Der Abend
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Spätausgabe des„ Vorwärts
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Rr. 384
B 190 45. Jahrgang.
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Durch die Presse der letzten Tage gehen Mitteilungen, daß gegen den Chef der bayerischen Landespolizei, Oberst Seiser, in München sowie eine Anzahl Beamter der Münchener Polizeidirektion, darunter ist der Leiter der politischen polizeilichen Abteilung, eine Anzeige wegen Amt 3- verbrechen( Falsche amtliche Beurkundung durch Herstellung und Abgabe falscher Pässe) erstattet ist. Der§ 348 des Deutschen Reichsstrafgesetzbuches be. straft die Falschbeurkundung durch einen Beamten mit Gefängnis von einm Monat bis zu fünf Zahren; wird die Falschbeurkundung in der Ab sicht begangen, sich oder einem anderen einen Vermögensvorteil zu verschaffen, oder einem anderen Schaden zuzufügen, so tritt Zuchthausstrafe bis zu zehn Jahren ein.
Auch ohne das amtliche bayerische ,, Dementi", das die neuerdings Zur Anzeige gebrachten Amtsverbrechen bestätigt, verdienen die jüngsten Mitteilungen eines früheren Rechtsputschisten und nationa
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listischen Verbindungsoffiziers den vollsten Glauben. Daß die 64.n bayerischen staatlichen Amtsstellen in den Jahren, an denen Bayern
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Der Hohenstaufenplatz am Kottbusser Damm, der mit Beginn der Untergrundbahnbauten vor zwei Jahren gesperrt wurde, ist nun nach Modernisierung wieder dem Verkehr übergeben worden.
feine ,, deutsche Mission" im Szene setzte, vor Verbrechen nicht 82 zurückschreckten, ist geschichtliche Tatsache. Der bayerische Herribl Ministerpräsident Dr. Held hat vor furzem Anbiederungsverfuche der Nationalisten im Bayerischen Landtag mit den pathetischen Borten zurückgewiesen, er habe noch genug in Bayern mit den Nachmirkungen der Hitlerbewegung zu schaffen. Ein ernster, großer, durch unbegrenzte Hingabe an Wahrhaftigkeit geführter staatspolitischer Wille hätte jener halben Wahrheit hinzugefügt:„ und die Nach wirkungen des mit nationalistischen Haufen innigst verbündet gewefenen offiziellen Bayerns trüben weiter den. Ruf des bayerischen Landes". Herr v. Kahr war Protektor einer unfagbar torrupten Staatsmoral und- eingeschriebenes Mitglied der Bayerischen Volkspartei; Herr v. Knilling, der die legale Staatsgemalt mit der ganzen Ueberheblichkeit eines Pseudo- Staatsmannes in die Hände höchst verdächtiger, illegaler Mächte spielte, war prominentefter Führer der Bayerischen Bolfspartei Die Herren, die die rechtzeitig warnende Sozialdemokratie aus der dürftigen Ede parteipolitischer Beschränktheit mit Wohlbehagen be= lächelten, waren die ersten Führer der Bayerischen Volkspartei. Daß dem amtlichen Bayern auf's neue gewöhnliche kriminelle Ver= brechen nachgewiefen werden, ist die alte Geschichte. Der frühere Münchener Polizeipräsident Pöhner hat bekanntlich
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das mit Zuchthaus zu ahnende Amtsverbrechen der Begünstigung im Sinne des§ 346 Strafgesetzbuch dadurch bewußt begangen, daß er Herrn Ehrhard mit falschem Paß ins Ausland zu gehen verhalf. Der amtierende Bolizeioberst v. Seißer hat fiches muß dies besonders hervorgehoben werden zweifellos gleichfalls nach den nunmehr mitgeteilten Tatsachen eines Verbrechens der Be= günstigung im Amte schuldig gemacht. Die amtliche bayerische Pressestelle ist ja- wie immer dumm genug, ihre hochmögenden Erklärungen so fadenscheinig zu formen, daß die Ueberführung auf so orafelt die der Stelle erfolgen kann. Dem Oberst Seißer set amtliche Pressestelle der mit dem gefälschten Baß später Beglüdte Don Dertrauenswürdiger Seite" empfohlen worden. Diese Seite war der wegen Meineidsverbrechen und Hochperrats stedbrieflich verfolgte Herr Ehrhard, der aus dem Amtszimmer Seißers tommend den jungen Verbindungsoffizier herzlich begrüßte; auf die Empfehlung des steckbrieflich gesuchten ,, vertrauenswürdigen" Rechtsbrechers Ehrhard hin erfüllte der Herr Seißer die Bitte um Berabreichung zweier gefälschter Amtsurkunden lächelnd mit den Worten: „ Aber selbstverständlich, meine Herren, wenn's weiter nichts ist und sie nicht gerade Geld von mir haben wollen." Der eigenstaatliche" bayerische Oberst Seißer aber hat nach ständiger Rechtsprechung durch die nicht erfolgte Verhaftung und den freundschaftlichen Aufenthalt Ehrhards in bayerischen Amtszimmern ein Verbrechen der Begünstigung begangen, wofür er alsbald Belohnung und Beförderung erhalten wird; das Ein
Profeffor Samoilowitsch über seine Pläne.
Professor Samoilowitsch, der von Stavanger in Oslo eingetroffen ist, erzählte Pressevertretern: Als 3 appi gefunden wurde, war er wohlauf, aber sehr erstaunt, den„ rassin" zu sehen. Zappi war ein wenig verwirrt, aber das war nicht über raschend, da Bappi und Mariano schlechtes Wetter hatten und nicht wußten, daß der„ ,, Kraffin" in der Nähe war.
Samoilowitsch gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Krassin" am Sonnabend ausgebessert sein werde und dann sofort Kurs nach dem Norden von Spitzbergen nehmen könne, und fuhr fort: Es wird eine Basis für die italienischen und die russischen Flug3euge in der Hinlopenstraße am Cap Leigh Smith oder an einem anderen vorteilhaften Blaz angelgt werden. Wenn die Erkundungsflüge erfolglos bleiben, wird der Krassin" seine Suche zwischen Spigbergen und Franz Josefs Land fortjeßen, aber er fann die Nachforschungen nicht länger als bis zum Ende September betreiben:
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Amundsen, sagte Samoilowitsch weiter, hat immer seine eigenen Pläne gehabt, und es ist möglich, daß er direkt nach der Alessandri Gruppe geflogen ist, da er wußte, daß die anderen sich mit der Rettung der Nobile ViglieriGruppe befaßten. Nach meiner Meinung müssen wir Amundsen im Often von Spitzbergen suchen. Was die Gruppe Alessandri anbetrifft, so ist es möglich, daß es ihr gelang, mit dem Luftschiff herunter zu gehen und auf das Eis zu springen, und daß
greifen der Justiz braucht dieser Herr Oberst der Ordnungspolizei( 1) la Eine Kartoffelrevoltc.) amend Mächtespiel am Balkan.com
nicht zu befürchten, denn zum llebereingreifen wäre ja der weiter amtierende bayerische Herr Justizminifter Gürtner da, ber die rechtzeitige Abwicklung des Hitler- Prozeffes wegen Landfriedens( Fortsetzung auf der 2. Seite.)
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Berichte 2. Seite.
die Explosion, die von der Nobile- Gruppe beobachtet wurde, sich erst danach ereignete.
Samoilowitsch teilte zum Schluß mit, daß Nobile die Erlaubnis erhalten habe, an der neuen ,, Krassin"-Expedition teilzunehmen; aber Nobile sei nach Italien gereist, und seitdem habe er nichts von ihm gehört.
Zum Hafenbrand in Hamburg. Die Versicherungsgesellschaften wollen nicht zahlen. Wie in Hamburg verlautet, wird von den großen Hamburger bie Versicherungsgesellschaften, bei denen die Lagerhaus Gesellschaft bei Wilhelmsburg versichert war, die Zahlung der Entschädigungssumme abgelehnt. Die Versicherungsgesellschaften behaupten, daß eine schnelle Hilfe der Hamburger Feuerwehren den Millionenschaden erheblich vermindert hätte.
Die Tortur der Todesstrafe. Erft Begnadigung verweigert, dann genehmigt. London, 15. August. Großes Aufsehen erregt in der Presse ein Vorgang, der als einzigartig in der Geschichte der neueren englischen Rechtspflege bezeichnet wird. Drei Männer waren unter der Beschuldigung, in Brighton einen 67 Jahre alten Mann ermordet und beraubt zu haben, zum Tode verurteilt worden. Vorgestern hatte der Innenminister eine Begnadigung abgelehnt, und die Hinrichtung war auf heute früh festgesetzt worden. Gestern abend aber, d. h. 12 Stunden vor der Hinrichtung, wurde den Verurteilten ihre Begnadigung zu lebenslänglichem Zuchthaus mitgeteilt. Es ist noch nicht bekannt, was zu dem Hin und Her der Justiz behörden führte.