entscheidenden Augenblick, wenn es gilt, gegen Mißstände anzufämpfen, find die tapferen Leute nicht da. Menn aber durch Sozialdemokraten die Dinge zurecht gerüdt find, dann begeifern die braven Kommunisten einige Jahre nachher die Sozialdemokraten als Beschützer der Bourgeoisie und der Weißgardisten.
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Im Spätsommer 1920 nach dem Einfall der polnischen Insurgenten in Oberschlesien tamen gemischte, in der Hauptsache von Arbeitern beschickte Deputationen nach Berlin mit dem Ersuchen, die deutsche Bevölkerung mit Waffen zu versehen und im Unruhegebiet den General streit zu erklären. Im Einverständnis und mit ausdrücklicher Zustimmung der Reichsregierung habe ich beide Forderungen glattabgelehnt und in Breslau die beteiligten Arbeiter organisationen und die lokalen Behörden davon überzeugt, daß es zu einem entseglichen Blutvergießen führen müsse, wenn einige Behntausende ihrer Beschäftigung entrissen und mit Waffen verfehen würden. Im Stettiner Fememordprozeß hat Ministerialdirektor Dr. Spieder von dieser meiner Auffassung, die ich niemals geändert habe, mit teilung gemacht. Als dann aber doch gegen meinen Willen sich Selbstschußorganisationen gebildet hatten, deren Mitglieder fast allen politischen Parteien angehörten, da ist es stets das Bemühen der preußischen Regierungsstellen geblieben, die Bereinigungen streng im Rahmen der stellen geblieben, die Vereinigungen streng im Rahmen der Abwehr polnischer Ueberfälle zu halten. Gegen diese Selbstschuhverbände mit dieser Zwedbestimmung sind denn auch in der Deffentlichkeit zunächst feine Klagen erhoben worden. Selbst der damals der Unabhängigen Sozialdemofratischen Partei und heute der Kommunistischen Partei angehörende Abgeordnete R a bold erklärte noch am 23. Juni 1921 im Hauptausschuß des Preußischen Landtages , soweit der Selbstschutz die deutsche Bevölkerung gegen die ober schlesischen Banden schüße, könne man nichts dagegen
einwenden.
Die Unruhe und Beunruhigung stieg, je näher der Tag der Abstimmung( 20. März 1920) heranrückte. Die preußische Regierung dämpfte, wo sie nur fonnte, mit dem Erfolg, daß offene Feindseligkeiten für einige Wochen vermieden wurden. Dann trat der Regierungswechsel in Preußen ein. An Stelle Otto Brauns trat Adam Stegerwald , Innenminister wurde Dominicus. Meinem Amtsnachfolger habe ich dringend geraten, in der Behandlung der Grenzfragen den Kurs nicht zu ändern und alle etwaigen Abwehrmaßnahmen nur unter Leitung, Anweifung und Verantwortung der Staatsregierung zu treffen. Mit Epp, Roßbach, Quloc, Löwenfeld, mit den Freikorps und Frontverbänden hatte ich im Ruhrgebiet nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht. Sie wünschte ich unter allen Umständen von der oberschlesischen Grenze fernzuhalten.
Meine Mahnungen hatten teinen Erfolg. Ich sage das nicht erst heute. Schon in der Gigung des Preußischen Landtags vom 18. Oftober 1921 habe ich erälärt: ,, Wenn wir... erst frei und ungehindert über diese Dinge ( Schlesien ) reden können, dann wird sich herausstellen, daß es ein großer Fehler war, die Mahnungen, die ich im April d. I. dem Minister gegeben habe, nicht früh genug zu befolgen... Den Selbfischukorganisationen kann man nicht früh genug ent
Man trat ihnen aber damals nicht entgegen, sondern rief fie herbei; und dann tam es, wie es in wilden, einem rohen Landsknechtsleben verfallenen Haufen kommen mußte: es wurde gemordet und gebrandschaßt, geschunden und terrorisiert.
Als ich im November 1921 das Amt des Innenminifters wieder übernahm, da war es eine meiner ersten Aufgaben, die Nester des Freikorps - Selbstfchu es auszuheben. Tausende von ortsfremden, undisziplinierten Mannschaften standen noch unter den Waffen. An das Landknechtsleben gewöhnt weigerten sie sich auch anfänglich die Waffen abzugeben und Schlesien zu verlaffen. Es bedurfte einer sehr entschiedenen Auflösungsverfügung und einer noch entschiedeneren
Amanullah tanzt!
Gine- zwei- drei, Mit der Kolontai