� Unterhaltung unö �Dissen
Brief aus Südftankreich. Argeniinische Ameisen, Siabilisation, Kino am Meeresstrand.
Oer Sumpf. Vau Kaloddrichkeit. Ja, fie war jung. Und sie war schön. Noch borgen ihre fchwennütig-dunven Augen jene träumerische Andacht, die man gemeinhin Anmut nennt. Noch strafften ihre jungen, schlanken Glieder sich beim Tanze, noch... Noch? Noch! Ja, sie war jung. Und sie war schön. Sie hieß Liselotte. Man nannte sie Lilo. Ihr Vater war ein Ungetüm. Er war nicht eben ein Verbrecher im landläufigen Sinne. Er war kein Verbrecher, den man für seine Taten verantwortlich machen kann, er war ein Säufer und soff, um sich zu betäuben... Ihre Mutter war ein ängstliches, vermickertes Weibchen, dos in ständiger Sorge lebte um ihren Mann, in ständiger Angst vor der Polizei. Nun war da«in« Nacht. Ein« unbeschreiblich kleinmütig«, trost- lose, elend«, von Sott verlassen« Nacht, da Silo au» dem Hause schlich Der Dater war im Bogriff, ein Ding zu drehen. Er hockte da oben mit Double- Egon und dessen Fräulein Vraut, jener Proftituiertgowesenen, die man allgemein unter dem hübschen Deck» namen Chemisett ensule kannte, über einem Plan, der die Lage des Zigarrenladens von Karl Schmitzk« an der Ecke zweier Straßen, die hier in der Nähe sich kreuzten, veranschaulichte. Lilo ging hinaus in die Nacht. Sj« spürte nicht die Schmerzen, die von den Schlägen mit der Hundepeitsche herrührten, sie fühlt« nur eine». Und dieser Gedanke, daß man ihr ihren Teddy nehmen würde, ihren Menschen, ihren Geliebten, den Einzigen, der in ihr Menschentum lebendig bleiben ließ, machte sie fast rasend vor Angst. Teddy war Arbeiter. Er arbeitete in einer enormen Fabrik irgendwo an der Peripherie der gewaltigen Stadt. Nun ober hatte ihr Vater ihn überredet, gemeinsame Sach� mit ihm zu machen, sich an dem von langer Hand vorbereneten Einbruch zu beteiligen. Als Lilo dies gehört hott«, hatte sie gebeten und gefleht, doch wenigstens ihn zu schonen, ihn bei seiner Arbeit zu lassen, ihn nicht auch zu „so einem" zu stempeln. Als sie nicht abließ, die drei verwahrlosten Menschen, die da oben hockten, zu bitten, ihr ihren Menschen zu lassen, war der eine von ihnen aufgesprungen, hatte geschrien:„Nu oba Schlußl" Und hotte sie mit der Peitsche bearbeitet. Dann hatte er sie am Genick gefaßt, hatte mtt dem Knie in ihr Gesäß gestoßen und sie die Treppe hinuntergeworfen. Das war der Dater gewesen. Der Vater, der— haha— drei Tag« vorher ihren Speichel geleckt hätte, weil er hofft«, sie an den Schweinemäster, den er am Bahnhof Alexanderplatz ausgefischt hatte, verkuppeln zu können. Sie aber hatte sich gewehrt. Denn sie liebte. Sie liebte so innig, so hingebend, wie es eben nur solchen Jungweibern beschieden ist, zu lieben, die ihr letztes Restchen Menschsein, ihr winzigwenig Sonne und Wärme von dem erhoffen, den sie mit ihrer ganzen Kreatur lieben. Sie ging. Die Nacht war dunkel, spärlich nur erhellt von trübe ftinzelnden Stocklaternen. Do sah sie Teddy. Er eilte an den Fronten der gespenstisch sich in den Himmel reckenden Häuser ent- lang. Sie trat ihm in den Weg. Sie sagte nichts. Sie sah ihn an. Und in ihrem Blick lag etwas, was ihr armer Mund nicht hätte lallen können. Er aber wandte sich ob. Ging weiter und weiter, bis er ihren Blicken entschwunden war. Ja, sie war jung. Und sie war schön. Und so hofft« sie also, daß ein gütiges Geschick ihn ihr wiedergeben möge. Sie setzt« sich in ein Lokal. Die widerwärtigen Flecke auf dem Tischtuch stierten sie an. Eine Jozzbande leierte einen Blackbottom. Es tanzten welche. Einige grölten tierisch gemeine Lieder, die sie während des Krieges in belgischen Bordellen gelernt hotten. Draußen strichten die armseligen, vermaledeiten Dirnen ihren einsamen Lebenstrott. Eine gierig« Hand tätschelte ihr Kinn, eine andere betastete ihr« seidenen, jungen Schenkel. Sie fühlte das nicht, sie dachte immer den einen,«inen Gedanken. Dal Ein Schuß. Grell, beißend bellt er durch die Nacht. Dal Ein zweiter Schuß. Rack-tack-tack, rack-tack-tack. Noch ein Schuß. Dal Noch einer. Und nun beginnt auf der Straße die Flucht, wild« Jagd, unsagbare Hast. Der Sumpf schlägt Blasen. Im Moment ist das kleine Lokal erfüllt von gestikulierenden, atemlosen Menschen, die aus der Flucht sind vor einer sich verirrenden Kugel. Die beiden gierigen Hände, die Lilos Gesicht und Beine be- tasteten, singern in neurastenischer Hast an einem Schlagring. Wortfetzen schwirren:„Beim Zijarrenftitzen Schmitzke hamse innjebrochen."„Schmitzken hamse um de Eck« jobracht."„2Ver denn?" „Määnsch, det kannste dia doch denken...." Ein Weib stürzt in die Kneip«: Chemisettenjule.„Uhje, uhje," stöhnt, heult, plärrt sie mit schlaffen, blutlosen Loipen. Da sieht sie Lilo, die zusammengekauert dahockt.„Määchen," kreischt sie aus, „Määchen, Määnsch, dein Data hamse oschossen." Da löst sich Lilos starr« Ruhe. Da bricht alr das jahrlang Unterdrückte, all' das mühselig Ueberwundene mit ungeahnter Vehemenz hervor. Sie weint nicht, oh nein. Sie schluchzt ein inner- liches, ihren armen, unkeuschen Leib erschütterndes krampfhaftes Weinen. Sie denkt nicht an den Vater, sie denkt auch nicht an die Mutter. Sie läuft hinaus. Hinaus in die Unheil verkündende Nacht. Sie will ja nichts für sich. Sie will nur ihn retten. Bald ist sie an der Ecke, wo die Menge sich staut. Nun erfährt sie, daß Schmitzke ihren Dater erschossen hat. Notwehr! Dann fährt das Polizeiauto vor. Die Sipos springen von dm Bänken. „Weitergehen, Ruhe, Weitergehen..." Ihre Augen irren umher. Und nun geschieht das Entsetzliche. Das Grauenvolle. Dos Unbeschreibliche. Zwei Polizisten schleppen zwei Männer mittels Polizeigrlff zum Auto. Der eine, Double- Egon, zeigt ein« grinsende, gleichwohl von Schmerz verzerrte Gn- masse. Der ander« aber fft Teddy. Da sinkt sie vornüber auf den nn Laternenlicht opolschimmernden Asphalt. Sie erwacht. Sie liegt in der Wohnung ihrer Eltern. Draußen graut ein grausamer Morgen. Alles fft ungewohnt sauber. Alle» fft ungewohnt geordnet. Lilo steht auf. Sie reckt die schmerzenden Glieder. Dann geht sie zu ihrer Mutter, die kleiner, vergrämter, vermickerter denn je am Fenster sitzt. Sie will ihr etwas Liebevolle» sogen, will ihr sagen, daß sie für die Mutter arbeiten will... Da fühlt sie zurückschreckend, daß kein Loben mehr in den starren, kalten Höndm ist Dann g«ht st« in ihr« Kammer. Wäscht sich sehr sorgfältig. Schminkt die Augenbrauen, die Wimpern, di« Wangen , die Lippen, selbst ein Schönheitspflästerchen vergißt si« nicht. Sie zieht sich sehr bedachffam an. Stellt sich vor. den Spiegel. Und der Spiegel brüllt ihr etwas ungeheuer Unflätiges ins Gesicht, etwas ungeheuer Unflätiges, was sie später in viel gemeinerer Auflag« aus den be- erledigte» Münder« divers« Männer hören wird. Sie geht hin-
Nun haben wir die Sonn«! Nun rinnt der Schweiß, mm gehen wir mit nackten Beinen, nackten Armen und Hälsen in hemdorttgen Kleidern. Alles grünt, blüht, wuchert!— Rosen blühten und ver- welkten und blühm schon wieder. In Gärten, auf Mauern, Wiesen und Feldern allüberall Rosen! Schwer hängen ttefviolett die Trau- ben der Glyzinen von Portalm, Ballonen herunter. Orangen duften, Nelken wuchern in nie gesehener Pracht und Lilien atmen be- rauschend« Düste aus. Die Palmm haben sich vom Winter erholt und strecken majestätisch ihr« neuen Fächer au», während die ver» welkten am Stamm herunterhängen, de« sie gegen die zu heißen Sonnenstrahlen schützen. DI« Pfesserbäum« zittern in der warmm Lust mit ihrem dünnsingrigen Laub, und Platanen bekommen breite» schattenspendende Blätter. Recht unordentlich zeigen sich die allen Eukalyptusse. Roch vom Winter her trage» sie ihr welle» Laub, da» vom frischen stark verdrängt wird und doch nicht abfällt. Die Eukalyptusse verunzieren das Frischgrün der anderm Bäume. Luch werfen sie wie alte Lappm ihre Rind« ab, die in langen Fetzm von dm Stännnm herunterhängt. Wie zerlumpt gehend« Weiber sehm sie aus, diese unordentlichen Eukalyptusse! Glasklar ist das Himmelszelt, das Meer flimmert und funkelt in Sonnmglut. Tagsüber sind nur wenige Menschen auf den Straßm, die Fenster der Häuser sind dicht geschlossm mit„Volets", wie man hier die Holzläden nennt, die im Süden an keinem Hause fehlen. Hunde sollen Maulkörbe tragm oder an Leinen geführt werden. Die sengende Sonne läßt leicht Tollwut auskommen. Das Gesetz ist da und es ist berechtigt; aber keiner kümmert sich darum. Man ist frei, jeder will ftei sein, tun, was er will, und tut es auch.-- .Grosse", die Stadt der Blumendüst«, roirt) von einem Feind bedroht. Nicht Menschm sind es, sondern winzige Lebewesen. Man denke, kaum zu sehen sind sie, und bedrohm Leben und Sicherheit einer Stadt. Es ist die schrecklich« argentinische Ameise, gegm die es heißt, Krieg zu führen. Aus den Kolonim hat man Pflanzen exportiert und hier angesiedelt, und auf ihnen saßm diese Ameisen, die, falls man ihnen nicht energisch zu Leibe geht, die ganze Stadt unwohnlich machen, ja. fast aushungern. In dm Häusern nisten si«, an Mauern kriechm sie milliononweis hinauf, in Schränken wimmeln sie, daß all« Lebensmittel voll von ihnen sind, kein Kleidungsstück verschonm sie, und der Mmsch kann sich ihrer schwer erwehrm.„Un danger qu'il kaut conjurer*(eine Gefahr, die beseitigt werden muß), so schreibm die Zeitungen und rütteln' die Menschen auf..La kourmii Argentine*(argentinische Ameise) bedeutet geradezu ein Unglück, eine nicht auezurottende Landplage. Das Insekt fft so klein, kaum bemerkbar, und überfällt in kürzester Zeit ganze Häuserrechen, wie es schon einige Villen volllommen besetzt hält. Wie schwer wird e» sein in.Grass«', mit den engen Sassen und dichtbevölkerten, uralten Häusern, dieses Feindes Herr zu werden. Etwas neues! Stabilifatton!— Der Franken hat seinm festen Kurs. Noch dem Stand des Dollar. Kein Mensch weiß Bescheid! Fragt man, so heißt es, die Lebensmittel werdm billiger. Trotzdem wurde das Brot von Woche zu Woche teurer.
unter. Auf der Treppe stehen di« raunzenden, schnalzerchm Klatsch- weiber mtt ihrm rachitischen Kindern, di« anormal große Köpfe mit alten Gesichtern und winzige, knochige Körperchen haben. Eines der Kinder,«in kleines Mägdelein mit kleinen rattmschwanzartigm Zöpfchm im Racken, tritt hervor und reicht ihr schüchtern die klein« Patschhanü.„Tante Lilo." sagt das Kind,„nu jehste unn kommst nich mehr wieda. Sei man froh, nu krichste wmichstens teme Sänge mehr von deinem Ollm.. Bald fft sie unten. Bald ist sie in einem dumpfen Zimmer mit irgendeinem Schweinemäster oder Ritzenschieber. Bald ist sie ganz gefühllos, stumpf. Und die sattgefressenen bürgerlichen Exfftenzen werden sie„versiert" nennen. Sumpf.
Oer Spürhund. Bon Michael Sostschenko. (Au« dem lKusflschen von Alma Leperej. Dem Kaufmann Ieremey Babkin haben sie«inen Waschbärpelz gestohlen. Der Kaufmann Ieremey Babkin hat tüchttg Krach geschlagen. Arg leid tat es ihm um den Pelz. „Ein feiner Pelz, Bürger," sagte er,„schade drum. Ich werde kein Geld scheuen, den Verbrecher werde ich schon erwischen. In die Fratze spucke ich ihm." Und so ließ also Ieremey Babkin einen Polizei-Spürhund kommen. Es erschien ein Mensch in Käppi und Schal und mit ihm ein Hund. Ein ganz gewaltiger Köter, braun, di« Schnauze spitz und unsympathisch. Der Mensch stupste seinen Hund auf die Spur neben der Tür, sagt«„Ps" und zog sich zurück. Der Hund schnupperte in der Lust, überblickte die Meng«(es hatte sich natürlich viel Bolk angesammelt) und plötzlich ging er auf die alle Thekla von Nr. 5 los und beschnupperte ihren Rocksaum. Die Alte flüchtete in die Menge. Der Hund hinter ihrem Rock. Di« Alt« läuft zur Seite— der Hund hinter ihr drein. Hat die Alle am Rock gepackt und läßt sie nicht los. Die Alt« stürzt vor dem Agenten auf die Knie. „Ja." sagt sie,„Ihr habt mich erwischt. Ich leugne nicht. Und," sagt sie,„fünf Eimer Kauerkohl, das stimmt. Und der Ap- parat— das ist wahr. Alles steht im Badezimmer. Führt mich zur Polizei." Nun, dos Voll machte Augen. „Und der Pelz?" fragte sie. „Dom Pelz," sagt si«—„weiß ich nicht». Hab keine Ahnung davon, aber das ander«— das stimmt. Führen Si« mich ab. Der- urteilen Sie mich." Nun, di« Alte wurde abgeführt. Der Agent nahm wieder seinen Hund, swpste ihn mit der Nase aus die Spur, jagte„Ps" und trat zurück.,
Nicht viel, immer einen.Souz" mehr(5 Eetttim) das Kilo. Es wird hier noch immer nach.Sous" gerechnet, bis hundert, wie bei uns wohl alte Leute noch von.Groschen" und.Dreier" reden. Wir Deutsche, die wir die Folgen der Inflasion und Stabilisation kennen, sind weniger optimistisch. Hier sogt man, dos französische Volk ließe sich so etwas nicht gefallen. Gewiß, so geduldig wie wir, sind die Franzosen nicht. Sie verstehen es besser, Revolutionen zu machen als wir. Doch wo» sollen sie jetzt tun? Das Leben fft schon teuer genug. Dorlänfig merkt man noch gar nicht«. Do» schmierig« Papiergeld kursiert noch. Poinearö hat eine feine Red« geschwungen und man vertraut ihm. Bielleicht bleibt es wie es war, vielleicht kommt es aber nach und nach anders, bis da» Bolk sich erst gewöhnt hat.* Cannes hat wieder den Charakter einer kleinen Provinz- stadt bekommen. Man ist nun unter sich, die Fremden sind fort. Alle eleganten Geschäfte mit Luxusartikeln sind geschlossen. Das Leben auf den Straßen erwacht erst gegen Abend. Dies« warmen Sommernächte am Meere sind köstlich. Wir haben unten am Strand dicht am Kasino, ein Kino im Freien. Die breite Leinewand ist bis in das Meer gespannt, und vom nächtlichen Himmel sieht der bleiche Mond erstaunt, was uns an Bildern vorgeführt wird. Bunt- gestreifte Marquisen umzäunen den Platz, auf dem über 1000 Menschen sitzen können. Im Juli bekommen wir eine italienishe Oper auch ttn Freien am Meer. Dabei plätschern leise di« Wellen, buntbeleuchtete Boote schwimmen schemenhaft vorüber, und weit hinten sieht man die Konturen der sagenhaften Lerinishen Inseln: .Saint Honorat" und.Saint« Morguerite". Letztere war noch im siebzehnten Jahrhundert eine stark« Festung. Unter ihren Gefangenen befand sich der mysteriös«.Mann mit der eisernen Maske", von dem man annimmt, er sei ein Bruder Ludwig XIV. gewesen. Ander« wieder meinen, es war ein Graf Mattioli, Herzog von Mantua , den man mit List und Gewalt aus seinem Land«nt- führt hatte, weil er bei Unterhandlungen dem König Ludwig XIV. Unannehmlichkeiten bereitet habe. Sicher ist jedenfalls, daß man in dieser Festung einen Menschen fast ein Leben lang gefangen hielt, dessen Gesicht mit einer eisernen Maske verschlossen war.— Während des. Weltkrieges waren hier di« zurückgebliebenen Deutschen inhaftiert. Die Insel.Saint Honorat" ist kleiner und durch die 700 Meter breite, farbenprächtige Meerenge.Frioul" getrennt. Diese still« Insel, während der Revolution von einer französischen Schau- spielerin gekaust, wurde dann später von den Zisternienser Mönchen übernommen, die neben dem alten Kloster eine Abtei und ein Waffenhaus errichteten. Sie trieben Obst- und Feldbau und be- reiten noch heut« den köstlichen Lerina-Likör. Männer können da» Kloster besichtigen, Frauen dürfen es nicht betreten.— All das oev- schwimmt im nächtlichen Dunst, während auf der weißen Leinewond die abenteuerlichen Geschichten des Films an uns vorüberziehen. Hier im Kino in Cannes am Meeresstrande, in einer milden Sommernacht, sind die Frauen jedenfalls in der Mehrzahl. Claire Pape, s
Der Hund ließ seinen Blick umherschweifen, schnuppert« in der Lust und ging plötzlich geradeswegs auf den Hausverwaller los.. Der Hausverwalter erbleichte und fiel auf di« Knie. „Fessell mich," sagt er,„gute Leute, ausgeklärte Bürger. Ich habe," sagt er,„Geld für's Wasser gesammelt und diese» Geld zu meinem Vergnügen verjuxt." Run die Einwohner sind natürlich über den Hausverwalter hergefallen und haben ihn gefesselt. Aber der Hund geht indessen auf den Bürger von Nr. 7 zu und zerrt ihn an den Hosen. Der Bürger erblaßte, fiel vor dem Volk auf die Knie. „Schuldig bin ich." sagt er,„schuldig. In meinem Dienstbuch habe ich ein Jahr unterschlagen. Das ist wahr. Ich bin ausgelost, müßte im Heere dienen und das Baterland verteidigen, anstatt dessen wohne ich hier auf Nr. 7 und profitiere von der Elektrizität und von anderen kommunalen Einrichtungen. Nehmt mich- in Gewahrsam!" Das Bolk aber staunte.. „Was ist das für ein wunderbarer Hund?" dachten sie. Aber der Kaufmann Ieremey Babkin blinzelte mit den Augen. blickte umher, zog Geld hervor und gab es dem Agenten. „Deinen Köter," sagt er,„kannst du zum Henker schicken. Meinetwegen soll der Pelz hin sein. Hol ihn der Teufel." Aber der Hund ist schon da. Steht vor dem Kaufmann und wedelt mit dem Schwanz. Der Kaufmann Ieremey Babkin wurde ganz verlegen und wollte sich drücken, aber der Hund ihm nach. Geht auf ihn zu und schnuppert an seinen Ueberschuhen. Der Kaufmann begann zu stottexn und wurde ganz bleich. „Nun," sagt er.„Gott sieht die Wahrheit also doch. Ich bin ja auch," sagt er,„ein Hundsfott und Beutelschneider. Und der Pelz, Brüderchen gehörte gar nicht mir. Den Pelz habe ich meinem Bruder abgeknöpft. Ich schlage mich an die Brust und bereue." Hier begann das Bolk nach allen Seiten auseinander zu laufen. Der Hund hotte gor keine Zeit zu schnuppern, er packt« gleich zwei, drei auf einmal, wer ihm gerade in den Weg lief, und hielt sie fest- Die beichteten. Einer hatte Staatsgelder in Karten verfpiell, der Zweite hatte sein Weib mtt dem Bügeleisen geschlagen, der Dritte hatte so etwas gesagt, was gar nicht wiederzugeben ist. Schließlich war alles Volk auseinander gerannt. Der Hof war leer. Es blieben nur der Hund und der Agent. Und plötzlich geht der Hund auf den Agenten zu und wedelt mit dem Schwanz. Der Agent wurde bleich mtt» fiel vor dem Hunde nieder. „Beiß mich," sogt er,„drei Tscherwonzen bekomme ich für deinen Hundefraß, und zwei davon habe ich für mich behalten.. Was weiter geschah, weiß ich nicht. Ich habe gemacht, daß ich davon kam.