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Albendausgabe 190

Rr. 486

B 241

45. Jahrgang

Böchentlich 85 31 manati 3,60 m. Im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,-. pro Monat.

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Der Bormärts erscheint medhentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend, Illustrierte Beilagen Boll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen"," Frauen ftimme". Technit"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts

Vorwärts

Berliner Bolksblatt

Sonnabend

13. Oftober 1928

10 Pfennig

Die et nipalttge Nonpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. ,, Kleine Anzeigen" das fettge.. drudte Bort 25 Pfennig( zuläffig amet. fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Ban 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben adhlen für zwei Borte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden.. ftraße 3, wochentägl. von 8 bis 17 Uhr.

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Zeppelin auf guter Fahrt.

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Auf dem Wege nach den Bermuda - Inseln.

Das Zeppelin- Luftschiff sett seine Fahrt über den Dzean, nachdem es gestern abend die Azoren passiert hat, mit guter Fahrt fort. Die Windverhältnisse auf der Route des Zeppelin sind am Sonnabend früh so günstig, daß das Luftschiff gute Fortschritte macht. Zeit. weise wird eine Stundengeschwindigkeit von 140 bis 150 Kilometern erreicht, so daß alle Aus­ficht besteht, daß Graf Zeppelin" die Einbuße an Zeit zu Beginn der großen Fahrt zum großen Teil wieder aufholen dürfte. In Bermuda ist das Barometer ge. stiegen. Bei nordöstlichen Winden von etwa 20 Stunden. filometern ist die Wetterlage günstig. Der Himmel ist nur wenig bewölft.

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In der Mitte des Ozeans.

Man nimmt in Friedrichshafen an, daß das Luftschiff bis zum heutigen Morgen feit Madeira etwa 1600 Rilometer zurüd­gelegt hat. Im kommenden Abschnitt des Atlantischen Ozeans , den das Luftschiff zu durchqueren hat, rechnet man hier mit zeitweiligen Gegenwinden. Man rechnet ferner damit, daß das Schiff iegt in den 30. bis 50, Breitengrad meftlicher Länge gelangt, wo sich feine Dampferroute befindet, sa daß Funkverbindung des Luftschiffes mit Dampfern vorläufig feltener zu erwarten ist. Die Betterlage in den Bereinigten Staaten ift augenblicklich fo, daß das Schiff wahrscheinlich gegenüber seinem jeßigen schnellen Fahrtempo furz vor der Ostküste der Bereinigten Staaten ein Tiefpon Nord­island antrifft, dem es nach Süden wird ausmeichen müssen. Man befürchtet, daß der Graf Zeppelin" dann eine schwierige Einfahrt nach Amerika hat, und hält es hier für unwahrscheinlich, daß das Schiff tatsächlich, wie die Funkmeldung eines französischen Dampfers bejagt, schon jetzt 1000 Kilometer vor den Bermudas ist. Man nimmt vielmehr an, daß eine Berwechslung vorliegt. Der Funkstation der Werft mar es heute nacht wieder möglich, das Luft­fchiff bis in die frühen Morgenstunden hinein zu hören; fie fonnte aber teine Positionsmeldungen von Bord erhalten, da die Funkstation des Graf Zeppelin" andauernd äußerst start von Bord aus in Anspruch genommen wird.

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Sonntag in New York ?

Die drahtlose Station Chatham der amerikanischen Radio­Marine Corporation hat einen Funtspruch des Graf Zeppelin" aufgefangen, nach dem das Luftschiff mit einer Geschwindigkeit von 85 Meilen und unter sehr günstigen Bedingungen direkten Kurs auf die Bermula- Ins In dommen hot Die Mit lung weiter: Wenn das günftige Wetter anhält, hoffen wir in Cafehurst am Sonntag mittag einzutreffen."

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Heute: Berlin im Licht.

a Oben links: Das Schauspielhaus.

Die New Dorfer Meteorologen sind über den Zeit­punft, an dem der Graf Zeppelin " eintreffen dürfte, verschiedener Meinung. Einige Sachverständige weisen darauf hin, daß mög­licherweise starter Gegenwind in der Nähe der amerikanischen Küste den Fing verlangsamen tönnte, so daß die Landung erst am Sonn­tag abend zu erwarten wäre.

Der Hilfssekretär des amerikanischen Marmeamts, Warner, gab befannt, daß Zivilflugzeuge während des Anflugs und der Bandung des Graf Zeppelin" das Gebiet der Marineflugstation Lakehurst nicht überfliegen dürfen. Barner erflärte meiter, das Publikum werde zur Besichtigung des Luftschiffes nach Mög lichteit zugelassen werden, doch dürfe die Besichtigung in teiner Weise die Sicherheit des Luftschiffes gefährden. Dies bleibe die erste Bedingung für die Besichtigung.

Schwierige Funkverständigung.

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Wie aus Friedrichshafen verlautet beruht die falsche Auffaffung über ein Bersagen der Funfanlage des Graf Seppelin auf der Tatsache, daß alle Meldungen, die vom Luftschiff für die Presse ausgefandt wurden, verschlüsselt und durch irgendeinen un­erklärlichen Jrrtum nicht entschlüffelt werden konnten, so daß man nur auf Nachrichten bzw. Standortmeldungen von Schiffen usw an­gewiesen war, die das Luftschiff gesehen hatten. Die Werftstation fannte zeitweilig aus den gleichen Gründen ebenfalls nicht den Standort des Luftschiffes.

Das Geeflugreferat der Deutschen Seewarte gibt um 2 Uhr früh folgenden Bericht über die Wetterlage auf dem Atlantit aus: Während über der östlichen Hälfte vom nordatlantischen Dzean das Hochdrudgebiet im Raume zwischen den Azoren , den Ranarijchen Inseln und der Iberischen Halbinsel mehr und mehr be timmend wird, breitet sich über der wefflichen Hälfte fiefer Luftdruc ( Forthegung auf der 2. Seite.)

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Unten links: Turm der Stadthalle.

Oben rechts: Das Rathaus. Unten rechts: Preußischer Landtag .

Die Berliner Lichtmaske.

Was man vom 13.- 16. Oktober zu sehen kriegt.

Berlin muß eine dunkle Stadt sein, wenn sie am Abend der Generalprobe eines Lichtfestes nicht heller aussieht, als es gestern der Fall war. Das Programm, das für die Berliner Lichttage vom 13. bis 16. Oftober ausgearbeitet worden ist, sieht allerdings ein Lichtmeer vor. Aber es ist nicht alles so geworden, wie es sich die Veranstalter gedacht hatten. Das sogenannte lichttechnische Können" zeigte sich gestern nur in sehr beschränktem Maße. Einige von den Gebäuden, bie man mit mehreren tausend Kerzen anftrahlte", vermittelten nur knapp einen Einbrud non dem, was in den nächsten Tagen zu erwarten sein wird. Da ist der leuchtende Engel auf der Siegesäule und die Ruppel des Reichs. tages: das goldige Tempelchen auf der Kuppel bligt über dem Tiergarten auf, die Milchglasbedachung darunter phosphoresziert. Da ist der Siegeswagen auf dem Brandenburger Tor . Seine Rückseite, wenn man vom Tiergarten fommt, bildet eine dunkle Eilhouette, aber von den Linden gesehen, erstrahlt seine prächtige

Heute technische Bellage. Generalstreik in Lodz .

Bericht 2. Seite.

grüne Patina. Die grüne Patina überhaupt ist es, bie im Lichte der tausend Scheinwerfer den schönsten Zauber hervorbringt. Das wirkt besonders bei der Hedwigskirche hinter dem Opern­haus, bei den Türmen auf dem Gendarmenmarkt, bei dem grünen Hut des Schlosses. Bielerlei an Bauten strömt dann noch leuchtend in den dunklen Himmel. Das Rathaus, das Stadt. haus, der Dom, die Museen und vor allem auch der feltfant schöne Turm der Petrifirche.

Aber wenn man ganz ehrlich sein will, wirkt das alles doch ein wenig wie fauter 3auber. Da sind nebenan die dunklen Straßen mit einer fo abgerundtiefen Finsternis erfüllt, daß man im Gegensatz zu der Helle in den belebteren Straßen von förmlichen Grabesfchauern überfallen wird. Da blinzelt hier und da eine trübe Laterne, die tatsächlich eires Attestes zu bedürfen scheint, daß sie im Jahre 1928 in der Lichtstadt Berlin mit Gas oder Elektri­zität ernährt wird. Einige dieser traurigen Flammen verfümmern hinter dem Gitter eines unsäglich trüben Glases. Sie ſizen wie in einem Gefängnis und geben faum einen Lichtschimmer von sich.

Das Ganze wird wie eine Maste wirken, die auf ein häßliches und dunkles Gesicht gestülpt ist. Man prophezeit, daß es heute besser sein wird, daß allenthalben auch in den Privathäusern das Licht aufflammen wird. Es gilt, sich zu trösten mit den Parade. Straßen in der Weltstadt, mobei Tauenzienstraße, Kurfürften­