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(22. Fortsetzung.) Von Tonnen glitten ihre Godanken weg zu Julian. An jenem Nachmittag im Atelier hotte er sie in seinen Armen gehalten uni> ihr Gesicht an sein« Brust gepreßt. Dann hatte sie zu seinen treuen. grauen Augen aufgesehen und— sie wußte nicht, wie es g« kämmen war— hatte ihren Arm um seinen Hots gelegt und ihre Lippen hotten sich vereinigt... Was war er doch für ein guter Freund, ihr Julian! So ge- dutdig und tapfer im Mißgeschick, so voll Lebensfreude und doch dabei so eigentümlich empfindlich! Wi« betrübt war er gewesen, daß Carmen ihr offensichtlich aus dein Weg ging, ihn nicht gegen Jim verteidigt«. Der arme Jution! Sie sah ihn vor sich, wi« sie ihn am liebsten hatte, wenn er in seinen, alten Malrock, eine unan gezündete Zigarette zwischen den Lippen, vor der Staffelei zurücktrat und über die Schulter weg mit ihr und ihren Freunden sprach, die sie zuerst ins Atelier mitge- nonnnen hatten.«Er hat die Sonne im Herzen," hatte einmal einer von ihnen über Julian gesagt, und wirklich, es war, als ob Sonnen- schein von ihn, ausginge. In ihm waren keine dunkeln Winkel. Nur Sonnenschein, wenn er sie liebevoll nud vielleicht ein wenig sehnsüchtig anblickte... Plötzlich riß Dolores die Augen entsetzt auf, und ihr Herz be- gann hestig zu schlagen. Durch das Rauschen des Regens hatte sie das Geräusch eines Fußtrittes draußen im Garten gehört. Noch einmal, dann Stille. All dos Grauen, das sie eben aus ihrer Seele gescheucht hatte, stürzt« wieder aus sie ein. Aus der Dunkelheit hinter ihr schien es zu kommen. Sie wagte nicht, sich umzusehen. Bolzengerad« saß sie auf dem Diwan und strengte ihr Gehör aufs äußerste an... Dann— ein leiser Tritt aus den Steinstusen vor dem Fenster, «in leichtes schnappendes Geräusch, dos Rascheln des zurückgezogenen Vorhanges— eine unerträgliche Spannung riß an ihren Nerven— sie fuhr herum und starrte— Ein großer Mann stand im Zimmer mtt dem Rücken gegen das Fenster, die Hände am Vorhang. Seine Augen schienen die Dunkel- heil durchdringen zu wollen. Das rötlich« Licht des elektrischen Ofens beleuchtete düstere, entschlossene Züge i« einem totenblasscn Gesicht. 21. Die Klaue des Drachens. Von seinen Kleidern rann das Wasser, und die schwarzen Haare. die unter dem triefenden Hut hervorsahen, klebten ihm am Kopfe. Langsam sielen von seinem Gesicht die Tropfen zu Boden, während er da» junge Mädchen unverwandt anstarrte. Es war ein scharfes, hartes Gesicht. Nu? die grenzenlose Traurigkeit der Augen milderte den fast grausamen Eindruck. Eine Hand in einem schwarzen Gummihandschuh fuhr hinter dem Rücken hervor und richtete die Mündung eines Browning auf das junge Mädchen. „Gehen Sie weg von dem Diwan!" Er flüsterte es nur, aber fein« Sttmm« klang rauh und be- fehlend. Mit der Pistole deutete er auf einen Bücherschrank, der neben dem Kamm an der Wand stand. „Da stellen Sie sich hin, und schauen Sie die Wand an! Wenn Sie sich umdrehen, ehe ich's sage, schieß« ich!" Sie blickte ihn an, ehe sie gehorchte. Nie hatte sie ein Gesicht gesehen, dos sie in ähnlicher Weis« erregte. So mochten die Verdammten in Dantes Hölle ausgesehen haben. Weder Hoffnung noch Lieb« oder Mitleid ging von dieser lebenden Maske aus— nur rotz und Verzweiflung. Was für Greuel hatten wohl dies« Augen betrachten müssen, welche Erinnerungen lagen in ihren Tiefen ver- funken, bis sie solch einen unmenschlichen Ausdruck angenommen hatten?! Kein Wort weiter kam von dem Mann. Sie stand der Wand gegeirüber und konnte nicht sehen, was im Zimmer vor sich ging. Aber sie hörte das Parkett leise krachen, als er sich dem Kamin näherte. Dann entstand ein Geräusch, als wenn ein Möbelstück vom Platz gerückt würde und ein merkwürdiger knirschender Laut wie vom Ansetzen eines Werkzeugs. Die Atemzüge des Mannes gingen schneller, offenbar war er bei einer harten Arbeit... Plötzlich schlug die Tür zurück, Boulots Sttnnne rief:„Wer ist da?" und der Raum war in Licht getaucht. Aber nur für den Bruchteil einer Sekunde. Ein betäubender Knall, das Klirren zer» brechenden Moses, und wieder dicke Finsternis. Dolores hörte einen Ausschrei Boulots an der Tür, sah da« Auf- zucken eines Feuerstrahls, ein neuer Knall, wieder das Klirren splitterndes Glases— die Vorhänge flogen raschelnd ins Zimmer— schwer« Fußtritte draußen— das Geschrill« von Pfeisen— Dolores fühlt«, wie sich alles um sie drehte und ließ sich in einen Stuhl fallen... Einen Augenblick später fuhren sich kreuzende Lichtstrahlen ins Zimmer. Zwei iriesende Polizisten erschienen und sprangen durch» Fenster herein. Als sie Dolores erblickten, h'ielteu sie ein wenig überrascht an. „Was gibt's. Miß?" fragte der ein«.„Wir hörten zwei Schüsse." „Hot scheint's das Licht ausgeschossen," erklärte der andere. „Und was hat's denn da gegeben...?" Er deutete auf den gelben Diwan, der auf der der Sette lag imd seine klauenbewehrten Füße ins Zimmer streckte. Ein« erschrockene Stimme rief von der Treppe her, was ge- schehen sei, und Lettice Harbury stürzte in einem etwas sonderboren Nachtgewand ins Zimmer. „Dolores!" schrie sie, als st« das junge Mädchen erkannte. „Mir ist nichts geschehen, Tante Letty... ein Einbrecher..." Wie ein Sttirmwind schwang sich Boulot vom Garten her durchs Fenster, naß bis auf die Haut, beschmutzt bis zu den Knien. Er schäumte vor Wut. und es bedurfte einer längeren Erklärung, bis sich die feindselige Haltung der beiden Konstapler in Respekt und Unter- tänigteit verwandte. Einer iqurd« zur nächsten Polizeistation geschickt, um Meldung zu machen, der andere begab sich zum Tele- phon. um Manderton in seiner Wohnung anzurufen. Al» sie fort waren, brach Boulots Entrüstung gegen sich selbst von neuem los. „Großer Gott!" jammerte er.„Fort, verschwunden! Und wenn ich denke, daß ich ihn schon am Kragen hatte, wenn ich nur leise ein- getreten wäre! Nie hätte er mir entkommen können! Was für eine Kühnheit und Geistesgegenwart. Donnerwetter...!" „Was wollte denn der Mann?" fragte Mrs. Harbury. „Was für eine Entschlußfähigkeit!" rief der Franzose, ohne die Frage zu beachten.„Nicht zwei Sekuichcn— nicht ein« hatte er, um sich zu entscheiden— und puin! schießt er das elektrische Licht
aus— und pum! kauert er sich nieder, um meinen Schuß zu ver- meiden— und pum! pum! ist er draußen und fort, wi>e er sichs schon vorher zurecht gelegt hatte!(Zuel t>-pe! Was für ein Kerl!" Er brach plötzlich ob, und seine Augen starrten verblüfft auf den umgelegten Diwan. „Sie fragen mich, Madame, was der Halunke wollte. Da haben Sie's!" Er deutete mit vor Aufregung zitterndem Finger erst auf den Diwan, dann auf den Boden. Dort lag e irrer der abgeschraubten
„Gehen Sie weg von dem Diwan!" Füße. Mtt einer schnellen Bewegung grift er danach und zeigte ihn den beiden Domen. Er war hohl. Rund um die Schraub« war eine Höhlung ausgeschnitten, groß genug, um als Bersteck zu dienen. Monsieur Boulot schlug sich mtt der Hand vor die Stirn. „Oh, ich dreifacher Esel!" schrie er.„Ich Dummkopf. Da haben wir die ganz« Erklärung..." Und wie«in Blitz fegte er aus dem Zimmer
In das Licht der Strohenlampen mischte sich schon die erste Morgendämmerung, als Boulot in einer engen Gasse, sich vorsichtig nach rechts und links umschauend, die Tür eines Barbierladens ausstieß, schnell in einen völlig finsteren Gang trat und sie wieder hinter sich zuzog. Sogleich legte sich aus der Dunkelheit eine Hand auf seinen Arm. „Was wollen Sie hier?" Die Stimme klang wie die eines Ausländers. „Ich will mich nach Gaston, dem„Eichhörnchen", umschauen." „Also Freund. Gut! Geh nur bis ans End« des Ganges , aber mach keinen Lärm, damit die verfluchte englische Polizei..." Der unsichtbare Aufpasser verschwand murmelnd, während Boulot mit vorgestreckten Händen weiterstolpert«, bis er zu einer neuen Tür kam. Dann ging's über einen engen Hof zu einer dritten, hinter der«in Gewirr von Stimmen hörbar wurde. Eine Wolke heißer, tabatdunstgeschwängerter Luft schlug ihm entgegen, als er in den schmalen, durch Oellampen erhellten Keller» räum eintrat, zu dem einige steile Stufen hinabführten. An kleinen Tischen saßen meist einzelne Paare in eifrigem Gespräch. In der Mitte drehten sich«in halbes Dutzend Paare im Tanz. Boulots Blick streift« über sie hin: eil« Auswohl aus der Gesellschaft, mit der er in seinem langen Berufsleben zu wn gehabt hott«. Apachen mit ihren Stierköpfen und schleimigen Augen, entlassene Sträflinge. an ihrer grauen Gesichtsfarbe zu erkennen, geschminkte Dirnen und erfolgreiche Geschästsver breche? mit dicken Zigarren im Mundwinkel und einer Flasche Ehampagner neben sich An einem Tisch allein saß Gaston. der Kellner aus dem kleinen französischen Restaurant. Boulot klopft« ihm auf die Schulter. „Ein bißchen spät, aber da bin ich..." Dcr andere sah auf und warf ihm«inen mißtrauischen Blick zu. „Was wollen Sie von mir? Ich kenn' Sie nicht." Boulot fetzte sich lachend an den Tisch und nickte wohlgesällig seinem Bild in einem an der Wand hängenden Spiegel zu. das ihm einen schwarzhaarigen, gutmütig aussehenden Mann von etwa vierzig Iahren zeigte. „S« haben doch nicht erwartet, daß ich mich den Herrschasten so vorführe, wie sie mich von meinem Amtszimmer her kennen..." Gaston haute mit der Hand auf den Tisch. „Sie sind einer, Patron! Weiß Gott, da tonn man noch immer was lernen. Und jetzt hören Sie: unser Mann war hier letzt« Nacht..." „Letzte Nacht? Unmöglich!" „Lotte hat ihn erkannt. Näher heran, Patron?-- D* Frau da am nächsten Tisch könnt' was hören..." Boulot schielt« vorsichtig nach dem Spiegel. Das Mas warf die Gestalt einer Frau zurück, die allein am anstoßenden Tisch saß. Sie sah elend aus. ihr Gesicht war leichenblaß, und um die Augen hotte sie dunkle Ringe. Eine Masie dichtes, rotbraunes Haar stand um ihren Kopf und war im Nacken in einen Knoten ge» schlangen. Bor sich hatte sie«ine Tafte Kaff«, die noch unberührt war. Ohne sich anscheinend um irgend jemand zu kümmern, starrt« sie unbeweglich ins Leere.(Fortsetzung folgt.)
Rät sei= Ecke des„Abend".
mnininiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinuiiiiiiniiiiiuutuiiimainviiRHii
Kreuzworträtsel.
Wagerecht: 1. Ruhepause: 4. männlicher Vorname: 7. Rank- gewäche: 8. Pökelbrühe: 9. Weidelaid: II. Uferstraße: 13. Geist: 15. Ausdruck beim Kartenspiel; 17. Leere: 19. Saftpflanze: 21. Reinigungsmaßnahme: 22. mathematischer Körper; 24. Krater: 25. Sportausdruck für voller Lauf; 26. Vertrag: 27. Lebewesen.— Senkrecht: 1. Ankerplatz: 2. englisches Wort für Meer: 3. Beiguß: 4. Kleidungsstück: 5. Vogel: 6. Kreis in Brandenburg : 10. Aalgabel: 12. witzige Laune, 14. abgeschmackt: 16. Fisch; 17. Göttersitz: 18. Reichspräsident; 19. Goldmacher; Schwarzkünstler; 20. schleswig - Holstemischer Fluß: 22. mundartlicher Ausdruck für Pranger; 23. alt» deutsches Gedicht. Silbenrätsel. Die Silben ach da fa fer ful ger kaf land med nan ni pe rau re ro ti uh xe find zu 9 zweisilbigen Wörtern von folgender Be- deuwng, zusammenzustellen: 1. Schriftsteller: 2. umstürzlerischer Re- ligionskritiker: 3. türkischer Name: 4. Geist; 5. Angehöriger eines afrikanischen Volksstammes: 6. Leuchtturm: 7. Dichter: 8. Insekt: 9. wildes Tier. — Die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, und die Endbuchstaben, ebenfalls von oben nach unten. ergeben zusammen den Namen einer deutschen Stadt. llnterfchiedlich. An„f"(ein Spruch sagt es wohl auch) Zeigt sich erst die Kultur; Mit„d", so zart oft wie ein Hauch. Ist's für die Reichen nur! Verwandlungsrätsel. Die Wörter: Else— Basel— Lampe— Rede— Eros— Ranke— Dorn— Rot— Leo sind durch Umstellen der Buchstaben in neue Wörter zu verwände!», deren Anfangsbuchstaben, hintereinander gelesen, ein« Welthilfssprache nemteit hL
Z-üllrätsel.
Die senkrechten und die wagerechten Reihen sollen gleich lauten: 1. Ottsbegriff: 2. Fluß: 3. Gesprochenes: 4. englischer Borname. Schieberätsel. Die Wörter Equipage, Warschau , Wesel , Hirse, Israel und Apfelsine sind untereinander zu setzen und seittich so zu verschieben. daß zwei benachbart« Reihen, die«in« von oben nach unten, die andere von unten nach oben gelesen, eine viel beachtete kulturelle Veranstaltung nennen. Oefiziträtsel. Aus den Silben ol och beil bit deck dikt en fei fest feld ait in in kon lo land not ne rei tor tum»a bilde man 11 dreisilbige Wörter mit gleicher Mittelsilbe.— Werden die so erhaltenen Wötter hieraus richtig gereiht, so nennen die Anfangsbuchstaben, nochein» ander gelesen, den Namen einer begabten deutschen Romcmdichterin der Gegenwatt. Auflösung der Aufgaben nächsten Sonnabend.
Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Zahlenrätsel: Raketenflugzeug ; Alaun; Keule; Erzeuger; Tanne; Erna: neun; Ferkel; Lunge; Ural; Gellert: Zange; Erkner : Unke; Gattung. Versteckrätsel: Schwlebus, Germersheim , Erwiderung. Bodens«:, Lichtbogen, Flundern, Norwegen — Wie gerungen, so ge» lungen. Zahlen st ernrötsel: Hatte. Erk, Roh«, Ahle, Kiel , Liter. ia. Thal«, Hnatlit. Kammrätsel: 1. Seine: 2. Nurmi: 3. Eiger : 4. Wesel : 5. Notar; 6. Ernte. — Sonnenwende. Figurenrätsel: 1. Fontane ; 2. Mühl«; 3. Eberl: 4 Rot; 5. Ode: 6. o; 7. r= Theodor. Di« Großen und die Klei»«»; Rentner.