„ Himmelschreiende Sowjetmißstände."
Was die öffentliche Kritif alles aufdeckt.
Mostau, 14. Juni.
Der von der Parteileitung erlassene Aufruf zu strenger Selbsttritit, die auch von Stalin und anderen maßgebenden Sowjetführern miederholt empfohlen worden ist, hat eine so große Zahl von Enthüllungen über allerlei Mißstände im sowjetstaatlichen und im parteilichen Apparat zur Folge, wie sie vielleicht doch nicht ermartet worden ist. Die Somjetblätter bringen jezt täglich aus allen Teilen der Sowjetunion Berichte über Amtsmißbrauch non Sowjetbeamten, Mißstände in den Parteizellen und in den Gemertschaften usw. Dabei wird in den Berichten auch darauf hingewiesen, daß viele dieser Antlagen schon früher erhoben morden mären, doch hätten die Unzufriedenen nicht gewagt, mit ihren Beschwerden hervorzutreten. Nach der Veröffentlichung des Auftufs scheint das nun anders zu werden, und es zeigt sich im Gegen teil fast ein lebereifer bei der Aufdeckung von Fäulnisherden".
Am meisten Aufmerksamkeit schenken die Blätter in diesen Tagen den„ himmelschreienden Mißständen" in den Werk. stätten der Charfomer Straßenbahn. Die Leitung dieser Wertstätten hat seit längerer Zeit in gewissenlosester Weise für die eigene Tasche gewirtschaftet, wobei die Arbeiter und Arbeiterinnen sowohl hart behandelt als auch ausgebeutet wurden. Entsprechend den Anforderungen der Selbstfritif" schonen die Blätter cuch die Partei nicht und weisen darauf hin, daß dies alles unter stillschweigender Duldung der betreffenden Parteizellen und des Ge. mertschaftsbureaus" vor sich gegangen ist. Jetzt soll ein großer Brozeß diesem Treiben ein Ende machen. Ein ähnlicher Sumpf" scheint in der Arbeitsbörse von Schachty bestanden zu haben, mo die Untersuchung noch im Gang ist. In Odessa sieht man sich genötigt, einen besonderen Kongreß einzuberufen, um der städtischen Mißwirtschaft zu Leibe zu gehen, und auch vor der Roten Armee macht die Kritik nicht halt: die Verwaltung der Zentralwerkstätten der Artillerie hat sich Verschleuderungen zuschulden tommen lassen, wofür jetzt mehrere der leitenden Beamten zu Gefängnisstrafen und zur Abjegung verurteilt worden sind.
Gegen den Mörder Juffupoff.
Die Tochter Rasputins , eine verwitmete Frau Boris Soloviem, hat gegen den Fürsten Felix Jusfupoff und gegen den Großfürsten Dimitri Bamiowitsch, die sie als die verantwortlichen Urheber der Ermordung ihres Baters bezeichnet, eine Schadenerfastlage über 25 Millionen Francs erhoben. Frau Solovien stützt die Klage auf das bekannte Buch des Fürsten Juffupoff, in dem es über die Ermordung Rasputins ausführlich berichtet.
Irigoyen endgültig gewählt.
245 gegen 73 Wahimännerstimmen.
Aus Buenos Aires wird gemeldet, daß die im April gewählten BahImänner die Wahl des Präsidenten der Argentinischen Republik gestern vorgenommen haben. Es handelte sich eigentlich mehr um eine Formalität, da man he reits wußte, daß die Wahlmänner in ihrer großen Mehrheit für Irigoyen stimmen würden: diefer murde auch mit 245 gegen 73 Stimmen gewählt.
Irigoyen hatte diesen höchsten Boften in der Republik Argen tinien bereits von 1916 bis 1922 befleidet und frog stärksten Drud der damaligen Entente an der Neutralität seines Landes feftgehalten, während fast alle übrigen südamerikanischen Staaten Deutschland den Krieg erflärt hatten.
Hinaufgestolpert.
Bie man in Bayern Karriere macht.
München , 14. Juni. ( Eigenbericht.)
Der Juftizminister der unheilvollen Kahr Regierung, Dr. Roth, hat minmehr durch die Gnade der bayerischen Regierung einen der höchsten bayerischen Beamtenposten erhalten. Er wurde zum Generalstaatsanwalt beim obersten banerischen Gerichtshof, dem Verwaltungsgerichtshof, ernannt und tritt damit wieder direkt in den Amtsbereich des Herrn v. Kahr , der zum
Konsequenz in der Amnestiefrage.
MIN
Amnestie für. Fememörder
RFB
Keine. Amnestie Für Fememörder
Der Kommunist:„ Dies sind unsere Standpunkte in der Amnestiefrage. Welchen von beiden wir vertreten, richtet sich nach dem Wetter. Jedenfalls: Wer den andern vertritt, ist ein Verräter!"
Freilaffung aller verhafteten Abgeordneten abgelehnt.
In der heutigen Sigung der Deputiertenkammer wurde der angekündigte Antrag auf Freilassung der verurteilten autonomistischen Abgeordneten Ridlin und Rossé behandelt. Der elsässische Abgeordnete
Walther
schilderte in eindringlichen Worten die Nöte des Elsaß , das unter den Mißständen der französischen Berwaltung seit langem schwer leide. Das Kolmarer Urteil bezeichnet er als einen Standal. Der Verlauf der Verhandlungen sei von der gesamten französischen Presse in der tendenziösesten Weise entstellt worden. Das Elsaß , das durch eine Politik rigoroser Unterdrückung und durch die Beschränfung der Presse- und Bersammlungsfreiheit auf das äußerste erregt sei, habe neuerdings angefangen, an einer Unparteilichkeit der franzöfifchen Juftig zu zweifeln. Er appelliert an die Kammer, durch die fofortige Befreiung der zu Inrecht verurteilten 2bgeordneten zur Beruhigung der Gemüter im Elsaß beizutragen Seine Rede wurde wiederholt von lebhaftem Widerspruch und höhnischen Zwischenrufen unterbrochen.
Der Redner der Sozialisten, der Abgeornete Grumbach,
der am Donnerstag seine Jungfernrede im Parlament hielt, erklärte, daß es Pflicht der elfäffischen Barlamentarier sei, die Interessen Frankreichs über diejenigen des Elsaß zu stellen. Wenn feine Partei für den Antrag Walther stimme, so tut sie es lediglich aus Respett nor dem allgemeinen Stimmrecht. Die Kommunisten hätten ein Recht, sich über die Berhaftung ihrer Abgeordneten zu beschweren, solange in Rußland Hunderte von sozialistischen Politikern in den Kerfern schmachteten. Eine
Aussprache über die Situation im Elsaß sei dringend notwendig, nicht nur im Interesse Frankreichs , sondern vor allem auch im Intereffe des Friedens.
Auf Ersuchen der Abgeordneten Reibel und Brogly zieht der Abgeordnete Walther ,, im Interesse des inneren Friedens" seinen Antrag bis zur Gültigkeitserklärung der Wahl von Ricklin und Rossé, die morgen erfolgen soll, zurück. Ministerpräsident Poincaré rief erregt:„ Das ist ein schlechter Wih, dann wird also morgen die ganze Angelegenheit wieder aufgerollt werden!" Die Sitzung wurde unterbrochen.
Während der Pause scharfen sich im Sigungsjaale um Poin. geführten Diskussion zwischen ihm und dem elfäffischen Abcaré etwa 50 Abgeordnete, um einer sehr leidenschaftlich geordneten Brogly zuzuhören. Nach der Wiedereröffnung der Sigung gelangt der sozialistische Antrag Uhry auf jofortige, Eptlaffung fämtlicher zu Gefängnisstrafe verurteilten Barlamentarier zur Debatte. Der Antrag, gegen den Justizminister Barthou der Partei, die Bertrauensfrage stellt, wird von dem Generalsekretär
begründet, der der Regierung das Recht bestreitet, fich in eine De batte einzumischen, in der die Kammer nach der Berfassung allein und souverän zu entscheiden habe. Er führt dafür sehr zahlreiche Bräzedenzfälle an und weist u. a. nach, daß auch Poincaré früher in ähnlicher Situation auf feiten der Linken gestanden habe.
In namentlicher Abstimmung wurde schließlich der Antrag Uhry mit 342 gegen 166 Stimmen abgelehnt. Mit den Sozialisten haben die Kommunisten und etwa 50 Abgeordnete der bürgerlichen Linksgruppen gegen die Regierung gestimmt. Die radikale Fraktion hat sich zum größten Teil der Stimme enthalten.
Entsetzen aller anständig Gesinnten in Bayern wegen seiner hoch Soll das Hoovers Außenpolitik werden? Straßen mit eigen übersät. Unter der Bevölkerung fei
verräterischen Umtriebe seit 1924 mit der Präsidentschaft dieses Gerichts belohnt worden ist. Bor seiner Tätigkeit als Justizminister mar Dr. Roth ein unbedeutender Berwaltungsbeamter auf dem Lande. Infolge seiner völkischen Betätigung gegen die Sozialdemokratie nahm ihn Kahr in seine Regierung auf. Beide machten aber schon nach einjähriger Tätigkeit dem Kabinett Lerchen feld Plaz. Seither lebte Dr. Roth als Ministerialrat 3. D. ein außerordentlich bequemes Dasein, zumal er bis zum 20. Mai völfischer Landtagsabgeordneter war. Seine jezige Beförderung, die er mit allen Mitteln persönlichen Ehrgeizes anstrebte, zeigt, mie sehr die gegenwärtigen politischen Machthaber in Baŋern noch mit jener hochverräterischen 2era verstridt sind; die Bayern zum Gefpött in ganz Deutschland gemacht hat.
Kommunalwahlen in Preußen. Die preußischen Gemeindewahlen werden voraussichtlich mit den Kreistags- und Brovinziallandtagswahlen Ende November oder Anfang Dezember stattfinden. Eine entsprechende Vereinbarung der preußischen Regierungsparteien ist bei dem Wiederzusammentritt des Landtags im Juli zu erwarten.
Auflösung des Sächsischen Landtags abgelehnt. Am Donnerstag stand im Sächsischen Landtag wiederum ein Antrag auf Auflösung des Landtags zur Debatte. Der fozialdemokratische Abgeordnete Edel wies im Berlauf der Diskussion darauf hin, daß der Sächsische Landtag nach den Wahlen vom 20. Mai teine Existenzberechtigung mehr habe. Der Antrag wurde jedoch mit den Stimmen aller übrigen Parteien gegen die SozialDemofraten und Kommunisten abgelehnt.
Der Staatsgerichtshof in Tätigkeit. Das Reichsgericht wird sich am 22. Juni in seiner Eigenschaft als Staatsgerichtshof mit dem Brotest des Potsdamer Magistrats gegen die preußische Flaggenverordnung beschäftigen. Am gleichen Tage mird die Wahlanfechtungsfrage der Nationalsozialisten Mecklenburgs verhandelt.
Emmeline Pankhurst ist gestorben. Sie war die Führerin der englischen Suffragetten, der Frauenredytlerinnen, die durch drastische Methoden der Agitation vor dem Weltkrieg versuchten, im englischen Barlament das Frauenmahlrecht durchzusetzen.
Resolution des Konvents von Cansas City.
New Bort, 14. Juni.
Die Entschließungskommiffion des Republikanischen Kongresses in Kansas City hat dem Kongreß heute das neu formulierte Parteiprogramm unterbreitet, das wie folgt zujammengefaßt werden kann:
1. Die Partei ist gegen Annullierung der Kriegsfchulden.
2. Sie ist gegen den Beitritt der Vereinigten Staaten zum Bölkerbund, dagegen für Teilnahme an den Beratungen der Technischen kommissionen.
3. Sie fordert Aufrechterhaltung der Einwanderungsbeschränkungen.
4. Sie fordert die Aufrechterhaltung der& riegsmarine im Umfang der Washingtoner Berträge.
5.
Sie unterstützt den von& ellogg vorgeschlagenen & riegsächtungspaft.
6. Sie fordert die Fortschung der Erpedition in Ni caragua , bis die dortige Regierung in der Lage sein werde, Leben und Eigentum der Amerikaner zu schützen.
7. Die Partei fordert die Aufrechterhaltung der Schuhzollgefehgebung.
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Wie WIB. um Mitternacht meldet, ist der Entwurf vom Nationalfonvent angenommen worden.
16 Plünderer enthauptet.
Tientsin, 14. Juni. ( Reufer.) Die Chinesenstadt wird geplündert. Obgleich bereits 16 Blünderer enthauptet worden sind, geht die Plünderung weiter. London , 14 Juni.
Neuer antifaschistischer Bombenanschlag in Argentinien . Aus 3arate( Argentinien ) mird gemeldet, daß eine von Antifaschisten British United Preß meldet aus Tientsin, daß dort während gelegte Bombe in der Wohnung des italienischen Konsularagenten der ganzen letzten Nacht geplündert und gemordet worden explodierte, ohne indessen irgendwelchen nennenswerten Schaden fei. Die ganze Nacht hindurch sei maschinengewehr- und anzurichten
Bemchrien er härbar somaraen. J Chinelouieste folen
eine Panit ausgebrochen. Biele verirrte Kugeln feien in das Europäerviertel gefallen, ohne jedoch jemand zu verletzen. Das Elektrizitätswert wurde von ausländischen Truppen besetzt.
19546
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Hulan
Mukden
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Peking Tientsing
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SCHUREI
KÜSTEN
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Sonderbares Attentat auf Formosa . Dolchwurf auf des Milados Schwiegervater. London , 14. Juni.
Einer Agenturmeldung aus Totio zufolge, wird dort jetzt eine bisher von der 3ensur unterdrückte Meldung über einen mißglüdten Anschlag, der am 14. Mai in Formosa auf den Prinzen Kani, den Schwiegervater des Kaisers, verübt murde, bekanntgegeben. Danach hatte sich ein Koreaner auf den Kraftwagen des Prinzen gestürzt und einen Dolch auf ihn geworfen, der den Prinzen nicht traf, jedoch den Führer des Kraftmagens leicht verlegte. Der Kraftwagen fuhr eine Zeitlang in wildem Tempo durch die Straßen, während der Chauffeur versuchte, den Angreifer vom Wagen herunterzustoßen. Der Koreaner, der eine Dose Morphium geschluckt hatte, wurde von der Polizei ergriffen und erwartet jetzt seine Aburteilung. Der Generalgouverneur von Formosa ist infolge dieses Borfalles anrüd