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BERLIN Montag, 6. Auguft

1928

Der Abend

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Nr. 368

B 182

45. Jahrgang.

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Bandervelde fordert Räumung!

Eröffnung des Internationalen Sozialistenkongresses in Brüffel.

Brüffel, 5. Auguft.( Eigenbericht.)

Die feierliche Eröffnungssigung des Internationalen Kongreffes fand am Sonntag vormittag in Anwesenheit von mehr als 600 Delegierten aus 24 Ländern statt. Doch maren außerdem doppelt so viele belgische und ausländische Zuhörer sowie zahlreiche Vertreter der sozialistischen, der bürgerlichen und der kommunistischen Presse im Saale und auf den Galerien untergebracht. Saal und Tribünen waren bis auf den letzten Platz besetzt.

Bandervelde erteilte sofort dem Präsidenten der Arbeiter. internationale

Henderson England

das Wort zu einer Begrüßungsansprache. Der Redner gedachte zunächst, daß bereits vor 40 Jahren in Brüssel einmal ein Inter­nationaler Sozialistentongreß stattgefunden hat und feierte dann unter lebhaftem Beifall des Kongresses die belgische Sozialdemokratie und insbesondere ihren Führer Vandervelde . Henderson fuhr dann fort: Die Sozialistische Arbeiterinternationale tann auf das erste Jahrfünft ihrer Tätigkeit zurückblicken. Die großen Schwierigkeiten, vor denen wir auf dem Gründungstongreß in Hamburg standen, sind überwunden, ja zum großen Teil schon ver­geffen. Die drei Jahre seit unserem Kongreß in Marseille waren eine Periode ftetiger und erfolgreicher Kräftigung unserer Organifa­fionen. Während wir auf den früheren Kongressen, vor allem unsere eigenen Organisationen aufzubauen hatten und durch die dringenden Probleme des Tages vollständig in Anspruch genommen waren, fönnen wir nun daran gehen, uns ein weitschauendes konstruktives Brogramm unferer Tätigkeit zu geben. Unter den wirtschaftlichen Problemen ist es vor allem die internationale gefeßliche Festlegung des Achtffundentages,

für die die politische und die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung mit gleicher Kraft arbeiten müssen. Das Haupthindernis der Erfüllung der feierlichen Versprechungen, die die Regierungen nach dem Ende des Krieges gegeben haben, ist gegenwärtig die konservative Re­gierung Englands. Immer wieder ist es unsere Pflicht, laut zu erklären, daß wir die Nichtratifikation der Konvention von Washing­ton als Wortbruch und als Betrug an der Arbeiterklasse empfinden. In einer großen Reihe von Ländern haben Wahl­schlachten in diesem Jahre stattgefunden oder werden im nächsten Jahre vor sich gehen. In Deutschland war der Wahlerfolg der Sozialdemokratie so gewaltig, daß unsere Freunde die Berantwortung für die Regierungsbildung über nehmen mußten. In dem Lande, aus dem ich komme, und in dem Lande, in dem wir uns heute befinden, werden die Wahlen im nächsten Jahre stattfinden. Wir hegen die Hoffnung, daß diese Bahlen gleich denen in Schweden , in Holland , in der Schweiz und allen Ländern, wo man in Kürze wählen wird, denselben

entschiedenen Rud nach links

bringen werden, wie die bereits hinter uns liegenden Beltsentscheide. Leider ist nicht in allen Ländern der natürliche Weg zur Macht der Arbeitertiaffe gegeben. Seit dem Marseiller Kongreß haben wir gesehen, wie sich in Litauen gegen den bei den Wahlen zum Ausdrud gekommenen Willen des Boltes eine Militärdiktatur etabliert und die ganze junge demokratische Entwicklung des Landes vernichtet hat. Das Schicksal dieses Landes ist ein Barnungszeichen für die Arbeiterklasse. In Polen spielt Bilfubfti immer wieder mit dem Gedanken, sich als Miltärdiktator zu etablieren; er be= schimpft im Tone eines Unzurechnungsfähigen die Institution der Demokratie, und die Arbeiterklasse Polens hat die Folgen seiner Unzurechnungsfähigkeit schon in allen möglichen Gewalttätigkeiten und Verfolgungen zu erdulden gehabt. Dem Berstand und dem guien Willen, Woldemaras und Pilsudffis können wir nur das tiefste Mißtrauen entgegenzubringen. Beide haben sich eine diktatorische Gewalt angemaßt, die, es ihnen ermöglicht, wegen ihrer Gegnerschaft die ganze Welt in Flammen zu setzen.

Immerhin fönnen wir heute auch Kenntnis davon nehmen, daß Bertreter der fapitalistischen Regierungen sich ge­zwungen sehen, sich unseren Gedanken anzuschließen und das Wort Don der Aechtung des Krieges zur allgemeinen Aner­fennung bringen. Es hat Zeiten gegeben, mo jeder, der sich nicht für den Krieg und den Militarismus begeistert hat, als Vaterlands Perräter angesehen wurde. Wir können also einen fleinen Fortschritt

darin sehen, wenn

die Berachtung des Krieges, deren Träger früher die Arbeiter­tlaffe allein war, nun ein Gedanke geworden ist, den auch die Regierungen annehmen.

Die Aechtung des Krieges", die heute von der Regierung Der Bereinigten Staaten vorgeschlagen wird, ist ein be­Fortjeßung auf der 2. Seite.)

Der verunglückte polnische Flug.

MARSZALEK- PILSUDSKI

zu können.

Warschau , 6. August.

Die beiden polnischen Flieger find geffern um 16,40 Uhr amerika -| in Leixoes in das Krankenhaus habe eingeliefert werden müssen. nischer Zeit über dem Atlantischen Ozean abgestürzt. Die beiden Polen hofften, am Montag wieder nach Paris reifen. Der Apparat ist vollständig vernichet. Die Flieger wurden von dem deutschen Dampfer Samos der Deutschen Levante- Linie ge­rettet; fie befinden sich an Bord des Dampfers und sind gesund. Der Dampfer ist unterwegs nach dem portugiesischen Hafen Leigoes. In einem bei der Direktion der Deutschen Levante In einem bei der Direktion der Deutschen Levante einie eingegangenen drahtlosen Telegramm des Kapitäns des Dampfers Samos vom 4. August, 16 Uhr 43 Min., wird die Rettung der beiden Bolenflieger bestätigt. Sie wurden unter schwierigen Umständen an Bord genommen, sind aber unversehrt und werden in Leigoes gelandet werden. Das Flugzeug ist zerstört.

"

Der mißglückte polnische Ozeanflug hat in Warschau eine ge­waltige Enttäuschung hervorgerufen, nachdem die Erwartungen der Deffentlichkeit durch eine übermäßige Pressepropaganda vorher allzu stark gesteigert worden waren. Der polnische Funt, der während der beiden letzten Tage in furzen Zeitabständen Berichte herausgab. in denen nur mitgeteilt wurde, daß noch feine Nachrichten vorlägen, hatte am Sonntag vormittag plöglich jegliche Sendung eingestellt. Bereits am Sonnabend und Sonntag erschienen in der Stadt Extra­blätter, obwohl noch überhaupt keine bestimmten. Meldungen vor­lagen, so daß sich der Bevölkerung bereits Befürchtungen und Be. forgnis bemächtigten. Am Sonnabend traf dann um die Mittags= stunden die erste Nachricht über die Rettung der ins Meer gestürzten Flieger durch einen deutschen Dampfer ein, die durch Funk und kurz darauf erschienene Sonderausgaben verbreitet wurde. Die allge. meine Stimmung ist infolgedessen sehr gedrückt.

Wie Havas aus Lissabon meldet, ist der deutsche Dampfer Samos " mit den polnischen Fliegern an Bord und deren Flugzeug im Schlepptau am Sonntag im Hafen von Leigoes ein gelaufen. Havas berichtet weiter, daß das schlechte Arbeiten des Benzinzuführungsrohres die Flieger gezwungen habe, etwa 110 Kilo­meter von Rap Finisterre entfernt niederzugehen. Der Apparat sei Nach einer Londoner Meldung der Radio Corporation aus mit solcher Heftigkeit auf das Wasser aufgeschlagen, daß die Flügel abgebrochen seien. An Bord der Samos " sei einer der Flieger New York hat das polnische Flugzeug infolge Motorschwierig. gestürzt und habe sich am Arm verlegt, so daß er bei der Ankunft| keiten niedergehen müssen.

Sizewelle und Orfan über New York

Die große Hitze im nordöstlichen Teil der Vereinigten Staaten hat am Sonntag weitere neun Todesopfer durch hih­schlag gefordert. Trotz Gewitter und Regen gab es feine Abküh­lung. Die Zeitungen feilen mit, daß seit Beginn der neuen Sizewelle in den öfflichen Staaten bisher mehr als 100 per­gestorben Hihschlag jo nen find. Ueber 800000 Badegäste zählte man am Sonntag am New- Yorker Strand. In den späten Abendstunden setzte ein schwerer Ortan ein, der in New York großen Schaden anrichtete. Drei Personen wurden durch herabflürzendes Mauerwerk getötet. Sechs Badegäffe

ertranten.

an

Unwetter in Süddeutschland . Severing spricht in Dortmund .

Berichte im Innern des Blattes.

Opels Rennboot verbrannt.

Die Infaffen retten sich schwimmend.

Die Frantfurter Zeitung" meldet aus Destrich: Das Rennboot Opel IV, ein Bremer- Neubau der Dreiliterflasse, ist bei der erfien Versuchsfahrt auf dem Rhein gestern abend oberhalb des Binger Lochs in Brand geraten und mußte von der Besatzung verlassen werden. Fritz von Opel und seinen Mitfahrern gelang es, trop des stürmischen Wetters und ihrer schweren Lederkleidung schwim­

mend das Ufer zu erreichen. Das Boof explodierte mit einer hohen Stichflamme und fant in wenigen Minuten.

Fritz von Opel hat mit seinen neuesten Behikeln entschieden Pech. Nach der Explosion und Bernichtung zwei seiner Rateten wagen ist dies das dritte Fahrzeug, das in kurzer Zeit einer Explosion zum Opfer fällt,