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Er. 481# 45. Jahrgang

2. Beilage des Vorwärts

Oonnersfag, ii. Ottober 1928

Friede in der Großschiffahrt? Was die Generaldirektoren erklären.

v«r zweijährige Kriegszustand zwischen den führenden deutschen �koßreedereien, der ch a p o g tHamburg-Amerika-Poketfahrt-A.-G�) 'u Hamburg und dem Norddeutschen Lloyd in Bremen , icheint jetzt seinem End- entgegenzugehen. Wenn auch von festen Abmachungen noch nicht die Red« sein kann, so lassen doch die Aeuße- Mengen des Generaldirektors Stimming vom Norddeutschen "ioyd auf seiner ilmerikareis« und die Ausführungen des Leiter, der Hapog, de, Generaldirektor Tuno, erkennen, dah beide Groh. Reedereien das Kriegsbeil in eigenem Interesse begraben möchten. Soweit waren die beiden großen Konkurrenten, die die uralte �ioalität zwischen den beiden Nordseehäfen 5)amburg und Bremen i" ihrer Schifsahrtspolitik fortleben ließen, im übrigen vor drei wahren auch schon gekommen. Es ist bekannt, daß ISZZ bereits ein �ertrag aufgesetzt war, der sehr enge gegenseitig« Bindungen versah. Daß dieser vertrag nicht unterzeichnet wurde, und statt bissen ein neuer erbitterter Konkurrenzkampf zwischen ber hapag und dem Norddeutschen Lloyd einsetzt«, ist der Expansionspolitik der hapag zuzuschreiben. Di« Aussaugung der bedeutenden Austral-Kosmoslinie durch Jakob Gold- ichmidt, Vermittlung und die damit verbunden« Machterweiterung b-r hapag war für den Norddeutschen Lloyd sehr unangenehm. �er Bremer Lloyd zögert« auch nicht einen Augenblick, zum Segen- ichlage auszuholen. Di« erste Gegenaktion bildete der Ankauf der iährenden O st s« e l i n i e n durch den Norddeutschen Lloyd , wodurch b«r hapag der Zubringerdienst erheblich erschwert wurde, und der zweit« fast noch empfindlichere hieb war das sodann aufgestellt« �eubauprogramm des Lloyd. In dieses Neubauprogmmm waren auch die beiden 4S00l>- �onnen-RiesendampferEuropa * undBremen * eingesetzt, bie ihrem Umfang« und ihrer Schnelligkeit nach dem Norddeutschen Lloyd dasUebergewichtimPassagierverkehrauf dem Antlantit sichern. Da da» Schwergewicht der hapag sich in den letzten Iahren schon mehr und mehr auf den gemischten Passagier- Frachtverkehr verschoben hotte, war«» der hopagverwaltung Aar, b< sie nach der Indienststellung dieser beiden Riesendampfer, zu

denen noch der vom Norddeutschen Lloyd umgebaut« 30 OOO.Zionnen- DampferTolumbus" kam» von der Bremer Konkurrenz an die Wand gedrückt würde. hier liegt auch der Schlüssel zu der Verständigungsbereitschaft der hapag. Bon der Bereitschaft bis zur wirklichen Ber- st ä n d i g u n g ist es aber noch ein longer Weg. Herr Euno hat erklärt, daß er die Berständigung an sich durchaus für wünschenswert hält, daß diese aber nur auf der Basis der absoluten Gleich- berechtigung diskutabel fei. Mit diesen Worten zielt Herr Euno auf den alten Wunsch der hapag hin, der Norddeutsch« Lloyd möge ihr eins von den beiden neuen 46 vliv-Tonnen-Riesenschiffen über- lasten. Herr Stimming seinerseits erklärte aber in New Jork, daß es bei aller Bereitschaft für ein« Berständigung für den Lloyd wirt- schaftlich nicht möglich sei, beiden Gesellschaften je eines der neuen Schiffe zuzuteilen. Die Gegensätze zwischen den beiden großen Reedereien sind also offen ausgesprochen worden. Dagegen haben sich aber beide Generaldirektoren mit keinem Wort über die G r u n d- lagen der beabsichtigten Berständigung geäußert. Man darf gespannt sein, wie sich die Verhandlungen zwischen den beiden großen Gegnern entwickeln werden. Im Volkswirtschaft- lichen Interesse wäre es unzweckmäßig, wenn die hapag ihrerseits »in neues Kampfprogramm für Neubauten aufftellt, deren Milljonenkosten sich bei dem Ueberangebot an Weltschstfahrtstonnag« kaum bezahlt machen würden. Kommt andererseits eine Interessen- gemeinschaft zwischen der hapag und dem Lloyd zustande, so haben Ueberseehandel und Exportindustrie ollen Anlaß, dem neuen Block auf die Finger zu sehen. Wenn auch internationale Konfe- renzen den Weltfrachtenmarkt regulieren und keine nationalen Monopoleaufkommen lasten, so hat ein nationales Reederei- Monopol doch im Stückgutverkehr innner noch freie Hand. Der Stückgutverkehr stellt ober einen sehr wichtigen Bestandteil im deutschen Außenhandel da, so daß die durch die Reichsbahntarif. erhöhung schon belastete Exportiirdustri« im Interesse der deutschen Ausfuhr die künftig« Tarifpolitit der Großschiffvhrt scharf beob­achten muß.

Die alte falsche Front. Mafchinenindustne über Wirtschaftslage und MetallarbeiterlShne.

Der Berein deutscher Maschinenbauan st alten hat über die Lage seiner Industriezweige im September berichtet und sich, wie zu erwarten war, auch zum Problem der Metallarbeiter- lohn« in der Schwerindustrie geäußert. Der verein deutscher ®ioschimnbouanstalten hält e» schon lange für sein« Ehrenpflicht, Venn etwa Sjerr Poensgen oder irgendein anderer Führer der Diontanindustri« irreführend« Erklärungen abgibt, sein Ansehen für °m« zweifelhaft« Unterstützung der Schwerindustrie In die Schanze Zu schlagen. Der Lerein berichtet für den deutschen Maschinenbau beim In- iandsgeschäft von einer weiteren Neigung zum Rückgang. Di« Anfragetätigkeit der Jnlandskundschaft sei noch stärker zurück- gegangen als der Auftrogseingang. Anfragetätigkeit und Bestellung de, Auslandes hätten sich nicht ganz auf der höh« des Bormonats Sehalten. Dieser Prognose für die zukünftige Beschäftigung ßeht«ine im ganzen günstig gebliebene Augenblicks befchäfti- ijung gegenüber. Der an der Zahl der geleisteten Arbeiterstunden «emessene Beschäftigungsgrad hielt sich im September noch einiger. >naßen auf dem Stand der Lormonate. Werkzeugmaschinenbau, Landmaschinenindustrie. Kraftmaschinen- bau, Erzeugung von mechanischen Fördermitteln und Apparatebau haben befriedigend berichtet, da, Geschäft in Texttlmaschinen >st noch nicht besser, ungünstig werden die Meldungen für den siron- und Aufzugsbau, sowie für Hütten-, Stahl- und Walzwerk»- »«lagen genannt. In den ollgemeinen Bemerkungen heißt es, daß dos Abbröckeln der Konjunktur noch nichtzu einer eigentlichen Krise* geführt habe. Wir halten dies« Charakterisierung für sehr kühn angesichts der Tat- lache, daß für die letzt« Septemberwoch« die Reichsbahn Wagen- Sestellungsziffern meldet, die diejenigen der mächtigen September-

konjunktur de» vorigen Jahre» zur gleichen Zeit noch um 9000 Wogen übertreffen, von de« Drohen einereigenüichen Krise* heute zu sprechen, erscheint uns als ein« unverantwortliche Zweckargumen- tation. Es nimmt da nicht wunder, daß vor einer Ueberschätzung der Tragfähigkeit der Wirtschaft für weitere Selbstkosienbelastungen auf, ernsteste gewarnt* wird. Di« Schlußbemerkung im Bericht läßt erkennen, daß man mit dieser Belastung nicht die Materialkosten meint, sondern die Löhne. Es stt aber kein Beweis gegen die Be- rechtigung von Lohnforderungen, wenn der Selbstkostenindex der Moschinenindustr!« schneller steigt als der Index der Maschinenpreis«; denn dann muß erst untersucht werden, wie sich die verschiedenen Kosten a n t e i l e zueinander verhalten und v�e der Lohnanteil sich in der Einheit des aufgewendeten Kapital» rentiert. Dieser Mühe unterzieht sich der Verein nicht. Der Derein deutscher Maschn�nbauanstalten behält die falsche Front, da» sozialreaktionäre BüiÄnis mit der Schwer- industrl«, bei. Ueber die Derlegenheiien, die die E is«n p r ei s- Politik der Maschinenindustrie bereitet, wird geschwiegen. Daß gut« Löhn« gerade die Nachsragetättgkeit nach maschinellen Anlogen für die dem Konsum dienenden Industrien verstärken muß, wird willentlich nicht beachtet. Persönliche Bindungen und der Will« einzelner zu einer unvernünftigen sozialpolitischen Haltung erweisen sich immer wieder als stärker, als die eigentlichen Interessen der gesamten Maschinenindustrie, die aus hohe Löhne und auf niedrig« Eisenpreis« abgestimmt sind. Die Maschinen- industrie hat bei den gegenwärtigen Erlösen der Eisenindustrie gar keinen Anlaß, sich mit den Herren von der Ruhr zu verbünden, im Gegenteil. Die Proklamation des Verein« deutscher Maschinenbau - anstatt«» darf deshalb in der Oeffentlichkeit kaum auf WiderHoll rechnen.

Kartoffelzoll und Kartoffelstärke. 5luch Llntemehmer sind wirtschasts« demokratisch, wenn Gewinne locke«. Als in den letzten Jahren die Frage der Kartoffelzöll« zur Dis- kustion stand, hat die Sozialdemokratie die für die Kartoffeloer- droucher und Kartoffelerzeuger unsinnige Kartvffelzollerhöhung aufs schärfste bekämpft. Zufällig fliegt uns in diesen Tagen«in Schreiben einer Kartoffel st ärkefabrit im Osten Deutschland » an ihr« verschiedenen Fabrikotionsbeiriebe aus den Tisch, in dem diese angewiesen wurden, ihr« Betriebsräte über die Bedeutung der zollfreien Kortoffeleinfuhr für das Weiterbestehen der Stärkeindustri« zu unterrichten. Dieses Schreiben ist aus mehreren Gründen interessant: einmal sehen wir daraus, daß der Stärkezoll von der Stärkeindustri««st- l», ausgenutzt ist. d. h., daß die deutsch « Stärk« um etwa 33 Proz. teurer ist als ausländisch« Stärke. Wenn wir auch nicht glauben, daß der einzig« Grund für dies« verschieden« Preisgestallung in den Kar« loffelzöllen liegt(viele Kartoffelstörkesabriken liegen in Ostelbien und haben durch die Abtretung Posens zum großen Teil ihr« Roh. ftoffbasi» verloren), so sind wir doch durchaus mit der Kartoffel- stärkeindustri« dafür, daß dieselbe bi« zur Aushebung oder allge- Meinen Ermäßigung der Kartoffelzöll« zollfreie Kartoffelkontingent« bekommt, nehmen jedoch an, daß die Kartosfelstärkeindustri««nt- sprechend der Aollermäßigung oder Einfuhr zollfreier Kartoffel- kvntingent» auch ihre Preise für Kartoffel st ärke ab- bauen wird. Soviel zu der wirtschaftspolitischen Seite der Frage. Unsere Siel- lung dazu ist doch klar, auch ohne die Aufklärung durch die Kartosfel- tjärtewftfen«. Ss ig daher um uaMfc taft SrtufeRi«fc

außergewöhnliches Interesse an der Arbeiterschaft und an der öffentlichen Finanzwirtschaft betont: denn das glaubt doch keiner. Die Firma schreibt:* Denn der Kartosfeisiärteindustrie nicht geholfen wird, dann märe der Ruin der einst blühenden Kortoffelsabritate-Industrie und Tausender der in ihr beschäftigten ArbeiterundAngestell- t e n besiegelt, und die in Frag« kommenden Kommunen hätten «inen beträchtlichen Steuerausfall, dabei aber erhöhte Aus- gaben für Arbeitslosenunterstützung, und dies gerode für die Dmtermonate.* Dies« Argumente, mit denen die Kartoffelstärteindustrie ihr« sozial« und ums öffentlich« Wohl besorgte Gesinnung dokumentieren will, verfangen bei Arbeitern nicht. Wir möchten den Unternehmern empfehlen, doch lieber durch richtig« Steuerbilanzen von ihrer Seite dazu beizutragen, daß dem Staat kein« Einnahmen entgehen. Auch ist stattSorge um das Wohl der Arbeiterschaft* zu lesen:Sorge um die Dividende. * Das Schreiben schließt: Legen Sie Ihren Betriebsräten nahe, daß sie zur Wahrung der ihnen anbefohlenen Interessen der Arbeiterschaft aus ihre örtlichen Parteiinstanzen und durch diese auf ihre G e s a m t p a r t« i Einfluß ausüben mögen, damit unsere Anträge bei den in Frage kommenden Regierungsstellen Zustimmung finden.* Daß sich hier die Unternehmer mit Arbeitervertretern in Der- bindung setzen, um gemeinsame nürtschaftspolitjsch« Ziele zu verfolgen, wollen wir gern als einBekenntnis* dieses Industriezweiges zur Wirtschaftsdenwkratie verzeichnen. Wir erwarten jedoch, daß die Industrie In anderen Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht weniger demokratisch sein wird und ihrer Ausfassung auch bei den zrogev link rnchimrvewandni durchjeDt.

Herrn Fischers Bannbulle. Leute, die kein Risiko tragen, wollen Wirtschastsdemokratie. Kürzlich hat das Präsidium des chansobundes die Ge- werkschaften und die Reichsregierung vor dem Sviel mit der Wirtschaftsdemokratie in«mer Kundgebung öffentlich gewarnt. Das Präsidium des Hansabundes fühlt sich verpflichtet* als ich diese Worte las, war ich sehr darauf gespannt, was für«ins Offenbarung der Hansabund d i.« s m o l der staunenden Welt ver- künden will. Das Präsidium des Bundes verfügt doch offensichtlich über ein paar sehr phantasievolle Köpfe. Kein anderer Wirtschasts- verband tritt so oft vor die Oeffentlichkeit mit den verblüffendsten programmatischen Erklärungen und Forderungen. Bor einigen Monaten war es z. B. eine famos begründete For- derung noch der F i n a n z d i k t a t u r. Nun habe ich erwartet, daß der Bund diesmal die Errichtung der allumfassenden W i r t s ch a f t s- d i k t a t u r vorschlagen wird und zwar auf ähnliche Weise, wie der Kaiser Augustus seine absolute Macht durch die Zusammen- fassung der wichtigsten Posten in seinen Händen errichtet hat. Der Gedanke liegt ja nahe, daß der Vorsitzende des Hansabundcs, Herr Hermann Fischer, alle in Deutschland vorhandenen A u f s i ch t s- rotsposten in seinen Händen zusammensaht, und das golden« Atter für die deutsche Wirtschaft ist da. Es scheint aber, daß Herr Fischer sich vorläufig mit seinen 48 Auffichtsratsposten begnügt und die deutsche Wirtschaft auf eine andere Weis« beglücken will. Zu- nächst ist der Hansabund noch nicht für die Wirtschaftsdiktatur, um so heftiger aber gegen die Wirtschaftsdemokratie. Das Präsidium des Honsabundes wendet sich gegen dienur in der p o l it i f ch e n Gedankenwelt wurzelnd«, auf die Beseitigung der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung hinzielende Sch.ägwortpropa- ganda*. Und mit vollem Recht. Was würde man sagen, wenn z. B. der demokratische Reichstagsabgeordnet« Herr Hermann Fischer sein«nur in der politischen Gedankenwelt wurzelnden* demokratischen Ansichten auch im wirtschoftttchen Leben an- wenden würde? Das tut er nicht, und deshalb ist der von ihm ge- führt« Bund am besten legitimiert, gegen dieSchlogwortpropa- ganda* der Gewerlschasten, dieesmitderDemokratie ernst meinen, zu hetzen.Der aus dem Hamburger Gewerkschafts- kongreß vertreten« Gedanke der Wirtschoftsdemokrot!«*, heißt es in der Erklärung de» Hansabundes,stellt sich als dos Verlangen nach einem mit keinerlei Risikobeteiligung verbundenen Mitbestünmungs- recht der staatlichen und Verbandsbureaukratt« dar*. Die Arbeiter, die weder Profite noch Aufsichtsratsposten zu ver- Neren haben, fordern das Mitbestimmungsrecht? Da» ist doch wirklich unerhört. Die Leute, die gar kein Risiko tragen, die, wenn es der Wirt- schaft schlecht geht, nur arbeits- und brollos werden, die nur ge- legentlich(und ziemlich oft) durch die Unfälle in ihren Betrieben oder durch die Berufskrankheiten und ständig durch die physische lledertmstrengung und Unterernährung ihr Leben verkürzen, was haben diese Leute in der Volkswirtschaft zu sagen? Schweigen müssen sie, und diejenigen reden lassen, die. wie die Herren au» dem Präsidium des Hansabundes, wahrhaftig vor keinem Risiko zurück- schrecken. Nicht einmal vor dem Risiko, mit ihren Forderungen einen großen Lach erfolg zu erzielen. Fröhlicher Volkswirt. Starte Erhöhung des Güterverkehrs. Im Lauf« de» Monats September hat sich der Güterverkehr der Reichsbahn außerordentlich stark erweitert. Di« arbeitstägliche Wagengestellung ist von der ersten bis zur vierten Woche im Durch- schnitt von 156 100 auf 169 000, also u m rund 13000 Wagen täglich gesttegen. Die Steigerung ist erheblich größer als in der gleichen Zeit des Vorjahres, wo sich die arbeitstägliche Wagengestellung um noch nicht 6000 Wagen erhöht hat. In der letzten September- wache 1928 wurden arbeilsläglich 169 000 gegen 160 000 wagen in her gleichen Zeil des Vorjahres gestellt. Man mag die jalsomnäßigen Momente noch so hoch einschätzen, wozu auch die bessere Ernte gehört, es ist aber unmöglich, wie es jetzt von den Unternehmen, gerne geübt wird, angesichts solcher Wagengestellungsziffern von einer be- deutenden Wirtschaftsverfchlechterung zu sprechen.

Orenstein und Koppel stehen gut. Der Kursrückgang der Orenstein- u. Koppel- Aktien hat zu Gerüchten über einen Dioidendenausfall für 1928 Anlaß gegeben. Wie die Verwaltung hierzu mitteilt, entbehren dies« Gerüchte jeder Grundlage. Die Börse muß durch die Kurseinbrüche der letzten Tage sehr nervös geworden sein, sonst würde sie nicht zu so merkwürdigen Der- mutungen kommen. Orenstein u. Koppel geht es so gut, wie nur wenigen Lokomotio- und Waggonbetrieben in Deutschland . Im Mai erklärte der Vorsitzende auf der Generawerfammlung, daß der W e r t der Aufträge im laufenden Jahr bis dahin schon 61 Millionen Mark betrug, während er im ganzen Jahr 1927 nur 77 Millionen Mark ausmachte. Bei seiner als sehr vorsichtig bekannten Bilanz- Politik e r h ö h t e die Gesellschaft ihr« Dividende für 1927 von 4 auf S Proz., so daß für das laufende Jahr mindestens mit der gleichen Gewinnausschüttung zu rechnen ist, zumal auch noch etwa 5i4 Mil­lionen aus den amerikanischen Freigabegeldern an die Gesellschaft zurückfließen._ vi« erste Oktoberwoche der Reichsbemk hat eine Verminderung der Wechselbeständ« um 230,3 auf 23458 urtd der Lombarddarlehen um 42,4 auf 59,2 Millionen gebracht. Di« Kundengelder auf Giro» konto stiegen um 8,2 auf 511,3 Millionen. Die Entwicklung auf den Hauptkvnten der Reichsbank ist demnach durchaus normal. Der Notenumlauf der Reichsbank blieb hoch. Der Reichsbanknotenum- lauf sank um nur 238,1 auf 4592,1 Millionen, der Umlauf an Rentettbanffcheinen um 28,3 auf 842 Millionen. Der Papiergeld­umlauf der Reichsbank ging also weniger zurück als die Entlastung auf den Hr.uptkonten versprach. Da» hängt auch diese» Mal mit großen Goldkäufen der Reichebank zusammen. Die Gold bestände stiegen um nicht weniger als 90.2 auf 2487,1 Millionen (last eine Liertelmllliarde Zuwachs seit Anfang September), wobei reichlich zwei Drittel de» Zuwachses mit Reichsmark bezahlt worden fein durften. Die Verluste bei(£.(0. liehen? Eidam. Di« erwartete Schulden- deckung mit 80 Proz. hat sich nicht hotten lassen. Es ist höchstens mit einer Zahlung von 20 Proz. auf die Forderungen zu rechnen. Daraus ist«esschttich, daß die betrügerischen Manipulation«, des Firmemnl>ab«rs, der sich inzwischen selbst gerichtet hat, stärker aus- wirken als etst angenommen wurde. Da die Forderungen der Sparkasse und des Elektrizitätswerks Bautzen 187 000 M. betragen, wird die Stadt Bautzen einen Verlust von 120 000 SR. fteUUil.