Ribendausgabeno- molstarisMittwoch
Nr. 504
B 250
45.Jahrgang
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Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit bem Titel„ Der Ubend", Juftrierte Beilagen Bolt und Zeit und Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauen. Stimme, Technit Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts
24. Oftober 1928
10 Pfennig
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Volksbegehren nur 1,2 Millionen
Nur 2,94 Prozent der Wähler haben sich beteiligt!
Der Reichswahlleiter gibt das vorläufige Er. gebnis des kommunistischen Volksbegehrens Panzerfreuzerberbot" bekannt.
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Danach haben sich im ganzen Reich für dieses Volksbegehren eingetragen
1 216 501 Stimmberechtigte, während die Zahl der Stimmberechtigten am 20. Mai dieses Jahres 41 348 994 betragen hat. Es haben sich somit nur 2,94 Prozent der Stimmberechtigten ein netragen, während zum Zustandekommen eines Boltsbegehrens 10 Prozent Eintragungen erforderlich sind.
Die Zahl und das Prozentverhältnis der Eintra gungen im am höchsten in Berlin mit 248 458= 16,12 Proz., es folgen dann die Wahlkreise Potsdam II mit 107 097= 7,89 Proz. und Potsdam I mit 84 366 6,64 Broz. Die nächststärkste Beteiligung hat dann der Wahlkreis Merseburg mit 58721= 6,26 Proz. und der Wahlkreis Düsseldorf Ost mit 81 487= 5.58 Proz. Die Beteiligung geht dann herunter auf die Mindestzahl im Wahlkreis Niederbayern mit 2880 0,36 Proz
Je genauer die Ziffern des tommunistischen Bolts begehrens bekannt wurden, desto flarer mar zu erkennen, daß
die
ganze gegen die Sozialdemokratie unternommene Aktion der KPD . mit einem riesigen Zusammenbruch enden würde. Die amtlichen Ziffern, die heute bekanntgegeben wurden, vollenden den Eindrud. Die Kommunisten mollten durch eine gemaltige Massenbewegung" vor allem die Sozialdemokratie zertrümmern. Sie haben nur ihre eigene Ohnmacht gezeigt. An Stelle der 4,1 Millionen Stimmen, die sie beim Boltsbegehren brauchten, haben sie nur 1,2 millionen aufgebracht, statt der erforderlichen 10 Broz. noch nicht einmal drei Prodent der Wähler!
Man muß diese Ziffern vergleichen mit dem Boltsbegehren von 1926, an dem die Sozialdemo tratie beteiligt war. Es wurden in öffentlicher Eintragung gezählt:
1926: 12 512 140= 30 Proz. 1928: 1216 501 2,94 Proz.
Noch drastischer wirft die Tatsache, daß die Kommu nistische Partei bei den letzten Wahlen zum Reichstag im Mai dieses Jahres erhielt:
3 263 353= 10,6 Proz. der Stimmen jeht nur 1 216 501= 2,94 Pro3. der Wähler!
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Die organisatorische Ohnmacht, die innere Zerfahrenheit
der KPD. liegt klar zutage. Nur das große Mundwerk soll über den Mangel an Kraft hinwegtäuschen. Die Niederlage ber KPD. wird der sozialdemokratischen Werbeo che einen großen Aufschwung geben!
Hauseinstürze und kein Ende.
In Hamrun auf der Insel Malta stürzte am Dienstag eine Bau befindliche Brauerei zusammen, wobei min Deftens 4 Berjonen getötet und 29 verlegt wurden. Der Einsturz erfolgte bei dem Versuch, einen großen, außerordent lich schweren Kessel unterzubringen. Bei dem Einsturz des Daches wurde das oberste Stocmert mitgeriffen, und die Schutt massen burchschlugen den dritten und zweiten Stod, bevor bie dort beschäftigten Arbeiter Zeit fanden, sich in Sicherheit zu bringen. Es fteht noch nicht feft, wie viele Arbeiter sich noch unter Gen Trümmern befinden. Die Erregung der Bevölkerung ist so roß,
Nicht verboten hat das französische Kommando in Trier eine
Anschlußstrophe in der Goldenen Meisterin". Go teilt uns der Oberbürgermeister mit gleichzeitig aber auch, daß der General den
Strophe zu belprechen! Der Oberbürgermeister hat dem leneral geschrieben, daß die Strophe feineswegs einen Angriff gegen he Bersailler Bestimmung enthalte,
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Der Herr Reichstagsabgeordnete Staffehl.
Ein angeklagter Jugendlicher.
Der Prozeß gegen die Landbündler
Sie hielten das Fenstereinwerfen selber für groben Unfug.
Zu Beginn des heutigen Berhandlungsfages im Syrißer Prozeß brauchte der Borsitzende zunächst einmal längere Zeit, um festzustellen, wer von den 55 Angeklagten nicht erschienen war und es ergab sich schließlich, wie der Borsigende wörtlich erklärte, daß Nummer 4, 7, 16, 22, 24, 26 und 42" fehlten, daß dagegen ,, Nummer 51", der Landmirtsfohn Hoff, der gestern wegen Erkrankung nicht zur Stelle war, heute erschienen ist. Auf Antrag der Berteidigung wurde ,, Nummer 24", der Gutsbesitzer Malh, wegen Krankheit vom Erscheinen an Gerichtsstelle entbunden, dagegen soll ,, Nummer 4", der Gutsbesitzer Schneider, den die Anklage als Rädelsführer bezeichnet, zur morgigen Verhandlung nach Mitteilung feines Berteidigers erscheinen.
Bei der Bernehmung der restlichen 24 Angeklagten bewegten fich die Aussagen der Angeschuldigten durchweg in demselben Rahmen wie die gestrigen Bekundungen. Der Gutsbesizer Mewes will gesehen haben, wie junge Burschen von 16 bis 18 Jahren, die nach seiner Auffassung nicht zu den Landwirten gehörten, sich bei der Demonstration vor dem Finanzamt gebückt und Steine aus dem Straßengraben aufgelesen hätten. Weiter will er gefehen haben, wie der Polizeimachtmeister Müller von einem unbekannten Mann niedergeschlagen worden sei. Nach der Darstellung Mewes' sei es nicht zutreffend, daß der Angeflagte Kleine, dem die Anflage gerade diese Tat zur Laft legt, derjenige fei, der Müller niedergeschlagen habe. Uebereinstimmend betonen die Angeklagten auf die Fragen des Borfizenden, daß fie
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sich mit dem weiteren Verweilen bei der Demonstration, auch nachdem die Zwischenfälle eingetreten maren, nichts weiter gedacht hätten, Selbst wenn sie hätten meggehen wollen, so sei es ihnen doch zunächst unmöglich gewesen, aus der dichten Menschenmenge herauszukommen. Major Cordes habe zwar wiederholt zum Abmarsch nach dem Katasteramt aufgefordert, die Menge habe aber feine Anweisung nicht befolgt.
Alle Borhalte des Vorsitzenden auch an diese Gruppe von Angetlagten, ob fie fich nicht aktiv an den Ausschreitungen beteiligt | hätten, wurden immer wieder verneint. Dagegen wurde von allen Angeschuldigten der Polizei vorgeworfen, daß sie rücksichtsIos vorgegangen sei. Der Landwirt Breddin , der ganz vorn im Portal des Finanzamtes seinerzeit stand, behauptete, daß ein Schupowa htmeister mit der Brille, den er sofort wiedererkennen würde, ihm mit erhobener Maschinenpistole zugerufen hätte:„ Zurüd, Sie Schwein, oder ich schieße." Gleich bei dem ersten Steinwurf sei die Schupo aus dem Finanzamt herausgekommen und der Leutnant habe kommandiert: Gummifnüppel raus." Ein anderer Angeklagter beschwert sich ebenfalls über die Polizei, aber in etwas anderer Hinsicht. Unter schallender Heiterkeit meinte er nämlich, er sei nur aus Rache von einem Landjäger angezeigt worden, weil er dem Beamten in der letzten Zeit bei den üblichen Besuchen keinen Rognat mehr vorgesetzt habe. anderer Angeschuldigter erinnerte an die Demonstration von 1926, Sie ganz ruhig verlaufen sei, weil damals die Leiter der Behörden zur Menge gesprochen und die Weiterleitung der Betitionen zugesagt
hätten.
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Der Gutspächter Stein bestritt, daß er derjenige große Herr" gewesen sei, der nach der Anflage auf Grund der Angabe eines Steuerbeamten sich besonders scharf gegen die Beamten im Finanzamt gewandt habe. Einer der Leiter dieser Dienststelle habe ihm inzwischen bestätigt, daß hier eine Berwechselung vorliegen müsse. Dieser Angeklagte betonte auch, genau so wie dies einige andere schon vorher getan haben, daß man es eigentlich für einen großen Unfug gehalten habe, die Fensterscheiben einzuwerfen, aber die Steinwürfe seien meistens von hinten gekommen, ohne daß man erfennen fonnte, wer der Urheber sei. Andererseits hätte niemand das Bewußtsein gehabt, daß er durch seine weitere Anwesenheit in dieser Menge die Situation noch verschlimmert habe. Ein anderer beflagte fich darüber, daß das Auto der Schußpolizei sehr rücksichts los in die Menge hineingefahren sei.