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&iri von JasojI Mvrgßsälszr

(14. Fortsetzung.) Mama©ruber, die immer bald müde zu werden pflegte, saß jetzt in holbliegender Stellung auf dem Sofa. Reich' mir die Zigaretten herüber also, wa? ich nur Hab' sagen wollen... richtig! Da» schien dir früher so erstrebenswert, das mit der Medizin? Na meinetwegen. Aber seitdem hast du, glaub' ich, doch andere Verhältnisse kennengelernt. In eurer Wohnung in der Iofefstadt ist das ja gewiß schon was Enormes. Frau Dr. tfjilde Fernleitner. Aber hier bei uns hast du ja gesehen, woraus es in der Welt ankommt, nicht? Wer tyird geachtet? Die Leute, die Geld haben, wenn sie auch sonst noch solche Hallodris sind. Mit allen diesen brotlosen Künsten bleibt man Zeit seines Lebens ein Hungerleider. Ein Hungerleider, der sich einredet, daß sein Magen in Versen knurrt. Aber deshalb knurrt er doch." Schau, ich sag' dir ja olles nur deinetwegen, weil Ich dich eben lieb Hab'. Komm, gib mir einen Kuß und schau nicht so trotzig drein. Mit der Dely oder der Lutz würde) anders reden, die können sich schon wenn sie die hätten, ach©ott! Neigungen erlauben. Du aber, die Hilde Fernleitner, mußt dich fürs Leben ander» ausrüsten, nicht wahr? Ich mein' dir'« ja gut." Frau©ruber sah auf die Armbanduhr.Um Gottes willen, es Ist ja schon 7 Uhr... Ich werd' ja nie fertig werden... Also paß auf! Noch ein Wort: Du gehst mit mir zur Frau Neumann. Narret. Das ist eine ausgezeichnete Lehrerin. Sie war am Burg­theater, hat da zwar keine großen Rollen gespielt, die Großen hoben sie eben nicht zugelassen. Aber sie versteht was, sie soll prüfen, ob du Stimme hast oder mtr so Talent. Sog's deiner Mutti und wenn du willst, fahr' ich zu ihr hin!... Um©ottes willen! Nie werd' ich fertig werden..." Frau©ruber sprang vom Sofa herunter, man hätte ihrer Leibesfülle niemals diese Beweglichkeit zugetraut, und graziös lief sie hinaus.Wenn die Dely und die Lutz kommen, so sog' den Fratzen...* Hilde erfuhr nicht den Inhalt der Botschaft, die Worte der Mama©ruber oerhallten in den nächsten Zimmern. Hilde blieb in merkwürdiger Stimmung zurück. Ja, In diesen Räumen, in denen sie sich immer so behaglich gefühlt hatte, war sie nach nie so beklommen gewesen. Es bedrückte sie. daß ein Zwang auf sie ausgeübt wurde ah. sie kannte die Art der Mama©ruber und getraute sich schon, mit ihr fertig zu werden. Jkren eigenen Willen, wenn der wohl überlegt war, wollte sie schon durchsetzen. Es war auch nicht die Aussicht, in eine Theater- schule zu gehen das könnte ja ganz lustig sein, und wenn sie Talent habe, worum nicht zum Theater gehen? Das mit dem medizinischen Studium, das mar ihr gerade während des Gespräches eingefallen, sie hatte früher immer nur an die Matura gedacht und alle Möglichkeiten, die sich aus ihr ergaben, erwogen jetzt erst, war sie darauf gekommen, daß das ihr innigster Wunsch war: Arzt sein. Komisch, daß so eine Herzenssache ihr gerade von ungefähr in den Sinn kam, ein bißchen wahrhaftig, ein bißchen au» Trotz und Opposition gegen Mama©ruber. Hilde wußte nicht, was sie nicht im Gedankenkreis der Mama ©ruber litt, die sie auch liebte und die sich um ihretwillen so sorgte. Sie ahnte es vielleicht, konnte sich aber darüber nicht klar werden. lind ließ gern ihre Gedanken weiterschweifen, ohne jetzt darüber nachzudenken. Es war ihr unangenehm. Aber sie wartete nicht auf die Dely oder auf die Lutz. Ihr war In diesem Zimmer un- behaglich, dieses prunkvolle Iungmädelzimmer. Da war eine Vbatographie de» italienischen©rasen ip voller Uniform mit«in« Signatur in Monumentalschrist, und da waren Bilder von Schau- spielern und Sängern, von denen einer beim©rinsen ein be- sonder» dumme,©esicht machte. Und da die Reproduktion eine» Heiligen Sebastian", der recht geziert in seiner Nacktheit dastand und sich anscheinend durch seine Leiden laicht au» einer vorteil­haftesten Pose drängen lieh. Das große schöne Zimmer war ihr zu enge. Sie riß da« Fenster aus, und die schärfere Luft de» Tiirtenschanzparkes drang ein. Aber das war es nicht, das Zimmer war nicht uberheizt und nicht dunstig. Sie wollte Bewegung machen. Fort! Ja. sie fühlte, daß nicht das Zimmer an ihrem Unbehagen schuld war, sondern es war, als ob das Gespräch, ja richtig, das Gespräch mit Mama Gruber, sie irgendwie verletzt hätte. Sie war doch nicht beleidigt? Dazu war gar kein Grund! Sie sagte:Fräulein Jenny," die 5)auegehilfin bei den©ruber» hieß gar Jenny,ich kann auf die beiden Fräulein nicht warten. Ich seh' sie ja morgen." Und' ging. Sie wollt« noch heute der Mutti über diese» selt­same Gespräch Mitteilung machen. AI « Hilde der Mutter so ungefähr wiederholte, was Mama Gruber Ihr gesagt hatte, brach Frau Fernleitner In Tränen au». Ja, warum weinst du denn, Muttt?" Ich weiß nicht, Kind. Aber diese Idee, daß du zum Theater gerade du..." und Frau Fernleitner trocknete wieder ihr Gesicht ab. Zum Glück war Fräulein Nase noch nicht vom Bureau zurück, die hätte zweiseklo» die Situation noch viel tragischer aufgefaßt. Aber die Sache ist ja klar die Medizin geb' ich nicht auf.. Was gibst du nicht auf?" Die Medizin, ich will nämlich Aerztin werden. Mutti!" .Kind, das ist schön von dir!" Di« Frau Fernleitner sagte es ganz feierlich und küßte die Hilde. Wart' nur. wart' nur, Mutti, wenn ich g'sagt Hab', daß ich die Medizin nicht ausgeb', so mein' ich vorerst die Matura. Denn bi» zur Universität und dem Spital oder dem Laboratorium ist es noch weit, aber was nahe Ist, das Ist. daß wir kein Geld haben. Und um diesem Eharalterfehler abzuhelfen, geh' ich zur Frau Meumann-Norrek oder wie sie heißt: Ja, wenn ich Talent Hab', will ich Geld verdienen. Wenn du gehört hättest, wie die Mama Gruber über da» Geldverdienen gesprochen hat e» war wirklich schön. So pathetisch Hab' Ich die Mama©ruber nach nie reden g'hört. Sie Hai recht. Man muß©eld verdienen und den Lu�us, sich einem Neigungsberuf hinzugeben, können sich nur die reichen Leut' leisten. Wenn'» nach mir ging, so bleib' ich bei der Medizin." Du bleibst dabei!" sagte Frau Fernleitner und mußte doch |jj£ela.Du bist sa noch gar nicht bei ihrl"

Hilde ging über den Denkfehler, der ihr nachgewiesen wurde, hinweg. Und wenn es nicht sein kann, ja, wenn es nicht sein kann, so geh' ich unters Theater." Und sie sang die Strophe aus der Fledermaus", in dem vomUnters-Theater-Gehen" die Rede ist. Bleib' ernst, Kind, bei ernsten Sachen. Ich oersteh' dich nicht." .Tich mach' Matura und mach' die Schul' bei der Frau mit dem langen Namen, das ist doch sehr einfach!"

Zu gleicher Zeit? Das kannst du nicht, da» erlaub' ich auch nicht, diese Ueberorbeitung!" Geh, Muttt, du weißt ja, wie ich solche Prüfungssach-n durch- führ'. Ich stell' die Mama Gruber zufrieden und mich auch." Ja der Theaterschule. Hilde ging am frühen Nachmittag zur Mama©ruber, gleichsam, um ihr offiziell ihren Entschluß mitzuteilen. Frau©ruber lag auf dein Sofa in ihrem Zimmer, das von Zigarettendunst ganz blau war, und raucht« iminer weiter Zigaretten. Es war größer als das der Dely. kein Bett war drin und es hingen oder standen in wert- vollen Rohmen mehr und andere Photographien überall herum,

sonst sah es aber genau so aus wie jenes. Mama©ruber härte zu, was Hilde in wohlformulierter Rebe zu sagen hatte, und lächelte bloß nachsichtig. .Kab' mir's ja schon damals gesagt, daß du mir Recht geben wirst. Was ich will, geschieht schon deshalb, weil es iminer ver- nünstig ist. Das Kompromiß, mit dem du dich selbst beruhigen willst, ist zwar ein Blödsinn, ab« du wirst es ja ohnehin bald auf- geben. Darüber mach' ich mir kein« Sorgen, was du in deinen freien Stunden tust, ob du Latein oder Lauchtanz lernst, ist mir Wurst. Aber ich mach' aus dir eine Primadonna, das mußt du dir merken. Wenn du Zeit hast, fuhren wir jetzt zur Fvau Neumann- Norrek." Hilde hatte Zeit und Frau©ruber war erstaunlich rasch zum Fortfahren bereit. Frau Neumann-Norrek war eine stattliche Dame. Sie muhte einmal ausfallend schön gewesen sein und bot noch heute die erste Jugend war ja dahin das Bild einer reifen Schönheit, die oller- dings auf die Unterstützung der Kosmetik und anderer©nadenmittel der Kultur nicht mehr verzichten konnte. Sie musterte Hilde lange durch ihr Lorgnon, als ob ihr ein seltsame» Tierchen zum Kauf angeboten würde, und sagte dann:Also da» ist da» lüde Kind, das Sie, verehrte Freundin, der Kunst zuführen wollen?" Ihre getragene Sprechweise stach um so krasser von dem gemüt- lichen Wienerisch der Mama Gruber ab. Denken S' Jhna, liebe Frau Norrek, man bietet einem Mädel die Chance, zum Theater zu gehen und sie hat andere Ideen im Kopf. Zu meiner Zeil war das umgekehrt." .La, ja. es sind traurige Zellen. Die Lüde zur Kunst schwindet iminer mehr und mehr und dos Gell» allein..." Ganz im Gegenteil. Frau Norrek, Si« strn auf der falschen Spur, aber das gehört nöt hieher." Die stattliche Dame sah, daß si« ein anderes Thema anschlagen müsse uixb ging brüsk auf den Zweck des Besuches über. Wie dem auch sei, mein lübes Kind sprechen Sie mir etwas vor!" Vorsprechen! Die Hilde wußte sehr wenig auswendig. Ein paar Lieder, ein paar klassische Gedichte, an die sie sell der Schulzell im Lyzeum nicht mehr gedacht hatte, einen Absatz aus denBunten Steinen" von Stifter daß der ihr g'rad einfiel!, sie schwieg. Wie? Sie wissen nichts vorzusprechen, lübes Kind? Wie ich das erstemal in der gleichen Situation war, und es war Meister Sonnenthal, der mich noch prüfte, da hatte ich bereits ein ganzes Repertoire, und ich war bereit, jede Naive des Burgtheaters zu«- setzen leider ist es dazu niemals gekommen. Das ober Sie be- trifst, lübes Kiird, wie soll ich denn sehen, ob Sie Talent haben, viel- leicht auch ob Sie Gesangstalent haben..." Geb's Gott !" warf Frau©ruber ein. Wie soll ich das sehen, wenn Sie schweigen?" (Fortsetzung folgt.)

WAS DER TAG BRINGT. mfmmuiiuimiiiimnnmniiimnniinimimmimiminmmimmnmiiinnmnmmmiiinnnHniinmDimumnimnniiimnimmmiiiimmumiiiittramnnnmmiimiuinmmHmniii

'.Achtung, der Külz ." Ansichten über öffentliche Moral, wahre Dolksgesinnung und Volteansichten karm man nicht aus dicken, theoretischen Wälzern kennenlernen, da muß man sich einfachunter das Boll mischen". Besonder» lehrreich und instruktiv ist so schreibt man un« in dieser Beziehung der Besuch der Leipziger Strandbäder. Nachmittag» in einem Strandbad vor den Toren der Stadt. Es ist heiß zum Ersticken, alles flüchtet ins Grün«: ältere Damen mit Schwimmkostümen au» der Zeit Albrecht des Bären, junge Stenotypistinnen mit Herrenschnitt, behäbige Statpartien und «lastische Sportgestalten beleben das Bild. Was soll ich es leugnen? Es sind auch zahlreiche Liebespaare anwesend. Es wäre wohl auch ummfrichtiz, wenn ich verschweigen würde, daß eben diese Paar« miteinander liebevoller und zuvorkommender umgehen als ältere, gesetzte Menschen über(50 Jahre es zu tun pslegen. Neben mjr liegen solch' zwei sunge Menschen. Sie plaudern und lachen, daß man sich im Zusehen und Mithorchen selbst ordentlich freut. Es fällt auch gar nicht weler auf, daß sie sich von Zeit zu Zeit mal so ein bißchen zärtlich umarmen. Jeder sieht es, keinem fällt es auf. Warum auch nicht. Man ist ja im Freibad! Plötzlick) sagt er der junge Mann:Achtung, Erna, der Külz kommt!" Worauf sie sofort in R-spektzentfernunz ouseinandernicken. Ich muß gestehen, daß ich im ersten Augenblick etwa» verblüfft war. Sollte tatsächlich Herr Külz...? War er ein Bekannter der jungen Leute? Was war es denn? Doch es dauerte nicht lange, da war ichim Bilde". Ich muß nämlich wohl etwas dämlich dreingeguLt haben. Das wird meinen beiden Nachbarn aufgefallen sein, denn Erna meinte freundlich zu mir:Er macht jetzt seinen Rundgang, der Külz ." Ich brauche die»«ehrlichen Leser wohl nicht näher aufzuklären, daß es nicht der demokratische M d. R. Dr. Külz, Generalrepräsentant der Deutschen Schund- und Schmutz G. m. b. H. war, sondern sondern? Es war der Bädemeister, der würdig und doch voll Tücke seinenRundgang" machte. Zur Hebung der öffentlichen Moral! Immer nochWild-West". Zu dem Artikel vom 20. Just imAbend" werden uns noch folgende Angaben aus einer amerikanischen Gewerkschastsztitung mitgeteilt. Unter der Ueberschrift Mord und Torschlag alsfreier Beruf" in den Bereinigten Staaten, wird da berichtet: Während t« Leningrad selbst wahrend der größten Hungersnot im Jahre 1022 auf 100 000 Einwohner 26,7 Fälle von Mord und Totschlag kamen, betrug die entsprechende Zahl in sechs verschiedenen Städten der Dereinigten Staaten im Jahre 1927 das doppelte und drei- fache davon, nämlich 40,0 bis 60,3 per 100 000. Es waren die»

allerdings Städte, die sich in den Südstaaten befinden, so daß an- zunehmen ist, daß ein großer Teil der ums Leben Gekommenen farbige" Personen waren. Berglichen mit England kommen die Bereinigten Staaten noch schlech'cer weg; im Jahre 1926 starben rn den Vereinigten Staaten vo se einer Million Einwohner 104 eine» gewaltsamen Todes, in England dygegen nur sieben. Zu dem KapitelDer rote Hahn", das ebenfalls in dem ein- gangs erwähnten Artikel vorkommt, fei folgende Tatsache erwähnte Eine Versicherungsgesellschaft in Chicago hat die Feuer- Versicherung' eines Hauses annulliert, das�-einem Richter gehört. Die Gesellschaft fürchtet, daß das Haus einem Bomben- attentat zum Opfer fallen wird: und zwar dürfte damit der Wahlkampf eingeleitet werden. Es scheint, daß der Wahlkampf nicht nur mit geistigen Waffen geführt werden wird" bemerkt die amerikanische Zeitung dazu. Das scheint allerdings so! Dampferdiebe. Gleich den Eisenbahndieben gibt es als Spezialisten ihres Hand­werks Dampferdiebe: als Passagiere der ersten Klasse machen sie ihre Touren hin und zurück aus den Ozeandampfern, spielen hier die Kavaliere, treiben Flirt mit den Damen der Gesellschaft, wiegen sich mit ihnen bei den Klängen des Jazz im Iimmi, sehen sich dabei ihr« Opfer gründlich an, um eines Tages reiche Beitte zu machen. Ganz vor kurzem war ein Kollier im Werte von 1 250 000 Franken, das ihnen aus dem DämpferBarigaria" auf dem Wege von London nach New Jork in die Hände siel: es gehörte der amerikanischen Schauspielerin Ann! Uort. Don den Dieben fand man keine Spur. Für Anni Uort wird die Begebenheit eine harte Lehre sein. Aber wer s-hließlich Millionenwerte am Halse trägt, wird sich nicht wun- kern dürfen, daß auch andere an ihnen Gefallen finden. Dazu wer- den Schmuckstücke ja doch wohl getragen... Ueber den Löffel barbiert... Gewiß gibt es In New?)orl auch ehrlich« Leute, aber seit- samerweise haben dieGrünhörner" immer das Pech, zuerst Gau - nern In die Hände zu fallen. So ließ sich ein Neuankömmling bei einem Barbier rasieren und sich den Kopf waschen. Er bekam von 10 Dollar nur 2 wieder. Der so geschorene Kunde ging nun zur Polizei, die den Barbier sofort bei seiner Serviette nahm. Wohl behauptete er, er habe einewissenschaftlich« Behandlung" der Kopf- haut" vorgenommen, doch schien es mehr, als habe er seinem Kun- den das Fell über die Ohren ziehen wollen. Er mußte daher schleu- nigst die 8 Dollar zurückgeben, wollte er nicht wegen Betruges vor da» Gericht zitiert werden. Diesmal hatte er sich selber gründlich cingsseist..,

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