� Unterhaltung unö Wissen jzz.
Das„freunoli Das verhängnisvoll« Scheitern der Nobile-Expedition und in« Schwierigkeiten b«i der Rettung der einzelnen Mannschaften haben wieder einmal gezeigt, wie schwer zugänglich die Eisfelder des Polar- gebiet«? sind, wenn man sich ihnen nicht mit den richtigen chilfs- Mitteln nähert. Um so mehr verdient der Weg zu den Polargebieten Beachtung, den der„Reoolntionür der Polarforscher V i l h j a l m u r S t e f a n s s o n, dem die Berliner Gesellschaft für Erdkunde in diesen Tagen die„Silberne Medaille" verliehen hat, der Forschung wies. Er ist der festen Ueberzeugung, daß der Norden, der so viel grausam« Tragödien gesehen hat, ein Land ist, in dem es sich ebenso gut leben läßt wie in der übrigen Welt. Er will nichts wissen von dem„öden",„leblosen",„schweigenden" Norden und von den Schrecken der Polarnacht, die doch für die Eskimos die Zeit der höchsten Freude ist, in der sie nach Herzenslust tanzen, springen und schmausen. In den„Eiswüsten" gewinnt Stefanison durch Jagd Lebensmittel in Hülle und Fülle. Das Tierleben ist nach seiner Meinung gerade in der Nähe des„Polarmeers ohne Leben" reichlich vorhanden, die großen Fischercigründe liegen in Den nördlichen Meeren. So lebte er SM Jahre von dieser„Eiswüste", und er entdeckte riesige Kohlenlager, taufende Quadratkilometer neuen Landes und die berühmten„blonden" und die„Kupfer-Eskimos", die wahrscheinlich von normannsschen Ein- Wanderern herstammen. Er schildert das„freundliche Eismeer" in seinem bei F. A. Brockhaus erschienenen Luche„Das Geheimnis der Eskimos", das unsere Anschauungen über jene Gebiete völlig um- wandelt. Gleich der Bericht über den asten Ta� den er unter den Eskimos der Delphin, und Union-Straß« verlebte, deren Dasein noch auf der Stufe der Steinzeit steht, ist ein« Idylle, die man in diesen Gegenden nicht oermuten würde.„Die Mundart", erzählt der For» scher,„untttschiad stch so wenig von der geläufigen der Mackenzie- Eskimos, daß wir uns mühelos verständigen konnten". Es wird bei wilden Völkerschaften wohl selten vorgekommen sein, daß ihr erster weißer Besucher sie in der Muttersprach« begrüßt«. Somit bot sich mir eine außerordentlich günstige Gelegenheit. Von Anbeginn unter- hielten wir uns über gemeinsame Belange, und bald zählten sie mich zu den Ihrigen. Was diese Kinder der Wildnis am meisten fürchten, gas sind die bösen Geister und kaum weniger die Fremden. Wir hatten uns als Menschen entpuppt. Al, Fremde fürchteten sie uns dann weniger, weil sie vierzig gegen uns drei waren. Aber sie hatten schnell Dertrouen zu un» gefaßt, denn, wie sie sagten, kehrt«in Mensch dem anderen niemals den Rücken zu, wenn er selber die Absicht hat, hinter- rück« den Dolch zu zücken. Das neue Haus war noch nicht ganz fertig, als die Kinder herbeieilten und meldeten, daß ihre Mütter mit dem Essen warteten. Wegen der Eng« der Behausungen kam jeder zu einer anderen Familie. Diese Verteilung ist bei den Eskimos Anstandsregel. Mein Wirt war der Robbenjäger, dem wir zuerst aus dem Eise be- gegnet waren. Er meinte, daß sein Haus sich besonders für mich eigne, weil feine Frau von allen Stammesyenossen am weitesten westlich geboren sei. Man munWte sogar, daß ihre Vorfahren au« dem Westen«ingawandert waren. Daher möchte sie mich gerne ausfragen. Die Frau war indessen nicht sehr gesprächig, aber gutmütig, gastfrei und mütterlich, wie alle ihre Schwestern. Ihre erste Frag« war nicht nach meiner Herkunft, sondern nach meiner Fußbekleidung. Hatte ich nicht etwa nasse Füße: wollt« ich. nicht die Stiefel ausziehen, damit sie sie über der Lampe trockne? Möchte ich nicht ihres Mannes Socken anziehen, und gab«s nicht Löcher in den Kleidern oder
che Eismeer". Fäustlingen auszubessern? Sie hatte Robbensleisch für mich gekocht, aber kein Fett, weil sie nicht wußte, ob ich de« Speck roh oder ge- sotten vorzog. Sie aßen den Speck immer roh, ober der Tops lsinge noch über der Lampe, und die Sache sei tm Handumdrehen erledigt. Als ich ihr— übrigens der Wahrheit gemäß— sagte, daß mein Geschmack der ihrig« sei, war sie hocherfreut. Also trotz großer Eni- fernungen blieben sich die Menschen doch ziemlich ähnlich. Sie wolle mich nun al» einen der Ihrigen betrachten. Als ich zur Tür hereinkam, lag da» Robbensleisch schon damp- send auf der Platt«. Die Frau überreicht« mir dos beste Stück der Dorderstosse, nachdem sie das Fett gründlich ausgedrückt hatte, so daß nicht, mehr abttopft«. Dazu reichte sie mir ihr eigenes Kupfermesser. Der Mann bekam da» nächstbeste Stück, und so ging es der Reihe nach. Darm wurde«in Happen beiseitegelegt, fall» ich noch mehr verlangt«. Den Rest de» Fleisches teilt« mein« Wirtin in vier Teile und erklärte, daß vier Familien im Darf kein frisches Seshundfleisch hätten. Die kleine Pflegetochter de» Hauses, ein siebenjährige» Mädchen, mußt« die Speisen aus einem Holzteller hinübertragen. Die Gaben waren viel kleiner als unsere Anteile, so haß ich fürchtet«. die Beschenkten würden nicht sehr sott werden. Indessen hörte ich später, daß fast alle Familien beisteuerten, mehr als die Notleidenden bei einer Mahlzeit vertilgen konnten. Während des Essens liefen andauernd Geschenk« bei un, ein. Jede Hausfrau schien genau zu wissen, was die anderen im Tops hatten. Glaubte sie etwas befon- deres zu haben, so schickte st« es herüber, und olle paar Minuten kam ein« Nein« Botin mit Leckerbissen. Gewiss« Stück« waren ans- schließlich für mich bestimmt. Wir sahen aus dem Rande der Bett- bühne, jeder mit seinem Ueisch in der Linken und dem Messer in der Rechten. Zum erstenmal im Leben benutzte ich eine kupferne Kling«. Ei« erwie, sich al» scharf und handlich. Das Kupferstück war im Norden der Biktoriainsel gesunden und von einem anderen Stamm gegen gute» Treibholz eingetauscht worden. Meine Wirtin saß rechts von mtt, vor ihrer Kochlampe: ihr Mann faß links. Es Wr ein Schneehau« gewöhnlicher Größe, ein Kuppelbau von drei Meter Länge und zwei Meter Breite. Auf der mit Renntier -, Bären- und Schafochfenfellen belegten Bettbühne hatten mir drei knapp Platz. Die Kinder mußten daher stehen. In der hufeisenförmigen. einen Meter hohen Türöffnung, standen drei Hund« und warteten geduldig aus Knochen. Da» Essen bestand aus zwei Gängen, aus Fleisch und Suppe. Kalte« Robbenblut wird in die heiße Fleisch- brüh« geschüttet und unter stetigem Rühren erhitzt. Dieses Gericht ist etwa so dick wie Erbsensuppe. Man füllt es in Schafochsenhörner. Sind nicht genug Gefäße da, so wartet man, bis einer fertig ist, oder zwei Leute teilen stch w«ine solche Tasse. Als ich- einige Pfund Fleisch und zwei Tassen Blutsupp im Leibe hatte, setzten wir uns bequem aufs Bett zurück, lehnten un, an weiche Fellbündel und schwatzten. Meine Wirt« waren sehr taktvoll und vermieden Fragen, di« nach ihren Begriffen aufdringlich gewesen wären. Sie fanden es ganz in der Ordnung, daß wtt unsere Weiber nicht mttgcbrocht hatten, da wir ja nicht wußten, ob wir in feindlich« Gebiete kämen. Run, da wir gut aufgehoben seien,«oll« man, wenn wir«« erlaub- ten, einen Schlitten schicken, um Pannigablirf abzuholen. Ihne vorfahren waren oft mit Westleuten in Berührung gekommen, und jetzt möchte man doch auch die Frauen kennenlernen. Hätten wir nach der vielen Reiserei nicht Lust, den Sommer bei ihnen zu ver- bringen?"
Tiere im Hafenviertel. Bilder aus Konstantinopel . Zwischen der Großen Galatosttaße und dem Zollkai am Bos- porus, dieses Hasenviertel von Konstantinopel mit seinen Sack- gasten, Durchlässen, Hinterhöfen und Gängen ist keine 600 Meter breit und nicht länger als zwei oder zweieinhalb Kilometer Tagsüber sieht man da nur die Fruchthändler, die bei ihren sünfzig, sechzig Melonen im kurzen Schatten eines Hauswintcls liegen und schlafen. Auf ärr anderen Gassenseite, grelle Häuserwände entlang, und auf der flirrenden Weiße der kleinen Plätze und im prallen, sonnenschwangeren Dunst der offenen Müllstätten hinter bröckeln- der Mauer bewegen sich dann ein. zwei, drei, vier Tiere: Hunde, hintereinander schleichend, das Maul am Boden. Hunde aller Farben, Größe, Rassen, Hunde aus allen Rassen gemischt. Sie be- wegen sich lauttos, hager« Flanken vom Stoß des Herzens ge- morsen, witternd das trockene Maul in den Staub gesenkt, halb verschmachtet und doch ohne Rast in Bewegung. Rotäugig, schmutzig, struppig, verwildert. Nachts, auf diesen Müllhaufen und an den Hintertüren der Häuser, indes draußen auf der großen Straße das Leben schreit, kämpfen sie ihre Kämpfe, einzeln und rudelweise, beißen, balgen sich um faule Knochen lange Stunden unter Geheul. Ms die neue Zeit kam, hat man ihrer 30 000 in diesem engen Hafenviertel gefangen und auf Schiffe verfrachtet. Hat sie hinüber. geführt auf die Prinzeninseln, nach Oria. Hat sie an Land gesetzt auf das kahl« Eiland, dreißigtausend lebende Hund« aus Konstan- tinopel� Und hat sie verhungern lassen. Ihr Geheul scholl zu den voriiberfahrendcn Schiffen hinüber zwei Wochen lang. Knochen, kleine Berge blasser Knochen liegen jetzt dort allenthalben zwischen den Steinen. Aber ihrer sind jetzt so viel« im Hafenviertel wie ehemals. Biel - leicht hagerer noch. Noch scheuer. Abwegig blickend. Feiern keuchend inmitten praller Sonne das Fest ihrer Brunst, und stieben auseinander und fort, wenn«ins nahekommt, als wären sie schlech- ten Gewissens. Manchmal nur läßt einer die Zunge hängen. Dreht sich. Beißt, dreht sich, läuft. Läuft, beißt, ohne zu bellen. Men- schen springen ihm aus dem Weg mit Geschrei. Bis«in Stein ihn trifft. Und ein zweiter Stein. Und ein Stockhieb, der den Schädel zersprengt. Katzen. Gehst du durch eine der Giebelgassen, ein, zwei Sttrn- den nach Mitternacht, dann findest du sie. Sie sind schwarz oder braun, selten grau, niemols weiß. Glatt«, satte, mächtige Tier«, di« den niederen Kopf halb über die Mouerkante heben und dir »wchblicken reglos, minutenlang. Da gibt es in einem Durchlaß die Hinttrseite einer geschlossenen Bar. Durch die lichttosen Scheiben blickst du quer durch zwischen Stühlen und Tischen nach der ver- sperrten gläsernen Vorderfront in der Quergasse. Ein Sttahl Mondlichts fällt von drüben herein und spiegelt sich in Kupfer- geschirr. In diese leere Bar haben Katzen irgendwie einen Weg gefunden. Ihrer fünf, sechs, sieben— kauern dort drinnen auf Sesseln, springen lange Sprünge, schnellen lautlos dahin und dort- hin. daß ihre schlanken Schatten hinter den Scheiben durcheinander wirbeln wie in einem Tanz von Dämonen. Ihre Brunft wird auf Dächern gefeiert, aus den Firsten, auf Regenrinnen im Monblicht, daß von ihren wllen, ineinander ge- krümmten Schatten der lange, heistre Schrei ihrer Lust in da» Dunkel der Gass« fällt. Furchtbar ist ihr schweigsamer Kampf. Ein Lauern, minutenlang. Der Hieb einer Tatze, prüfend noch, vorsichtig noch. Und dann entfesselt Sprmig, Hieb und Biß. Kaum «in Laut, kaum ein stimmloses Fauchen. Und immer neuer An- sprung, neuer Wirbel eingeschlagener Pranken und gefletschter Ge. bisse. Morgens findet sich dann wohl in einem Kanal oder dort, wo das Hafenwasser sich staut zwischen Schissen, unter schwimmen- dem Tang und Müll und Melonenresten eine zerbissene Katzenleiche, Bauch und Kehle zerfetzt. Doch die Herrschaft über dos Hafenviertel hat nicht Katze noch Hund. Der Hafen gehört den Rotten. Wenn du den Kai entlang- gehst nach Sonnenuntergang, kannst du sie springen sehen, vom Schisf an das Land, vom Land auf das Schiff, schwarze Schatten. Allenthalben hocken sie in den Hinterhöfen, im Abtritt, auf den Stiegen der Keller. Fenstersims« laufen sie im Mondlicht entlang. Allenthalben auch aus den Schissen: unter den Kohlen Im Bunker, in den Rettungsbooten, in den Tourollen an Bord und im Fracht- räum unten zwischen den Wavenballen. Steigst du hinunter, so bleiben sie ohne Laut, so lange du die Kloppe noch in der Hand hältst. Ist di« Luke geschlossen, so rascheln sie in drei Ecken zu- gleich. Nur wenig, nur wie wenn man mit dem Fingernagel an Holz scharrt. Läßt d» die Toschenlampe aufflammen, so sitzen sie dort, niidäugig. glitzeräugig, groß« Tiere, schlank, grau. Sie sind ohne Scheu. Trittst du näher, sie schnellen dir zwischen den Beinen durch, stürzen irgendwo ins Lichtlose. Sie fressen Frücht «, Fleisch, Leder. Sie beißen den Hühnern in ihrem Berschlagc die Kehle durch.. Sie fressen Holz, Abfälle, Aas. Sie fressen des Fressens halber. Auf den Stiegen, in den Warenballen findest du ihren Kot. Einmal hatten wir eine mit der Falle gefangen. Sie hing mit dem linken Hinterbein im Eisen und fauchte.. Wir holten die Katze. Wir sperrten die Tür ab und befreiten das gefangene Tier. Ob. es war ein toller Kampf,«in Beißen und Schlagen, ein Poltern. Rennen. Rasen die Wand entlang, ehe es zu Ende war. Wir schrien, wir lachten, wir schlugen die Schenkel vor lauter Ge- lachte r. Einmal legten wir Eist. Ein halber Hammel war uns ver- darben. Würmer saßen schon in der Keule. Da fiel es dem Koch ein, daß er Arsenik nahm und den Braten beizte mit vielen vollen Händen Arsenik . So schmissen wir ihn in den Schssfsroum hin- unter— abends war's— und machten die Luke zu. Wtt tranken und sangen. Es war nach Mitternacht, da japvten wir nach den Kojen. Sagt der Koch:„Wollen sehen, wie den Ratten der Braten bekommen hat!" Und so stiegen wir hinunter, unser sechs oder acht. Oh, dort lagen sie. Lagen dort in Knäulen und Haufen unter Säcken und am Eingang der Löcher. Lagen dort, groß« und klein«, verreckt und in sich gekrümmt. Eine Mutterratte mit vierzehn röllich zarten, dünnschwänzigen Kindern— all« hätten sie den Kopf in, Genick geschoden�und sttcckten die Beine von sich. Irgendwo pfiff es noch in der Schisfswand, pfiff in langem Qualton irgendwo in der Dunkelheit. Wir mußten noch einen Trunk ttm, ehe wir in die Kojen krochen. Aber das-dünn« Pfeifen starb nicht. Das dünne Pfeifen ließ uns nicht los. Uns gespensterte das dürms Pfeifen poch durch tat Tnwm,»>.._. fkabett Re««.««».
Hiheliebhaber im Pflanzenreich. Di« Hitzewelle, die in diesen Tagen über Europa flutete, hat viele Blätter vorzeitig zum Abfallen gebracht und manches Gewächs verdorren lassen. Doch war es in vielen Fällen keineswegs allein die Hitze, sondern der gleichzeitig mit der starken Außenwärme sehr fühlbare Wassermangel, der dos Verdorren bedingte, denn die meisten Pflanzen vertragen, vorausgesetzt, daß sie durch entsprechende Einrichtungen gegen zu starke Transpiration gesichert sind, ziemlich hohe Wärmegrade. Besonders widerstandsfähig gegen die Hitze sind die Wasserpflanzen. Selbst die höheren Wassergewächse, wie z. B. die Victoria regia , fühlen sich in Wasserlemperaturen von 24 bis 30 Grad Celsius am wohlften, und andere höhere Wasserpflanzen der Tropen gedeihen auch in Temperaturen bis zu 20 Grad. Viele der im Wasser lebenden Kleinalgen sind gleichfalls große Wärme- liebhaber. In den Sprudeln von Karlsbad kommen solche Algen noch bei Temperaturen von 26 Grad Celsius, in den heißen Quellen von Albano bei 60 Grad vor, und in den Quellen an den Abhängen des Gedeh-Bulkans auf Java entdeckte Morin eine blaugrüne Alge ebenfalls in einem Wasser, das 60 Grad warm war. Der Botaniker Molisch fand auf seiner letzten Iapanreise Blaualgen sogar noch in Gewässern, deren Temperatur 60 Grad betrug, wogegen in den Geisern, den in Amerika , Island und Neuseeland vorkommenden heißen Springquellen, Algen selbst noch 80 Grad Hitze vertragen können. Auch die Bakterien, welche den„Schwefelrasen" erzeugen. zeigen noch bei 70 Grad Celsius reg« Lebenstätigkeit. Man hat die Ursache dieser besonderen Widerstandskraft gegen die Hitze schon in verschiedenen Richtungen gesucht. Sie erklärt sich— nach der Annahme von Molisch— aber vielleicht damit, daß die jene heißen Gewässer bewohnenden Gewächse aus Eiweißarten aufgebaut sind, deren Gerinnungsgrenze bedeutend höher liegt als bei den übrigen Pflanzen. Denn daß die Grenzen der Eiwelßgerinnung im Pflanzenreich sehr variieren, beweist die Feststellung, daß in manchen Pflanzen das Eiweiß bei 20 bis 40 Grad, bei einer Pflanze (Hzntturuz foetidus) aber sogar schon bei 16 Grad Celsius gerinnt. Große Hitzeliebhaber finden sich auch unter den sogenannten Trockenhettspflanzen, wie beispielsweise den Flechten, von denen manche der in den Wüsten Nordasrikas vorkommenden Arten Temperawren bis zu 70 Grad Celsius noch gut verttagen können, wie auch die an den dalmattnischen Kalkfelsen wachsenden Krusten- flechten, die bei 60 Grad Celsius noch vollkommen lebensfähig bleiben: freilich wachsen sie aber in dieser Gluthitze so langsam, daß sie jedes Jahr nur um wenige Millimeter zunehmen. Auf der im Indischen Ozean liegenden vulkanischen und fast immer unbewohn- ten Insel St. Paul fand der Forschungsreisende Drygalsti in der dicht mit Gras bewachsenen Lavadecke zahlreiche Löcher, in denen der Boden eine Temperatur von über 70 Grad Celsius aufwies. In dieser brennenden Hitze wuchsen jedoch dicke Moospolster: außer- dem gab es auf der Insel nach vereinzelte Binscnbüschel. Die Wurzeln dieser Pflanzen sahen wie gekocht aus, und der Boden war dem auch so heiß, daß Dämpfe ausstiegen, wem man«wen
Stock in die Erde stieß. Die Flora im Ouellengebiet des Gedeh- Vulkans auf Java, die zum großen Teil aus Baumfarnen besteht, ist ebenfalls so wenig higeempsindlich, daß sie üppig gedeiht, obwohl sie fast ständig von den heißen Dampsmassen, die den Quellen ent- strömen, eingehüllt sind. Auch manche der in Mexiko einheimischen Kakteen oertragen bis zu 72 Grad Hitze.
Welche Höhen kann der Mensch vertragen? Die Frag«, in welchen Höhen der Mensch ohne Gesundheit»- schädigung noch leben und arbeiten kann, ist nicht nur für di« Hoch- touristen von Wichtigkeit, sondern auch in neuester Zeit für die Lust- fahrt, die stch ja in immer höhere Luftschichten emporschwingt. Run hat man das Verhalten des Bluttreislaufs in großen Höhen schon öfters untersucht» aber bisher noch nie systematisch und an den gleichen Versuchspersonen. Der Hygieniker Professor Grober hat nun gemeinsam mit einigen anderen Gelehrten in den letzten vier Iahren an verschiedenen Stellen Mitteleuropas sowie auf Teneriffa an vier gesunden Personen Untersuchungen in verschiedenen Höhen- lagen durchgeführt, und zwar wurde das Verhalten des Blutkreis- lauses jedesmal zunächst in Ruhelage in stündlichen Abständen für den ganzen Tag gewonnen, und dann wurden die Bcrändcrungen beobachtet, die in den einzelnen Hähenlaqen, bei 180, bei 700, 1600, 2400, 3000, 3300 Meter sich zeigten. Wie der Gelehrte in der Zeitschrist„Forschungen und Fortschritte" mitteilt, hat sich ergeben, daß gesunde Menschen die Anforderungen des Hähenwechsels, selbst bei einem Unterschied von 0 und 3300 Metern in 10 Stunden, gut und ohne alle Folgen aushalten, wenn bei ihnen die„AkkUmati- sation" in etwa 24 Stunden abgelaufen ist. Ganz gesunde Personen können auch in großen Höhen starke Arbeitslei st un- gen ohne jeden Schaden vollbringen, und zwar schon in kurzer Zeit. Freilich ist dies nur bei wirtlich Gesunden der Fall. Kranke müssen sich in größeren Höhen sehr in acht nehmen, und zwar be- sonders Personen mit Herzfehlern, dauernd erhöhtem Blutdruck, mit Arteriosklerose, Blutarmut, labilem Nervensystem und überhaupt Menschen in höherem Atter. Stärker« Ansülluna des Magens und Darms und reichlicher Tabakgenuß sind in größeren Höhenlage» auch bei Gesunden zu vermeiden. Die Grenzen für das Erttagen der Höhen sind individuell verschieden: auch für Gesunde kann«in linterschied von 3000 Metern gefährlich werden, wenn die Er- reichung der Höhe rasch erfolgt oder wenn sie, wie beim Bergsport, mit körperlichen Leistungen verbunden ist.
Man lernt nie«ms. Bei einem Buche, das durch„anostattschen Neudruck" hergestellt wurde, war das Setzen nicht mehr notwendig, sondern das Buch wurde nach einer schon vorhandenen Ausgabe in der Weise her- gestellt, daß durch em chemisches Verfahren der bereits vorhanden« ÄIL�. lüufnahme von Farbe empfänglich gemacht wurde. Abdruck wird dann auf Stein überttagen, von wo beliebig viele Abgüge gemacht werden können.